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Full text of "Lichtenberg Schriften und Briefe Bd3-3Kommentar"

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GEORG CHRISTOPH 

LICHTENBERG 

SCHRIFTEN UND BRIEFE 

Kommentar zu Band III 



Zweitausendeins 



if: 



Georg Christoph Lichtenberg 

Schriften und Briefe 

Herausgegeben von Wolfgang Promies 

I Erster Band: Sudelbiicher I 

II Zweiter Band: Sudelbucher II, Materialhefte, Tagebiicher 

K I + 11 Kommentar zu Band I und Band II 

III Dritter Band: Aufsatze, Entwiirfe, Gedichte, 

Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche 

K II Kommentar zu Band III 

IV Vierter Band: Briefe (einschlieBlich Kommentar) 



l.Auflage,Apnll994. 

2. Auflage, August 1994. 

3. Auflage, August 1994. 

4. Auflage, November 1994. 

5. Auflage, November 1994. 

Lizenzausgabe mit freundlicher Gcnehmiguug 

des Carl Hanser Verlages. 

© 1974 Carl Hanser Verlag, Miinchen. 

Alle Rechte vorbehalten, insbesondere das Recht der 

mechanise hen, elektronischen oder fotografischen Vervielfaltigung, 

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Rundfunk, Fernsehen oder Video, auch einzelner Text- und Bildteile. 

Der gcwerbliche Weiterverkauf und der gewerblkhe Verleih von 

Buchem, Platten, Videos oder anderen Saclien aus der 

Zweitausendeins-Produktion bedarf in jedem Fall der schriftlichen 

Genehmigung durch die Geschaftsleitung vom 

Zweitausendeins Versand in Frankfurt. 

Herstellung der Lizenzausgabe: 

Dieter Kohler &Bernd Leberfinger, Nordlingen. 

Druck: Reclam, Graphischer Betrieb GmbH, Ditzingen. 

Einband: G.Lachenmaier, Reudingen. 
Umschlag: Nach einem Entwurf von Eugen O. Sporer, 

Dicsc Ausgabe gibt es nur bei Zweitausendeins 

im Versand (Postfach, D-60381 Frankfurt am Main) oder 

in den Zweitausendeins-Laden in Berlin, Essen, Frankfurt, Freiburg, 

Hamburg, Koln, Munchen, Nurnberg, Saarbriicken, Stuttgart. 

In der Schweiz iiber buch 2000, 
Postfach 89, CH-8910 Affoltem a.A. 

ISBN 3-86150-042-6 



Inhalt 

Kommentar 

Aufsatze gelehrten und gemeinniitzigen Inhalts 7 

Streitschriften. 82 

Unterhaltsame Aufsatze 139 

Miszellaneen 225 

Entwurfe 231 

Fragmente von Erzahlungen . . 283 

Gedichte, Stammbuchspruche, Fabeln 299 

Ausf iihrliche Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche . .318 

Zum vorliegenden Band 444 

Lektiirehinweise 446 

A. Zur Verweistechnik 446 

B. Abkiirzungen 447 

C. Verzeichnis der haufig und verkiirzt zitierten Publikationen 448 
Personenregister zum Textband 451 



AlJFSATZE GELEHRTEN UND GEMEINNUTZIGEN INHALTS 



BERECHNUNG DER WAHRSCHEINLICHKEIT BEIM SPIEL 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Betrachtungen iiber einige Me- 
thoden, eine gewisse Schwierigkeit in der Berechnung der Wahr- 
scheinlichkeit beym Spiel zu heben, von Georg Christoph Lichten- 
berg, Professor der Philosophic / nebst einer Anzeige seiner Vor- 
lesungen«. Gottingen 1770 (bei Dieterich), 23 Seiten. Die Titelseite 
weist iiberdies eine Vignette, der Kopf der ersten Seite eine Arabeske 
auf. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Georg Christoph Lichtenberg wurde am i9juni 
1770 zum auBerordentl. Professor ernannt, am 11. August 1770 ver- 
eidigt. Zum Wintersemester 1770/71 kiindigte Lichtenberg erstmals 
Vorlesungen an (s. 23,i5f.). Als Einladung zu ihnen lieB er, wie es 
seinerzeit bei Antritt des Lehramts tiblich war, ein Programm im 
Druck erscheinen: die einzige Arbeit rein mathematischen Inhalts, 
die Lichtenberg je publizierte. Kastner auBerte dariiber in seinem 
Nekrolog auf Lichtenberg von 1799 (iibers. von Deneke, a.a. O., S. 
114) : »Er warf darin die Frage auf, warum kein verminftiger Mensch 
die Hoffnung zu einem betrachtlichen Gewinn, namlich von mehre- 
ren hunderttausend Talern, mit einer Summe, die gegen den zu hof- 
fenden Gewinn wie ein Nichts verschwinde, wie mit 50 Talern, 
kaufen werde. d'Alembert und Beguelin verwirrten dies noch mehr, 
indem sie es auseinander zu setzen suchten. Lichtenberg bemerkt nach 
Daniel Bernoulli und Cramer, daB ein kluger Mann darauf Riicksicht 
nehme, wie groB er den Verlust desjenigen schatze, welches er fur die 
trugerische Hoffnung hingibt. Durch diese erste offentliche Probe- 
schrift bewies Lichtenberg, welche Anlagen er hatte, Dinge, die an 
sich dunkel sind, oder durch den elenden FleiB der Gelehrten, den 
man Subtilitat nennen will, verwirrt sind, einem gesunden Auge 
deutlich darzustellen.« Ober den Gegenstand seiner Antrittsvorlesung 
handelte Lichtenberg noch am 15. April 1780 vor der Gottinger So- 
zietat der Wissenschaften. Diese Abhandlung, betitelt »Observationes 
super dubiis quibusdam circa aptitudinem vulgatae mensurae sortis«, 
ist weder im Druck erschienen noch unter seinen Papieren uberliefert. 
Wir wissen davon durch einen Hinweis in Kastners »Elogium« a. a. 
O., S. 6, eine Bemerkung der Herausgeber im Vorbericht zu Band 9 
der »Vermischten Schriften«, Gottingen 1806, S. V, sowie Lichten- 
bergs Selbstrezension in den »Gottingischen Anzeigen von gelehrten 
Sachen« 1780, 59. Stiick vom 13. Mai, S. 481-484 (s. auch Briefe IV, 
388, 14). 



8 GBLEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Ober die Bedeutung dieser Antrittsvorlesung vgl. Hahn, a.a.O., 
S. 11-15. 



9 8 Mefikunstler: im i8.Jahrhundert gebrauchlich fiir: Mathema- 
tiker. Lichtenbcrg gebraucht den Ausdruck auch 234, 37. 
311, 15. - gf. Abweichungen von dem, was er nach seiner Rech- 
nung ...: Dazu vgl. A 1. 156. - 32 ff. Wenn eine Bombe ... Vgl. 
A 211 und die Anm. dazu. - 33 Parabel: Kegelschnitt ohne 
Mittelpunkt, die Menge aller Punkte einer Ebene, die von 
einem festen Punkt, dem Brennpunkt, und von einer festen 
Geraden, der Leitlinie, gleich weit entfernt sind; die Wurf- 
oder GeschoBbahn im luftleeren Raum ist eine Parabel. 

10 5 die Gesetze des Galilaus ...fiir den Hebet: Galileo Galilei fand 
die Gesetze fiir den Fadenpendel und leitete hypothetisch die 
Fallgesetze 1604 aus falschen, 1609 aus richtigen Annahmen ab. 
Ober Galilei vgl. zu J 897. - 6 sein System: von mir verbessert 
aus: seine. - 28f. Die Aufgabe ... sehr beruhmt: Dazu vgl. oben 
S. 7. - 30 A und B: von mir, wie im folgenden, geandert aus: 
A. und B.; I und O aus: I. und O. - 34Bezeichnung: von mir 
verb, aus: Bezeic/iung. - 36 Leibnizischen Dyadik; Zahlen- 
system mit der Grundzahl 2, auch Dualsystem genannt, auf 
dessen theoretische Vorteile schon Leibniz hingewiesen hat; 
iiber Leibniz vgl. zu A 9. Lichtenberg erwahnt sie auch GTK 
i78i,S. 68, 69. 

11 23 Nicolaus Bernoulli: schweiz. Mathematiker und Jurist (1687 
bis 1759), Neffe und Schuler von Jakob und Johann Bernoulli, 
171 6 Prof, der Mathematik in Padua, seit 1722 in Basel. Er legte 
Montmort die Aufgabe in einem Brief mit 5 mathemat. Fragen 
am 9. Sept. 171 3 vor. - 23 Montmort: Pierre Raymond de 
Montmort (1678-1719), frz. Mathematiker, beschaftigte sich 
vor allem mit dem neuen Gebiet der Wahrscheinlichkeits- 
rechnung. - 24 Daniel Bernoulli: Mathematiker und Physiker 
(1700-1782), Sohn des Johann Bernoulli, 1725-1733 Prof, der 
Mechanik an der Akademie der Wissenschaften in St. Peters- 
burg, 1750 Prof, der Physik in Basel, wandte das neue Verfahren 
der Infinitesimalrechnung auf physikalische Probleme an. - 27 
Cramer: Gabriel Cramer (1 704-1 752), schweiz. Mathematiker, 
Schuler Johann Bernoullis, Prof, der Mathematik und Philoso- 
phic an der Akademie in Genf; nach ihmistdie sogenannte »Cra- 
mersche Regel« benannt; Hrg.u.a. vonWerken von Johann und 
Jakob Bernoulli. -2jf. in der namlichen Abhandlung: Cramer hatte 
1728 Nicolaus Bernoulli brieflich die Auflosung des Peters- 
burger Problems mitgeteilt. Daniel Bernoulli verorfentlichte 
das Schreiben innerhalb seiner eigenen Abhandlung (Commen- 
tarii Petropolis, a.a.O., S. 190-191; Hamburg. Mag., a.a.O., 



WAHRSCHEINLICHKEIT BEIM SPIEL 



S. 87-89). - 33 Analyse sur les Jeux: Der genaue Titel lautet; 
»Essai d' Analyse sur les Jeux de hasard«, erschienen Paris 1708, 
vermehrte AufL 1714. - 36 'f. Comment. acaL Petrop.: Der 5. 
Band, der S. 175-192 den genannten Aufsatz enthalt, erschien 
Petropoli (Petersburg) 1738. Ober die Commentarien der 
Petersburger Akademie vgl. zu D 685. - 37/. das Wesentlichste 
... im Hamb. Mag. ubersetzt: Gemeint ist der »Auszug aus dem 
Versuch einer neuen Lehre, von dem MaaBe der Glucksspiele, 
verfasset von Daniel Bernoulli^ erschienen in »Hamburgisches 
Magazin, oder gesammlete Schriften, zum Unterricht und Ver- 
gniig en, aus der Naturforschung und d&n angenehmen Wissen- 
schaften iiberhaupt«, Hamburg 1747, 1. Band, 5. Stuck, S. 73 
bis 90. 

12 1 8 Endzwecke: Ober diesen von Lichtenberg haufig gebrauch- 
ten BegrifFvgl. zu A 18; s. auch 22, 17. 314, 16. 354, 6. 415, 6. 
420, 17. 526, 31. 595, 12. -2$d*Alembert...andern Weggegangen: 
Gemeint sind die Abhandlungen »Reflexions sur le calcul des 
Probabilites«, erschienen Paris 1761 innerhalb der »Opuscules 
mathematiques«, S. 1-25, und »Doutes et questions sur le calcul 
des probabilites«, erschienen Amsterdam 1764-1767, innerhalb 
der »Melanges de Litterature, d'Histoire, et de Philosophies 
5. Band, S. 275-304. Ober d'Alembert vgl. zu A 249. - 
28 Beguelin: Ober Nicolas de Beguelin vgl. zu A 250. - 39 Mem. 
de Vacad. de Berlin ... 1 767: Gemeint ist »Sur l'usage du Principe 
de la Raison suffisante dans le calcul des probabilites, par M. 
Beguelin«, a.a.O., S. 382-412, gelesen vor der Akademie am 
I4januar 1768, erschienen Berlin 1769. Lichtenberg spielt auf 
diese Abhandlung in A 250 an. 

13 13 Friktion: Reibung: die Hemmung der relativen Bewegung 
sich beriihrender Korper oder von Teilen eines Korpers 
gegeneinander; iiber den von Lichtenberg mehrfach gebrauch- 
ten Begriff vgl. zu A. 28; s. auch 364, 4; im ubrigen vgl. zu 
A 28. - 26 Jemand halt ... zwei Lose: Ein Entwurf zu dieser 
Passage fmdet sich A 249. 

14 7f. Ein Liederlicher: Zu diesem Ausdruck vgl. 821, 2 f. - 27 
Bouteille: Flasche. - 32 Alligationsregel: Diese Regel lehrt, von 
zwei zu mischenden StofFen von gegebenen "Werten die Quan- 
titat eines jeden einzelnen Stoffs zu bestimmen, damit eine Mi- 
schung von gegebenem Mittelwert der Einheit entstehe. (Nach 
Math. Wb. von Ludwig Hoffmann, Berlin 1858, Bd. I, S. 64) - 
34 halben Gulden: als Goldmiinze, im MA die wichtigste 
deutsche Munze, nach der Konvention dt. Fiirsten von 1753 
auch Konventionstaler genannt: 20 Gulden gleich 1 Taler 
gleich 120 Kreuzer. Vgl. auch F 17. 144. 

15 1 naturlichen Mathematik: Ober den von ihm sogenannten 
»mathematischen Wilden«, der nach mathematischen Regeln 



10 GELEHRTE UND GEMErNNUTZIGE AUFSATZE 

handelt, ohne sie zu kennen, reflektiert Lichtenberg A 10. 113. 
210. C 33. H 45. 153. - 8 Entrepreneur: Lotterie-Unternehmer. 
22 Beguelin . . . hex einer seiner Aiiflosungen: Gemeint ist Beguelin, 
a.a.O., S. 393. 

16 igff. Valde ...proportionate: »Sehr wahrscheinlich ist, daB jeder 
beliebig kleine Gewinn einen Vorteil erzeugt, welcher dem 
schon vorhandenen Vermogen umgekehrt proportional ist.« 
Dies ist nach Hahn, a.a.O., S. n, der Ansatz des Weberschen 
Gesetzes, und Fechner deutet ihn in seinen »Elementen der 
Psychophysik«: »Die physischen Giiter haben keinen Wert ... 
fiir uns als tote Massen, sondern nur, insofern es auBere Mittel 
sind, eine Summe wertvoller Empfindung in uns zu erzeugen.« 

- 22 f d'Alemberts Meinung ...am oben angefuhrten Ort: Gemeint 
ist wohl »Opuscules mathematiques«, a.a.O., S. 9-10, § XI. - 
28 Melanges de litterature: Gemeint ist a.a.O., S. 276: »Leur 
decision ... a encourage des Mathematiciens mediocres, qui se 
sont hates d'ecrire sur ce sujet, et de m'attaquer sans m'enden- 
dre.« - 33 f gelehrten Verteidiger der Dreieinigkeit: Das Trinitats- 
Dogma von der Dreiheit (Gott Vater, Sohn, HI. Geist) in der 
Einheit wurde auf den Konzilien von Nicaa (325) und Konstan- 
tinopel (381) abgeschlossen ; vgl. auch A 63. B 290. -38/. d'Alem- 
bert sick ... auf die Erfahrung beruft: Das ist im ubrigen Lichten- 
bergs eigenes konsequent geiibtes und unermiidlich propagier- 
tes wissenschaftliches Verfahren; s. 82, 1. 512, 17. 

17 2J. angestellt worden sex: von mir verb, aus: ... seycrt. - 5 er ... 
sagt, es sei physisch unmoglich: Gemeint ist »Opuscules mathe- 
matiques«, a.a.O., S. 10, § XII. - 15 Quadranten: lat. »Viertel- 
kreis«, friiher viel benutztes Instrument zur Messung von 
Hohen im Meridian, Viertelkreis mit einer Winkelteilung an 
seiner Peripherie und einer Visiereinrichtung entlang einem 
Radius. - 27 Dreigroschenstuck: Lichtenberg gebraucht den Aus- 
druck auch 218, 9. 258, 4; im ubrigen vgl.zu C 22. -37/ Anson's 
Voyage ...p. 27$: Lichtenberg erwahnt die Reisebeschreibung 
auch B, S. 45 (I). D 440. 598. 695. RA 20. 

18 j Mxtte: von mir verb, aus: mittc. - i6vor dem ersten Wurj: von 
mir verb, aus: ... dew ... 

19 5 Gegen dieses wendet Herr Beguelin ein: »si Ton considere de 

plus que la nature entiere, par sa propre activite, passe conti- 
nuellement d'un ^tat a un autre etat . . .« (a.a.O., S. 389, § VIII. 

- 8 aus einer Wissenschaft: von mir verb, aus: aus Wissenschaft. - 
10 erne gewisse Verhaltnis: Diese im 18JI1. noch durchweg 
iibliche Schreibweise als Femininum verwendet Lichtenberg 
auch 66, 5. 128, 28. 277, 5. 282, 11. - 14 § IX kotnmt Herr 
Beguelin: Gemeint ist Beguelin, a.a.O., S, 389-391. - 34fahrt 
Herr Beguelin fort: Gemeint ist Beguelin, a.a.O., S. 391. 

21 8 Beguelin glaubt . . . .'Gemeint ist Beguelin, a. a. 0.,S. 3 93, § XII. 



ELEKTRISCHE MATERIE 1 1 

22 ij Enctzwecke: Vgl. zu 12, 18. 

23 5f- des Herrtt Daniel Bernoulli Methode: Vgl. zu 11, 24. - 16 im 
nachsten Winter-Halben-Jahre: das Wintersemester 1770/71. - 
i6f. Unterricht . . . privatissime ; Gemeint ist der Unterricht, den 
Lichtenberg jungen Englandern erteilte. - 24J. Anweisung wie 
geradlinigte Figuren... zu teilen: Der Obersetzer konnte nicht 
ermittelt werden. - 26 aus detn Ozanam ubersetzt: Jacques Oza- 
nam (1640-1717), namhafter frz. Mathematiker in Paris; sein 
von den Zeitgenossen am meisten geschatztes Werk sind die 
»Recreations«. - 26 Bogen: BegrifF aus dem Buchdruck: ein 
Druckbogen umfaBt 16 Seiten. - 26 8 vo: Oktav: Buchformat 
bis 22,5 cm Hohe; entsteht aus der Teilung eines Bogens in 
acht Blatt — 16 Seiten. - 2p Kastners Analysis endlicher Grofien; 
Gemeint sind die »Anfangsgriinde der Analysis endlicher Gro- 
Ben«, erschienen Gottingen 1760, von Abraham Gotthelf Kast- 
ner; iiber ihn vgl. zu A 179; vgl. im ubrigen A 261 und die 
Anmerkung dazu. 



ELEKTRISCHE MATERIE 



Erstveroffentlichung: »De nova methodo naturam ac motum fluidi 
electrici investigandi«, erschienen in den »Novi Commentarii Socie- 
tatis Regiae Scientiarum Gottingensis. Commentationes physicae et 
mathematicae classis 8«, Gottingen 1778, S. i68-i8o.EinEinzeldruck 
erschien gleichzeitig bei Dieterich in Gottingen. 

Satzvorlage: »Von einer neuen Art die Natur und Bewegung der 
elektrischen Materie zu erforschen. Erste Abhandlung«, in deutscher 
Ubersetzung abgedruckt in »Vermischte Schriften«, Gottingen 1806, 
Bd. 9 (»Physikalische und mathematische Schriften« Bd.IV), S. 49-80. 
Die Oj?ersetzung stammt vermutlich von dem Mitherausgeber der 
»Vermischten Schriften« und Schiiler Lichtenbergs: Kries. Ein Manu- 
skript der Abhandlung ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Aus den Briefen (s. zu 25, 3 f.) geht hervor, daB 
Lichtenberg sich im Fruhjahr 1777 einen groBen Elektrophor bauen 
(von Klindworth?) lieB, der die nachmals sogenannten »Lichtenberg- 
schen Figuren« zeitigte. Bereits am 3. Mai 1777 informierte Kastner 
die Versammlung der Koniglichen Sozietat der Wissenschaften in 
Gottingen iiber diese von Lichtenberg entdeckten Phanomene. Lich- 
tenberg, »der wegen UnpaBlichkeit nicht gegenwartig seyn konnte«, 
hatte Kastner ein »Pro Memoria« zur Verfiigung gestellt, wie man 
aus den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 72. Stuck, 
S. 569-572, vom i6.Juni 1777, erfahrt - die Notiz ist ofFenbar von 



12 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSAT2E 

Lichtenberg selbst aufgesetzt. Erst am 21. Februar 1778 trug Lichten- 
berg personlich vor der Sozietat der Wissenschaften die von uns ab- 
gedruckte »Erste Abhandlung« iiber die Lichtenbergschen Figuren 
vor (vgl. an Schernhagen: IV, Nr. 170, S. 313, vom 15. Februar 
1778; Nr. 172, S. 315-316, vom 23. Februar 1778). Ein Protokoll 
dieser Vorlesung findet sich - ebenfalls von Lichtenbergs Hand - in 
den »Gottingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 43. Stiick, 
S. 345-348, vom 9. April 1778. Arbeitsnotizen zu seinen Versuchen 
mit dem Elektrophor stellen F407. 456. 457. 461. (695* 1184) dar, 
niedergeschrieben im Marz/April 1777; s. auch F 541, ferner D 742. 

743- 744. 745. 

Entgegen seinem urspriinglichen Plan gab Lichtenberg, wie er 
Schernhagen am 5. Mai 1778 mitteilte (IV, Nr. 189, S. 326), »in 
dieser ersten Abhandlung nur einige Versuche, die MutmaBungen 
dariiber und die Hypothesen werden in eine zweite kommen.« S. 
auch 3i,22f. Die zweite Abhandlung ist erst 1779 erschienen. 

Die Wirkung von Lichtenbergs Entdeckung auf die Zeitgenossen 
war betrachtlich. Camper begruBte beifallig Lichtenbergs Versuche, 
die er selbst wiederholte, und versprach, seine Abhandlungen ins 
Franzosische zu ubersetzen (s. IV, Nr. 237, S. 368-369; Nr. 238, 
S. 369). Rozier lieB im Januar-Heft seiner »Observations sur la phy- 
sique et Thistoire naturelle et sur les arts« 15, Paris 1780, S. 17-24, 
Lichtenbergs »Erste Abhandlung* in franzosischer Sprache und mit 
samtlichen Kupferstichen erscheinen (vgl. an Heyne: IV, Nr. 258, 
S. 388-389, vom 22. April 1780). Cavallo veroffentlichte, von Lich^ 
tenberg angeregt, in den ^Philosophical Transactions«, London 1780, 
»Some new experiments in electricity with the description and use 
of two new electrical instruments* (s. an Schernhagen: IV, Nr. 288, 
S. 412, vom 26. April 178 1). Volta und Deluc schlieBlich beschaftig- 
ten sich tiber zwei Monate mit Lichtenbergs Figuren. Deluc schrieb, 
wie Lichtenberg an Wolff (LB II, Nr. 358, S. 86) am 13. Juli 1783 
mitteilt, »mehr witzig vielleicht als wahr: Ihre Sterne werden Dereinst 
noch in der Nacht der Elecktricitat leuchten.« 

Obrigens sollte nicht unerwahnt bleiben, daB Lichtenberg in seiner 
»Ersten Abhandlung« als erster fiir die Kennzeichnung von positiver 
und negativer Elektrizitat die Zeichen -j- un d — vorgeschlagen und 
eingefuhrt hat (s. 30,1), und daB seine Figuren Chladni zu den be- 
riihmteren Klangfiguren gefiihrt haben. 

Zur wissenschaftlichen Gesamteinschatzung s. die Neuherausgabe 
der Abhandlung von Herbert Pupke, erschienen in: »Ostwalds Klas- 
siker der exakten Wissenschaften« 246, Leipzig 1956. 



24 8 Elektrophor: griech. >Elektrizitatstrager< : Apparat zur wieder- 
holten Aufladung eines elektr. Leiters durch Influenz. - p 
Wilcke: Cber Johann Carl Wilcke vgl. zu D 742. - 10 unsern 



ELEKTRISCHE MATERIE 1 3 

ehemaligen Mitbiirger: Wilcke studierte 1753 -175 5 in Gottingen 
zunachst Theologie bei Mosheim und Michaelis, dann als 
Schiiler Tobias Mayers und Hollmanns Astronomie, Mathe- 
matik und Physik. - 10 ff. Volta ... semen Namen gegeben: 
Alessandro Volta - iiber ihn vgl. zu F 407 - konstruierte 1775 
nach einer Entdeckung von Wilcke (1762) den »Elettroforo« 
zur fortgesetzten Ladungserzeugung. »Der Erfinder des Elektro- 
phors ist er eigentlich nicht, dieses habe ich schon in meiner 
lateinischen Abhandlung gesagt, diese Stelle hat ihm, wie er mir 
sagte, vielen VerdruB zugezogen, ich habe mich ja auch nicht 
fur den Erfinder ausgegeben, sagte er mir, und ich antwortete 
ihm frank, ich habe aber auch nicht gesagt, daB Sie sich daftir 
ausgegeben hatten. Der eigentliche Erfinder aller Eigenschaften 
des Elektrophors ist Wilcke, der alles schon 1762 beschrieben 
hat, nur betrachtete Wilcke sein Instrument, das aus Glas war 
und vertikal stund, mit 2 beweglichen Belegungen, bloB als 
einen Apparat zu einem einzelnen Versuch; Volta machte eine 
elektrische Masch'me daraus und nahm Harz, welches freilich 
besser ist. Er kam auf den Gedanken bei Gelegenheit eines 
Streites mit Beccaria, dem er damit beweisen wollte, daB seine 
Electricitas Vindex eine Schimare sei«, schreibt Lichtenberg an 
Franz Ferdinand Wolff (IV, Nr. 482, S. 619) am lo.Februar 
1785. - 15 Leidener Flasche: So bezeichnet man wegen ihrer 
Form den altesten Kondensator, den Pieter van Musschenbroek 
Anfang 1745 in Leiden erfand; auch Kleistsche Flasche genannt, 
da unabhangig von Musschenbroek im Herbst 1745 EJ. von 
Kleist in Pommern ein ahnliches Gerat konstruierte. - 27 ff. die 
deutschen Physiker ... mit Spielereien ... beschaftigen: Im Zu- 
sammenhang mit seinen eigenen Experimenten an dem groBen 
Elektrophor kommt Lichtenberg in einem Brief an Schern- 
hagen (LB I, Nr. 167, S. 278) vom 3. Marz 1777 auf den Phy- 
siker Jacob Christian Scharfer zu sprechen: »Schafer hat bios 
damit die unglaublichen Dinge in der Welt vermehrt. Und 
seine Versuche gehoren mit zur Wunschelruthe, und den Ver- 
suchen, wo man durch Anschlag eines Ringes an ein Glas das 
Alter einer Person, oder die Stunde des Tages errathen will. 
Doch habe ich noch nicht Versuche gnug gemacht, alles gerade 
weg laugnen zu konnen. Ich glaube aber seine Streiche kaum.« 
Den Vorwurf, zu sehr gespielt zu haben, macht Lichtenberg 
spater seinem toten Kollegen Erxleben (IV, Nr. 527, S. 693). 
S. auch 75,4. 38i,22f. J 1748. - 35 Schwedische Abhandlungen ... 
1762: Wilcke veroffentlichte »Der Konigl. Schwedischen Aka- 
demie der Wissenschaften Abhandlungen aus der Naturlehre, 
Haushaltskunst und Mechanik auf das Jahr 1762. Aus dem 
Schwedischen iibersetzt von Abraham Gotthelf Kastner«, Ham- 
burg und Leipzig 1765, 24. Band, S. 213-235; 253-274 den 



14 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Artikel: »Fernere Untersuchung von den entgegengesetzten 
Elektricitaten bey der Ladung, und den dazu gehorenden Thei- 
len.« Lichtenberg erwahnt die Publikation in gleichem Zusam- 
menhang auch in den Briefen (IV, S. 619). Uber die Zeitschrift 
vgl. zu KA 38. 
25 J achtzehn Zoll: Zoll (von mhd. >Klotzchen<, >Fingerglied<), 
friiheres LangenmaB: 1 Zoll gleich 1/10 oder 1/12 Fu8: ca. 
2,5 cm. - 3/. nahm ich mix vox, mix einen Ekktxophox ... zu vex- 
fextigen: »Mein elektrischer Enthusiasmus hat mich wieder seit 
einigen Wochen befallen. Ich lasse mir einen Elektrizitats- 
Trager rnachen, woran mich die zinnerne Platte 55 Taler ge- 
kostet und zu dessen Kuchen 5 1 Pfund Pech genommen wor- 
den sind. Die Sache kostet Zeit und Vorsicht, ich gedenke ihn 
aber bald nach Ostern fertig zu haben«, schreibt Lichtenberg 
(IV, Nr. 148, S. 295) im Marz 1777 an Hollenberg. S. auch an 
Schernhagen (LB I, S. 278) vom 3. Marz 1777, - 8 Vexsuche 
tnit gxofien Instxumenten: Diesen Gedanken auBert Lichtenberg 
bezuglich seines Elektrophors F 456. Zu diesem Prinzip des 
Experimentalphysikers Lichtenberg vgl. zu GH93. - 1$ tnit 
buxgundischem: burgundisches Harz: Burgunderpech, Riick- 
stand aus der Terpentinoldestillation, der beim Umschmelzen 
in Kolophonium entweicht; friiher als Klebemittel benutzt; 
Nichtleiter fur Elektrizitat. - 16 Paxiser Fufi: friiheres frz. 
LangenmaB: 1 pied du roi gleich 12 pouces gleich 0,325 m. - 
21 ein Beispiel: Diese Beobachtung notiert Lichtenberg in F 461 
vom 1. April 1777. - 57/. einen neuenWeg ... bahnen: Ganz ahn- 
lich schreibt Lichtenberg an Schernhagen (IV, Nr. 170, S. 313) 
am 15. Februar 1778. 

26 20 Schcxnsteins: von mir verb, aus: Schorsteins. - 24 Leidnex 
Flaschen: Vgl. zu 24,15. - 28 von Pxiestley ... die Beobachtung dex 
Ringe: Die betrerlende Stelle konnte von mir nicht ausfindig 
gemacht werden. Ober Joseph Priestley vgl. zu D 761. -31 hoch- 
geschdtzte Mitgliedex und Zuhoxex: Anrede an die Mitglieder der 
Konigl. Sozietat der Wissenschaften in Gottingen. Eine Be- 
schreibung der Vorlesung und der Publikumsreaktion gibt 
Lichtenberg an Schernhagen (IV, Nr. 172, S. 315-316) am 
Montag, dem 23. Februar 1778. -38 Taschenspielexn: Die Pha- 
nomene der Elektrizitat dienten in der Tat zeitgenoss. Markt- 
schreiern zu spektakularen Vorfuhrungen; einem dieser va- 
zierenden Taschenspieler in Experimentalphysik legte Lichten- 
berg 1782 das Handwerk: Berschlitz, vgl. Briefe IV, 428.429. 
432.433.439.444.455.466.520. Vgl. auch 381, 22f. 

27 24 exhabenex Axbeit: Relief. - 31J. aufdex exsten Kupfertafel: Die 
Kupfertafeln wurden von dem Augsburger Kupferstecher 
Johann Elias Haid in »schwarzer Kunst« gestochen, wie aus 
Lichtenbergs Brief an Schernhagen (IV, Nr. 189, S. $26) vom 



ELEKTRISCHE MATER1E 1 5 

5. Mai 1778 hervorgeht. Das Honorar dafiir vergiitete ihm 
»gantz unerwartet« die Sozietat (s. LB I, Nr. 194, S. 306, an 
Schernhagen am 13. August 1778). Nach den »G6ttingischen 
Anzeigen von gelehrten Sachen«, 43. Stiick, 1778, S. 346, hat 
zu der Vorlesung der Ersten Abhandlung vor der Sozietat 
einige der Figuren »ein hiesiger junger Kunstler, Hr. Waagen, 
sehr schon gezeichnet«. 

29 19 burgundischem Harz: Vgl. zu 25, 15. - 25 zehn Zoll: Vgl. zu 

25,1. 

30 j mit 4- E bezetchnen: Dazu vgl. oben S. 12. - 11 idioelektri- 
schen Korper: Zu diesem BegrifF vgl. zu D 729. - 34 Gummi- 
lack: Lackharz, das nach dem Stich von Lackschildlausen an 
bestimmten Pflanzenarten auftritt. »Man macht jetzt, wie ich 
hore, sehr wirksame elektrische Maschinen aus Gummilack 
statt Glas«, schreibt Lichtenberg an Schernhagen (IV, Nr.i47 f 
S. 294) am 17. Februar 1777. 

31 1 Hexenmehl: lat. semen Lycopodii: volkstuml. Name fiir die 
Sporen des Keulen-Barlapps. Lichtenberg gebraucht den Aus- 
druck auch 372, 25. S. ferner D 257. F 640. - 2 Leidener Flasche: 
Vgl. zu 24, 15. - 22 j. spare meine Hypothesen fur eine andere 
Abhandlung: Dazu vgl. oben S. 12. 

32 jp Steganographie: Geheimschreiberei. Lichtenberg gebraucht 
das Wort auch 312, 6 und in der Miszelle »Von Rathseln« 
(GTK 1795, S. 167), wo er von »Steganographischem Ge- 
brauch« spricht und: »Steganographie ist, wo ich nicht irre, 
sogar eine Brodwissenschaft«. - 29 Kranzen aus Schachthalm 
(equisetum): »Ich schreibe auch nun auf eine ganz eigne Art 
mit negativer Elektrizitat, welches sich herrlich ausnimmt und 
nicht wie Equisetum, sondern wie Perlenschniire aussieht«, 
schreibt Lichtenberg am 26. Februar 1778 (IV, Nr.173, S. 316) 
an Schernhagen; eine Anweisung, seine Figuren zu verfertigen, 
gibt Lichtenberg noch am I3juli 1783 an Wolff (LB II, Nr. 
358, S. 85-86). 

34 4/. die sinnreichen Schlusse von Wilcke: Gemeint ist Wilckes 
Abhandlung »Undersoekning, Om de vid Herr Volta's nya 
Elettrophoroperpetuo foerekommande Electriske Phenome- 
ner«, erschienen in den »Konigl. Vetenskaps academiens hand- 
lingar«, 38. Bd., S. 56-83, 128-144, 216-234, Stockholm 1777. 
»Da ich meine Untersuchungen uber den Elecktrophor jezt 
wieder fortzusezen im Stande bin, so wolte ich Ew. Wohl- 
gebohren gehorsamst urn die nochmalige Mittheilung der 
Wilckischen Abhandlung ersucht haben; soke die Fortsezung 
derselben bereits angekommen seyn, so bitte ich ebenfalls um 
dieselbe,« schreibt Lichtenberg (LB I, Nr.171, S. 281-282) am 
11. Oktober 1777 an Unbekannt (ev. Kastner oder Murray). - 
$f. elektrischen Pausen von Gros: Uber Johann Friedrich Gros 



1 6 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

und die von ihm Leipzig 1776 verorTentlichte Abhandlung 
»Elektrische Pausen« vgl. zu D 743. Gros: von mir verb, aus: 
Grosse. - 6 wovon kunftig ein Mehreres: in der »Zweiten Ab- 
handlung«. - 8 Rozier Obs. sur la Physique: Dieser Jahrgang der 
Zeitschrift war mir nicht zuganglich. Ober Rozier vgl. zu 
GH 18; uber seine Zeitschrift ebenda. 



EINIGE LEBENSUMSTANDE VON CAPT. JAMES COOK 



ErstveroffentlichungundSatzvorlage: i>Eini^eLcbensuT^stzndQ von C^pt, 
James Cook, groBtentheils aus schriftl. Nachrichten einiger seiner Be- 
kannten gezogen von G.C.L.«, erschienen in: »G6ttingisches Maga- 
zin der Wissenschaften und Litteratur. Ersten Jahrgangs Zweytes 
Stuck. 1780, S. 243-296. VI. « Ein Manuskript des Aufsatzes ist im 
NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Uber die Entstehung des Aufsatzes ist in den Sudel- 
biichern beziehungsweise den Briefen nichts uberliefert. Laut »Nach- 
trag« (s. unten S. 25 f.) wurde der Aufsatz anfangs 1780 gedruckt, was 
bedeutet, daB er gewiB noch Ende 1779 geschrieben worden ist. Das 
Stuck, innerhalb dessen der Aufsatz erschien, wurde wohl Anfang 
Marz 1780 publiziert. Seine Besprechung erfolgte in den »G6ttingi- 
schen Anzeigen von gelehrten Sachen« 42. Stiick, vom 3. April 1780. 
Wie sehr Lichtenberg an Reisebeschreibungen und insbesondere 
den Weltumseglungen Cooks interessiert war, geht zum einen aus 
den Notizen hervor, die zu D 130 zusammengestellt sind; s. auch 
100, 27f. und IV, S. 249-252. Zum andern sei auf die verschiedenen 
Artikel verwiesen, die Lichtenberg zu diesem Thema schrieb oder 
doch herausgab. Ich erinnere an: »Nachricht von Capitain Cook's 
dritter Reise«, erschienen im »G6ttinger Taschen Calender« fixr 1778, 
S. 90-91 ; von Georg Forster erschien der Aufsatz »0-Taheiti« im 
»Gottingischen Magazin« Ersten Jahrgangs 2. Stuck. 1780, S. 69-104; 
3. Stuck. 1780, S. 420-458, und »Fragmente uber Capitain Cooks 
lezte Reise und sein Ende« im »G6ttingischen Magazin« Ersten Jahr- 
gangs 6. Stuck 1780, S. 387-429; Lichtenberg verorfentlichte den 
Artikel »PreisverzeichniB von siidlandischen Kunstsachen und Na- 
turalien« im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1782, S. 73-88, 
und eine »Kurze Obersicht der von den Europaern auf der Sudsee 
gemachten Entdeckungen« im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 
1783, S. 78-87. Dort weist Lichtenberg iibrigens auch auf den Grund- 
stock der volkerkundlichen Sammlung in Gottingen hin (S. 86-87): 
»Unter einer iiberaus vollstandigen Sammlung von Merkwiirdig- 
keiten der ganzen Sudsee, die von alien dreyen Cookischen Reisen 



CAPT. JAMES COOK 17 

mitgebracht, und von S. Majestat dem Konig ans Gottingische Mu- 
seum geschenkt worden, zeichnen sich die Kleidungsstucke von den 
Sandwich-Inseln, besonders ihre recht Geschmackvolle auf Cattun- 
Art gezeichneten Baumrinden-Zeuge, und noch mehr ihre Mantel, 
Helme etc. die mit vielen tausend carmoisinrothen und goldgelben 
Federn uberzogen sind, vor alien Kunstwerken von den Societats- 
oder Freundschafts-Inseln usw. aufs auffallendst vorziiglichste aus.« 



Literatur: Edwin Hennig, James Cook. Stuttgart 1952. 



3 5 zf. schriftl. Nachrkhten einiger seiner Bekannten: Gemeint sind vor 
allem Forster und Hawkesworth. 

36 19 Wiborg: Hafenstadt an der Wiborger Bucht und ehemals 
Hauptstadt des fmnischen Lans Wiborg. - 24 der mit Frankreich 
ausgebrochene Krieg: Die Kriegserklarung erfolgte im Mai 1756 
zwischen England und Frankreich; es ging um die Vormacht- 
stellung in Nordamerika. - 28 Mitschmdnnern: >midshipmen<: 
Leutnants zur See. - 33/". Eroberung von Louisbourg und Cap- 
Breton: Louisburg, auf der Kap-Breton-Insel in der Miindung 
des Lorenzstromes gelegen: der wichtigste Schutz Frankreichs 
und infolge umfassender Befestigung ein bestandiger Storen- 
fried des brit. Handelsverkehrs, wurde im Juni 1758 kampflos 
eingenommen. - 38 Georg Forsters Reise S. 36. L Teils.: Ober 
Johann Georg Forster vgl. zu F 1192. 

384 Analysis des Unendlichen: Infinitesimalrechmmg; Lichtenberg 
gebraucht den BegrifTauch GTK 1781, S. 5. - p Eroberung von 
Quebec: Der Fall der Stadt Quebec erfolgte am 14. September 
1759; der Sieg der Englander brachte sie in Besitz von Kanada. 
- 11 Admiral Saunders: Sir Charles Saunders (i7i3?-i775). en gl* 
Admiral, 1759 Befehlshaber der engl. Flotte im St.Lawrence- 
Stromgebiet. - 18 Wolfe: James Wolfe (1726-13. 9. 1759), be- 
ruhmter engl. General des Siebenjahrigen Krieges, Befehlshaber 
der engl. Landmacht, fiel in der Schlacht um Quebec. Lichten- 
berg erwahnt ihn audi in den Briefen (IV, S. 271. 272). - 37 
Montcalm: Louis Joseph Marquis de Montcalm de Saint-Veran 
(1712-14. 9. 1759), frz. General, verteidigte Kanada im Sieben- 
jahrigen Krieg gegen die Englander, bei Quebec todlich ver- 
wundet. 

39 4f- bis zum Frieden: Der Friedensvertrag wurde 1763 zu Paris 
geschlossen; vgl. auch zu 909, 3. - 15 Quadranten: Vgl. zu 17, 
15. - 15 Birds Arbeit: Ober John Bird vgl. zu RA 117. - 29/. 
Strafie von Belle-Isle: 20 km breite und 130 km lange Meeres- 
straBe zwischen Labrador und Neufundland. - 38 Esquimaux: 
frz. Schreibweise und im i8Jhdt. iiblich fur: Eskimos. 



8 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

40 i 8 halbe Guinea: Guinea: die wichtigste engl. Goldmiinze von 
1663-1816, benannt nach dem von der Guineakiiste gebrach- 
ten Gold; seit 1717 gleichbleibend zu 21 Schilling, und so noch 
gegenwartig als Rechnungsmiinze (1 Pfund und 1 Schilling) 
sehr beliebt. - 3$ 4 Pf. Sterling: Pfund Sterling: Wahrungsein- 
heit in GroBbritannien; 1 Pfund gleich 20 Schilling gleich 
240 Pence. - 37 6 Pence: Penny: der Pfennig in GroBbritan- 
nien. 

41 20 KonigL Sozietdt der Wissenschaften zu London: Royal Society: 
die alteste engl. Akademie der Wissenschaften, gegr. 1660 
»zur Forderung der Naturwissenschaften auf experhnenteller 
Grundlage«. Seit 1665 gab sie die »Philosophical Transactions* 
heraus: das alteste wissenschaftl. Publikationsorgan der Welt; 
als hochste Auszeichnung verleiht sie seit 173 1 die Copley- 
Medaille. - 21 f. Durchgang der Venus durch die Sonne ... im 
Sommer iy6g: Zu diesem astronomisch bedeutsamen Ereignis, 
das am 3-Juni 1769 stattfand und sich erst nach einem Jahr- 
hundert wiederholen sollte, riisteten auBer England auch 
Frankreich, Schweden, Spanien, Danemark und RuBland 
Beobachtungsexpeditionen. In Gottingen fiihrten Kastner und 
Ljungberg die Beobachtung durch, wahrend Lichtenberg 
hilfsassistierte ; vgl. auch B 238. 166. Die Anregung, die 
Beobachtung von Venusdurchgangen zur Bestimmung der 
Entfernung Erde - Sonne auszuwerten, geht auf Edmond 
Halley zuruck. - 24 dem Kbnige: Gemeint ist Konig Georg III. 
von England; liber ihn vgl. zu D 79. - 30 Marquesas-Inseln: 
Inselgruppe in Franzosisch-Polynesien, nordostlich der Gesell- 
schaftsinseln, 1595 von dem Spanier A. Mendana de Neyra 
entdeckt und nach seinem Gonner, dem Vizekonig von Peru, 
Marques de Mendoza benannt; s. auch 50, 29. -30/. Wallis ... 
Reise urn die Welt: Samuel Wallis (1728-1795), engl. Sudsee- 
fahrer, erhielt 1766 den Auftrag, unbemerkt von den Spaniern 
durch die Magalhaesstrafie in den Stillen Ozean einzudringen 
und nach dem Siidland zu suchen. Mit Byron, Carteret und 
Bougainville gehort Wallis zu den wichtigsten Vorlaufern von 
Cook. Sein Reisebericht »An account of a voyage round the 
world«, ist enthalten in John Hawkesworth' »Account of 
voyages undertaken for making discoveries in the Southern 
Hemispheres, London 1773. - 32 Lord Morton: James Douglas, 
14. Earl of Morton (1 702-1 768), seit 1764 President der Royal 
Society in London. - 3$ff. Konig Georgs-lnsel ... Otaheiti: Ta- 
hiti, 1767 von Wallis wiederentdeckte und wenig spater auch 
von Bougainville besuchte groBte Insel der Gesellschaftsinseln; 
sie verkorperte den europaischen Zeitgenossen ein Gegenbild 
eines paradiesischen Naturzustandes a la Rousseau. Lichtenberg 
erwahnt Tahiti auch 96, 10. 196, 29. 254, 1. 363, 14. Von Georg 



CAPT. JAMES COOK 1 9 

Forster erschien iibrigens im »G6ttingischen Magazin« Ersten 
Jahrgangs Drittes Stiick 1780 ein Artikel mit dem Titel: »0- 
Taheitk. 

42 1 Admiral Lord Hawke: Edward Lord Hawke (1705-1781), brit. 
Admiral, besiegte die frz. Flotte im Osterreich. Erbfolgekrieg 
bei der Insel Belle-Ile (1747) und im Siebenjahrigen Krieg in 
der groBen Seeschlacht bei Quiberon (20. 11. 1759); 1766-1771 
war erErster Lord der Admiralitat. - 9 Banks, jetziger Prasident: 
Ober Sir Joseph Banks vgl. zu D 130. Er war seit 1778 Presi- 
dent der Royal Society in London. - 12 Dr. Solander: Ober 
Daniel Solander vgl. zu D 440. - 20 Astronomen Green: Lebens- 
daten unbekannt. - 24/. Hawkesworth die bekannte Beschreibung: 
»An Account of the Voyages undertaken by the order of his 
Present Majesty for Making Discoveries in the Southern Hemi- 
sphere«, 3 Bande, erschienen London 1773 ; in deutscher Ober- 
setzung Berlin 1775. Lichtenberg zitiert die Reisebeschreibung 
von John Hawkesworth - iiber ihn vgl. zu D 130 - auch D 13 1. 
141. 142. 197. 653. 702. F, S. 455. J 210. RA 202. - 55 drei- bis 
vtertausend Pfund: Vgl. zu 40, 35. 

43 6f* von den Franzosen ermordeten Mitbruder: Laut Forster (»Reise 
um die Welt«, Insel Verlag Frankfurt/M. 1967, Bd. 1, S. 239) 
waren es keineswegs die Franzosen unter Bougainville, sondern 
Capitain Wallis, der 15 Eingeborene erschieBen lieB (1767). - 
16 Neuholland: histor. Name fiir den von den Hollandern ent- 
deckten Teil von Australien. - 24 im 3ten Buck im 3ten Kapitel: 
Gemeint ist Hawkesworth, a.a.O., S. 544-556. 

44 1 220 deutschen Meilen: 1 Deutsche (geograph.) Meile betrug 
7420,4 m. - 5 dem: von mir verb, aus: den. - 4 120 Lachter: 
Lachter: fruheres dt. LangenmaB; 1 Lachter gleich ca. 2 m.- 
18 Bougainville: Ober Louis Antoine de Bougainville vgl. zu 
C 268. - 22 Batavia: bis 1950 Name von Djakarta (Batavia war 
seit dem Humanismus der latein. Name fiir Holland und die 
Niederlande) ; seit 1618 Mittelpunkt des niederlandisch-ost- 
indischen Handels. S. auch 640, 15. - 24Jau\en Fiebern: FluB- 
fieber: Malaria. - 27 Hawkesworth im 10. Kap. des III. Bucks: 
Gemeint ist Hawkesworth, a.a.O., S. 721-722. - 31 seinem 
Untergang: von mir verb, aus: seinem - 34 Mara: Forster be- 
richtet von seiner Flucht, ohne Namen zu nennen, o.c.p. 595 
bis 596. - 55 zweite Reise: Sie dauerte vom 21. Juni 1772 bis 
30,Juli 1775. - 36 Konige O-Tuh: seinerzeit Hauptling auf 
Tahiti; Forster berichtet von ihm wiederholt. - 3$/. Nachricht 
von dieser Reise ... ebenfalls ins Deutsche ubersetzt: Werk und 
Autor konnten von mir nicht ermittelt werden. - 38/. in 8.: 

Vgl. 2U23, 26. 

45 1 8 Detachement: Trupp, Kommando. - 28 j. Drehbassen: Ge- 
schiitz, das in einem gabelformigen Eisen hangt, nach jeder 



20 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Richtung gedreht werden kann, meist auf SchifFen gebraucht. 
DWB 2, 1 361 bringt diese Stelle als Beleg. - 30 wie sie Hawkes- 
worth erzahlt: S. zu 44, 27. - 32 f. das Schicksal ... gjahre nach- 
her auf O- Why-He: Vgl. Lichtenbergs Schilderung 56, iyfF. 

46 1 Lord Sandwich: John Montagu (1718-1792), 4. Earl of Sand- 
wich, engl. Staa.tsmann. Lichtenberg erwahnt ihn auch in den 
Briefen (IV, S. 345). - 1 dem Konige: Georg III.; vgl. zu 41, 35ff. 
- 12 Rear Admirale: Konter-Admirale. - 12 Schout by Nacht: 
niederland. Konteradmiral. - 15/. Commandeur en Chef: Ober- 
befehlshaber. - 32 Resolution: >Entschlossenheit<, Lichtenberg 
besichtigte das SchirT nach dessen Riickkehr von der zweiten 
Weltreise am 30. November 1775 in Deptford; s. RA 204. - 
36 Adventure: >Abenteuer<. - 37 Tobias Fumeaux: Ober ihn 
vgl. zu RT 26. - 38 f mit Capt Wallis ... die Reise urn die Welt 
gemacht: Vgl. zu 41, 301*. 

47 5 Dr. Forster: Ober Johann Reinhold Forster vgl. zu RA 174. - 
6 seinen Sohn: Ober Johann Georg Forster vgl. zu F 1192. - 
9 Scharbock: Volksetymologie von Skorbut; Lichtenberg laBt 
sich dariiber von Reinhold Forster personlich unterrichten, 
wie er an Schernhagen (IV, Nr.iii, S. 251-252) am 16. Ok- 
tober 1775 berichtet. - 2$ halbes Quart: friiheres dt. Fliissig- 
keitsmaB: 1 Quart gleich 1,145 1. In GroBbritannien 1 Quart 
gleich 1/4 Gallon. -37 Dr. Monro: Donald Monro (1729-1802), 
schott. Militararzt und Mitglied der Royal Society in London. 
Lichtenberg erwahnt ihn auch in den Briefen (IV, S. 23). 

48 3jf. diese Umstande ... bereits bekannt: Georg Forster berichtet 
in der »Einleitung« seiner Reisebeschreibung (o.c.,p. 33-37) 
ausfiihrlich von den angewandten Praventivmitteln gegen 
Skorbut. - sf nur einer ...an einer Krankheit gestorben: Diese 
Tatsache notiert Lichtenberg auch RA 187. - 12 des Ritter 
Copley gotdne Medaille: Seit 173 1 vergab die Royal Society in 
London als ihre hochste Auszeichnung die Copley-Medaille, 
so genannt nach Sir Godfrey Copley, gestorben 1709. - 34 
Lachter: Vgl. zu 44, 4. 

49 14 27 Graden des Fahrenheitischen Thermometers ...; Das ent- 
spricht etwa - 3 ° Celsius und etwa + 21 ° Celsius; iiber Daniel 
Gabriel Fahrenheit vgl. zu KA 54. - 36 Cranz in seiner Ge- 
schichte von Gronland: Gemeint ist David Cranz* »Historie von 
Gronland enthaltend Die Beschreibung des Landes und der Ein- 
wohner etc. insbesondere die Geschichte der dortigen Mission 
der Evangelischen Brlider zu Neu-Herrenhut und Lichtenfels«, 
Barby und Leipzig 1765, S. 42, wo Cranz von Eis-Feldern 
schreibt: »Und dieses ist salzig, weil es aus See-Wasser ent- 
standen.« Ober Cranz vgl. zu KA 232. 

50 23f vom Admiral Roggewein entdeckte Paaschen- oder Oster- 
Insel: Jakob Roggeveen - iiber ihn vgl. zu D 440 - landete 



CAPT. JAMES COOK 21 

am i. Ostertag (<5. April) 1722 auf der von ihm deshalb Paasch- 
Eiland, Osterinsel, genannten Insel. Lichtenberg erwahnt diese 
Tatsache auch GTK 1783, S. 81. - 26 Don Felipe Gonzalez: 
span. Seefahrer (1702-1792), entdeckte 1770 die Davids-Insel 
(San-Carlos). - 28 Mendana: Alvaro Mendafia de Neyra (1541 
bis 1595), span. Sudsee-Entdecker, unternahm 1567 eine Fahrt 
iiber den Stillen Ozean, um das sagenhafte Sudland zu suchen; 
entdeckte auf dieser Reise die siidl. Salomonen, 1595 die Mar- 
quesasinseln. Lichtenberg erwahnt ihn auch GTK 1783, S. 82. - 
29 Las Marquesas de Mendoza: Daruber vgl. zu 41, 30. - 37 
freundschaftlichen Inseln: die Tonga-Inseln, von den Spaniern 
bereits im i6.Jh. gesichtet. - 38 Siehe das erste Stuck dieses Maga- 
zins S. 73 u.folg.: Gemeint ist Georg Forsters Aufsatz »0-Ta- 
heiti«, erschienenim »G6ttingischenMagazin«,ErstenJahrgangs 
Erstes Stiick, 1780, S. 69-104. 

51 2§. Bougainville ... gesehenen ... Inseln: Gemeint sind die Inseln 
der Tuamotu-Gruppe, die Bougainville 1768 sichtete; im 
ubrigen vgl. iiber ihn zu C 268. - 3 von Quiros entdeckten In- 
seln: Pedro Fernandez de Quiros (1 560-1614), span. Siidsee- 
fahrer, begleitete Mendana 1595 auf dessen Entdeckungsreise 
und unternahm 1605 eine weitere Fahrt iiber die Tuamotu- 
Inseln nach Westen, wobei er die Neuen Hebriden entdeckte. - 
5/. 240 britische Seemeiten: Die engl. nautische Meile betragt 
1,853 km. - 7/. verstorbenen Herzogin von Norfolk: In Frage 
kommt wohl nur Maria Coppinger of Ballyvoolane, die 
Charles Howard, der 11. Duke of Norfolk, am 1. August 1767 
geheiratet hatte; sie starb am 28. Mai 1768. S. auch Georg 
Forster, a.a.O., Bd. i, S. 873-876. - 11 1500 Seemeilen: Vgl. 
oben zu Z. 5f. - 13J. die beiden Herrn Forster: Ober sie vgl. 
zu 47, $.6.-14 Dr. Sparrmann: Anders Sparrman (1748-1820), 
schwed. Naturforscher und Forschungsreisender, der an Cooks 
zweiter Weltumseglung teilnahm. Lichtenberg erwahnt ihn 
auch in den Briefen (LB I, S. 388). - 14 Tierra del Fuego: Feuer- 
land; von Fernao Magalhaes 1520 so genannt wegen der zahl- 
reichen sich an der Kiiste aneinanderreihenden Feuer. 

52 7 Bouvets vorgebliches Land: Gemeint ist die von Bouvet 1739 
entdeckte Insel im Siidatlant. Ozean, die erst 1927 genauer er- 
forscht wurde. Jean-Baptiste-Charles Bouvet de Lozier (1706 
bis nach 1774), frz. Weltumsegler und Gouverneur der Insel 
Bourbon. - 16 Schinesischen: Tax dieser Schreibweise vgl. zu 
440, 1. 

53 1 CapL Crozet: Julien-Marie Crozet (1728-1780 auf einer See- 
reise verschollen), frz. Seemann und Forschungsreisender, ent- 
deckte 1772 zus. mit Marion die nach ihm benannten Crozet- 
Inseln. - 3 Capt. Marion: Nicolas-Romas Marion-Dufresne 
(geb. 1729), frz. Weltumsegler, geriet 1772 auf Neuseeland in 



2 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

einen Hinterhalt der Maoris und wurde getotet. - p Don Juan 
Arraos: Lebensdaten unbekannt; der SALVAT fuhrt ihn nicht 
auf. - i8f. kommandierenden: von mir verb, aus: kommandieren. - 
2gf. Capit. Phipps (jetziger Lord Mulgrave): Ober ihn vgl. zu 
D 692. - 30/. Daines Barrington: engl. Rechtsanwalt (1727 bis 
1800), auch Altertumsforscher und Naturkundler. - 35 Trans- 
aktionen: Ober die »Philosophical Transactions* vgl. zu D 675. - 
36 Barrington lief sie besonders drucken: Gemeint ist »The Proba- 
bility of Reaching the North Pole Discussed«, London 1775. 
54 2 20 000 Pj. Sterling: Vgl. zu 40, 35: etwa 400.000 Mark. - 
$f. Omai: Ober den Eingeborenen aus Tahiti, den Furneaux 
mit nach London gebracht hatte, vgl. zu F 733. Lichtenberg 
hatte ihn am 24. Marz 1775 personlich kennengelernt ; s. RT 
25. - 8f. Triebfedern: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch A 88. C 267. D 218. F 348. H 47; s. auch 497, 35. 499, 7. - 
14$. die alte Resolution: Vgl. zu 46, 32. - 15 Discovery: >Ent- 
deckung<. - 16 Gierke: Charles Clerke (1741-1779), engl. See- 
offlzier, dritter Leutnant auf der von Cook befehligten »En- 
deavour« und zweiter Leutnant auf der »Resolution« wahrend 
der 2. Weltumseglung, starb auf der 3. Weltumseglung an 
einer Krankheit. - io,f. seine Aufsdtze uber die vorige Reise: »A 
voyage towards the South Pole and round the world per- 
formed in His Majesty's Ships The Resolution and Adventure 
in the years 1 772-1 775 «, 2 Bde., erschienen London 1777. - 
20 Dr. Douglas: Gemeint ist John Douglas (1721-1807), nach- 
mals Bischof von Salisbury, gab auf Veranlassung Lord Salis- 
burys die Aufzeichnungen Cooks heraus. - 21 Strahan: William 
Strahan (171 5-1 785), bedeutender engl. Verleger und Buch- 
drucker in London. - 22 James Stuart: engl. Maler (1713-1788), 
Architekt, Archaologe und Kunstschriftsteller, gab, zusammen 
mit Nicholas Revett, die »Antiquities of Athens« heraus, deren 
1. Band London 1762 erschien, der 2. erst 1789. - 26 f. Pallas 
an ... Busching: Gemeint ist Peter Simon Pallas (1741-1811), 
in Berlin geborener, in RuBland lebender Forschungsreisender 
und geograph. Schriftsteller, bereiste 1768-1774 das ostl. RuB- 
land und Sibirien; uber Anton Friedrich Busching vgl. zu 
J 211. - ji/. die von Capitain Marion und Kerguelen entdeckten 
Inseln: Am 12. Dezember 1776 sichtete Cook die von Marion 
du Fresne und Crozet 1772 entdeckten Inseln, denen er den 
Namen »Prinz-Edwards-Inseln« gab, wahrend er eine Gruppe 
kleiner Inseln weiter ostlich nach ihren Entdeckern als Marion- 
und Crozetinseln benannte. Am 24. Dezember 1776 erreichte 
Cook die nach ihrem Entdecker genannten Kerguelen-Inseln. 
Yves-Joseph de Kerguelen-Tremarec (1745-1797), frz. See- 
fahrer und Entdeckungsreisender, entdeckte 1772 die nach ihm 
benannten Inseln im siidl. Stillen Ozean. - 32/". Prof. Forsters 



CAPT. JAMES COOK 23 

Charte der siidlichen Meere: Dem 2. Band der »Reise urn die 
Welt« von Georg Forster, erschienen Berlin 1780, ist eine 
»Charte von der Siidlichen Halbkugel« beigegeben. - 36 Capt. 
Crozets: Ober ihn vgl. zu 53, 1. 

55 37Busching . . . genannt: Der vollstandige Titel der von Biisching 
bis 1785 hrsg. geographischen Informationsschrift lautet »W6- 
chentliche Nachrichten von neuen Landkarten«. 

56 7 d'Anvillischen Charte des Globus: Jean Baptiste Bourguignon 
d'Anville (1697-1782), frz. Kartograph und Geograph; erster 
»Koniglicher Geograph« in Paris seit 1719 und Autor von 211 
Karten. - 13 Ladrones-Inseln: portug. >Diebes-Inseln< : alter 
Name der Marianen. -18 O-Why-He: Hawaii. 

57 52 5 Fufi 11 Zoll: ca. 1,80m. - 38 j. Bin Physiognotne ... den 
Erdkreis zu unt—wandeln: Lavater hat Cook nicht unter seine 
Konterfeis der »Physiognomischen Fragmente« aufgenommen. 

58 2 Augenbraunen: Lichtenberg folgt hier der im i8.Jh, noch 
durchaus ublichen Schreibweise. -11 Schmied seines eignen 
Gliicks: Dieses Sprichwort ist laut Biichmann auf Appius 
Claudius (Consul 307 v.Chr.) zuruckzufiihren. - i$f. Segens- 
formeln: Fliiche. »Segenspartikelchen« pragt Lichtenberg 855, 
23; vgl. auch 208, 25. 553, 29. 825, 36. Ober die Fliiche der 
engl. Nation und speziell ihrer Seeleute auCert er sich in F 569. 
- 22/. Kupferstich ... Sherwin nach einem Gemdlde des Dance: 
John Keyse Sherwin (ca. 1751-1790), engl. Zeichner, Kupfer- 
stecher und Maler. Nathaniel Dance (1735-1811), engl. Por- 
tratmaler; das Gemalde von Cook befindet sich im Royal 
Navy College zu Greenwich. Es ist in der oben S. 17 ange- 
fuhrten Monographic vor der Titelseite vollstandig abgebil- 
det. - 25/. Bergers Kopie ... dem Magazin beigefugt: S. S. 37. 
Johann Daniel Berger (1744-1824), Kupferstecher und Radie- 
rer in Berlin; Lichtenberg erwahnt ihn auch in den Briefen 
(IV, S. 383). 

59 6 Der Konig: Ober Georg III. vgl. zu D 79. - 6 Lord Sandwich: 
Ober ihn vgl. zu 46, 1. - 7 Mr. Palliser: Sir Hugh Palliser (1723 
bis 1796), engl. Admiral, 1762-1766 Oberbefehlshaber und 
Gouverneur von Neufundland, ehemals Vorgesetzter und hoher 
Gonner Cooks, der nicht zuletzt ihm verdankte, da£ er zum 
Kommandanten der »Endeavour« fur die 1. Weltumseglung 
berufen wurde. - 10 Saturday night: Samstag Nacht. - 27 f. 
Vademecums-Geschichtchen: Gemeint sind Historchen, Anekdo- 
ten, wie sie in dem »Vademecum fur lustige Leute« stehen 
konnten: der von Nicolai 1764-1792 in Berlin herausgegebe- 
nen Anekdotensammlung; s. auch 531, 11. Von »Vademecums- 
Historchen« spricht Lichtenberg in den Briefen (IV, S. 501). 
Eine »kleine Vademecums-Geschichte« erzahlt er selbst in den 
Briefen (IV, S. 744-745). 



24 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

60 1 p Hill's Review of the Royal Society: Gemeint ist »A Review 
of the Works of the Royal Society; containing Animadver- 
sions on such of the Papers as deserve particular Observation^ 
erschienen London 175 1 in 8 Teilen. John Hill (i?i6?-I775), 
der sich selbst Sir John nannte, engl. Quacksalber und Apothe- 
ker in London, auch schriftstellerisch tatig; griff die Royal 
Society, Fielding und Garrick an. - 21 die Copleysche gol&ene 
Medaille: Vgl. zu 48, 12. - 24J. Macht des eignen Nachdenkens: 
Dazu vgl. 87, 25. 378, 9; fernerE 317. G 128. - 25/. Verachtung 
gegen alle Gelehrsamkeit: Ober das Wesen des wahren Gelehrten 
reflektiert Lichtenberg auch J 247. - 27 King: James King (1750 
bis 1784), engl. Seeoffizier, fiihrte zus. mit dem Leutnant Gore 
nach dem Tode Cooks und Clerkes die Expeditionsschiffe nach 
England zuriick, bereitete Cooks Journal der 3. Reise fur den 
Druck vor. - $if. der T... hole die Gelehrsamkeit: Diesen Satz 
zitiert Lichtenberg auch J 247; die Angewohnheit, Teufel nicht 
auszuschreiben, woriiber er sich F1104 belustigt, begegnet 
auch 329, 26. 473, 36 f., 811, 21. Vgl. ferner Briefe (IV, S. 48. 
653. 986.) - 55 Hofsprache: Den gleichen Ausdruck gebraucht 
Lichtenberg auch 234,25; ferner Briefe IV, S. 841. Wort- 
bildungen mit Hqf- begegnen auch 262, 21 f. 573,6. 574, 3. 
575, 3. 698, 3. 703, i4f. 806, 30. 890, 6f. 

61 55 so sollte man wohl den Geiz nennen: Dieser Gedanke ist G 58 
entlehnt. 

62 j Seiner W'xtwe: James Cook hatte 1762 die einundzwanzig- 
jahrige Kaufmannstochter Elisabeth Batts in Little Barking 
geheiratet und bewohnte mit ihr ein Haus in Mile End Old 
Town, Middlesex. - 5 Lord Hawke: Ober ihn vgl. zu 42, 1. - 
11 Reisen von Byron, Wallis y Carteret und Fumeaux: Ober John 
Byron vgl. zu B, S. 45; uber Carteret vgl. zu D 444; liber Wal- 
lis vgl. zu 41, 3of.; uber Furneaux vgl zu RT26. - 24J. zu 
seinem Andenken eine Medaille: Die Goldmedaille ist bei Hennig, 
o.c.,p. 100, abgebildet. Die Bildseite umfafit die lat. Kenn- 
zeichnung : »Jac. Cook, Oceani Investigator Acerrimus« (Des 
Meeres eifrigster Erforscher), die Ruckseite enthalt den Spruch : 
»Nil Intentatum Nostri Liquere« (Nichts Erstrebtes lieBen die 
Unsrigen unerledigt). - 25/. englischen Krone: Crown; engl. 
Gold- und Silbermiinze: der engl. Taler. -27 Konig: Ober 
Georg III. vgl. zu D 79. - 28 die Konigin: Ober Sophie Char- 
lotte, dessen Frau, vgl. zu RA 14. - 28 die russische Kaiserin: 
Katharina II. ; iiber sie vgl. zu D 79. - 29/ Hafen Awatscha oder 
St Peter und Paul: Gemeint ist Petropawlowsk, eisfreier Hafen 
und Hauptort der Halbinsel Kamtschatka; 1740 von V. Bering 
gegriindet, der hier mit den SchirFen »St. Peter« und »St, Paul« 
landete. Nach Cooks Tod hatte Kapitan Clerke die beiden 
Expeditionsschiffe plangemaB nach Kamtschatka gefiihrt. - 



CAFT. JAMES COOK 25 

30 Konig von Frankrekh: Ludwig XVL; iiber ihn vgl. zu J 564. 
Die franzos. Marine erhielt Anweisung, »da solche Entdeckun- 
gen alien Nationen gemeinsamen Nutzen bringen, ist es Konig- 
licher "Wunsch, daB Kapitan Cook als Befehlshaber eines neu- 
tralen und alliierten SchifFes zu behandeln sei« (zit. nach Hennig, 
o.c, p. 79). - 32 wahrend des Kriegs: Gemeint ist der Freiheits- 
krieg 1775-1783 der nordamerikanischen Kolonien, die 1778 
ein Bundnis mit Frankreich gegen England schlossen. - 
33 Herzog von Croy: Gemeint ist Joseph-Anne- Auguste-Maxi- 
milien de Croy-Havre, Herzog von Havre (1 744-1 839), frz. 
General. - 34 eine fur die Witwe: President Joseph Banks sandte 
ihr die Medaille ami2. August 1784 mit einem anerkennenden 
Dankschreiben. - 35 bestimmt ist: Mit diesen Worten endet der 
Aufsatz Lichtenbergs, der im »G6ttingischen Magazin« Ersten 
Jahrgangs Zweites Stiick 1780, S. 328-330, folgenden »Nach- 
trag« publizierte: 

»Cook ist am dritten November geboren. Er hat drey Sonne 
hinterlassen einen von 17, einen von etwa 15 und einen von 4 
Jahren. Den altesten wollte er mit auf die Reise nehmen, er 
anderte aber seinen Vorsatz. Dieser ist vor etwa 10 Monaten* 
als Midshipman in die Flotte aufgenommen worden. Der zwey te 
geht diesen Februar mit Capt. Walsingham nach Westindien. 
Sein Vater ist erst im vorigen Jahre verstorben, auch eine seiner 
Schwestern starb erst wahrend seiner Abwesenheit. 

Zu der Medaille, die auf ihn geschlagen werden soil, kann 
jedes Mitglied der Societat einen Vorschlag eingeben. Der Pre- 
sident lieBt die Vorschlage ab, zeigt aber keine Zeichnungen 
vor, damit nicht eine feine Zeichnung manchen verfiihren 
moge, eine vielleicht schlechte Erfmdung und Umschrift durch- 
gehen zu lassen. Am Ende wird votirt, 3 Vorschlage werden 
behalten, und aus diesen wird eine gezogen. 

Es konnen zwar nur Mitglieder auf die Medaille unter den 
angefiihrten Bedingungen subscribiren, allein, da es ihnen ganz 
frey steht, auf so viele zu subscribiren, als sie wollen, so ist da- 
durch auch fremden ein Weg offen Medaillen zu erhalten, wenn 
sie sich an Mitglieder wenden. Man kan auch mit einer Guinea 
auf zwey kupferne subscribiren; allein nicht mit einer halben 
Guinea auf eine. 

In dem Westminster Magazine vom Januarius dieses Jahres 
befmdet sich eine Lebensbeschreibung des Capt. Cook mit 
einem Portrait, wovor wir unsre Leser warnen miissen. Das 
Bild gleicht ihm dort nicht sonderlich viel mehr, als jedem 
andern Menschen, und in die Beschreibung selbst haben sich 

* Von der Zeit gerechnet, da dieser Aufsatz zuerst gedruckt 
wurde, das ist, im Anfange des Jahres i78o.« 



26 GELEHRTB UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Irrthumer geschlichen, die wohl nicht leicht groBer seyn kon- 
nen, unter andern gehort der ganze zweyte und dritte Absatz 
auf der zweyten Seite in ein ganz anderes Leben hinein, namlich 
eines gewissen Lieut. Cook, den der Verfasser mit unserm Ca- 
pitain verwechselt hat.« 
36 20 Gum.: Vgl. zu 40, 18. 



VERMISCHTE GEDANKEN UBER DIE AEROSTAT ISCHEN MASCHINEN 



Erstveroffenttichung und Satzvorlage: »Vermischte Gedanken iiber die 
aerostatischen Maschinen, von G. C. L.« Erschienen im »G6ttingischen 
Magazin der Wissenschaften und Litteratur. Dritten Jahrgangs sech- 
stes Stiick.« 1783. S. 930-953: IX. Ein Manuskript des Aufsatzes ist 
im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Am 9. Februar 1784 schrieb Lichtenberg (LB II, 
Nr. 381, S. 114) an Wolff: »Wenn ich nicht wieder ein Recidiv 
[Lichtenberg war zuvor ernstlich krank gewesen] vor Abdruck des 
Magazins bekomme, so bekommen Ew. Wohlgebohren eine aus- 
schweifende Abhandlung von mir iiber die aerostatischen Maschinen 
zu lesen.« Denn trotz der Jahreszahl 1783 ist das 6. Stuck des Dritten 
Jahrgangs - eigentlich 1782 - erst im Jahr 1784 erschienen, und zwar 
wohl friihestens Ende Februar, wenn nicht gar im Marz, da in dem 
Aufsatz ein Versuch vom 18. Februar 1784 (mit der Bezeichnung: 
heute) erwahnt wird (s. 68, i8f.; s. auch 74, 27 f.). 

Die erste offentliche AuBerung Lichtenbergs iiber die neue Er- 
findung findet sich im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1784, der 
im Spatherbst 1783 erschien und unter der Rubrik »Neue Erfin- 
dungen und andere Merkwiirdigkeiten«, S. 88, vermerkt: »In Frank- 
reich beschaftigt sich jetzt uberhaupt das Publicum sehr mit Be- 
weisen von der Wahrheit der Wiinschelrute, der Untruglichkeit der 
Quellenseher (Sourciers) und der Ausfiihrung der Luftschiife ...«. 
Im »G6ttingischen Magazin der Wissenschaften und Litteratur«, 
Dritten Jahrgangs fiinftes Stuck, 1783, S. 783-793, erschienen ca. 
Oktober 1783, veroffentlichte Lichtenberg den Aufsatz: »Ober die 
neuerlich in Frankreich angestellten Versuche, groBe hohle Korper 
in der Luft aufsteigen zu machen, und damit Lasten auf eine groBe 
Hohe zu heben.« In den »Anfangsgriinden der Naturlehre«, 6. Aufl., 
Gottingen 1794, §2510, S. 229 f, gab Lichtenberg eine objektive 
Darstellung der bisher erreichten Resultate; gelegentliche AuBerun- 
gen finden sich auch in spateren Aufsatzen (PH + M II, S. 36. Ill, 
S. 95 ff. VI, S. 304ff.). Von Lichtenbergs begriindetem Interesse an 
diesem Gegenstand - vgl. H 180 - zeugen schlieBlich auch $ Rezen- 



AEROSTATISCHE MASCHINEN ^l 

sionen, die samtlich aus demjahre 1784 stammen (Jung Nr. 187. 188. 
190. 191. 193): »Barthelemy Faujas de St. Fond: Description des 
experiences de la machine aerostatique de MM. de Montgolfier et de 
celles auxquelles cette decouverte a donndlieu. P.I.Paris 1783 « in 
den »G6ttinger Anzeigen von gelehrten Sachen« 7. Stiick, vom 
lo.januar 1784, S. 57-72; »M.D .***: Consideration sur le globe aero- 
statique. Paris 1783. Lettre a M.D.*** sur sonprojet de voyager avec 
la sphere aerostatique de M. de Montgolfier a Aeropolis. Paris«, 
erschienen ebenda, 17. Stiick, 29januar 1784, S. 167-168; »Fried- 
rich Ludwig Ehrmann: Montgolfiersche Luftkorper oder aerosta- 
tische Maschinen, worinn die Kunst sie zu verfertigen und die Ge- 
schichte der bisher damit angestellten Versuche beschrieben werden, 
nebst einer Beschreibung der zwo ersten Reisen durch die Luft und 
Hrn. Dr. Wiirtz' Gedanken iiber die Ursachen des Steigens dieser 
Luftkugeln, welche er in dem Musee zu Paris den i.Sept. 1783 vor- 
gelesen hat. Strafiburg i784«, erschienen ebenda, 51. Stiick, vom 

27. Marz 1784, S. 509-512; »Barthelemy Faujas de St. Fond: Pre- 
miere suite ... P. 2. Paris I784«, erschienen ebenda, 139. Stiick, vom 

28. August 1784, S. 1385-1397; »C. Kratzenstein: L'art de naviguer 
dans Tair. Kopenhagen, Leipzig I784«, erschienen ebenda, 202. 
Stiick, vom 18. Dezember 1784, S. 2023-2024. 

Literatur: Promies, a.a.O., S. 93-98. 



63 4 unser achtzehntes Jahrhundert: Eine Aufzahlung der Errungen- 
schaften des i8Jahrhunderts begegnet auch im »G6ttinger 
Taschen Calender« fur 1797, S. 83: »Das Neueste von der 
Sonne, groBtentheils nach Herschek; s. ferner IV, 757, 22ff. - 
9 von ihm: von mir verb, aus: ... ihn. -11 die Gestalt der Erde 
bestimmt: wohl Anspielung auf die Entdeckungsreisen u.a. von 
Cook, die zur genaueren Kenntnis des Siidpols und zur Ent- 
deckung des funften Kontinents: Australien fiihrten. - 12 dem 
Donner Trotz bieten gelehrt: Gemeint ist Franklins Erfindung 
des Blitzableiters. - 12J. den Blitz ... auf Bouteitlen gezogen: 
Gemeint ist die Erfindung der Leidener bzw. Kleistschen Fla- 
sche; vgl. zu 24, 15. Lichtenberg gebraucht dieses Bild auch 
420, 7. - 13J. Tiere ausgefunden, die ein Wunder ...: Womoglich 
meint Lichtenberg das Nyl-ghau, dem er im »G6ttinger 
Taschen Calender « fiir 1780, S. 34-39, einen bewundernden 
Artikel widmet. - 14 die Fabel der Lematschen Schlange: Die 
Hydra von Lerna ist nach dem griech. Mythos eine riesige 
Schlange mit zumeist neun Kopfen; da ihr fiir jeden abgeschla- 
genen Kopf zwei neue Kopfe wuchsen, konnte Herakles sie erst 
bezwingen, als sein Gefahrte Iolaos mit Holzscheiten die Hals- 
stiimp fe ausbrannte. - 15/. Fische . . . mit unsichtbarem Blitz 



28 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

toden: Gemeint ist der Zitteraal, dessen elektrische Eigenschaf- 
ten der engl. Physiker Walsh, der ihn einer Leidener Flasche 
verglich, 1773 und 1774 nachwies; vgl. Briefe (IV, S. 278). - 
i7L\nnt: Uber ihn vgl. zu A 22. - 19 Halley: Edmond Halley 
(1656-1742), beriihmter engl. Astronom, seit 1721 »Royal 
Astronomer« an der Sternwarte in Greenwich, sagte 1705 die 
Wiederkehr des nach ihm benannten Halleyschen Kometen 
von 1682 fur 1758 voraus. In seinem Artikel »Von Cometen«, 
veroffentlicht im »Gottinger Taschen Calender« fur 1787, 
S. 81-134, schreibt Lichtenberg ebenda S.112-113: 

»Dieser gliickliche Gedanke muBte nothwendig einen andern 
erzeugen, ob es nicht moglich sey, nun auch ihren Umlauf zu 
berechnen, und folglich die Wiederkunft der Cometen so zu 
berechnen, wie man etwa die Conjunction eines Planeten be- 
rechnet. Dieses wagte Halley, Newtons Landsmann, und mit 
dem gliicklichsten Erfolg. 

Nach dieser Theorie, hat man nunmehr die Wiederkehr der 
Cometen zu berechnen angefangen, und zwar mit dem gliick- 
lichsten Erfolg. Man berechnete aus den Beobachtungen die 
Lage der Bahn eines jeden gut beobachteten Cometen gegen 
die Ecliptik; die Orte wo er sie schneidet, ihre Sonnennahe, 
ihre Umlaufszeit etc. Finden sich nun zwey, bey welchen alles 
dieses einerley ist, wer will zweifeln, daB dieses nicht ein und 
ebenderselbe Comet gewesen sey? So fand es sich mit dem alle 
75 bis 76 Jahre einmal gesehenen Cometen von 1305, 1330, 
1456, 1531, 1607, 1682. Halley kiindigte also ebendiesen Come- 
ten fur das Jahr 1758 an, und siehe er kam; zwar nicht genau in 
diesem Jahr, sondern im Jahr 1759, wovon man die Ursachen 
hernach zeigte. Es konnte nicht anders seyn; die kleine Ver- 
spatung rtihrte von dem Zug der Planeten her, den man nicht 
in Betracht gezogen hatte. Es verdient angemerkt zu werden, 
daB der bekannte Sachsische astronomische Bauer Palitsch ihn 
zuerst gesehen hat.« 

20 in meinem 8gsten Jahr ... den zweiten: In Erwartung dieses 
Kometen hatte Lichtenberg den oben zitierten prophylakti- 
schen Artikel verfaBt, in dem er S.113 schreibt: 

»Man hat bereits ein VerzeichniB von genau beobachteten 
Cometen, worin, wo ich nicht irre, der am 7ten Jenner 1785 
von dem Herrn Messier und Mechain entdeckte der 7iste ist, 
einige kommen darin mehrmalen vor, unter andern auch 
einer, der seinen Lauf etwa alle 128 Jahr vollendet, aber im Jahr 
1661 zum leztenmal gestanden hat, und also urn das Jahr 
1789 wiederkommen wird.« 

Vermutlich handelt es sich dabei um jenen Kometen, den 
Lichtenberg im Januar 1793 beobachtete und in Briefen an 
Friedrich Heinrich Jacobi (IV, Nr. 631, S. 842-843) vora 



AEROSTATISCHE MASCHINEN 29 

6. Februar 1793 und an Olbers (IV, Nr. 632, S. 844) vom 
8. Februar 1793 eingehend kommentierte. - 2 if. dreizehn 
Arten: Als >Luftarten< bezeichnete man im i8Jh. die Gase; im 
»G6ttinger Taschen Calender fur 1783, S. 48-77, gibt Lichten- 
berg eine »kurze Geschichte einiger der merkwiirdigsten Luft- 
arten« (9 an der Zahl). - 22 f Luft infeste Korper ... Korper in 
Luft verwandelt: Dazu vgl. »Neue Entdeckungen und physika- 
lische Merkwiirdigkeiten« im »G6ttinger Taschen Calender«fiir 
1781, S. 102-105. - 23/*. Lasten mit Feuer gehoben: Gemeint ist 
der Versuch, den die Briider Montgolfier am sjuni 1783 in 
Annonay durchfiihrten; im ubrigen vgl. oben S. 26. - 24 mit 
Wasser geschossen: Wohl Anspielung auf Voltas Erfindung der 
elektr. Luftpistole. - 25 f Stahl . . .jliefien gemacht: Im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1783, S. 90, berichtet Lichtenberg unter 
»Neue Erfindungen und andere Merkwiirdigkeiten« von dieser 
Erfindung, die er ubrigens selbst gemacht hat: »Hier zu Gottin- 
gen hat man vermittelst der Elektrizitat in dephlogistisirter Luft 
eine Federmesser-Klinge und eine Sackuhr-Feder zusammen 
geschmolzen. Die Beschreibung des Versuchs befindet sich im 
2ten St. des Gottingischen Magazins von 1782.* - 2g ein weifies 
Metall eingesetzt: Gemeint ist das Platina del Pinto. Das Platin 
wurde im i6.Jahrhundert in Sudamerika gefunden. S. dazu 
GTK 1784, S. 75. - 29 f. eine neue Art uortrefflicher Fernrohre: 
Gemeint ist die Erfindung achromatischer Objektive um 1758 
durch John Dollond; iiber ihn vgl. zu D 748. - 30 j. Newton fur 
unmoglich hielt: Newton hielt es fiir undenkbar, die chromati- 
sche und spharische Aberration der Objektive auszuschalten; 
iiber ihn vgl. zu A 79. - 52/. Eier ohne . . . Briitwdrme ausgebrutet: 
Womoglich meint Lichtenberg folgenden im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1782, S. 59-60, mitgeteilten Vorfall: 
»In dem zur Schule fiir die Viehartzneykunst gehorigen Hause 
zu Paris hatte ein Huhn ein Ey mit einer weichen biegsamen 
Schaale (un oeuf arde) gelegt, welches eben an sich keine 
Seltenheit ist. Allein was dieses hier merkwiirdig machte, war 
ein langlichter Auswuchs an dem dicken Ende desselben, der 
vielleicht unbemerkt geblieben ware, wenn sich der Vorfall 
nicht in einem solchen Hause ereignet hatte. Bey der Eroffnung 
fand man einen organischen Korper darinn, nemlich den Kopf 
eines Hiihnchens, an welchem man den stumpfen Schnabel, 
den gebogenen Hirnschadel und das platte Untertheil des 
Kopfs sehr gut unterscheiden kan, auch zwo kleine Erhaben- 
heiten, die an der Stelle der Augen befmdlich waren. Inwendig 
in diesem Kopf hat man Streifen, oder faserigte Schichten ent- 
deckt, die zum Theil zur Substanz des Gehirns und theils zu den 
innern Organen des Mauls gehorten. Journ. de Paris. 1781. 
No. i5i«. - 35 gefdhrlichen Ordens-Hydra: Gemeint ist der Je- 



30 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

suiten-Orden, der 1773 von Papst Klemens XIV. aufgehoben 
wurde (bis 1814). Lichtenberg erwahnt die Jesuiten, durchweg 
abschatzig, auch 238, 1. 245, 36. 874, 15; ferner GTK 1795, 
S. 165-166, und H 137. - 36 Peter den Ersten: Ober ihn und 
Lichtenbergs Wertschatzung dieses Monarchen vgl. zu GH 9. 
64 1 Katharina: Ober Katharina II. von RuBland vgl. zu D 79. - 
1 Friederich: Ober Friedrich II. von PreuBen vgl. zu KA 140. - 
1 Joseph: Joseph II. (1741-1790), rom. dt. Kaiser, seit 1765 Mit- 
regent der Osterr. Monarchic, 1780 Alleinherrscher, Vertreter 
des aufgeklarten Absolutismus, dessen Reformfreudigkeit die 
Zeitgenossen ruhmten. Lichtenberg erwahnt ihn auch in den 
Briefen (IV, S. 204. 374. 433. 488. 875). - 1 Leibniz: Ober ihn 
vgl. zu A 9. - 1 Newton: Ober ihn vgl. zu A 79. - 2 Euler: Ober 
Leonhard Euler vgl. zu A 166, - 2 Winckelmann: Ober ihn vgl. 
zu B16. - 2 Mengs: Anton Raphael Mengs (1728-1779), dt. 
Maler und Kunsttheoretiker des Klassizismus, in Dresden, 
Madrid und Rom tatig. - 2 Harrison: Ober John Harrison vgl. 
zuF 595. -2 Cook: Ober James Cook vgl. S. 35-62. -5 Garrick: 
Ober David Garrick vgl. zu KA169; s. auch S. 326fF. - 4 einen 
neuen ungeheuren Staat: Gemeint sind ohne Zweifel die ehemals 
engl. Kolonien in Nordamerika, deren Unabhiingigkeit durch 
den Frieden von Versailles 1783 bestatigt wurde. - 5 einen 
Junften Weltteil: Australien; Lichtenberg gebraucht diesen Aus- 
druck auch 72, 32. 254, 1; s. auch zu E 416. - 5 einen neuen 
Planeten: Am 13. Marz 1781 hatte Herschel den Planeten Uranus 
entdeckt. »Von dem neuen Planeten* berichtet Lichtenberg im 
»G6ttinger Taschen Calender«; fur 1783, S. 3-11, auch GTK 
1784, S. 101-102. - 6 unsere Sonne ein Trabant: »DaB die Sonne 
mit ihren Planeten als Trabanten sich selbst fortbewegt, ist zwar 
schon oft gemuthmaBet, aber erst in diesen Tagen, so zu reden, 
durch Beobachtungen wahrscheinlich gemacht worden. Die 
Entdeckung, woran Hr. Prevost so riihmlichen Antheil hat, 
gehort mit unter die groBten in der Astronomie«, schreibt 
Lichtenberg in den »Bemerkungen iiber ein Paar Stellen in der 
Berliner Monathsschrift fur den December 1783 «, erschienen 
im »Gottingischen Magazin«, DrittenJahrgangs Sechstes Stuck, 
1783, S. 955- - Sff. Plan ... des Tiirkischen Reichs: Worauf 
Lichtenberg anspielen will, ist nicht ganz ersichtlich, vermut- 
lich jedoch auf einen >Plan zur Auflosung des Tiirkischen Reichs 
und der Abdankung des Kalifen zu Konstantinopel< : osman. 
Sultan war 1783 Abdul-Hamud L, in dessen Regierungszeit 
1 774-1 789 der Krieg gegen RuBland und Osterreich fallt 
(1787-1792), zu dem er durch die Plane der europ. Regierun- 
gen gedrangt wurde. - i$f. die Kraft, die ... den Vatikan beben 
macht: Ahnlich emphatisch iiber die Macht der Buchdrucker- 
kunst auBert sich Lichtenberg auch G 151. GH 80. L 667. - 



AEROSTATISCHE MASCHINEN 3 1 

15 Prepbenget: ein mit 2 Handgriffen versehener Holzklotz, der 
dazu eingerichtet ist, iiber die Spindel und den in ihr gefiihrten 
PreBklotz der Handpresse gestiilpt zu werden. Er ermoglicht, 
die Presse nach Belieben anzuziehen. Vor Erfinden der Stock- 
presse war der PreBbengel eines der wichtigsten Werkzeuge 
des Buchbinders. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch 
J 1247 und in den Briefen (IV, S. 25). - i6f. eine bestrichene 
Nadel: Gemeint ist die Magnet-Nadel im KompaB, die Bous- 
sole. - iff. Salpeter und Schwefel: Die Bestandteile des SchieB- 
pulvers. - 27 armieren: (mit Blitzableitern) ausriisten, versehen. 
- 28 Fermier general: Generalpachter, Staatspachter. - 28f. 
Bauern ... schmieren, dafi sie Wolle geben: Der Gedanke ist G167 
entlehnt. - 30 Labyrinth, wozu Baco den Faden gesucht: Gemeint 
ist das »Novum organon« von Francis Bacon von Verulam, 
dessen sich Lichtenberg J 1242 als eines »heuristischen Hebzeugs« 
bedienen mochte. Ober ihn vgl. zu C 209. - 35/. das erfinde- 
rische Schwein zu Luneburg: Der Sage nach hat ein Wildschwein 
die Luneburger Solquelle entdeckt; Lichtenberg zitiert das 
»Salzschwein zu Liineburg« als Beispiel fiir den fruchtbaren 
Zufall bei Erfindungen auch G 185. J 1074; s. auch 73, 22. - 
36 Lord Clives Pferd: Worauf Lichtenberg anspielt, konnte nicht 
ermittelt werden. Ober Lord Robert Clive vgl. zu RA 109. 

65 1 Ausschweifung: Eindeutschung von engl. Digression: Sternes 
charakterist. Stilmittel; s. auch 229, 10. 590, 2. 662, I9f. 944, 34. 
1006, 5. - 4gemeiner Mefi-Prose: D.h. in fiir den Tag geschrie- 
bener Sprache; zu Lichtenbergs Vorliebe fiir ahnliche Wort- 
bildungen vgl. 108, 19. 326, 23. 331, 6. 423, 17. 509, 3. 526, 11. 
566, 8. 569, 29. 571, 13. 624, 1 6. 661, 21. 740, 151*. Im iibrigen 
vgl. zu B 115. - 5 Montgolfiers Entdeckung: Dariiber und iiber 
Josephe Michel Montgolfier vgl. zu H 180. - 9 Pildtre de Rosier: 
Jean Francois Pildtre de Rosier (i756-is.Juni 1785), f rz « 
Physiker - Lichtenberg nennt ihn GTK 1784, S. 54, ab- 
schatzig »Erfinder von Profession -, der erste Ballon-Luft- 
fahrer der Welt: sein Aufstieg erfolgte am i9.0ktober 1783; 
Mitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften ; verun- 
gliickte bei einer Ballonfahrt im Kanal todlich. Lichtenberg er- 
wahnt ihn auch in den Briefen (IV, S. 541.654). - 10 Milton: 
Ober John Milton vgl. zu B 60. - 17 ParadAost: Lichtenberg 
zitiert aus dem Epos auch 113, 24. 272, 8. 366, 9f. 371, 11. 
380, 21; im iibrigen vgl. zu C 197. - 2p Spielmonate: »Spiel- 
wochen« notiert Lichtenberg in D 668. - 51 inflarn. Luft: von 
Henry Cavendish 1766 entdecktes Gas, nach heutiger, durch 
Lavoisier eingefuhrter Terminologie : Gas hydrogene, Wasser- 
stoflf. 

66 5 der Verhaltnis: Vgl. zu 19, 10. - 9 Federharz-Firnis: In der 
Rezension der »Description des Experiences de la machine 



32 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

aerostatique ...« von Faujas de St. Fond, erschienen in den 
»Gottingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 7. Stiick, 
S. 57-72, vom lojanuar 1784, schreibt Lichtenberg dazu auf 
S. 65 : »Vielleicht ist unsern Lesern mit der Verfertigungsart des 
Federharzfirnisses gedient. Zu einem Pfund Terpentinspiritus, 
den man in einen langhalsigen Kolben dem Sandbad aussetzt, 
wirft man nach und nach, mit der Scheere kleingeschnittenes 
Federharz, und wartet jedesmal, bis das hineingeworfene auf- 
geloset ist, hierauf gieBt man dazu ein Pfund Lein- oder NuBol, 
das man aber vorher erst auf die bekannte Art durch Bleyglatte 
trocknend gemacht haben muB, und lafit alles etwa eine viertel 
Stunde kochen. Dieses ist das ganze Geheimnifi.« Federharz: 
seinerzeit tibliche Benennung fur Kautschuk, von dem La Con- 
damine 1744 einige Proben aus Sudamerika mit nach Paris 
brachte und 175 1 eine Denkschrift dariiber veroffentlichte. 
Verfahren zur Auflosung des >Federharzes< gaben Macquer, 
Achard, Juliaan, Berniard und die B ruder Robert. S. auch 
445, 29. - nf. Vitriolather: Zu diesem BegrifFvgl. zu K 359. - 
5 iff. Versuche ... im kleinen.,, im grofien: Dazu vgl. 74, 27 f. ; 
zu diesem grundsatzl. Prinzip vgl. zu 25^ 8. - 36 digiti solares: 
wortlich : Sonnen-Finger [breite] ; digitus : altrom. Langen- 
mafi: 1 Daumenbreite — 2-2,6 cm. - 57 das abscheuligste Babel: 
Zu dieser Wendung vgl. auch 238, 4. 349, 35. 408, 27. 438, 28. 
Im ubrigen vgl. zu D 157. 

67 1 im Oktober vorigen Jahrs: Die erste Erwahnung von Lichten- 
bergs Versuchen mit Montgolfiers Erfindung findet sich in 
einem Brief an Wolff (LB II, Nr. 364, S. 94) vom 2. Oktober 
1783 : »Ich habe mich bisher mit Montgolfier's (Mont gon- 
fliers) Versuchen im kleinen beschafftigt, aber grose Schwierig- 
keiten und Gestanck gefunden, weil die inflammable Lufft gar 
zu fluchtig und schwer einzuschlie6en.« - 6 16 Stunden an der 
Decke: Lichtenberg meint seinen Versuch mit einer Schweins- 
blase von 14 Zoll Hohe und 10 Zoll Weite, die er mit inflamma- 
bler Luft gef iillt hatte ; dieser Versuch wurde erst Mitte Novem- 
ber (15. oder 16.) durchgefuhrt und ausfiihrlich in einem Brief 
an Schernhagen (IV, Nr. 421, S. 530-531) am 20. November 
1783 mitgeteilt. - p Goldschlagerhaut: Dickdarmhaute des Rin- 
des, zwischen denen das Blattgold ausgeschlagen wird; Lichten- 
berg erwahnt sie auch 456, 9. 

68 1 Haubenstocken: rundliche Klotze, worauf man die Haube 
setzt, damit sie die Form behalt. S. auch 3 17, 20. - 4 Hausenblase: 
Fischblase, innere Schwimmblasenschicht des Hausens, in heis- 
sem Wasser loslich, beim Erkalten gallertig, als Kitt (Fischleim) 
verwendet. Lichtenberg nennt sie in gleichem Zusammenhang 
auch in den Briefen (IV, S, 533.). - 15 Addresse: Geschicklich- 
keit. - 1 5/. in Verfertigung kleiner Kugeln den Franzosen zuvorge- 



AEROSTATISCHE MASCHINEN 33 

tan: »Heute habe ich ein Kiigelchen zum Steigen gebracht von 
4 Zollen im Durchmesser. Den Rang im minimo haben also die 
Franzosen verloren«, schreibt Lichtenberg am 16. Februar 1784 
an Wolff (IV, Nr. 438, S. 549). Vgl. auch LB II, S. 114. - 
16 f. Faujas de St. Fond in seinem bekannten Werk: Gemeint ist die 
»Description des Experiences de la machine aerostatique de M, 
de Montgolfier, et de celles aux quelles cette decouverte a 
donne lieu«, erschienen Paris 1783. Lichtenberg erwahnt das 
Werk und seine Rezension dariiber auch in den Briefen (IV, 
S. 544). Uber Faujas de St. Fond vgl. zu L 513. - 18 6Z0II: Zu 
dem LangenmaB vgl. zu 25, 1. - i8f. heute (den i8.Febr.): Zu 
dem Datum vgl. auf derselben Seite. - 20 4 Pariser Zoll: Vgl. 
zu 25, 1. - 35 inflammable Luft: Vgl. zu 65, 31. 

69 sf. kunftig in diesem Magazin oder an einem andern Ort: AuBer 
den oben S. 27 aufgefuhrten Arbeiten hat Lichtenberg nichts 
weiter zu den »Aerostatischen Maschinen« veroffentlicht. - 
12 unserer Leser: von mir verb, aus: unsem Lesern. - 16 Luft- 
schiffe: nach DWB 6, 1261 schon vor Erfindung der Montgol- 
fiere gebrauchlich, etwa 1735 bei D. Stoppe; Lichtenbergs Be- 
leg fehlt. - 24 Refraktion: Brechung von Lichtstrahlen, insbes. 
von Gestirnen in der Erdatmosphare; im iibrigen vgl. zu D776. 

- 24J. elastischen Mitteln: elastisches Fluidum: Begriff der natur- 
wissenschaftlichen Terminologie des i8.Jh. fiir Atmosphare; s. 
auch 121, 9. - 26f. Untersuchungen: von mir verb, aus: Unter- 
suchung. - 27 Nordlichts: Mit dem Phanomen des Nordlichts 
beschaftigt sich Lichtenberg zeitlebens, wissenschaftlich erstmals 
in der Zweiten Abhandlung »De nova methodo . . .« 1779; vgl. 
dariiber zu C 178. - 30/. Vet such des Herrn de Romas zu Nerac: 
Jacques de Romas (1713-1776), frz. Physiker, Leutnant in 
Nerac; bediente sich 1752 erstmals des Drachens zur Messung 
der Luftelektrizitat. Lichtenberg erwahnt ihn und seinen Ver- 
such ausfiihrlich in den Briefen (IV, S. 553.554) am 25. Marz 1784. 

70 2 Egyptier . . . Krokodile: Dazu vgl. auch F 416. - 4 Blitzleiter . . . 
Donnerwetter: Uber Lichtenbergs Beschaftigung mit diesem 
Phanomen und seine Bemuhung um die patenteste Blitzab- 
leitung vgl. unten S. 57. - 6 de Romas: von mir verb, aus: 
Niracs. -26 Armeen zu rekognoszieren: Tax diesem Gedanken 
und seiner Realisierung vgl. zu 461, 16. - 28 Toisen: Toise: 
fruheres frz. LangenmaB gleich 6 Pariser FuB gleich 1,94903 m. 

- 34f- Krater erloschner Vulkane . . . Mondsflecken: Anspielung auf 
Lichtenbergs eigene Theorie; s. an Herschel (IV, Nr. 537, 
S. 708-709) am 4juni 1787 und vgl. zu D 712. - 35/. Ahnlich- 
keiten . . . entdecken : Auch H 72. GH 86 deflniert Lichtenberg 
den Witz als >Ahnlichkeitsfinder<. 

71 5/. die Materie einem Mann in die Handefalle: Jean Paul erfiillte 
diese Hoffnung: in »Das Kampaner-Thal oder uber die Un- 



34 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

sterblichkeit der Seele«, Erfurt 1797 erschienen, lieB er Gione in 
einem Luftball aufsteigen; vgl. Lichtenbergs begeisterte AuBe- 
rung an Benzenberg (IV, Nr. 748, S. 988) im Juli 1798. - 6f 
Insel h la Montgolfier . . . Laputa: In den »Reisen in verschiedene 
ferngelegene Lander der Erde von Lemuel Gulliver, erst 
Wundarzt, spater Kapitan mehrerer Schiffe« erzahlt Swift 
- iiber ihn vgl. zu KA 152 - im 3-Teil, Kap. 1-3, von Gullivers 
Aufenthalt auf der Insel Laputa, »die von Menschen bewohnt 
wurde, die, wie es schien, imstande waren, diese nach Belieben 
zu senken oder zu heben oder in gerader Richtung fortzube- 
wegen.» Lichtenberg erwahnt »Gullivers Reisen« auch 610, 12. 
61 1, 20. 613, iof. - 12 Phaeton: eigentlich Beiname des Sonnen- 
gottes, >der Leuchtende< in der griech. Mythologie; nach dem 
Wagen des griech. Sonnengottes benannter leichter vierradri- 
ger Kutschwagen. S. auch 798, 29 und RA 39.-36 Pildtre de 
Roster: Ober ihn vgl. zu 65, 9. - 37 am Gangelband: Diesen Aus- 
druck gebraucht Lichtenberg auch in seiner zu 68, i6f. zitierten 
Rezension S. 69 in gleichem Zusammenhang. 

72 1 Der Montblanc und andere unersteigliche Klippen: Die Erst- 
ersteigung des Hauptgipfels des Montblanc fand 1786 durch 
J. Balmat und M.-G. Paccard statt, der 1787 die erste wissen- 
schaftliche durch Saussure folgte. S. auch 118, 2of. - $ff. Der 
Mensch . , . mit einer Blase fliegen: Zu diesem >Menschheitstraum< 
auBert sich Lichtenberg auch A 218; vgl. die Anm. dazu. - 
2of. Pyrmont, Hofgeismar, Rehburg, Mayenberg: im i8Jh. be- 
ruhmte bez. namhafte Brunnen-Kurorte in Deutschland, alien 
voran Pyrmont: seinerzeit das Modebad. - 22J. trinken den 
reinen Strahl der Sonne, eine Stnnde vor . . . Auf gang: Diese Passage 
mutet wie die Keimzelle zu Lichtenbergs Artikel »Das Luftbad« 
an; vgl. S. 125-129. - 26 Maxenschen Kafigen: Es ist mir nicht 
gelungen, Erfinder und Erfindung nachzuweisen. - 26 f. in- 
flammabeln Lujt: Vgl. zu 65, 31. - 31 Elektrisier-Maschine : 

Apparat zur Erzeugung und Ansammlung elektrischer Ladun- 
gen. - 32 Muhammed: Ober Mohammed vgl. zu D 642. - 
32 sten Weltteile: Dariiber vgl. zu 64, 5. - 33J. Elias auf einem 
flammenden ... Wagen: Dariiber vgl. zu L 268. - 34 Professor 
Charles: Uber Jacques Alexandre Cesar Charles vgl. zu J 1213. - 
36 Geschichte des Salzschweins zu Luneburg: Vgl. zu 64, 35rT. 

73 12 Montgolfier sche Maschinen: Vgl. zu 65, 5. - 17 schon vorge- 
schlagen: womoglich von Wieland, der die neue Entdeckung 
ebenso launig wie umstandlich im »Teutschen Merkur«, Okto- 
ber 1783, S. 69-96, unter der Uberschrift »Die Aeropetomanie« 
kommentiert hatte. -20 Licent: Steuer. -21 Gedanken . . . zoll- 
frei: Diese Wendung, die ahnlich schon bei Cicero uberliefert 
ist, ist sprichwortlich geworden durch Luther, »Von weltlicher 
Oberkeit, wie man ihr Gehorsam schuldig sei« (1523). Lichten- 



AMINTORS MORGEN-ANDACHT 3 5 

berg zitiert sie auch 263, 12. -32 to hunt steeples: Vgl. C 69 
und die Anm. dazu. 

74 4 Interesse: Zinsen; s. auch 740, 23. 753, 2. 885, 28. 985, 24. - 
5 ramassierte : untersetzt, stammig. - 6fliegenden Korps: Diesen 
Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 114. H; vgl. ferner 
M 152. L 975. - 11 Serail: ehemals Residenz der turk. Sultane 
in Konstantinopel ; s. auch 506, 18. - 12 Tempel zu Loreto: 
Loreto, Wallfahrtsort in der ital. Provinz Ancona, verdankt 
seinen Ursprung der dor t verehrten Santa Casa (dem Haus der 
HI. Familie), das nach der Legende Engel von Nazareth 1294 
nach Loreto geschafft haben sollen und iiber dem 1468 der Bau 
einer groBen Kirche begonnen wurde. Lichtenberg erwahnt 
Loreto auch 881, 19. - 16 dem Dichter nutzen: Vgl. zu 71, 51". - 
igf. wer abet den Brief liest: Gemeint ist wohl der Vortrag, den 
Prof. Charles bei ErofFnung seiner Wintervorlesung iiber Phy- 
sik hielt und denWieland im )>Teutschen Merkur«, Januar 1784, 
S. 91-93, innerhalb des Artikels »Die Aeronauten« (S. 69-96) 
vollstandig abgedruckt hatte. - 2 iff. Man bedenke auch nut das 
Attnen det Alpenluft ...; Franz H. Mautner schreibt dazu in 
»Lichtenberg. Geschichte seines Geistes«, Berlin 1968, S. 270: 
»Dies ist vielleicht der erste Keim zur Luftballon-Poesie in der 
deutschen Literatur auf dem Weg zu ihren reinsten Verkorpe- 
rungen bei Jean Paul und Stifter.« - 28 S. 68: im Original: 
S. 941. - 2g drittehalb Patis. Zoll: Vgl. ZU25, 1. - 33 fixer Luft: 
So nannte man im i8.Jh. vor Lavoisier das Kohlenoxyd; in 
Lavoisiers Nomenklatur: Gas acide carbonique bzw. Kohlen- 
gesauertes Gas; von Priestley entdeckt. 

75 4 ambulierenden Dozenten der Physik: Dazu vgl. zu 24, 27ff. 
Lichtenberg denkt hier wohl speziell an Berschiitz; s. in den 
Briefen (IV, 428. 429. 432. 433. 439. 444. 455. 466. 520). - 
7/. was ich S. 68 ... gesagt: im Original: S. 940. 



AMINTORS MORGEN-ANDACHT 



Etstuetoffentlichung und Satzvorlage: »Amintors Morgen-Andacht«, 
erschienen im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1791, S. 81-89. 
Ein Manuskript des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zut Entstehung: Laut dem Staatskalender (SK 60. 61. 70. 72) muB der 
Artikel zwischen dem 20.Juli und dem 22. August 1790 niederge- 
schrieben worden sein. Die Frage, ob ihm ein Spinozismus Lichten- 
bergs zugrundeliegt, kann hier nicht erortert werden; wohl aber sei 
auf SK 51. 52, den 20. und 2ijuni 1790, verwiesen: der beobachtete 



36 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Sonnenaufgang und der »schonste Morgen im ganzen Fruhling« 
konnen der konkrete SchreibanJaB gewesen sein. Und von Lichten- 
bergs voriibergehend ausgeglichener, ja heiterer Seelenlage nach 
der langen Krankheit zeugen IV, 773 (21. Juni 1790). 780 (30. 
August 1790). 

Literatur: Franz Heinrich Mautner: »Amintors Morgenandacht«. In: 
»Deutsche Vierteljahrsschrift« 30, 1956; 32, 1958. Schneider, a.a.O., 
I, S. 146-150. Schneiders Hinweis auf Lichtenbergs Rousseau- 
Lektiire im September 1790, die den Ton, die Gefuhle, die Themen 
des »Amintor« beeinfluBt haben soil (s. ebenda S. 149), ist zeitlich 
nicht haltbar. Promies, a.a.O., S. 111-115. 



76 1 Amintors: von griech: <xu,uvT«p: Abwehrer, Heifer. Obrigens 
findet sich dieser Name auch bei Wieland in dessen »Sympa- 
thien« 13 von 1754: ein Text mit verbliiffend ahnlichen Ge- 
dankengangen ! - 3/. freute sich, wenn er endlkh den Tag wieder 
anbrechen sah: Lichtenbergs Tagebucher des letzten Lebens- 
jahrzehnts sind voller Notizen iiber Sonnenaufgange, die er 
erlebt und beobachtet; vgl. zu SK 51 ; s. auch H 76. J 707 und 
K 29. - 9 Verhangnis :-im i8.Jh. noch wertneutral im Sinne von: 
Schicksal, Geschick gebrauchlich. - 20J. wird es von aller Kreatur 
dargebracht: von mir verb, aus: alle Kreatur dargebracht wird, was 
ohne Zweifel verstiimmelte Lesart der Satzvorlage ist. - 29 Bet- 
brudern: die »Wollustlinge nach dem Geist«, wie sie Lichtenberg 
J 59 nennt; zu diesem von Lichtenberg ebenso gern wie »Bet- 
schwestern« gebrauchten Ausdruck vgl. zu F1133. Lichtenberg 
verwendet den Ausdruck auch 692,37. 850, 23. GTK 1792, 
S. 172; im ubrigen vgl. zu F1133. - 29 Heber glaubten, als 
dachten: S. dagegen Lichtenbergs eigene Maxime z.B. E196. 
F1127; vgl. auch 5i5,34rT. - 30 Spinozismus: Ober Spinoza 
und seinen EinfluB auf die biirgerliche deutsche Intelligenz in 
der 2.Halfte des i8.Jh. vgl. zu H143; s. auch GH 58. - 31/. 
Gegenwartiger Aufsatz ... von einem Ungenannten zugekommen: 
selbstverstandlich Fiktion Lichtenbergs. Wie sehr er das litera- 
rische Vexierspiel liebte und aus psychologischen und politi- 
schen Griinden bisweilen auch vorzog, erhellt daraus, daB er 
auch bei folgenden Kalender-Artikeln den »Herausgeber« 
spielte, wo er selbst der Verfasser war: »EpisteI an G6bhard«, 
»Ober die Schwarmerei unserer Zeiten« (Alexandrinergedicht), 
»Kriegs- und Fastschulen der Schinesen«, »VerzeichniB einer 
Sammlung«, »Rede der Ziffer 8«, »Da6 du auf dem Blocksberge 
warst«, -32/ Einleitung zum folgenden undeinigen andern physika- 
lischen Artikeln in diesem Kalender: Nach dem Folgeartikel 
»Einige wichtige Pflichten gegen die Augen« in »G6ttinger 



PFLICHTEN GEGEN DIE AUGEN 37 

Taschen Calender« fur 1791 kommen in Frage: »Warnungs- 
Geschichte fiir Magnetisirer« (S. 146-157); »Neue Entdeckun- 
gen, physikalische und andere Merkwiirdigkeiten« (S. 158 
bis 186). 

77 13 Inventurienten: jemand, der nicht erfindet, sondern ver- 
zeichnet. - 24 f. physico-theotogische Betrachtung: die im i8Jh. 
von vielen rationalistischen Theologen und Intellektuellen ver- 
tretene Beschaftigung mit den Phanomenen der Natur zur 
groBeren Ehre Gottes. - 25/. Sonnen . . . auf 75 Millionen ge- 
schatzt: Diese auf Herschels Beobachtungen basierende Angabe 
geht auf J 259 zuruck; vgl. die Anm. dazu. - 27 Musik der 
Spharen: nach der Lehre des Pythagoras das durch die Bewe- 
gung der Planeten hervorgerufene, fiir Sterbliche nicht horbare 
Tonen des Weltalls. - 32/ eine ... Freude: von mir verb, aus: 
ein. - 35 Wort ist), die so: von mir verb, aus: ... die, so. - 
35 Curiositi: Neugier, WiBbegier. - 36 Bauernstolz: Diesen 
Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch E162. F1137. Von 
»Baderstolz« spricht er 337, 2. 

78 37 J- ob das Licht wirklich von der Sonne herabstrome: Dazu vgl. 
K 376 und schon A 254. 

79 2Jf. Brillcn ... schleifen: Zu dieser Wendung vgl. auch J 671 und 
764, 14; s. ferner J198, K 96 und L401. 



PFLICHTEN GEGEN DIE AUGEN 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Ober einige wichtige Pflichten 
gegen die Augen«, erschienen im »G6ttinger Taschen Calender « fiir 
1 79 1, S. 89-124. Ein Manuskript des Artikels ist im NachlaB nicht 
erhalten. 

Zur Entstehung: Die Keimzelle dieses Artikels begegnet in J 198, 
niedergeschrieben etwa am 28. oder 29. Dezember 1789: »Kalender. 
Uber die Augen und den Gebrauch der Brillen sehr schon in Adams 
on Vision. Ausziige befinden sich in The Universal Magazine August 
und September. Vieles hieher aus Priestleys Optik und selbst Richters 
Chirurgie. T. III.« Die Niederschrift erfolgte aber vermutlich wie 
im Falle von »Amintors Morgen-Andacht« erst zwischen dem 20. 
Juli und dem 22. August 1790 (s. oben S. 35). Lichtenberg objekti- 
vierte sozusagen mit diesem Artikel eigene, lange Jahre genahrte 
Angste - s. 88,22 und die Anmerkung dazu -; aber er leistete damit 
zugleich einen offenbar betrachtlichen Beitrag zur Volksaufklarung. 
Schon 1792 wurde der Artikel in Wien bei Horling nachgedruckt 
Qung Nr. 283), und 1794 veranstaltete Sdmmerring bei Varrentrapp 



38 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

und Wenner in Frankfurt am Main eine Neuauflage unter dem Titel 
» Adams, Biisch und Lichtenberg iiber einige wichtige Pflichten ge- 
gen die Augen. Mit einigen Anmerkungen hrsg. von S. Th. Som- 
merring«. Lichtenberg schrieb dariiber in einer Selbstanzeige, abge- 
druckt in den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen« 67. 
Stiick, vom 26. April 1794, S. 679: »Zu diesem wortlichen Abdruck 
eines Aufsatzes unsers Hrn. Hofr. Lichtenbergs im hiesigen Taschenca- 
lender fur 1791, fand sich der wiirdige Hr. Herausgeber durch den 
auffallenden Nutzen veranlaBt, den die Lesung desselben bey Noth- 
leidenden stiftete, denen er ihn empfohlen hatte. Er glaubt inn nicht 
genug empfehlen zu konnen, und liefert ihn daher in einem scho- 
nen, und schwachen Augen sehr behaglichen Druck. Die hinzuge- 
fiigten vortrefFlichen Anmerkungen riihren theils von dem Hrn. 
Herausgeber selbst her, theils sind es Nachtrage aus der Buschischen 
Schrift, die Hr. Hofr. I^ichtenberg bekanntlich bey der seinigen vor- 
ziiglich zum Grund gelegt hat.« 

Am 26. Mai 1795 schrieb Sommering an Lichtenberg (der Brief 
ist abgedruckt in den »Vermischten Schriften«, Bd. 6, S. 252-253, 
Gottingen 1845): »Meine Auflage Ihres Aufsatzes iiber die Pflichten 
gegen die Augen hat so guten Abgang gefunden, daB mich die Ver- 
leger bitten, baldmoglichst einen neuen Abdruck zu besorgen, weil 
kein Exemplar mehr iibrig ist, und sie doch Bestellungen annehmen. 
Hatten Sie also noch Einiges hinzuzufiigen, so verbanden Sie das 
Publikum und uns insbesondere, wenn Sie mir solches mittheilten. 

Ich bin gewiB, daB wenigstens einige hundert Personen weniger 
vom schwarzen Staare leiden, als ohne die Bekanntmachung dieser 
heilsamen Warnungen.« 

Lichtenberg erwiderte daraufhin am 5-Juni 1795 (IV, Nr. 691, 
S. 929) : »Es freut mich sehr, daB das Traktatchen iiber die Augen so 
vielen Beifall erhalt und daB es Nutzen stiftet. Ich wiiBte jetzt aber 
nichts neues hinzuzusetzen, wenigstens nichts was Sie, teuerster 
Freund, nicht unendlich viel besser konnten. Ich glaube aber, es wird 
fast am besten sein, wenn es nicht zu gelehrt und auch nicht zu weit- 
laufig wird, auch nicht viel teuerer.« 

Tatsachlich ist noch 1795 eine weitere Auflage der Schrift erschie- 
nen (Jung Nr. 327). Eine 3. Auflage erschien 1797 (Jung Nr. 345)* 



80 5 Wie wenn einmal die Sonne ...; Vgl. 76, 2. - 24 Haushaltung: 
Diesen Ausdruck - ein Lieblingsbegriff Lichtenbergs - ver- 
wendet er auch 613, 14. 803, 4 f. 938, 23. Im iibrigen vgl. zu 
B 177- - 3i Halbtod: Als »Halfte des Todes« bezeichnet Lichten- 
berg die Blindheit auch 697, 251!. 764, if. 926, 3f. 1011, 7f; 
das Bild ist J 1093 entlehnt. 

81 22 hypochondrische Seek: Vgl. iiber Lichtenbergs eigene Ein- 
stellung oben S. 37. - 23 Kandidat der Blindheit: Zu diesem 



PFLICHTEN GEGEN DIE AUGEN 39 

Ausdruck vgl. zu 261, 3of. - 27 crescendo: wachsend, in steigen- 
dem MaGe. - 55 Aujsatz des Herrn Prof. Biisch: Der von Lich- 
tenberg vollstandig zitierte Aufsatz »Guter Raht [sic!] ...« 
findet sich ebenda, S. 261-344. Uber Johann Georg Biisch vgl. 
ZUJ1563. 

82 1 englischen Optikus Adams: Ober George Adams jr. vgl. zu 
D 758 ; zu dem von Lichtenberg genau zitierten Werk vgl. 
auch J 198. - if eigner Erfahrung: Zu diesem Prinzip vgl. zu 
16, 38f. - 1 if Adams erzahh . . .folgende Geschichte: Gemeint ist 
Adams, a.a.O., S. 1 01 -102. - 28 den seligen J Hagedorn in Dres- 
den: Gemeint ist der Kunstgelehrte Christian Ludwig von 
Hagedorn; iiber ihn vgl. zu B 17. 

83 8 wie Adams sagt: Gemeint ist wohl Adams, a.a.O., S. 97, der 
Anfang des Kapitels »Of Preservers, and Rules for the Preser- 
vation of the Sight«. 

84 gff. Mangibt . . . Dienste tun: Die Passage ist durchwegs wortlich 
zitiert aus Biisch, a.a.O., S. 223. - 31 f Bin Freund von mir: An 
wen Lichtenberg denkt, konnte nicht ermittelt werden. Der 
BetrefFende mufi ca. 1740 geboren sein. 

85 28 man hat Beispiele: Dazu vgl. D 723. 

86 1 8 Busch halt zu dieser Absicht: Gemeint ist Biisch, a.a.O., 
S. 327. - 21 die Segnerschen: Vgl. J 1906 und die Anm. dazu. 

- 28 f Lampe des Argand: Ober Aime Argand und den von ihm 
erfundenen Lampenbrenner mit doppeltem Luftzug vgl. zu 
GH, Seite 226 (II). 

87 1 9 Vielschreiber: Lichtenberg selbst gebraucht den Ausdruck im 
ubrigenstetsnegativ; vgl. D 503. E 451. F 996. J 145. 917. 1073. 

- 20 der Almanack wird ubersetzt: Vom »G6ttinger Taschen 
Calender« erschien jeweils eine Auflage in franzos. Sprache, die 
zunachst Colom, nach seinem Tode Lamy besorgte. - 24 iCom- 
pilator: Uber diesen von Lichtenberg verabscheuten Typ des 
zeitgenoss. Gelehrten vgl. zu E 370; s. auch 199, 14. 493, 17. 
556, 30. - 25 f sich besinnen nachschlagen he'xfit: Diese Wendung 
ist E317 entlehnt; s. auch 378, 9. - 32/f. Dritter Rat ... zu 
senden: wortliches Zitat aus Biisch, a.a.O., S. 336-337. 

88 10 Ritter Taylor: John Taylor (1703-1772), seinerzeit beruhmt- 
beruchtigter ambulanter engl. Augenarzt und Staroperateur, 
genannt »Chevalier«. Lichtenberg erwahnt ihn abschatzig auch 
943, 43. - is der beruhmte Okulist Wenzel der Vater in London: 
Lichtenberg notiert von ihm im Materialheft I, Nr. 94, eine be- 
zeichnende Anekdote. - 22 1 jj$^ da sich ein Zufall an einem meiner 
Augen zeigte: »Blindheit bemerkt den 9ten April 1775 «, notiert 
Lichtenberg D 63 5 ; s. auch an Dieterich (IV, Nr. 107, S. 240) 
am 1. Mai 1775. S. auch S. 47. 50, 52-53. 55. 56. 58. 60-61. 
242. - 24 Pall-Mall: StraBenzug zwischen St. James's Palace 
und Trafalgar Square. - 2$ Graham seine himmlische Bettlade 



40 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

aufschlug: James Graham (174 5 -1794), seinerzeit beriihmter 
engl. Quacksalber, erregte 1780 mit seinem himmlischen Bett, 
das ihn mit dem dazugehorigen Apparat 16000 Pfund Sterling 
gekostet haben soil, groBes Aufsehen. Es stand in dem Aller- 
heiligsten seines »Tempel der Gesundheit« genannten Hauses, 
und seine Besichtigung kostete 50 Pfund Sterling. Lichtenberg 
erwahnt es auch 125, 25 f. 192, 25. 

89 4 Zehn Guineen: Vgl. zu 40, 18. - 4 Antwort, ich: von mir verb. 
aus: Antwort ich. - igj. an einem hohen Orte: Gemeint ist die 
englische Konigsfamilie, in deren Sommerresidenz Kew Lich- 
tenberg von Oktober 1774-Februar 1775; Mitte August-Ende 
September 1775 zu Gast war: »Nun habe ich meine Augen 
wieder einem neuen Arzt anvertraut, den mir die Konigin 
selbst rekommendiert hat, und ich verspreche mir sehr viel 
Gutes von diesem Mann«, schreibt er an Dieterich (IV, Nr. 109, 
S. 242) am 28. Sept. 1775. - 20 der Konigliche Wundarzt Haw- 
kins: Sir Caesar Hawkins (1711-1786), engl. Wundarzt Georgs 
II. und III., 1778 geadelt. - 27 Ah ich ... nach Gottingen kam: 
Am 7. Dezember 1775 erfolgte Lichtenbergs Abreise von Lon- 
don; am 31. Dezember traf er in Gottingen ein. - 29/". unsern 
jetzigen Herrn Leibarzt Richter: Uber August Gottlob Richter 
vgl. zu GH 3. 

90 if. schreibe ich Herrn Adams ... nach: Das Rezept findet sich bei 
Adams, a.a.O., S. 102 f. Vgl. auch RA 85. - 6 Quartier: 
Quarter: engl. HohlmaB, friiher 2,819 hi - 7 Vnzen: altes, 
fruher weit verbreitetes MaB und Gewicht unterschiedlichen 
Wertes; in Italien entsprach 1 Unze einem Zoll, in Deutsch- 
land war als Handelsgewicht I Unze gleich 2 Lot = V16 Pfund. 
- 2if. Busch redet von einer Fran: Die Stelle war nicht auffindbar. 

91 22f. Adams fuhrt einen Fall an: Gemeint ist Adams, a. a. 0.,S. 106. 

92 1 neun bis acht Zolle: Vgl. zu 25, 1. - 7/. visual spectacles: S. 
Adams, a.a.O., S. 109-112. - 8 Apertur: die Weite von OrT- 
nungen. - 1 6 Biisch sowohl als Adams sprechen . . . dagegen : Busch 
schreibt a.a.O., S. 325: »Ich glaube auch, daB manchen Augen 
durch die sogenannten Conversationsbrillen, insonderheit die 
mit griinem Glase, sehr geschadet werde, indem man von dem 
Licht, das sie zu ihren Beschaftigungen nohtdiirftig brauchen, 
ihnen zu viel benimmt.« Ahnlich auBert sich Adams, a.a.O., 
S. 112-114. 

93 2 ff- die Nase . . . ein etwas lacherliches Ansehen: Zu diesen nasolo- 
gischen Ausfuhrungen vgl. 358, 23; s. ferner 276, 35. 278, 34. 
366, 30. 441, 10. 697, 8. 753, 7. 987, 33. 1000, 22. - 5 Warzen 
darauj: Dazu vgl. auch 103 1, 6 und G 147. - 21 Klarinettenton 
Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg ahnlich auch 697, 9. - 
2if. vomehmen ... Schnupftabakssprache: Dieser Ausdruck ist 
D 199 entlehnt. 



SEEBAD 41 

94 8 acht bis zehn Zoll: Vgl. zu 92, 1. - ljf. mouches volantes: 
Fliegen-, Miickensehen. Biisch spricht von diesem Phanomen 
a.a.O., S. 309 ff. »Etwas uber die Mouches volantes« verofFent- 
lichte Albert Ludwig Friedrich Meister im »G6ttingischen 
Magazin« Ersten Jahrgangs Viertes Stiick. 1780, S. 127-132. 
- i6f. mich ... 1796 und 1770 sehr mit mikroskopischen Beobach- 
tungen abgab: Dazu vgl. KA 211. 



WARUM HAT DEUTSCHLAND NOCH KEIN 
GROSSES OFFENTLICHES SEEBAD? 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Warum hat Deutschland noch 
kein groBes orTentliches Seebad?« In: »G6ttingerTaschen Calender « 
fiir 1793, S. 92-109. Ein Manuskript des Artikels ist im NachlaB nicht 
erhalten. 

Zur Entstehung: Die Aufforderung und Anregung zu einer Propa- 
gandaschrift fiir deutsche Seebader ging von Reinhard Woltmann 
aus und ist schon 1788 besprochene Sache, wie man einem Brief 
Lichtenbergs an Woltmann (IV, Nr. 560, S. 736-737) entnimmt. 
Demnach plante Lichtenberg, in Erwiderung auf eine Abhandlung 
Woltmanns (deren Titel nicht bekannt ist, aber vermutlich auf den 
Gegenstand abzielte) ihm »6fFentlich einenBrief« zu adressieren: »iiber 
die Seebader und warum Ritzebiittel nicht eins anlegt.« Dieser Brief- 
wechsel, mit dem Lichtenberg erreichen wollte, »daB die Sache 
offentlich deb at tie rt wiirde«, sollte iiberraschenderweise im »G6t- 
tingischen Magazin« erscheinen, dessen Fortsetzung Dieterich ins 
Auge gefaBt hatte. Dem Brief an Woltmann entnimmt man nicht nur 
Lichtenbergs »grofk Neigung, hieriiber etwas zu schreiben«, er er- 
klart sogar: »eigentlich, ich ha be es schon geschrieben«. Wenn das 
zutrafe, ware diese erste Fassung des Aufsatzes mitsamt dem Sudel- 
buch H verschollen. Nach Lichtenbergs Arbeitsweise laBt sich jedoch 
schlieBen, daB es sich lediglich um die Niederschrift einiger Arbeits- 
notizen gehandelt haben kann, die moglicherweise mit den in dem 
Brief mitgeteilten Gedankengangen vollig identisch sind. Da eine 
Fortsetzung des »G6ttingischen Magazins« bekanntlich nicht zu- 
standekam, kiindigte Lichtenberg (IV, Nr. 578, S. 766) Woltmann 
am 23.JUU 1789 an, er werde ihm den »Brief uber das Seebad lang- 
stens innerhalb 14 Tagen ubersenden, und Sie konnen damit machen 
wollen, was Sie wollen«. Wahrend hier also der Gedanke einer 
separaten Veroffentlichung vorschwebt, auBert Lichtenberg in einem 
wekeren Brief an Woltmann (LB II, Nr. 569, S. 379) am 28. Septem- 
ber 1789 : »Meine Bad Geschichte erscheint ehestens, in diesen Ferien 



42 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

gewiB, so da8 wir kiinfFtigen Sommer anfangen konnen. Ich muB 
und muB die Ferien abwarten«. Tatsachlich hat Lichtenberg den Auf- 
satz erst am 14. und I5juli 1792 niedergeschrieben (s. SK 351. 352). 
Eine Arbeitsnotiz aus dem ROTEN BUCH, S. 57. stammt hoch- 
stens aus dem Friihjahr 1792: 

»Uber das Seebad warum Deutschland noch keins hat. Vor einiger 
Zeit habe ich ein[en] Aufsatz gelesen, ich erinnere mich nicht recht, 
wo, da jemand der von den Vortheilen des Seebades redete, so gar 
denEinfall [hatte] stiBes Wasser mit Seesaltz zu Badern zu prapariren, 
und am Ende den gantzen Zweck dadurch zu erreichen hoflft, daB er 
See Saltz (4 Untzen auf 1 Quartier) in Wasser aufloBt, das Handtuch 
oder die Serviette, die zum Abtrocknen dienen soil in dasselbe ein- 
taucht und trocken werden laBt. das Zeug muB nicht vom feinsten 
seyn. Er rechnet nicht bios auf die Saltztheilchen als Saltz, sondern 
auch als ein Mittel, das die Friction vermehrt. 

NB recht vielen Freunden ein Compliment zu machen.« 
Der praktische Erfolg des werbenden Artikels lieB dennoch auf 
sich warten : sieht man von dem Arzt Samuel Gottlieb Vogel ab, der, 
angeregt von Lichtenberg, 1794 bei Doberan nahe Rostock das 
erste deutsche Ostseebad anlegte. Lichtenberg spielt hierauf in seinem 
Artikel »Das Luftbad« (s. S.125) an. Die Hamburger Burgerschaft 
lehnte Seebader als reinen Luxus und bedeutungslos fiir die Gesund- 
heit ab, wie aus einem Brief Lichtenbergs an Woltmann (IV, Nr. 
645, S. 863) vom 12. Dezember 1793 hervorgeht. Das erste deutsche 
Inselbad, Norderney, wurde 1799 nach Lichtenbergs Tod eroflfnet 
und erst 1816, allerdings genau nach Lichtenbergs Vorschlagen, das 
Seebad in Cuxhaven eingeweiht. In seiner fiir die Entwicklung des 
deutschen Seebaderwesens wichtigen Schrift »Ritzebiittel und das 
Seebad zu Cuxhaven« hat Amandus Augustus Abendroth 1818 den 
Aufsatz des »genialischen Lichtenberg« aus Dankbarkeit wiederab- 
gedruckt. Am Rande sei erwahnt, daB in dem im Ritzebiitteler 
SchloB zu Cuxhaven eingerichteten Heimatmuseum ein - allerdings 
miserables - Kupferstichportrat Lichtenbergs an den >Vater des 
Seebads Cuxhaven< erinnern soil. 



95 3/. Diese Frage ... im Hannoverschen Magazin aufgeworfen: In 
den Jahrgangen 1788-1791 habe ich keinen derartigen Artikel 
gefunden, wenn Lichtenberg nicht den Artikel »Wie lange soil 
man im kalten Bade verweilen?« meint, der im »Neuen Han- 
noverschen Magazin« 77. Stuck, 26. September 1791, Sp. 1227 
bis 1232 erschien, so wie »Einige Zusatze und Erlauterungen 
iiber das Baden im kalten Wasser«, erschienen im »Neuen 
Hannoverschen Magazine 94. Stuck, 25. November 1791, Sp. 
1501-1504. Ober die Zeitschrift vgl. zu KA 130. -12 Bright- 
helmstone ; jetzt Brighton, siidl. von London an der Kanalkuste; 



SEEBAD 43 

Mitte des i8Jh. auf Veranlassung des engl. Arztes Richart 
Russell als Seebad angelegt. Lichtenberg erwahnt das Bad auch 
in den Briefen (IV, S. 736. 871). - 12 Margate: Stadt und viel- 
besuchtes Seebad der Londoner Gesellschaft in der engl, Graf- 
schaft Kent, ostl. von der Themsemundung an der Nordsee- 
kiiste. Lichtenberg erwahnt es auch in den Briefen (IV, S. 736. 
871). - 1 7 Neue Bader heikn gut: Diese Wendung ist J 751 ent- 
lehnt. - 22 j. Journal ... des Luxus und der Moden: Anspielung 
auf die von Bertuch und G.M. Kraus herausgegebene Monats- 
Zeitschrift gleichen Titels, die seit 1786 in Weimar erschien. 
Lichtenberg zitiert sie auch J 239; vgl. die Anm. dazu. - 2$f. 
Aufenthalte zu Margate: Lichtenberg besuchte das Seebad etwa 
Anfang August 1775; vgl. auch E 200, F 83. 115. L 578. - 
30 Medecin Penseur . . . Medecin Seigneur: »der Arzt als Denker . . . 
der Arzt als Hoheit«; eine ahnliche Wendung begegnet auch 
539, 13. 571. 14.; ferner D 373- E 189. 

96 6 der hochgepriesene Rheinfall: Den Rheinfall zu Schaffhausen 
erwahnt Lichtenberg und ahnlich absch'atzig auch 1050, 25. 
RA 144. - lof. Otaheite ... Heerstrafie: »allein einmal vom 
Thurme auf dem Neuenwerck auf die HeerstraBe nach Ota- 
heite geschaut zu haben, wird gewiB bleibenden Eindruck 
machen«, schreibt Lichtenberg an Woltmann (LB II, Nr. 569, 
S. 378) am 28. Sept. 1789. Ober Otaheite (Tahiti) vgl. zu 41, 
35 ff. - 19 Eudiometer: einseitig geschlossenes, graduiertes Glas- 
rohr zum Abmessen von Gasen. Vgl. dazu GTK 1784, S. 57 
bis 58. - 55/. Ritzbuttel . . . Cuxhaven oder das Neue Werk: Ritze- 
biittel, seinerzeit malerisches Fischerdorf, das erst 1872 mit 
Cuxhaven vereinigt wurde; vormals zu Hamburg gehorig; 
auf dem Ritzebiitteler SchloB residierten die Hamburger Amt- 
manner (z.B. Brockes). Neuiuerk: etwa 300 Hektar groBe 
Nordseeinsel, 9 Kilometer weit von der Duhner Steilkiiste ent- 
fernt im Wattenmeer der Elbmiindung gelegen. Ihr Wahr- 
zeichen ist der 13 10 von der Hamburger Hanse errichtete 
Wehrturm, das »Nige Wark« genannt. S. auch Briefe (IV, S. 

736-737). 

97 4 habe ich hex dem Neuen Werk gefunden: Lichtenberg besichtigte 
Neuwerk auf seiner SchirTsreise nach Helgoland im Juli 1773 J 
auf der Reede vor Neuwerk ankerte sein SchifFeinen Tag und 
zwei Nachte; s. Lichtenbergs Beschreibung an Schernhagen 
(IV, Nr. 73, S. 149) vom 19 Juli 1773. - 7/. die ich zu Deal ge- 
sehen: Seebad an der Ostkuste der engl. Grafschaft Kent; uber 
Lichtenbergs Besuch ist sonst nichts bekannt. - 32 Hujen: ma. 
fur: riickwarts gehen, zurucktreten. 

98 1 2 Thetis: in der griech. Sage eine Meeresnymphe, Mutter des 
Achill; danach Personifikation des Wassers, Meeres. S. auch 
679» 38f. 1036, 19. - 38 ff. Das Meer tritt ... weit zuruck: Ober 



44 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

dieses >Problem< auBert sich Lichtenberg bereits in dem Brief 
an Woltmann (IV, Nr. 560, S. 73<5~737) vom 14. Juli 1788. 
99 18 Woltmann: Ober Reinhard Woltmann vgl. zu J 1667. - 
26 j. Die gliickliche Lage ...; Darauf kommt Lichtenberg in dem 
oben genannten Brief (IV, S. 737) zu sprechen. - 52/ was 
Pharao ... begegnete: Anspielung auf den »Auszug der Kinder 
Israels«; der sie durch das von Gott trocken gelegte Rote Meer 
verfolgende Pharao (vermutlich Ramses II.) kam mit seinem 
Heer darin urn, als das Wasser zuriickkehrte. S. auch 924, 28. 

100 14 Vomitiv-Reischen: Vomitiv: Brechmittel. - i$f. von einem 
der romischen Kaiser gelesen . . . August selbst: Meines Wissens 
trifft dies eher auf Tiberius zu; iiber Augustus vgl. zu KA 168. - 
24 Pharao: Kartengliicksspiel, das mit zwei vollstandigen fran- 
zosischen Kartenspielen gespielt wird; im i8Jh. auBerordent- 
lich in Mode. Lichtenberg erwahnt es auch 101, 8. 748, 26f. 
867, 3. - 27 f. liest alle Beschreibungen von Seereisen ...: Dariiber 
vgl. oben S. 16. - 3 iff. Nie habe ich ...als auf Helgoland: Ober 
Lichtenbergs Helgoland-Reise und -begeisterung vgl. Briefe 
(IV, S.148-151. 152. 162-163). 

1 oi 4 meiner Bekanntschaft: Lichtenberg selbst schreibt an Wolt- 
mann (IV, Nr. 560, S. 737): »Mit einem Wort: wenn zu Cux- 
haven oder auf dem Neuenwerk ein Seebad errichtet wiirde, 
das ist, dafi man, wenn man deswegen dahin kommt, gutes 
Quartier findet, so bin ich einer der ersten der kommt, und 
Rekruten bringe ich gewiB mit.« S. auch Lichtenbergs Brief 
an Woltmann (IV, Nr. 578, S. 766) vom 23. Juli 1789. - 6f. 
keine Komodienhauser . . . Tanzsale: Dagegen spricht sich Lich- 
tenberg auch in dem oben zitierten Brief an Woltmann (IV, 
S. 737) aus. - 8 Pharaobanke: Vgl. zu 100, 24. - 13 Schicksal des 
Propheten Jonas: Nach dem Buch Jona des Alten Testaments 
wird der Prophet Jona zur Stillung eines Sturms von den 
Schiffern ins Meer geworfen, von einem groBen Fisch ver- 
schluckt und von diesem an Land gespien. S. auch 756, 12 f. 



NACHRICHT VON EINER WALRAT-FABRIK 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Nachricht von einer Wallrath- 
Fabrik.« In: »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1794, S. 125-134. Ein 
Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Ein Aufsatz von Fourcroy in den »Annalen der 
Chemie« 1792, 12. Stuck, war, wie Lichtenberg selbst angibt, die 
Anregung zu diesem Aufsatz, der iiber das Referat hinaus bestimmte 



WALRAT-FABRIK 45 

Lichtenbergsche Gedankengange vermittelt, die in J 1653, geschrie- 
ben etwa 30. April 1791, ihren ersten Niederschlag finden: »Was 
Versuche im GroBen vermogen sieht man daraus daB die vielen 
Leichname, die in Frankreich zusammen begraben nicht ganz ver- 
faulten, sondern in eine Art von kasigter Materie ubergingen. Diese 
Erfahrung ist von grofier Wichtigkeit, und zeigt wie wenig wir der 
Natur in manchen Stiicken nacharbeiten konnen.« S. ferner J 2064, 
geschrieben etwa Anfang Marz 1793: »Man bedenkt nicht was die 
Natur im GroBen zusammensetzen konne ... Unsere Chymie ist 
alles Feuer und Saure. Seitdem man sich des Wachstums der Pflanzen 
bedient hat hat man Luftarten umgeandert. Die Sonnenstrahlen 
richten schon andere Sachen aus als unser Feuer. Die Leichen-Ge- 
schichte auf dem Kirchhofe des Innocens zu Paris, sie steht auch in 
Crells Annalen 12/ tes] St. 1792. Die Veranderung in den tierischen 
Korpern. Man miiBte Dinge in die Erde vergraben.« Die Nieder- 
schrift des Artikels erfolgte zwischen dem 2o.Juli und dem 12. Sep- 
tember 1793 (vgl SK 504. 528). Wie sehr Lichtenberg personlich 
durch das Phanomen korperlichen Verfalls, organische Zersetzung 
und Verfettung, die >Geschichte des Leibes nach dem Tode< beriihrt 
war, erhellt aus L 26 und einem Brief an Blumenbach (IV, Nr. 712, 
S. 953) vom 7. November 1796. 



103 5 Blanc de Baleine: frz. Walrat. Von »Sperma ceti« und Walrat 
spricht Lichtenberg auch in einem Brief an Blumenbach (IV, 
Nr. 712, S. 953) vom 7. Nov. 1796 so wie L 26. - 5 Pottfisches: 
Pottwal, abgeleitet von Pott: niederland. >Kopf<, nach seiner 
Schadelform. - 18 von einem Freunde mitgeteilt: Gemeint ist 
vermutlich Paul Christian Wattenbach - uber ihn vgl. zu SK 
507 -, der sich 1793-1794 in London aufhielt; ein Brief Lich- 
tenbergs an ihn (IV, Nr. 651, S. 870-871) vom 14. April 1794 
handelt u. a. von Schmeisser. - 20 ein gewisser Doktor: Seinen 
Namen, den Lichtenberg hier nicht angeben konnte, tragt er 
im »G6ttinger Taschen Calenders fur 1795, S. 193, unter »Neue 
Entdeckungen, physicalische und andere Merkwurdigkeiten« 
Nr. 6 nach : »Der Erfinder der Kunst, aus Fleisch Wallrath zu 
verfertigen, deren wir im Taschenbuch vom vorigen Jahre ge- 
dacht haben, ist eigentlich Hr. Schmeisser, ein Deutscher, und 
bereits riihmlichst bekannter Chemiker, der vor nicht gar lan- 
ger Zeit noch als Provisor in einer Hamburgischen Apotheke 
stund, nachher in gleicher Qualitat nach London ging, wo er 
aber jetzt fur sich lebt und mit dem gliicklichsten FleiBe seine 
Zeit der Untersuchung der Natur widmet.« Ober Johann 
Gottfried SchmeiBer vgl. zu L 26. Von der »SchmeiBerschen 
Maske« ist in gleichem Zusammenhang in einem Brief (IV, 953) 
die Rede. - 32 Crells chemischen Annalen: »Chemische Annalen 



46 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

fur die Freunde der Naturlehre, Arzneygelahrtheit, Haushal- 
tungskunst, und Manufakturen«, hrsg. von Lorenz von Crell, 
2. Band, Helmstedt 1792, S. 522-534: »Uber den verschiedenen 
Zustand der Leichen, welche man im J. 1786 und 1787 auf dem 
Kirchhofe des Innocens ausgegraben hat, vom Hrn. de Four- 
croy.« Uber Lorenz Florens Friedrich Crell vgl. zu J 745; uber 
die Zeitschrift vgl. zu J 1320. - 33 Annates de Chimie: »Annales 
de Chimie; ou Recueil de Memoires concernant la Chimie et 
les Arts qui en dependent^ hrsg. von Morveau, Lavoisier, 
Monge, Berthollet, Fourcroy, Baron de Dietrich, Hassenfratz 
und Adet, Paris 1790, Tome 5, p. 154-185: »Memoire sur les 
differens etats des Cadavres trouves dans les fouilles du cimetiere 
des Innocens en 1786 et 1787* gelesen vor der Academie Royale 
des Sciences in Paris am 28. Mai 1789. Ober diese Zeitschrift 
vgl. zu J 1593. - 34 Fourcroy: Ober Antoine Francois de Four- 
croy vgl. zu J 1214. - 36 Kirchhofe der unschuldigen Kinder: Der 
Cimetiere des Sts.-Innocents in Paris wurde 1785 aufgelassen 
und die Gebeine von 1200000 Skeletten in die Katakomben 
iiberfiihrt. 

104 21 halb Zoll Dicke: ca. 1,25 cm; im ubrigen vgl. zu 25, 1. - 
29 Thouret: Michel-Augustin Thouret (1748-1810), bedeuten- 
der frz. Arzt und Naturwissenschaftler. - 38 behosten Frank- 
retch: Gemeint ist das Frankreich vor der Revolution von 1789 
und der Herrschaft der >Ohne-Hosen<, der Sansculottes: das 
Ancien Regime. In der Frz. Revolution war Sansculotte Spott- 
name fur die Burger, die in Gegensatz zur aristokratischen 
Mode Pantalons trugen und keine Culotten. Ein Wortspiel da- 
mit macht Lichtenberg auch 472, 17. S. ferner 750, 5. 773, 3 if. 
875, 37- 1046, 9f. - 38 Gallia braccata: das hosentragende Frank- 
reich. 

105 37 Geschichte des Leibes nach dem Tode: Dariiber reflektiert 
Lichtenberg auch J 1668. 

106 6 philosophical Transactions: »On the Conversion of the Sub- 
stance of a Bird into a bard fatty Matter« von Thomas Sneyd 
(Lebensdaten unbekannt), verlesen am 29. Marz 1792, erschie- 
nen in den »Philosophical Transactions* a.a.O., S. 197-198. 
Uber diese Zeitschrift vgl. zu D 675. - 2 if. In einer Note . . . ge~ 
sagt: Gemeint ist »Annales de Chimie« a.a.O., S. 154-155: 
»M. Thouret, medecin, qui a suivi ces fouilles avec un zele et 
une ardeur infatigable pendant deux ans, a recueilli un grand 
nombre de faits qu'il doit publier dans un ouvrage particulier.« 
- 22 Thouret ... besonderes Werk dariiber schreiben: Bereits 1789 
war zu Paris von ihm erschienen: »Rapport sur les exhuma- 
tions du Cimetiere et de l'eglise des Saints Innocents«. 1791 
publizierte er dariiber im xjournal de Physique« T. 38, P. 1, 
S.255ff. 



47 

EIN TRAUM 

Erstveroffintlichung und Satzvorlage: »Einige Betrachtungen uber vor- 
stehenden Aufsatz, nebst einem Traum«. In : »G6ttinger Taschen Ca- 
lender« fiir 1794, S. 134-145. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht 
erhalten. 

Zur Entstehung: Die Niederschrift des Artikels erfolgte vermutlich 
wie im Falle der »Nachricht von einer Walrat-Fabrik« zwischen dem 
20. Juli (SK 504) und dem 12. September 1793 (SK 528). Die Idee 
zu der Traumerzahlung ist Lichtenberg jedoch wesentlich friiher ge- 
kommen. Schon D 469, niedergeschrieben zwischen Februar und 
April 1774, entwickelt er erstmals den Gedanken einer kosmischen 
Perspektivverzerrung, die F 470, niedergeschrieben Anfang April 
1777, auf die Formel bringt: »Die Erde eine Turmalin-Verkleine- 
rung.« Im Fnihjahr 1790 greift Lichtenberg in J 333 den Gedanken 
wieder auf: »Aus meiner Erde die zu einer Kugel von l / A Zoll im 
Durchmesser, und meinem Turmalin der eine Welt wird kbnnte ein 
guter Traum gemacht werden. Erst wurde der Klumpen getrocknet, 
damit war die See weg, alles Quecksilber, alles Fluchtige. Wo ist 
denn aber das Gold? - Gold? es ist kein Gold darin. In dieser Steinart 
ist kein Gold pp. Wo sind denn die Sandwiisten von Asien, die Mark 
Brandenburg. Wiirklich hatte er die Halfte von Afrika weggegossen. 
Feuer wurde die ganze vegetabilische Welt zerstoren, und alkalische 
Salze und tode Erde erzeugen.« Weitere Erganzungen erfahrt die 
Idee J 1645 (niedergeschrieben etwa Mitte April 1791)- I7I9- *727 
(niedergeschrieben im Spatherbst 1 79 1 , um dann im ROTEN BUCH, 
S. 64-65, folgende Wendung zu erhalten: »Dieses konte in einer 
Theorie der Erde gebraucht werden, die ich wohl einmal geben 
konte, nemlich eine eigene. Da konte vorkommen, der Mensch der 
Ursachensucher so wie man sagt der Ameisenbar. Dem Ursachen 
System haben die Wunder ihre Kraflft und seit dem es diese nicht 
mehr giebt die Taschenspieler Stiickchen ihren Reitz zu dancken. 
Hier kan das hyperchemische, der Kirchhof des innocens. Der Kalch 
im [?] pp. [genutzt werden.] Der Traum konte eingewebt werden. 
Das war die gantze Erde. Endlich miiste ich sagen, da man nichts 
traumt, was man nicht vorher gedacht hat.« 

Selbstverstandlich handelt es sich bei dem Traum um eine Fiktion. 
Gerade die Traumerzahlung, insbesondere auch die philosophische, 
erlebte in der Literatur der Aufklarung eine Wiederbelebung. Seiner- 
zeit beriihmtes Vorbild war J. J. Engels »Traum des Galilei« - s. dar- 
iiber J 897. Wie viel Lichtenberg von derartigen Traumen, verstan- 
den als wohlkalkulierte wissenschaftliche Phantasien iiber noch un- 
zulanglich erforschte Phanomene, gehalten hat, geht unter anderem 
aus dem Artikel »Von Cometen« hervor, erschienen im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1787, wo es S. 82f. heiBt: 



48 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

»Ich hole zu dem Ende etwas weit aus; verliehre ich mich i n Traume, 
so sollen sie wenigstens nicht unangenehm seyn und sich nur da ein- 
stellen, wo es der Vernunft unmdglich ist zu entscheiden. I n dem Fall 
sind Traume gewiB verzeyhlich, zumal wenn man sie aufrichtig fur 
das ausgiebt, was sie sind. Es ist der Hauptvorzug unsers Geistes, und 
nichts zeigt so sehr seine Verwandtschaft mit dem Urheber der Welt, 
als dieses, daB wir nicht bios dem gegenwartigen Augenblick leben, 
nicht bios empfinden, sondern uns des Gegenwartigen bedienen, so- 
wohl im Vergangenen als im Kunftigen zu leben, zu erklaren und zu 
weissagen, und eine Kraft iiben deren hochste Stufe, das Oberschauen 
von Welt Zeit und Ewigkeit im Allmachtigen ist.« 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 233-235; Mautner, a.a.O., 
S. 398-401. 



107 16 f Unsere Chymie hdngt ah von der ... Dunstkugel: Dazu vgl. 
J 1577* - 34 Steinkohlen-Floze: Dazu vgl. Lichtenbergs Brief 
an Werner (IV, Nr. 786, S. 1022), der wohl ca. 15. August 1789 
geschrieben ist; vgl. auch J 1320. - 54 Gange: Gang heiBt in 
der Geologie eine durch tektonische Storungen aufgerissene 
Spalte in einem Gestein, die anschlieBend mit jungeren Ge- 
steinsarten oder Mineralien ausgehillt wurde; s. auch 122, 2. 

108 if Hyperchemie: Zudiesem Ausdrucks. obenS.47. - ^Laugen- 
salzes: »Vegetabilisches Laugensalz« nannte man im i8.Jh. die 
Pottasche. - 7 Garung: Der Abbau von organischen Stoffen in 
Abwesenheit vom freien Sauerstoff. Dieses Phanomen riickte 
erst im letzten Jahrzehnt des i8.Jh. in den Blickwinkel der 
Chemiker. Lichtenberg verwendet den BegrifF auch 696, 3 1 . 
774, 7. 775, 2. Im iibrigen vgl. zu J 2075. - 8 Bestandteile des 
Turmalins: Dariiber vgl. zu D 729. - 14 Theorie derErde: Dazu 
vgl. den Aufsatz »Geologische Phantasien« S. 1 12-124. - ig 
Werktags-prose: Zu dieser Wortbildung vgl. zu 65, 4- »Werk- 
tags-Seite« bildet Lichtenberg F 677; »Werktags-Vernunft« be- 
gegnet 756, 26. - 21 Ein Traum: Dazu vgl. oben S. 47. - 
32 einen Zoll im Durchmesser: ca. 2,5 cm; im iibrigen vgl. zu 25, 1. 

109 6 Adlerstein: rundes oder ovales Gebilde aus Braun- oder Ton- 
eisenstein mit Hohlungen und darin befindlichen Steinchen; 
gait im Volksglauben als Gebaramulett, seit der Antike pulveri- 
siert zu vielen Rezepturen verwendet. -is Kreuzer: abgek. 
Kr, seit 1551 Reichsmunze: 4 Pfennige gleich 1/90 Reichstaler. 
- 15 Frankfurter Messe: Frankfurt am Main hatte als erste Stadt 
in Deutschland ein Messe-Privileg (seit 1240); erst im i8Jh. 
wurde die Frankfurter Messe an Bedeutung von der in Leipzig 
uberholt. - 18 f Tonerde ... Kalkerde ... Kieselerde: Dazu vgl. 
zu K 328; s. auch 119, 37. 



GEOLOGISCHE PHANTASIEN 49 

no 32 Revoltttionen: hier im Sinne von: Verdnderungen; Umwal- 

zungen; s. auch 112, 6. 282, 26. 
in 17 Analyse von Lumpen und Druckerschwarze: Ahnlich schreibt 

Lichtenberg beziiglich der Werke Newtons K323; s. auch 

H125. 



GEOLOGISCHE PHANTASIEN 



Erstverbffentlichung und Satzvorlage: »Geologische Phantasien. (Frank- 
lins Geogenie.)« In: »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1795, S. 79 bis 
108. Ein Manuskript ist im Nachlafi nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Zu Ende des Artikels »Einige Betrachtungen iiber die 
physischen Revolutionen auf unsrerErde«, erschienen im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1794, schrieb Lichtenberg: »Mir sind bis jetzt 
acht und vierzig Hypothesen bekannt geworden, jene ersten Fragen 
zu beantworten; es gibt ihrer vermutlich noch mehrere, ja selbst die 
Behauptung einiger Weisen, daB man nichts ausrichten werde, ist 
schon die neun und vierzigste. Viel ist freilich damit noch nicht aus- 
gerichtet worden, aber doch schon etwas, und dieses vornehmlich 
seit der kurzen Zeit, da man sich bestimmte Grenzen gesetzt hat. 
Denn vorher wurde nicht selten mit einem Geiste gedichtet und ge- 
traumt, mit welchem sich die Zahl der Hypothesen leicht auf - Tau- 
send und Eine hatten bringen lassen. Eine kurze Erzahlung dieser neue- 
ren Bemiihungen soil den Inhalt eines kiinftigen Aufsatzes aus- 
machen.« (Zit. nach Vermachtnisse, S. 216). Kurze Zeit, nachdem 
Lichtenberg diese Satze niederschrieb, muB er jenen Artikel gelesen 
haben, der die Grundlage des vorliegenden Aufsatzes bildet: »Two 
other Papers written by Dr. Franklin, and not to be found in any 
collection of his Works«, verofFentlicht im »European Magazine^ 
August 1793, S. 84-87. Lichtenbergs Angabe »S. I37f « ist irrig. Im 
ROTEN BUCH, S. 78-79 und 80, begegnen zwei Anspielungen 
darauf: »Von der Theorie der Erde, die mit der Francklinischen an- 
fangen mufi eine wissenschaftl. Character von Francklin. Wie sich 
alles bey ihm zusammen fand. Es gab lange Kohlenstaub, Schwefel 
und Salpeter ehe SchieBpulver wurde. Mannchen und Weibchen von 
Ideen. - Man muB wissen, wenn man es noch nicht weiB, daB die 
Theorie der Erde, eine zugleich des menschlichen Geistes mit ist, den 
Nutzen hat ja seit jeher sogar die falsche Philosophic gehabt. Aus 
dem Mehl laBt sich die Miihle beurtheilen, und wohl gar der Miiller 
oben drein. Diese Theorie wird hier bios als Stamen von den iibrigen 
gegeben. Der Mathematiker schafft sich andere Gesetze der Schwere. 
Man fangt bey der Verfassung unserer Staaten von Familien an. So 
will es, wo nicht die Natur der Dinge, doch wenigstens unser Kopf, 



50 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

und wird es so wollen, bis wir andere bekommen. Und was kennen 
wir denn auBer unsern Kopf.« Die andere Notiz lautet: »Franklins 
Theorie der Erde konte als ein Theil der Simplicium gebraucht wer- 
den, wenn sich auch nicht alles daraus erklaren laBt: so kan es doch 
vieles seyn. und daher ist es gut einmal alles dadurch zu erklaren. « 

Der Artikel selbst wird vermutlich zwischen dem 26. Juli (SK 677) 
und dem 15. September 1794 (SK697) niedergeschrieben worden 
sein: nach den »Betrachtungen iiber die physischen Revolutionen auf 
unsrer Erde« und dem >Traum des Naturforschers< Lichtenbergs drit- 
ter Beitrag zu der revolutionaren jungen Wissenschaft : Geologie und 
Palaontologie. 

Literatur: Mautner, a.a.O., S. 379-381. 



112 1 Phantasien: Lichtenberg bezeichnet mit diesem Ausdruck, 
den er auch fiir den Artikel »Geologisch-meteorologische 
Phantasien« (GTK 1798, S. 83-120, wiederabgedruckt in: Vex- 
mdchtnisse, S, 217-229) verwendet, seine spezifische heuristische 
Methode, alles allem anzuprobieren, um dadurch womoglich 
auf neue Erkenntnisse und Entdeckungen zu geraten, s. seine 
Ausfuhrungen J 1550; vgl. auch 944, 37. Im iibrigen s. oben 
S. 47. - 2 Franklins: Uber ihn vgl. zu A 227. - 2 Geogenie: 
Erdentstehung. - 5 im Taschenbuch vom vorigen Jahre verspro- 
chen: Gemeint ist der Artikel »Einige Betrachtungen iiber die 
physischen Revolutionen auf unsrer Erde« im >G6ttinger 
Taschen Calenden fiir 1794, wo Lichtenberg S.112 schreibt: 
»Eine kurze Erzahlung dieser neueren Bemiihungen soil den 
Inhalt eines kiinftigen Aufsatzes ausmachen.« Der Aufsatz ist 
neuerdings wiederabgedruckt in: Lichtenberg, Vermachtnisse. 
Reinbek 1972, S. 205-216. - 6 Revolutionen: Zu diesem natur- 
wissenschaftl. Begriffvgl. zu no, 32.-12 voriges Jahr zahlten 
wir 48: Vgl. Vermachtnisse S. 216, 2f. - 16 Seetiere auf den 
Spitzen der Berge: Vgl. D 737 und die Anm. dazu. -19 Wood- 
ward: Gemeint ist »An essay toward a natural history of the 
earth: and terrestrial bodies, especially minerals: as also of the 
sea, rivers, and springs. With an account of the universal 
deluge: and of the effects that it had upon the earth«, London 
1695, von John Woodward (1665-1728), engl. Physikprofessor 
am Cresham College und spekulativer Geologe. - 21 ad inte- 
rim: vorderhand, einstweilen. S. auch 759, 5. 834, 3. 926, 3. 
979, 31. 1021, 18. - 2j Backenzahne der gefallenen Engel: Diese 
Anekdote ist J 167 entlehnt; Lichtenberg entnahm sie dem Auf- 
satz »Von den groBen Knochen und Zahnen am Ohioflusse in 
Nordamerika« in Goezes »Natur, Menschenleben und Vor- 
sehung fiir allerlei Leser«, 2. Band, S. 132, Leipzig 1790. S. auch 



GEOLOGISCHE PHANTASIEN 5 1 

ROTES BUCH, S. 80: »In der Theorie der Erde. Den SchrifTt- 
steller nicht zu vergessen, der die Zahne des Ohio Thiers, fiir 
Backzahne gefallener Engel halt J. p. 27.« Die Notiz ist von 
Lichtenberg durchgestrichen. - 29 ein Franzos behauptet: Der 
Verfasser konnte nicht ermittelt werden; Barbier fiihrt den 
Titel nicht auf. - 32 Kohdsion: Vgl. zu 199, 8. 

113 6f. Monarchic der . . . gesunden Vernunft: Diese Wendung be- 
gegnet ahnlich auch L403. - 11 Phantasien: Vgl. zu 112, 1. - 
22 Ideen aufgejagt: Die Formulierung »Ideen-Jagd« gebraucht 
Lichtenberg auch 184, 18 und Vermachtnisse, S. 215. Wortbil- 
dungen mit -Jagd begegnen auch 813, 8. 878, 40. - 23 Falken- 
atige der Vernunft: Vom »Adlerauge der Kritik« spricht Lichten- 
berg in UB 35. - 24 sah Milton die allgemeine Schwere: Die doch 
wohl in Miltons »Paradise lost« zu suchende Stelle konnte ich 
nicht auffinden. Ahnlich auBert sich Lichtenberg auch 3 80, 28 f. - 
2$f. des gropen Dichters verlornem: Vgl. zu 65, 17. - 2gf. Bacons 
Organon ... heuristisches Hebezeug: Dieser Satz ist J 1242 ent- 
lehnt; iiber Baco und Lichtenbergs Studium des »Novum Or- 
ganon* vgl. zu B 70. Die gleiche Wendung : heuristisches Hebe- 
zeug gebraucht Lichtenberg auch K 3 12. - 33/ die Begriffe lauter 
Mannchen oder ... Weibchen: Dieser Satz ist J 740 entlehnt; vgl. 
auch D 417 und oben S. 49. - 34/. In einem Winkel ihres Kopfs 
lag Schwefel ...: Ahnlich schreibt Lichtenberg K 308 in Bezug 
auf sich selbst. 

114 1 Stamina: Faden. S. auch oben S. 49. - 2 Menstruum: Men- 
struum universale: ein Losungsmittel, das nach Auffassung von 
Paracelsus und J.B. van Helmont alle StofFe auflosen sollte. 
Vgl. zu diesem Gedanken auch K 308. - 5 Keplers: Uber ihn 
vgl. zu A 6. - 8 schaffende Phantasie: Vgl. zu 112, 1. - 14/. Phan- 
tasie und W'xtz ... das leichte Corps: Dazu vgl. J 1550. - 20 Ich 
habe sehrfruh gehort: Dazu vgl. unten S. 299. 

115 2 die Offenbarung Johannis ans Ende gestellt: Dieser Gedanke ist 
J 1 183 entlehnt und dort weiter ausgefuhrt. In ROTES BUCH, 
S. 64, notiert Lichtenberg : »Die hohe Philosophic wie die OfFen- 
bahrung Johannis hinten hin.« - 9 Abbi Soulavie: Jean-Louis 
Giraud Soulavie (1 752-1 813), frz. Schriftsteller, zunachst Abbe' 
in Nimes. - 10 Bet seinem Aufenthalt in Frankreich: Franklin war 
1776-1785 als Gesandter der unabhangigen Staaten Nordameri- 
kas in Paris. - 32 Mariotte hat gejunden: Ober ihn und das nach 
ihm benannte physikal. Gesetz vgl. zu L 803. - 33 im European 
Magazine: Dieser Band der Zeitschrift war mir nicht zugang- 
lich; im ubrigen s. oben S. 49. Uber diese Zeitschrift vgl. zu 
J 1015; Lichtenberg verwertet, zitiert sie auch 488, 25^989, 8. - 
36 beim Lesen ausgezeichnet: In ROTES BUCH finden sich 
keine Exzerpte daraus, und in den »Excerpta physica« sind die 
entsprechenden Seiten verschollen. 



52 GBLEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

116 4/. In Deutschland ... Mariottens Versuche ... ausgedehnt: Sollte 
Lichtenberg sich selbst meinen? Vgl. LB II, S. 165-166. - 14 
das Mariottische Gesetz: Vgl. zu 115, 32. - 18 Toisen: Vgl. zu 
70, 28. - 23 die Deutsche Meile: Vgl. zu 44, 1. 

117 5 ungefahr so wie Kant: Im »Zweyten Hauptstiick der Meta- 
physischen Anfangsgriinde der Dynamik« schreibt Kant inner- 
halb der »Metaphysischen Anfangsgriinde der Natunvissen- 
schaft«, zit. nach der 3. Aufl. Leipzig 1800: »Materie ist das Be- 
wegliche, so fern es einen Rauin erfiillt« (S. 24) und: »Die 
Materie erfiillt einen Raum, nicht durch ihre bloBe Existenz, 
sondern durch eine besondere bewegende Kraft« (S. 25). - 2gff, 
Die magnetische Materie . . . existiere durch den ganzen Himmels- 
raum: Dieser Franklinsche Gedanke wurde erst durch Faraday 
(1833/34) und Maxwell (1864) wissenschaftlich fundiert. - 34 
Boussole: Magnetnadel. 

118 8f. Facta ... rasonieren: Dazu vgl. C 218. - 20/". Gebirge ... er- 
klettern wie Deluc und v. Saussure: Uber Jean Andre* Deluc s. zu 
KA 210, Horace Benedicte de Saussure - iiber ihn s. zu H 125 - 
gelang 1787 die Zweitbesteigung des Montblanc, dessen Hohe 
er barometrisch feststellte und als hochsten Berg Europas be- 
stimmte. - 22 Trebra: Uber ihn s. zu L 852. - 22 Veltheim: Uber 
ihn s. zu SK973. - 22 Werner: Ober Abraham Gottlob Werner 
s. zu GH 64.-22 Charpentier: Johann Friedrich Wilhelm von 
Charpentier (1728-1805), Berghauptmann in Freiberg/Sachsen. 
- 28 Beobachtungsgeist: Zu diesem Ausdruck und Prinzip vgl. 
auch 264, 14. 381, 23. Im iibrigen vgl. zu C 91. - 2gf. Fdhigkeit 
zu verbinden ...; Dazu vgl. K 311 und Lichtenbergs »Vorrede« 
zur 6. Auflage vonErxlebens »Compendium« 1794, S. XXXIV: 
»Unsere ganze Naturlehre bestehe nur aus Bruchstucken, die 
der menschliche Verstand noch nicht zu einem einf ormigen 
Ganzen zu vereinigen wisse.« - 33 f. Die Astronomic ... Vor- 
bild: Ahnlich schreibt Lichtenberg in den »Geologisch-meteoro- 
logischen Phantasien« (GTK 1798, S. 93); s. auch J 1522. - 
37ff.Jedes Kapitel der Naturlehre zerfallt ... wie die Astronomie: 
Dieser Gedanke ist J 1386 entlehnt; s. ferner J 1522. 

119 8 die Phanomene anzuprobieren: Lichtenbergs Methode, die er 
K 308 mit Ideen experimentieren nennt. - i$f. Schon Newton . . . 
die Sache so gedacht: In »The History of the Royal Society of 
London, for improving of natural knowledge, from its first 
Rise . . .«, London 1757, von Thomas Birch, Sekretar der Royal 
Society, heiBt es S. 250: »Perhaps the whole frame of nature 
may be nothing but various contextures of some certain aethe- 
real spirits, or vapours, condensed as it were by precipitation, 
much after the manner, that vapours are condensed into water, 
or exhalations into grosser substances, though not so easily con- 
densible; and after condensation wrought into various forms; 



GEOLOGISCHE PHANTASIEN 53 

at first by the immediate hand of the Creator; and ever since 
by the power of nature . . .« - Auszug aus einem Vortrag New- 
tons vor der Royal Society, gelesen am 9. Dez. 1675. Uber 
Newton vgl. zu A 79. - 17 Birch's Hist, of the Royal Society: 
Uber ihn und sein Werk vgl. zu J 458. -17 230: Lies im Text: 
250 (230 offenbar Druckfehler der Satzvorlage). - i8fluchtigen 
Wesen: Eindeutschung von: Fluidum. - 24 Inflammable Luft 
mit dephlogistisierter verbrannt, gibt Wasser: Ober inflammable 
Luft vgl. zu 65, 31; dephlogistisierte Luft: seinerzeit iiblicher Be- 
griff fixr: Sauerstoff; s. auch 1038, 31. -27 Wasser aufgebrannten 
Gips gegossen: Zu Lichtenbergs Experimenten mit Gips vgl. 
J 1285 und die Anm. dazu. - 31 f Feuer . . . ein elastisches Wesen: 
Vgl. zu D 760; im ubrigen vgl. zu 69, 24 f. - 33 metallischen 
Kalchen: So bezeichnete man seinerzeit die Produkte der Oxy- 
dation; vgl. zu GH 87. - 37 Kieselerde als Dunst dargestellt: Vgl. 
zu 109, i8f, 

120 sf Man betrachte ... Bau einer Hyazinthe: Vgl. schon A 235 
und die Anm. dazu. - 32 f Gasisten . . . Westrumb . . . antiphlogi- 
stische System nennt: Lichtenberg bezieht sich wohl auf dessen 
»Bemerkungen, verschiedene Gegenstande der neuern Chemie 
betrefFend«, erschienen in den »Chemischen Annalen« 7. Stuck, 
1792, S. 3-33. Ober Westrumb vgl. zu J 1830. - 37 a priori: 
von vornherein, aus Vernunftgrunden. 

121 6 tropfbare: Wortpragung Lichtenbergs fur: liquid. - 8 Ziehen 
wiirde: Lies im Text: ... wurden. -11 Solve et coagula: »L6se 
und lasse gerinnen.« Beruhmte Formel der Alchemisten; vgl. 
auch J 1484 (S. 274). -12 Lukrez: Ober Titus Lucretius Cams 
vgl. zu J 292. - 13 Corporibus ... res: »Und so fiihrt die Natur 
durch verborgene Korper ihr Werk aus.« Zitat aus Lukrez, 
»De rerum natura«, i.Buch, V. 325; Lichtenberg zitiert die 
Zeile auch J 1420. - 17 anschlieftt: Zu diesem Begriff vgl. zu 
A 216; s. auch 266, 18. - 22 Oplithen: Apliten: kleinkorniges 
Ganggestein, aus wasserarmer Restschmelze kristallisiert, be- 
steht iiberwiegend aus Feldspat und Quarz. - 2$ Patent-Schrot: 
Dazu vgl. auch J 1503. - 28 Ich sehe fiirwahr nicht ein ...: An- 
spielung auf die in den neunziger Jahren des 1 8Jh. heftig dis- 
kutierte Neptunismus-Theorie der Erdentstehung (Werner). - 
33 f Floz-Bildung: Vgl. zu 107, 34. 

122 2 Gang-Gebirge: Vgl. zu 107, 34. - nf mit Heil. drei Kbnig an- 
fangen: D.h. am 6Januar. - 16 konnten: von mir verb, aus: 
konnte. - 2of Wie leicht erklaren sich nicht die Erdbeben: Vgl. zu 
J 1223. - 23 trocknen Nebel: Vgl. Briefe (IV, 515, i6f.) und 
die Anm. dazu. - 23 Steigen und Fallen des Barometers: Vgl. zu 
D 707. - 2p Rezipienten: Behalter; s. auch 328, 10. 

i 2 3 3fl Schade daft Franklin ... nicht mehr lesen kann: Franklin war 
am 17. April 1790 gestorben. - 12 f von einem Zentralfeuer 



54 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

redet: Lichtenberg gebraucht den Begriff auch 184, 24. - 23 
einen gewissen Herrn . . . Gemeint ist Meerwein ; uber ihn vgl. 
zu J 447; s. auch J 454. - 37 f Bedlam fur Meinungen ... Ta- 
schenkalender fur 1792: Ober Meerweins These mokiert sich 
Lichtenberg, ohne den Namen zu nennen, S. 13 2-1 3 3 ; zu Bed- 
lam vgl. zu 292, 31; seinen Artikel erwahnt Lichtenberg auch 
470, 25 f.; im ubrigen vgl. 414, 3 of. 
124 gf Vermckung des Pendels: Vgl. zu RA 157. - 11 Kunftig wird 
dieser Artikel fortgesetzt: Eine Fortsetzung erfolgte erst im 
»G6ttinger Taschen Calender« fiir 1798 mit den »Geologisch- 
Meteorologischen Phantasien« (S. 83-120), wiederabgedruckt 
in: G. C. Lichtenberg, Vermachtnisse. Reinbek 1972, S. 217 
bis 229. - nf oh wir gleich nicht versprechen wollen: Dazu vgl. 
K35. 



DAS LUFTBAD 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Das Luftbad«, erschienen in: 
»G6ttinger Taschen Calender* fiir das Jahr 1795, S. 11 5-126. Ein 
Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Im ROTEN BUCH, S. 7<5-77, notiert Lichtenberg 
(die Notizen sind durchgestrichen) : »Abernethy. Ist angefiihrt in dem 
rothen Leihbuch. Nutzen des Lufftbades. kan ein guter Artickel 
werden. Zumal auf die Erzeugung der Warme. Es ist ein falscher 
SchluB, daB wie es einen in diinnen Kleidern friert, es einen nackend 
noch mehr frieren miiste. So nach ware wohl gar die Kleidung ein 
Friichtchen [?] der Weichlichkeit, so wie das Kochen der SpeiBe. 
Wie wohl durch das Kochen der Umfang des EBbaren konte ver- 
mehrt worden seyn. 

Vielleicht lieBe sich gar daraus ein Artickel Lufftbad machen. Man 
hat nun Bader nach alien 4 Elementen. Graham's Erdbad das er nach 
seinem celestial Bett erfand. Die Russischen SchweiBtreibhauBer 
konte man wohl ein Feuerbad nennen. Vom Seebad haben wir ge- 
handelt nun etwas vom Lufftbad. Nun auf Abernethy. Unsere ersten 
Eltern. Wenigstens eine Stunde des Tages konte es gebraucht werden.« 

Der Artikel selbst wird, ahnlich den »Geologischen Phantasien«, 
zwischen dem 26. Juli (SK677) und dem 15. September 1794 (SK697) 
niedergeschrieben worden sein: eine, wie Mautner, a.a.O., S. 403, 
sagt, »im besten Sinn feuilletonistische Kleinigkeit«. 

125 2f In unserm Taschenbuch von 1792 ... Nachricht vom Seebad: 
S. S. 95-102. - 3/ unsere Vorschltige nicht ganz fruchtlos: »Bei 
Rostock kommt ein Seebad zu Stande und zwar unter der 



LUFTBAD 55 

Direktion des vortrefflichen Hofrats Vogel, der mich vor eini- 
gen Monaten besucht hat. Er hat in Gesellschaft eines Bau- 
meisters die hauptsachlichsten Bader Niedersachsens bereist, 
und die Sache ist schon vollig in Gang«, schreibt Lichtenberg 
an Woltmann (IV, Nr. 645, S. 863) am 12. Dez. 1793. - 8f. 
Arzneien taglich teurer ... Krankheiten immer wohlfeiler: Diese 
Wendung ist J 323 entnommen. - 2if, Insolation und Aprika- 
tion: Bestrahlung durch die Sonne und Sonnenbad. - 2$ Gra- 
ham: Ober ihn vgl. zu 88, 25. - 2$f. Erfindets des himmlischen 
Bettes: Vgl. zu 88, 25. 
126 1 tint Theorie davon gegeben: Gemeint ist »A Treatise on the 
All-Cleansing, All-Healing, and All-Invigorating Qualities of 
the Simple Earth, when long and repeatedly applied to the 
Human Body ...«, London 1779. - 4 Materia medica: im medi- 
zinischen Fache. - 6 Bad im funften Element: Gemeint ist die 
Elektrizitat, die Lichtenberg auch IV, S. 907, als Funftes Ele- 
ment bezeichnet. - 7 Mesmers magnetisches Bad: Ober Franz 
Anton Mesmer vgl. zu J 1600. - 8f. Quecksilber- oder Merkurial- 
Bad: wohl Anspielung auf die seinerzeit bei Geschlechtskrank- 
heiten, insbes. Syphilis, angewandte Radikalkur mit Queck- 
silber; s. dazu auch 643, 5. 799, 36. 821, 18. 857, 3. 968, 5. - 
27 ff. Franklin . . . ein grower Freund von dem Luftbad: Lichtenberg 
entnahm diese Vorliebe wohl aus dessen Autobiographic »Ben- 
jamin Franklin's Jugendjahre, von ihm selbst fur seinen Sohn 
beschrieben«, die, von Burger iibersetzt, 1792 bei Rottmann in 
Berlin erschienen war, wo er S. 144-145 beschreibt, wie er sich 
entkleidete, in den FluB sprang und die Strecke von Chelsea 
bis Blackfriars schwamm. Ober Franklin vgl. zu A 227. - 
30 f. Cabinetstuckchen von einetr Menschen: Diesen Ausdruck ge- 
braucht Lichtenberg auch 153, 27. 874, 34ff. - 31 Lord Mon- 
boddo: Ober ihn s. zu L 465. - 32/. Foote ... nannte ihn: Diese 
Wendung ist ROTES BUCH, S. 84, notiert. Ober Foote vgl. 
zu D 648. - 33 Elzevir sche Ausgabe von Dr. Johnson: Elzevier, 
beriihmte niederland. Verleger- und Druckerfamilie des 17. Jh. 
in Leiden und Amsterdam, deren bedeutendster Vertreter Lud- 
wig E. ( 1 604-1 670) war. Eine Besonderheit des Verlags waren 
Duodezausgaben, kleinformatige Bandchen wissenschaftlicher 
Autoren. Ober Johnson s. zu J 256. - 34 weder . . . Kolofi noch 
Bar: Da8 Johnson vielfach mit einem Bar verglichen wurde, 
berichtet Boswell in »The Life of Samuel Johnson«, S. 196; 
vgl. auch J 789. - 38 Monboddo glaubt, die Menschen ...; Die 
nachfolgenden Monboddo-Anekdoten entnahm Lichtenberg, 
wie aus ROTES BUCH, S. 84, hervorgeht, Kuttners »Bey- 
tragen zur KenntniB von England«, 8. Stuck, S. 70. Auch 
Georg Forster spielt in seiner »Geschichte der Englischen 
Litteratur vom Jahr 1789* (Georg Forsters Werke, Bd. 7, 



56 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Berlin 1963, S. 91, 241*.) darauf an. - 38/. die Menschen ... ge- 
schwdnzt: Lichtenberg verwertet die Wendung 250, 31. 

127 jf. er glaubt er spreche das Griechische ...; Vgl. auch 301, yf. - 
1 Auch hat man mir erzahlt ...: Lichtenbergs Gewahrsmann 
konnte von mir nicht ausflndig gemacht werden. - 1 die Frdu- 
lein Burnet, seine Tochter: James Burnett Lord Monboddo hatte 
2 Tochter, von denen eine im Alter von 25 Jahren 1790 an der 
Schwindsucht starb ; die andere heiratete den bedeutenden Alt- 
philologen Kirkpatrick Williamson. - 21 Ein englischer Arzt, 
Abernethy: John Abernethy: Ober ihn vgl. zu J 820. - 26 de- 
phlogistisierte Luft: Vgl. zu 119, 24. 

128 if. eine ... Hindemis: Dieses Substantiv war im i8.Jh. noch als 
Femininum gebrauchlich. - 1 Cronegk geweissagt; Die Stelle 
war von mir nicht auffindbar. Johann Friedrich Freiherr von 
Cronegk (173 1-1758), Dramatiker und Lyriker, befreundet mit 
Uz und Gellert. »Codrus« (1760). Das gleiche Zitat findet sich 
bereits in dem Aufsatz »Ober die Kopfzeuge« im »G6ttinger 
Taschen Calender« fur 1780, S. 123, wiederabgedruckt in G. C. 
Lichtenberg, Vermachtnisse. Reinbek 1972, S. 191-194. - 
28 der Verhiiltnis: Zu dieser Schreibweise vgl. zu 66, 5. 

129 6 Jeder Mensch sein eigner Doktor: Diese Wendung findet sich 
bereits in J 1227. - 8 Dr. Fausts Vorschldge zu Kindertrachten: 
Gemeint ist Bernhard Christoph Faust (1755-1812), Leibarzt in 
Buckeburg und popularmedizin. Schriftsteller. Er veroffent- 
lichte ein Kapitel »Von der Kleidung der Kinder sowohl mann- 
lichen als weiblichen Geschlechts« innerhalb seines popularen 
»Gesundheits-Katechismus zum Gebrauche in den Schulen und 
beym hauslichen Unterricht«, Buckeburg 1794; Leipzig 1800 
bereits in 8. Auflage (S. 38-46). - 14/. Hauptgesichtspunkt ... 
etwas unanstdndig gewdhlt: Was Lichtenberg hier kritisiert, war 
mir nicht erfindlich: Fausts Gedanke, daB Madchen undjungen 
das gleiche Gewand, einen freien, weiten Kittel, tragen sollten, 
kann doch wohl nicht anstoBig gewirkt haben? - ig uber heim- 
Hche Sunden ... offentlich schreiben: Diese Wendung fmdet sich 
bereits in K 214. - 26 j. im Himmel zusammengeschlossenen: Diese 
Umschreibung fin* Ehe-Leute verwendet Lichtenberg auch 837, 
26. 



UBER GEWITTERFURCHT UND BLITZ ABLEITUNG 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Ober Gewitterfurcht und Blitz- 
ableitung. (Auf Verlangen.)* In: »G6ttinger Taschen Calender« fiir 
das Jahr 1795, S. 127-144. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht er- 
halten. 



GEWITTERFURCHT UND BLITZABLEITUNG 57 

Zur Entstehung: AnlaB dieses Artikels war vermutlich eine gewisse 
Unruhe in der Bevolkerung Gottingens iiber die im Sommer 1794 
besonders having auftretendenGewitter-s. SK656. 658.661 -, durch 
die am 24. Juni 1794 ein Mensch getotet worden war (s. zu 131, 38). 
Von »diesem gefahrlichen Gewitter-Jahr« spricht Lichtenberg am 
12. Juli 1794 an Heyne (IV, Nr. 663, S. 888). 1794 waren aber auch 
von Reimarus dessen »Neuere Bemerkungen vom Blitze« erschienen, 
die Lichtenberg rezensierte (s. zu 136, 25); und schlieBlich armierte 
Lichtenberg im Juli 1794 sein Gartenhaus an der Weender LandstraGe 
mit einem Blitzableiter (s. SK 669: 8. Juli 1794; s. IV, 888. 897-898). 
Das ungefahre Datum der Niederschrift seines Artikels gibt Lichten- 
berg selbst (130, 3) an: »im Anfang des August I794«. Der Gedanke 
zu einem derartigen Aufklarungsartikel ist allerdings alter und wird 
von Lichtenberg bereits im ROTEN BUCH, S. 50-51, festgehalten, 
eine Notiz, die wahrscheinlich aus demjahre 1792 stammt: »Die erste 
Abhandlung konte diesesmal iiber die Blitzableiter gehen. Noth- 
wendig als [gestrichen: Rechtfertigung] Erfiillung meines Verspre- 
chens. Ja im Gantzen Buch J nachzusehen. Die Vergleichung daB es 
immer donnern wiirde, wenn es bey Feuers Gefahr donnerte. Der 
Aufsatz muB heiBt [sic!] iiber das Gewitter und die Blitzableiter. « 
Abgesehen von einer 1798 erschienenen Rezension von Adolph Trau- 
gott von Gersdorfs »Anzeige der notwendigsten Verhaltensregeln bei 
nahen Gewittern ...« ist der vorliegende Artikel Lichtenbergs spate- 
ste offentliche AuBerung zu einem Phanomen, das ihn zeitlebens be- 
schaftigte. Noch im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1797 riihmt 
Lichtenberg in dem Aufsatz »Das Neueste von der Sonne; groBten- 
theils nach HerscheU, S. 88-89, unter den Errungenschaften des acht- 
zehnten Jahrhunderts, daB man gelernt hat, »den Blitz, den die Alten 
ihrem Jupiter als das sprechendste Zeichen unaufhaltbarer Kraft in die 
Hande gaben, mit ein wenig Metalldraht wo nicht aufzuhalten, doch 
(welches eben so viel werth ist) sicher zu pariren, so sollte man an 
nichts mehr verzweifeln.« 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 138-139; Promies, a.a.O., 
S. 101-107. 



130 2 (AufVerlangen): Die gleichen Worte stehen auch im Titel des 
Aufsatzes »Dreht sich der Mond um seine Axe?« im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1796; S. 83-84 belustigt sich Lichten- 
berg dort selbst daruber: »Mancher unter unsern Lesern, zu- 
mahl der Kenner der Astronomie, (wenn anders unser Buchel- 
chen auf solche Leser rechnen darf ) wird bey dem Anblick dieser 
Ueberschrift lacheln, oder gar die Worte: auf Verlangen, schon 
fiir die Antwort auf die Frage halten. Fr. Dreht sich der Mond 
um seine Axe? Antw. O ja, wenn Sie befehlen. - Und in der 



58 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

That so ganz Unrecht hatte der Mann nicht. Indessen in dieser 
Absicht stehen die Worte nicht da. Sie sollen so wenig eine 
Antwort auf die Frage seyn, als sie uberhaupt eine schriftstelle- 
rische Fiction sind, etwa dem geringfiigigen Artickelchen ein 
Ansehen von Nothwendigkeit oder gar von Wichtigkeit zu 
geben. Nein! Man hat wirklich nicht allein schon mehr als ein- 
mahl eine leicht faBliche Darstellung der Sache von uns ver- 
langt, sondern auch gewiinscht, sie in diesen Blattern zu sehen, 
fiir die ja ohnehin Betrachtungen von ahnlichem Gehalte so- 
wohl als Inhalt, nicht fremd sind,« - 3jetzt, da ich dieses schreibe, 
(im Anfang des August 1794): Im Tagebuch (SK) findet sich 
dariiber kein Eintrag. - 3/. zeigen sich bei uns ... Spuren der 
Ruhr: Dazu vgl. SK685. 692 und an Dieterich (IV, Nr. 666, 
S. 894) am 1 1. August 1794 und an Margarethe Lichtenberg 
(IV, Nr. 667, S. 894) vom gleichen Tag. - 11 Ruhrableiter: 
Ahnliche Wortbildungen begegnen 338,11. 587, 35. 674, 31. 
792, 15. 942, 29. 1030, 25. 1057, 33 ; im iibrigen vgl. zu D 60. - 
22 ein dunkelgriines ... Donnerwetter: Wer dieses Bild gepragt 
hat, war nicht zu ermitteln. -31 drei Falle: In den Sudelbiichern 
und Briefen werden sie nicht erwahnt. 

131 1 Weise (sapiens): Lichtenberg pflegte sowohl das die Klugheit 
bezeichnende Adjektiv wie das Farbwort wets zu schreiben, 
weshalb er etwa in dcti Briefen (IV, 552) einen ehemaligen 
Klassenkameraden »Becker den Weisen (album) « schreibt. - 
if. von einem solchen Himmel ... decken lassen: Anspielung auf 
die Zeilen : »Fallt der Himmel, er kann Weise decken, / Aber 
nicht schrecken«, entnommen der Ode »Die Tugend«, V. 51, 
von Albrecht von Haller. Lichtenberg zitiert die Zeilen auch 
J 367 und in dem Artikel »Ein Paar vulcanische Producte fiir 
den Menschenbeobachter« (GTK 1797, S. 128, FuBnote) ; s. auch 
Briefe (IV, 761, 3f.). - i^Jakobiturm: Die Stjakobi-Kirche in 
Gottingen, an der Weender StraBe gelegen, stammt aus dem 
14. Jh.; eines der Wahrzeichen der Stadt; Lichtenberg erwahnt 
ihn auch 254, 12. - 24 Phantasiekranken: Zu ahnlichen Wort- 
bildungen vgl. zu L228. - 26 Menin: frz. Name von Menen, 
belg. Stadt an der Leie, nahe der franzos. Grenze. Lichtenberg 
denkt wohl an die Schlacht von Tourcoing, die am 18. Mai 
1794 stattfand und fiir die Franzosen siegreich endete, so daB 
der Marsch der Koalitionstruppen auf Paris abgebrochen 
werden muflte. Die hannoverschen Truppen standen auf dem 
rechten Flugel des Duke of York bei Menin. - 38 einen Drit- 
ten ...; Davon berichtet Lichtenberg am 18. August 1794 
Reimarus (IV, Nr. 669, S. 898). 

132 2J. womit Sokrates seiner grofien Seek den Korper auszog: Ober 
Sokrates und sein Lebensende vgl. zu KA 9.-4 Geistes-Qkono- 
mie: Zu Wortbildungen mit -Qkonomie vgl. zu B 146: Worter- 



GEWITTERFURCHT UND BLITZ ABLEITUNG 59 

Okonomie. Wortbildungen mit Geistes- begegnen auch 441, 36. 
999, 18; im iibrigen vgl. zu E 402. - 6f manche grofie Helden- 
tat ... getan ...: Dazu vgl. Lichtenbergs Ausfiihrungen an Ram- 
berg (IV, Nr. 645, S. 862, 18-33) vom 4-Dezember 1793; 
s. auch zu K116. - 27 f. Erziehtmg: Zu Lichtenbergs padagogi- 
schen Auffassungen vgl. auch 424, ijff. - 30 Pocken-Epidemie: 
Vgl. zu D 654. 

133 1 Herr Gott dich loben wir: »Te deum laudamus«, das von Graun 
1758 auf die Schlacht von Prag komponierte beriihrnte 
Tedeum; Lichtenberg erwahnt es auch L 282. 456. Uber 
Graun vgl. zu B191. -2/*. Handels ... Gib ihnen Hagelsteine fiir 
Brod (Give them hailstones for bread): Diese'Wendung ist J1051 
entlehnt; s. die Anm. dazu; sie geht auf Matth. 7, 9 zuruck. 
Lichtenberg zitiert den Ausspruch auch 847, 361". - 7 Beispiele 
von Taubgebornen: Das Phanomen der Taubheit und Stummheit 
von Geburt an und in Bezug auf Menschen und Tiere be- 
schaftigt Lichtenberg auch K, S. 838 (I). 351. 414. 415. - p ich 
wurde mich ehemals ... nicht vor einem Gewitter: Ober das 
Phanomen des Donners bei Gewittern renektiert Lichtenberg 
auch IV, S. 898 - 899. - 25 Schlagfiufi: Vgl. zu F 810. 

134 11 Herr Gott dich loben wir :Vgl. zu 133 , i.~ 15 Nervenkranken: So 
bezeichnet sich Lichtenberg selbst in den Briefen (IV, 803, 17) 
am 30.Oktober 1791. Ober seine exzessive Gewitterfurcht vgl. 
Promies, a.a.O., S. 102. - 30 jene Schtrme gegen den Blitz ..,; 
Dazu vgl. Promies, a.a.O., S.107; s. ferner Briefe (IV, 728, 
18-22. 834,7-13!). 

135 12 habeat sibi: »meinetwegen«; zit. nach i.Mosis 38, 23. 

136 12 f die hohen und spitzen Stangen ... wegbleiben: Dazu vgl. 
Promies, a.a.O., S. 103 ; s. auch 865, 4 und Briefe (IV, 776. 778. 
832.), ferner J1561. - 25 Reimams neuere Betrachtungen vom 
Blitze: Gemeint 1st »Neuere Bemerkungen vom Blitze; dessen 
Bahn, Wirkung, sichere und bequeme Ableitung: aus zuver- 
lassigen Wahrnehmungen von Wetterschlagen dargelegU, er- 
schienen Hamburg 1794. Lichtenberg rezensierte das Werk in 
»G6ttingische Anzeigen von gelehrten Sachem, 119. Stuck, den 
26Juli 1794, S. 1192-1199. S. auch SK 641 (27.5.1794). 671. In 
einem Brief an Reimarus (LB I, Nr. 675, S. 136) vom 2.0kto- 
ber 1794 schreibt Lichtenberg : »In dem hiesigen Taschen Calen- 
der fiir 1795 habe ich Ew. Wolgebohren neuester SchrifFt eine 
so sehr verdiente Lobrede gehalten.« Uber Johann Albert Hein- 
rich Reimarus vgl. zu L 424. Im iibrigen vgl. Briefe (LB III, 
120) an PfafT vom ca. 20. Juni 1794 und an Heyne (IV, 888-889) 
vom I2.juli 1794. 

J 37 9f ein . . . Pavilion im Garten dazu eingerichtet: Diesen revolutio- 
nierenden, Faradays Kafig vorwegnehmenden Gedanken ent- 
wickelt Lichtenberg bereits in der »Nachricht von dem ersten 



60 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Blitz-Ableiter in Gottingen, nebst einigen Betrachtungen da- 
bey«, veroffentlicht in den »G6ttingischen Anzeigen von ge- 
meinnutzigen Sachen« 26. Stuck, den 24. Junius 1780, S. 104 
bis 108, wo er schreibt: »Ein kleiner Pavilion, an welchem selbst 
man alles Metal, so viel als moglich vermiede, uber welchem 
man aber, in einiger Entfernung, einen solchen Kafig von 
starkem Draht anlegte, wiirde also die sicherste Zuflucht wider 
den Blitz seyn, und man konte Millionen gegenEins verwetten, 
daB der Strahl nie in ein solches Gebaude dringen wtirde. Ein 
solcher Kafig, zumal wenn man den Drath ubergiildete, wiirde 
noch dazu keine geringe Zierde in den Garten der GroBen ab- 
geben. Geschickte Eisenarbeiter konten iiberdies sehr viel 
Kunst, und selbst Phantasie, zeigen, Kafige auszuzieren, in 
welche die Gotter der Erde kriechen miissen, wenn der Gott 
des Himmels zu donnern anfangt.« Auf diesen Einfall kommt 
Lichtenberg in einem Brief an Wolff (LB II, Nr. 370, S.101) 
vom i.Dezember 1783 zuriick: »Ich habe einmal einen solchen 
Pavilion den Gottern der Erde vorgeschlagen, wohin sie sich 
mit ihren kostbaren Leben retiriren konten, wenn der Gott des 
Himmels zu donnern anf angt, ich habe aber noch nicht gehort, 
daB mein Vorschlag ware befolgt worden. Der Einfall die 
Blitzableiter oben sich in solche Strahlen endigen zu lassen ist 
gantz von mir, es ist eigentlich eine Hieroglyphe, und soil an- 
deuten, daB die Gewitter sich mehr vor einem solchen HauB- 
chen, als ein solches HauBchen sich vor dem Gewitter zu 
fiirchten hatte.« Die dazugehorige Zeichnung ist bei Promies, 
a.a.O., S. 107, wiedergegeben. Auch in einem Brief an Hollen- 
berg (IV, Nr. 553, S. 726) vom i8.Februar 1788 wird der Ein- 
fall, illustriert durch zwei Zeichnungen, ausgefiihrt. -13 die 
Gotter der Erde: Umschreibung fur; weltliche Obrigkeit (K6- 
nige) ; Lichtenberg gebraucht die Metapher auch 685, 24 - vgl. 
aber 650, 23 -, ferner J 11 50. 1227 und in den Briefen (IV, 119, 
19. 726, 20) sowie LB II, 10 1 und in dem zu 137, 9f. mitgeteil- 
ten Zitat. 



NICOLAUS COPERNICUS 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Nicolaus Copernicus von Georg 
Christoph Lichtenberg. « In: »Pantheon der Deutschen.« Dritter Theil. 
Leipzig 1800. bei Friedr. Gotthold Jacobaer. 116 Seiten. Ein Manu- 
skript ist im NachlaB erhalten (mit Ausnahme des Schlusses der 3 . Bei- 
lage). 



NICOLAUS COPERNICUS 6 1 

Zur Entstehung: Am 15. Marz 1795 schreibt Lichtenberg laut »Staats- 
kalender« (SK 755) an den Buchhandler Hofmann in Chemnitz, der 

1794 diese deutsche Walhalla auf dem Papier begonnen hatte: man 
mochte in diesem nicht erhaltenen Schreiben Lichtenbergs Einver- 
standniserklarung zum Abfassen des Lebenslaufes von Copernicus 
sehen. Am 4. April 1795 (SK 759) erhielt Lichtenberg die Antwort 
Hofmanns, die ebenfalls nicht erhalten ist. Dan Lichtenberg etwa zu 
diesem Zeitpunkt die Schreibarbeit vertragsmaBig iiber sich nahm, 
geht aus einem Brief an Sommerring vom 5. Juni 1795 (IV, Nr. 691, 
S. 930) hervor: »Vielleicht haben Sie irgendwo gelesen, daB ich das 
Leben des Kopernikus fiir das deutsche Pantheon schreiben soil. Sie 
sind des Kopernikus Landsmann. Sind Sie ein Deutscher? Und wenn 
Sie es sind, was fiir einen Anspruch machen Sie auf diesen Titul? 
Helfen Sie mir hier ein wenig, Sie und Kopernikus zu einem Deut- 
schen zu machen. Wenn wir es nur so weit darin bringen, daB der 
Satz: Sommerring und Kopernikus sind Deutsche, nicht unerlaubter 
klingt als der: Kant und Haller sind Deutsche, das hort man denn 
doch wohl.« Es ist bemerkenswert, wie unverbliimt deutschnational 
Lichtenberg hier seinen Copernicus versteht ! Sommerring versprach 
offenbar, ein Portrat von Copernicus zu besorgen, woran ihn Lich- 
tenberg brieflich am 14. Marz 1796 erinnert (IV, Nr. 701, S. 940). 
Sommerring entschuldigt sich wegen dieser Unterlassung in einem 
Brief vom 17. April 1796 (abgedruckt in: G. C. Lichtenberg, Briefe 
an J. F. Blumenbach, S. 133): » Wegen Copernicus Portrait habe ich 
nach Thorn geschrieben, allein die Menschen haben mir auf 4 Briefe 
noch nicht geantwortet.« Obrigens hat sich Lichtenberg offenbar 
noch bei einem anderen Thorner Rat geholt. Wenigstens schreibt er 
an ReuB (LB III, S. 178) am i.Juli 1796: »Ich will sehen, ob ich nach 
Thorn schreiben oder schreiben lassen kan. Kries zu Gotha und Som- 
merring sind beyde Thorner.« Der nicht erhaltene Brief an Kries vom 
4juli 1796 (SK 926) hatte womoglich diesen Beweggrundl 

Halt man sich an die - allerdings kargen - Hinweise auf diese 
Schreibarbeit, gewinnt man den Eindruck, daB Lichtenberg im Jahre 

1795 und auch 1796 vielmehr wegen Copernicus, als an Copernicus 
geschrieben hat. Nach dem am 25. Juni 1796 an ReuB gerichteten 
Brief (IV, Nr. 709, S. 949) schreibt Lichtenberg »jetzt in meinen 
Morgenstunden oder bin willens zu schreiben« an dem Leben des 
Copernicus, fiir das er Sekundarliteratur erfragt und erbittet. Schon 
am i.Juli 1796 (LB III, S. 177) kann sich Lichtenberg fiir die 
Bemuhungen des Gottinger Bibliothekars bedanken: »Ich habe 
jetzt mehr Wolle, als ich verspinnen kan, nemlich in Zeit von 
4 Wochen, da sie versponnen und verwebt seyn soil; so lange habe 
ich alles aufgeschoben!« Das heiBt doch wohl nichts anderes, als daB 
Lichtenberg zugesagt hatte, den Artikel bisEndeJuli 1796 abzuliefern! 

Am 29. Mai 1796 (SK 910) hatte Lichtenberg bereits in sein Tage- 
buch notiert: »Gestern Brief von Hofmann aus Chemnitz !!!« Und 



62 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

immerhin zwei Ausrufungszeichen erhalt die Notiz vom 4. No- 
vember 1796 (SK959), daB Hofmann geschrieben habe. Die Aus- 
rufungszeichen sind so sprechend, daB man wohl, ohne die Briefe 
zu kennen, auf ihren Inhalt schlieBen darf: Mahnungen! Ebenso laBt 
sich denken, was Lichtenberg in seinen nicht erhaltenen Briefen vom 
15. Januar (SK 865), 15. April (SK 893) und am 12. September 1796 
(SK 941) Hofmann zu melden hatte: aus anderer Korrespondenz be- 
kannte Entschuldigungsformeln wegen seiner durch das Nerveniibel 
bedingten »Indolenz«. Wie gut Lichtenberg sich kannte, erhellt 
hiibsch genug aus dem oben zitierten Brief an ReuB vom 1. Juli 1796, 
wo er auBert: »Herr Hofmann in Chemnitz verspricht fiir den Bogen 
3 Louisd'or [zum Vergleich: Dieterich zahlte Lichtenberg fiir die 
Ausfuhrliche Erklarung von Hogarth 3 Louisd'or fiir ca. 30 Seiten], 
bezahlt sie aber nicht. Ich furchte, ich werde ihm auf ahnliche Weise 
dienen.« Zum ersten und einzigen Mai vermerkt Lichtenberg unter 
dem 9. September 1796 (SK 940), daB er viel Copernicus schreibe. 
Offenbar ist Lichtenberg erst jetzt, im letzten Quartal des Jahres 1796 
und dann im ersten Quartal 1797 in die eigentliche Schreibarbeit an 
Copernicus eingetreten. Dafiir sprechen die Notiz vom 10. Dezember 

1796 (SK 976), daB er viel in der Thornischen Chronik von Zernecke 
lese - einer Quelle fiir die Copernicus-Biographie -, und die Ar- 
beitsnotizen L95. 178. 

Am 19. Marz 1797 wenigstens kann Lichtenberg schreiben (SK 
992): »Mspt. an Hofmann nach Leipzig«. DaB es nur ein Teil des 
Gesamtmanuskriptes war, bestatigt Lichtenberg in einem Brief an 
Cotta (IV, Nr. 721, S. 961) vom 19. Mai 1797: »Ich schrieb an einem 
Leben des Kopernikus fiir Herrn Hofmann in Chemnitz, den ich so 
lange hingehalten hatte, - das muBte ich liegen lassen, obgleich 
schon etwas Mspt. an ihn abgegangen war.« Der Grund fiir die Teil- 
lieferung war eine mehrwochige Krankheit und anschlieBende Ent- 
kraftung. Und da es sich nur um ein Teilmanuskript - 2 Bogen, die 
gedruckt wurden - gehandelt hatte, erhalt Lichtenberg am 18. Mai 

1797 erneut und »dennoch wieder einen Mahnbrief von Hofmann«, 
wie er Dieterich am 19. Mai 1779 (IV, Nr. 722, S. 963) mitteilt, nur 
um ihn zu bitten: »Mein Gott! erklare ihm doch die Sache und wie 
ich auch mit Dir sogar, mein Bester, stehe und entschuldige mich, 
daB ich ihm heute nicht schreibe. Es geht ja alles seinen Gang, wer 
kann denn in der Welt fiir Ungluck?« 

Damit sind die Hinweise Lichtenbergs auf seine Arbeit an der 
Copernicus-Biographie erschopft. Die Frage, ob Lichtenberg sie 
iiberhaupt beendet habe, ist - scheinbar - nach seinem Tode von 
Dieterich beantwortet worden, der in einer dem »G6ttinger Taschen 
Calender « fiir 1800 angehangten »Nachricht an das Publikum den 
literarischen NachlaB des verstorbenen Lichtenberg's in Gottingen 
betreffend« iiber diese Arbeit schrieb (zit. nach Lauchert, S. 159-160) : 
»Das Wichtigste unter den Papieren des Verstorbenen ist das Leben 



NICOLAUS COPERNICUS 63 

des Copernicus, das eigentlich fur das Pantheon bestimmt war. Dieses 
ist ganz fertig und zum Druck vollendet, es wird also zuverlassig er- 
scheinen - ob aber in einer Fortsetzung des Pantheons oder besonders, 
wird das Publikum nachstens erfahren.« 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 141-143; Mautner, a.a.O., 

s. 429-431. 

1385 Verleger des Pantheons der Deutsehen: Ober Karl Gottlieb Hof- 
mann und sein Unternehmen vgl. zu SK 755. Zum. >deutschen 
Pantheon< im allgemeinen vgl. K 270; s. auch 675, 17. 719, 6. 
720, 3. 725, 271". 7<56, 34. 

140 18 f. Gassendi in seinen seeks Buchern uber ... Tycho: Pierre 
Gassendi (1592-1655), frz. Phyisker und Mathematiker, Kano- 
nikus in Dijon. »Tychonis Brahei, Equitis Dani, Astronomorum 
Coryphaei, Vita. Accessit Nicolai Copernici, Georgii Peur- 
bachii, et Joannis Regiomontani, Astronomorum celebrium, 
Vita«, erschienen 1655 (in 2. AufL) zu Hagae Comitum (Den 
Haag). Uber Tycho Brahe vgl. zu E 368. - 24 seinem Leben des 
Copernicus: »Nicolai Copernici Varmiensis Canonici, Astrono- 
mi Illustris Vita«, erschienen in dem zu 140, i8f. genauer nach- 
gewiesenen Werk, S. 287-332. Die Zeichnungen befmden 
sich S. 303 und wohl S. 289 die Zeichnung des Initials C: 
»Cum me nuper«, beginnt Gassendi die Vita. »Freilich haben 
alle, die von Kopernikus reden, den Gassendi ausgeschmiert, 
und das werde ich denn auch tun«, schreibt Lichtenberg an 
ReuB (IV, Nr. 709, S. 950, 2f.) am 25juni 1796. - 26/. Erlau- 
terung des Worts Corolla: Kranzchen. - 28 f. Peurbachs und Regio- 
montans Biographien von eben diesem Verfasser: Vgl. zu 140, 18 f. 
Georg von Peurbach (Purbach), geb. in Peuerbach 1423, gest. 
1461, osterreich. Mathematiker und Astronom. Sein Schuler 
war Regiomontanus (lat. >K6nigsberger<), eigentlich Johannes 
Miiller (1436-1476), dt. Mathematiker und Astronom. Peuer- 
bach arbeitete gemeinsam mit seinem Schuler Regiomontan, 
der Peuerbachs »Theoriae novae planetarum« (1472) herausgab, 
an einer »Epitoma in Almagestum Ptolemai« (1496). Im iibrigen 
s. S. 145/146. 

141 1 if. Mannern . . . die man bereits im Pantheon der Deutsehen aufge- 
stellt: Karl Gottlieb Hofmann gab 1794 den Ersten Teil des 
»Pantheon der Deutschen« heraus, »ein Versuch, der Ehre und 
dem Geist der Nation zu huldigen«, schrieb Hofmann in der 
Dedikation an den deutsehen Kaiser!, der eine spezielle Anrede 
»An die deutsehen Patrioten« folgte. Im Ersten Teil wurden nur 
zwei Nationalhelden vorgestellt: Luther und Friedrich II. 
Der Zweite Teil wurde von Hofmann ubrigens fur Johannis 
1795 angekundigt. i8f. wie Euklid in seinen Elementen: Uber 



64 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

ihn vgl. zu E 29. Seine »Elemente«, griech. Stoicheia, sind das 
bekannteste systemat. Lehrbuch der griech. Mathematik, das 
bis zum Aufkommen nichteuklid. Geometrien im 19. Jh. 
kanonisches Ansehen genoB. -19 Apollonius in seinen Kegel- 
schnitten: Vgl. zu 233, 3f. - 20 seines grofieren Nachfolgers, 
Keplers: Ober ihn vgl. zu A 6. - 21 dessert Briefe: Vgl. L170 
und die Anm. dazu. 

142 p Tidemanni Gysii: Tiedemann Bartholomaus Giese (1480 bis 
1550), bedeutender Gelehrter, Staatsmann und Kirchenfiirst. - 
p Simon Starovolscius: poln. Historiker und Publizist (1588 bis 
1656). - 12 Rhetici: Georg Joachim Rheticus, Rhaticus, eigent- 
lich G.J. von Lauchen (1514-1576), Astronom, Prof, der Ma- 
thematik in Wittenberg, 1539-1541 in Frauenburg bei Koper- 
nikus, schrieb 1540 die »Narratio prima de libris revolutionum 
Copernici«. - 19 das PreuJJische Archiv: Es erschien Konigsberg 
1796. - 20 Abhandlung ... von Herrn v. Baczko: )>Nicolaus 
Copernicus«, erschienen im »Preuflischen Archiv«, Oktober 
1796, S. 576-596. Ober Baczko vgl. zu L 178. - 2if. Konsist. 
Rat Wald und ... Pfarrer Hein: Walds Artikel war im »PreuBi- 
schen Archiv« 1796 nicht auffindbar; von Heinrich Reinhold 
Hein (Lebensdaten unbekannt), Pfarrer in Allenstein, enthalt das 
»PreuBische Archiv« Dezember 1796, S. 706-717, den Aufsatz 
»Einige Denkmaler von Nicolaus Copernicus auf dem Schlosse 
zu Allenstein«. - 22J. Schlosse zu Allenstein: Es war Wohnsitz 
fur den Administrator des Domkapitels, so 1516-1521 fiir 
Copernicus. Allenstein fiel 1772 an PreuBen. - 31 f. Portrat des 
Copernicus: Dazu vgl. Lichtenbergs Brief an Sommerring (IV, 
Nr. 701, S. 940, 26 f.) vom 14. Marz 1796. 

143 12 eigentlich Kopemik: besser: Koppernigk (deutsch); Kopernik 
(polnisch). - 12J. Thorn, einer alien preufiischen Stadt: 1231 vom 
Deutschen Orden gegriindet, erhielt 1232 deutsches (kulmi- 
sches) Stadtrecht. 1793 kam Thorn zu PreuBen. - 16 deutschen 
Orden: Deutschherrenorden, eigentl. Ordo domus Sanctae 
Mariae Teutonicorum, der jiingste der drei groBen geistlichen 
Ritterorden; seit 1226 durch Friedrich II. zu eigner Herrschaft 
im Culmer Land ermachtigt; kultivierte und christianisierte 
riicksichtslos das Ordensland, befand sich zu Lebzeiten von 
Copernicus bereits im Niedergang. - 24/. Preufien, aus welchem 
seitjeher Manner hervorgegangen ....* Dazu vgl. an Sommerring 
(IV, Nr. 691, S. 930, 5f.) vom 5juni 1795 und an Kant (IV, 
Nr. 607, S. 803, 35f.) vom 30. Oktober 1791. - 27 Zerneckens 
Thornscher Chronika: Das Werk ist 174, uf. genauer nachge- 
wiesen. Es erschien in erster Auflage Berlin 1725. Lichtenberg 
macht ubrigens eine falschejahresangabe: Zernecke bringt das 
Zitat unter: 1462 ! Uber Jacob Heinrich Zernecke vgl. zu SK 976. 



NICOLAUS COPERNICUS 65 

144 13 Lucas Waifielrodt: richtig: Watzelrode. Bischof von Erm- 
land, gest. 1512. - 27 urn Medizin zu studieren: Dazu vgl. Briefe 
(IV, 811, 19). - 32J. Baczko (Geschichte Preufiens): Der vierte 
Band der »Geschichte PreuBens« von Ludwig von Baczko war 
Konigsberg 1795 erschienen. - 36 etnen gelehrten: von mir verb, 
aus: einew ... - 36 Georg Hartmann: Mechaniker in Niirnberg 
(1489-1564). 

145 2/*. Albertus de Brudzevo: Eigentlich Wojciech Brudzewski 
(1445-1497), poln. Mathematiker und Astronom. - 3 Astrola- 
biums: griech. >Sternerfasser<: Gerat zur mechanischen Losung 
von astronomischen, astronomisch-geographischen und astro- 
logischen Aufgaben. - 8 wie sich Gassendi ausdruckt: Gemeint ist 
S. 337 der zu 140, i8f. nachgewiesenen Vita: »nisi exstitisset 
Peurbachius ... ut neque Copernicum, neque Tychonem jam 
haberemus.« - 34/. Wetdler Hist. Astron.: Johann Friedrich 
Weidler (1692-1755), Prof, der Mathematik und Jurisprudenz 
in Wittenberg; er schrieb eine »Historia Astronomical Witten- 
berg 1741. S. auch Briefe (IV, 950, 5). - 40 David Braun: Le- 
bensdaten unbekannt. - 42/ Pisanski Entwurfder Preufi. Litterdr- 
Geschichte: Georg Christoph Pisanski (172 5 -1790), preuB. 
Literaturgeschichtsschreiber und Historiker, sein »Entwurf« in 
4 Banden, erstmals 1765 lateinisch erschienen, ist die i.preuB. 
Literaturgeschichte; dt. Konigsberg 1790. 

146 24 Walther: Bernhard Walther (1430-1504), Patrizier in Niirn- 
berg, Forderer und Freund Regiomontans, dessen NachlaB er 
erwarb. - 26 Bailly: Gemeint ist wohl vielmehr o.c.p. 313 
(§ XVIII), wo Bailly schreibt: »Par un echange heureux, 
Waltharus donna a Regiomontanus les moyens d' observer, 
qui manquaient a son genie .. .« Ober ihn vgl. zu H 200. Lich- 
tenberg erwahnt ilin in Zs. mit Copernicus auch in den Briefen 
(IV, 950, 5 und LB III, S. 177). Sein von Lichtenberg zitiertes 
Werk erschien Paris 1779. - 32 Melchior Adam: Aus Schlesien 
gebiirtig, gest. 1622, 1601 Magister, 1613 Rektor des Padago- 
giums Heidelberg, verfaBte als einer der ersten deutschen Lexi- 
kographen biogr. Nachschlagewerke groBen Stils (in lat. 
Sprache). - 3$ Pabst Sixtus IV.: Francesco della Rovere (1414 
bis 1484), seit 1471 Papst; unter ihm begann das eigentliche 
Renaissance-Papsttum. 

147 13 Kardinal Bessarion: Johannes B. (i403?-i472), byzantin. 
Theologe und Humanist, seit 1439 Kardinal; forderte die 
Wissenschaften und war Anhanger des Platonismus. - igDomi- 
nicus Maria: Lebensdaten unbekannt. - 20 Riccioli: Giovanni 
Battista R. (1 598-1671), ital. Astronom und Jesuit, behandelte 
in seinem »Almagestum novum«, 2Bde. Bologna 1651, das 
Fur und Wider der Kopernikanischen Theorie, die er ablehnte. 
- 24 Polhohen: Vgl. zu KA 14; s. auch 217, 29. 318, 14. 346, 17. 



66 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

- 25 des Ptoletnaus Zeiten: Ober ihn vgl. zu L 879, - 27 sagt 
Gassendi: Gemeint ist »Vita Copernici«, o.c.p. 293 : »Delcctavit 
autem ilium maxime non irnprobari Copernico suspicionem, 
qua tenebatur . . .« - 36 Roscoes Life of Lorenzo de Medici: Wil- 
liam Roscoe (1753-1831), engl. Historiker. Lorenzo I. il Magni- 
fico (1449-1492), Stadtherr von Florenz, ubernahm 1469 die 
Leitung der Republik, die unter ihm ihren kulturellen Hohe- 
punkt erlebte. - 37 f Kepler ... Rudolph. Tafeln: Die »RudoI- 
finischen Tafeln« erschienen Ulm 1627. Lichtenberg zitiert das 
Werk auch 163, i^flf. 

148 8 Plunder: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 298, 30. - 37Revol orb. 
coelesU: Gemeint sind »De revolutionibus orbium coelestium 
libri VI«, erschienen 1543: das Hauptwerk des Copernicus. 

149 5/ Bemuhungen uber die Ordnung des Planeten-Sy stems: Gemeint 
ist das zu 148, 37 nachgewiesene Werk. - 6f von einem seiner 
Freunde: Gemeint ist Rheticus, der dariiber in seiner »Narratio 
prima« berichtete. - 12 sein Oheim Lucas: Vgl. zu 144, 13. - 
i2f. Nicolaus von Tungen: Bischof von Ermland, gest. 1489. - 
28 Hiervon wetter unten: S. dazu 181, 141*. - 32 Hartknoch: Chri- 
stoph H. (1644-1687), Historiker, gab als erster die fiir die Ge- 
schichte AltpreuBens und des Deutschen Ordens grundlegende 
Chronik Peters von Duisburg heraus (1679) und schrieb u.a. 
»Altes und Neues PreuBen, oder preuBischer Historien zwey 
Theile« (1684). - 34 f Par domus est urbi ... urbs orbi: Gleich 
schaut das Haus der Stadt ... die Stadt der Welt. - jp/. Baczko . . . 
Gesch. Preufiens: Vgl. zu 142, 20. 

150 16 Landtag nach Graudenz: Copernicus war Deputierter von 
1522 bis 1529. - 3 if. Newton . . . bei einem ahnlichen Geschafte . . . 
gebraucht: Vgl. 229, 27 und die Anm. dazu. Uber Newton vgl. 
im Ubrigen zu A 79. - 34 (ut numen venerarentur, sagt Gassendi): 
»Wie eine Gottheit sollen sie ihn angebetet haben«; zitiert nach 
Gassendi; o.c, p. 322, wo hinter numen noch quoddam steht. - 
57 Schutz Hist.: Gemeint ist die »Historia Rerum Prussicarum 
...« von Caspar Schutz, erschienen 1599 zu Eisleben in zehn 
Biichern. Lichtenberg denkt an Schutzens Ausfuhrungen a. a. O., 
S. 479-481 der Zahlung von Schutz, welcher jeweils die Ruck- 
seite unpaginiert laBt! Caspar Schutz, geburtig aus Eisleben, 
preuB. Geschichtsschreiber, gest. 1594 zu Danzig, wo er ober- 
ster Stadtschreiber war. 

151 34 Fabianus de Lusianis: Fabian von Lusian, Bischof von Erm- 
land seit 1512, gest. 1523. - 33 sede vacante: Sedisvakanz: der 
Zeitraum, wahrenddessen der papstliche oder ein bischofl. 
Stuhl nicht besetzt ist. 

152 12 f ein Mandat des Konigs: Gemeint ist Sigismund I. von Polen, 
der von 1 506-1 548 regierte. 

153 p Pythagoras: Ober ihn vgl. zu A 6. - gf Aristoteks: Ober ihn 



NICOLAUS COPERNICUS 67 

vgl. zu KA 80. - 10 Platan: Ober ihn vgl. zu A 27. - 10 Hip- 
parch: H. von Nikaia (Lebensdaten unbekannt), griech. Astro- 
nom und Geograph, Begriinder der wissenschaftl. Astronomie, 
beobachtete zwischen 161 und 127 v.Chr. vorwiegend auf 
Rhodos, lehnte das heliozentrische Planetensystem des Ari- 
starch von Samos ab. - 10 Archimedes: Ober ihn vgl. zu A 198. - 
i3Jf. das Ptolemaische System ... Almagest: So betitelten Araber 
urn 800 seine »Syntaxis mathematike«. - 27 Cabinets-Stucke : 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 126, 30. 

154 30 punctum saliens: »der springende Punkt«. Diese Floskel geht 
auf Aristoteles, »Historia animalium« und Aldrovandi, »Orni- 
thologia« (1610) zuriick. S. auch 157, 20 und F 636. 

155 28 Der vortreffliche Bailly: Die Stelle konnte von mir nicht aus- 
findig gemacht werden. - 29 Versteinerungen: eine Lieblings- 
vokabel Lichtenbergs, die als Substantiv und als Verbum auch 
292, 32. 352, 30. 383, 20. 456, 20. 480, 11. 713, 3. 754, 20. 
995, 38 begegnet. S. ferner 581, 19 und zu D 280. 

156 lyf. Exzenter: Exzentertheorie, zuerst bei Hipparch greifbare 
Theorie, die die geforderte Gleichformigkeit der vom ange- 
nommenen Weltzentrum (Erde) aus ungleichformig erschei- 
nenden Umlaufgeschwindigkeit erhielt, indem man den 
Planeten urn einen Punkt >aufierhalb des Zentrums< kreisen 
lieB. - 2$Epizykel: Epizykel (>Nebenkreis<) : auf Apollonios von 
Perge zuriickgehende Theorie, die spiitestens von Ptolemaus 
mit der Exzenter-Theorie verbunden wurde. - 55 Konjunktio- 
men: lat. >Verbindung<; eine Konjunktion liegt vor, wenn zwei 
Korper des Sonnensystems die gleiche Rektaszension oder 
Lange haben. Lichtenberg gebraucht den BegrifF, haufig im 
iibertragenen Sinn, auch 737, 28. 840, 13. 950, 1. 1040, 27 f. Im 
ubrigen vgl. zu 273, 19. 

157 20 punctum saliens: Vgl. oben zu 154, 30. 

158 35ff. Kepler (Commentar: de motibus stellae Martis ...): »Astrono- 
mia Nova seu Physica Coelestis tradita commentariis de moti- 
bus Stellae Martis«, erschienen Prag 1609. Im Text der »J. 
Kepleri Opera omnia«, Vol. Ill, p. 173, Edit. Frisch, Frankfurt 
und Erlangen i860, steht nach non: ut prius; nach verius: in. - 
37f' spirales . . . quadragesimalis: Spiralen ... nicht nach Art eines 
gewundenen Fadens, nebeneinander geordneten Windungen, 
sondern eher von Gestalt eines Fastenbrotes. 

159 7 Priester-Despotie: Zu diesem Wortgebrauch vgl. zu J719; 
s. auch 543, 16. 574, 16. - 16 Pabst Paul III: vorher Alessandro 
Farnese (1468 -1549), 1534 zum Papst gewahlt; forderte Wis- 
senschaften und Kunste. Die Widmung des Copernicus wurde 
in der Originalausgabe iibrigens durch eine den Sinn des Gan- 
zen verkehrende Vorrede des protest. Theologen A. Osiander 
ersetzt. - 16 seinem Werke de revolutionibus orbium coelestium: 



68 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Vgl. zu 148, 37. Lichtenbergs Zitat findet sich ebenda, S. 3-8 
der Edition Thorn 1783. - 31 Eudoxus: E. von Knidos (408 bis 
355 v.Chr.), griech. Mathematiker, Naturforscher und Philo- 
soph, schuf mit seinem System homozentrischer Spharen das 
erste auf Beobachtungen beruhende Modell der Planetenbe- 
wegungen. -31 Calippus: griech. Mathematiker ca. 330 v.Chr. 

161 7Jf. Cicero ... Acad. Qwest.: »Academicae Quaestiones« - Aka- 
demische Untersuchungen. Die Stelle war von mir nicht auf- 
findbar. Vgl. aber Copernicus, a.a.O., S. 6. Ober Cicero vgl. 
zu B 125. - 8ff. Plutarch ... De placitis philosoph.: »De placitis 
philosophorum« 5 libri, Liber III, caput 13, p. 88, »De motu 
Terrae« - zit. nach Edit. Florenz 1750 hrg. von Eduard Corsi- 
nus; s. auch Copernicus, a.a.O., S. 6. Ober Plutarch vgl. zu 
A 42. - 9 Nicetas von Syracus: Lebensdaten unbekannt. Lichten- 
berg erwahnt ihn auch in den »Neuigkeiten vom HimmeU 
(GTK 1799, S. 113). - 14 Ekphantus: griech. Philosoph aus 
Syrakus, Zeitgenosse Platons; lehrte die Achsendrehung der 
Erde. - 14 Heraklides aus Pontus: Schiiler Platons, um 388-310 
v.Chr., bildete bes. die Naturphilosophie weiter; lehrte die 
tagl. Achsendrehung der Erde und vielleicht auch schon das 
heliozentrische System. - 13 Philolaus: griech. Philosoph aus 
Kroton in Unteritalien (ca. 530-ca. 470 v.Chr.), nahm eine im 
Weltgebaude sich bewegende Erde an. - 1 7f.fahrt erfort: Ober- 
setzung der Passage: »Inde igitur ... confusione«, Copernicus, 
a.a.O., S. 6, Z. 15-29. 

162 17 menschliche Schnitzwerk: Gemeint sind die »geschnitzten 
Heiligen«, von denen Lichtenberg 616, 30 redet; vgl. die Anm. 
dazu. - 24J. Stifter wahrer Naturlehre, Bacon von Verulam: Ober 
ihn vgl. zu B 70. - 30 De augm, sclent: Gemeint ist »De aug- 
mentis scientiarum«, Liber IV, caput 1, p. 255, Ed. Leiden 1652.- 
32 >ff. Constat . . . posse: Es steht ebenso fest, daB die Lehrmeinung 
des Copernicus uber die Rotation der Erde (die jetzt auch er- 
starkt ist), weil sie den Phanomenen nicht widerspricht, nach 
astronomischen Grundsatzen zwar nicht, wohl aber nach recht 
aufgestellten Grundsatzen der Naturphilosophie widerlegt werden 
kann. - 33 Rotatione: von mir verb, aus: Ratione, wie Baco 
bereits schreibt. - 38 jf. Newton . . . Philosophiae naturalis princi- 
pia mathematical Ober ihn und sein grundlegendes Hauptwerk 
vgl. zu A 79. 

163 12 Jf. Geist der Ordnung t der in ihm wohnte ...; Vgl. zu dieser 
Passage 76, 141". - ljff. Kepler ... Praefat. in TabL Rudolph.: 
Vgl. zu 147, 371*. - i6f. Copernicus ... liber: Copernicus, ein 
Mann von dem groBten Genie und, was bei diesem Geschaft 
von groBer Bedeutung ist, freisinnig. 

J ^4 3 iff- in den ersten Zeilen seines Bucks . . . eines Wassertropfens 
gedenken: Gemeint ist Copernicus, a.a.O., S. 11, Z. 14. 



NICOLAUS COPERNICUS 69 

165 nf. omne ... spectator: »Alles Ersichtliche besitzt eine gewisse 
Lange der Entfernung, uber die hinaus man nicht blicken 
kann.« Dieses Zitat war an der angegebenen Stelle nicht nach- 
weisbar. - 14 ff. nihil ... constat: »Diese Demonstration fuhrt 
nichts anderes vor als die gegen die Erde unbegrenzte GroBe 
des Himmels. Aber bis wohin sich diese UnermeBlichkeit er- 
strecke, steht im mindesten nicht fest.« Zitat aus Copernicus. 
a.a.O., i. Buch, 6. Kap., S. 19, Z. 15-17. - 2gff. Die Alten, 
fahrt effort ...: Zitat-Obersetzung nach Copernicus, a.a.O., 

1. Buch, 7. Kap., S. 19, Z. 26-S. 20, Z. 3. S. 20, Z. 25-S. 21, Z. 3. 

166 sff. Ich halte, sagt er ...; Zitat-Obersetzung nach Copernicus, 
a.a.O., 1. Buch, 9. Kap., S. 24, Z. 25-29. S. 20. 21, Z. 9-13. 
S. 22. - 29 Martianus Capella: lat. Schriftsteller urn 400, ver- 
faBte eine Enzyklopadie der sieben Freien Kunste, der er den 
Rahmen einer >Hochzeitsfeier des Merkur mit der Philologie< 
(De nuptiis Mercurii et Philologiae) gab; im MA. vielbenutztes 
Unterrichtswerk. - 35 ff. Qua . . . percalluerunt: Daher fmde ich 
desto bemerkenswerter, was Martianus Capella, der eine Enzy- 
klopadie geschrieben hat, und einige andere lateinische Autoren 
sich gedacht haben. Cop., a.a.O., S. 27. - 30 Vitruv: Ober ihn 
vgl. zu KA 14; gemeint ist dessen »De Architectura Libri 
Decem«, wo ich iibrigens diese Stelle nicht auffinden konnte. - 
39 Macrobius: Ober ihn vgl. zu B 74; er verfaBte einen neu- 
platon. Kommentar zu Ciceros »Somnium Scipionis«. - 40/. 
Ciceros Somnium Scipionis: Ciceros - iiber ihn vgl. zu B125 - 
»Traum des Scipio« ist ein Teil von »De republica« VI, 9-29. 

167 10 pedissequa: wortl. Dienerin. - 28 wie Gassendi zu derBehaup- 
tunggekotnmen: Lichtenberg spielt auf Gassendis Ausfuhrungen, 
o.c.p. 296-297 zu Martianus Capella und Apollonius Pergaeus 
an. - 30 Apollonius von Pergam.: Uber A. von Perge vgl. zu 233, 
3 f. ; entwickelte vermutlich die Epizyklentheorie zur Darstel- 
lung der Bewegungen der Planeten. - 34 Bailly Hist, de Vastron. 
moderne: Vgl. zu 146, 26. - 33 de Lalande. Astron ...; Uber La- 
lande vgl. zu KA 162. Die 3.Auflage der erstmals Paris 1764 
erschienenen »Astronomie« stand mir nicht zur Verfugung. - 
3? f. perinde . . . fateri: »Ebenso schamen wir uns nicht zu ge- 
stehen«. Zitat-Obersetzung aus Copernicus, a.a.O., 1. Buch, 
10. Kap., S. 28, Z. 12, wo im Original iibrigens Protnde statt 
perinde steht. - 38 iff. Hierbei macht Riccioli . . . ; in dem zu 147, 20 
nachgewiesenen Werk, Tom. 1, Liber IX, Sectio IV, p. 294 
rechte Kolumne. 

168 2 if, Quis ... illuminari: »Wer vermochte denn in diesem wun- 
derschonen Tempel die Lampe an eine andere wenn nicht gar 
bessere Stelle setzen, von der aus alles zugleich beleuchtet wer- 
den kann?« Zitat nach Copernicus, a.a.O,, 1. Buch, 10. Kap., 
S. 30, Z. 1-3; im Original steht: illuminare. - 24 Mulerius: 



70 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

Ober Nicolaus Mulerius vgl. zu L 95. Lichtenberg erwahnt 
ihn auch LB III. - 36/. Riccioli ... (Aim. nov ...): Gemeint ist 
Liber VI, Caput II; »De Scintillatione Stellarum« des oben zu 
147, 20 genauer nachgewiesenen Werkes, TomusI, p. 396, 
linke Kolumne. Die dort zitierten Worte von Copernicus, 
a.a.O., i.Buch, 10. Kap., S. 30, Z. 27-29, lauten: »Quod 
enim a supremo errantium Saturno ad fixarum sphaeram adhuc 
plurimum intersit, scintillantia illorum lumina demonstrant. 
Quo indicio maxime discernuntur a planetis . . .« 

169 2 zweiten Ungleichheit, deren wir oben gedacht: S.156, 4?. - 13 
Ekliptik: die scheinbare Bahn, die in einem groBten Kreis an der 
Fixsternsphare verlauft und die die Sonne im Laufe eines Jahres 
beschreibt. -16 Nicetas von Syrakus: Ober ihn vgl. zu 161, 9. - 
i6f. Aristarch von Samos: Ober ihn vgl. zu D 717. -17 Philo- 
laus: Ober ihn vgl. zu 161, 15. 

170 10 Keplers Meinung: S. dazu 186, I9f. - 33/. entdeckte man die 
Abirrung desLichts: Die Aberration wurde 1728 von dem engl. 
Astronomen Bradley entdeckt. 

171 27 Parallaxe: griech. Abweichung. 

172 27/. erste Ungleichheit: Dazu vgl. 155, 23 f. 

173 24 Junctinus: ital. Mathematiker, Astronom und Astrologe 
(1 523-1580). - 26ff. Germani ... Febr.: »Deutsche Kalender- 
kundige aber (denen ich mehr Glauben schenke) bezeugen die 
Geburt im Jahre 1473. d. I9ten Februer.« - 30 Mastlin, Keplers 
beriihmter Lehrer: Michael Mastlin (1 550-1631), beriihmter 
Astronom in Tubingen. - 31 Rhetici narratio: Vgl. zu 142, 12. - 
32 Keplers Prodromus: Keplers »Mysterium Cosmographicum 
de admirabili proportione orbium coelestium« erschien zuerst 
Tubingen 1596. - 33 ff. Copernicum ... aetatis 70: Die Geburt 
Nicolaus Copernicus 1 wird uberliefert fur das Jahr 1473. am 
19. Febr. in der 4. Stunde. 43. Minute nachmittags am Freitag 
vor Cathedram Petri. Es irrt also Franc. Junctinus, der selbst 
1472. 29. Jan. als Geburtstag angibt. Gestorben aber ist er 1543 
am I9januar im 70. Jahr seines Lebens. 

174 10 ob ... probabilius: wegen Mastlins Autoritat wahrschein- 
licher. 

175 2f. Leibnizens Haus zu Hannover: Es stand in der Schmiede- 
straBe nahe der Kreuzkirche; das Barockhaus war zur Unter- 
bringung der kurfurstl. Bibliothek gemietet worden. Ober 
Leibniz vgl. zu A 9. - 20 Garcaus : Johann Garcaeus (1530-1575), 
protest. Theologe in Wittenberg und vielseitiger Schriftsteller. 
- 31 Boissardus: Jean Jacques Boissard (1 528-1602), frz. Alter- 
tumsforscher. - 33 Saverien: Alexandre Saverien (ca. 1720 bis 
1805), frz. Mathematiker und Schriftsteller. Die »Histoire des 
philosophes modernes« erschien Paris 1762-1769. 

176 1 Berlinischen Taschenbuche ...fur 1796: Diese Zeitschrift war 



NICOLAUS COPERNICUS 71 

mir nicht zuganglich. - i Unger: Ober ihn vgl. zu L 796. - 
6 Cromer: Martin C. (gest. 1589), seit 1579 Bischof von Erm- 
land. - 9 Starovohcius: Ober ihn vgl. zu 142, 9. - 17 ff. aut ... 
positum: Entweder ist also Junctinus falsch oder der Moment 
der Zeugung ist von den Astrologen aus der Nativitat aufge- 
spiirt und als erste Nativitat gesetzt worden. - 19 praeter propter: 
ungefahr; s. auch 464, 15. 649, 4. 903, 36. - 22 partus ... unde- 
cimestris: Siebenmonatskind . . . Elfmonatskind. 

177 5 Gehler ... physischen Wbrterbuch: Ober ihn vgl. zu H193. - 
9 Biisching ... in seiner Geographie: Gemeint ist dessen »Erdbe- 
schreibung«, 2. Bd., S. 213, 1754. Lichtenberg erwahnt sie auch 
an ReuB (LB III, S. 178) am 1 Juli 1796: »Ich wiirde die lezte 
Angabe sogleich fur die wahre erkennen [scil. 19. Februar 1473], 
wenn nicht der bose Biisching sagte, auf Copernikus' Monu- 
ment zu Thorn, in der Johanniskirche, stiinde I9januar I472.« 
Ober Biisching vgl. zu J 211. - igjocher: Christian Gottlieb J. 
(1694-175 8), Prof, der Philosophic in Leipzig, Verf. des be- 
kannten »AlIgemeinen Gelehrten-Lexicon«, Leipzig 1750, wo 
er im »Ersten Theil A-C«, Sp. 2080, iiber Copernicus handelt. 
S. auch Briefe (IV, 949, 31). - 24 Hevelius: Uber ihn vgl. zu 
D 738. - 28 publica auctoritate: durch offentliche Amtsgewalt, 
von der Obrigkeit. 

178 iff. Non ... oro: Nicht gleiche Gnade wie Paulus heische ich, / 
Noch verlange ich Petri Begnadung, sondern die / An des 
Kreuzes Holz du gegeben dem Schacher / Instandig erbitte ich. 
- 6ff. Nicolao ...LXXIIL: Nicolaus Copernicus aus Thorn ge- 
biirtig, einem Mathematiker von unubertroffener Scharfsinnig- 
keit, ist, damit eines so groBen Mannes, hochlich beriihmt bei 
den Fremden, Erinnerung in seinem Vaterland nicht untergehe, 
dieses Denkmal errichtet worden. Gestorben Ermland in seinem 
Kanonikat 1543, am 4. Tag im 73jahr seines Lebens. - 26 
Konigs Johannis Alberti: Johann I. Albrecht (1459-17.6.1501), 
seit 1492 Konig von Polen. 

179 6f. Sapphischen Settfzer: Ober Sappho vgl. zu F 1232. - 9 Ziegler 
... Schauplatz der Welt: Gemeint ist Heinrich Anshelm von 
Ziegler und Kliphausen (1663-1697), dt. Barockschriftsteller, 
Verfasser der beriihmten »Asiatischen Banise« und des »Tag- 
lichen Schauplatz der Zeit«, 1695. - 18 Jablonowski: Ober ihn 
und den Sachverhalt vgl. L 178 und die Anm. dazu. - $0 Monu- 
mentum aere perennius: »Exegi ...«: »Ich habe ein Denkmal ge- 
schafFen dauernder als Erz.« Zitat nach Horaz, »Oden« 3, 30, 1. 
Ober Horaz vgl. zu KA 1 52. - 52 Konig . . . Stanislaus Augustus: 
Stanislaus II. (1722-1798), eigentlich Poniatowski, Gunstling 
KatharinasIL, seit 1764 bis 1795 letzter Konig von Polen. 

180 4 Chronodistichon: Chronogramm, Chronostichon: ein auf ein 
bestimmtes Jahr bezogener lat. Satz, der durch Addieren der 



72 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

durch GroBschreibung hervorgehobenen Zahl-Buchstaben 
das betrefFende Jahr ergibt. Meist in Form eines Hexameters 
(Chronostichon) oder Hexameters und Pentameters (Chrono- 
distichon). S. auch 374, 11 f. 417, 19. 530, 16. Briefe (IV, 185. 
296). - 6f. EX ... potens: »Aus diesem traurigen Leben schied 
Copernicus, / Durch Eingebung und Erkenntnis der Gestirne 
machtig.« X: 10; C: 100; I: 1; V: 5; M: 1000. -12 lezterer: 
Lies im Text: letzterer. - 18 obiit: gestorben. - 24 Tidemannus 
Gisius: Ober ihn vgl. zu 142, 9. - 32/. Rhetii: VgL 142, 11 f. 

181 7 Ausgabe des Mdstlin: S. 173, 30. - 13 Schoner: eigentlich Jo- 
hann Schoner (1 477-1 546), Astronom und Mathematiker in 
Nttrnberg. - 25 Scrobivicius: Lebensdaten unbekannt. -27/ 
Qui ... temporibus: Welcher die Zeiten bemessen, / Siehe, hat 
ebenden Zeiten weichen miissen. - 31 Alphonsus der Weise: 
Ober ihn vgl. zu F 644. 

182 4Jf. Er wollte ... dem Schopfer ... einen bessern Plan fur das Welt- 
gebaude angegeben haben: Dieses Wort notiert Lichtenberg schon 
F 644. - 14 Ahnlichkeit mit den Erzahlerinnen der kleinen Stadt- 
geschichte: Dazu vgl. 720, 11 ; s. auch 721, 9. J 16. 593. - 16 wie 
Mariana erzahlt: Juan de M. (1 536-1624), span. Geschichts- 
schreiber, Jesuit; schrieb bis 1516 reichende »Historiae de rebus 
Hispaniae« (1592). -31 Riccioli: Ober Riccioli vgl. zu 147, 20. - 
32 Nicolaus de Cusa: Nikolaus von Kues, Cusanus (1 401 -1464), 
Philosoph und Theologe; sein philosophisches Hauptwerk »De 
docta ignorantia« (Ober gelehrte Unwissenheit) erschien 1439. - 
37 S- I am -" Eixum: »Uns ist es langst gewiB, daB diese Erde in 
Wirklichkeit sich bewegt, wenn auch dieses uns nicht ersicht- 
lich ist, da wir Bewegung nicht erfassen konnen, es sei derm 
durch einen gewissen Vergleich zum Fixen.« Zitat aus »De 
docta ignorantia«, Liber 2, Caput 12; zit. nach Riccioli, a. a. O., 
S. 292. 

183 7 ex officio glaubte: »von Amts wegen«; Lichtenberg gebraucht 
den Ausdruck auch L 41. 42. MH11; s. ferner 1001, iif. 1057, 
15. - 8 die Jupiters-Trabanten gesehen: Von den bisher aufge- 
fundenen zwolf Jupiter-Monden hat Galilei 16 10 die vier hell- 
sten entdeckt. - i6f. Plutarch ... de facie in orbe lunae: Vgl. zu 
161, 8fF.; vgl. auch J 837 und die Anm. dazu. - 18 Kleanthes: 
stoischer Philosoph aus Assos in Kleinasien, lebte etwa 331 bis 
232 v.Chr., Schiiler und Nachfolger Zenons. - 18 Aristarch: 
Ober ihn vgl. zu 169, i6f. - 20 Lares der Natur: rom. Schutz- 
gottheiten der Felder, des Hauses, der Wege. - 20 Tempel der 
Vesta: altital. Gottin des Herdfeuers, die im alten Rom einen 
Rundtempel auf dem Forum hatte, in dem ein ewig brennen- 
des Feuer unterhalten wurde. - 33 Christon: Ein ital. Wissen- 
schaftler dieses Namens konnte von mir nicht ermittelt werden; 
sollte es sich um einen Druckfehler der Satzvorlage handeln 



NICOLAUS COPERNICUS 73 

und zu lesen sein: Christen? - 36 Piazzi: Giuseppe P. (1746 bis 
1826), ital. Astronom, Theatinermonch und Prof, der hoheren 
Mathematik, baute die Sternwarte in Palermo. 

184 p Copernicus erzahlt seine Geschichte dem Pabst ...: Gemeint ist 
die Dedikation an Papst Paul III.; vgl. zu 159, 16.-14 a us dem 
Cicero: Vgl. 161,7. - 15 Worte des Plutarch: Vgl. 161,8. - 
18 Ideen-Jagd: Ahnliche Wortbildungen begegnen auch 113, 
22. 813, 8. 878,40; Wortbildungen mit Ideen- ferner 272, 20. 
283, 38. 412, 1. 478, 1 if. 980, 21. vgl. auch zu F 216. - 24 Zen- 
tralfeuer: Vgl. zu 123, 12 f. - 26 Eberhards Abhandlung: Ober 
ihn vgl. zu D 279. - 26 Thales: Thales von Milet (ca. 624-ca. 
543 v.Chr.), griech. Naturphilosoph. - 28 Schaubachs: Johann 
Konrad Schaubach (1 764-1 849), Astronom in Meiningen und 
Schriftsteller insbes. zur Sternenkunde der Antike, 1783 Stu- 
dent in Gottingen. - 3 iff. Mathematicus . . . petere: »ein nicht ge- 
meiner Mathematiker ..., den aufzusuchen Platon nicht ge- 
zogert haben wiirde, nach Italien zu reisen.« Zitat aus Coper- 
nicus, S. 17, Z. 8-9; wo allerdings vor cuius steht: utpote, und 
statt distulerit: distulit. 

185 11 Arenarius Edit. Wallis: Gemeint ist »Archimedes Syracusani 
Arenarius ...«, herausgegeben Oxford 1676. Arenarius: Lehrer 
in den Anfangsgrunden des Rechnens, weil Zahlen in den Sand 
gezeichnet wurden. - 1 6 Plutarch an andern Stellen seiner Schrif- 
ten: Zum Beispiel in »De Facie in Orbe Lunae«, zit. in FuBnote 
des zu 161, 8ff. angegebenen Werks. - 17 Wallis: John Wallis 
(1616-1703), beriihmter engl. Mathematiker. - jiff. Cum ... 
animal: »Da also die Kreisbewegung universal ist, den Teilen 
aber auch die Bewegung in gerader Richtung innewohnt, 
konnen wir sagen, da6 die kreisformige mit der geradlinigen 
Bewegung bestehen bleibt, wie das Lebewesen mit dem Kran- 
ken besteht.« Zitat aus Copernicus, a.a.O., S. 23, Z. 28-30. - 
33 j. Mulerius ...in der seinigen: Vgl. zu 168, 24. - 34 ff. aegro . . . 
equo: mit dem Kranken ... Pferd. 

1864 rectus . . . habentibus: »Die geradlinige Bewegung iiberkommt 
die, welche sich von ihrem natiirlichen Ort entfernen oder ent- 
fernt werden, oder wie auch immer auBer sich selbst sind ... 
Die geradlinige Bewegung tritt also nur auf, wenn der Zustand 
auBer der Ordnung ist.« Zitat aus Copernicus, a.a.O., S. 23, 
Z. 16-17. - 34 fet Erde in der Bahn immer: von mir verb, aus: 
der Erde in der sich immer . . . 

187 lof. dem Mittelpunkt des Kreises: von mir verb, aus: am Mittel- 
punkt. 

188 s Pole derEkliptik: Vgl. zu 169, 13. 



74 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

REZENSIONEN 

1. 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »G6ttingische Anzeigen von ge- 
lehrten Sachen.« 80. Stuck. Den 20. Mai 1786, S. 793-806. Ein Manu- 
skript 1st im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: »Einen grofieren Feind vom Rezensieren, als ich bin, 
gibt es nicht leicht,« schreibt Lichtenberg am 3 Juli 1794 an Archen- 
holz (IV, Nr. 661, S. 885-886). Angesichts dieses Gestandnisses ver- 
blufft desto mehr, daB man allein in den »G6ttingischen Anzeigen 
von gelehrten Sachen« 46 Rezensionen von Lichtenbergs Hand ge- 
zahlt hat. Zumindest eine Rezension weist Lauchert, a.a.O., S. 175 
bis 183, fur die »Allgemeine deutsche Bibliothek« nach und druckt 
sie ebenda ab. Weitere Rezensionen lieBen sich unter Umstanden 
nachweisen, wollte man den Tagebuch-Hinweisen Lichtenbergs auf 
Mitarbeit an anderen Zeitschriften genauer nachgehen. Zweifellos 
handelt es sich um Nebentatigkeiten, die aber in einer Ausgabe Lich- 
tenbergs nicht unberucksichtigt bleiben durfen, weshalb hier erstmals 
zwei Rezensionen Aufnahme finden. 

Literatur: Lauchert, a.a.O., S. 174-183 ; Karl S. Guthke, Georg Chri- 
stoph Lichtenberg's Contributions to the >Gottingische Gelehrte An- 
zeigen^ In: Libri 1963, vol. 12, No. 4, pp. 331-340. Mautner, a.a.O., 
S. 292. 



189 4 Dykischen Buchhandlung: Ober ihn vgl. zu L 293. - 5 Archen- 
holz: Ober ihn vgl. zu J 47. - 7 Oktau: Vgl. zu 23, 26. - 7/. 
Wieland zugeeignet: Archenholz und Wieland waren befreun- 
det. Ober ihn vgl. zu A 99. - 13 nach naherer Kenntnis: Lichten- 
bergs intime Kenntnis des engl. Hofs aus eigener Anschauung 
geht aus den Briefen und aus RA hervor. - 14 edlen Volks: 
Ober Lichtenbergs Lob des engl. Volks vgl. auch 1024, 29. 
1037, 28 ff. 

190 1 Bastille: das frz. Staatsgefangnis in Paris, das - Symbol der 
feudalist. Willkurherrschaft - am 14. Juli 1789 gesturmt wurde; 
s. auch 459, 12. 909, n. - 2 Linguet: Nicolas-Simon-Henri L. 
(1736-1794 auf dem Schafott), seinerzeit beruhmter frz. Pam- 
phletist und Advokat. Ging 1777 nach England, wurde 1780 
in die Bastille geworfen, 1782 freigelassen; schrieb die »Annalen 
des achtzehntenjahrhunderts«; iiber ihn s. Archenholz, a.a.O., 
Bd. I, S. 197-203. - 11 Pleureusen: Trauerbesatz an der Klei- 



REZENSIONEN 75 

dung; Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch 885, i und 
L 519. - 12 Konigin Christina: Uber sie vgl. zu E 20. - 15 Dr. 
Dodd: Uber William Dodd s. zu F 942. - 25 Spion y Obrist la 
Mothe: Gemeint ist Archenholz, a.a.O., Bd.I, S. 18. Der fran- 
zosische Spion war 1782 m London hingerichtet worden. -34/. 
Wurdigung des Verdienstes: Zu dieser Wendung - Lichtenbergs 
Kritik an dem zeitgenossischen deutschen Literaturbetrieb - vgl. 
C 61 und die Anm. dazu; Lichtenberg gebraucht sie auch 572, 
29. 589, 12. Im ubrigen vgl. zu C 61. - 38 Philosoph von Pro- 
fession: Ahnliche Bildungen begegnen 311, 22. 578, 33. 781, 20. 
838, 42; im ubrigen vgl. zu F 354. 

191 9/. Geschichte der 800 verlassenen deutschen Emigranten: Gemeint 
ist Archenholz, a.a.O., Bd. I, S. 53-58. Der Vorfall hatte sich 
1765 in London ereignet ; der deutsche Prediger hiefi Wachsel. - 
15 Wilkes: Uber ihn vgl. zu B 9. - 17 Whiggish: Whigs nennt 
man im Gegensatz zu den Tories von altersher die liberale 
Adelsfraktion in England; s. auch 767, 29 flf. - 19 Rez. hat ihn 
gesehen: Dazu vgl. Briefe (IV, 216, I5ff.) vom io.Januar 1775. - 
2 j 1 780 die Bank gerettet: Gemeint ist Archenholz, a. a. O., Bd. I, 
S. 78. Wilkes* Handlung geschah wahrend der Gordonschen Un- 
ruhen. - 34 Catilina: Der Satz ist fast wortlich Archenholz, 
a.a.O., Bd.I, S.78, entnommen. "Ober Catilina vgl. zu B 125. 
Vgl. auch zu 497, 5f. ~38City: die »Altstadt« von London; vgl. 
914, 24 und die Anm. dazu. 

192 2 wie Sallust sagt: Gemeint ist wohl »Bellum Catilinarium sive 
De Coniuratione Catilinae eiusque sociorum«, LXI, das letzte 
Kapitel, wo es in der Leipzig 1790 erschienenen Obersetzung 
von A.G. MeiBner (a.a.O., S. 203) heifit: »Denn fast jeder be- 
hauptete den Platz, der ihm lebend zum Streit angewiesen 
worden, auch todt auf der Wahlstatt . . . Aber weit von den 
Seinigen, unter feindlichen Leichnamen, fand man den Kati- 
lina, noch athmete er ein wenig, und den trozzigen Geist, den 
er im Leben gehabt, sah man im Tode noch auf seinem Ant- 
litz.« - 4 Olivers Abzug vom Tower: Gemeint ist Archenholz, 
a.a.O., Bd.I, S. 88-89. Richard Oliver (i734?-i784), engl. 
Politiker, wurde 1771 im Streit zwischen der City London und 
dem House of Commons voriibergehend in den Tower ge- 
sperrt. - 4ff. Er sagt . . . mit Shaftesbury, der Enthusiasmus stecke 
an wie der Schnupfen: Diese Wendung, nach Archenholz, a. a. O., 
Bd. I, S. 89, zitiert, konnte von mir nicht ermittelt werden. 
t)ber Shaftesbury vgl. zu B 277. - 9/. Karl II habe Recht, wenn 
er behauptete ...: Gemeint ist Archenholz, a.a.O., Bd. I, S. 93 
bis 94. Uber Karl II, vgl. zu D 647. -12 Gibbons: Ober Edward 
Gibbon vgl. zu J 306. - 13 Doomsday book: doomsday: Tag des 
jiingsten Gerichts. So lautet der Name des von Wilhelm dem 
Eroberer veranlaBten englischen >Reichsgrundbuches<, dessen 



76 GELEHRTB UND GEMBINNUTZIGE AUFSATZE 

amtliche Ausgabe 1783 erschien. Archenholz spricht davon 
a.a.O., Bd. I, S. 99-100. - 14 Raspen zum Vbersetzer gewahlt: 
Cber Rudolf Erich Raspe vgl. zu A 12. Price in »The Publica- 
tion of English Humaniora in Germany in the Eighteenth 
Century « fuhrt ihn nicht unter den dt. Obersetzern. - 17 j. 
Thielens ... Verdienste urn die Seeuhren: S. Archenholz, a.a.O., 
Bd. I, S. 101-102. Lebensdaten des deutschen Mechanikers un- 
bekannt. - 19 Harrisons ... Prinzipien: Uber den engl. Erfinder 
der Seeuhren vgl. zu F 595. - 20 Coxes Museum: Daruber vgl. 
zu D 757; Lichtenberg besichtigte es am 4. Oktober 1774 (s. 
Briefe: IV, 202, 34f. 207, 29). S. auch Deneke, S. 225. - 22J. 
Drozischen . . . Spielereien : Gemeint sind die mechanischen Kon- 
struktionen, Automaten und Uhren, verfertigt von den 
schweizer. Mechanikern Henri-Louis Jaquet-Droz (1 752-1 791) 
und dessen Vater Pierre Jaquet-Droz (1 721 -1790). Lichtenberg 
erwahnt ihn auch 932, 27. S. auch GTK 1780, S. 66 f. - 23 
Nurnberger Ware: D.h. Kinderspielzeug, wie es in Nurnberg 
seit dem MA hergestellt wurde; Lichtenberg gebraucht den 
Ausdruck auch 431, 15. 960, 22. 1042, i8f. Vgl. ferner zu KA 
230. - 24/. Grahams magnetisch-elektrischen ... Belt: Daruber 
vgl. zu 125, 25 f. - 27 Sanctum sanctorum: das Heilige der 
Heiligen: das Allerheiligste. - 28f. P. Kircher schon Gott selbst 
mit unter die Magneten: Gemeint ist »Magnes sive de arte magne- 
tica, Rom 1641, Liber 3, ParsX, S. 790-797, uberschrieben: 
»Magnes Epilogus, Id est, Deus rerum omnium centralis Ma- 
gnes«. Der letzte Satz des ganzen Buches lautet: »ipse [scil. 
deus] enim sola et unica animae nostrae quies, centrum, MA- 
GNES«, wobei dieses letzte Wort allein auf der letzten Zeile 
auf Mittelachse steht! Lichtenberg besaB laut oVerzeichniB der- 
jenigen Bucher ...«, S. 1, Nr. 8, die 3. Ausgabe dieses Werks, 
erschienen Rom 1654. Athanasius Kircher (1602-1680), Jesu- 
itenpater und umfassender Gelehrter auf dem Gebiet der Natur- 
und Geisteswissenschaften. - 29 Mrs Abington: Cber sie vgl. 
zu D 627. - 51 Obrist Champigny: S. Archenholz, a.a.O., Bd. I, 
S. 119. Champigny, gebiirtiger Franzose, kam nach dem Sie- 
benjahrigen Krieg nach London, brachte die Bettelkunst in eine 
Art System, nach dem er 11 Jahre lang erfolgreich vorging. - 
35 Londonschen Brandes: Vgl. 1050, 30 und die Anm. dazu. - 
j7 Oxfordstrafe: heute und schon im i8.Jh. Hauptgeschafts- 
straBe in der Londoner City, hieB Anfang des i8.Jh. noch 
Tyburn Road, weil sie die StraBe zunachst der Londoner Hin- 
richtungsstatte war. 
193 if- Facade der Paulskirche nach Ludgate hill zu: St.PauTs Cathe- 
dral, Ludgate Hill, groBte und bedeutendste Kirche Londons, 
nach dem Brand von 1666 durch Christopher Wren 1 672-1 700 
nach dem Muster der Peterskirche in Rom erheblich vergro- 



REZENSIONEN 77 

Bert und mit hohem Turm ausgestattet. S. auch 707, 17. 767, 
37. - 7/. Bildes der grofien Elisabeth in Westminsters Abtei in 
Wachs: S. Archenholz, a.a.O., Bd, 1, S. 149. Ober sie vgl. zu 
D 556. - 20 Proselyten ... machen: Proselytenmacher: jemand, 
der andere fiir seinen Glauben gewinnen will (s. Matth. 23, 15). 
Von Lichtenberg und anderen Aufklarern scharf kritisiertes 
Unternehmen diverser christl. Zeitgenossen gegeniiber jtidi- 
schen Landsleuten; vgl. 232, 33. - 2if. Methodisten: eine von 
den Briidern John und Charles Wesley und von George 
Whitefield begriindete, aus der anglikan. Kirche hervor- 
gegangene Er weckungsbewegung ; ihr Name ist eigentlich ein 
Spottname, den diese Glaubigen wegen ihres streng geregelten 
Lebens erhielten. Lichtenberg steht ihnen kritisch distanziert 
bzw. ironisch ablehnend gegeniiber. Vgl. auch 415, 37. 452, 36. 
7I3» 33. 93 Of 5- 1057. 3 of. Im iibrigen sei auf Lichtenbergs 
Ausftihrungen in der Hogarth-Erklarung »Leichtglaubigkeit, 
Aberglauben und Fanatismus« verwiesen (GTK 1787, S. 212- 
232). - 22 Herrnhuter: pietistische Erweckungsbewegung im 
Deutschland des 18. Jh., begriindet von Zinzendorf, mit ein- 
fluBreicher Missionstatigkeit in Obersee. Lichtenberg spricht 
stets ironisch abschatzig von ihnen, zitiert gern Kernworter 
und hypertrophe Liederzeilen. S. auch 213, 36. 220, I9f. 
- 24 Quaker: >Zitterer<, wegen der im fruhen Quakertum 
vorkommenden ekstatischen Erscheinungen ; Selbstbezeich- 
nung: Society of Friends. Die Sekte, von G. Fox Mitte des 
17. Jh. in England begriindet, setzte die Tradition der Wieder- 
taufer fort. - 25 Williams deistischer Gottesdienst: S. dazu Ar- 
chenholz, a.a.O., Bd. I, S. 189-191. David Williams (1738- 
18 16), engl. Publizist und Theologe, Griinder des Royal 
Literary Fund, hielt 1776 den ersten deistischen Gottesdienst in 
London ab. - 25/. Komge von Preufien: Ober Friedrich II. vgl. 
zu KA 140. - 26 Vottairen: Ober ihn vgl. KA 28.-56 Deismus: 
die Oberzeugung der Aufklarung, daB Gott zwar die Welt ge- 
schafFen, aber keinen weiteren EinfluB auf sie nehme. - 37 hau- 
figen Selbstmords: Eine andere Hypothese tiber dieses engl. Pha- 
nomen des i8.Jh. wie der Spleen teilt Lichtenberg 701, 32 f. 
von Johnson mit. 
194 2 Coroner: Totenbeschauer. - 2 Lunacy: Wahnsinn; zu: luna- 
ttsch vgl. zu 410, 8. - 12 public Spirit: Gemeingeist. -17 General 
Wolfe: Ober ihn vgl. zu 38, 18. - 17 Herzog von Athol: Ober 
ihn s. Archenholz, a.a.O., Bd. I, S. 219-220; tiber Chatham 
ebenda, S. 221-233. John Murray, 3. Duke of Atholl (1729 bis 
I774)> verzichtete 1765 zugunsten der brit. Krone auf seine 
Besitzrechte an der Insel Man. - 18 Lord Chatham: Ober ihn 
vgl. zu RA 87. - 20 f. Geschichte ... von Deeds und Morton: S. 
Archenholz, a. a. O., Bd. I, S. 271-273. Morton, ein Banknoten- 



78 GELEHRTE UND GEMEINNUTZIGE AUFSATZE 

falscher, der 1776 verhaftet worden war, wurde von seinem 
Freunde Deeds befreit und gegen die Zahlung von 1000 Pfund 
von ihm verraten. - 21 f. Prozefi der Herzogin von Kingston: S. Ar- 
chenholz, a.a.O., Bd. II, S. 280-285. Elisabeth Chudleigh (1720 
bis 1788), Countess of Bristol, die sich selbst Duchess of Kings- 
ton nannte, wurde 1776 der Bigamie angeklagt und schuldig 
gesprochen. Lichtenberg besaB laut »VerzeichniB derjenigen Bu- 
cher ...«, S. 2, Nr. 21, die London 1776 erschienene ProzeB- 
Akte. - 23 j. Geschichten von Sayre, Guerchy und D'Eon: S. Ar- 
chenholz, a.a.O., Bd. II, S. 285-297. Stephen Sayre (1736 bis 
1818), amerikan. Bankier und diplomatischer Unterhandler, 
wurde 1775 in London beschuldigt, sich des engl. Komgs be- 
machtigt haben zu wollen; aus Mangel an Beweisen freigespro- 
chen. Claude-Louis-Francois Re'gnier de Guerchy (1715-1767), 
frz. Diplomat, seit 1763 Botschafter in London. Ober d'Eon 
vgl. zu 670, 1. - 26 pied du Roi: word. >FuB des K6nigs<, eigent- 
lich Bezeichnung des frz. LangenmaBes: Pariser FuB; dazu vgl. 
zu 25, 16. - 29 Gazettier cuirassi Morande: S. Archenholz, a. a. O., 
Bd. II, S. 297-300. Charles Thevenot de Morande (1748 bis ca. 
1803), frz. Publizist, gab seit 1772 »Le Gazetier cuirasse« heraus: 
eine unverhiillte Sammlung skandaloser Anekdoten vom frz. 
Hof. - 30 Dr. Dodd: S. zu 190, 15. - 35 partes orationis: Teile, 
Bestandteile der Rede. 

195 1 Lord Mansfield: Ober ihn s. zu L 312. - 4 Fleet: seinerzeit das 
Schuldgefangnis Londons. Lichtenberg erwahnt es auch 898, 
2f. 901, 10. 904, 3 und RA3. - 4 Kings Bench: das Konigl. 
Oberhofgericht in London; Lord Mansfield war seit 1756 
Oberster Richter am King's Bench; s. auch 271, 31 und RA 3. - 
10 Smolletschen Romanen: Ober Smollet vgl. zu B, Seite 45 
(I). - 23 f. Highwaymen, footpads, housebreakers und pickpockets: 
berittene StraBenrauber auf den LandstraBen, StraBenrauber, 
»die zu FuB und bios in den Gassen der Stadt des Nachts rauben« 
(Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 367), Einbrecher ... Taschen- 
diebe. Ober Highwaymen vgl. auch 765, 14. 795, 351*. - 33 
Charles Fox: Ober ihn vgl. zu E 73. - 38 Bagnios: ital. Badhaus; 
im iibertragenen undimEngland des i8.Jahrhunderts gebrauch- 
lichen Sinne: Bordell. Lichtenberg gebraucht das Wort in 
dieser Bedeutung auch 371, 31. 724, 3. 965, 16; s. ferner J 635 
und Briefe (IV, 639). 

196 1 Beaumarchais: S. Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 388. Pierre 
Augustin Caron de Beaumarchais (1732-1799), beriihmter frz. 
Dramatiker und Publizist: »Der tolle Tag oder die Hochzeit 
des Figaro « (1784). Lichtenberg erwahnt ihn sonst offenbar 
nicht. - 3J. die sieben vereinigten Provinzen: S. Archenholz, a. a. 
O., Bd. II, S. 386. Gemeint sind die vormaligen Neuengland- 
Kolonien im Nordosten der Vereinigten Staaten : Connecticut, 



REZENSIONEN 79 

Rhode Island, New Hampshire, Maine, Vermont, New York, 
New Jersey, die schon im 17. Jh. eine »Confederation« bildeten; 
s. auch 1046, 4. - 19 Linguet: S. Archenholz, a.a.O., Bd. II, 
S. 441. Vgl. iiber Linguet zu 190, 2. - 20 Homer: tlber ihn vgl. 
zu A 135. - 22 Whims: Grillen, Launen: der dem Englander 
nachgesagte Spleen; vgl. auch B 343. - 28 der jiingere Herr 
Forster: Johann Georg Forster; iiber ihn vgl. zu F 1192. - 29 
Otaheite: Vgl. zu 41, 35fF. - 34/. Garricks Jubilaum von Shake- 
spear: Es fand 1769 in Stratford statt; s. Archenholz, a.a.O., 
Bd. II, S. 486-492. - 36 Rezensent sich wieder ganz gegenwartig 
glaubte: Dazu vgl. die »Briefe aus England«. - 37 Leichenbegang- 
nis der Julie im Romeo: »Eine groBe Anzahl Monche von alien 
Farben, weiBe, schwarze und braune, begleiten mit Kreuzen 
und Wachskerzen, mit Sang und Klang den Leichnam zur 
Kirche, der nach dem italienischen Gebrauch in einem ofFenen 
Sarge liegt, wobey das Trauergelaute mit einer groBen Glocke 
eine auBerordentliche Wirkung thut« -Archenholz, a.a.O., 
Bd. II, S. 493. -37 Mad. Comely: S. Archenholz, a.a.O., Bd. II, 
S. 522-527. Madame Comely kam ca. 1765 nach London, 
arrangierte zwolf Jahre lang in London beruhmte luxuriose 
Feste fur die beste Gesellschaft, bis sie Schulden halber ins Ge- 
fangnis kam. 
197 1 Richmond: 16 km siidl. von London am rechten Themseufer 
gelegen, bis zum I7-Jh. konigl. Residenz mit beriihmtem 
Park; s. auch 1004, 27. - 1 Kew: westl. London in Surrey ge- 
legen, der bevorzugte Wohnsitz Georgs III. ; wo Lichtenberg 
wahrend seiner 2. England-Reise zu Gast war. Beruhmt wegen 
seines 1759 geschaflfenen Botanischen Gartens. S. auch 572,36. - 

1 Windsor: Windsor Castle, 43 km westl. von London in Berk- 
shire gelegen, Residenz der engl. Konige seit iiber 850 Jahren. - 

2 Hamptoncourt: in Middlesex am Nordufer der Themse 24 km 
siidostl. von London gelegen; einer der groBten konigl. Pa- 
laste in England, 15 15 errichtet, bis Georg III. Residenz. - 
2J. Das beruhmte Pferd . . . ChiUers: Lichtenberg erwahnt es be- 
reits KA 224. - jr/. Robin hood und debating Society: Dariiber s. 
Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 543-553. - 24 Mutiny-Bill: S. 
Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 577: »Da indessen eine stehende 
Armee in unsern Tagen einem groBen Staat durchaus noth- 
wendig ist, so hat wenigstens die englische Gesetzgebung ein 
Mittel ausgefunden, um die Freiheit des Volks wider militari- 
sche Unternehmungen zu sichern. Dieses geschieht vermittelst 
einer Parlamentsakte, die den Titel fiihrt : Mutiny bill, wodurch 
die Armee zusammen gehalten und besoldet wird; die Dauer 
derselben ist aber nur ein Jahr, daher sie bestandig erneuert 
werden muB.« - 30 f. kennen wir noch immer Englands Roman- 
helden und Straflenrauber besser: Vgl. schon Materialheft I, Nr. 



80 GBLEHRTE UND GEMEINNUTZIGB AUFSATZE 

128 und die Anm. dazu. - 32 Lord Baltimores Notzuchts-Ge- 
schichte: S. Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 458-460. Frederick 
Calvert, 7. Lord Baltimore (1731-1771), g a l* seinerzeit als gro- 
Ber Sonderling und Wiistling, wurde 1768 wegen Notzucht 
angeklagt, aber freigesprochen. - 33 Mifi Woodcock: Lebens- 
daten unbekannt; nach Archenholz eines der Madchen, die 
Lord Baltimore in seinem >Serail< hielt und die veranlaBt wur- 
den, ihn der Notzucht zu bezichtigen. - 34 Barettis Vorfall: 
S. Archenholz, a.a.O., Bd. II, S. 592-593; demnach wurde 
Baretti von zwei Englandern in London auf der StraBe ange- 
grifTen; er erstach sie mit einem Messer ; in einem ProzeB wurde 
er freigesprochen. Ober ihn s. zu C 2. - 36JJ. Sprachunrichtig- 
keiten ...furs ... vor: Dartiber vgl. zu A 118. 
198 1 Mad. Comely: S. 196, 37. - p Italien kuttftig: Die Rezension 
ist nicht erschienen; daB Lichtenberg auch diesen Teil gelesen 
hat, geht aus K 349 hervor. - 



Erstveroffentlichung und Satzvortage: »Gottingische Anzeigen von ge- 
lehrten Sachem 124. Stiick. Den 4. August 1798. S. 1225 -123 2. Am 
Rande der Rezension steht im Exemplar der Gottinger Staats- und 
Universitatsbibliothek notiert: Lichtenberg. 

Zur Entstehung: Lektiire des »Physikalischen Worterbuches« bezeugen 
L859. 872. 923 (ca. 15. Marz-i5juli 1798 niedergeschrieben). In 
diesem Zeitraum durfte auch die vorletzte Rezension Lichtenbergs 
entstanden sein, die Guthke a.a.O., S. 339, als Nr. 45 auffuhrt. 



198 12 Dieterichschen Verlag: Ober den Verleger Johann Christian 
Dieterich vgl. zu B 92. - 14/. atomistischer . . . dynamischer Lehr- 
art: »Dasjenige System nach welchem alle Korper aus den Ato- 
men zusammengesetzet sind, und deren verschiedene Arten 
bloB in den verschiedenen Gestalten der Grundkorperchen 
ihren Grund haben, heiBt das atomistische System oder die 
Corpuscularphilosophie und wird von dem dynamischen System, 
nach welchem der Materie wesentliche Krafte inhariren, unter- 
schieden.« Fischer, o. c. I, p. 159. Vgl. zu K 319. - 17 Fischer: 
Ober Johann Carl Fischer vgl. zu L 859. - 18 gr. Oktav: Buch- 
format: GroB-Oktav, bis 25 cm Hohe: Lexikonformat; im 
ubrigen vgl. zu 23, 26. - 19 Quart: Papierformat; zweimal ge- 
falzter Bogen mit 4 Blattern oder 8 Seiten, bis zur Hohe von 



REZENSIONEN 8 1 

35 cm gebrauchlich; s. auch 257, 23. 429, 21. 546, 9. 559, 27. 
985, 25. - 23 Werke des sel Gehlers: Gemeint ist das »Physika- 
lische Worterbuch oder Versuch einerErklarung der vornehm- 
sten Begriffe iind Kunstworter der Naturlehre ... in alphabeti- 
scher Ordnung«, 4 Teile, Leipzig 1787-1791; Supplementband 
1795. von Johann Samuel Traugott Gehler; iiber ihn vgl. zu 
H193. 

199 8 Kohasion: innerer Zusammenhalt der StorTe, beruhend auf 
elektr. Kraften, die die Atome oder Molekiile eines Stoffes 
aufeinander ausuben. - 8 Dampfe: Vgl. zu K 335. - $f, Elektri- 
zitat (tierische): Das durch Galvanis Froschschenkelversuche 
entdeckte Phanomen beschaftigte die europaischen Physiker 
im letzten Jahrzehnt des i8js. - 13 Registerschreiber-Augen: Von 
»unserer registerartigen Gelehrsamkeit« spricht Lichtenberg 
schon D 255; vgl. die Anm. ebenda; s. aucb 381, 22. - 14 Kom- 
pilier-Trieb: Vgl. zu 87, 24. - 26 einfache Erden: Vgl. zu K 328. 
Erden: Minerale. - 27 Klaproth: Ober Martin Heinrich Klap- 
roth vgl. zu K 182. - 29 Scheidekiittstler: im i8.Jh. gebrauchlich 
fur: Chemiker; s. auch 561, 19. - 33 Laplace in seiner ... Dar- 
stellung des Weltsy stems: Ober ihn vgl. zu J 1990. 

200 lof. Anziehungs- und Zuruckstofiungskraft: Vgl. zu K 319. - 17 
neuen Chemie und einer neuen Philosophie: Gemeint ist die anti- 
phlogistische Chemie Lavoisiers und die Theorie Kants, die 
Lichtenberg auch 478, 12 f. 1053, 23 als >neue Philosophie< be- 
zeichnet. - 2p/. zweite Auflage von Kants metaphystschen An- 
fangsgrunden der Naturlehre: Kants »Anfangsgriinde der Natur- 
wissenschafu waren bereits ein Jahr nach Erscheinen (1786) in 
Riga 1787 neuaufgelegt worden. Vgl. Lichtenbergs Brief an 
Heyne (IV, Nr. 557, S. 732, 23) vom 27. April 1788. 

201 5 Gravitation: Schwerkraft. - 14 antiphlogistischen Chemie: Ge- 
meint ist die Chemie Lavoisiers; vgl. zu J 1069; s. auch 1038, 
31. - i8f. Kbnigsbergischen Weltweisen: Gemeint ist Kant; Welt- 
uwernannte man im i8Jh. den Philosophen: vgl. zu 226, 14. - 
22 Impenetrabilitat: Undurchdringlichkeit; zu diesem BegrifF 
vgl. zu H 176. - 29 Kantischen System: Dazu vgl. zu F, S. 644 
(I)- ~ 33 f/* Artikel Grundkrafte: Er erschien in Bd. 2 des »Physi- 
kalischen W6rterbuchs« Gottingen 1799, S. 321-341. -33 dyna- 
mische System: Vgl. zu 198, I4f. 

202 2 zu geben: Lies im Text: zugeben. - 16 Kant in seinem Buche: 
Vgl. 200, 29. - 22 das atomistische System: Vgl. zu 198, I4f. - 
32 Mercators-Karte: Ober Mercator vgl. zu F 47. - 34 Mairan 
statt Nairne: Ober Jean Jacques Mairan vgl. zu KA 170; iiber 
Nairne vgl. zu K 412. 



Streitschriften 



TIMORUS 



ErstveroffentHchung und Satzvorlage: »Timorus, das ist ( Vertheidigung 
zweyer Israeliten, die durch die Kraftigkeit der Lavaterischen Beweis- 
griinde und der Gottingischen Mettwtirste bewogen den wahren 
Glauben angenommen haben, von Conrad Photorin, der Theologie 
und Belles Lettres Candidaten.« Berlin 1773, 78 S. Der Abdruck be- 
riicksichtigt die in den Anmerkungen genauer nachgewiesenen Ver- 
besserungen von Lichtenbergs Hand, wie sie D 106 notiert bezie- 
hungsweise Lauchert, a. a. O., S. 10, nach den »Vermischten Schriften« 
wiedergibt, wo es in der Vorrede zu Band 3, S. V, heiBt: »Auch der 
Timorus hat einige, wiewohl nur unbedeutende Verbesserungen, die 
von dem Verfasser angemerkt waren, erfahren.« Ein Manuskript der 
Satire ist im Nachlafi nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Im Jahre 1771 erschien in Zurich Lavaters Tauf- 
Predigt »Rede bey der Taufe zweyer Berlinischen Israeliten, so 
durch Veranlassung der Lavater und Mendelssohnischen Streit- 
schriften zum wahren Christentum iibergeheten«. Diese Schrift war 
der AnlaB ftir Lichtenberg, den »Timorus« zu verfassen. In diesem 
Zusammenhang ist folgendes zu erwahnen: Lavater hatte Moses 
Mendelssohn wahrend seines Berliner Aufenthaltes im April 1763 
kennengelernt und von ihm einen derartigen Eindruck empfangen, 
daB er den Plan faBte, ihn zum Christentum zu bekehren. Als Vor- 
rede zu der von ihm iibersetzten Schrift (s. C 92) »Herrn Carl 
Bonnets . . . philosophische Untersuchung der Beweise fur das Chri- 
stentum^ die August 1769 in Zurich erschien, druckte er ein Schreiben 
»An Herrn Moses Mendelssohn in Berlin«, in dem er diesen auf- 
forderte, Bonnet zu widerlegen oder zu tun, »was Socrates gethan 
hatte, wenn er diese Schrift gelesen und unwiderleglich gefunden 
hatte. « Mendelssohn legte daraufhin in dem »Schreiben an den Herrn 
Diaconus Lavater zu Ziirich«, erschienen Dezember 1769 in Berlin 
und Stettin bei Friedrich Nicolai, das Bekenntnis zur jiidischen 
Religion ab und die Grunde dar, die ihn hinderten, gegen die Lehre 
einer fremden Religion orTentlich Stellung zu nehmen (s. auch 557, 
4fF. und C 39. 40). Dieser Streit, »die erste Religionsdisputation, bei 
der der Vertreter des Judentums in den Augen aller maBgeblichen 
Denker seiner Zeit den moralischen Sieg errang« (Domke), hat in 



TIMORUS 83 

der OfFentlichkeit gewaltiges Aufsehen gemacht. Fast dreiBig 
Schriften erschienen zu diesem Streitfall im Laufe des Jahres 1770; 
die Literatur ist verzeichnet in der »Allgemeinen deutschen Biblio- 
thek«, Band XIII, 2. Stuck 1770, S. 388-396. Lichtenbergs Stellung- 
nahme geht eindeutig aus den Sudelbiichern hervor (s. C 39. 40). 
Den Ietzten AnstoB zu der Satire erhielt Lichtenberg durch die Tat- 
sache, daB nach der Berlin-Zurcherischen Juden-Taufe Lavaters am 
12. Marz 1771 in Gottingen selbst eine solche Taufe stattfand: 
Simon Ballin aus Bovenden lieB sich am 2.Juni 177 1 in Weende bei 
Gottingen, Hirsch Marcus ben Mardochai aus Bendzin am 25. August 
1 771 in Gottingen taufen. 

Folgt man dem Datum, das Lichtenberg 236, 12 einsetzt, so ist 
die Satire unter dem unmittelbaren Eindruck dieser Ereignisse 
niedergeschrieben. Eigentliche Beweise fiir dieses Datum gibt es 
nicht. Eine Bemerkung in E 150 spricht vielmehr dafiir, daB Lichten- 
berg dieses Werk sehr uberlegt bearbeitet hat: »Es ist mir so gegangen 
als ich meinen Timorus schrieb. Ich [habe] oft mit dem, was ein 
Aufsatz im Sudelbuch war, einen Ausdruck schattiert.« Dieser Notiz 
scheint eine AuBerung zu widersprechen, die Lichtenberg in einem 
Brief an Ramberg (IV, Nr. 154, S. 301) am 25. Dezember 1777 tat: 
»Der Haupt-Fehler ist, ich habe das Werk so ganz heiB, wie es aus 
der Esse kam, dem Publikum iibergeben, ich hatte billig erst das 
LoschfaB driiber spiel en lassen miissen.« Diesen Worten miiBte man 
entnehmen, daB Lichtenberg rasch hingeworfen und publiziert habe, 
was tatsachlich aber nur dann denkbar ware, wenn Lichtenberg die 
Satire erst kurz vor ihrer VerofFentlichung zu Papier gebracht und 
nicht mehr iiberarbeitet hatte: namlich Friihjahr 1773. Naher als 
diese SchluBfoIgerung liegt jedoch die Vermutung, daB Lichtenberg 
auch in diesem - belletristischen - Fall sich vorsorglich von seinem 
Erzeugnis distanzierte. Dieser Haltung gegeniiber der OfFentlichkeit 
entspricht Lichtenbergs Versteckspiel mit seiner Verfasserschaft. 
Dazu vgl. Deneke, a.a.O., S. 185-186; ferner IV, 127-128. 146-147. 
158-159. 163-164. 180-181. 

Die Satire erschien Ende Mai 1773. Ihren Druck hatte Boie ver- 
mittelt (s. IV, Nr. 75, S. 154), der das Manuskript am 15. April 1773 
an Nicolai sandte, welcher es zwar positiv beurteilte (s. IV, 127), es 
aber nicht selbst druckte, sondern orTenbar an Hartknoch in Konigs- 
berg (s. IV, S. 301) vermittelte. Ober die Vermittlertatigkeit Boies 
und seine Korrespondenz mit Nicolai s. Deneke, a.a.O., S. 184-185 ; 
IV, 155. 196. 

Zum »Timorus« sind 3 Rezensionen erschienen (s. auch C 254). 
Die erste erschien am 22. Juni 1773 im »Wandsbecker Bothen« 
Nr. 99 ; ihr Verfasser ist nicht bekannt, man hielt Matthias Claudius 
selbst "dafiir. Die Rezension ist bei Deneke, a.a.O., S. 187-188 
wiederabgedruckt; vgl. E 155; ferner 523, I5flf.). Eine weitere Re- 



84 STREITSCHRIFTEN 

zension erschien am 16J11I1 1773 in den »Frankfurter gelehrten An- 
zeigen« S. 474f. Sie ist wiederabgedruckt bei Deneke, a.a.O., 
S. 189; s. auch Lichtenbergs Brief an Nicolai (IV, 196); ferner 
E245; 524, 6fF. 525, 9ff. Eine dritte Rezension erschien in der 
»Allgemeinen deutschen Bibliothek«, Berlin 1776, Anhang zu Band 
13-24, 1770-1775, Abt. 2, S. 950-953 (s. IV, 273). AuBer diesen 
offentlichen Besprechungen sei hier noch eine private Beurteilung 
mitgeteilt. Am 27.Juni 1779 schreibt Kasrner an Friederike Baldin- 
ger (ed. Bopp, Nr. 78, S. 126) : »Ich kann aber nicht leugnen, daB 
unter den Ursachen, die mich veranlassen schlecht von ihm zu 
denken, die Schrift von den Judenbekehrungen eine der ersten sehr 
wirksamen ist. Der Spott darin ist, wenn er auch gerecht ware, doch 
ganz ungesittet, und die Vergleichung der Argenis mit der Bibel 
wider alle Achtung, die ein Mensch, der unter Christen leben will, 
seinen Mitburgern schuldig ist.« 

Obrigens hat einer der beiden von Lichtenberg satirisierten Pro- 
selyten, Hirsch Marcus, jetzt Christian Philipp Gottinger, eine 
Schrift gegen den »Timorus« aufgesetzt, von der Dieterich eine Ab- 
schrift Lichtenberg zustellte, welcher zunachst einen von ihm glos- 
sierten Druck beabsichtigte (s. IV, 157-158. 197); s. ferner Deneke, 
a.a.O., S. 190-192 und F 1004. 

Zum SchluB mochte ich an dieser Stelle Hinweise auf Passagen 
anderer Texte dieses Bandes geben, in denen Lichtenberg ahnlich 
wie im »Timorus« einen gewissen Antisemitismus verrat, ein Zug, 
der nicht totgeschwiegen werden darf und (iber den der Herausgeber 
eine gesonderte Studie vorbereitet. Derartige Passagen sind; 366, 
2irF. 699, 2ofF. 752, 29fE; s. ferner 292, if. 453, 3f. 803, i9fF. 

Literatur: Deneke, a.a.O., S. 183-193; Schneider, a.a.O., Bd. I 
S. 166-169; Mautner, a.a.O., S. 85-88. 



205 1 Timorus: griech. Racher. - 9 Conrad Photorin: Ober dieses 
Pseudonym - die grazisierte Form von: Lichtenberg - auBert 
er sich in einem Brief (IV, 163, 3 if.) vom 13. August 1773. 
Lichtenberg verwendet das Pseudonym auch 526, 18 und 539, 
2. 552, 34; vgl. auch 427, 13. Im ubrigen s. zu C 222. - 10 
Belles Lettres Kandidaten: Diese Formel begegnet ahnlich 427, 
14. - 10 Belles Lettres: Schone Wissenschaften. Vgl. auch 273, 
21. 314, 25. 594, 36. 608, 14. 

206 1 An die Vergessenhett: Auf diese Zueignung spielt Lichtenberg 
auch C 254 an. Vielleicht ist Lichtenberg durch Swifts »Tale of 
a Tub« angeregt, das dem »Prinzen Nachwelt« dediziert ist. 

207 1 6 rigoris gallici in demonstrando: der strengen gallischen Beweis- 
fuhrung. 



TIMORUS 85 

208 5 der Tiirhuter: Zu diesem Bild vgl. F 954; s. auch 558, 26. - 
p Vauxhall: seit 1661 offentlich zuganglicher Park im Londoner 
Stadtteil Springgarden, wo Konzerte, Maskenballe und Tanz- 
abende abgehalten wurden. Lichtenberg gebraucht den Be- 
griff auch in den Briefen (IV, 79 und LB I, S. 142), ferner 
RA 120. - 1 if Begierde . . . um die Zeit des ersten Barts: Zu dieser 
Wendung vgl. B 132. 204. Lichtenberg verwertet sie auch 509, 
25. 587, i2f. 613, 37f. - 25 Segensfliiche: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 58, 151". 

209 p Lafit den Teufel brummen ...; Das Lied war weder in Albert 
Fischers Kirchenlieder-Lexikon noch in Hermann Norr: 
Kirchenlied-Konkordanz, Neuendettelsau 1953. unter dem 
Stichwort: Teufel (ibid. S. 343-344) nachweisbar. Womoglich 
handelt es sich um ein pietistisches Lied (vgl. IV. 507,28) oder ein 
Lied aus dem Pfalzischen Gesangbuch. - 14 auf einer ansehn- 
lichen Universitat: Gemeint ist die Georgia Augusta in Gottin- 
gen. - 16 da stille zu sitzen: Lies: da stille sitzen. - ip zwei- 
hundert Federkiele, die Bhistifte nicht . . . gerechnet: Diese Wen- 
dung ist D 666 entnommen. - 22 Kehricht: von mir ent- 
sprechend D106 verb, aus: Schutt. - 23 schweren und feinen 
Rettungen: Diese Wendung fehlt in den »Vermischten Schrif- 
ten«; ob absichtlich von Lichtenberg selbst gestrichen oder nur 
versehentlich im Druck ausgefallen, ist nicht sicher. - 32 zwei 
ehrliche Israeliten: Cber sie s. oben S. 83. - 35 Conquete: 
Eroberung. 

210 7/. dutch Mettwiirste bekehrt: Anspielung auf die seinerzeit be- 
ruhmte Gottinger Spezialitat - s. auch 230, 37-535. 15.621, 15- 
sowie das jiidische Verbot, Schweinefleisch zu essen. Noch in 
der Miszelle »Judische Industrie neben hollandischer Frugali- 
tat« (GTK 1799, S. 210) fragt Lichtenberg ironisch: »Es geht 
doch nichts iiber die Juden. Man will es nur nicht immer 
recht erkennen. Man erlaube uns hierbey nur die einzige Frage; 
wurde wohl Herr Reynsdorp, wenn er ein Liebhaber von 
Mettwiirsten gewesen ware, die Verfertigung derselben in 
seinem Hause einem Juden anvertrauet haben, gesetzt auch, der 
Jude habe sich, nach einem gegebenen Recept, damit befangen 
wollen? -« - i4f Bad der Wiedergeburt: Gleichnis und InbegrifF 
der christl. Taufe. Das Bild ist entnommen aus Titus 3,5: 
»Nicht um der Werke willen der Gerechtigkeit, die Wir getan 
hatten, sondern nach seiner Barmherzigkeit machte er uns 
selig, durch das Bad der Wiedergeburt und Erneurung des 
heiligen Geistes.« Vgl. auch Briefe (IV, 408. 551). - 37 beiden 
Neubekehrten: von mir verbessert aus: ... Unbekehrten, das 
zweifellos Druckfehler ist. Uber eine der beiden Judentaufen 
berichtet ubrigens Fortsch in den »Gottingischen Anzeigen 
von gelehrten Sachen« 1771, S. 1105. 



86 STREITSCHRIFTEN 

211 4 W,: Weende; dort lieB sich Simon Ballin am 2juni 1771 
taufen. - lof.zuB im Stockhause gesessen: wohl nicht Braun- 
schweig, wie Leitzmann vermutet, sondern Bovenden, woher 
Simon Ballin stammte. -12 Sophismata: Mehrzahl von griech. 
Sophisma: Spitzfindigkeiten, >Scheingriinde<. - 52 Due de 
Choiseul: Etienne Francois Herzog von Choiseul-Amboise 
(1719-1785), frz. Staatsmann, seit 1758 AuBenminister, 1761 
auch Kriegsminister; durch den EinfluB der klerikal gesinnten 
Dubarry wurde er Weihnachten 1770 gestiirzt und verbannt. - 
32/. dasganze Parlament von Frankreich verwiesen: Diese histori- 
sche Kuriositat war nicht belegbar. - 34/. einige heilige Leute 
des neuen Testaments: Zu denken ware etwa an Petrus und 
Paulus. 

212 14 Richelieu: »Es ist bekannt, daB eben diese Argenis das Lieb- 
lingsbuch Richelieu's, des staatsklugsten Marines seiner Zeiten, 
war«, schreibt J. C. L. Haken in der Einleitung zu seiner Uber- 
setzung der »Argenide« Berlin 1794, S. XVIII. Ober ihn vgl. 
zu C 138. - 14 Leibniz: Ober ihn vgl. zu A 9. »Auf der konigl, 
Bibliothek zu Hannover wird das Exemplar von der Argenis 
gezeigt, worin er zufolge die Nachricht, welche Eccard darin 
geschrieben hat, kurz vor seinem Ende gelesen hat«, heiBt es in 
einer FuBnote am Ende der »Lobschrift auf Gottfried Wilhelm 
von Leibnitz«, erschienen im »Hannoverischen Magazin«, 
96. Stuck, Sp. 1 521-1536; 97. Stuck, Sp. 1537-1550; 98. Stuck, 
Sp. 1553-1558, vom 5. Dezember 1768. - is Barclajus ... in 
seiner Argenide: Ober Barclay s. zu C 207. In diesem Zusammen- 
hang ist eine hochst boshafte AuBerung Kastners von Interesse, 
die sich in einem Brief an Friederike Baldinger (Briefe aus 
sechs Jahrzehnten. Berlin 1912, Nr. 78, S. 127) vom 27.Juni 
1779 findet: »Nun aber ist das Buch auch Photinors [Photorins] 
Leibbuch. (Anm. Kastners: Und wer weiB noch, ob er es la- 
teinisch liest oder in Opitzens Verdeutschung) Das kommt mir 
gerade so vor, als wenn die Mama Lofs Kochbuch auf dem 
Tische liegen hat, manchmal hineinzusehen, und Malchen 
studiert auch darin. Doch nein, Malchen kann doch einmal das 
Kochbuch brauchen lernen, aber Photinor wird nie iiber Staats- 
sachen befragt werden.« - i6f. Nunc ...jacere: Nun hat es das 
Schicksal so eingerichtet, daB es bei vielen Volkern beinahe als 
Zeichen eines ausgezeichneten Geistes gilt, von Konigspalasten 
ferngehalten zu werden oder in ihnen unbeachtet zu sein. Das 
Zitat fmdet sich Barclay, o.c.I, p. 62 der Ausgabe Francofurti 
1623. Dieses Exemplar der Gottinger Staats- und Universi- 
tatsbibliothck tragt ubrigens auf dem Schmutzblatt die hand- 
schriftliche Eintragung: »Zum Biichervorrath der Konigl. 
Deutschen Gesellsch. geschenckt von dem Herrn Professor 
Gesner der Gesellsch. President. I756.« - 17 Nunc: Danach 



TIMORUS 87 

folgt im Original: (inquit) perversam rationem. - 17 fit: Lies im 
Text: sit. - 17 egregii: Davor stent im Original: ad.-2oBraten- 
wenderstelle: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg pejorativ 
auch 375, 27. 644, 13. 830, 9. 832, 15. 1001, 9; im iibrigen vgl. 
zu D 757. - 27/ den Akzent ... gelegt haben: Diese Wendung 
begegnet auch in dem Satiren-Fragment »Zwo SchrifFten, die 
Beurteilung betreffend ...« (Aus Lichtenbergs NachlaB, Wei- 
mar 1899, S. 27. 45). - 29 Poetaster: Diese Wortpragung fiir: 
Dichterling begegnet laut DWB 7, 1970 bereits bei Fischart 
1665. Lichtenbergs Beleg ist nicht notiert. Lichtenberg ge- 
braucht den Ausdruck auch 689, 36 f. 848, 12. - 32 Weifi- 
binderei: WeiBbinder nannte man seinerzeit den Anstreicher. 
DWB 14, 1201 bringt von Lichtenberg als Beleg 336, 21 f. 
Lichtenberg gebraucht den Ausdruck Briefe (IV, 639). - 
36Ziegra: Uber Christian Ziegra vgl. zu C 231. - 36Jacobismus: 
von Lichtenberg heftig bekampfte literarische Mode a la Jo- 
hann Georg Jacobi; iiber ihn vgl. zu B 47. 

213 lf.deutschen Gesellschaften: akademische Institutionen, etwa in 
Leipzig (Gottsched) und Mannheim, die sich der deutschen 
Sprach- und Literaturprlege annahmen; in Gottingen bestand 
eine »Deutsche Gesellschaft« seit 1740. S. auch 531, 6. 720, 5. - 
6 Plunder: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 298, 30. - 19 Seele des 
Genies: Zu Lichtenbergs Aversion gegenuber dem >Genie-Kult< 
seiner Zeit vgl. 306, 91". 331, 2f. 333, 24. 370, 12. 577, 16. 895, 4. 
994, 8; s. auch Briefe (IV, 252). - 36 Zinzendorf: Nikolaus Lud- 
wig Graf von Z. (1700-1760), Begriinder der Herrnhuter 
Briidergemeinde und pietistischer Liederdichter. Die Herkunft 
der AuBerung konnte nicht ermittelt werden. Zu Lichtenbergs 
Stellung zu Pietismus und Herrnhutern vgl. zu 193, 22. - 
37 General Fischers: Johann Christian Fischer (171 3 -1762), 
geburtig aus Stuttgart, frz. General, beruhmt-beruchtigter An- 
fiihrer eines Husarenfreicorps. Die Herkunft des Ausspruchs 
konnte nicht ermittelt werden; vgl. auch B 26, wo Lichtenberg 
seinen Namen durch den des Feldmarschalls Luckner ersetzt. 

214 2/. Fahne desLammes: das Lamm mit der Kreuzfahne: Sinnbild 
des leidenden und auferstandenen Christus, den die christl. 
Symbolsprache nachjoh. 7,29.36, auch Offenbarung Joh. 5,6 
als »Lamm Gottes« apostrophiert. - 8 Industrie: Fleifi. - 10 
Corpore: im Korper. - i6f. Stoiker ... leugnet die Grade der 
Moralitat: Dieser Satz geht auf KA 166 zuriick; s. auch 244, 11. 
- 27 Pupillen: abgeleitet von engl. >pupil<: Schiiler, MundeL - 
31 armen Teufel: Zu diesem von Lichtenberg sehr oft gebrauch- 
ten Ausdruck vgl. B137 und die Anm. dazu; s. insbesondere 
auch H 60. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck ferner 216,24. 
340, 20 f. 351, 35. 524, 21. 537, 15. 572, 4- 604, 25f. 617, 4. 671, 
6. 679, 13. 707, if. 715, i6f. 746, 23 f. 754, 34. 762, 9. 784, 12. 



88 STREITSCHRIFTEN 

789,38. 793,15- 809,17. 889,7. 892, 3 5 f. 894,3- 908,24. 
939, 3- 954, 4. 976, 34. 979, 30. 980, 37- 98l, 15. 9»3, 29. 1003, 
18. 1044,3. 1045,29- ^ 

215 16 Staupbesen: Grofie Rute, mit der seinerzeit Delinquenten 
vom Scharfrichter offentlich gestaupt wurden. Diese Stelle 
wird im DWB nicht angefiihrt. S. auch 246, 25f. 418, 13. 763, 
24. 783, 19 f. - 2$f. Komodiant, ein Gotteslasterer ... Strafien- 
rauber: Diese Zusammenstellung gebraucht Lichtenberg be- 
reits in den »Zwo Schrifften die Beurteilung betreffend ...« 
(Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 1899, S. 49) sowie in 
einem Brief an Johann Christian und Christiane Dieterich (IV, 
Nr. 30, S. 52) vom 17. Marz 1772. - 30 f. Vom Ursprung der 
Lybes- und Lebensstrofen ...: Wie Lichtenberg an Johann Daniel 
Ramberg (IV, Nr. 154, S. 301) am 25. Dezember 1777 mit- 
teilt, ist das Buch »eine Erdichtung von mir und die ganze 
Stelle von dem Konigsbergischen Setzer ... erbarmlich ver- 
hunzt.« 

216 1 ups: nach den »Vermischten Schriften« verb, aus: ap$. - 6umb: 
nach den »Vermischten Schriften« verb, aus; und de Stadt. - 
17 tnuflte oder: nach den »Vermischten Schriften« verb, aus: 
muBte de, - 21 or: nach den Wermischten Schriften« verb, aus: 
er. 

217 4f. zwxschen Geist und Fteisch Friede machen: Diese Wendung 
notiert Lichtenberg in C 51 ; s. auch die Anm. dazu. - p Asgen: 
abgel. von As: fruheres Gold-, Silber- und Miinz-, auch Han- 
delsgewicht in Deutschland; Unterabteilung der Mark; Lich- 
tenberg gebraucht es auch Briefe (LB I, 76) und D 83. - 2?f. 
Beccaria von Verbrechen und Strafen: Uber Cesare Marchese de 
Beccaria und sein beruhmtes Werk s. zu A 186. Moglicherweise 
ist aber Lichtenbergs Digression iiber den »bedrangten Orden 
der Spitzbuben« eigentlich veranlaBt durch die im »Hannoveri- 
schen Magazin« gefiihrte Diskussion »Von Ausrottung der 
Diebes- und Rauberbanden«, wie der Titel eines Aufsatzes 
ebenda im 41. Stuck, Freitag, 24. Mai 1771, lautet. - 2g Pol- 
hohe: Der Ausdruck begegnet auch C 209, und demgemaB in 
der Vorrede zur »Methyologie der Deutschen« (318, 14). Lich- 
tenberg entnahm ihn, wie aus KA 14 hervorgeht, Vitruv: 
elevatio poli; s. auch 346, 17. 

218 p Bettler: nach D 106 von mir verb, aus: Artnen. - 9f* Drei- 
groschenstuck ... Trdne: Diese Zusammenstellung notiert Lich- 
tenberg in C 22; im iibrigen vgl. zu 17, 27. - 1 1 peinlichen Hals- 
gerichtsordnung: der letzte Akt des ma. Kriminalprozesses, in 
dem auf Todesstrafe erkannt wurde. Halsgerichtsordnungen 
uberhaupt wurden die im 15. und i6Jh. in Deutschland er- 
lassenen Gesetze iiber das Strafverfahren und Strafrecht ge- 
nannt. Besondere Bedeutung erlangte die Bamberger H. von 



TIMORUS 89 

1507 als Vorlauferin der Carolina. S. auch 456, 15. - 1 8 Taschen- 
buffer: Taschen-Pistole. 

219 16 Febricitanten : Fieberkranken. - 22 f. Juden, der inG... getauft: 
In der Johanniskirche zu Gottingen wurde am 25. August 1771 
Hirsch Marcus getauft. - 31 mafien: Dieses Kanzleiwort begeg- 
net auch 411, 36; im ubrigen vgl. zu D 482. - 3$ Zweideutig- 
keitenreifler: Womoglich ist Voltaire gemeint; die Stelle konnte 
von mir jedoch nicht ermittelt werden. 

220 jgf. mit den Herrnhutern ein gesalbtes Wesen nennen: Die Wen- 
dung gebraucht Lichtenberg auch B 314; s. die Anm. dazu; im 
ubrigen vgl. zu 193, 22. - 24/. Superklugen: Diesen Ausdruck 
gebraucht Lichtenberg auch D 445 ; vgl. die Anm. dazu ; 
Superfein pragt Lichtenberg 348, 8. 918, 7. - 25 G.; Gemeint ist 
natiirlich Gottingen. 

221 6f. meinen seligen Herrn Tauf paten. . . Konsistorialrat W.: Gemeint 
ist laut Taufregister (s. Deneke, S. 9) : »Joh. Georg Wachter 
ftirstl. HeB. Cammer Secret: zu Darmstatt«; Lebensdaten unbe- 
kannt. - ij Michaelis: Ober Johann David Michaelis vgl. zu 
KA 212. - 17 Kennicot: Benjamin Kennicot (1718-1783), engl. 
Theologe und Philologe in Oxford, gab 1778-1780 »Vetus 
Testamentum Hebraicum« heraus. Lichtenberg erwahnt ihn 
auch Briefe(IV,4ii). - i7Schultens: Albert Schultens (1686 bis 
1750), niederland. Hebraist und Arabist, seit 1732 Prof, in 
Leiden; begriindete die Erforschung der hebraischen Sprache 
mit Hilfe des Arabischen. - 2if. Roggenkaffee: Dieser Ausdruck 
begegnet auch B 144. - 22 Luthers Obersetzung: Ober Martin 
Luther und seine Bibeliibersetzung vgl. zu KA 189. - 28 Zehnt- 
wache: So nannte man seinerzeit die Amtsdiener, die die Ein- 
bringung des Zehnten zu beaufsichtigen hatten. Im DWB 
15, 463 wird diese Stelle aus Lichtenberg als einziger Beleg 
angefuhrt. 

222 j Astrologie und Chiromantie: Sterndeutung und Handlesekunst. 
- 14 Kasebier: Die Lebensdaten dieses StraBenraubers sind mir 
nicht bekannt. Lichtenberg erwahnt ihn auch 240, 22. 720, 18 
sowie in den Briefen (IV, 428). - 14 Shakespear: Ober Wil- 
liam Shakespeare vgl. zu A 74. - 28/. das Pulver nicht erfunden: 
Diese Wendung begegnet auch B 378. - 33 nichtswiirdige 
Kunst: von mir verb, aus: Lust, das vermutlich Druckfehler 
ist. 

223 1 hiesigejude: Gumprecht? - 1 Oliver Cromwell: Ober ihn vgl. 
zu KA 2.-2 Richard Cromwell: Richard C. (1 626-1 712), Sohn 
Oliver Cromwells, 1658 dessen Nachfolger im Protektorat, 
aus dem er bereits 1659 verdrangt wurde. - 3 Sancho Pansa: 
Figur des bauernschlauen Dieners aus dem Roman »Don 
Quijote« von Cervantes; iiber ihn s. zu Cn. Lichtenberg er- 
wahnt ihn auch 417, 7. Im ubrigen vgl. zu 417, 1.-10 vehiculis: 



90 STREITSCHRIFTEN 

Plural von Iat. vehiculum: Fahrzeug. -15 Galabegebenhetten: 
Ahnliche >Gala<-Wendungen begegnen 382, 23. 433, 23. 716, 
12. 847, 19. 861, 11. 863, 23. 873, 14. 881, 5. 917, II. - 2$ Auf- 
schuhy den der Abdruck ... erlitten: Die Schrift, 1771 verfaBt, er- 
schien erst 1773 im Druck; s. oben S. 83. - 29/. Lavaters ... 
Physiognomik: Gemeint ist Lavaters - tiber ihn vgl. zu A 129 - 
Veroffentlichung »Von der Physiognomik«, die, herausgegeben 
von Johann Georg Zimmermann, dessen Vorbericht vom 
20.Marz 1772 datiert ist, in zweiter Auflage bei Weidmanns 
Erben und Reich 1772 in Leipzig erschien. Lichtenberg er- 
wahnt sie auch 261, 9 f. und KA 278. F 804. - 30/. aus den 
Handen den ganzen Mann erkennen: Gemeint ist Lavaters Auf- 
satz »Von der Physio gnomik«, erschienen im »Hannoverischen 
Magazin« 10. Stuck, Montag, den 3 ten Februar 1772, Zweyter 
Abschnitt, Sp. 159-160: »Allein ich getraue mir zu behaupten, 
. . . daB ein hoherer, ein englischer Verstand aus einem Gelenke 
oder Muskel die ganze auBere Bildung, und den allseitigen 
Contour des ganzen Menschen bestimmen konnte . . .« - 52 Ac- 
coucheur: Geburtshelfer. - 55 Genie . . . Non-Genie . ..Junfer oder 
Non-Jungfer: Ahnliche Zusammensetzungen bildet Lichtenberg 
777, 2. 917, 25. 1024, 15. Im ubrigen vgl. zu C 201. - 37 Flu- 
xionen: als Fluxion: FluB der Funktion bezeichnete man den 
Differential quotienten dy/dt. - 3 8 Ficke: niederdt. Tasche. - 
39 Hand fur das Gesicht: Lies entsprechend D 106: vor das Ge- 
sicht; im ubrigen vgl. zu A 118. 

224 ig Drurylane: ehemals beruchtigter StraBenzug in London, in 
dem sich das Drury Lane Theatre (eroffnet 1683) befindet; 
s. auch 337, 11. 340,22. 343,2- 354. 16. 358,26. 365,9. 366, 
10. 758, 27! 796, 34. 807,3. 809, 18. 858,25. -27 Influxionisten...: 
d. h. Anhanger der Lehre des Descartes von dem wechselseiti- 
gen EinfluB des Leibes (influxus physicus), der Materie auf die 
Seele, wahrend die Okkasionalisten a la Geulincx und Male- 
branche annahmen, daB durch gottlichen Eingriff, bei >Gele- 
genheit< der psychischen Vorgange das entsprechende phy- 
siche Ereignis eintrete; der psychologische Parallelismus dage- 
gen verneint den okkasionellen Eingriff Gottes und behauptet 
entsprechend Leibniz eine >prastabilierte Harmonie< beider Be- 
reiche. - 28 mein bekanntes Pulversystem: Vgl. dazu A 56 und 
228, 33.-32 Oscitanz: Schlafrigkeit. Lichtenberg gebraucht den 
Ausdruck auch F 664 und in Briefen (IV, 497, 17. 987, 15). - 
36 Garrick: Uber David Garrick s. zu KA 169; vgl. ferner die 
»Briefe aus England«. 

225 3 gewisse Krankheiten zu heilen: Zu dieser >Heilmethode< vgl. 
801, 29fF. und die Anm. dazu. - 19 der letztere gar in das Bette 
legte: Das Mannerkindbett erwahnt Lichtenberg auch C146. - 
24 Entdeckungen auf der geraden Heerstrafie: Zu diesem Bild vgl. 



T1MORUS 91 

J 1633 und die Anm. dazu. - 29 Telle: von mir entsprechend 
D 106 verb, aus: Half ten. -36/. Beispiel von den beiden zusammen- 
gewachsenen Madchen: Dazu vgl. noch meine Einleitung zu »Der 
doppelte Prinz« unten S. 295. 

226 1 Transactionibus philosophicis: Gemeint ist der Artikel Nr. 39: 
»Observationes Anatomico-Medicae, de Monstro bicorporeo 
Virgineo A. 1701, die 26 Oct. in Pannonia, infra Cornaromium, 
in Possessione Szony, quondam Quiritum Bregetione, in lucem 
edito, atque A. 1723. die 23 Febr. Posonii in Coenobio Monia- 
lium S. Ursulae morte functo sepulto. Authore Justo Johanne 
Torkos, M. D. Soc. Regalis Socio. « Mit 2 Kupfern. In »Philo- 
sophical Transactions* Vol. L. Part 1 for the Year 1757, Lon- 
don 1758, p. 311-322. - if Reimari ... Buck von der naturlichen 
Religion: Gemeint ist das zu B 50 genauer nachgewiesene Werk 
»Die vornehmsten Wahrheiten der naturlichen Religion in 
zehn Abhandlungen auf eine begreifliche Art erklaret und ge- 
rettet«, erschienen Hamburg 1754, von Hermann Samuel 
Reimarus - iiber ihn s. zu B 50 -, wo er innerhalb der 6. Ab- 
handlung »Vom Menschen und dessen Seele« (S. 436-441 der 
2. Auflage) von den Siamesischen Zwillingen handelt. - 
3 Spriidiworter, oder die Philosophie der Toren: Zu Lichtenbergs 
Stellung zu Sprichwortern vgl. zu B 248. - 4 omne simile 
claudicat: »Jeder Vergleich hinkt.« Lichtenberg zitiert die Worte 
auch in den Briefen (IV, 488, 23. 722, 1). - 5 similia illustrant 
non probant: Gleichnisse beleuchten, aber sie beweisen nicht. - 
6 Scandalum ecclesiae: Argernis der Kirche. - 6 Prabendarius 
Sterne zu Yorck: Ober Lawrence Sterne vgl. zu B, S. 45 (I). 

Prabendarius : Inhaber einer Prabende : Pfriinde. - 7 vuv 

7njp6^; Nun in der Holle des Feuers. - 7/ Briltenwischen . . . kein 
Syllogismus: Zitat aus »Tristram Shandy «: »auch ich behaupte 
nicht, daB das Abwischen eines Spiegels ein Syllogismus sei«, 
schreibt Sterne in »Tristram Shandy«, Drittes Buch, Vorrede 
des Autors, S. 198 (zit. nach der Ausgabe Winkler 1969). - 
14 Weltweisen: im i8.Jh. gebrauchlich fur: Philosoph; s. auch 
201, i8f. 265, 34f. 538, 14. 549, 14. 554, 23. 764, 1. - 20 mut. 
mut.: mutatis mutandis: mit den notwendigen Anderungen. 
S. auch 459, 19. 548, 22. 866, i7f-953» 25. - 28 purgiert: mediz. 
Fachausdruck: purgieren: zur Ader lassen, reinigen. - 5 if Ku- 
ren Krankheiten ... Unzer in seinem Arzt: »Die Wirkungen der 
Arzeneyen, die Curen, sind also eben sowol Krankheiten, als 
die Uebel, wider welche wir sie gebrauchen.« Der Satz fmdet 
sich in Unzers Zeitschrift »Der Arzt«, Erster Theil, Zweytes 
Stiick, Hamburg 1760, S. 19: »Allgemeiner BegrirT von der 
Lebensordnung«. t)ber Unzer und seine Zeitschrift s. zu A 54. 

227 15 Herzoge: verbessert aus: Hezoge der Druckvorlage. - 1 7/. 
Krankheiten mit Rhabarber und China heilt: Rhabarber war 



92 STREITSCHRIFTEN 

seinerzeit ein gebrauchliches Abf iihrmittel ; China (gemeint ist 
Chinarinde, 1632 erstmals nachEuropa gebracht) gegen fiebrige 
Erkrankungen. - 32/. die Prinzen vom Berge Libation: Die An- 
spielung ist unklar. - 33 die Greifswaldischen Magister zu Upsal: 
Greifswald, das seit 1456 eine Universitat besaB, fi e l 1648 an 
Schweden, dessen traditionsreichste und alteste Universitat 
Upsala seit 1477 bestand. 

228 7 Commercio animae et corporis: dem Verkehr zwischen Seele und 
Leib; Lichtenberg gebraucht diese Wendung auch 455, 30. - 
9 begriffen werden: von mir entsprechend D106 verb, aus: 
haften. -11 Probierstein: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch D 745; vgl. die Anm. dazu. - igLamettrie: Uber ihn vgl. 
zu A 56. - 20geistischer: Diese Schreibweise Lichtenbergs findet 
sich auch 229, 7. 731, 91*. 1018, 16. 1053, 7; im ubrigen vgl. zu 
A 139. - 27 drittehalb PariserZolk: Vgl. zu 25, 1. - 32 mein, oben 
erwahntes System: S. 224, 28. - 35/ unendlich vielen dazwischen- 
fallenden: von mir entsprechend D 106 verb, aus: unendlich da- 
zwischenfallenden. -36 aer fixus: fixe Luft: so nannte man im 
i8.Jhdt. zunachst den von Priestley entdeckten SauerstorT 
(1773), der seinerzeit »dephlogistisierte Luft« genannt wurde. 
Vgl. auch Briefe (IV, 288, 24) und zu K 353. 

229 7 geistische: S. 228, 20 und die Anm. dazu. - 10 Ausschweifung : 
So ubersetzt Lichtenberg die >Digression< a la Sterne; im ubri- 
gen vgl. zu 65, 1. - 21 der hochste Plug des theorisierenden Men- 
schen: Die Wendung findet sich, abgewandelt, in C 334; s. auch 
375, 3 if. - 22$. Sterne ... versprochene Theorie von den Knopf- 
lochern: Anspielung auf das von Sterne im »Tristram Shandy«, 
Viertes Buch, 14. Kapitel, sogenannte »Lieblingskapitel«, von 
dem er ebenda, 15. Kapitel, S. 296 (zit. nach der Ausgabe 
Winkler 1969) sagt: »Und doch, so schon es auch ist [scil. das 
Thema iiber den Schlaf], wollte ich dennoch lieber ein Dut- 
zend Kapitel iiber Knopflocher schreiben, und zwar schneller 
und mit mehr Ruhm, als ein einzigo lilciuuci. 

Knopflocher! In diesem Begriff liegt schon etwas Anregen- 
des. Und glauben Sie mir, wenn ich mich erst dariiber her- 
mache, Ihr edlen Herren mit den langen Barten - Sie mogen 
so finster dreinschauen, wie Sie wollen -, dann will ich mit 
meinen Knopf lochern ein lustiges Spiel treiben. Ich will sie alle 
fiir mich allein haben. Es ist ein jungfrauliches Thema, und 
ich kann dabei niemandes Weisheit oder schone Redensarten 
verwenden.« Ober Sterne s. zu B, S. 45 (I). - 24 Sentinisches 
Gewasch: Sollte diese Wendung von lat. sentina: Grundsuppe 
abzuleiten sein? DWB 10, 1, 615 verzeichnet diesenBeleg nicht.- 
27 Inspektor bei der Munze zu London: Gemeint ist Isaac New- 
ton; iiber ihn s. zu A 79. Er wurde 1698 Munzwardein, 1699 
Master of the Mint. - 28/. ein Apfel ... auf die Nase fiel: An- 



TIMORUS 93 

spielung auf die von Newton entdeckte Gravitation; vgl. KA 
303 und die Anm. dazu. - 33 Tubos: Fernrohre. - 34 Thales: 
Ober ihn s. zu 184, 26. - 34Bianchini: Ober Francesco Bianchini 
vgl. zu D 684. - 34/. bei der Nacht beirn Observieren gestolpert: 
von mir entsprechend D 106 verb aus: bei der Nacht gestolpert 

230 igf. zumal in G,: Zur Gottinger Mettwurst vgl. zu 210, yf. - 
22J. Alles was ihr wollet: »Alles nun, was ihr wollet, daB euch die 
Leute tun sollen, das tut Ihr ihnen: das ist das Gesetz und die 
Propheten«, heifit es Matth. 7,12; ahnlich auch Luk. 6,31 und 
Tobias 4,16. Lichtenberg zitiert diesen Vers auch 245, isf. und 
in einem Brief an Amelung (IV, Nr. 508, S. 661, 24f.) vom 
24.Marz 1786; ferner B128 (S. 81). - 23 dafi euch die Leute tun 
sollen pp: von mir entsprechend D 106 eingefugt. - 36 Buridans 
Esel: dem franz. scholastischen Philosophen Johannes Buridan 
(ca. 1300-ca. 1358) an der Universitat Paris zugeschriebene 
Metapher von dem Esel, der zwlschen zwei Heubundeln stehend 
verhungert, weil er sich fur keines von beiden entscheiden 
kann. Lichtenberg erwahnt ihn auch 693, 23, ferner GTK 1787, 
S. 243. 

231 p der beruhmte St.Whitefield: Ober George Whitefield vgl. zu 
B 39. - p einmal einen Tambour: Das erste Wort ist in den 
»Vermischten Schriften« wohl wegen der Wiederholung: 
einstmalen ausgelassen. - lof. mi t Butler zu reden: »And pulpit, 
drum ecdesiastic,/Was beat with fist, instead of a stick.« Zitat 
aus »Hudibras«, Erster Teil, 1. Kap. Z. 11. Ober Samuel Butler 
vgl. zu B 49. - 1 8 der Konig von Preufien in den Schlesischen 
Kriegen: Anspielung auf die riicksichtslose preuBische Solda- 
tenpresserei und den Willkiirakt Friedrichs II. gegen Oster- 
reich, dem Schlesien seinerzeit gehorte. Ober Friedrich II. 
vgl. zu KA 140. - 31 durchgehen wie die Hollander: Worauf 
Lichtenberg anspielt, konnte ich nicht ermitteln. Zu Lichten- 
bergs negativem Holland-Bild vgl. H.L. Gumbert: Lichten- 
berg und Holland. Utrecht 1973 ; s. auch 376, 10. 800, 5. 841, 7f. 

232 1 p Keine Schwerter und keine Flammen : Ahnlich schreibt Lichten- 
berg von der protestantischen Fakultat in den »Zwo SchrifFten, 
eine Beurteilung betreffend ...« (Aus Lichtenbergs NachlaB, 
Weimar 1899, S. 51). - *p/. die iheologischen Fakultdten zu ... 
Japan: Auf sie spielt Lichtenberg auch in den »Zwo SchrirTten, 
die Beurteilung betreffend ...« (Aus Lichtenbergs NachlaB, 
Weimar 1899, S. 44) an. - 22 Mucken zu wehren: Zu dieser 
Wendung vgl. C 260. Lichtenberg gebraucht sie auch 522, 7. - 
23/. Ein Federstrich . . . Zittert hierbei: Ahnlich >drohende<Wendun- 
gen gebraucht Lichtenberg auch in den »Zwo Schrifften, eine 
Beurteilung betreffend...* (Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 
1899, S. 29. 41). - 33 Proselyten ... machen: Vgl. zu 193, 20. - 
34 Lavater: Ober ihn vgl. zu A 129. - 36 Mendelssohns: Ober 



94 STHEITSCHRIFTEN 

Moses Mendelssohn vgl. zu C39; im ubrigen vgl. die Ein- 
leitung oben S. 82. - 38 Gucken in dieEwigkeit: Anspielung auf 
Lavaters »Aussichten in die Ewigkeit«, erschienen Frankfurt 
am Main 1768; Lichtenberg zitiert das Werk auch A 129; 
s. auch 234, 32. 235, 10. 

233 3 kuhlendes weltliches Buck: von mir verbessert entsprechend 
D106 aus: weltliches Buck. - 3/. Apollonius von Kegelsehnitten: 
Apollonius von Perge, griech. Mathematiker und Astronom 
der 2.Halfte des 3jahrh. v.Chr., gait in Antike und Mittel- 
alter als >der groBe Geometer<. Seiri Hauptwerk: die 8 Bucher 
»Konika«, das klassische Handbuch der Kegelschnittlehre bis 
zum Auikommen der analytischen Geometric - 4 minute: lat. 
engl. winzig, unbedeutend, kleinlich. - 9 Heidamacken: Lichten- 
berg erwahnt sie auch D 26; s. die Anm. dazu. - i$f. geheimen 
Geschichten des Herzens: Anspielung auf die von Pietismus 
und rationalist. Seelenerfahrungskunde angeregte Mode der 
>Heautobiographie< im i8.Jh. Lichtenberg gebraucht die Wen- 
dung auch 294, 21 f. S. auch F 525. - 34/. Wolfe in Schafsklei- 
dern: Zu dieser Fabel vgl. zu 692, 4o£; s. auch 697, 13. 

234 if Lavater ... deine Briefe und deine Vorreden: S. oben die Ein- 
leitung S. 82; vgl. auch C 39. - 4Judi$che Bucher uber die Un- 
sterblichkeit der Seele: Anspielung auf Mendelssohns beriihmte- 
stes Werk »Phaedon, oder liber die Unsterblichkeit der Seele« 
(1767). - 2off. Und wiegt nicht ein Kopf. . . auf: verb, aus: Wo ein 
Kopf ... aufwiegt. - 20 bon sens: gesunder Menschenverstand. - 
2$f Hofsprache des Himmels: Tax diesem Ausdruck vgl. zu 
<5o, 35. - 27 schweizerisches Deutsch: Dieser Ausdruck begegnet 
auch D 539. - 32 in die Ewigkcit hinausschauen: Diese Wendung 
ist F 790 entlehnt. - 33/. Vergnugen . . . zwischen Wachen und 
Schlafen: Anspielung auf Lavaters »Aussichten in die Ewigkeit«, 
vgl. A 129 und die Anm. dazu; s. auch zu 232, 38, ferner 
285, 38. - 37 Mefikunstlers: Vgl. zu 9, 8. 

23$ 10 Aussichten in dieEwigkeit: Vgl. zu 232, 38. - 11 Scheidewand: 
Zu dieser Wendung vgl. B 334. - nf-wo sie am dunnsten ist: 
von mir entsprechend D106 verb, aus: dunnen Scheidewand. 

236 10 Wachset im Glauben: Diese Formel geht entweder auf 2. 
Corinther io, 15 oder auf 2. Thessalonicher 1, 3 zuriick. - 
1 if. Geschrieben zuG. . . August 1 771 : Dazu vgl. oben S. 83 . 



EPISTEL AN TOBIAS GOBHARD 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Epistel an Tobias Gobhard in 
Bamberg uber eine auf Johann Christian Dieterich in Gottingen be- 



EPISTEL AN TOBIAS GOBHARD 95 

kannt gemachte SchmahschrirTt.« 1776 (Gottingen bei Dieterich), 
40 S. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Ober den AnlaB der Epistel informiert Lichtenberg 
selbst hinlanglich; seine Schrift ist auf den ersten Blick ein Freund- 
schaftsdienst fur den Verleger Johann Christian Dieterich und des 
weiteren ein engagierter Beitrag zu der in jenen Jahren brennend 
aktuellen Auseinandersetzung iiber den Nachdruck. Ober den Zeit- 
punkt der Niederschrift jedoch gibt es nur wenige Anhaltspunkte. 
Wenn man Lichtenbergs Reflexion in F 60 dariiber, daB die Eng- 
lander to pirate von einem Nachdrucker sagen, auf Gobhard beziehen 
will, bedeutete dies, daB er sich bereits am 17. Mai 1776 mit der An- 
gelegenheit befaBte. Namentlich genannt wird Gobhard erst F 143, 
das ist am 18. August 1776. Die Notiz erlaubt den SchluB, daB Lich- 
tenberg eine satirische Abfertigung zumindest bereits beabsichtigt, 
womoglich schon unter der Feder hat. F 187 dagegen, am 11. Sep- 
tember 1776 eingetragen, konnte darauf schlieBen lassen, daB die 
»Epistel« fertiggestellt, ja schon im Druck befmdlich ist, wahrend 
F 237, niedergeschrieben am 24. Oktober 1776, wie ein nachtrag- 
liches Fazit anmutet : »Ich habe auch schon gedacht man hatte Gob- 
harden sollen gehen lassen, denn wo der hinkommen wird, wenn er 
fortfahrt, da kann ihn der Teufel selbst nicht hinbringen.« Lichten- 
berg Ubersandte zwar erst am 21. November 1776 ein Exemplar der 
»Epistel« an Hollenberg (IV, Nr. 133, S. 278), aber orTensichtlich 
einige Zeit nach ihrer VerorTentlichung, denn er schreibt an der 
gleichen Stelle: »auf die letztere ist eine armselige - Antwort er- 
schienen, und ich habe auch gleich geantwortet, diese Antwort ist 
indessen noch nicht gedruckt.« Die gedruckte Antwort mit dem 
Titel »Friedrich Eckardt an den Verfasser der Bemerkungen zu seiner 
Epistel an Tobias G6bhardt«, ebenfalls bei Dieterich erschienen, 
konnte Lichtenberg dann am 19. Dezember 1776 iibersenden (s. 
IV, 280). 

Wenn man davon ausgeht, daB zwischen Erscheinen der Ersten 
Epistel und dem Erscheinen der Antwort Gobhards gut und gern 
eine Spanne von vier Wochen gelegen haben wird - postalische Zu- 
stellung, Niederschrift, Drucklegung und Auslieferung bedenkend - 
und eine gleiche Frist auch zwischen Erscheinen der Antwort Gob- 
hards und Lichtenbergs Zweiter Replik veranschlagt wird, kommt 
man fiir die »Epistel« auf einen Termin zwischen Mitte September 
und spatestens Mitte Oktober 1776 hinsichtlich Niederschrift und 
Publication. 

Mautner (a.a.O., S.172) nannte die »Epistel« eine »satirische Mei- 
sterleistung jener Jahre, ja vielleicht seines Lebens«. Diese Meinung 
teilten orTenbar auch Zeitgenossen Lichtenbergs (vgl. IV, S. 285). In 
seinem »Vorschlag, dem Buchernachdrucke zu steuern«, erschienen 
November 1777 im 11. Stiick des »Deutschen Museums«, S. 435-455, 



$6 STREITSCHRIFTEN 

schrieb Burger (S. 436), er wolle ausfiihren, was »ja selbst der fiirch- 
terliche Friedrich Eckardt mit seiner Knute und giftigen Scorpionen 
nicht vermochte!« und fiigt in einer FuBnote hinzu, die beiden Briefe 
an Gobhard seien »Fliegende Blatter, die keinem unbekannt seyn 
sollten, der echten Witz, Satyre und Laune zu fiihlen weiB.« Der 
ftirchterliche Friedrich Eckard - in der Tat war Lichtenbergs satiri- 
sche Intention diesmal ganz offenbar, nicht zu strafen und zu bessern, 
sondern zu vernichten. Diese Absicht, »to treat him without rnercy« 
(IV, S. 280), laBt den konkreten SchreibanlaB vergessen, und Lichten- 
berg war sich dessen durchaus bewuBt; man denke an F 143 : »Wenn 
Gobhard etwas kliiger und geschickter ware, so ware er grade 
der Narr, den ich wiinschte. Die Narren, die recht zur Satyre 
taugen, sind sehr selten. Ohne Philippi hatte Liscow lange schreiben 
konnen, ohne sich nur 20 Jahre in die Ewigkeit hinein zu schreiben.« 
So gesehen und derart behandelt, war Gobhard lediglich ein Vor- 
wand, um sozusagen grundsatzlich satirisch werden zu konnen: sein 
Name war austauschbar - an seine Stelle trat derm auch spaterhin 
jetzt Zimmermann (s. IV S. 317. 320; ferner S. 540) > jetzt VoB (s. LB 
II, S. 5. IV, S. 483) -, er hatte genausogut fingiert sein konnen. Und 
merkwurdigerweise ist es auch in Bamberg unmoglich, Exemplare 
der Gobhardschen Pamphlete aufzutreiben, und nicht einfach, auch 
nur seine Lebensdaten festzustellen (er starb 1792). Als Rebmann in 
den »Wanderungen und Kreuzziigen durch einen Theil Deutsch- 
lands«, erschienen Altona 1796, Bamberg passiert, schreibt er (Ed. 
Hedwig Voegt, Berlin 1958, S.171): »Die Witwe des Nachdruckers 
Gobhard hab ich auch besucht. Das Warenlager des spitzbiibischen 
Tobias besteht aus Legenden und gestohlenen Artikeln.« Das heiBt 
doch: ein Denkmal besichtigen, das Lichtenberg errichtet hat. 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 177-179; Mautner, a.a.O., 
S. 172-174. Ausziige aus Lichtenbergs Epistel sind wiederabgedruckt 
in: Hans Widmann (Hrsg.), Der deutsche Buchhandel in Urkunden 
und Quellen. Bd. 2, S. 338-341. Hamburg 1965. Ober den Biicher- 
nachdruck s. ebenda S. 316-364; ferner Goldfriedrich, Geschichte 
des deutschen Buchhandels, Bd. 3, S.1-115, Leipzig 1909. 



237 10 Herausgebers: natiirlich Lichtenberg selbst, der auch andern- 
orts sich gern als Herausgeber fingiert; vgl. dazu zu 76, 31. - 
16 Gobhards Schmahschrift: Dazu vgl. oben S. 95. - 21 vogelfrei 
fur die Schriftsteller: Dazu vgl. zu E 153; s. auch 308, 20. - 26 
Friedrich Eckard: Pseudonym Lichtenbergs, das er auch in der 
Zweiten und Dritten »Epistel an Tobias G6bhard« (s. 539, 5rT.) 
benutzt: Eckhardt, der Madchenname seiner Mutter, hieB ein 
Vetter Lichtenbergs in Hamburg, Kandidat daselbst (s. Briefe, 
IV, S. 161. 163); Friedrich Eccard ubrigens auch ein Gottinger 



EPISTEL AN TOBIAS GOBHARD 97 

Bibliotheksbeamter (s. IV, S. 275). - 2gf. Buchertitul ... entbehr- 
lich: Ober Buchertitel reflektiert Lichtenberg auch F 201. 

238 Jesuiten-Kniffe : Lichtenberg gebraucht diesen Ausdruck auch 

249, isf.; im ubrigen vgl. zu 63, 35. - 4 Art vom Babel: Zu 
dieser Wendung vgl. zu 66, 37. - 20 Peitsche und Pranger: Zu 
diesen Ausdrucken vgl. zu E 345 und B 290. - 53 Altare des 
Apoll: Diese Wendung findet sich auch F 184. 737; im ubrigen 
vgl. zu diesem Satz E 492. Apoll: griech. Gott der Dichtkunst 
und der Weissagung; s. auch 498, 37. -37 Kallimachus: Ober 
ihn vgl. zu E 491, wo auch die Verszeile genauer nachgewiesen 
und ubersetzt ist. Lichtenberg zitiert sie auch 528, 1 f. 

2 39 7/ Dieterichs Preise seien unerhort, sagen Sie: Gobhards Schrift 
war mir nicht zuganglich. - 8f. von Sinds Stallmeister: Gemeint 
ist das Buch »Unterricht in den Wissenschaften eines Stall niei- 
sters mit einem Lehrbegrif der Pferdearzneykunst« nebst einem 
Vorwort Albrecht von Hallers, erschienen Gottingen (und 
Gotha) 1770, in 2. Aufl. 1775, von J. von Sind. J.B. Freiherr 
von Sind (Lebensdaten unbekannt) war kurkoln. Kavallerie- 
oberst und Erster Stallmeister des Erzbischofs und Kurfursten 
von Koln Maximilian Friedrich. - p Trattnern: Johann Thomas 
Edler von Trattner (171 7-1 798), Buchdrucker und Buchhand- 
ler in Wien; beriichtigter Nachdrucker seiner Zeit. Lichtenberg 
erwahnt ihn auch in den Briefen (IV, 797). - nf. Buch vom ... 
Feder, worilber der gegenwdrtige Streit entstanden: Gemeint ist 
»Logik und Metaphysik, nebst der philosophischen Geschichte 
im Grundrisse«, Gottingen und Gotha 1769 (1774 bereits in 
4. Auflage), von Johann Georg Heinrich Feder; tiber ihn vgl. 
zu KA (II), S. 88. S. auch 240, 14. 250, 35. - 12 Ggr.: Abkiir- 
zung fur: Gute Groschen, die in PreuBen bis 1821 gultige 
Scheidemiinze (1/24 Taler) zu je 12 Pfennig. S. auch 240, 20. 
321, 14. 411, 19. 467, 24. 650, 26. 993, 33. - 31 Nicolai: Uber 
Christoph Friedrich Nicolai vgl. zu D 520. - 31 Reich: Ober 
Philipp Erasmus Reich vgl. zu B 102. 

240 2 semen nunmehr verewigten Beschutzer: Gemeint ist Gerlach 
Adolf von Munchhausen, der erste Kurator der Universitat 
Gottingen, der Dieterich 1765 das Buchhandelsprivileg fiir 
Gottingen verlieh; uber ihn s. zu B 56. - 5 Bogen: Vgl. zu 23, 
26. - 7 noch.mehr Edles an sich ... als den Titul: Trattner fuhrte 
seit 1764 den Titel eines Ritters des Hlg. Rom. Reiches, ver- 
liehen aus Anlafi der Kronung Josephs II. - 14 Feders Buch: 
Vgl. zu 239, 11 f. - 20 gute Groschen: Vgl. zu 239, 12. - 22 
Kasebier: Ober ihn vgl. zu 222, 14. - 28 wie warme Semtnel: 
Zu dieser offenbar alten Redewendung vgl. DWB 10, i, 502, 
wo Lichtenbergs Beleg ubrigens fehlt. Lichtenberg gebraucht 
diese Wendung auch 471, 4. - 53/ seinen Buchern alle aufiere 
Zierde zu erteilen: Ober den Druck der von Lichtenberg heraus- 



98 STREITSCHRIFTEN 

gegebenen »Opera Mayeri I«, Gottingen 1774, auBerte sich 
Georg III. sehr anerkennend; s. Briefe (IV, Nr.101, S. 206, 
26 f.); Ahnliches gilt auch fur die von Heyne veranstaltete 
Pindar-Ausgabe (s. IV, 227, 23 f.). - 3$f. alle Gottingische Druk- 
kereien: Soweit ersichtlich, handelte es sich insbesondere um 
die Buchdruckerei von Johann Albrecht Barmeyer, von Victo- 
rinus Bossiegel und um Stocker, wahrend Johann Carl Wieder- 
holt wohl nur Buchbinder daselbst war. 

241 9 Scharteke: Zu diesem Ausdruck vgl zu C 87; s. auch 545, 11. - 
gf. was man wider den Nachdruck uberhaupt sagen kann: Mit dem 
Nachdruck setzen sich auBer Putter unter anderen auseinander: 
Gottfried August Burger: Vorschlag, dem Biichernachdrucke 
zu steuern. In: Deutsches Museum. 1777. 2,Bd M S. 435fF. 
Ferner: Feder, Neuer Versuch einer einleuchtenden Darstel- 
lung der Griinde fur das Eigenthum der Bucherverlage. In: 
Gottingisches Magazin, ijg. 2. Stiick. 1780, S.i-37» und: An- 
hang zur Abhandlung vom Verlagseigenthum. In: Gottingi- 
sches Magazin. ijg. 3. Stiick. 1780, S. 459-466. S. noch J 103 8 
zu Kant. - 1 6f. einer unserer grbfiten Rechtslehrer: Johann Stephan 
Putter; iiber ihn vgl. zu B 200. Laut »VerzeichniB derjenigen 
Biicher ...«» S.n, Nr.180, besaB Lichtenberg das Werk per- 
sonlich. - 33 Gronlander: Vgl. D 49 und die Anm. dazu; Lich- 
tenberg gebraucht das Wort auch 274, 30. 

242 3ff. Schleichdrucker . . . Schleichhandel: Ersteres Substantiv ist laut 
DWB 9, 560 Wortbildung Lichtenbergs! Den letzteren Aus- 
druck gebraucht Lichtenberg auch 587, 29. 857, 4. 1004, 18. - 
gff. von dem seidenen Band ... bis zu dem hanfenen: Eine ahnliche 
Wendung begegnet 656, 26. - 13 Richter in Altenburg: Johann 
Ludwig R. (Lebensdaten unbekannt), Buchdrucker in Alten- 
burg, seine Handlung 1799 von Pierer aufgekauft. - 13J. Tratt- 
ner in Wien: S. zu 239, 9. - 14 Mitchel in London: Lebensdaten 
unbekannt. 

243 7 erntet, wo er nichtgesdet hat: Zitat aus Lukas 19,21.22. Ahnlich 
schreibt Burger in der zu 241, 9f. zit. Abhandlung, a. a. O., S. 29: 
»Schurken, die da ernten wollen, wo sie weder geackert noch 
gesaet hatten . . .« - 12/. was ist ein Spitzbube, wenn das keiner ist: 
Zu diesem Schimpfwort vgl. zu C 66. - 19 j. derKonig von Frank- 
reichjur Rezepte wider den Bandwurm: Diese Mitteilung geht auf 
Deluc zuriick, wie aus RA162 hervorgeht. - 24 in Bamberg 
Dazu vgl. F 364. - 3 if. DasErzene im Charakter verdient . . . Ach- 
tung: Vgl. zu D668 (s. 340, 37f.). - 36 auszuschattieren: Lichten- 
berg gebraucht diesen Ausdruck, substantiviert, auch 273, 10. 
580, 33 ; im ubrigen vgl. E 150 und die Anm. dazu. Zur Wort- 
bildung mit aus- vgl. zu D 124: auskiinsteln. 

244 1 if. der Spitzbube und der ehrliche Mann . . . nur dem Grade nach 
unter schieden: Zu dieser Meinung vgl. zu 214, i6f. Zu Spitzbube 



mz 



EPISTEL AN TOBIAS GOBHARD 99 

vgl. zu 243, 12 f.; zu: ehrlicher Mann vgl. zu D 467. - 27 das 
Positiv-Gesetz: Gerneint ist wohl das Positive Recht im Gegen- 
satz zum Naturrecht und der Idee der Gerechtigkeit: der Inbe- 
griffder vom Gesetzgeber gesetzten oder der als Gewohnheits- 
recht geltenden Normen. - 36 fi wenn die Spitzbuben anjangen . . . 
die Rechte zu studieren: Dieser Gedanke ist F 127 (10. August 
1776) umstandlicher notiert; eine ahnliche Wendung begegnet 
auch 408, 24fF. 671, 7. - 37J. Chicane: Rechtsverdreherei. 

245 5/. Deutschen t deren Redlichkeit . . . zum Spriichwort gediehen: Vgl. 
C 108 (S. 176) und die Anm. dazu. - 9 Scharwachter: Wachter, 
der zu mehreren nachts patroulliert. Lichtenberg gebraucht die- 
sen Ausdruck auch 344, 38. 549, 18. 606, 35. 8*4, 28. Im iibrigen 
vgl. zu F 988. - 13 Huronen: Indianerstamm am Huronsee, 
friiher einer der machtigsten Stamme Nordamerikas ; der »ehr- 
liche Hurone« im Gegensatz zum verderbten Europaer wurde 
im i8.Jh. sprichwortlich. - 15/. Was ihr wollet, das euch die 
Leute nicht tun sollen: Zu diesem Bibel-Zitat vgl. zu 230, 22 f. - 
16 der das Cesetz gegeben hat: S. 247, 2%£.-i8f. die schimpfliche 
Glosse ...; haereticis non est servanda fides: Haretikern darf nicht 
Glauben geschenkt werden. - 23 Reveniien: Einkiinfte. - 28ff. 
Ehemals diente man . . . Gott dadurch, dafi man seinen Nachsten plun- 
derte: Dazu vgl. J 1099 und 257, 2 if. 931, 5 f. - 31 Joseph dem 
Zweiten: Joseph II. (1 741 -1790), altester Sohn Kaiser Franz' I. 
und Maria Theresias, 1764 zum rom.-dt. Konig in Frankfurt 
gewahlt; 1765 dt. Kaiser; einer der Hauptvertreter des aufge- 
klarten Absolutismus. - 36 schiefer Jesuiten-Kopf: Ober Lichten- 
bergs Meinung zum Jesuitismus vgl. zu 63, 35. 

246 2$fi Pfahl mit Staupbesen: Vgl. zu 215, 16. - 2p Leuten Diaten zu 
verschaffen: Dazu vgl. auch die Zweite Epistel an Gobhard, 
a.a.O., S. 7. - 33 Hanauer Messe: Im Juni 1775 fand der soge- 
nannte »Hanauer Bucher-Umschlag« statt: eine Zusammen- 
kunft der wichtigsten siiddt. und osterreich. Nachdrucker als 
Reaktion auf die Monopolstellung der >Leipziger< Buchhandler 
und Verleger. S. auch Goldfriedrich, a.a.O., Ill, S. 64-68. 

247 7 Wxtwe Vandenhoeck: Anna Vandenhoeck, geb. Parry (1709 
bis 1787), aus London, Witwe des ersten, 1735 nach Gottingen 
gerufenen holland. Buchhandlers Abraham Vandenhoeck (1700 
bis 1750), dessen Verlag sie zusammen mit Ruprecht fort- 
fiihrte. Lichtenberg erwahnt sie auch in den Briefen (IV, S. 281. 
406. 551. 704). - 7 Nicolai: Vgl. zu 239, 31. - 7 Reich: Vgl. zu 
239. 31. - 7 ¥<$'• Uber ihn vgl. zu L229. - 7 Bohn: Johann 
Karl B. (171 2-1 773), Buchhandler und Verleger in Hamburg, 
verofFentlichte u. a. Hagedorns Gedichte und Werke von Klop- 
stock. - i$ff. Mancher Staat ... Ursprung einem Zusammenflufi 
von Menschen zu danken: Gerneint ist jedenfalls Australien, wo- 
moglich auch die Vereinigten Staaten von Amerika. - z$j, Ge- 



100 STREITSCHRIFTEN 

setzgeber . . ., von dem ich obengeredet: S. 245, 16. - 36L>as Waisen- 
haus zu Salzburg habe ... nachgedruckt: Die Schrift Gobhards 
war mir nicht zuganglich. - 36 f Ignaz Schmids Katechisten: 
biographische und bibliographische Daten unbekannt.] 

248 4 Salzburgische: von mir verb, aus: Salzburgischen. - 12 pto: 
Abk. von: puncto: betreffs. - 14 eine der schonsten ... Stellen ist 
die S.12: Die Schrift Gobhards war mir nicht zuganglich. - 
13 Xaver Rienner in Wurzburg: Lebensdaten unbekannt. - 
23 Mac Heath in Gays Bettler-Oper: Ober John Gay und seine 
»Beggars opera« s. zu RT 4; Lichtenberg sah eine Auffiihrung 
dieser Oper in London am 3.0ktober 1774; s. auch 766, 38. - 
37 f. wenn man die Ceschichte manches Mannes so druckte, wie die 
Zoll-Zettel und Frachtbriefe : Im »Vorbericht« zum 1. Stiick 
des i.Jahrgangs des »Gbttingischen Magazins«, Januar 1780, 
empfiehlt Lichtenberg eine Orthographie, die wir u.a. »aus 
unsern Frachtbriefen und Lotteriezettuln lernen konten ...«. 
S. auch E 43. 

249 14 dafi er ein Ketzer ist: D.h. ein Protestant. -13 schamen Sie sick 
vor den Neu-Seelandern: Aus D 653 erhellt, was Lichtenberg 
meint: »weil sie schon jetzt, da es ihr ganzlicher Mangel an 
Feder und Dinte nicht anders verstattet, bei gelehrten und 
andern Disputen ihre Antagonisten auffressen.« - 16 Mehr als 
kundert Manner, sagen Sie auf der i^ten Seite: Die Schrift Gob- 
hards war mir nicht zuganglich. - 18 involuntaren: unfreiwillig, 
wider Willen. - 23 f. Welche Hekatomben fur die Musen: Heka- 
tombe, urspriinglich ein Opfer von 100 Tieren; spater, schon 
bei Homer, jedes mit Schmauserei verbundene groBe Opfer; 
s. auch A 6. - 2$ffesuiten-Knijfe: Vgl. zu 238, 1. - 38 ff. Bucher- 
titul-Kenntnis das, was ... Gelehrsamkeit selbst genennt wird: Diese 
Wendung ist F 153 (23. August 1776) entnommen; s. auch 
594, 24 f. 

250 4 Dieterich komme in Rasche: Die Schrift Gobhards war mir 
nicht zuganglich. - 5/. Schurken, Lotterbuben: Die Schrift Gob- 
hards war mir nicht zuganglich. - 21 Pursche: Bursche; im 
i8.Jh. noch gebrauchl. Schreibweise des von lat. bursa abge- 
leiteten Wortes, das urspriinglich den Bewohner einer studen- 
tischen Burse bezeichnete und spater aus der Studenten- in die 
Umgangssprache ubergegangen ist. S. auch 438, 16. 622, 9. - 
23 Scharteke: Vgl. zu 241, 9. - 23 deine Schandperiode: Die Schrift 
Gobhards war mir nicht zuganglich. - 30 j. an Wahnwitz gren- 
zende Dummheit: Eine ahnliche Wendung begegnet 268, 22. - 
31 geschwdnzten Menschen: Vgl. zu 126, 30 f. - 34 j. neue Auf- 
lage der obberedten Werke des Hrn. Prof Feders: Die 5- Auflage 
des zu 239, 11 f. genauer nachgewiesenen Werks erschien 1778, 
die 6. Auflage 1786, eine 7. Auflage 1790. Vgl. zu 239, 11 f. - 



PHILADELPHIA 101 

40 Anmerk. des Herausgebers: Selbstverstandlich ist Lichtenberg 
gemeint. 

251 4/. den verehrungswurdigen Verfasser; Gemeint ist Feder; iiber 
Lichtenbergs Meinung gegenuber Feder vgl. auch zu KA (II) t 
S. 88. - 2 if. bekannten hermeneutischen Regel: Vgl. zu C 246; 
s. auch 763, 35. 771, 9. 827, 29. - 2$f. groflen Vorganger im Be- 
trug: Gemeint ist der Teufel. - 27 f Dr. Faust, der ehrliche Buck- 
drucker: Ober Johannes Faust s. zu B 70; nach der Oberliefe- 
rung, die ihn mit dem Geschaftsmann und Partner Gutenbergs, 
Johannes Fust, verwechselt, hat der Schwarzkiinstler die Buch- 
druckerei erfunden. S. noch Klingers »Faust«-Roman (1791). 
Lichtenberg erwahnt Dr. Faust in diesem Zusammenhang auch 
420, 8. - 28f. Abschied ... mit transzendentem Gestctnk: Dazu vgl. 
Briefe (IV, 572, 8f.). Zu: tmnszendent vgl. zu F72; s. auch 377, 
17. - ja Endegut, dies gut: Eindeutschung des Titels der gleich- 
namigen Shakespeare-Komodie »A11 is well that ends well«. 

252 $f. bose Sache ...gut zu verteidigen: Zu diesem satirischen Prin- 
zip vgl. zu KA 286. 



ANSCHLAG-ZEDDEL IM NAMEN VON PHILADELPHIA 

Erstverqffentlichung: Das bereits im achtzehnten Jahrhundert auBer- 
ordentlich seltene Original war als wirklicher Anschlagzettel ge- 
druckt, ein auf einer Seite bedrucktes Folioblatt, datiert vom 7januar 
1777. ohne Angabe des Verfassers und des Druckorts. Ein Exemplar 
des Originals, das mir nicht zuganglich gewesen ist, befand sich ehe- 
mals im Stadt museum Gottingen, ist jedoch heute nicht mehr auf- 
findbar. Ein Faksimile des »Avertissement« fmdet sich in Fritz Hey- 
mann, Der Chevalier von Geldern, Koln 1963, S. 372-373. 

Satzvorlage: »Anschlag-Zeddel im Namen von Philadelphia«, ab- 
gedruckt in den »Vermischten Schriften«, Bd. 3, S. 231-238, Gottin- 
gen 1 801. Laut Schreiben Lichtenbergs an Schernhagen (IV, Nr. 145, 
S. 292) vom i6Januar 1777 handelt es sich bei der Satzvorlage urn die 
zweite Auflage des Anschlagzettels : »Sie ist in nichts unterschieden, 
als daB dem KongreB zu Philadelphia der verdiente Titul ehrwiirdig 
vorgesetzt worden ist.« Vgl. 254, 4f~. 

Zur Entstehung: Ober den AnlaB des »Avertissements« informiert 
ein Brief Dieterichs vom Oktober 1799 an den Herausgeber der 
ersten Ausgabe der »Vermischten Schriften«, Ludwig Christian 
Lichtenberg, der in den »Vermischten Schriften<(, Bd. 3, S.i 89-191, 
der Ausgabe von 1844 auszugsweise mitgeteilt wurde und hier 
wiedergegeben werden soil: 



102 STREITSCHRIFTEN 

»Wegen des Avertissements fiir Philadelphia Philadelphia gab 
folgende Ursach Gelegenheit, worauf Sie sich verlassen konnen, und 
rair nur allein bewuBt ist. - Wie diescr Taschenspieler und Zauberer, 
so er sein wollte, hierher kam, gab solches allgemeinen Larm, und 
jedermann erzahlte von seinen Wunderthaten. Wenn nun derglei- 
chen Erzahlung Ihrem B ruder zu Ohren kam, argerte es Ihn allemal, 
und frug: ob man denn glaubte, daB dieser Mensch zaubern kb'nne? 
es bestande ja Alles nur aus Betriigerei. Je mehr man wiederholt 
Dinge, so er machte, erzahlte, je empfindlicher wurde Er dariiber. 
Inzwischen zauberte Philadelphia immer fort, und einige Familien 
lieBen ihn in die Hauser kommen, aber unter 30 ^ niemals, und 
wenn mehrere Personen zugegen, so muBte ein jeder ihm I ^ zahlen. 
Juden und Studenten hatte er sich ausgewahlt, so ihn unterstiitzten, 
und seine Freunde waren. Als er nun -Privathauser genossen, so 
wahlte er sich das Kaufhaus, so Sie des groBen Saals wegen wohl 
noch kennen, wo er a Person I ^ von den Zuschauern sich zahlen 
lieB. Vorher aber machte er bekannt, daB er noch sechs groBe Kunst- 
stiicke zeigen konnte, so aber vielen Aufwand verursachten, und 
100 Personen sein miiBten, die ihm ein jeder mit 1 Ld'or pranumeri- 
ren sollten, wenn dieses zu sehen verlangt werden sollte. Er hatte 
diese auch sicherlich bekommen, da in wenigen Tagen schon 60 Per- 
sonen sich unterschrieben. Dieses argerte Ihren Herrn Bruder, und 
fragte mich, ob ich wohl was drucken konnte und wollte, das nicht 
bekannt wurde, daB ich solches gedruckt hatte, und Er verschwiegen 
bliebe? ich bejahete. Wie willst du es machen? fragte Er. Antw.: 
Mein Factor soil, wenn Alles aus der Druckerei nach Hause geht, 
setzen und auch drucken. Darauf wurde der Plan verfertigt. Um nun 
aber, daB auch bei Untersuchung, da meine Druckerei noch neu war, 
niemand auf meine fallen konnte, so hatte ich die alten Holzstocke 
zum Present erhalten, und nie jemanden noch in nieiner Druckerei 
gezeigt. Wie Ihr Herr Bruder solche nachher sah, war es Ihm leid, 
solche nicht ehender gesehen zu haben, weil Er dadurch Gelegenheit 
und Gedanken bekommen, noch mehr davon sagen zu konnen. Ehe 
nun die Bekanntmachung und der Plan gedruckt war, ging Ihr Herr 
Bruder, der Herr Hofrath Kastner und ich, auch auf das Kaufhaus, 
und opferten unsere Thaler. Ich saB bei Ihrem Bruder, und anfangs 
sagte Er, wir wollen noch keinen Plan ausgeben ; wie aber Philadel- 
phia seine Betriigereien zu merklich machte, stieB Er mich an und 
sagte: noch heut, noch heut, muB der Kerl etliche haben. Die Nacht 
also um 12 Uhr, machte ich mich mit meinem verschwiegenen 
Factor auf, klebten an einige Ecken der StraBen den Zettel an, dem 
Prorector, so Baldinger war, zwischen seiner Hausthur und einigen 
andern Bekannten und Freunden, streuten auch hin und wieder auf 
den StraBen aus, worauf es des Morgens erstaunenden Larm in der 
Stadt gab, jedermann suchte und verlangte, worauf ich wieder eine 
Auflage machte, solche an den Brieftrager Schlag addressirte, auch an 



PHILADELPHIA 103 

den Polizeidiener Klock, und warf in deren ihre Wohnung die Pa- 
quete. Ehe dieses aber geschah, und gleich, wie Philadelphia den Plan 
bekam, ging er fort, und Gottingen behielt die ioo Stuck Ld'or. - 
Jedermann lobte den Verfasser, und dankte, diesen Menschen losge- 
worden zu sein. Von hier ging er nach Gotha, wo Sie ihm auch das 
Concilium abeundi vcrursacht haben, und noch bekannt sein wird. 

Adelung, der damals in Leipzig war, dem schickte ich den Plan, 
dieser liefi solchen in ein Wochenblatt oder Journal abdrucken. Auf 
solche Art wurde Philadelphia in Deutschland verfolgt und geziich- 
tigt.« I m ubrigen vgl. Briefe (IV, S. 290. 291. 292. 294; ferner S. 317. 
428). 

Demnach erfolgte die Auslieferung des am 7januar 1777 ge- 
druckten Anschlagzettels in der Nacht vom 9. zum iojanuar - am 
9-Januar besuchte Lichtenberg die Vorstellung Philadelphias im 
Kaufhaus; und bereits am iojanuar druckte Dieterich die zweite 
Auflage. In einem Brief an Schernhagen (LB I, S. 275) vom 2o.Ja- 
nuar 1777 teilt Lichtenberg mit: »Philadelphia ist verschwunden, 
ohne daB man recht weiB wohin; einige sagen nach Gandersheim.« 
In Gandersheim trat Philadelphia am 13 Januar 1777 vor der Fiirst- 
abtissin und dem Damenkapitel im Klostcr zu Gandersheim auf. 

Noch zu Lebzeiten Lichtenbergs ist der Anschlagzettel wieder ge- 
druckt worden: in der »Berlinischen Monatsschrift«, September 
1796, S. 241-249, mit einer Einleitung eines Ungenannten, jedoch 
ohne die beiden Holzschnitte, die dort nur beschrieben wurden. 
Biester, der Herausgeber der Zeitschrift, bemerkte ebenda S. 241 in 
einer Note: »Den gegenwartigen [Aufsatz] nehme ich um so lieber 
auf, da noch neulich in einem beliebten Journale [Berlinisches Archiv 
der Zeit, Junius 1796, Nr. VIII] der hier gelieferte witzige Ankiindi- 
gungszettel nach Verdienst geriihmet und sein neuer Abdruck ge- 
wiinscht ward. Es hiefi daselbst: >Wie gern theilten wir ihn unsern 
Lesern mit! Aber leider sind wir nicht im Besitz dieses Schatzes.< B.« 
Der Verfasser wird darin nicht mit Namen genannt, sondern nur 
bezeichnet als »einer der vorziiglichsten Kopfe Deutschlands, der als 
Gelehrter in tiefsinnigen Wissenschaften und als witziger Schrift- 
steller gleich beriihmt ist, und damal um 20 Jahre junger war.« Dann 
ist noch bemerkt: »Dieses einzelne Blatt ist gewiB nur in weniger 
Sammler Handen, obgleich wo hi mehrere Leser es einst mogen ge- 
sehen oder davon gehort haben. Durch die Mittheilung desselben 
horTe ich deshalb um so mehr Dank zu verdienen, da die Deutsche 
Literatur an witzigen Satiren nicht iiberreich ist.« (zit. nach Lauchert 
S.17) 

So wirkungsvoll der Anschlagzettel war, so wenig ist er Lichten- 
bergs eigene Idee. Jean Paul schrieb in der »Vorschule der Asthetik«, 
I. Abt. VIII. Programm, § 37, Lichtenberg habe »die Hauptidee und 
mehrere Nebenideen« aus Swift entlehnt, schreibt dessen Satire aber 
Arbuthnot zu. Den Hinweis auf Swift geben auch die Herausgeber 



104 STREITSCHRIFrEN 

der zweiten Ausgabe der »Vermischten Schriften«, Bd. 3, S. 192-195, 
Gottingen 1844, den ich hier vollstiindig nach Swifts »v7orks«, er- 
schienen Dublin 1735, T. I, p. 234ff, abdrucke: 

»The wonder of all the wonders, that ever the world wondered 
at. - Written in the year 1721. 

To all persons of qttality and others. 

Newly arrived at this city the famous artist John Emanuel Schoits, 
who, to the great surprise and satisfaction of all spectators, is ready 
to do the following wonderful performances, the like before never 
seen in this Kingdom. 

He will heat a bar of iron red hot, and thrust it into a barrel of 
gunpowder before all the company, and it shall not take fire. 

He lets any Gentleman charge a blunderbuss, with the same gun- 
powder, and twelve leaden bullets; which blunderbuss the said 
artist discharges full in the face of the said company, without doing 
the least hurt; the bullets sticking in the wall behind them. 

He takes any Gentleman's own sword, and runs it through the 
said Gentleman's body, so that the point appears bloody at the back, 
to all the spectators; then he takes out the sword, wipes it clean, and 
returns it to the owner; who receives no manner of hurt. 

He takes a pot of scalding oil, and throws it by great ladles full 
directly at the Ladies, without spoiling their cloaths, or burning 
their skins. 

He takes any person of quality's child, from two years old to six, 
and lets the child's own father or mother take a pike in their hands ; 
then the artist takes the child in his arms and tosses it upon the point 
of the pike, where it sticks, to the great satisfaction of all spectators ; 
and is then taken off without so much as an hole in his coat. 

He mounts upon a scaffold, just over the spectators, and from 
thence throws down a great quantity of large tiles and stones, which 
fall like so many pillows, without so much as discomposing either 
perukes or head-dresses. 

He takes any person of quality up to the said scaffold, which person 
pulls off his shoes and leaps nine feet directly down on a board 
prepared on purpose, full of sharp spikes six inches long, without 
hurting his feet, or damaging his stockings. 

He places the said board on a chair, upon which a Lady sits down 
with another Lady on her lap ; while the spikes, instead of entering 
into the under Lady's flesh, will feel like a velvet cushion. 

He takes any person of quality's footman, ties a rope about his 
bare neck, and draws him up by pullies to the ceiling, and there 
keeps him hanging as long as his master or the company pleases; the 
said footman, to the wonder and delight of all beholders, with a pot 
of ale in one hand, and a pipe in the other; and when he is let down, 
there will not appear the least mark of the cord about his neck. 



PHILADELPHIA 105 

He bids a Lady's maid put her finger into a cup of clear liquor 
like water; upon which her face and both her hands are immediately 
withered, like an old woman of fourscore; her belly swells as if she 
were within a week of her time, and her legs are as thick as mill- 
posts; but upon putting her finger into another cup, she becomes as 
young and handsome as she was before. 

He gives any Gentleman leave to drive forty twelvepenny nails 
up to the head in a porter's backside; and then he places the said 
porter on a loadstone chair, which draws out every nail, and the 
porter feels no pain. 

He likewise draws the teeth of half a dozen Gentlemen ; mixes 
and jumbles them in a hat; gives any person leave to blindfold 
him, while he returns each their own, and fixes them as well as 
ever. 

With his fore-finger and thumb he thrusts several Gentlemen's 
and Lady's eyes out of their heads, without the least pain; at which 
time they see an unspeakable number of beautiful colours; and after 
they are entertained to the full, he places them again in their proper 
sockets, without any damage to the sight. 

He lets any Gentleman drink a quart of hot melted lead; and by 
a draught of prepared liquor, of which he takes part himself, he 
makes the said lead pass through the said Gentleman before all the 
spectators, without any damage: after which, it is produced in a 
cake to the company. 

With many other wonderful performances of art, too tedious here 
to mention. 

The said artist hath performed before most Kings and Princes in 
Europe with great applause. 

He performs every day (except Sundays) from Ten of the clock 
to One in the forenoon ; and from. Four till Seven in the Evening, 
at the new Inn in Smithfield. 

The first seat a British Crown, the second a Bn7*5/i Half-Crown, 
and the lowest a British Shilling. 

NB. The best hands in town are to play at the said show.« 
Bekanntlich ist auch das »Verzeichnis einer Sammlung von Gerat- 
schaften« 451, 10 »in the manner of Swift« geschrieben; s. ferner 
610, 1-611, 31. 

Literatur: Erich Ebstein, Jakob Philadelphia in seinen Beziehungen 
zu Goethe, Lichtenberg und Schiller. In: Zeitschrift fur Biicher- 
freunde. NFIII, 1911-1912, S. 22-28. 

Fritz Heymann, Der Erzmagier Philadelphia. In: Der Chevalier 
von Geldern. Koln 1963, S. 360-383. 

W. Speiser, Die Annonzen des Philadelphia. Ein Beitrag zur Ge- 
schichte der Reklame. In: Geschichtsblatter fiir Technik und Indu- 
strie 5 (1918), S. 303-312. 



1 06 STREITSCHRIFTEN 

253 (Abb,) Corg Mollere ...; In der Vorrede zum 3. Band der 1. 

Ausgabe der »Vermischten Schriften«, wiederabgedruckt Got- 
tingen 1844, S. 183-184, heifit es zu dem 1. Holzschnitt: »Das 
oberste hat ein abenteuerliches, furchtbares Ansehen: es stellt 
die ganze heil. Dreifaltigkeit, nebst den guten und bosen Gti- 
stern vor, - - (die die Zauberer oft genug im Munde zu fiihren, 
und deren Beistandes sie sich zu riihmen pflegen) und die 
letztern noch uberdieB sehr geschaftig, die siindhaften Men- 
schen im hollischen Pfuhl herum zu schiiren. Die Umschrift 
sagt entweder nichts oder etwas Albernes, und ist zugleich auf 
eine mystische Weise (als ein Chronodistichon) geschrieben; 
so paBt sie am besten fiir Zauberformeln und Kunststuckchen, 
die gleichsfalls nichts oder etwas Albernes, unter dem Anstrich 
des Wunderbaren, enthalten. Der Georg Moller, dem zu Ehren 
sie abgefaBt ist, war, wie es in der Berliner Monatsschrift vor- 
trefflich ausgedriickt ist, ein Taschenspieler anderer Art, ein 
Tabacksspinner, der sich einfallen lieB, geistliche Conventikeln 
zu halten (in Hamburg 1686, wurde 1694 ins GefangniB ge- 
worfen, und bald nachher aus der Stadt gejagt) und theologi- 
sche Biicher zu schreiben, die voll fanatischer Salbung sind. 
Einige Nachrichten von ihm flnden sich in Jocher's Gelehrten- 
lexikon« [3. Theil, Sp. 571, Nachdruck Olms, Hildesheim 
1961]. - 5 Avertissement: Anzeige, Bekanntmachung. E 271 
reflektiert Lichtenberg ubngens tiber die Kunst der Englander, 
avertissements zu machen. Er verwendet das Wort auch Briefe 
(IV, 323); s. ferner 799, 33. 948, 28.-4 Liebhabern der uber- 
naturlichen Physik: »the supernatural philosopher nennt Lich- 
tenberg in einem Brief an Hollenberg (IV, Nr. 143, S. 290) 
am 9.Januar 1777 den Magier Philadelphia. - 5/. Zauberer 
Philadelphia Philadelphia: Jacob Philadelphia (1735 bis nach 
1795; Todesjahr und -ort unbekannt), seinerzeit international 
beruh inter amerikan. Taschenspieler und Magier judischer 
Abstammung, nannte sich nach seinem Geburtsort Philadel- 
phia; seit 1757 auf Tournee inEuropa als »Kiinstler der Mathe- 
matik und Magie« ; sein Auftreten besprechen Schubart, Schil- 
ler, Goethe; die Volkssage hat sich seiner bemachtigt. Lichten- 
berg erwahnt ihn auch 566, 13. 572, 33 f. - 6f. Cardanus in 
seinem Buche de natura supernatural!: Dieses Werk konnte ich in 
der zehnbandigen Lyoner Ausgabe der Werke des Cardanus 
von 1663 nicht ermitteln. Uber ihn vgl. zu KA 47. 12 in die 
Luft kletterte: »Die Folge dieser Avertissements, welche sich 
schnell iiberall hin verbreiteten, war nun, daB man - denn 
alles Gedruckte muBte ja wahr seyn, zumal wenn es von einem 
Professor einer beriihmten Academie herriihrte - unbedingt 
an Philadelphias Wolkenfahrt glaubte ...« - laut Brockhaus 
von 1846, zit. nach Heymann, o.c.,p. 375. - 15 mit dem gten 



UBER PHYSIOGNOMIK 107 

Janner dieses Jahres anfangen: Vgl. Lichtenbergs Briefe an Hol- 
lenberg und Schernhagen (IV, Nr.143. 144, S. 290. 291). - 
14 hiesigen Kaufhause: audi 255, 10 erwahnt; s. ferner F 210. 

254 1 imfunften: Uber den funften Erdteil vgl. 2u 64, 5. - 1 Koni- 
gin Oberea: Ober sie vgl. zu RA, S. 639 (II). - 1 Otaheite: 
Tahiti; vgl. zu 41, 38. - 4/. ehrwiirdigen Kongrefi: Anspielung 
auf den KontinentalkongreB, der in Philadelphia am 4juli 1777 
in der Independence Hall die Unabhangigkeitserklarung der 
Vereinigten Staaten erlieB; 1 777-1778 war Philadelphia von 
den Englandern besetzt. Zu ehrwurdig s. oben die Einleitung 
S. 101. Uber Lichtenbergs politische Haltung zum Amerikani- 
schen Unabhangigkeitskrieg vgl. zu RA 16; so auch 269, 38.- 
6f. zu Konstantinopel engagiert: Tatsachlich war Philadelphia 
bei Sultan Mustaphalll. zu Gast, - 1 2 Jacobi-Kirche ...Johannis- 
Kirche: "Ober die Jacobi-Kirche vgl. zu 131, 19; die St.Johannis- 
Kirche, eins der Wahrzeichen Gottingens, entstammt dem I3jh. 
und befindet sich in der Nahe von Lichtenbergs Wohnung. Er 
erwahnt denJohannis-Turm auch 644, 18. - 20 Krausel: Kreisel; 
vgl. auch D 698 und die Anra. dazu; s. auch 815, 14. - 25 Lot: 
friiheres Handelsgewicht von urspriinglich 1/32 Pfund; sechs 
Lot rund 94 g. - 2p Chapeau: Hut; im 18JI1. im ubertragenen 
Sinn: Stutzer, Modegeck; s. Wieland, »Amadis«, Leipzig 1771, 
Anm. 17. Gesang: Betrachtung uber die Chapeaux, die Lichten- 
berg in einem Brief an Dieterich (IV, Nr. 45, S. 96) vom Sept./ 
Okt. 1772 erwahnt; vgl. ferner Briefe (IV, 143, 10. 409, 5) und 
454, 32. 807, 21. - 38 nav meta physical wortl.: AU-Meta- 
physik; mit letzterem BegrifFspielt Lichtenberg auch B 148. 

255 if. wirklich etwas zugleich sein und nicht sein kann : Dazu vgl. A 127 
und Briefe (IV, 599); nach Mautner, a. a.O., S. 172, »ein 
Hieb Lichtenbergs auf die Schulphilosophie.« - 1 Stube des 
Kaufhauses: S. zu 253, 14. - (Abb.) Gottingia: Zu diesem zwei- 
ten Holzschnitt heiBt es in den »Vermischten Schriften«, Bd.3, 
S.i 84, Gottingen 1844: »In dem andern Holzschnitte, der die 
Stadt Gottingen vorstellt, scheinen die Fahnen auf den Kirch- 
thiirmen, mit Beziehung auf das erste Kunststiick, so hervor- 
stechend gemacht zu sein. Dieser Zusatz mag neu sein, und 
konnte leicht in der Geschwindigkeit verfertigt werden.« 



UBER PHYSIOGNOMIK; WIDER DIE PHYSIOGNOMEN 



ErstverqffentHchung und Satzporlage: »Ober Physiognomik; wider die 
Physiognomen. Zu Beforderung der Menschenliebe und Menschen- 
kenntniB. Zweyte vermehrte Auflage. Gottingen, bey Johann Chri- 



108 STREITSCHRIFTEN 

stian Dieterich. 1778.fi IV unpaginierte Blatter und 93 Seiten. 8°. Eine 
Handschrift des Aufsatzes ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: In dem »Bericht iiber die Streitigkeiten«, die durch 
Lichtenbergs Kalender-Artikel gegen die »Physiognomanie« (Zim- 
mermann) entfacht wurden, behauptet er (s. 564, if.), daB die Nie- 
dersachsen im Sommer 1777 heimsuchende Seuche der Physiogno- 
mik den AnstoB zur Abfassung des Aufsatzes gegeben habe. Tat- 
sachlich ist der Gedanke zu einer derartigen Gegenschrift Lichten- 
berg noch frUher gekommen. Wenigstens schreibt er am 23. De- 
zember 1776 an Chodowiecki in Zusammenhang damit, daB er auf 
Grund der Erkrankung Erxlebens die Herausgabe des in Dieterichs 
Verlag erscheinenden Gottinger Taschen Calenders von 1777 an 
(also fur den Jahrgang 1778 erstmals) ubernommen hatte, von fol- 
genden Absichten (IV, Nr. 138, S. 283): »Da ich mich schon eine 
geraume Zeit vor Herrn Lavater mit physiognomischen Betrachtun- 
gen abgegeben, so wiinschte ich gerne in dem Kalender einige Ge- 
danken mit den besten aus Lavater anzubringen und allerdings sollten 
die Kupferstiche wiewohl eine nur entfernte Beziehung haben. Ich 
wollte namlich darin vortragen, inwiefern Laster haBlich und Tu- 
gend schon machen konnen, also eine Physiognomik, die nicht so 
niederschlagend ist als die jetzt beliebte.« 

Am 17. Oktober 1775 hatte Lichtenberg (IV, Nr.in, S. 252-253) 
Schernhagen aus London mitgeteilt, daB ihm die englische Konigin 
Lavaters »groBe Physiognomik« geliehen habe. Gemeint ist selbst- 
verstandlich der 1. Band der »Physiognomischen Fragmente« dieses 
»Schwarmers«, mit dem er sich sogleich kritisch auseinandersetzt. 
Voller Genugtuung quittiert er am 21. November 1776 eine Re- 
zension dieses Werks in der »Allgemeinen deutschen Bibliothek« 
(IV, S. 277) und garniert seinerseits die im Juni und November 1776 
erscheinenden »Briefe aus England« mit ersten Seitenhieben auf La- 
vater und die Physiognomik (s. 332, 21. 346, 21 f.), um im 3. Brief, 
der allerdings erst Januar 1778 erschien, direkt zu schreiben (s. 358, 
22 ff.): »Wehe alien Lippen und Nasen ... wenn ich einmal eine 
Physiognomik schreibe!« Aus dem Sudelbuch F ersieht man, daB 
Lichtenberg seit dem 23. Mai 1776 (F 23) Materialien zu einer Anti- 
physiognomik zusammenzutragen begann, die zu einem beherr- 
schenden Mittelpunkt der Gedankenkreise dieses Sudelbuches wird, 
wie aus der Fiille der einschlagigen Notizen hervorgeht. 

In den Sommermonaten 1777 schrieb Lichtenberg dann in sehr 
kurzer Zeit (s. noch 564, 33) den Artikel nieder, der noch im Herbst 
(vermutlich September) 1777 im »G6ttinger Taschen Calender« fur 
1778, S.1-31, erschien und den Titel trug: »Uber Physiognomik, 
und am Ende etwas zur Erklarung der Kupferstiche des Almanachs«. 
In den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen« erschien im 
128. Stiick unter dem 25. Oktober 1777 eine Anzeige, in der es 



UBER PHYSIOGNOMIK 109 

S.1026 heiBt: »Dieser Aufsatz betrifFt die Physiognomik. Unsere 
Seher werden freylich mit Hr. Prof. L. nicht zufrieden seyn, und er 
ist noch dazu so unverschonend, daB er gegen sie nicht nur braucht, 
womit sie allenfalls auch etwas umgehen konnen, lebhaften Witz, 
sondern, was ihnen ganz fremd ist, deutliche, bestimmte BegrifFe, 
richtige, zusammenhangende Schlusse. Pathognomik giebt es, und 
Leidenschaften, die zur Natur werden, geben freylich dem Gesichte 
gewisse Ziige.« 

Schon am 12. Oktober 1777 schrieb Lichtenberg an Hollenberg 
(IV, Nr.152, S. 298): »Die Physiognomik hat einiges Aufsehen ge- 
macht, und das Korps der Propheten hat mir fiirchterlich gedroht. 
Ich werde also wohl gehetzt werden. Aber was auch der Erfolg sein 
wird, so will ich doch so lange beiBen bis ich falle.« Am 23. Oktober 

1777 auBert Lichtenberg gegenuber Ramberg auBer dem Dank fiir 
dessen positives Urteil und einer Selbstkritik bereits folgende kon- 
krete Absicht (IV, Nr. 153, S. 300), »auf das kecke alte Geschwatz in 
NEUEN Worten zu replizieren«, wobei er nicht bloB zu antworten 
gedenkt, »sondern wenigstens ein halbes Dutzend bisher unberiihrter 
absurder Satze des Herrn Lavater in ihr gehoriges Licht setzen, und 
mich unter der Hand etwas dtzender Mittel bedienen, so daB es viel- 
leicht am Ende die Herren gereuen konnte, eine wohlgemeinte Ka- 
lender-Abhandlung nicht ungeriigt mit dem Kalender selbst nach 
den Fasten oder langstens bei der Erscheinung des neuen sterben ge- 
lassen zu haben.« Tatsachlich plante Dieterich nach dem unerwarte- 
ten Verkaufserfolg (s. IV, Nr.170, S. 313; Nr.171, S. 314) des Lich- 
tenbergs physiognomischen Leitartikel enthaltenden »G6ttinger 
Taschen Calenders« fiir 1778 sehr rasch den Separat-Druck der 
»Antiphysiognomik«. Am i2.Januar 1778 ist die Einleitung zu der 
Abhandlung bereits abgedruckt (IV, Nr.157, S. 306), die Lichten- 
berg, wie er Schernhagen mitteilt, nun selbst nicht mehr recht ge- 
fallt, da er sie derb findet. Und am i5.Januar 1778 schreibt Lichten- 
berg an Hollenberg (IV, Nr.i58, S. 307): »Auf Verlangen von Per- 
sonen von allerlei Stand und Einsicht, vom Minister, durch den 
Professor durch, bis zum Verleger, hat man einen neuen Abdruck 
davon verlangt, und zwei Bogen sind schon wurklich von der neuen 
Auflage fertig. Vermutlich wird das Ganze gegen Ende kunftiger 
Woche fertig, und dann will ich Ihnen gleich ein Exemplar iiber- 
senden . . . Der Einschiebsel sind viel, der Verbesserungen wenig. Ich 
verspare alles in die Antwort auf einige derbe Schriften, womit mir 
Armen gedroht worden ist.« 

Am i9.Januar 1778 sind, wie Lichtenberg an Schernhagen (IV, 
Nr. 159, S. 308) schreibt, 3 Bogen abgedruckt, die den Seiten 1-12 
des Kalender-Artikels entsprechen: Einschiebsel also. Am 22.Januar 

1778 ist der vierte Bogen fertig gedruckt (IV, Nr.160, S. 308). Die 
endgiiltige Drucklegung verzogert sich, wie Lichtenberg an Schern- 
hagen am 26Januar 1778 (IV, Nr.161, S. 309) mitteilt, wegen seines 



110 STREITSCHRIFTEN 

schlechten Gesundheitszustandes, doch ist der fiinfte (vorletzte) 
Bogen bald gesetzt. Am 2. Februar 1778 schlieBIich kiindigt Lichten- 
berg (IV, Nr.163, S. 309-310) Schernhagen drei Exetnplare der 
»Antiphysiognomik« an. Am 15. Februar schickt er ein Dedikations- 
exemplar an Nicolai (IV, Nr.171, S. 314)- 

Zur Wirkung der Zweiten Auflage der »Antiphysiognomik« s. 
die Briefe (IV, Nr.164, S. 310, vom 5. Februar 1778; IV, Nr.170, 
S. 313, vom 15. Februar 1778). 

Erst nach Vorliegen der iiberarbeiteten Neuauflage las Lichtenberg 
iibrigens die Entgegnung Lavaters auf seinen Kalender-Artikel, wes- 
halb er plante (IV, Nr.168, S. 312), seine Antwort mnmittelbar an 
Herrn Lavater gehen« zu lassen, wie er am 10. Februar Schernhagen 
mitteilte, dem gegeniiber er am 12. Februar 1778 (IV, Nr.169, S. 
313) konkretisierte: »es wird also vielleicht noch vor Ostern ein 
zweites Fragment erscheinen«. Zimmermanns unsachliche Ein- 
mischung veranderte jedoch Lichtenbergs Zielrichtung vollkommen. 
Zur ferneren Geschichte der physiognomischen Streitigkeiten s. 
audi 548, iff. 



256 iff, Vber Physiognomik; wider die Physiognomen: »Ich hatte eine 
Menge Titul dazu beisammen, und jetzt, da alles abgedruckt 
ist, kommt es mir vor, als wenn ich gerade den schlechtesten 
gewahlt hatte. In meinen Gedanken sollte der Titul so klingen 
als zE. Ober Astronomie wider die AstroIogen«, schreibt 
Lichtenberg am 2. Februar 1778 an Schernhagen (IV, Nr.163, 
S. 310). - 6f. Beforderung der Menschenliebe und Menschenkennt- 
nis: so der Untertitel der »Physiognomischen Fragmente« von 
Lavater, den Lichtenberg auch 257, 26 f. 544, 3 5 fF. 553, 9 fF. 
ironisch verwendet. - 8 J. Not working . . . neither: »Dem Aug' 
nicht folgend ohne das Gehor, / Und ohne reifes Urteil keinem 
trauend«. Zitat aus Shakespeares »Heinrich V.«, 11,2; Uber 
Shakespeare vgl. zu A 74. - 11 Verleger: Johann Christian 
Dieterich; iiber ihn vgl. zu B 92. In der Satzvorlage steht diese 
Anrede auf einem Extrablatt hinter der Titelseite. »Ich habe 
das Werk Dietrichen dediziert, um ihm, durch die Dedika- 
tion, die air von Bagatelle wieder zu geben, die es mit dem 
Kalender-Titul verloren hat, ohne ihn durch etwas anderes zu 
ersetzen«, schreibt Lichtenberg am 2. Februar 1778 an Schern- 
hagen (IV, Nr.163, S. 310). Mit ahnlichen Worten auBert sich 
Lichtenberg am 15. Februar 1778 gegeniiber Nicolai (IV, Nr. 
171, S. 315). - 14 kleidetest es damals in Gold und Seide: Ge- 
meint ist die buchbinderische Ausstattung des »G6ttinger Ta- 
schen Calenders«; Lichtenberg erwahnt sie auch in den Briefen 
(IV, 299). - 24 Beim nachsten Besuch: Eine dritte Auflage ist 



UBER PHYSIOGNOMIK III 

nicht erschienen; s. aber Briefe (IV, Nr.169, S. 313) vom 12. 
Februar 1778. - 2$ Putz ... von Chodowiecki: Auch dieser Plan 
ist nicht zustandegekommen; vgl. aber 295, 6fF.; uber ihn vgl. 
zu F 898. 

257 2f. Gottingischen Taschen-Kalender fur dieses Jahr: 1778; vgl. 
oben S. 108; Lichtenbergs Kalender-Abhandlung trug den 
Titel »Ober Physiognomik, und am Ende etwas zur Erklarung 
der Kupferstiche des Almanachs«. - 5 groberen Druck: Diesen 
Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch K 52 in Bezug auf die 
»Ausfiihrliche Erklarung von Hogarth«. - 14 Manuskript des 
Aufsatzes: Das Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. - 
16 Sedez-Bandchen: Buchformat, bei dem der Bogen 16 Blat- 
ter = 32 Seiten hat; uber den Unterschied zwischen Sedez und 
Quart, bezogen auf Chodowieckis Kalender-Kupfer und La- 
vaters Illustrationen, polemisiert Lichtenberg auch F 805. 
»Sedez-Vehikel« nennt Lichtenberg den Taschenkalender in 
den Briefen (LB III, S.127). - 20 f ein bekanntes weitlauftiges 
Werk: Gemeint sind die »Physiognomischen Fragmente« von 
Lavater, von denen bis 1777 drei Bande erschienen waren; 
1778 erschien der vierte und letzte Band. - 23 grofi Quart: 
Buchformat; zweimal gefalzter Bogen mit 4 Blattern oder 8 
Seiten, bis zur Hohe von 35 cm gebrauchlich; s. auch 546, 9. 
559, 27. - 27 f zu Bejbrderung der Liebe Gottes sengte: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 256, 6f. und 245, 28 ff. - 28/. Behutsamkeit . . . 
lehren: Dieser Satz ist F 802 entnommen; s. auch F 813. - 32 
transzendente Ventriloquenz : Diese Wendung und der ganze 
Satz ist F 665 entnommen; vgl. auch F 802. 

258 4 Dreigroschen-Stiicken: Ober diesen Ausdruck vgl. zu 17, 27. - 
4/. Obst ... aus dem Aufiern beurteilt: Diese Wendung ist F 679 
entlehnt. - 8 Welt von Chamdleonism: Die Worte sind F 819 
entlehnt. Zu Chamaleon vgl. auch 350, 27. 577, 2.-8 das Tier: 
Zu dieser Metapher fur Mensch vgl. zu B 185; s. auch 448, 1. 
449. 9f. 505, 22f. 920, if. - p/. Leidenschaften ermorden: Diese 
Wendung ist F 647 entnommen. - 1 6f. die Instrumente nicht 
den Kiinstler machen: Vgl. dazu E 396. - 18 Risse: Zu diesem 
Ausdruck vgl. auch F818. 934. - i8f. englischen Besteck: d.h. 
mit exquisitem Stahlwerkzeug aus England. Diese Stelle dient 
DWB 1, 1664 als Beleg. - 30 mit einer Ohrfeige erwidert: Diese 
Passage ist F 647 entnommen. - 55/. Kalender, dessen Dauer auf 
dem Titel viel zu grofi angegeben: Dieser Satz ist fast wortlich 
F 737 entnommen. - 34 f der gemeiniglich mit den... ubergiildeten 
Walnussen schon verschwindet: Dazu vgl. Lichtenbergs ahnliche 
AuBerung an Ramberg (IV, Nr.153, S. 300) am 23. Oktober 
1777* - 38 f Diese Schrift ... weder die einzige: Ober Lichten- 
bergs Entwiirfe weiterer Streitschriften >wider Physiognostik< 
vgl. unten S. 265. 



1 12 STREITSCHRIFTEN 

259 5/ die Warnungs-Linie ... vom Abgrund gezogen: Eine ahnliche 
Wendung findet sich F 813. - 23/*. Aristarchen: Ober Aristar- 
chos von Samos vgl. zu D 717. - 24 ut apes Geometriam: »wie 
die Bienen die Geometries Zu diesem Zitat vgl. zu D 621. 
Lichtenberg zitiert die Worte auch 487, 19; s. auch 399, 2 fF. 
877, 34. Zum Gleichnis der Biene vgl. auch zu 447, 151". - 51 
Einweihung in die Mysterien der Physiognomik ...; Diese Wen- 
dung und Passage ist F 804 entlehnt. - 36 Kredit der Hebam- 
men ...; Diese Wendung ist F 660 entlehnt; vgl. auch F 804. 
Ahnliche Wortbildungen begegnen auch 260,35. 377, 26 f. 

955,5- 

260 it Von meiner ersten Jugend an: Vgl. A 4 und die Anm. dazu; 
s. auch D 132. F 804 und Briefe (IV, 283) vom 23. Dezem- 
ber 1776: »Da ich mich schon eine geraume Zeit vor Herrn 
Lavater mit physiognomischen Betrachtungen abgegeben ...« 
Vgl. ferner 499, 91". - 12 Lieblings-Beschaftigungen: von mir 
verbessert aus : Lieblings-Beschdftigung, das offensichtlich Druck- 
fehler der Satzvorlage ist. - 20 die Distanz von 1 bis 100 ... 
grqfier ist als die von 100 bis $00: Diese Wendung geht auf E 390 
zuriick; s. auch F 1168. - 23 Bilder von Wochentagen gezeichnet: 
Vgl. D 24, wo Lichtenberg den Mittwoch illustriert hat; s. 
auch E 390. - 26 in D.: Gemeint ist Darmstadt. - 32 Es ist un- 
endlich schwerer ...; Dieser Satz ist fast wortlich F 51 entnom- 
men. - 35 Quinquenniums- Kredit: Zu dieser Wortbildung vgl. 
zu 259, 36. Quinquennium: Zeitraum von 5 Jahren. Lichtenberg 
gebraucht diesen Ausdruck auch 349, 33. 408, 37. Vgl. auch 
B 176. - 35/. Die Menschen ... Mensch nie: Dieser Satz ist fast 
wortlich F 737 entnommen. 

201 3 las ich drei Abhandlungen : Von diesen Arbeiten ist nur der 
Aufsatz »Von den Charakteren in der Geschichte« erhalten; s. 
dazu unten S. 231. Zu dieser ganzen Passage vgl. F 804, das 
den Entwurf zu diesem Teil der Vorrede bildet. - jf. im hiesi- 
gen historischen Institut: von Johann Christoph Gatterer - iiber 
ihn vgl. zu D 224 - am 25. Oktober 1764 in Gottingen ge- 
griindete >Historische Akademie<. Ihr Zweck war die Ausar- 
beitung von historischen Schriften und Ubersetzungen aus 
antiken Historikern sowie die Pflege der historischen Hilfs- 
wissenschaften : Diplomatik, Heraldik, Genealogie und Numis- 
matik durch theoretische Forschung und Anlegung von Kabi- 
netten. Die >Akademie< wurde am 23.Dezember 1766 von der 
Regierung offiziell bestatigt und in das »K6nigliche Institut der 
historischen Wissenschaften« umbenannt. Seine Mitglieder ver- 
sammelten sich anfangs wochendich in Gatterers Hause zum 
Anhoren einer Vorlesung. Zu den Griindern der >Akademie< 
gehorten auBer dem Direktor unter andern Buttner und Klotz. 
Als Beisitzer oder auBerordentliche Mitglieder wurden Stu- 



UBER PHYSIOGNOMIK 113 

dierende aufgenommen. Lichtenberg gehorte auch nach seiner 
Ernennung zum Professor der Gesellschaft an. Lichtenberg er- 
wahnt sie auch 497, 2, ferner in Briefen (IV, 7) Ende Marz 
1766 und F 804. - 8 Saltust: Ober ihn vgl. zu F 804; s. auch 
497, 6. - p/. Lavaters erster Entwurf: Lavaters Vorstudie »Von 
der Physiognomik« erschien zuerst im »Hannoverischen Maga- 
zine am 3., 7. und 10. Februar 1772. Im ubrigen vgl. zu 223, 
28 f. - 10 Hannouerschen Magazin: Ober diese Zeitschrift vgl. 
zu KA130. - lof. ein Gottingischer Lehrer: Vgl. F 804; wen 
Lichtenberg gemeint haben konnte, ist nicht erfindlich; infrage 
kommt Kastner, moglicherweise aber auch Gatterer. — 14 Ein 
junger Schwede: Ljungberg; tiber ihn vgl. zu A 126. - 17 Graf 
Tessin: Ober ihn vgl. zu UB 48. - igf. in England ... physio- 
gnomische Beobachtungen: Dazu vgl. F 804. UB 40; s. auch 1022, 
33. - 22 ein physiognomischer Richmann: Diese Wendung ist 
F 804 entnommen; iiber ihn s. zu B 89. - 27 f. von dem Strahl 
eines Zeitungslobs erwdrmt: Eine ahnliche Wendung findet sich 
in F634. - 30/. Kandidaten-Junta: von mir verbessert aus: 
Kandidaten-Junto ; den Ausdruck >Kandidaten<, eine Lieblings- 
vokabel Lichtenbergs ahnlich Primaner und Knabe> verwendet 
er auch 273,21. 420,16. 427, 14. 509,31". 5^9,33. 57°, 18. 
974, 1. Im ubrigen vgl. zu C 23. - 34 ff. O was . . . herein ?: Diese 
Passage geht auf F 848 zuriick. - 34/. daunigten, hinbrutenden 
Warme des Genies: Diese Wendung stammt, wie aus D 668 
(S. 342) hervorgeht, von Lavater; s. die Anm. dazu. Lichten- 
berg verwendet sie E 506. F 848 und ahnlich auch 535, 6f. - 
33 Es werde: »Es werde Licht«: Zitat nach i.Mosis 1,12; Lich- 
tenberg verwendet es auch F 848 und 419, 34. - 57 Dieterich: 
Ober ihn vgl. zu B 92. 
262 1 schonen Nester ausgeflogener Mode: Diese Wendung geht auf 
D 616 zuriick; vgl. die Anm. dazu. - 17 f. November des Weimar- 
schen Merkurs: Lenz (unterzeichnet : z.) hatte im Novemberheft 
des »Teutschen Merkurs« 1777, IV, S.106-119, einen gegen 
Lichtenberg polemisierenden Aufsatz unter dem Titel »Nachruf 
zu der im Gottingischen Almanach des Jahres 1778 an das Publi- 
kum gehaltenen Rede iiber Physiognomik« erscheinen lassen. 
Vgl. dariiber auch F 714. 744. 800. 805. 812. 830 und 554, 12. 
566, 17. - igf. postica sanna: neulat.: Verzerrung des Mundes 
mit Fletschung der Zahne, daher eine Art Verspottung, die auf 
diese Art, d.h. mit verzerrtem Munde, auch anderen Figuren 
geschieht (Anm. der Herausgeber der »Vermischten Schriften«). 
- 20 eingewisserZ.: Lichtenberg meintjohann Georg Zimmcr- 
mann - iiber ihn vgl. zu C115 -, den er zunachst fiir den Ver- 
fasser des oben nachgewiesenen Merkur-Aufsatzes hielt. In 
einem Brief an Schernhagen (IV, Nr. 191, S. 328) vom 14. Mai 
1778 korrigiert Lichtenberg beziiglich der Rezension, nvovon 



1 14 STREITSCHRIFTEN 

Lenz, ein ebenso empfindsamer wortreicher Tropf als Zimmer- 
mann, der Verfasser ist. So schreibt ein Z. ... und ,..z gegen 
mich.« - 2if, hofdeutsch-franzostsches Schimpfwort: Gemeint ist, 
wie aus F 812 hervorgeht, das Wort »Radotage«: Gefasel. Der 
Aufsatz von Lenz beginnt mit den Worten (a.a.O., S. 106): 
»Nicht um ein angenehmes Radotage zu unterbrechen, einem 
Kreisel einzugreifen, der so artig fortgepeitscht wird . . . wage 
ichs, Ihnen diesen Knauel anzubieten.« Zu den Wortbildungen 
mit Ho/" vgl. 573, 6. 806, 30; ferner zu 60, 35. - 28 Pathognomik: 
Ihre Definition gibt Lichtenberg 278, 3#"- -31 Mein Schatten- 
bild ...; Lenz hatte in dem oben zitierten Aufsatz (a.a.O., 
S. 1 1 8-1 19) im letzten Absatz geschrieben: »Herr Lavater setzt 
schon lange, mit gleicher Schwarmerey fiirs Gute, Freunden 
und Feinden Denkmaler in seinen Fragmenten, ob schon sie im 
Grunde dort nicht wie in einer Galerie, sondern als Akademieen 
figuriren. Indessen bin ich versichert, jeder edle Mensch wird 
mit dieser Stelle besser zufrieden seyn, als in so manchen Bilder- 
saalen zur mUBigen Tapete zu dienen. Ich wiinschte von Her- 
zen, Sie, mein Herr! setzten ihn einmal auf die Probe, ob er 
aus Ihrem Gesicht und seinen festen Theilen nicht noch andere 
Eigenschaften des Geistes und Herzens entwickeln wurde, als 
Sie selbst im Spiegel gesehen, und eineErscheinung im Taschen- 
calender, mitten unter den zwolf himmlischen Zeichen des 
Zodiacus, der Welt vorspiegeln konnte. -« Lichtenbergs Sil- 
houette von 1777 ist in meiner Monographic, a.a.O., S. 62, 
wiedergegeben: Lichtenberg schreibt dazu an Schernhagen 
(IV, Nr.170, S. 313) am 15. Februar 1778: »Hier schicke ich 
Ew. Wohlgeboren meine Silhouette, sie ist mit vieler Sorgfalt 
gemacht. DaB man sie nicht gleich erkennt, riihrt daher, weil 
bei meinem Gesicht das Charakteristische nicht im UmriB des 
Profils liegt.« Vgl. auch 547, 34f. - 31/. dem Verleger: Johann 
Christian Dieterich; iiber ihn s. zu B 92. 

263 4/. wage einmal die Stimmen . . . bisher blqfi gezahlt: Den Gegen- 
satz zwischen Wagen und Zahlen notiert auch F 389; im iibri- 
gen vgl. die Anm. dazu. S. auch 516, 21 £ - 7/ ein Gafiner der 
mich betrugt: Ahnlich formuliert Lichtenberg in F 741. 802; 
iiber GaBner vgl. zu F 322. - 12 Zollfreiheit unserer Gedanken: 
Vgl. zu 73, 21. - 19 Gotisch-Vandalischen Sturm: Diese Liscow 
entlehnte Wendung ist F 528 notiert; vgl. die Anm. dazu; 
s. auch 417, 23 und G 225. - 25/ Babylonische Werke ... Sprache 
der Arbeiter verwirren: Ahnliche Wendungen finden sich, be- 
zogen auf Physiognomik, in F 525. 695. 934 und Briefe (IV, 
314, 11 f.)- 

264 ijf.falschen Empfindsamkeit: »falschempfindsam« bildet Lichten- 
berg in F 848. Diese eine zeitgenossische Haltung in Leben und 
Literatur kennzeichnende Vokabel gebraucht Lichtenberg, stets 



UBER PHYSIOGNOMDC 1 1 5 

abschatzig, auch 318, 8. 410, 18. 413, 2. 519, 17. 598, 20. 610, 
2. 618, 19. - 14 Beobachtungsgeist: Dieses Wort gebraucht Lich- 
tenberg auch C 99. E 430. F 208. 1217; s. ferner 381, 23 und 
Briefe (IV, 371). - 14/. zu Selbsterkenntnis fuhren: Diese Wen- 
dung begegnet auch F 684. 1206. - 23 Semiotik: Zu diesem 
Ausdruck vgl zu F219; s. auch 277, 23.-55 Wenn eineErbse 
Dieses Bild ist F 34 entnommen; ein ahnliches Bild findet sich 
bereits D 55. 
2 <55 5/ So erzdhlen die Schnitte . . . tines zinnernen Tellers: Auch dieses 
Bild ist F 34 entnommen; im ubrigen s. L 630 und auch E 469. 
F219. - nf. das Schicksal Rams in dem Eingeweide ...; Dieser 
Satz geht auf F 648 zuriick. - 20 Lesbarkeit von allem in allem: 
Diese Wendung ist F 694 entnommen; s. auch 290, 1. -34/. Das 
Gegenwartige, sagt ein grofier Weltweiser ...: Das Zitat konnte 
von mir nicht nachgewiesen werden. Ober Leibniz vgl. zu A 9. 
Zu: Weltweiser vgl. zu 226, 14. 

266 1 prophetische Kunst: Zu dem Gedanken der Verwandtschaft 
von Physiognomik und Prophetik vgl. zu F 23 ; s. auch 268, 
14 flf. 548, 22 f. 559, 3 7 f. 564, 14 £ - 4/. Glanz des Hohenzolkri- 
schen Hauses: D. i. PreuBen mit dem Regierungsantritt Fried- 
richs II.; iiber ihn vgl. zu KA 140. - 9 Geliebten: von mir verb, 
aus: Geliebte - 9/. eintnal im Winter die Sonne wieder in den 
Krebs: eine astronomische Unmoglichkeit, da das Sternbild des 
Krebses vom 2ijuni-2ijuli, also im Sommer, regiert; vgl. 
auch 413, 22 f. -lof. Entwickelten sich unsere Korper in derreinsten 
Himmelsluft ...: Zu diesen Ausftihrungen vgl. 548, 8 und die 
Anm. dazu. - 17 f. Salze ... anschiefien: Vgl. zu A 216; im 
ubertragenen Sinne auch F 855 gebraucht. Dieses Bild und das 
von der Steinart spielt Lichtenberg 548, 24 f. an. - 34 Biegsam- 
keit: Zu diesem Begriffvgl. zu D 620; s. auch 605, 14. 1024, 28 
und Briefe (IV, 878). - 34/. Perfektibilitat und Korruptibilitdt: Zu 
diesem bedeutenden BegrifFspaar der Aufklarung vgl. zu E 3 59 ; 
s. auch 294, 2f. 564, I2f. - 36 f, Falte die sich . . . bricht: Zu diesem 
Begriffvgl. zu F105; s. auch 312, 32. 348, 31. 

267 26 f. sturzt die konvexe ein, wenn das Gedachtnis ...; Dieser Satz 
ist F 688 entlehnt. - 29 in den Memoiren der Pariser Akademiege- 
lesen: Lichtenberg entnimmt das Zitat F 866; s. die Anm. dazu. 

- 31 f. Antezessors . . . Sukzessors: Vorgangers . . . Nachfolgers. - 
33 f. Die Briicke ... einsturzen: Dieser Satz ist fast wortlich F 866 
entnommen. 

268 2 Lapsus memoriae: Gedachtnistauschung. - Unter 6 Menschen 
...: Die folgenden Passagen sind z.T. wortlich F 730 entlehnt. 

- 14 berechnen, wie Mortalitat: Anspielung auf die in England 
von Simpson und Moivre (s. zu E 68) entwickelten »Morta- 
litatstabellen«, die Vorlaufer der modernen Versicherungs- 
mathematik. So verofFentlicht etwa von Dohm im Marzheft 



1 1<> STREITSCHRIFTEN 

des »Deutschen Museums« 1777 einen Aufsatz »Ein Vorschlag 
zur Erweiterung der Mortalitatstabellen«. Vgl. F 452 ; s. auch 
788, ijf. - 16 Prophetik: S. zu 266, 1. - 22 an Wahnsinn gren- 
zende Vermessenheit: Vgl. 250, 3 of. - 24 kurrente: von frz. cou- 
rant: gelaufig; vgl. zu D 42. - 36 f Gelegenheit macht nicht Diebe 
allein ...: Dieser Satz geht auf F 728 zuriick; vgl. auch F 730. 

269 3 Ausgang des Amerikanischen Kriegs: Gemeint ist der Amerika- 
nische Unabhangigkeitskrieg gegen England, der erst 1783 mit 
dem Siege der ehemaligen Kolonien endete; vgl. auch F 794. 
802 und 560, 34. Lichtenbergs Stellungnahme findet sich zu 
RA16 notiert. - 8f Feld ...fur die dramatischen Dichter und 
Romanschreiber: Diese Wendung, F 730 entlehnt, laBt bereits 
an »Orbis pictus« denken. - 21 wie Gott, der ihn nach seinem Bilde 
geschaffen: Zu diesem Bilde vgl. D 201. - 30 Winterschlaf einer 
neuen Barbarei: Diese Wendung ist F 388 entnommen. 

2 7° 3J. dufierst unilberlegten ... Gedanken: Lichtenberg denkt an das 
»Neunte Fragment. Von der Harmonie der moralischen und 
korperlichen Schonheit« in den »Physiognomischen Fragmen- 
ted, Bd. 1, S. 57-135, innerhalb dessen (s. S. 63!) Lavater die 
von Lichtenberg verurteilte Gleichung aufstellt. Vgl. auch 
F 942 und 564, 32. - 8 was hat Schonheit desLeibes ...: Dazu vgl. 
auch 561, 12 f. - 1 8f, Was Winckelmann Schonheit nennt: Lichten- 
berg bezieht sich wohl auf dessen Interpretation des Vatikani- 
schen Apolls, gegen die er E 165 und RA 159 Einwande erhebt 
und die von Lavater, o.c. I, p. 132-134 zitiert wird: »Gehe mit 
diesem Geist in das Reich unkorperlicher Schonheiten, und ver- 
suche, ein Schopfer einer himmlischen Natur zu werden, und 
den Geist mit Schonheiten, die sich iiber die Natur erheben, zu 
erfullen.« Uber Winckelmann s. zu B16. Vgl. auch 292, I5f. - 
24J. Landes wo die Banditen schon sind; Italien; im ubrigen s. 271, 
6f.; vgl. auch F 942. - 32 Affengesichtern ...von Mallicolo: Vgl. 
RA186 und die Anna, dazu; s. auch F942. Mallicolo ist eine 
Insel der Neuen Hebriden, ostl. von Nord-Australien. - 33J. 
Cook auf seiner letzten Reise besucht: Die dritte und letzte Welt- 
umseglung Cooks dauerte vom 24. Juni 1776 bis 14. Februar 
1779; uber Cook s. zu D 141; vgl. auch 54, 25-56, 30. Im 
»G6ttinger Taschen-Calender« fur 1778, S. 90 f., verofFentlichte 
Lichtenberg iibrigens einen Artikel mit dem Titel : »Nachricht 
von Capitain Cook's dritter Reise.« - 38 f. die Englander ihrem... 
Pferde ... arabischen Idealen gendhert: Dieser Gedanke geht auf 
F 371 zuriick; s. auch F 459. 

271 6f schone Spitzbuben: Vgl. zu 270, 6f. - 21 Zopyrus dem Sokrates 
seine bose Anlage im Gesicht sah: »Man hat die bekannte Anek- 
dote von Zopyrus Urtheil uber ihn, >daB er dumm, viehisch, 
wolliistig und der Trunkenheit ergeben sey,< - und des Sokrates 
Antwort an seine, den Gesichtsdeuter auszischenden, Schuler: 



UBER PHYSIOGNOMIK 117 

>daB er von Natur zu alien diesen Lastern geneigt ware, allein 
durch Obung und Anstrengung diese Neigungen zu unter- 
driicken gesucht hatte;< - man hat, sag* ich, diese Anekdote fur 
und wider die Wahrheit der Physiognomie tausendmal ange- 
fiihrt.«Zitat aus Lavater, Bd.2, S. 64: »Achtes Fragment. Sokra- 
tes nach einem alten Marmor von Rubens.« Zopyrus, griech. 
Physiognom des 5.JI1. v.Chr M verkiindete, er durchschaue das 
Wesen eines jeden Menschen aus der Gestalt; s. Cicero, »Ge- 
sprache in Tusculum« IV, 37, Absch. 80. Zopyrus fiihrt Lavater 
neben Plato und Pythagoras als Physiognomisten an, die sdieses 
feine Menschengefuhl in einem hohen Grade besessen zu 
haben« scheinen (I, S. 180) ; iiber Sokrates s. zu KA 9. Im iibrigen 
vgl. 291,30. - 26 j. Nachtmahlvcrgifter: »Dieser [erwiesenen?] am 
12. September 1776 in der GroBmUnster- oder Hauptkirche 
geschehenen Nachtmahlsvergiftung wurde von vielen der vor- 
malige Pfarrer, Joh. Heinr. Waser, zu Kreuz bei Zurich, fiir 
schuldig gehalten, der spater als Landesverrater angeklagt und 
verurteilt, am 27. Mai 1780 auf dem ScharTote starb«, schrieben 
die Herausgeber der »Vermischten Schriften« 1844 in einer An- 
merkung. Johann Heinrich Waser (1742 -1780), schweiz. Pfarrer 
in Zurich; iiber ihn berichtete Becker im »G6tt. Magazin« 1780; 
Lichtenberg erwahnt ihn auch in den Briefen (IV, 410. 411. 
413. 414). Vermutlich ist Lichtenbergs AuBerung iiber den 
Ziirkher Nachtmahlvergifter durch Lavaters entsetzte Emphase 
iiber diesen »Satan in Menschengestalt« veranlaBt: Bd. 3, 
S. 237-238; 1777. - 28 Macklin: Ober Charles Macklin s. zu 
F 942. - 2g Quin den bekannten Ausspntch: Lichtenberg zitiert 
ihn RA19; iiber James Quin s. zu F 975. - 31 f. Lord Mansfield 
vot einer grofien Versammlung in Kings Bench: Uber den ProzeB, 
Macklins nobles Verhalten und Mansfields Ausspruch berichtet 
Lichtenberg ausfiihrlich in RA 3 ; vgl. auch F 942 und 366, 15. 
Ober Lord Mansfield s. zu L 312. - 32 Kings Bench: S. zu 
195, 4- 
2 ? 2 3Jf- & T - Dodd ... am Galgengestorben: Ober William Dodd vgl. 
zu F 942. - sjf. Ich kenne einen denkenden Kopfi der ...: Lichten- 
berg meint vermutlich sich selbst. - 8 Leser des Milton: Milton 
nennt in ^Paradise lost«, 1. Buch, V. 419-421, den Satan »got- 
tergleich / An Form und Antlitz, iiber MenschenmaB, / Wie 
Fiirsten und Prinzen ...«; iiber Milton s. zu B 60; im iibrigen 
vgl. zu 65, 1 iff. - i6f.fanden Cartesius und Swift ... das Schielen 
reizend: Wo Descartes sich dazu auBert, ist mir nicht bekannt; 
iiber Descartes s. zu A 1 76. Swifts Vorliebe fiir das Schielen wird 
F 356 zitiert; vgl. die Anm. dazu; iiber Swift s. zu KA152. - 
i 7/ lispelnde Zunge ...in einem Juden: Vgl. 367, 1. - i8Louisd*or: 
frz. Goldmiinze (seit 1640). - 20 Ideen-Assoziation: Vgl. zu 
F216; s. auch Briefe (IV, 869). - 23 Neuerungs-Geist: Von 



Il8 STREITSCHRIFTEN 

»Neuerungssucht« redet Lichtenberg F 734. - 25/. Newtons 
Seek ...in dem Kopfeines Negers: Dieser Satz ist F 628 entnom- 
men; iiber Newton im allgemeinen s. zu A 79. Lichtenberg 
spielt auf Lavaters »Physiognomische Fragmented Bd. 1, S. 46, 
an, wo es heifit : »Der gesunde Menschenverstand emport sich 
in der That gegen einen Menschen, der behaupten kann: dafi 
Neuton und Leibnitz allenfalls ausgesehen haben konnten, wie 
ein Mensch im Tollhause, der keinen festen Tritt, keinen be- 
obachtenden Blick thun kann; und nicht vermogend ist, den 
gemeinsten abstrackten Satz zu begreifen, oder mit Verstand 
auszusprechen; da8 der eine von ihnen im Schadel eines Lappen 
die Theodicee erdacht, und der andere im Kopfe eines Labra- 
dor iers, der weiter nicht, als auf sechse zahlen kann, und was 
driiber geht, unzahlbar nennt, die Planeten gewogen und den 
Lichtstral gespaltet hatte?« - 27 j. der Schopfer ...so zeichnen: Zu 
dieser Anspielung s. 558, nf. - 30 f. Bist du ... der Richter von 
Gottes Werken: Dieser Satz ist F 887 entnommen. - 3$ was ist 
KrankUchkeit anders als innere Verzerrung: Dieser Satz ist F 705 
entnommen. 
273 1 Schattierungen : Vgl. zu 243 ,36.-12/. Beweise ...aus Christus- 
Kopfen: Als »Dritte Zugabe« zum 9. Fragment »Von der Har- 
monie der moralischen und korperlichen Schonheit«, Bd. 1, 
S. 83-84, behandelt Lavater »Christus nach HoIbein«; s. ferner 
Bd. 4, S. 433-449: »Jeder Christ hat Ziige von Christus«. 
Raphaels Christus erwahnt Lichtenberg auch E 429. F659; 
s. auch 291, 30. - 17 etwas ...fiir den Neger sagen: Vgl. D 322. 
RA181. 182 und die Anm. dazu. Uber >Mohren< spricht Lava- 
ter Bd. 4, S. 274. 278.3091311. - ig Asymptote: Asymptote 
einer sich ins Unendliche erstreckenden Kurve heiBt jede gerade 
Linie, die in der Verlangerung der Kurve immer naher kommt, 
ohne sie je ganz zu beriihren. Lichtenberg gebraucht den Be- 
griff auch F 489. J1044. L 34 und 313, 7. Cber die - schon- 
geistige - Verwendung mathematischer BegrifFe durch Lichten- 
berg s. zu A 1. - 21 Candidat en belles lettres: Zu diesem Lieblings- 
ausdruck des Satirikers Lichtenberg vgl. die Zusammenstellung 
zu 261, 3of.; s. auch die ahnliche Wendung 427,14. Zu 
belles lettres vgl. zu 314, 25. - 26 Bel-Esprit: Schongeist. Lichten- 
berg gebraucht beide Ausdrucke auch und stets abschatzig 
311,2. 315.2. 378,16. 417,26. 567, 8f. 613,5. 705»32. 
Schongeisterisch pragt Lichtenberg 412, 3 41*. Von Schongeisterei 
redet er in F152. - 51 Westindischen Schinder: Dazu vgl. F1046; 
iiber Westindien - die seinerzeit von Frankreich ausgebeuteten 
mittelamerikan. Inseln -, die Lage der Sklaven s. auch 755, 1. 
773 » 3 6. - 33 Zuckerkramer: Diesen Ausdruck gebraucht Lichten- 
berg auch F 1046. - 38 j. die Wortgen es ist und es bedeutet: An- 
spielung auf die theologische Auseinandersetzung zw. Luther 



UBER PHYSIOGNOMIK 119 

und Calvin iiber die Auskgung von: »Das ist mein Leib«; vgl. 
auch A 114, C 34 und 809, 36f. 

274 1 Freihett und geschunden: Dazu vgl. die ahnliche Wendung 
C 249. - 2 der Funke aus dem Lichtmeer der Gottheit: Diese 
Wendung ist F 809 entlehnt. - 5 unphilosphische Reisebeschreiber: 
D.h. Reisebeschreiber, die unreflektiert beobachten und un- 
kritisch Faktenmaterial mitteilen; das Gegenteil - der im 
i8.Jh. sogenannte philosophische Reisebeschreiber - verkorpert 
etwa der von Lichtenberg deshalb geriihmte Georg Forster. 
Zur Reisebeschreibung vgl. zu KA 78.-25 Die Seele baut aber 
dock ihren Korper: Dieses >Liebhngs-Satzgen der Physiognomen< 
kann man etwa bei Lavater, o.c, Bd.i, S. 107-108, nachlesen. 
Vgl. dazu F862; s. iibrigens auch KA193. - 30 Gronlander: 
Vgl. zu 241, 33. -51 Gradier-Haus: Gradierwerk, Balkengeriist, 
zwischen dem durch eine hoch gelegene Rinnenleitung iiber 
Reiserwande Salzsole lauft und verdunstet. 

275 7/ Der Schlufi aus den Werken der Natur: Zu Lichtenbergs hier 
anklingendem >Glaubensbekenntnis< vgl. noch L 275. - 26 Rede t 
sagte Sokrates zum Charmides: Gemeint ist wohl »Charmides« 
I54d von Platon. Charmides, athen. Philosoph, Onkel Platons, 
starb 403 v. Chr. Gesprachspartner in Platons Dialog »Charmi- 
des«. Ober Platon vgl. zu A 27; iiber Sokrates s. zu KA 9. - 
26 f. an ihren Fruchten ... erkennen, steht in einem Buck: Gemeint 
ist die Bibel; das Wort findet sich ebenda, Matth. 7. 16 und 20. 

276 2J. Der erstcre irrt . . . eminent: Dieser Satz ist F 824 entlehnt. - 
1 gf. Er schlieftt nicht . . . ; Dieser Satz ist F 80 entnommen ; s. auch 
die Anm. dazu. - 20 Schienbeine: von mir verb, aus: Schinn- 
beine. - 26J, von Kometenschwanzen aufKrieg: Ober Komet und 
Aberglauben vgl. zu A 220. - 3$ Newtons Nase: Dazu vgl. 
A 126. C 35! S. auch Lavater, o.c, Bd. 2, S. 276-279. 

277 5 der Verhaltnis: Vgl. zu 66, 5. - jj/. die Physiognomik ... Fett 
ersticken: Dieser Satz ist F 217 entnommen; vgl. auch F 804. 
G 95. - 23 Semiotiker; S. zu 264, 23. - ^off. Leiden einer einzigen 
unschuldigen Seele ...: Dieser Satz findet sich akzentuiert in 
F 792. - j 2 Schwarmerei: Diese Lieblingsvokabel der Aufkla- 
rung zur Bezeichnung irrationalen Handelns gebraucht Lichten- 
berg auch 518, 18. 564, 38. 571, 36. 713, 34. 806, 25f. 904, 15; 
s. auch IV, 678. 

278 4 Gradationen: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 
548, 151". 690, 2f. - 10 Elefanten und die Hunde ... lernen: Zu 
diesem Bild vgl. E113 und die Anm. dazu. Lichtenberg ge- 
braucht die Wendung auch 978, 32f. 1055, 3. - nf. was wir 
oben Pathognomik genannt: Gemeint ist 262, 28.-27 Spitzkopf 
im Deutschen: Vgl. dazu und zu der Erorterung <physiognomi- 
scher< Sprichworter F 222 und die Anm. dazu. Lavater behan- 
delt physiognomische Worter o.c, Bd. 2, S. 9. - 27 f. Nomina 



120 STREITSCHRIFTEN 

Propria: Eigennamen; Lichtenberg gebraucht diesen BegrifF 
auch F683. - 28 Volks-Schimpfworter: Vgl. dazu Lichtenbergs 
Sammlung in D 667. - 28 j. Laster im Deutschen heiflt ...; Zu 
diesem Wortgebrauch von Laster vgl. DWB 6, 253 (3). - 
30 Poltron: Diese Bemerkung geht auf KA 46 zurtick, wo 
>Poltron< etymologisch als >Verstummelung< erklart wird. 
Lichtenberg gebraucht es auch 343, 23. 837, 1, - 30 hafilich 
nicht von hassen: Dieser Satz ist F 883 entnommen. - 30/. Die 
Nase ...in hundert ... Redensarten: Zu Lichtenbergs >Nasologie< 
vgl. zu 93, 2fF. 

279 6 Fronti nulla fides: »Auf [ihr] Aussehen ist aber kein VerlaB«. 
Zit. nach Juvenals »Satirae«, II, 8 ; iiber Juvenal s. zu KA 144. 
S. auch Fielding (Bd. 3 der Hanser-Ausgabe) S. 569. - 6f. 
Spriichworter leben in ... Krieg, wie alle Regeln: Diese Wendung 
geht auf E 352 zuriick; Lichtenberg zitiert sie auch F 852 und 
Materialheft I, Nr.155. - 8ff. Phadrus antwortet ...: Dieses Zitat 
aus Phadrus' Fabeln, III, 4,5 ist in F 619 notiert; iiber Phadrus 
vgl. die Anm. dazu. - toff. Ridicule ... optimos: Ich halte diese 
Behauptung mehr fur lacherlich als fur wahr, da ich auch 
schlechte Menschen haufig schon gestaltet gefunden und viele 
vorzugliche Menschen mit haBlicher Gestalt gesehen habe. - 
ijff. Shakespeare, der die entferntesten Begriffe ... zu verhinden 
weifi: Dieser Satz ist fast wortlich F 563 entnommen; vgl. auch 
F 564. 569 und 293, 36. Uber Shakespeare vgl. zu A 74. - i$j. 
die Welt ... Schaubuhne ein hdlzernes O zu nennen: Das erste 
Zitat ist »Antonius und Cleopatra«, V, 2, entnommen; das 
zweite Zitat entstammt »K6nig Heinrich V.«, Chor I. Lichten- 
berg zitiert diese Metaphern auch 460, 32f. - igf. Shakespeare 
... arm an eigentlich physiognomischen Bemerkungen: Die Bemer- 
kung ist wohl verankBt durch Eschenburgs Aufsatz im »Deut- 
schen Museum« 1777, I, S. 40. Im ubrigen vgl. 356, 38 f. - 
22 acht seiner Stucke ... durchgegangen: Welche es im einzelnen 
waren, ist nicht feststellbar. - 25 ausgedruckt: Diese Schreibung 
begegnet auch 335, 24. 346, 21. 524, 17. - 26kurrent: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 268, 24. - 31/. dicklippige Dummheit: Ahnlich 
schreibt Lichtenberg F 569. - 34 steinernen O, worm er lebte und 
schrieb: Gemeint ist London; im ubrigen s. 333, 22. 

280 2 Bonds von Philosophic: Ahnliche Wendungen begegnen auch 
295,15. 508,33. 512,24; im ubrigen vgl. zu A125. - 14/- 
Ferner muflte der Mann ...: Vgl. F 569. - igf. Verschiedenheit der 
Urteile iiber diesen Schriftsteller ...: Woran Lichtenberg speziell 
denkt, ist unerfmdlich, wollte man nicht annehmen, daB er die 
Urteile der Sturmer und Dranger (Goethe, Lenz) meint. - 
2 if. Die Menschen sindgeneigt zu glauben ...: dieser Satz ist fast 
wortlich F 860 entnommen. - 28 seine Fluche: Von Shake- 
speares Fluchen handeltF 569; s. auch Materialheft I, Nr. 123. - 



UBER PHYSIOGNOMDC 121 

31 Sokhe Werke sind Spiegel ...: Dieser Satz ist F112 entncm- 
men; s. auch F 860. 

281 2/. Bemerkungen ... hingeworfen: Lichtenbergs Kriterium des 
wahrhaft ingeniosen Kiinstlers; s. auch 293, 35f. 334, 6f. 340, 
8fF. 381, 12 f. 660, 12 f. 686, 12 f. 962, 39; im iibrigen vgl. zu 
D313. - 7 broadfronted: breitstirnig, breitkopfig. Zitat aus 
»Antonius und Cleopatra«, I, 5. -9 baldfronted: kahlstirnig, 
kahlkopfig. - 9 foolish hanging Netherlip: albern hangende 
Unterlippe. Ungenaues Zitat aus »King Henry IV. «, i.Teil, II, 
4, wo es wortlich heiBt: »... a foolish hanging of thy nether 
lip«. Lichtenberg erwahnt das Drama auch 395, 35. - i6ff. was 
hat Octaviafur e'xn Gesicht ... sagt Cleopatra: Zitat aus »Antonius 
und Cleopatra«, III, 3.-25 Torheits-Faltgen: Dieser Ausdruck 
ist F 220 entnommen; s. auch F 247. - 34/ Gellertschen Physio- 
gnomik: Lichtenberg meint ohne Zweifel jene Passagen aus 
Gellerts »Moralischen Vorlesungen«, S. 303-307, Leipzig 1770, 
die Lavater in Bd.i, S. 30-32, der »Physiognomischen Frag- 
mente« als >Zeugnis £ur die Physiognomie< abdruckte; iiber ihn 
s. zu KA 225. Die »moralischen Vorlesungen« werden auch 
C 92 erwahnt. 

282 2/ Tugend macht schoner, Laster hqfllicher: Zu diesem Satz vgl. 
auch 295, 30 f. 558, 1 if. 562, 8. - 11 einer ... Verhaltnis: Vgl. zu 
66 t 5. - 26 Revolutionen: Vgl. zu no, 32. - 27 f. Kopfhangen: 
Eine Definition dieses Zustandes gibt Lichtenberg 713, sfF.; im 
iibrigen vgl. B 81 und Briefe (IV, 77). - 30 empfindsame Melan- 
cholic Damit definiert Lichtenberg eine durch Gray und Young 
beeinflufite zeitgenossische Seelen- und Literaturlage ; zu emp- 
findsam vgl. zu 264, 13 f. - j6f. Der Verfasser ... jungen ... 
Menschen gekannt: Auf wen Lichtenberg anspielt, ist mir nicht 
bekannt. 

283 6f. pathognomische Ausdrucke ... Sprache fur die Augen: Diese 
Wendungist F 834 entlehnt; s. auch 288, 2f. 548, I4ff. -37/. in 
jedem Dintenfleck ein Gesicht . . .findet: Nach L 634 hatte Lichten- 
berg fur »Kunkels Ehrengedachtnis« eine »Beschreibung des 
Dintenflecks auf der Charte von Frankreich« ausgefiihrt, die 
hier womoglich vorschwebt; er gebraucht die Wendung 
iibrigens auch 853, 37 f. - 38 Ideen-Assoziation: Vgl. zu 272, 20. 

284 6 grof$en> feierlichen Morgen: Diese Umschreibung fiir: Aufer- 
stehungs-Tag begegnet bereits B 40. - 1 off. einen Nachtwdchter 
. . . nach der Stimme zu zeichnen versucht: Die Zeichnungen finden 
sich RA 53; vgl. auch E 377. F 819 und UB 55. Diese Passage 
ironisiert Lenz in dem zu 262, 17 nachgewiesenen »Merkur«- 
Aufsatz, a.a.O., S.113 und im »Dt. Museum« 1778, I, S. 195; 
vgl. auch F 744. 819. - 16 f sdendem ... Tritt: Dieser Ausdruck 
ist B 253 entnommen. - 33 Schule in D.: Gemeint ist das Pada- 
gogium in Darmstadt, das Lichtenberg von 1752 bis 1761 be- 



122 STREITSCHRIFTEN 

suchte. - 57 Dieser ruhmte sich ...; Dieser Mitschiiler Lichten- 
bergs hieB Zickwolf, wie aus F 89 hervorgeht, wo er diese 
Anekdote wiedergibt. Ober ihn vgl. die Anm. dazu. 

285 lof. drei groften christlichen Gelehrten ...; Gemeint sind vermut- 
lich Abraham Gotthelf Kastner, Isaak Newton und - vielleicht - 
Jakob Bohme. Die AuBerung stammt womoglich von Lichten- 
berg selbst - dem groBen Bewunderer Gellerts -, wie noch 
J 91 1 zu bestatigen scheint: »klingt fast wie Abraham, Isaak und 
Jakob«. - 13 Gellert: S. zu 281, 34f. - ig dutch Assoziation: Vgl. 
dazu Lichtenbergs Bemerkung S. 93 der Satzvorlage: »Ehe ich 
schlieBe muB ich den Leser bitten, weij das Wort Assimilation 
S. 70, ohne hinzugefiigte Einschrankung, meinen Gedanken 
gar nicht ausdrUckt, es entweder ganz wegzustreichen, oder, 
wenn er will, dafiir Association zu schreiben.« - lgf. Wirsehen . . . 
vor uns ... die Plane der Stadte: Zu diesem Satz vgl. F 683. - 
2if. Generals ... Lee: Uber ihn vgl. zu F 683. - 22 ein Bild von 
ikm gemacht: Diesen Gedanken notiert Lichtenberg in F 683 ; 
ahnlich macht sich Lichtenberg in F 627 ein Bild von Washing- 
ton, Howe und Hancock. - 35/. der Pabst . . . ein Drache, oder ein 
Berg oder eine Kanone: Diese Wendung, ein Ausspruch des ital. 
Dichters Francesco Berni (1497-153 5), ist aus C 14 oder D 666 
entlehnt. - 38 Grenze zwischen Wachen und Traumen: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 234, 331 ; uber Lichtenbergs Traum-Reflexion 
vgl. zu A 33. 

286 5/. nach seinem System: ein KernbegrifF Lichtenbergs; vgl. 348, 
4. 513, 19. 515, 12. 516, 33; im ubrigen s. zu B140. - 7 sieht 
jeder in vier Punkten . . . ein Gesicht: Diese Wendung ist F 98 ent- 
nommen. - 15/. Heft and Lambert ... einerlei Nasen: Anspielung 
auf Lavaters »Physiognomische Fragmented Bd. I, S. 8-9, wo 
Lavater ausfuhrt : 

»Die Physiognomie des beruhmten Herrn Lambert, der sich 
vor mehr als zwolf Jahren in Zurich aufgehalten, und den ich 
nachher wieder in Berlin zu finden das Vergnugen hatte, war 
eine von den ersten, die mich durch ihre ganz auBerordentliche 
Bildung frappirte, meine innersten Nerven zittern machte 
- und mir ein Ich weiB nicht was - von Ehrfurcht inspirirte — 
Diese Eindrucke wurden aber bald von andern verdrangt ; ich 
vergaB Lamberten und seine Gesichtsbildung - Wol drey Jahre 
nachher zeichnet* ich, urn noch wenigstens sein Bild zu retten, 
meinen todtlich kranken Herzensfreund Felix Heften. Tausend- 
mal hatt* ich ihn angesehen, ohn einmal seine Physiognomie 
mit Lamberts zu vergleichen; Ich hatt* ihn in Lamberts Gesell- 
schaft gesehen, mit Lamberten controvertiren gehort und, - wol 
ein unwiderleglicher Beweis meines, wenigstens damals, stump- 
fen Beobachtungsgeistes - und beobachtete nicht die mindeste 
Ahnlichkeit. 



UBER PHYSIOGNOMIK 123 

Aber indem ich zeichnete, fiel's mir so gleich auf - stand so 
gleich Lamberts erwecktes Bild vor mir - >Du hast Lamberts 
Nase!< sagt' ich meinem Freunde. Je mehr ich dran zeichnete, 
desto spiirbarer wurde mir die Ahnlichkeit. Ich will Heften 
nicht mit Lamberten vergleichen; - nicht sagen, was Hej$ hatte 
werden konnen, wenn es Gott gefallen hatte, ihm mehrere 
Jahre zu schenken. - Hefi hatte keine Ader zur Mathematik; 
hatte gewiB nicht das tiefdringende Genie dieses so einzigen 
Mannes; sein Temperamentscharacter ist von Lamberts sehr 
verschieden, so verschieden, als ihre Augen und Stirnen - Aber 
in der Feinheit, in der Art ihrer Nasen, waren sie sich ziemlich 
ahnlich - und beyde zeichnen sich in ungleichem Grade durch 
groBen, hellen, vielfassenden Verstand aus. Dieses wuBt' ich 
ohne alle Riicksicht auf ihre Physiognomien: - Aber diese 
Ahnlichkeit der Nasen schien mir so sonderbar, daB ich auf der- 
gleichen Ahnlichkeiten wenigstens beym Zeichnen aufmerk- 
samer zu werden begann.« 

An gleicher Stelle teilt Lavater iibrigens in zwei FuBnoten 
mit, daB er sich auBerstande sah, von Lambert und HeB Bild- 
nisse zu erhalten. 

Johann Felix HeB (i 742/1 768), Freund Lavaters und FuBlis, 
GroBnefFe und Lieblingsschliler Bahners, schweiz. Theologe 
und Schriftstelier, Obersetzer der Predigten Sternes. Lavater 
verfaBte nach seinem friihen Tod das »Denkmal auf Herrn 
Felix HeB«; iiber Lambert s. zu A 252. - 2 of. Meisterstiick der 
Schopfung: Diese Umschreibung fur: Mensch gebraucht Lich- 
tenberg auch 422, 7. 534, 18. 689, 28. 901, 27. 908, 19. 951, 13. 
1015, 3of. 1055,2; im iibrigen vgl. zu B185. - 23 Es regnet 
allemal ...; Diese Wendung ist F 732 entnommen. Von typi- 
schem >Jahrmarkt-Wetter< spricht Lichtenberg auch B 302. 
F 692 und in den Briefen (IV, 372, 9f. 402, 9). 

287 17 Lavater halt die Nose . . . ; Wo Lavater dies sagt, war nicht auf- 
findbar. - igf zu Verstellung und von Verstellung: entsprechend 
Lichtenbergs Anmerkung S. 93 der Satzvorlage; von mir verb, 
aus : zu Vorstellung . . . 

288 2 Die pathognomischen Abanderungen ...; Vgl. zu 283, 6 f. - 
3/ wie der grbfite Physiologe sagt: Gemeint sind Albrecht von 
Hallers - iiber ihn vgl. zu A 230 - »Elementa physiologiae cor- 
poris humani«, Bd. 5, S. 590. Lichtenberg zitiert das Werk 
iibrigens nach Lavater o.c, Bd. I, S. 26-27; s. auch KA223 
und die Anm. dazu. - 4/. zehn Worter ... in Weingeist: Dieser 
Satz ist F 843 entnommen. - 8 Korollaria: in der Logik Lehr- 
satze, die aus dem Vorhergehenden unmittelbar folgen und 
deshalb keines Beweises bedurfen. - 24 Orakelwortem: Diese 
Wortpragung ist D 668 entlehnt. - 34/. muntern W'xtzes und der 
verfuhrerischen Einbildungskrafi: Die hier folgenden Passagen 



124 STREITSCHRIFTEN 

gehen auf ¥ 6$6 zuriick. - 55/. kleinett Hieb hat: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 321, 26. 

289 j of. Man esse einntal den Scheffel Salz . . . Aristoteles verlangt: Das 
Wort des Aristoteles, auch Briefe (LB II, Nr. 500, S. 292) nach 
dem 24.Februar 1787 und in Musaus' »Physiognomischen 
Reisen«, 2, 67 zitiert, steht in der »Nikomachischen Ethik«, 8, 3, 
8; iiber Aristoteles vgl. zu KA 80. - 13 irren ist menschlich: 
humanum est errare. Zit. aus Seneca des Alteren, »Controvers.«, 
4, decl. 3; s. auch G 85. - 2 if. Die Liederlichkeit, der Geiz ... ihre 
eigne Livree: Zu dieser Wendung vgl. B199; s. auch 778, 6f. - 
23 die Form unseres Hutes und Art ihn zu setzen: Dazu vgl. 388, 
32ff. 

290 1 Lesbarkeit von allem in altem: Zu dieser Wendung vgl. 265, 
20. - 7 nicht reden ... wie von einem Kurbis: Diese Wendung ist 
F 694 entlehnt. - 1 2f Satz des zureichenden Grundes . . . maschinen- 
miiflig: Auch diese Wendung ist F 694 entlehnt; vgl. die Anm. 
dazu. 

291 iff. wie eine Gallert . . . organischen Bau in einem Glas Wasser: Die 
ganze Passage ist fast wortlich F 730 entnommen. - 1 if Schtus- 
sen aus pathognomischen Zugen: Ahnliche Gedanken entwickelt 
F 636. - 18 f paucorum hominum homo: als Mensch der wenigen 
Menschen. - 30 italienische Christus-Gesichter: Vgl. zu 273, 12 f. 
Im iibrigen s. E 429 und die Anm. dazu. - 30 Sokrates: Er gait 
als Sinnbild des physisch haBlichen, seelisch schonen Menschen; 
iiber seine Identiflkation mit Christus vgl. Benno Bohm: 
Sokrates im achtzehnten Jahrhundert. Leipzig 1929. Im iibrigen 
vgl. zu 271, 21. - 3$f Holbein macht ... Betteljuden aus seinem 
Judas: Lichtenberg bezieht sich hier auf die Abbildung eines 
Judas-Kopfes von Holbein in den »Physiognomischen Fragmen- 
ted, Bd. 1, den Lavater ebenda, S. 79-83, ubrigens ebenfalls 
kritisch, interpretiert. Ober Holbein s. zu TB 27. 

292 $ff. gewisse Art unbrauchbare Hunde . . . schuttelt: Die ganze Pas- 
sage ist fast wortlich F 730 entnommen. - i$f die grbfte Schon- 
heit ... vonjener Winckelmannischen unterschieden: Vgl. zu 270, 
i8f. ; iiber Winckelmann vgl. zu B 16. - 20 Wollust: Zu diesem 
Begriff vgl. zu A 112. - 21 Revenue: Vgl. zu 245, 25. - 31 
Bedlam: Bethlehem Royal Hospital: Anstalt fur Geisteskranke 
im Londoner Stadtteil Moorfield; vgl. dariiber zu A 4. Zu dem 
Gedanken vgl. 564, 22. Lichtenberg erwahnt Bedlam auch 371, 
31. 414, 28. 470, 25. 863, 24. 884, 23. 901, 12. 910, 36. 973, 26. - 
32 versteinert: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 155, 29. - 33 den 
Sirius ausblasen: Eine ahnliche Wendung findet sich in F 721. 

293 3 Physiognomik ... triiglich: Dazu vgl. 548,29. - 10 heraus- 
wiirfeln: Zu diesem Ausdruck vgl. E134 und die Anm. dazu; 
s. auch 308, 31. - 2 of Ordnung in der Wohnstube ...im Kopf: Zu 
dieser Wendung vgl. 441, 7f., zu Lichtenbergs eigenem Ord- 



UBER PHYSIOGNOMIK 125 

nungs-Sinn s. zu C194 (S.195). - 30 Aus der Mdtressc schliefit 
man aufden Mann: Dieser Satz ist F 702 entnommen. - 36 Le 
Sage: Ober ihn s. zu F 69, - 36 Shakespear: Uber ihn vgl. zu 

279, ig£. - 36 Ziige, wie weggeworfen: Vgl. zu 281, 2f. 

294 if.Jede neue Attaque . . . neue Befestigungskunst : Diesen Gedanken 
wiederholt Lichtenberg 564, 24. - 2/ perfektibelsten und kor- 
ruptibelsten Geschopf: Vgl. zu 266, 34f. - 4ff. Allein was auch ... 
gezeigt werden: Diese Passage ist mit geringen Veranderungen 
aus der Vorrede »Einiges zur Erklarung der Kupferstiche« 
(GTK 1778, S. 24) Ubernommen worden. - 13 dankverdiene- 
rische Geschdftigkeit: Diese Wendung findet sich in E 355; s. auch 
413, 18 und D 64. 539. - i2ff. das bescheidene Nachgeben ... 
Reinlichkeit ohne Geckerei: Diese Passage geht auf F 396 zuriick. 
- i$f. Gelegenheit zu geben: von mir verbessert aus: G/egenheit 
zu geben. - 21 Geschichte seines eigenen Herzens: Diese Formel 
findet sich auch 233, I5f. - 2$ff. von einem gebornen Beobachter 
des Menschen . . . vorgestellt zu sehen: Lichtenbergs Plan ist in den 
Monatskupfern von Chodowiecki im »G6ttingischen Taschen 
Calender« fiir 1778 verwirklicht: »Der Fortgang der Tugend 
und des Lasters.« 

295 2J. Was Hogarth hterin geleistet . . . : etwa in der Folge von »FleiB 
und Faulheit«; Lichtenberg selbst denkt aber, wie aus Briefen 
(IV, S. 283. 284) hervorgeht, an dessen »Leben des Lieder- 
lichen«. Uber Lichtenbergs Beschaftigung mit Hogarth s. unten 
S. 3 i8ff. ; uber Hogarth vgl. zu KA 277. In den »Erklarungen der 
Kupferstiche« (GTK 1778, S. 24) riihmt Lichtenberg Chodo- 
wieckis Illustrationen »mehr als Hogarthischen Geist« nach und 
sieht in einem seiner Kopfe etwas gestaltet, »was Hogarth 
suchte und nicht finden konnte«. - 6 Chodowiecki ... der exn- 
zige . . .; Ober Lichtenbergs Zusammenarbeit mit Chodowiecki 
und dessen Illustrationen zu dem »G6ttinger Taschen Calender* 
und - fiir »Orbis pictus« - zum »G6ttingischen Magazine vgl. 
Rudolph Focke: Chodowiecki und Lichtenberg. Leipzig 1907. 
Gegen die dem Kalender beigegebenen Kupfer von Chodo- 
wiecki polemisiert Lenz in der oben zu 262, 17 nachgewiesenen 
Abhandlung (a.a.O., S.109); vgl. F 805. 898. - 8j, Seine klei- 
nen Kopje ... im Nothanker: Gemeint ist der Roman »Leben 
und Meinungen des Herrn Magisters Selbaldus Nothanker« 
von Friedrich Nicolai, der 1773 fF. in Berlin erschien und mit 
16 Kupfern von Chodowiecki verziert war; uber Nicolai s. zu 
D 520. - 1 if. Br lebt uberdas in einer Stadt: Gemeint ist Berlin, - 
13 Fond von Beobachtungen: Ahnlich schreibt Lichtenberg auch 

280, 2; vgl. die Anm. dazu. -16 schon da ist, wie: von mir verb, 
aus: schon da, ist wie - 17 j. auf meinen Vorschlag getan: Dazu 
vgl. Lichtenbergs Brief an Chodowiecki (IV, Nr.138, S. 282 
bis 284) vom 23. Dezember 1776: »Da ich mich schon eine 



126 STREITSCHRIFTEN 

geraume Zeit vor Herrn Lavater mit physiognomischen Be- 
trachtungen abgegeben, so wiinschte ich gerne in dem Kalen- 
der einige Gedanken mit den besten aus Lavater anzubringen 
und allerdings sollten die Kupferstiche wiewohl eine nur ent- 
fernte Beziehung haben. Ich wollte namlich darin vortragen, 
inwiefern Laster haBlich und Tugend schon machen konnen, 
also eine Physiognomik, die nicht so niederschlagend ist als die 
jetzt beliebte.« - 2$f. Hier sind dhnliche Kupferstiche weggeblie- 
ben: Vgl. zu 256, 14. - 30/. Erlauterung eines einztgen Satzes: 
»Tugend macht schoner, Laster haBlicher«. S. 282, 2 f. und 
oben zitierten Brief. - 34 unvollkommen war: Danach folgt in 
der Satzvorlage der zu 283, 38: Assoziation mitgeteike Absatz 
beziiglich der Druckfehler. 



UBER DIE PRONUNCIATION DER SCHOPSE 



Erstueroffentlichung und Satzvorlage: »Uber die Pronunciation der 
Schopse des alten Griechenlands verglichen mit der Pronunciation 
ihrer neuern Bruder an der Elbe: oder iiber Beh, Beh und Bah 
Bah, eine litterarische Untersuchung von dem Concipienten des 
Sendschreibens an den Mond.« In: »G6ttingisches Magazin der Wis- 
senschaften und Litteratur«, Zweyten Jahrgangs drittes Stuck. 1781, 
S. 454-479. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Am SchluB des oben genannten Stiicks findet sich 
die Mitteilung: »Die Herausgeber bitten den Leser, wegen Verzoge- 
rung dieses Stiicks des M. um Vergebung . . .« Da Burger in einem 
Brief an Boie vom 24. September 1781 (Burgers Briefe III, S. 59) auf 
den »Schopsenlaut« anspielt und Luise Mejer ebenfalls an Boie (Ich 
war wohl klug, daB ich dich fand. Munchen 1963, S. 108) unter dem 
3. September 1781 mitteilt, »Lichtenbergs Aufsatz gegen VoB« habe 
sie »noch nicht gelesen, nur gehort, daB Lichtenberg es zu grob ge- 
macht«, muB das Magazin-Stiick wenigstens vor diesem Datum, 
wahrscheinlich in der zweiten Augusthalfte 1781, erschienen sein. 

In den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen« wurde es 
im 133. Stiick vom 1. November 1781 angezeigt; es heiBt darin am 
SchluB (S.io66f.): »Und zuletzt der Concipient des neuerlichen 
Sendschreibens an den Mond, iiber die Pronunciation der Schopse 
des alten Griechenlands, verglichen mit der Pronunciation ihrer neu- 
ern Bruder an der Elbe etc. auf AoilaB der zuversichtlichst behaup- 
teten Entdeckung eines Neuern Deutschen iiber die Aussprache der 
Alten Griechen, der die heidnischen Nahmen nach seiner Meynung 
richtig, die christlichen aber falsch ausgesprochen wissen wollte, der 



PRONUNCIATION DER SCHOPSB 127 

Portsmouth durch Portsmaut und Hebe durch Hahbah mit gleicher 
Zuversichtlichkeit ausdruckte et s. p.« 

Ober die Veranlassung zu dieser ersten Streitschrift Lichtenbergs 
gegen VoB s. Lichtenbergs eigene Darstellung (297, 23 - 298, 16) und 
die betreffende Stelle in der zweiten Streitschrift. Vgl. auch die spii- 
teren AuBerungen Lichtenbergs iiber diesen Streit in den Briefen an 
Ebert vom 21. Februar 1785 (IV, Nr. 485, S. 626-628) und an Nicolai 
vom 20. Marz 1785 (IV, Nr. 488, S. 631-632). Meine Darstellung 
des Streits folgt im wesentlichen Lauchert, a.a.O., S. 68-70. 

Im 2. Stuck des i.Jahrgangs des »G6ttingischen Magazins« war der 
Aufsatz von VoB »Ober den Ozean der Alten« erschienen (s. IV, 
384, 4fF.) ( iiber den in den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten 
Sachen« 42. Stuck, 3. April 1780, folgendes gesagt wird: »Uber den 
Ocean der Alten, von Hrn. Rector VoB in Otterndorf. Eine genauere 
Anzeige, Priifung und Auseinandersetzung erlaubt der Ort und die 
Absicht nicht; genug die Abhandlung dient zur Empfehlung der an- 
gekiindigten Obersetzung der Odyssee, welche auch gelehrte An- 
merkungen erhalten wird. Wir beklagen nur, daB Hr. VoB die 
Freunde der Litteratur durch seine sonderbare, zum Theil so gar 
grundlose, Rechtschreibung der griechischen Namen, selbst ab- 
schreckt, ungeachtet er dieser Rechtschreibung nicht einmal treu zu 
bleiben wagt: denn ware Hara ('Hp?]) richtig, so muBte ja auch 
Homar, Hasiod, Harodot s. w. geschrieben werden. Wird man nicht 
auch unsern Heiland Jasus schreiben miissen? und wo ist der Erweis 
zu einer solchen Sonderbarkeit?« 

Der Rezensent war Heyne. 

VoB replizierte mit einem Artikel »Ober eine Rezension in den 
Gottingischen Anzeigen«, erschienen im »Deutschen Museum« 1780, 
S. 238-260. Lichtenberg kommentierte ihn in einem Brief an Schern- 
hagen vom 30. Oktober 1780 (IV, Nr. 276, S. 402) so: »Haben Sie 
schon den groben Ausfall von VoB auf Heynen im Museum gelesen?« 
(s. auch IV, 407, 28 f.). Und da er Heynes Frage in der oben zitierten 
Rezension treffend fand, lieB er in seinem »Sendschreiben der Erde 
an den Mond« die Erde sagen (409, 38 - 410,2) : »da Wir aber einmal 
deutsch schreiben, so wollten Wir furwahr lieber Herr Jasus und 
gebena, stehena schreiben, als die Monde und der Sonn.« Dieser Scherz 
geniigte fiir VoB, um daraufhin iiber Lichtenberg in dem im »Deut- 
schen Museum« Mai 1781, S. 465-466, gedruckten Artikel: »Ober 
einen wizigen Einfal im Gottingischen Magazin« herzufallen. Nach 
einer kurzen Auseinandersetzung iiber seine Aussprache des yj und 
seinen Streit mit Heyne dariiber schrieb VoB S. 466: »Aber im 6. St. 
des Gott. Magazins 1780, scherzt ein wiziger Kopf, im Namen unsrer 
alten Mutter, iiber gewisse Leute, die Herr Jasus und gebena, stehena 
schreiben wolten. 

Ein Mann, der iiber schongeistrische Ignoranz, und iiber die un- 
wissenden Tropfe, die nur die Possen anderer Monatsschriften, und 



128 STREITSCHRIFTEN 

nicht die gnindliche Gelehrsamkeit des Gottingischen Magazins ver- 
standlich finden, so richtig denkt und so artig schreibt: hatte doch 
eigentlich wissen sollen, wovon hier die Rede war.« Lichtenberg 
zitiert die letzten zwei Zeilen iibrigens 298, I3f. Lichtenberg ant- 
wortete an zwei Orten und auf zwiefache Weise. Der erste Ort war 
der »G6ttinger Taschen Calender fiir 1782, der bereits zum 22.Juli 
178 1 vorlag (s. IV, 416, 34), in dem Lichtenberg unter »Neue Er- 
findungen, Moden, physikaHsche und andere Merkwiirdigkeiten« 
S. 65 f. ausfuhrte: »Herr Rector VoB zu Otterndorf hat, hauptsach- 
lich aus der Ubereinstimmung des Lauts der Schopse des alten Grie- 
chenlands mit dem Laut ihrer Briider an der Elbe, und andern ahn- 
lichen Griinden, nunmehr bewiesen, daB die Griechen ihr tj wie a, 
oder besser wie ah gelesen, und folglich den Nahmen des schonsten 
Madchens im Himmel nicht Hebe ausgesprochen, sondern hdhbdh 
geblokt haben. Diese Abhandlung ist gedruckt.« (S. auch IV, 424, 
ig£. und Lauchert, a.a.O., S. 73 FuBnote). Der zweite Ort war das 
»G6ttingische Magazin« und der hier vorliegende erste Artikel Lich- 
tenbergs, in dem VoB »mit 2erlei Kammen gekammt wird« (IV, 424). 

VoB veroffentlichte seine »Vertheidigung gegen Herrn Prof. Lich- 
tenberg « im »Deutschen Museum « 1782, 3. Stuck, Marz, S. 213-251 
(vgl. IV, 426). Lichtenberg erwiderte darauf in einer zweiten Streit- 
schrift mit dem Titel »Ober Hrn. Vossens Vertheidigung gegen mich 
im Marz/Lenzmonat des deutschen Museums I782«, veroffentlicht 
im »G6ttingischen Magazin« Dritten Jahrgangs erstes Stuck, Novem- 
ber 1782, S.100-171 (s. IV, 447, 33f. 449, 7fF. 482, 26rT. 486, 8rT.). 
VoB behielt in dem Streit das letzte Wort. Im »Deutschen Museum« 
4. Stuck, April 1783, S. 340-356, erschien seine »Ehrenrettung gegen 
den Herrn Professor Lichtenberg, von J.H. VoB.« »Wenn Lichten- 
berg nicht schweigt, so dauert der Streit gewiB noch lange«, schrieb 
der bedenkliche Boie am 15. September 1783 an Luise Mejer (Ich 
war wohl klug, daB ich dich fand. Munchen 1963, S. 243). 

In einem Brief an Schernhagen vom 17, November 1782 (IV, Nr. 
352, S. 483) gestand Lichtenberg nachtraglich : »Ich bin fast noch nie 
mit jemanden so umgegangen als mit VoBen, selbst Gobhard ist noch 
gelinder traktiert ...« Aus dem gleichen Grunde glaubte Lichtenberg 
schon im August/September 1781, wie er Blumenbach gegeniiber 
auBert (IV, Nr. 298, S. 424; das von Leitzmann und mir angegebene 
Datum ist orTensichtlich zu spat), daB er »zu Otterndorf, Hamburg, 
Kopenhagen und Kiel an den Galgen geschlagen« werde, »wenigstens 
an die Familien-Galgen mancher Leute. Ich weiB nicht, ich hasse jene 
Buben so sehr, daB ich eine rechte Seelenruhe empfinden wiirde, 
werm sie mich schimpften.« Lichtenberg wurde geschimpft. Beispiele 
nennt er selbst IV, 627-628. 631. Einen weiteren Beleg liefert der 
Brief des Grafen Stolberg an Friedrich Munter, der LB II, S. 382, ab- 
gedruckt ist : 

»Ich danke Ihnen herzlich fiir Ihre schone Elegie und fiir Ihren 



PRONUNCIATION DER SCHOPSE 



129 



freundschaftlichen Brief. Ihren GruB hat mir Burger nicht bringen 
konnen, weil ich ihn nicht gesehen habe, welches mir sehr leyd 
thut. 

Lichtenbergs Unverschamtheit hat mir nicht wehe gethan, kaum 
ein wenig geargert und im geringsten nicht befremdet. Ein Mann, 
welcher keinen moralischen Charakter mehr zu behaupten hat, riskirt 
von der Seite so wenig als ein Betler von Dieben. 

DaB er selbst glauben sollte in avantage zu seyn bey diesem Streit, 
itzt das noch glauben sollte, habe ich Miihe zu glauben. Zu sichtbar 
eludirt er Vossens sehr biindige und bescheidene Antwort auf seine 
vorige Impertinenz, und gleich einem schlechten Krieger wirft er 
schimpfend den Schild von sich. Wofiir V08 Heynen Dank schuldig 
sey, weiB ich nicht, Collegia hat er halb bey ihm gehoit und ganz 
bezahlt. Jtzt mufi er Heyne nennen, weil Heyne nicht nur mit in den 
Streit eingeflochten ist, sondern VoB um Heynes willen ein Nichts- 
wiirdiger seyn soil nach Lichtenbergs negelhaftem Ausdruck. 
Cramern hat er auf eine Art angespien, die seiner wiirdig ist, und bey 
verniinftigen Leuten Cramern nicht schaden kann. 

Liebster Miinter, die Gottinger Luft schadet Ihnen, Sie sprechen 
von Klopstocks Schulern. 

Heyne kann Schiiler haben, Lichtenberg kann Schiiler haben, so 
auch Michelis und Kastner, Feder und Meiners, denn ihre Wisserey 
kann erlernt werden. 

DaB Lichtenberg Klopstock und seine Freunde angreift, und giftig 
Klopstock sowohl als VoB lobt, wird auBer dem Gottingischen klei- 
nen Zirkel weder Klopstock noch VoB, noch beyder Freunden 
schaden. 

DaB Heyne bey dieser Gelegenheit an den Pranger komt, wiirde 
mir, wenn ich sein Freund ware, sehr wehe thun, daB er es verdiente, 
aber weit mehr. 

In der Sache selbst und in der Art sie zu vertheidigen, hat VoB 
groBe avantage, schwebte aber auch das Recht in gleichen Schalen, 
so hatte VoB dadurch unendlichen Vortheil, daB alles was Lichten- 
berg und Heyne schreiben konnen, seine kleine Zeit gelesen wird, 
VoB aber beyde, wenn ihn einmal die Laune anwandelte, sie gleich 
geschossnen Eulen, andern zum Schreck, auf immer zur Schau tragen 
kann. 

Lieber, bester Miinter, lassen Sie sich nicht durch Heyne irren fuh- 
ren. Beobachten Sie ihn, der Mann ist nicht rein! Sein Streich gegen 
den jungen Cramer, den er mit Koppens Feder und Koppens Ebrai- 
scher Wissenschaft angriff, war sehr hamisch. Cramern vergeben 
Leute von Heynes und Lichtenbergs Gelichter nicht, daB er so sehr 
Klopstocks Freund ist. 

Eutin den 26sten December 1782. « 
Und wie lautete das Urteil eines, der zwar nicht auf der Seite der 
Klopstockianer, aber auch nicht im mindesten Lichtenbeigianer war? 



130 STREITSCHRIFTEN 

»Im neusten Stiick des Museums hat He. Voss gewaltig gegen die 
Herren Heyne und Lichtenberg losgezogen. Sehr grob ist er, aber ich 
und mehr Leute hier konnen die beiden Gegner nicht sehr beklagen. 
L. hatte gar keine Ursache, sich in diese Handel zu mengen, was geht 
ihn das Griechische an? Auch war das, was er fiir Spott ausgab, sehr 
plump beleidigend und groBenteils nicht gegriindet.« So urteilt 
Kastner an Friederike Baldinger am 22. April 1782 (Bopp, a.a.O., 
S. 142-143). 

Angesichts dieser Parteiungen nimmt es nicht wunder, daB Lichten- 
berg, als er 1785 an eine Ausgabe seiner »Vermischten Schriften« 
denkt, den Abdruck seiner Streitschriften gegen VoB ausschlieBt 
(s. IV, 627). Dieser Ansicht schlossen sich die Herausgeber der ersten 
Ausgabe der »Vermischten Schriften« an. Als die Sonne 1844 eine 
neue Ausgabe veranstalteten, schrieben sie (a.a.O., Bd. 4, S. 242): 

»Die beiden folgenden, im gottingischen Magazine enthaltenen, 
Aufsatze, die allerdings eine an sich nur unbedeutende grammatische 
Streitigkeit betreffen, sind in die erste Ausgabe nicht mit aufgenom- 
men. Die Vorrede zum vierten Bande derselben gab, S. IX und X, 
als Grund an, daB der Verfasser sie selbst am wenigsten noch einmal 
ins Publikum gebracht haben wiirde, da sie, bei allem Witz, mit dem 
sie gewiirzt seien, Ausdriicke enthielten, die nur die Hitze des Streits 
entschuldigen konne, sie auch gegen einen Mann gerichtet seien, 
dessen Verdienste um die deutsche Literatur Achtung geboten, und 
daher angemessener sei, das Andenken an jenen gehassigen Streit er- 
loschen zu sehen, als es durch eine neue Auflage der Actenstucke 
wieder anzufachen. 

Gehoren die Herausgeber der gegenwartigen neuen und vermehr- 
ten Ausgabe auch gewiB nicht zu den Letzten, welche den Verdien- 
sten jenes Marines die hochste Achtung zollen, so haben sie doch ge- 
glaubt, Aufsatzen, die so viel Witz und Laune enthalten, wie die vor- 
liegenden, die Aufnahme nicht versagen zu diirfen. Eine BesorgniB, 
dafi der Streit dadurch wieder werde angefacht werden, gestehen sie, 
nicht hegen zu konnen. « 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 188-190; Mautner, a.a.O., 
S. 258-264. 



296 8 Sendschreibens an den Mond: S. unten S. 187. - 12 RektorVofi: 
VoB war von 1778 bis 1782 Rektor in Otterndorf (im Lande 
Hadeln, unweit von Cuxhaven gelegen). Zu dem Titel vgL 
auch Briefe (IV, 407, 29). - 13 Studiums des Homer: VoB, der 
in Gottingen bei Heyne Altphilologie studiert hatte, begann 
seine Tatigkeit als Ubersetzer antiker Texte mit der epochalen 
Eindeutschung von Homers »Odyssee«, erschienen Hamburg 
1 781; Vossens »Ankundigung der deutschen Odiissee« erschien 



PRONUNCIATION DER SCHOPSE 13 1 

im »Deutschen Museum«, Juli 1780, S. 94-96, und Marz 1781, 
S. 261-264. S. auch 305, 4. 308, 6. Uber Homer s. zu A 135. - 14 
Hexameter-Baues: In seiner Obersetzung der »Odyssee« wie 
1783/84 auch in der Idylle »Luise« versucht VoB, dieses Vers- 
maB einzudeutschen. Lichtenberg stand den Versuchen, den 
Hexameter einzudeutschen, ubrigens skeptisch-ironisch gegen- 
iiber: s. 312, 15. 412, 18. 441, 28. 1041, 8rT. - 16 das Rezensen- 
ten-Verhor: Es handelt sich urn die folgenden Aufsatze von VoB : 
1. »Verhor liber einen Rezensenten«, erschienen im »Deutschen 
Museum«, August 1779, II, S. 158-172. Der Artikel repliziert 
auf Heynes Rezension von Homers Werken, aus dem Griech. 
Ubersetzt von Bodmer und F.L. Graf zu Stolberg, erschienen in 
der »Allgemeinen deutschen Bibliothek«, Bd. 37, Berlin 1779, 
S. 131-169 (Sign.: Qr.). 2. »Folge des Verhors iiber einen 
Berliner Rezensenten« im »Deutschen Museum«, Marz 1780, 
I, S. 264-272. 3. »Uber eine Rezension in den Gottingischen 
Anzeigen« im »Deutschen Museum«, September 1780, II, 
S. 238-260; 4. »Zweite Folge des Verhors iiber einen Berliner 
Rezensenten« im »Deutschen Museum«, November 1780, II, 
S. 446-460 (s. auch Briefe, IV, 402, 17); 5. »Vossens Verhor 
iiber zwei Ausrufer in der allgem. d. Bibliothek« im »Deutschen 
Museum«, April 1781, I, S. 327-343. Zu Vossens Invektiven 
erschien ubrigens imJuli-Stiick 1781 des »Deutschen Museums«, 
S. 87-95, eine Erklarung von Friedrich Nicolai. - i6f. Verteidi- 
gung ... Griechen: Anspielung auf Vossens Artikel »Ober eine 
Rezension in den Gottingischen Anzeigen«, erschienen im 
»Deutschen Museum«, September 1780, II, S. 238-260. - 
SO kleinstadtischen: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch B 297. E 156. 370. - $6j. dbcouco ... qnXTjaco: ich hore, 
sie horten, ich stoBe, sie stieBen, ich liebe, ich werde lieben. 
297 4 votum decisivum: entscheidende Stimme; s. auch 307, 10. - 
17 Pedantismus: seit Thomasius der Inbegriff des worttuftelnden 
scholastischen deutschen Gelehrten; s. auch 298, 26. 300, 26. 
301, 8. 302, 26. 308, 17. 377, 31. 575, 16. 645, 9. - 17 modemer 
Rechtschreiberei: Anspielung auf die von Klopstock propagierte 
Orthographie-Reform; vgl. zu G35; s. auch zu 300, I2f. - 

2$ff. wurde er gefragt: ob er auch Hr.Jasus schreiben wolle: 

Anspielung auf Heynes Rezension - s. oben S. 127 - und 
Lichtenberg in dem »Sendschreiben der Erde« - s. 410, 1. - 
28 das Ridiculum acri ... des Horaz: »ridiculum acri/ fortius et 
melius magnas plerumque secat res« heiBt es in Horaz, »Sermo- 
nes« I, 10, 14 f. - »Scherz entscheidet wichtige Fragen oft 
kraftiger und besser als der leidenschaftliche Ernst. « Ober Horaz 
s. zu KA 152. - 53 seines Homer: Diese Wendung begegnet - in 
kritischer Reflexion - auch G 5 ; s. die Anm. dazu. Vgl. ferner 
384,27. 597, 33. 



132 STREITSCHRIFTEN 

298 1 schulftichselnder Rechthaberei: Den Ausdruck »Schuliiichse« 
gebraucht Lichtenberg auch G5; s. ferner 299, 16. 300, 15. 

306, 24 f. - 4 meinem Sendschreiben und sagte: S. 410, 1. - 

12 j. im erstett Wonnemond deutsche Museum: Gemeint ist 

Vossens Artikel »Ober einen wizigen Einfall im Gottingischen 
Magazin«, erschienen im »Deutschen Museum«, Mai 1781, I, 
S. 465-466, den VoB S. 466 mit dem Absatz schlieGt: »Ein 
Mann, der iiber schongeistrische Ignoranz, und iiber die un- 
wissende Tropfe, die nur die Possen anderer Monatsschriften, 
und nicht die griindliche Gelehrsamkeit des Gottingischen 
Magazins verstandlich finden, so richtig denkt und so artig 
schreibt: hatte doch eigentlich wissen sollen, wovon hier die 
Rede war.« - 26 Pedanten: S. zu 297, 17. Mit diesem Beinamen 
belegt ihn Lichtenberg auch in den Briefen (IV, 482, 30) am 
11. November 1782. - 29 Lambertische Betrachtung iiber das Welt- 
gebaude: Gemeint sind Lamberts »Cosmologische Briefe iiber 
die Einrichtung des Weltgebaudes«, die zu A 252 genauer nach- 
gewiesen sind; Lichtenberg erwahnt sie auch J 1598. RA 156. 
SK 109. Ober den von Lichtenberg iiberaus geschatzten Na- 
turwissenschaftler s. in der Anm. dazu. - 30 f. Plunder nennt es 
Heyne: »Der ganze Plunder ist fiir sich der Miihe nicht werth; 
aber bei einer Neuerung - und in Dichtern ist es mir nicht ganz 
gleichgiiltig«, schreibt Heyne in einem Brief an VoB vom 
28. Mai 1778, den letzterer innerhalb seines Artikels »Uber eine 
Rezension in den Gottingischen Anzeigen« im »Deutschen 
Museum«, September 1780 abdruckte (s. ebenda S. 252). Lich- 
tenberg gebraucht den Ausdruck auch 148, 8. 213, 6. 750, 30. 
823, 18. 833, 6 f. 834, 3. 958, 33. Ober Christian Gottlob Heyne 
vgl. zu B 239. 

299 4 Dunciade: von engl. dunce >Schwachkopf<, Titel einer Vers- 
satire von Alexander Pope - iiber ihn s. zu A 94 - auf L. Theo- 
bald und C. Cibber (1728, verandert und erweitert 1742), da- 
her allgemein: Satire gegen-literarische-Narren; s. auch 302, 
26. 745, 38. 906, 37. - 4 zu Footes Zeiten: Der »englische Ari- 
stophanes* (so Lichtenberg im »Weg des Liederlichen«, 5.Blatt, 
S. 872, 23) Samuel Foote - iiber ihn s. zu D 648 - war seiner- 
zeit (er war 1777 gestorben) beriihmt und gefurchtet wegen 
seiner auf die Biihne gebrachten satirischen Darstellungen le- 
bender Londoner Zeitgenossen, die er virtuos lacherlich mach- 
te; s. die ausfuhrliche Charakteristik in RA13; vgl. auch 
D 648. Materialheft I, Nr. 65. - 6 Skamander: griech. Ska- 
mandros, auf dem Ida entspringender FluB, bei Homer Haupt- 
fluB der Ebene von Troja, - 7 Zindel: urspriingl. ein feines 
indisches Leinengewebe, spater ein leichter, diinner Futtertaft. 
Lichtenberg gebraucht das Wort auch D 56. 214. C 352. - 16 
Schulfiichsen: S. zu 298, 1. 



PRONUNCIATION DER SCHOPSE 133 

3CX) 2 buty mucky such: engl.: aber, viel, solch. Die Reflexion iiber 
das engl. u ist E 446 entnommen. - 12/*. unbesonnen ... jetzt 
wieder schreiben zu wollen wie man spricht: Vgl. zu 297, 25 fF. 
Im »Gottingischen Magazin«, Zweiten Jahrgangs drittes Stuck, 
1781, S. 438-454 - also dem Stuck, in dem auch vorliegender 
Aufsatz erschien -, veroffentlichte Lichtenberg einen Artikel 
von Fulda an Mazke unter dem Titel: »Da6 die Aussprache 
kein Princip der Rechtschreibung sey.« Im >Vorbericht< zum 
»G6ttingischen Magazin«, Ersten Jahrgangs erstes Stuck, 1780, 
auBert sich Lichtenberg selbst zu dem Thema: 

»Was ich noch zu sagen habe, betrifft hauptsachlich die 
Orthographic Wir werden hierin, wie es sich fur solche ab- 
hangige Sammler schickt, allerdings sehr tolerant seyn; am 
liebsten ware es uns freylich, wenn die Verfasser diejenige be- 
folgen wollten, die wir aus unsern Bibeln und Gesangbtichern, 
aus unsern besten gelehrten und politischen Zeitungen, ja, ich 
mochte fast sagen, aus unsern Frachtbriefen und Lotteriezettuln 
lernen konten; die die unsere Erneurer des guten Geschmacks 
in Deutschland eingefiihrt haben, oder die endlich, welche 
Hr. Adelung in seinem classischen Werk, das gewiB langer 
dauren wird, als alle die kleinen Werke unserer Veranderer in 
der Orthographie, durch FleiB und Rasonnement zur Richt- 
schnur auch fiir Auslander niedergelegt hat. Ueber Kleinig- 
keiten z.E. wo ein h ausgelassen oder zugesetzt werden soil, 
muB man uberhaupt mit einem so weitlauftigen Reich als 
Deutschland, und einem so bunten, urn so weniger rechten 
wollen, je weniger hierin unsere besten Schriftsteller noch mit 
sich selbst einig sind. Allein am allerwenigsten wiinschten wir 
doch, daB man die, fiir jedes Individuum eben so leichte, als 
im Ganzen unphilosophische Lehre befolgte, die Aussprache 
zur Richtschnur der Rechtschreibung machen zu wollen, und, 
eigentlich zu reden, das Gebaude an einem Punkt zu befestigen, 
der der hauptsachlichste Grund aller Unfestigkeit desselben ist. 
DaB man so haufig anders schreibt als man spricht, riihrt 
groBtentheils daher, daB man irgendwo einmal schrieb wie 
man sprach. Mit jenem Grundsatz sind wir nicht einmal im 
Stand das armseelige h aus gehorsahm zu verbannen oder aus 
Mond zuriickzuhalten. Und nun gar Fau statt Pfau und Flanze 
statt Pfianze zu schreiben! Wie, wenn nun der wackre Palzer 
uns Niedersachsen mit seinem weit etymologischern Fau und 
Flanze kame? Am Ende hauchte uns wohl gar ein weichlicher 
deutscher Sudlander jenes F auch noch weg, wie der Spanier 
durch sein humo und hijo aus fumus und filius und unzahligen 
Worten, und wir behielten denn ein blosses Hau und 'Lanze. 
Ehe ich eine solche Veranderung anriethe, wiirde ich fast lieber 
rathen, das Deutsche, aus Respeckt gegen die ZifFern und die 



134 STREITSCHRIFTEN 

Sprache des Volks Gottes riickwarts zu schreiben und zu 
drucken. So lange die Pronuntiations-Orgeln noch nicht er- 
funden sind, laBt sich gewiB von der Seite noch nichts festes 
er war ten. 

Wer sich hiervon uberzeugen will, darf nur das englische 
ansehen. Man spricht in London jetzt fast eine andere Sprache 
als man schreibt. In Schottland gehen die Abweichungen lang- 
samer von statten, da ist man noch viel naher am Buchstaben. 
Kame in England jemand auf den Einfall den Klang der Worte 
a b c-richtig auszudriicken, wie lange wiirde es dauren? Man 
spricht in Westminster in diesem Jahr falsch, weil der Citizen 
richtig spricht, und so bald die City aus Ueppigkeit falsch zu 
sprechen anfangt, so spricht Westminster wieder aus Ton 
recht. Einer schreibt indessen groBtentheils wie der andere und 
findet sich auf einem heilsamen Mittelweg befriedigt, wo das 
geschriebene Wort starke Spuren lehrreicher und nicht so 
leichtsinnig zu verwischender Etymologie, mit einem Wink 
wenigstens, er sey auch noch so gering, fur den Laut, darstellt, 
und das ist alles, was man von diesen gemischten Zeichen fur 
beyde bey so viel natiirlicher Unbestandigkeit der Zunge er- 
warten kan. 

Ich laugne damit gar nicht, dan nicht sehr verniinftige Ver- 
besserungen in unserer Orthographie statt finden, so wenig als 
ich zweifle, daB nicht allmahlig durch ein Werk, wie Hrn. 
Adelungs etwas festes eingefiihrt werden konne. Befehlen laBt 
sich aber auch hier nicht einmal, allein won der Ueberzeugung 
der jiingern laBt sich kiinftig vieles erwarten. Ich breche hier 
um so lieber ab, als ich Hofnung habe, diese Materie von einem 
vortreflichen Mann dereinst in unsern Blattern mit aller der 
Einsicht und Toleranz behandelt zu sehen, die hierbey nothig 
ist. (Zit. nach Lauchert, S. 47-49) - 13 in dubio: im Zweifels- 
falle; s. auch 304, 11, 802, 8. 856, 35. 1026, 6. - 15 Schulfuchsen: 
S. zu 298, 1. - 22 ff. share ... accumulate: teilen, nackt, reisen, 
verriickt, fett, Stand, gemacht, haufen. - 26Pedanten: S. zu 297, 
17. - 27 Grammatici certant; Grammatici certant, et adhuc sub 
iudice lis est: »Da sind die Forscher nicht eins, und der Streit 
hangt noch vor dem Richter.« Zitat nach Horaz, »De arte 
poetica«, V. 78. Lichtenberg zitiert den Anfang des Verses auch 
723, 32. Uber Horaz s. zu KA 152. - 29/. beim Shakespeare bellen 
sie ... bowgh, waugh: Wo Shakespeare diese Vokabeln verwen- 
det, war nicht feststellbar. - 30 f. blow ... overthrow: wehen, 
saen, zeigen, umwerfen. - 33 Ahnlichkeit: von mir verbessert 
aus: ylenlichkeit. 
301 iff. Noten, zu dem — bekannt gemachten vertraulichen Brief des 
Herrn Hofrat Heyne: Gemeint ist der zu 298, 3of. genauer nach- 
gewiesene Artikel von VoB, erschienen im »Deutschen 



PRONUNCIATION DER SCHOPSE 135 

Museum« September 1780, II, S* 238-260, der S. 243 fF. Heynes 
Brief enthalt. - 5 druckt er ... Portsmaut: »Schenie, Schasmien, 
Portsmaut [scil. fur Portsmouth] . . . derm es ist eben so pedan- 
tisch, im Deutschen das franzosische ge undj mit seinem wei- 
chen Gezisch horen zu lassen, als das englische th zu lispeln«, 
schreibt Vofi in dem zu 298, 3of. genauer nachgewiesenen 
Artikel (a.a.O., S. 246). - 5/. der ... herabsehende Mann: Diesen 
Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch H 155 und Briefe (IV, 
750). - 6 Ottemdorf: S. zu 296, 12. - yf. Ich schreibe nachgrtechi- 
scher Aussprache: Dieses von Lichtenberg wortlich wieder- 
gegebene Zitat eroffnet Vossens Artikel »Uber einen wizigen 
Einfall im Gottingischen Magazin«, erschienen im »Deutschen 
Museum«, Mai 1781, 1, S. 465-466 (s. ebenda S. 465). Vgl. auch 
127, 3 fF. - 8 Pedanterei: S. zu 297, 17. - lof. die Verbindungen mit 
Lehrer und Freund vergifit: Sein Lehrer Heyne hatte dem mittel- 
Iosen Studenten Vofi in Gottingen einen Freitisch verschafft und 
sich seiner personlich angenommen. - 15 aufder Kaye zu Ham- 
burg: seinerzeit iibliche Schreibweise, auch Kaje, fiir: Kai. - 
28J. ein N ; Das Schriftzeichen heifit Aleph und ist der erste 
Buchstabe im hebraischen Alphabet. - 29 Ritter Michaelis: Uber 
Johann David Michaelis s. zu KA 212. - 51 Spiritus lenis: von 
den alexandrin. Grammatikern im 3JI1. v.Chr. eingefiihrtes 
Lesezeichen iiber Vokalen im Wortanlaut zur Bezeichnung des 
unbehauchten Vokaleinsatzes (Gegensatz: Spiritus asper). 

302 5 Plutarch: Uber Plutarch vgl. zu A 42. - 6 Homer: Ober ihn 
vgl. zu A 135. - 16 Herodotus: Uber ihn vgl. zu F 840. - 16 
Demosthenes: Uber ihn vgl. zu B 65. - 2$f. rechtschreiberischen 
Pedanten: S. zu 297, 17. - 26 Dunciade: Vgl. zu 299, 4.-27 Vofi 
seine Odyssee: Dariiber s. zu 296, 14. - 32 orthographischen 
Welterldser: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch in 
» Vossens Verteidigung wider mich« (Gott. Magazin, 3. Jahr- 
gangs 1. Stuck, S. 147). Von »physiognomischen Welterlosern« 
spricht er 555, 30 f. -36 Pompahjus: Cnaeus Pompejus; iiber 
ihn s, zu C 150. Zu der Schreibung von Eigennamen vgl. 
G35.111. - 37 /. Hangriad des ... Woltahr: Gemeint ist das 
Epos »La Henriade« von Voltaire, dessen endgiiltige Fassung 
1728 in England erschien; es stellt die Glaubenskriege aus der 
Zeit des frz. Konigs Heinrich IV. und zugleich eine Kampf- 
dichtung gegen den Fanatismus beider Konfessionen dar; iiber 
Voltaire s. zu KA 28. Lichtenberg erwahnt das Epos auch 
C 197. Die Verballhornung eines voltaireschen Titels begegnet 
auch 532, 5. 

303 1 Burbong: Bourbon; Heinrich IV. war der Sohn des Anton 
von Bourbon. - 1 Walloa: Valois; Heinrich IV. hatte Marga- 
rete von Valois geheiratet. - if. Duck de Gihs: Due de Guise, 
Henri 1. dc Lorraine (1550-1588), einer der Fiihrer der kath. 



I36 STREITSCHRIFTEN 

Partei wahrend der Hugenottenkriege, gehorte zu den Ur- 
hebern der Bartholomausnacht. - 2 Bluthochzeit zu Parih: Ge- 
meint ist die Bartholomausnacht, auch Pariser Bluthochzeit 
genannt, die Nacht zum 24. 8.1572, in der der hugenottische 
Adel Frankreichs, der wegen der Heirat Heinrichs von Navarra 
mit Margarete von Valois nach Paris gekommen war, auf Ver- 
anlassung Katharina von Medicis niedergemetzelt wurde. 
Lichtenberg erwahnt das Ereignis auch 923, 12. - 7 harden- 
mqfiig: Barde: urspriinglich keltischer Sanger und Dichter von 
Kampf- und Preisliedern; im dt. i8Jh., vom »Ossian« ange- 
regt, von Klopstock gefordert, vom »G6 ttinger Hain« nach- 
geschrieben, allgemein mit altgermanischen S'angern gleichge- 
setzt und Ausdruck deutschbewuBter Dichtungsabsicht. Ent- 
sprechend distanziert gebraucht Lichtenberg den BegrifF auch 
380, 6. 421, 24. 422, 22. 517, 36. 519, 27. 568, 27. 570, 18. 1045, 
29. Im ubrigen vgl. zu E 1 69. - 34/ das Beispiel der Protestanten : 
Ober ihre Reform des Kalenderwesens s. zu 407, 3 of. 

304 4 Der grope Weise: Gemeint ist laut Grenzmann Friedrich II., 
der dahin wirkte, daB Katholiken und Protestanten Ostern am 
selben Tage feierten; tiber ihn vgl. zu KA140. - 11 in dubio: 
Vgl. zu 300, 13. - 24 zer-Vossen: Zur Verbalisierung vonEigen- 
namen, die Lichtenberg haufig iibte, vgl. zu D 666. - 33 Bode 
... bei seinen Ubersetzungen: Ober Johann Joachim Bode vgl. 
zu B, S. 45 (I). - 37 Nathan der Weise: Gemeint ist die beruhmte 
»Ring-Parabel«, in der die drei Briider die verschiedenen 
Konfessionen verkorpern. Das dramatische Gedicht »Nathan 
der Weise« war 1779 erschienen; liber Lessing vgl. zuKA 63. 

305 4 ein wiirklich grojles Unternehmen: Vgl. dazu Lichtenbergs 
Brief an VoB (IV, Nr. 253, S. 384, 11-18) vom 16. Februar 
1780. - jj anstandig: von mir verb, aus: mistandig. 

306 4 in der Odysee: Vgl. zu 296, 14. - $ den seligen Gellert: Ober 
ihn vgl. zu B 95. - 9f.jetziger Genie-Seherei und Genie-Flegelei: 
Zu diesem BegrifF vgl. zu 213, 19. - 1 7 Chodowiecki : Ober ihn 
s. zu F 870. - 19 Sic Voss; non Vobis: Wortspiel nach svwn. 
Versen des Donatus in »Vita des Vergil« XVII: Sic vos non 
vobis nidificatis aves. Sic vos non vobis vellera fertis oves. Sic 
vos non vobis mellificatis apes. Sic vos non vobis fertis aratra 
boves. »So baut ihr Vogel keine Nester fiir euch. So tragt ihr 
Schafe keine Wolle fiir euch. So bereitet ihr Bienen keinen 
Honig fiir euch. So zieht ihr Ochsen den Pflug nicht fiir euch.« 
Ober Donatus s. zu C 104. - 23 trotz des Erasmus: Desiderius 
Erasmus, genannt E. von Rotterdam (1466-1536), bedeutend- 
ster Humanist, bahnbrechend als Philologe wie als Kirchen- 
und Kulturkritiker. Erasmus war einer der ersten Humanisten, 
die Griechisch lernten; seine Edition des Neuen Testaments 
nach dem Urtext ist bahnbrechend geworden. - 24/. Schul- 



PRONUNCIATION DER SCHOPSE 1 37 

juchse: S. zu 298, 1. - 35 Die Hexen: Mit diesem Ausdruck be- 
legt Lichtenberg gern eine besonders verfiihrerische Weiblich- 
keit; vgl. 362, 1. 640, 29. 642, 2. 809, 21. 872, 7. 935, 17; vgl. 
ferner zu D 667. - 35/. Ich habe einen Englander im Deutschen 
unterrichtet: Da Lichtenberg eine ganze Reihe engl. Studenten 
unterrichtete, ist es nicht feststellbar, auf wen Lichtenberg ab- 
zielt. 

307 7 nasty: unflatig, schmutzig. - 10 voti decisivi: Vgl. zu 297, 4. - 

13 Dame Leonarda in Gil Bias 9 Rauber-Hohle: Anspielung auf 
das 4. Kapitel des 1. Buches der »Geschichte des Gil Bias von 
Santillana«, wo es von der Kochin der Rauber, Leonarda, 
einer sechzigjahrigen Frau, heiBt: »AuBer einem olivgriinen 
Teint hatte sie ein spitzes, vorstehendes Kinn und ganz einge- 
fallene Lippen; eine groBe Adlernase reichte ihr bis iiber den 
Mund hinab, und ihre Augen schienen von wundervollem 
Purpurrot zu sein.« Lichtenberg erwahnt die >Rauber-H6hle< 
von Lesage auch J 352; iiber Alain-Rend Lesage s. zu F 69. - 

14 polnischen Bock: eine Art Dudelsack; Lichtenberg gebraucht 
diesen Ausdruck auch 792, 27. - 28 j. Prof. Runde Anderung der 
Monatsnamen: Im Januarstiick des »Deutschen Museums« 1781, 
S. 7-17, hatte Justus Friedrich Runde eine »Vergleichung der 
romischen Monatsnamen mit denen, welche Karl der GroBe 
einzufiihren trachtete« angestellt; VoB replizierte »Ober die 
deutschen Monatsnamen* im »Deutschen Museum«, Mai 1781, 
S. 447-455, datiert vom 15. Marz 1781. Justus Friedrich Runde 
(1741-1807), studierte seit 1764 in Gb'ttingenjura, 1771 Prof, in 
Kassel, 1785 in Gottingen; bedeutender Rechtsgelehrter und 
vielseitiger Publizist. 

308 6 in seiner deutschen Odyssee: Vgl. zu 296, 14. - S curieuxen 

Dedikationen: Parodie des franzosierenden deutschen Barock- 
stils. Curieux: sonderbar; Lichtenberg gebraucht das Wort 
auch 427, l\galant: vgl. zu 311, 8. - 8 obligeanten: verbindlich, 
gefallig; s. auch 539, 19. - 9/ Grace ... adorierten: Obersetzt 
heiBt dieser Satz: die hohe Gnade und Grofmut ihrer Gonner 
und Geliebten bewttnderten und anbeteten. -10 Charmanten: 
Dieser BegrifFwurde etwa popularisiert durch Reuters »Schel- 
murTsky«, wo stets von seiner »Dame Charmante« die Rede 
ist. - 17 pedantischer Eigendunkel: Vgl. zu 297, 17. - i8vogelfrei: 
Zu dieser Vokabel vgl. zu 237, 21. - 19 seiner Compagnie 
Tadel: Dazu vgl. Lichtenbergs AuBerung in den Briefen (IV, 
424, 22 f.) - 22f. Pope einen Klatscher ...nennen: Im Marz-Stiick 
des »Deutschen Museums« konnte ich nur ein Spottgedicht auf 
Pope (ebenda, S. 239) entdecken: »Der Englische Homer«. Der 
»schmachtige Poet« Pope will in dem ohne Verfasserangabe ge- 
druckten Poem anstelle von Homer den Sonnenwagen lenken: 
»Er hangt den Rossen Schellen an, Sezt breit sich auf den 



I38 STREITSCHRIFTEN 

Sonnenwagen, / Dem reichen Brittenvolk eins vorzujagen, / 
Und knallt galant : rnit Ungestlim / Entkollern dem schmachti- 
gen Marine die stolzen unsterblichen Rappen«. In der »Nach- 
richt von Pope's Leben und Schriften«, erschienen im »G6ttin- 
gischen Magazin«, 3jahrgang, 1. Stiick, 1782, S. 631", schreibt 
Lichtenberg: »Ich mache mit dem Manne den Anfang, der in 
unsern Tagen auch noch den Zusatz zu seinem unsterblichen 
Ruhm erhalten hat, von unsern bewunderten und nirgends 
gelesnen Teutonen ein Klatscher genannt zu werden«. S. auch 
380, 21. Uber Alexander Pope s. zu A 94. - 24 Popische Epistel: 
Zu Lichtenbergs Wertschatzung vgl. seine Ausfiihrungen im 
»Vorbericht« zum »Gottingischen Magazin« Zweiten Jahrgangs 
Erstes Stiick 1781, datiert vom 9. April 1781: »So lang man 
bey uns noch nicht auf groBere Lehrgedichte rechnen darf und 
kan, wiirden uns Gedichte nach Art der Horazischen Episteln, 
der Horazischen und Juvenalischen Satyre, und der Satyren 
und moralischen Versuche des Pope vorziiglich erwiinscht 
seyn«. S. auch 418, 11 f, - 26 Brauour-Ode: diesen Ausdruck 
gebraucht Lichtenberg auch Briefe (IV, 830, 5). - 27 Sturm 
am Berge . . . verdonnern: Zu dieser Wendung vgl. E504 und die 
Anm. dazu. - 28 Libations Hoher-Zeder: Zu diesem Bild vgl. 
D 214 und die Anm. dazu; s. auch 916, 35. -28 Silbergewolke : 
Tax dieser Wortpragung vgl. F 731 und die Anm. dazu. - 31 
sind, mufite man: von mir verb, aus: sind mufite, man, - 31 her- 
auswurfeln: Tax diesem Ausdruck vgl. zu 293, 10. - 32 Mar- 
purg: Friedrich Wilhelm Marpurg (1718-1795), in Berlin, dt, 
Musiktheoretiker und uberaus fruchtbarer Komponist von 
Klaviersonaten, Orgelstiicken und Liedern. Ohne seinen Na- 
men zu nennen, gebraucht Lichtenberg dasselbe Bild auch E 134. 
- 34 sich um eine Staffel herunter ... schreiben: Das Verbum >sich 
herunterschreiben< bildet Lichtenberg auch F 178. - 38 recta: 
geradewegs. - 38 den Mond verklagen: Anspielung auf Lichten- 
bergs »Sendschreiben der Erde an den Mond«; vgl. 296, 8. 



Unterhaltsame Aufsatze 



VON DEM NUTZEN, DEN DIE MATHEMATIK EINEM BEL ESPRIT 
BRINGEN KANN 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Von dem Nutzen, den die 
Mathematik einem Bel Esprit bringen kan.« In: »Hannoverisches 
Magazin«, 62. Stuck, Montag, den 4ten August 1766, Sp. 981-992. 
Ein Manuskript des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Ober die Entstehung dieser ersten gedruckten Arbeit 
Lichtenbergs ist nichts bekannt. Womoglich ist sie durch ahnliche 
Schriften Kastners inspiriert, wenngleich sie gewisse Zuge auf- 
weist, die Lichtenberg durchaus charakterisieren : etwa die Abnei- 
gung gegen den Stutzer-Geschmack in den schonen Kiinsten, auch 
die Unterscheidung zwischen der Nachahmung der Natur und der 
eines Schriftstellers. Wie Verwexse in den Anmerkungen verschiedent- 
lich zeigen, machte Lichtenberg selbst iibrigens die findigste - schon- 
geistige - Anwendung seiner Wissenschaft. 

AuBer dieser Erstlingsarbeit hat Lichtenberg im »Hannoverischen 
Magazin« folgende Ardkel verorTentlicht: 

»Elemente der partialen MondfinsterniB, die den 2 3 ten October 
dieses Jahres vorfallen wird, fur den Meridian von Gottingen berech- 
net, nebst einigen Erlauterungen.« In: »Hannoverisches Magazin« 
1771, St. 83 v. 18. io., Sp. 1313-1326. 

»Einige Versuche mit Polypen.« In: »Hannoverisches Magazin« 
1773, St. 5 v. 15. 1., Sp. 71-80. 

»Anmerkungen zum 68ten und 72ten Stiick des Hannoverschen 
Magazins von diesem Jahr. Erklarung der riickwarts gehenden Be- 
wegung einer fortgestoBenen Kugel.« In: »Hannoverisches Magazin« 
1780, St. 83 v. 16. 10., Sp. 1313-1316. 

»Beobachtung eines schonen Meteors. « In: »Neues Hannoverisches 
Magazin« 1 (1791), St. 102 v. 23. 12., Sp. 1625-1632. 

»Schreiben an den Herausgeber des neuen hannoverischen Maga- 
zins [Ober den Hagel].« In: »Neues Hannoverisches Magazin« 2 
(1792), St. 93 v. 19. 11., Sp. 1473-H76. 

Vorrede zu W. A.E. Lampadius: Einige Nachrichten und Bemer- 
kungen liber das Gewitter vom dritten September dieses Jahres. In: 
»Neues Hannoverisches Magazin« 2 (1792), St. 93 v. 19. 11., Sp. 1475 
bis 1476. 

»Noch eine angebliche Aufschrift auf Lessings Grabmal.« In: 



I40 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

»Neues Hannoverisches Magazin« 3 (1793). St. 9 v. 1. 2., Sp. 129-134. 

»Einige Bemerkungen tiber die Entstehung des Hagels.« In: »Neues 
Hannoverisches Magazine 3 (i793)» St. 10 v. 4. 2., Sp. 145-160; St. 11 
v. 8. 2., Sp. 161-170. 

»Antwort auf die Frage iiber Wetterparoskope im 75. Stuck des 
neuen Hannoverischen Magazins von diesem Jahre.« In: »Neues 
Hannoverisches Magazin« 4 (1794), St. 85 v. 24. io. f Sp. 1345-13 52. 

»Eine kleine Palinodie in einem Sendschreiben an den Herausgeber 
des neuen Hannoverischen Magazins. « In: »Neues Hannoverisches 
Magazin« 4, (1794), St. 89 v. 7. II., Sp. 1409-1412. 

»Ober den neulichen Erdfall zu Winzingerode bey Duderstadt«. In : 
»Neues Hannoverisches Magazin« 8 (1798), St. 47 v. 11. 6., Sp. 753 
bis 760. 

Literatur: Ober den Artikel vgl. Deneke, a.a.O., S. 62-63 (eher 
negativ); Schneider, a.a.O., Bd. II, S. 133-134. I, Kap. 2; Mautner, 
a.a.O., S. 31-32. 



311 2BelEsprtt: frz. Schongeist; zu diesen BegrifFen vgl. zu 273, 26. 

- 8 gatanten ... Kopf: Zu diesem Modewort des i8.Jh., das 
eigentlich hof. Rokoko gehort und von Lichtenberg stets ab- 
schatzig gebraucht wird, vgl. 308, 8. 384, 29. 539, 11. 821, 18. - 
1 in loco: an Ort und Stelle. - 1 of. Histoires amoureuses: >Liebes- 
geschichten<. - 11 Lettres galantes: Galante Briefe. - 15 ein 
grofier Deutscher Meflkiinstler: Gemeint ist Abraham Gotthelf 
Kastner ; iiber ihn vgl. zu A 179. - 15 Meflkunstler: Vgl. zu 9, 21. 

- 15/. ihren Nutzen ... und ihren Wert gewiesen: Lichtenberg 
spielt auf Kastners »Oratio de eo, quod studium matheseos 
facit ad virtutem«, Gottingen 1757, und dessen Schrift »Ober 
den Wert der Mathematik, wenn man sie als einen Zeitver- 
treib betrachtet«, Gottingen 1759, an. - 21 sogenannten Schon- 
denker: Die Wendung »schonen Denkens« gebraucht, pragt? 
Lessing im 8. Brief der »Briefe, die neueste Literatur betreffend« 
beziiglich Wielands. - 22 witzige Kopje von Profession: Zu die- 
sen Wendungen vgl. oben zu 190, 38. - 24 Geometric im 
Wolffischen Auszuge: Gemeint ist der »Auszug aus den Anfangs- 
griinden aller mathematischen Wissenschaften« Halle 1717, 
von Christian Wolff. Ober ihn s. zu F 252. - 30 die freund- 
schaftlichen Briefe: Gemeint sind die »Freundschaftlichen Briefe«, 
erschienen Berlin 1746 und 1760, von Johann Wilhelm Ludwig 
Gleim. - 51/ poetische Kenntnis von Madgen, Wein und West- 
winden: Anspielung auf die von Lichtenberg verachtete zeit- 
genossische lyrische Mode der Anakreontik und Schafer- 
Dichtung sowie ihre stereotypen Motive. - 55 Schafer-Natur: 
Anspielung auf die Mode der in die hofische Wirklichkeit 



NUTZEN DER MATHEMATIK I4I 

iibersetzten Bukolik, die in der biirgerlichen Anakreontik 
wiederauflebte. 
312 6 Steganographen: Vgl. 21132, 19. - 7 Begriff von entgegengesetzten 
Grofien: Vgl. zu A 14. - 8 tveniger als nichts: Diese Formel 
wendet Lichtenberg A 53 an; vgl. auch Kastner, »Anfangs- 
griinde der Arithmetik« Cap. I, § 95. - 10 Stutzer: Diesen Aus- 
druck gebraucht Lichtenberg auch 535, 7. 594, 34- 623, 36. - 
11 Denn ... Vermogen: Zitat aus Kastners zweizeiligem Sinn- 
gedicht »Die Algebra der Stutzer«, abgedruckt in »Vermischte 
Schriften«, S. 194, Altenburg 1783 (3.Aufl.), dessen erste Zeile 
lautet: »Die Stutzer mogen sich stark auf Algebra legen.« Ober 
Kastner vgl. zu A 179. - 13 vorsich: Zu Lichtenbergs Verwechs- 
lung von >fiir< und >vor< vgl. zu A 118; s. auch 605, 19. 606, 9. 
609, 2. 622, 3 1. - i$f. Im 62ten Psalm . . . gebraucht: In Psalm 62, 
V. 10, heiBt es »Aber Menschen sind doch ja nichts, groBe Leute 
fehlen auch; sie wagen tveniger, denn nichts, so viel ihrer ist.« - 
17 Hexameter mit ... ihrer genauen Weitlaufigkeit: Zu Lichten- 
bergs Meinung vom »deutschen Hexameter« vgl. zu 296, 14. - 
19 Justi ... in einer Schrift: In der von Lichtenberg in der FuB- 
note zitierten »Staatswirthschaft oder Systematische Abhand- 
lung aller Ockonomischen und Cameral-Wissenschaften, die 
zur Regierung eines Landes erfordert werden«, erschienen 
Leipzig 1755 in zwei Banden, schreibt Justi in Zusammenhang 
mit der Erorterung »Von dem vernunftigen Gebrauche des 
Vermogens«, S. 415 in einer FuBnote: »Dieses weniger als 
nichts ist ein leerer Begrif, mit der man keinen Verstand verbin- 
den kann; oder ein bloBer Schall von Worten, womit ein 
falscher Witz spielet. Denn das nichts hat keine Grade.« 
Johann Heinrich Gottlob von Justi (1717-1771), dt. Volkswirt- 
schaftler und bedeutender Vertreter des Kameralismus, 1765 
von Friedrich II. als Leiter der staatl. Bergwerke PreuBens nach 
Berlin berufen, 1768 wegen angebl. Unterschlagung abgesetzt 
und inhaftiert. - 20 gesucht hatte: von mir geandert aus: hatte, a) 
der Satzvorlage, - 27 Je meurs d'amour: Ich sterbe vor Liebe. - 
52/*. Falte ... die er im istenjahre angenommen: Von >Falten< im 
Gehirn spricht Lichtenberg auch F105; zur physiognomischen 
Falten-Theorie vgl. zu 266, 36f. - 36 pag. 473: Lies: 415. - 
37 Kastners Anfangsgr. derArith....; Gemeint sind die »Anfangs- 
grunde der Arithmetik, Geometrie, ebenen und spharischen 
Trigonometric und Perspective Gottingen bei Vandenhoeck 
17642 (Erstauflage 1758), S. 62-63: 

»95. Zus. Wenn man zu einer verneinenden Grosse, die ihr 
gleiche bejahende setzet, so heben beyde einander auf und 
geben zusammen o. So ist — 3 + 3 = oder: wer drey Thaler 
schuldig war, und 3 Thl. baar Geld bekommt, der muB damit 
die Schulden bezahlen, und hat alsdenn Nichts. Man kann also 



142 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

von ihm sagen, er habe zuvor weniger als Nichts gehabt, weil 
er nun erstlich nichts hat, nachdem er etwas bekommen hat. In 
diesem Verstande kann man eine verneinende Grosse weniger 
als nichts nennen; sie ist nahmlich weniger als nichts in Absicht 
auf die entgegen gesetzte. Wenn eine ihr gleiche entgegen- 
gesetzte zu ihr kommt, so ist alsdenn nichts von der Entgegen- 
gesetzten vorhanden, und es fehlet ihr also noch etwas, um 
Nichts von der entgegengesetzten zu werden. An sich selbst 
aber ist jede verneinende Grosse mehr als Nichts, weil sie eine 
wirkliche Grosse ist. Dieser Ausdruck weniger als nichts, setzt 
also eine Bedeutung des Wortes Nichts zum voraus, die sich 
auf eine gewisse Art das Etwas zu betrachten beziehet (nihilum 
relatiuum) welche sich von dem Nichts ohne Beziehung ge- 
nommen (nihilum absolutum) unterscheiden liesse, eine Ein- 
theilung des Nichts, die ein gewisser deutscher Philosoph, der 
alles haarklein einzutheilen gewohnt ist, und es als einen Fehler 
der mathematischen Methode ansieht, dafi die Divisionen bey 
ihr mangelten, nicht wiirde vergessen haben, wenn sich seine 
KenntniB in der Mathematik bis auf diese Satze erstreckt hatte. 
Nimmt man den Ausdruck weniger als nichts nicht in diesem 
Verstande, so ist er falsch, und hat wirklich Mathematikver- 
standige zu irrigen Vorstellungen von den verneinenden Gros- 
sen verfuhret. In der gehorigen Bedeutung aber hat er seinen 
Nutzen, z.E. bey den Grundsatzen (88). « 
313 7 Asymptote: Dariiber vgl. zu 273, 19. VgL auch die Verwen- 
dung des BegrifFs: Ndherung: 313, 14. - 1 of. Homer und Virgil . . . 
Asymptoten derneueren epischen Dichter: Ober Homer s. zu A 13 5, 
iiber Vergil s. zu 82. - 11 Praxiteles: Ober ihn vgl. zu B 204. - 
1 1 Lysippus: Lysippos von Sikyon, griech. Bronzebildhauer des 
4,Jahrh. vor Chr. Haupt der sikyonischen Bildhauerschule, 
Hofbildhauer Alexanders des GroBen. »Farnesischer Herakles«. 
- 12 Raffael: Ober ihn vgl. zu D 537. - 15 Camera obscura: Vgl. 
zu D 739. - 14 Naherung: Ober diesen Begriff vgl, zu A 2; 
s. auch 377, 12. - 21 f. Diese Schriftsteller ... Charten von der 
Natur: Ahnliches sagt Lichtenberg A 74 beziiglich Shakespeare; 
s. auch 380, 33 f, - 23/. die Regeln ... da zu suchen: namlich in 
der Natur; vgl. die ahnliche Passage in A 74 und ferner 327, 
38f. 337, 25. 380, 33f. 667, 32. 732, i7f. 794, isf. Eine launige 
Umkehrung dieser klassischen kunsttheoret. Formel gibt Lich- 
tenberg 914, 3f. - 30 Gleichung: Lichtenberg verwendet den 
Begriff auch A 48. 186. 191. - 32 erhalte ich dadurch: von mir 
verb. aus : da dadurch der Satzvorlage. - 32/*. wenn ich nur einen 
Bedienten recht kenne ...; Zu Lichtenbergs Diener-Philosophie 
vgl. 385, 17 ff. - 57/. Vorrede zur deutschen Ubersetzung von 
Homes Grundsatzen der Kritik: In den »Grundsatzen der Critik, 
in drey Theilen von Heinrich Home«, Leipzig 1763, p. [IX-X 



NUTZEN DER MATHEMATIK 143 

des »Vorberichts« heiBt es: »Homer selbst muBte seine Regeln 
aus einer entferntern Quelle geschopft haben, zu der ihm der 
Philosoph [scil. Aristoteles] hatte folgen sollen. Diese Quelle ist 
das menschliche Herz, dessen Bewegungen und Leidenschaften 
allein alle die Wirkungen der schonen Kiinste bestimmen.« 
Dber Henry Lord Kames Home s. zu A 70. 

314 4 Moment: Tax diesem Begriff vgl. zu B 271. - 12 Grope und 
Kleinste: Zu diesen Begriffen vgl. zu A 14. - i6Endzwecke: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 12, 18. - 2$ belles lettres: Vgl. zu 
205, 10. - 25 Possen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu B 209; 
s. auch 510, 10. - 26 Schwerpunkt: Zu diesem Begriff vgl. zu 
B139; s. auch 605, 35. - 2gf. Mir ist erne Stadt bekannt ...; 
Gemeint ist ohne Zweifel Gbttingen und mit seinem eigent- 
lichen Schwerpunkt vermutlich Kastner, der seit 1766 in der 
NicolaistraBe, nahe der Stadtmauer, wohnte, wo sich ubrigens 
auch die alte Stern warte befand (Mauerturm). - 32 anziehenden 
Mittelpunkt: dazu vgl. zu B231. - 35 der zusammengesetzten 
Verhaltnis:Vg\. zu66,5. - 35 geschwind und kraf tig zu sagen: K.on- 
zision des Stils ist ein Element der Lichtenbergschen Asthetik. - 
3 7 ihre Lehren ... in ein Gedicht gebracht: iiber das >Lehrgedicht< 
reflektiert Lichtenberg auch im »Vorbericht« zum »G6ttingi- 
schen Magazin« Zweiten Jahrgangs Erstes Stuck, 178 1 (abge- 
druckt bei Lauchert, S. 64); vgl. auch zu J 401. 

3153 schonen Geistern: Vgl. zu 273, 26. - 3 Duodez: kleines Buch- 
format, das durch Teilung des Bogens in zwolf Blatter entsteht ; 
s. auch 411, 18. 546, 15. 1028, 9. - 4 aquosus Orion: der wasser- 
reiche Orion. Zitat aus Vergils »Aeneis«, Liber IV, V. 52. Ober 
Vergil vgl. zu A 82. Der Jager Orion der griech. Mythologie 
war nach der Sage aus dem Harn von Gottern erzeugt, nach 
anderen Darstellungen erhielt er von Poseidon die Gabe, das 
Meer zu iiberqueren. - 4 Minellius: Jan (1625-1683), niederl. 
Altphilologe und Schulrektor in Rotterdam, verfaBte eine 
Reihe eselsbriickenartiger Kommentare zu antiken Autoren. 
Lichtenberg erwahnt ihn auch J1758. L191. - 5 was sind die 
Hundstage: Die mit groBer RegelmaBigkeit eintretende Hitze- 
periode der Tage von Ende Juli bis Ende August hat ihren 
Namen danach, daB in sie friiher der nun durch die Prazession 
abweichende Aufgang des Sirius im GroBen Hund fiel. - 
19 Recreations mathematiques: >Mathematische Ergotzungen<. 
Diesen Titel tragt das Lehrbuch von J. Leurechon, erschienen 
Rouen 1634. - ip/. die Erquickstunden: Gemeint sind die 
»Deliciae physicomathematicae oder mathematische und philo- 
sophische Erquickstunden«, Niirnberg 1 63 6, von Daniel 
Schwenter; iiber ihn vgl. zu A 173. - 20 Methoden Schiffe zu 
rechnen: Dariiber konnte ich nichts in Erfahrung bringen. - 
21 Naturkundiger: im i8.Jh. gebrauchlich fur: Naturwissen- 



144 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

schaftler; Lichtenberg gebraucht es auch C 359; s. die Anm. 
dazu. - 2if. in seinem Vortrag ... mittleren Weg zwischen dem 
Lustigen und Ernsthaften nehmen: Zu dieser Maxime des »serio jo- 
cosa« vgl. zu E 435. - 22/. Schwenters Aufgabe, eine Sonne ... 
malen: Diese Aufgabe steht als: »XI. Aufgabe« innerhalb des 
»Siebenden Theils«, S. 320, deren Auflosung lautet: »Dieweil 
nicht der verdunkelte Theil deB Mons gegen der Sonnen stehen 
soil / sondern derjenige Theil welcher von der Sonnen erleuch- 
tet wird. So wird man auch sehen / der Mond sey vor oder 
nach der Sonnen / daft er allzeit die beede Horner von der 
Sonnen abwendet.« - 2p/. gewisse lustige Nation: Gemeint ist die 
franzosische Nation; zu Lichtenbergs >Gallophobie< vgl. zu 
75, 7f. - 33f- im Spanischen geistliche Komodien ... Letters con- 
cerning the Spanish Nation: Die von Lichtenberg angespielte 
Stelle findet sich in der deutschen Ubersetzung »Briefe von dem 
gegenwartigen Zustand des Konigreichs Spanien, geschrieben 
zu Madrid in den Jahren i76o-i76i«, Lemgo 1765, S. 62; 
iibers. von J.T. Kohler. Verfasser der »Letters concerning the 
Spanish Nation«, die London 1763 erschienen, ist Edward 
Clarke (173 0-1786), engl. Reisender und Schriftsteller. - 35 
Euklides: t)ber Euklid vgl. zu E 29. 
316 Alzire: »Alzire, ou les Americains«, beriihmte Tragodie von 
Voltaire, uraufgefuhrt 1736. - 3/ dafi seine Katze sechsjungen 
bekommen: Die Herkunft der Anekdote ist mir nicht bekarmt. 
Die »beruhmte Hauptstadt« ist sicherlich Paris. - 



PATRIOTISCHER BEITRAG ZUR METHYOLOGIE DER DEUTSCHEN 



Erstueroffentlichung und Satzuorlage: »Patriotischer Beytrag zur 
Methyologie der Deutschen nebst einer Vorrede uber das Methyo- 
logische Studium iiberhaupt.« Ohne Druckort [Gottingen] 1773 (bei 
Johann Christian Dieterich). Mit 2 Vignetten auf der Titelseite und 
am SchluB des Textteils von J.H. Meil. Die Druckvorlage zu dem 
sehr seltenen Text, von dem ein Manuskript nicht erhalten ist, stellte 
dankenswerterweise die Universitatsbibliothek Jena zur Verfiigung. 

Zur Entstehung: Die einen Oktav-Bogen (16 Seiten) umfassende 
Schrift erschien anonym zur Ostermesse 1773 ; nach seiner Mitteilung 
an Kastner (IV, Nr. 62, S. 125) von Anfang Mai 1773 hat Lichten- 
berg auf besonderen Wunsch Dieterichs die Vorrede hinzugefiigt, 
was wohl erst nach Riickkehr Lichtenbergs nach Gottingen vor dem 
20. April 1773 (s. C 209. 211) geschah. Glaubt man Lichtenberg, was 
er Kastner (IV, Nr. 62, S. 125) einzureden sucht, so handelte es sich 



METHYOLOGIE 145 

bei der Veroffentlichung um einen Privatdruck, der nur dutch Ver- 
sehen Dieterichs publik geworden war, und um ein Gemeinschafts- 
unternehmen mehrerer Freunde Lichtenbergs : »Ich habe auf Verlan- 
gen einiger Freunde, die an der Sammlung selbst mehr Anteil haben 
als ich, die bloBen Redensarten sollen drucken lassen, um sie beque- 
mer unter andere verteilen und den Vorrat vermehren zu konnen.« 
Lichtenberg nennt an dieser S telle lediglich den Geheimsekretar 
Partz als Beitrager. Weitere, hier nicht genannte Beitrager waren 
Burger und Boie. Letzterer schrieb noch am 8. Mai 1773 an Burger 
(Briefe von und an Burger, hrg. von Strodtmann, Bd. I, S. 113): 
»Den Verf. der Methyologie darf ich Ihnen nur mundlich nennen. Es 
ist nicht Kastner. Nur mehr Beytrage, wenn Ihnen mehr beyfallen!« 
Burger teilte darauf in seiner Antwort vom 10. Mai 1773 (a.a.O., 
S. 116) sieben Redensarten mit und bemerkte: »Zur Methyologie 
dient noch dies zum Beytrage, wenn's nicht anders schon aufgefiihrt 
ist.« Lichtenberg hinwiederum bedankt sich am 19. Mai 1773 bei Boie 
(IV, Nr. 64, S. 128) fur dessen methyologische Beitrage und schreibt 
im einzelnen : »der: Er hat sich den Ars begossen soil auf Ihre Rechnung 
gedruckt werden. Einige davon werden Sie schon auf dem Verzeich- 
nisse finden, wenigstens hochdeutsch, andere aber waren mir neu«. 
Auf der vorderen Innenseite des Sudelbuches C und auf einem hier 
aufgeklebten Zettel ist von zwei verschiedenen fremden Handen 
folgendes eingetragen: 

He is dofft 

He het sick bepumpelt 

He het sick den Ars begoten 

He het [gestrichen de Nas to dew] to deep int Glas keken [aus 
inkeken] 

He het en Rummel 

He swekt 

He hett sick begigelt: 

He hett to veel nipt. 

He is dull un vull. 

De Wiin is em int Capitolium stegen. 

He is en Supuht. 

He is en Supkumpan. 

Er hort die Engelchen singen. 

Es spuckt ihm oben im Giebel 

Er hat runde FiiBe 

Er hat zu viel ubergebeuget 
Diese volkstiimlichen Wendungen fur den Zustand der Trunkenheit 
sind mit Ausnahme der viertletzten in den Wiederabdruck des 
»Patriotischen Beitrags zur Methyologie der Deutschen« (VS 3, 75- 
76. 78) aufgenommen worden, wahrend sie der Originaldruck noch 
nicht enthielt. Hauptbeitrager war und blieb jedoch Lichtenberg 
selbst, der Kastner wohl kaum einzureden vermocht hat, daB es ihm 



I46 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

eigentlich um eine »Satyre auf die Studiums-Schriften« zu tun ge- 
wesen war: dem widerspricht Lichtenbergs intensive Beschaftigung 
mit dem alltaglichen, kiinstlerischen und platonischen Phanomen der 
von ihm sogenannten Pinik! Zu diesem Thema vgl. zu B 72 und 597, 
1 iff. Zum Versteckspiel des Publizisten Lichtenberg vgl. zu 76, 
3if. 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 159-160; Mautner, a.a.O., 
S. 82-83; Hans-Friedrich Rosenfeld, G. C. Lichtenbergs >Patrioti- 
scher Beytrag zur Methyologie der Deutschen<und die niederdeutsche 
Methyologie der Gegenwart. Ein Beitrag zur Ausdrucksfahigkeit 
und Bildkraft der niederdeutschen Sprache.« In: »Niederdeutsches 
Jahrbuch des Vereins fur niederdeutsche Sprachforschung«, 78. Jg. 
1955. 

317 iff. Patriotischer ... uberhaupt: Diese Zeilen bilden die Titelseite 
der Satzvorlage, auf der sich auBer der Jahreszahl eine Vignette 
von J.H. Meil befindet, darstellend einen Satyr mit einer Maske 
in der Hand. - 3 Methyologie: von Lichtenberg gepragtes 
Kunstwort, wortlich: Lehre von berauschenden Getranken. - 
8ff. Allen . . . Der Sammler: Diese Widmung folgt in der Satz- 
vorlage auf einer Extraseite nach dem Titelblatt. - 1 1 Wohl- 
wurdigen: von mir verb, aus: Wohlwiirdige. Zu Lichtenbergs 
ironisch-karikierendem Gebrauch von Titulaturen vgl. auch 
534, 3ff. 825, 5ff. 847, 25. 886, 5. Im ubrigen s. zu C 256. - 
20 Haubenstocken: Vgl. zu 68, 1. 

318 Vorrede: Die erste Fassung dazu findet sich C 209. - 3/. die 
Systeme . . . von den Deutschen nehmen: Gemeint sind ohne Zwei- 
fel Kopernikus, Kepler, Leibniz und - denkt man an Briefe 
(IV, S. 803) - auch bereits Kant. - 6 allgemeinen kritischen Auf- 
stand; vermutlich Anspielung auf die gelehrten Handel zwi- 
schen Klotz und Lessing, iiber die Deneke a.a.O., S. 8off., aus- 
fiihrlich berichtet; s. auch 602, 32. - 7 Rezensieren omnium 
contra omnes: abgeleitet von: Bellum omnium contra omnes - 
»Krieg aller gegen alle«. Zitat aus Hobbes, »Leviathan«, Lon- 
don 1651, Amsterdam 1668 lateinisch erschienen. Lichtenberg 
zitiert es auch 614, 13 und ferner C 209; vgl. die Anm. dazu. - 
S Empfindsamkeit: Vgl. zu 264, 1 3 f.; vgl. auch 598, I9f. - 
14 Polhohe: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 217, 29. - 24 Branche: 
Zweig. - 27 plumpudding: Rosinenpudding : engl. Spezialitat; 
s. auch B 60 und die Anm. dazu; ferner 966, 16. - 27 Eichen- 
rinden kaut: Zu diesem Bild vgl. 504, 29 und die Anm. dazu. - 
30 Einfall, den ein Engldnder . . . gehabt: Lichtenberg spielt auf den 
Aufsatz »Observations on drunkenness^ an, erschienen in »The 
Gentleman's magazine« 1770, S. 559fF., unterzeichnet: Nor- 
worth. Die Lebensdaten dieses Autors konnten nicht ermittelt 



METHYOLOGIE 147 

werden. Ober das von Lichtenberg auch sonst fiir Artikel gem 
benutzte »Gentleman's Magazine« vgl. zu A 55. - 33 f. wit 
Deutschen . . . zum Spruchwort geworden: Vgl. 598, i7fF. -35X^1- 
then und Centauren: Lapithen waren die mythischen. Bewohner 
Thessaliens, die Gegner der Kentauren : Wesen halb Pferd halb 
Mensch. 

319 2 Magazin: Gemeint ist »The Gentleman's Magazine«; vgl. zu 
318, 30. - 2 Redensarten, angibt: Lies im Text: Redensarten an- 
gibt. - 8 den Englandern: Nor worth. - 26 Weltkenntnis: Zu die- 
sem Ausdruck vgl. 330, 6. 333, 37. 370, 13. 821, 4 f. - 28 Bar- 
clajus sagt . . . satyric: Gemeint ist »Euphormionis Lusinini 
satyricon«, London 1603. Die von Lichtenberg zitiertenPassagen 
linden sich dort in pars 4, caput 5. Lichtenberg zitiert das Werk 
auch C 211. Uber Barclay vgl zu C 207. - 28 ff. Immensa ... 
disciplinae: Eine unermeBliche Trunksucht hat jenes Volk be- 
fallen, ein Laster, von dem ich es desto eher freispreche, als es 
ofTen eingestanden wird. Nicht so sehr dem Vergniigen dient 
diese Thrakische Lust, sondern zum Teil der Hoflichkeit und 
sozusagen der Zucht. - 34 ff. Ignota . . . ignorat: Unbekannt ist 
dort die Untreue auch bei denen, die ihre Starke fiir Sold ver- 
kaufen. Nicht einmal eine Spur von Betrug oder HaB verbirgt 
sich hinter dem Namen Freundschaft. - 38ff. Litterae ... 
aestimant: Die Wissenschaften werden vielerorts gepflegt von 
Mannern, weniger erpicht zu wissen als zu lehren. Sie schreiben 
mehr, als sie lesen: und ihren Kuhm bemessen sie nach der Zahl 
oder GroBe der von ihnen edierten Bande. - 59 anidos: Lies im 
Text: avidos. 

320 4 Worter Methyologie : von mir geandert aus: Worter (a) 
Methyologie. - 5 Pinik : >Trinkkunst< ; vgl. dazu auch 597, 19 
und B 236. - p Worterfertigtmg: Lichtenberg gebraucht diesen 
Ausdruck auch K 19. - 13 Lander jenseit der Bouteille: »jenseit 
der Bouteille« pragt Lichtenberg in B 77; vgl. ferner C 209 
und 597, 20. - 18 f. philosophische Behandlung dieses Sujets: 
Ahnlich schreibt Lichtenberg in B 77; vgl. auch 510, 34. 597, 
29. - 22 f. Baco von Verulam: Ober ihn vgl. zu C 209. - 23 de 
augmentis scientiarum: »De dignitate et augmentis scientiarum«; 
vgl. uber dieses Werk zu C 209. - 23J. dafi in einer Wissenschaft 
...: In dem obengenannten Werk, 1. Buch, S. 54 der Ausg. 
Wurzburg 1779, schreibt Bacon: »Alius error a reliquis diver- 
sus, est praematura atque proterva reductio doctrinarum in 
artes, et methodos, quod cum fit, plerumque scientia aut 
parum aut nihil proficit ... sed methodis semel circumscripta, 
et conclusa, expoliri forsan et illustrari, aut ad usus humanos 
edolari potest, non autem porro mole augeri«. S. auch C 278. - 
34 ohne etwas Wein ... keine poetische Aden Vgl. B 77 und die 
Anm. dazu. 



I48 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

321 3/. Narratur ... virtus: »Auch Vater Catos Sittenstrenge / Sagt 
man, erwarmte sich oft beim Becher.« Zitat aus Horaz, 
»Oden«, 3,21,11-12; vielleicht hat Lichtenberg das Zitat 
Holbergs »Vermischten Briefen«, 2, 390. 3240 entnommen. 
Ober Horaz vgl. zu KA152. - 10 Nufie der Tandelei: Diesc 
Metapher, die Lichtenberg auch C 209 verwendet, kann ich 
nicht erklaren. - 14 gr.: Abk. fiir Groschen; vgl. zu 239, 12. - 
i8Jubilate-Messe 1773: Jubilate: »Frohlocket«, der dritte Sonn- 
tag nach Ostern; Psalm 66 (65) entnommener Introitus; fruher 
der Zeitpunkt der Fruhjahrsmarkte; s. auch C 222 und 610, 32. 
- 26 Er hat einen Hieb: Zu dieser Redewendung vgl. 288, 351". 
696, 21 f. 961, 24 und zu D 539. - 28 Er hat einen Jesuiter: Diese 
Redewendung ist im DWB nicht belegt. 

322 21 Calenberger Bauern: Vgl. auch E 157 und die Anm. dazu. - 
37 80 Fufi: Vgl. zu 25, 16. 

323 6 Talis: wortlich: so beschafFen; die Redewendung ist vermut- 
lich der Studentensprache entlehnt. - 9 pas frisi: wortlich: 
krauser Schritt; Tanzfigur. Den gleichen Ausdruck gebraucht 
Lichtenberg auch 839, 5 und in einem Brief an Schernhagen 
(IV, Nr. 206, S. 342) vom 27. August 1778; vgl. auch C 224. - 
20 ilfait des SS: Er macht SS (Schlangenlinien). - 26 Krusel: 
altertuml. Tran- oder Ollampe aus Zinn oder Blech; im Platt- 
deutschen haufig im iibertragenen Sinn auch fiir: schlafriger, 
langweiliger Mensch gebraucht. -30 was bene getan: bene: giit- 
lich; diese Wendung ist zweifellos der Studentensprache ent- 
lehnt. - 34 Moses Zunge: Worauf diese Redewendung anspielt, 
ist mir nicht bekannt. 

324 2 sich begabet: Danach fehlen laut Leitzmann im Original zwei 
Zeilen. - 5 a tout: voll. - 8 hat einen Ditto: Danach folgen in den 
»Vermischten Schriften« zwei Redensarten: »Er hat runde 
FuBe«. »Er hat zu viel ubergebeugt«. - 17 fi) Plattdeutsche: Zu 
den plattdeutschen Redewendungen vgl. insgesamt Hans- 
Friedrich Rosenfeld: G.C. Lichtenbergs »Patriotischer Beytrag 
zur Methyologie der Deutschen« und die niederdeutsche Me- 
thyologie der Gegenwart. In: Niederdeutsches Jahrbuch des 
Vereins fiir niederdeutsche Sprachforschung, Jg. 78, Neu- 
miinster 1955, S. 83-138. - 24 lange unter: von mir verb, aus: 
langeunter. 

325 23 He isjohlig: Danach folgen in den »Vermischten Schriftem 
diese Redensarten: He is dofft. He is dull und vull. He is en 
Suput. He is en Supkumpan. He hett sick bepumpelt. He hett 
en Rummel. He sweckt. He het sick begigelt. He hett sick den 
Ars begoten [zu dieser Redewendung s. Lichtenbergs Brief an 
Boie (IV, 128, 21 f.) vom 19. Mai 1773]. He hett to deep int 
Glas keken. He hett to veel nipt. De Wiin is em int Capitolium 
stegen. 



149 



BRIEFE AUS ENGLAND 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Briefe aus England. I. An Hein- 
rich Christian Boic. London, den I. Oktob. 1775. « In: »Deutschcs 
Museum« 1776. 6. Stiick. Junius. S. 562-574. »Briefe aus England. 
London den 10. Oktober I775.« In: »Deutsches Museum« 1776. 
11. Stiick. November. S. 982-992. »Briefe aus England an Boie. 
London, den 30. Nov. I775.« In: »Deutsches Museum« 1778. 
1. Stiick. Janner. S. 11-25. »Schlus des dritten Briefes aus England an 
Boie. S. d. Museum 1778. Jen. S. 25. « In: »Deutsches Museum« 1778. 
5. Stiick. May. S. 434-444. Ein Manuskript der »Briefe aus England« 
ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Denkt man an den Adressaten der Briefe aus Eng- 
land: Boie, so liegt es nahe, von einer Auftragsarbeit Lichtenbergs 
fiir den mit ihm befreundeten Publizisten zu sprechen, der ab 1776 
eine neue Zeitschrift herauszugeben beabsichtigte. Lichtenberg muB 
diesen Auftrag womoglich auf seine Reise nach England im Herbst 

1774 mitgenommen haben. Dafiir spricht die haufige Identitat der 
Schilderungen aus dem Londoner Theaterleben in Privatbriefen, 
Sudelbiichern und Literaturbriefen, spricht nicht zuletzt auch ein 
Satz, den Lichtenberg in einem Brief an Baldinger vom iojanuar 

1775 (IV, Nr. 102, S. 213) fallen laBt: »Meine Beobachtungen iiber 
diesen Mann [gemeint ist Garrick] sollen Sie zu einer andern Zeit 
lesen.« 

Der Zeitraum der Niederschrift kann nur vermutet werden. Die 
von Lichtenberg in den »Briefen« angegebenen Daten sind fiktiv. 
Folgt man den Eintragungen in den Sudelbiichern, die sich aus- 
gesprochenermaBen auf die »Briefe« beziehen, so entwarf Lichten- 
berg im Mai/Juni 1775 das Geriist seines »Sendschreibens« (s. RA 54). 
Lichtenbergs Ausfiihrungen in E 419 beziehungsweise F 1 lassen nur 
den SchluB zu, daB im Marz und April vom Ersten und Zweiten Brief 
eine Fassung exisriert haben mufi, die Lichtenberg zwar in Hinblick 
auf die Drucklegung noch an einigen Stellen korrigierte, die er aber 
ofFenbar schon aus der Hand gegeben hatte. Wenn es sich so verhielt, 
wird allerdings die VerorTentlichung des Zweiten Briefes erst im 
November-Stuck 1775 desto unverstandlicher; ganz und gar uner- 
findlich bleibt jedoch der Grund, warum der Dritte Brief, noch dazu 
in zwei Schiiben, erst Januar und Mai 1778 erschien. Das spricht da- 
fiir, daB dieser Brief von Lichtenberg 1776 noch nicht in Angriffge- 
nommen worden war. Das Jahr 1777 brachte Lichtenberg dann un- 
vorhergesehene Verpflichtungen : die Herausgabe des Taschenkalen- 
ders, die Abfassung der «Antiphysiognomik«, iiberdies die wissen- 
schaftliche Beschaftigung mit den elektrischen Figuren. Ein weiterer 
Grund fiir das verspatete Erscheinen mag in der inzwischen ausgebro- 



150 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

chenen Fehde mit Zimmermann liegen, wenn man folgende Passage 
aus Lichtenbergs Brief an Boie (IV, Nr. 185, S. 322) vom 23. April 
1778 darauf beziehen will: »DaB Sie Zimmermanns Abhandlungen 
gegen mich ins Museum einriickten, dawider hatte ich nichts. Ich sehe 
es sehr genie, wenn meine Feinde so wider mich schreiben, aber das 
wollte ich nicht haben, daB in demselben Stuck etwas von mir und 
iiber mich zugleich sttinde. Und das war auch der Grund, warum ich 
meinen letzten Brief zuriickforderte. Sie konnen ihn allenfalls auch 
behalten, wenn Sie die Bedingungen erfiillen, nichts wider mich in 
dasselbe Stuck zu setzen.« 

Schon am 13. Februar 1776 brachten die »G6ttingischen Anzeigen 
von gelehrten Sachem im 19. Stuck, S. 151, eine Anzeige des Ersten 
Briefes: »Briefe aus London iiber Garrik; ein vortrefflich Stiick von 
einem der feinsten Bemerker, und mit der Sprache geschrieben, 
welche nur Leute in ihrer Gewalt haben, die fur sich denken.« Die 
Wirkung der »Briefe aus England« war groB, Lichtenberg zu Recht 
stolz auf seine Leistung. Als Helferich Peter Sturz 1779 »Briefe im 
Jahre 1768 auf einer Reise im Gefolge des Konigs von Danemark ge- 
schrieben« veroffentlichte und im Zweiten Brief David Garrick 
schilderte, betonte er, von dem Schauspieler nicht reden zu wollen : 
»Und niemals; denn man kann dariiber nichts bessers als Herr Pro- 
fessor Lichtenberg sagen.« (zit. nach Edit. Scharnagl, Starnberg 1946, 
S. 24) Man versteht daher Lichtenbergs Entriistung iiber VoB, der 
1782 Lichtenbergs Bewunderung fur Garricks Spiel karikaturmafiig 
genannt hatte. Lichtenberg nahm dazu in »Ober Hrn. Vossens Ver- 
theidigung gegen mich im Marz/Lenzmonat des deutschen Museums 
I782« Stellung (zit. nach »G6tt. Magazin« 3, 1782, 1. Stiick, S. 147 
bis 148): 

»Er nennt meine Bewunderung von Garricks Spiel Carikaturmassig. 
So viel ich weiB, habe ich mehr beschrieben, als bewundert, und was 
ich beschrieben habe, bin ich mir deutlich bewuBt, habe ich gesehen. 
Die Fehler jener Briefe sind nicht sowohl falsche Beobachtungen, als 
hier und da falsche Erklarungen mancher Beobachtungen, und die 
sollen kiinftig wegbleiben. Ich habe glaube ich, meine Empfrndung 
so entwickelt, daB dabey von dem eignen derselben nichts im Aus- 
druck verschwunden ist, und durch Vergleichungen, die ich fur die 
schicklichsten hielt, dieselbe oder eine nicht sehr verschiedene wieder 
im Leser zu erwecken gesucht. Sie haben hier und da einen fiir mich 
schmeichelhaften Beyfall erhalten, und ich bin willens sie auf vielf al- 
tiges Verlangen vermehrt und hie und da geandert, dem Publikum 
noch einmal vorzulegen. Sie haben auch, wie ich hore, dem D. 
Museum mehr Aufhahme verschafft [vgl. aber 368, n£], als alles, 
womit Hr. V. diese Schrift seit jeher beklext hat. Allein daB sie Hr. 
V. miBfallen haben, geht mir iiber alles Lob, denn sein Kopf kann 
so unmoglich die Idee von einem Mann wie Garrick fassen, als Ottern- 
dorf die Stadt London. Obrigens, da ich weiB, daB ich richtig gese- 



BRIEFE AUS ENGLAND I5I 

hen habe, da ich ferner weiB, daB ich in diesem Stiick besser sehe, 
als wenigstens viele andere Menschen, so bekiimmere ich mich hier 
um Urtheile nur wenig, und ich kenne wenigstens niemanden jezt, 
der mich glauben machen konnte, ich hatte falsch gesehen. Indessen 
will Hr. V. sich einmal daran machen, und iiber einen ahnlichen 
Gegenstand, der eigene Beobachtung voraussezt, etwas schreiben 
(da er vermuthlich einmal Prof. Eloquentiae werden wird, so kann 
die Ubung nichts schaden) das durchaus von unpartheyischen und 
competenten Richtern meinen Bemerkungen iiber Garrick vorge- 
zogen wird, so will ich inn, so lang ich lebe, in Bier frey halten.« 

DaB Lichtenberg eine Zeitlang ernstlich daran dachte, die »Briefe 
aus England* gesondert herauszugeben, geht auch aus einem Brief an 
Schernhagen (IV, Nr. 370, S. 497) vom 6. Februar 1783 hervor - 
offenbar hatte der Adressat ihn auf Grund der oben mitgeteilten 
AuBerung danach gefragt: »Ich bin ernstlich gewilligt, die Briefe iiber 
Garrick besonders herauszugeben, nicht allein weil ich von einigen 
vortrefflichen Mannern dazu ernstlich aufgefordert bin, sondern, weil 
mir mein Darmstadtischer Bruder vor etwa l / 2 Jahr schrieb, daB ein 
Frankfurtischer Buchhandler willens ware, sie so gradeweg abzudruk- 
ken, und diesem Unternehmen vorzubeugen habe ich die Versiche- 
rung in dem Aufsatz gegen VoB ausgestellt.« Ubrigens ist diese Aus- 
gabe nie zustandegekommen. 

AuBer den »Briefen aus England* und »An den Herausgeber des 
Museums« hat Lichtenberg folgende Artikel im »Deutschen Museum« 
verofFentlicht : 

»An die Herausgeber des Deutschen Museums. [Uber die Bewoh- 
ner von Tierra del Fuego.] In: »Deutsches Museum« 1777, Bd. 1, 
S. 190-192. 

[»Brief an den Herausgeber des Deutschen Museums. Mitteilungen 
aus einem Brief Johann Georg Forsters iiber Neuerscheinungen au 
dem englischen Biichermarkt.«] In: »Deutsches Museum« 1778, Bd. I, 
S. 382-384. 

»Neueste Versuche zu Bestimmung der zweckmaBigsten Form der 
Gewitterstangen. An den Herausgeber des deutschen Museums.« In: 
»Deutsches Museum« 1778, Bd. 2, S. 351-362. 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 201-205; Promies, a.a.O., 
S. 52-55; Mautner, a.a.O., S. 154-159. 



326 2 An ... Bote: Uber Boie vgl. zu B 16. - ^fF. Ihr Verlangen ... 
auflerten: Der die »Briefe aus England« betreffende Briefwech- 
sel zwischen Boie und Lichtenberg ist nicht erhalten; s. auch 
338, 21 f. 355, 23 ff. - 5 Garrick: Uber ihn vgl. zu KA 169. - 
8 gerade zweimal gesehen: Lichtenberg sah Garrick als Abel 
Drugger in Benjonsons »Alchimist« am 24,Oktober 1774; am 



r 52 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

3. November 1774 als Archer in Farquhars »The Beaux Stra- 
tagem*; am 16. November 1774 sah er ihn bereits zum dritten 
Mai als Sir John Brute in Vanbrughs »The provoked wife«. 
Boies Brief muB also zwischen dem 3. und 16. November 1774 
an Lichtenberg ergangen sein. - igf. deklarierten Nonsense . .. im 
Stil: Lichtenberg gebraucht diesen Ausdruck auch 414, 26. 509, 
16. 546, 12. 623, 3 ; im iibrigen vgl. zu B 82. - 20 f. Boswellischen 
festlichen, weissagenden Ton: Ober James Boswell vgl. zu KA 
200 ; Boswells >festlicher Ton< erklart sich aus E 269. Interessant, 
da£ Lichtenberg den gleichen Stilvorwurf wenig spiiter mit 
Lavaters Namen verbindet. Von »hohler Festlichkeit in der 
Sprache« spricht er 553,21. - 21 jeden grofien Mann ... zum 
Engel: Vgl. zu der Wendung Materialheft I, Nr. 17. - 23 Feier~ 
tagsprose: Ahnlich bildet Lichtenberg in B178. E 209. F676: 
»Festtagsprose«. Von »Feiertags-Prinzipium« spricht D 627. Zu 
der Wortbildung -prosa vgl. zu 65, 4. - 29 Garrick ... achtmal 
spielen sehen: Nach RA 205 geschah das am 5. Dezember 1775 
zum letzten Mai. - 30JJ. Eittmal als Abel Drugget . . . und endlich 
als Don Leon . . . ; Eine ahnliche Aufzahlung begegnet RT 6. - 

31 Benjonsons ... Alchimisten: Dazu vgl. zu RT 6; Lichtenberg 
erwahnt dieses Stuck und Garrick als Abel Drugger auch in den 
Briefen (IV, 218); s. ferner 328, 18. 332, 15. 352, 17. - 

32 Archer in Farquhars stratagem: von mir verbessert aus: ... 
Far^huars ...; s. auch 351, 9-353, 13. In der 1707 uraufgefuhr- 
ten Restauration-Komodie ist Archer der Diener Aimwells. 
Ober Farquhar vgl. zu RT 6; Lichtenberg beschreibt Garrick 
in der Rolle des Archer oben 389,9 und in den Briefen 
(IV, 213-214). - 33 Vanbrughs provoked wife: Ober Vanbrugh 
und Garrick als Sir John Brute vgl. zu D 625; s. auch 327, 5. 
329, 13. 332, 37. 343, i6f. 352, 17. - 33 provoked: von mir ver- 
bessert aus: provomed. - 33 zweimal als Hamlet: Lichtenberg 
sah Garrick in dieser Rolle am 2. und 12. Dezember 1774; s. 
RT 8 und 11, ferner 334, 35. 340, 24 f- 347, I5ff. - 34 von Hill 
veranderten Zaire: Gemeint ist die Tragodie »Zaire« (1732) von 
Voltaire, die von John Hill fur die englische Biihne bearbeitet 
wurde (»Zara«). Lessing berichtet dariiber im 15. Stuck der 
»Hamburgischen Dramaturgies i9.Junius 1767. Lichtenberg 
sah die Auffuhrung am 25. Oktober 1775; s. RA 184. Aaron 
Hill ( 1 685-1750), engl. Dichter und Buhnenschriftsteller; iiber- 
setzte und bearbeitete mehrere Stiicke von Voltaire. - 34/. 
Benedikt in . .. much ado about nothing: Die Auffuhrung fand am 
7. November 1775 statt; s. RA185 und ferner 332, 17. 

327 if Beaumonts und Fletchers rule a wife and have a wife: Lichtenberg 
sah die Auffuhrung - die sein letztes Theater-Erlebnis in Lon- 
don war - dieser beriihmten 1624 uraufgefiihrten Komodie - 
am 5. Dezember 1775. Lichtenberg erwahnt Garricks Spiel in 



BRIEFE AUS ENGLAND 1 53 

diescm Stuck als Don Leon auch Materialheft II, Nr. 48. 53 
und »Orbis pictus« (s. 389, 10). - 2/. ihn selbst gesprochen . . .; am 
16. Oktober 1775 wurde Lichtenberg dem Schauspieler Garrick 
vorgestellt ; s. RA 175 und an Schernhagen (IV, Nr. 1 1 1, S. 252) 
am 17. Oktober 1775. - 4 Weston: Ober Thomas Weston vgl. 
zu RT2; dazu Anm. des Herausgebers (Boie): »Dieser groBe 
Schauspieler ist zu Anfange dieses Jahrs gestorben.« - 5 so wie 
Quin ehmals: Ober Quin und seine Darstellung des Sir John 
Brute vgl. F 975 und die Anm. dazu. - 2$ dap Sie lange glaubten: 
von mir verb, aus: ... sie ... - 28 kiinftig einmal mehr von ihm: 
Ober Weston handelt Lichtenberg ausfuhrlich im »Dritten 
Brief« 350, iff. -32 nie selbst lacht: Vgl. auch 350, 28 f. - 38 f 
tauschenden Nachahmer der Natur: Zu dieser kunstlerischen Auf- 
fassung vgl. zu 313, 25 f. 

328 5 a son aise: »nach seinem Belieben«, s. auch 913, 7. - 10 Rezi- 
ptenten: Vgl. zu 129, 22. - 13 f. parallelen Fiipen: Diese Wen- 
dung begegnet auch 389, 16. 734, 12; ahnliche Wendungen be- 
gegnen auch 392, 5. 784, 5. 919, 9. - 2 of. Kenntnis individuali- 
sierender Umstande: Zu dieser Maxime vgl. zu 377, 15; s. auch 
345, 18 f. - 28 f. Wenn die Astrohgen den . . . Namen Abel Drugget: 
In der urspriinglichen Fassung des Stiicks ist diese Szene nicht 
enthalten. 

329 $ in Footes* devil upon two Sticks: Lichtenberg sah laut RA 13 das 
Stuck am 15. Mai 1775 in Hay market Theatre. Ober Samuel 
Foote vgl. zu D 648; s. auch 353, 34- — ^ Mawworm im Schein- 
heiligen: Mawworm: Heuchler. Figur aus Isaac Bickerstaflfes 
(ca. 173 5 -1 8 12?) 1769 uraufgefuhrter Komodie »The Hypo- 
crites - 6 Scrub im Stratagem: Vgl. 326, 32; s. auch 351, 9. - 
8 Das sind Szenen t mein lieber B. : Eine dieser Szenen zwischen 
Garrick und Weston in »The beaux stratagem« beschreibt Lich- 
tenberg im dritten der »Briefe aus England« 351, 9-353, 13. - 
8ff. selbst ... 's abgefrommelte ... Wange: Zweifellos meint Lich- 
tenberg eine Personlichkeit aus Gottingen; zu denken ware an 
den Theologen LeB, womoglich aber auch an Hollmann (des 
Alters wegen) oder gar Kastner (seiner Alters-Frommigkeit hal- 
ber); »abgefrommelt« ist D 668 entlehnt. - 12 j. Quins Sir John 
Brute: S. 327, 5. - igf.Esgibt ... Sirjohne in alien Standen: Vgl. 
auch 343, 16. - 2 if. Landjunker und Renommisten: Den Plan zu 
einer Satire auf den Landjunker skizziert Lichtenberg C 373 ; 
uber den Typ des Junkers auBert sich Lichtenberg auch 592, 21. 
605, 28. Ober die zeitgenossische Figur des Renommisten vgl. zu 
600, 28; s. auch 575, 17, - 26 hoi mich d...: Zu dieser Schreib- 
konvention vgl. zu 60, 3 if. - 35/ in einem offentUchen Blatte 
gelesen: Welche Zeitung gemeint ist, konnte von mir nicht er- 
mittelt werden. Lichtenberg berichtet es auch in einem Brief an 
Baldinger (IV, Nr. 102, S. 218) vom 29januar 1775; vgl. auch 



154 UNTERHA1TSAME AUFSATZE 

D 625. 626. F 975. - 36 Rebhuhne: Anspielung auf Partridge 
(von Bode eingedeutscht: Rebhuhn) aus Fieldings »Tom 
Jones«. Lichtenberg erwahnt ihn auch 334, 36. 387, 1. 397, 30. 
762, I if. ferner F1096. Materialheft I, Nr. 7. 

330 $j. Mangel an... Weltkenntnis: Zu Lichtenbergs fur den Schrift- 
steller entscheidendem Kriterium vgl. auch 333, 37. 370, 13. 
821, 4f. - 11 ihmeinen: von mir verbessert aus : irm einem, ent- 
sprechend der Berichtigung am SchluB des 8. Stiicks des 
»Deutschen Museums« 1776, S. 762, die auch Lauchert, S. 12, 
mitteilt. - ijff. Garrick ... Geistesverwandten Shakespear und 
Hogarth: Eine Zusammenstellung dieser drei Namen fmdet sich 
F 37; s. auch RT 8 (S. 626). - i6f. sein eignes Lichtchen: Diese 
Wendung begegnet auch D 90. - 2off. Allein ob ich gleich ...ge- 

fuhlt habe, ... zu analysieren: Dazu vgl. auch 697, 33f. -35/. dafi 
hier ein Mann an einem Werkfur die Schauspieler arbeite: An wen 
Lichtenberg denkt, konnte nicht ermittelt werden. - 37/. dafi 
der Mann ein Lessing: Anspielung auf dessen »Hamburgische 
Dramaturgies uber Lessing vgl. zu KA 63. 

331 2/*. jungen geniesuchtigen Originalkopfen: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu D 531; s. auch 413, 19. 572, 31; uber den zeitgenoss. 
»Genie-Kult« vgl. zu 213, 19. - 3/. halb Ausgedachtes halbgesagt: 
»Halbgedanken und halb neues Wort« formuliert Lichtenberg 
in E 501 (S. 448). Ahnliche Wortbildungen sind zu B192 zu- 
sammengestellt; s. auch 603, 27f. 613, 19. - 6 Gotterprose: Zu 
dieser Wortbildung vgl. zu 65, 4. - 17 der ... Verhaltnis: Vgl. 
zu 66, 5. - 22ff. Garricks Anstand ... wohlerzogenen Franzosen: 
Zu diesem Vergleich s. D 554 und die Anm. dazu. - 26 Seine 
Statur: Vgl. auch 755, 4f. und RT 8. - 32/. Vorrat an Kraft ... 
mehr gefalk als Aufwand: Tax dieser Wendung vgl. E 424; s. 
auch 339, 2. - j8ff. Seine Art ... Erquickwig anzusehen: Dieser 
Satz ist fast wortlich RT 8 (S. 626) entnommen. 

332 6 allgegenwartig ... in den Muskeln seines Kbrpers: Ahnlich 
schreibt Lichtenberg in RT 8 (S. 626). - 1 4 Szene im Alchimisten, 
wo er sich boxt: Diese Szene ist im Original nicht enthalten; 
liber Ben Jonson s. zu 326, 31. - ij Tanz in much ado about 
nothing: Vgl. zu 326, 33 f.; s. auch RA185. - 20 Roscius: Uber 
den romischen Schauspieler, der hier verallgemeinert verstan- 
den ist, vgl. zu D 666; »our great english Roscius« wird Garrick 
auch RA11 von Richard Jerrick genannt. - 20 encore: noch 
eiiimal. - 21 physiognomisches Raffinement: erste ofFentliche 
AuBerung Lichtenbergs zu der >Mode-Wissenschaft< des Jahr- 
fiinfts. - 37 im Sir John Brute: Vgl. zu 326, 33. 

333 12J. inseinem 24stenjahre ... aufdem Theater in Godmansfield:lm 
Marz 1 741 spielte Garrick zum ersten Mai in der Pantomime 
»Harlequin Students. Goodmannsfield : 1729 von Thomas Odell 
im Londoner Osten erbautes Theater, an dem u.a. Farcen von 



BRLEFE AUS ENGLAND 155 

Fielding uraufgef iihrt wurden. - 1 6ff. die neuern englischen Schrift- 
steller . . . seine Freunde: Zu denken ist u. a. an Fielding und Sterne. 
-20 S.James*: St. James's Palace: seiti69i die Residenz der eng- 
lischen Konige in London Ecke Pall Mall und St. James's Street. - 
21 Garkuchenvon S.Giles': St. Giles war seinerzeit das Londoner 
Armenviertel ; Lichtenberg erwiihntes auch 710, 18. -22 Schule, 
in welche Shakespear ging ...; Vgl. auch 396, 281*. - 22J. nicht auf 
Offenbarungenpafite, sondern studierte: auch dies ein standiger Vor- 
wurf Lichtenbergs gegeniiber der zeitgenoss. deutschen Litera- 
tur, speziell Lavater und dem Sturm und Drang. Zu: Offenba- 
rung vgl. zu D 112. - 23/. in England tut das Genie nicht alles: Zu 
Lichtenbergs Aversion gegeniiber dem zeitgenossischen deut- 
schen >Genie<-Kult vgl. zu 213, 19. - 27 j. Stadtchen y wo ... sick 
alles reimt: Diese Wendung findet sich in E 104. - 37 f Kenntnis 
der Welt gibt dem Schriftsteller: Vgl. zu 330, 5. - 38 f Sie gibt ... 
nicht ... seinem Was, dock immer seinem Wie eine Starke: Dazu 
vgl. Lichtenbergs Anmerkungen in D 610 (S. 325). F106; fer- 
ner F 432. 441; s. auch Lichtenbergs Urteil iiber Franklins 
Schriften in den Briefen (IV, 831, 7). 

334 7 weggeworfen nennen: Zu diesem Kompliment, das Lichtenberg 
hier Garrick macht, vgl. oben zu 281, 2f. - 25/. dem naturlichen 
Schonen noch den Zusatz von Konuentionellen: Uber das »Konven- 
tionellschbne« reflektiert Lichtenberg auch 343, 6 f.; s. ferner 
G 97. - 28ff. wann ihm . . . erfolgen mitssen: Diese Passage ist fast 
wortlich RT S entnommen. - 3$ Hamlet ...wo ihm der Geist er- 
scheint: Gemeint ist »Hamlet«, I, 4, 5. Diese Beschreibung ist 
eine vielfach wortliche Ubernahme der Notizen in RT 8. 11. 
12, auf die hier insgesamt zum Vergleich verwiesen wird. 
Lichtenberg erwahnt die Szene auch 862, 7f 889, 33. Lichten- 
bergs beriihmte folgenreiche Szenenbeschreibung wirkte noch 
auf die Hamletdarstellung Schroders und Goethes »Wilhelm 
Meisters theatralische Sendung« ein. -36/. Rebhuhns vortreffliche 
Beschreibung: Gemeint ist »TomJones«, Bd. 3, 16. Buch, Kap. 5 
(S. 350-357 der Hanser-Ausgabe) ; iiber Rebhuhn vgl. zu 
329, 36. 

335 12/. Sehen Sie, Mylord, dort kommts: Gemeint ist »Hamlet«, I, 4. 
Lichtenberg zitiert den Satz auf englisch in RT11. - 21 einen 
grofien aber anstandigen Schritt: Es ist auffallig, wie haufig Lich- 
tenberg bei Darstellung auch der leidenschaftlichsten Szene den 
»Anstand« des Schauspielers hervorhebt! S. auch 342, 1. - 
24 ausgedruckt: Vgl. zu 279,25. - 24/. mich ... Grausen an- 
wandelte: Vgl. RT11 (S. 628). 12 (S. 630). - 2gf Angels and 
ministers oj grace defend us: »Engel und Boten Gottes, steht uns 
bei!« Hamlets Worte, die unmittelbar auf Horatios Ausruf 
folgen (»Hamlet«, I, 4); Lichtenberg zitiert den Satz auch 
RT11. 



I56 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

33<5 3 go on ... thee: »Voran! ich folge dir«. Dieser Satz schlieBt sich 
unmittelbar an obiges Zitat an. Lichtenberg zitiert ihn eben- 
falls RT11, auch RT12. - 3 on: von mir verbessert aus: ou. - 
jf. mit verwirrtetn Haar: in der Bildenden Kunst und auf dem 
Theater langhin Emblem und Pose des Wahnsinns; so auch 
342, 22 fF. - 21 Weifibinder: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 212, 
32. - 2sff. nicht jeder Schriftsteller ... deswegen ein Shakespear: 
Diese Passage zielt auf Goethe ab und sollte, wie Lichtenberg 
in F 1 am 4. April 1776 notiert, folgendermaBen lauten: »Nicht 
alles was mein Club nicht bemerkt, ist deswegen eine Heim- 
lichkeit der menschlichen Natur. Nicht jeder Abgott junger 
Zeitungsschreiber ist deswegen ein guter Schriftsteller und 
nicht jeder der ein paar vermeintliche Heimlichkeiten der 
menschlichen Natur mit Prunkschnitzern gegen Sprache und 
Sitten und einer Miene, als wiifke er solcher noch tausende, 
auszuplaudern weiB, ist deswegen ein Shakespear. « S. auchE 70 
Vergleich Goethe -Shakespeare. - 26$. Heimlichkeiten ... auszu- 
plaudern gelernt: Zu dieser Wendung vgl. zu D 419; Lichten- 
berg gebraucht sie auch 379, I7f. - 27 Prunkschnitzer: Tax die- 
sem Ausdruck vgl. zu D 535. - 29 Bransby: Lebensdaten unbe- 
kannt. - 3 6f. Einige meiner Freunde in Deutschland: An wen Lich- 
tenberg speziell denkt, ist nicht zu ermitteln; infrage kame etwa 
Baldinger oder Schernhagen. 

3372 Baderstolz: Ahnlich spricht Lichtenberg 77, 36 von »Bauern- 
stolz«. - gf. die ich in Gottingen, Hannover und Hamburg ge~ 
sehen: In Gottingen sah wahrscheinlich Lichtenberg 1764 Auf- 
fuhrungen der Ackermannschen Truppe mit Ekhof (s. RT 8), 
die vom I3juni bis ii.Juli dort gastierte ; in Hannover sah er 
1773 die »Emilia Galotti« mit Charlotte Ackermann und *>Romeo 
und Julia« mit Dorothea Ackermann (s. Briefe, IV, 128) ; in 
Hamburg 1778 orTenbar ebenfalls Dorothea Ackermann (s. 
Briefe, IV, 329); moglicherweise sah er dort auch Brockmann, 
der seit 1771 zu Schroders Truppe gehorte. - 1 if. in Drurylane ... 
Auf sehen machen: Dieser Satz ist fast wortlich RT 8 entlehnt; 
zu Drurylane Theatre vgl. zu 224, 19. - 13 EckhofOJber diesen 
Schauspieler vgl. zu RT 8. - 16 King: Ober Thomas King vgl. 
zu RA 184. - 16 Smith: Ober ihn vgl. zu RT 8.-17 Dodd: 
Ober ihn vgl. zu RA 54. - 17 Parsons: Ober William Parsons 
vgl. zu RA 184. - 17 Palmer: John Palmer (i742?-i798), 
namhafter engl. Schauspieler, von Foote entdeckt, spater in 
Garricks Ensemble. - 17 der drollige Weston: Ober ihn vgl. 
zu RT2. - 18 Coventgarden: Co vent Garden Theatre; der 
Name geht auf den friiher hier gelegenen Klostergarten 
von Westminster, den »Convent Garden« zuriick. Das erste 
Theatergebaude wurde 1732 von dem Harlekin John Rich 
erbaut; Handel war mit diesem Theater viele Jahre verbunden. 



BRIEFE AUS ENGLAND 157 

Der Covent Garden, der Londoner Blumen- und Gemusemarkt, 
war seinerzeit ein beliebtes und verrufenes Vergniigungsviertel 
der Stadt. S. auch 358, 26 f. 389, 9. 703, 11. 8S4, 29 und RT11. - 
18 Barry: Ober ihn vgl. zu Materialheft I, Nr. 91. - 18 Lewis: 
Ober ihn vgl. zu RT19; s. auch 389, 9. 391, 7. - 19 Lee: Ober 
ihn vgl. zu RT10. - 19 Macklin: Ober Charles Macklin 
vgl. zu F 942. - 19 Shuter: Ober Edward Shuter vgl. zu RT2. - 
20 Woodward: Ober ihn vgL zu RA17. - 21 f zu Anfang des 
Winters, ehe Garrick ...: Die Spielzeit 1774/75 hatte am 17. Sep- 
tember begonnen. - 23 dessen Rollen Hamlet, Richard III.: D.h. 
die Rollen, in denen Garrick brillierte. In der Rolle »Richards 
III.« hat ihn ubrigens Hogarth portratiert; s. auch 354, 12. - 
2$ seine Kunst nicht an der Quelle geholt ...: Zu diesem Kriterium: 
Natur flir den wahren Kiinstler vgl. zu 313, 251*. - 27 Anek- 
dote . . . ein glaubwurdiger Mann erzahlt: Diese Anekdote wird 
auch RT 8 angespielt; Lichtenberg hat sie womoglich von Irby 
oder Ramus, die auch andernorts als Gewahrsleute genannt 
werden. Ober Smith s. zu RT 8.-37 Der Tod derjungern Matn- 
sel Ackermann: Charlotte Ackermann war am 10. Mai 1775 ge- 
storben ; iiber sie vgl. zu RT 8. - 37 ff. in einem englischen Blatte ... 
gelesen: Die betreffende Zeitung war nicht feststellbar. 

338 8 Deutschland mil unsern Treibhauschen: Zu diesem Bild vgl. 
Eioo und die Anm. dazu; s. ferner 850,18. - 10 f vor dem 
Strahl sicher: Anspielung auf die zeitgenoss. theaterfeindliche 
evang. Orthodoxie wie Goeze und Lefi; s. auch 1030, 35 und 
Briefe (IV, 572). - 11 f. noch kein Franklin einen Ableiter ge- 
funden: Dieses Gleichnis ist D 60 entlehnt; s. auch D 539. Ober 

Franklin und seine Erfindung eines Blitzableiters s. zu A 227; 
iiber Lichtenbergs Neigung, den BegrifF >Ableiter< in ubertra- 
genem Sinn zu gebrauchen vgl. zu 130, iff. - 13 Richmann: 
Ober ihn vgl. zu B 89. - is Ich bin etc, G.C.L.: Darunter steht 
in der Satzvorlage noch die Bemerkung: (werden fortgesezt.); 
von mir gestrichen. - i6[Zweiter Brief]: Von mir ist der Titel 
der Satzvorlage: Briefe aus England und folgende FuBnote zum 
Titel gestrichen worden: s.d. M.Junius S. 562. - i8f Ohne eine 
Antwort von Ihnen ... aufmeinen letzten Brief: dazu vgl. oben zu 
326, $ff. -32 Knochengebaude: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 
D 491. - 34f parisischen Provinzen unseres Vaterlands: Die An- 
spielung ist mir nicht klar. 

339 2 Vorrat von Kraft: Tax diesem Ausdruck vgl. zu 331, 321". - 
7 Portebras: entstellt aus frz. Port de bras: Armhaltung, Arm- 
bewegung. - 13 Mrs. Yates: Ober Mary Yates vgl. zu RT15. - 
20 verengend: von mir verb, aus: vorengend. Die Herausgeber 
der »Vermischten Schriften« schreiben: ^rengernd; Lauchert, 
S.12, sagt dagegen, daB Lichtenberg »sich i/orengend« wohl 
geschrieben haben kann: »Der Zusammenhang ergiebt, was 



I58 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

das Wort sagen will,« - 23 Frisur: hier: Besatz. - 28 Chirono- 
mie: Lehre von der richtigen Bewegung der Hande. - 30J. ob- 
gleich die Zuschauer ...: Zu diesem Gedanken vgl. Materialheft 
I, Nr. 121. - 34/. aus Buchern zu plaudem gelernt: Zu dieser 
Kritik vgl. 378, iyf. und die Anm. dazu. 

340 7 bet ihm aussieht, ah hatt* er sie umsonst: Ober das >Wegwerfen< 
von Ideen aus FUlle vgl. oben zu 281, z£. - 8 Oligographen: 
>Wenigschreiber< wie etwa Xenophon und Sallust im Gegen- 
satz zu den von Lichtenberg kritisierten modernen >Poly- 
graphem und Schnellschreibern. - 10 Studium ... deutlicher Be- 
griffe: Zu dieser Maxime Lichtenbergs vgl. zu D 267. - n Exer- 
cittis ... die sie verbrannt: Zu diesem Gedanken vgl. zu G 34. - 
12 seelenstarkende: Zu diesem Ausdruck vgl. F 667. G108; s. 
ferner Briefe (IV, S. 865). - 2of. armer Teufel: Vgl. zu 214, 31. - 
22 papiernen Hof: Dieses Adjektiv gebraucht Lichtenberg auch 
365, 11.546,9.720,6,8,15.732,23.748,22. - 22 Drurylane: 
Vgl. zu 224, 19. - 23 goldnen in St. James: Vgl. 333,20. - 
26J. Pinselstriche ... am Hamlet: Vgl. zu 326, 33. - 28 that this 
too, too solid flesh: »0 schmolze doch dies allzu feste Fleisch«. 
Die Zeile ist dem Monolog »Hamlet«, I, 2 entnommen. - 29 
mich astronomischer Kunstworter zu bedienen: Dazu zahlen ferner: 
Polhohe (vgl. zu KA 14); groBe Konjunktion (vgl. zu 156, 35). 
Zu Lichtenbergs Gebrauch mathematischer BegrirTe vgl. oben 
S. I39ff. -30 eine Menge von den kleinen Gteichungen: Dazu vgl. 
Materialheft I, Nr. no, wo Lichtenberg allerdings von »Aequa- 
tionen« spricht. Gleichung: der Unterschied zwischen wahrer 
und mittlerer Anomalie. -31 die Handlung eines mittlern Men- 
schen ...; Zu diesem Gedanken vgl. ebenfalls Materialheft I, 
Nr.no. Zum BegrifTdes Individuellen vgl. zu 377, 15. 

341 1 So excellent a King: »Solch ein trefflicher Monarch«. Zitat aus 
»Hamlet« I, 2. - 8 erst einmal Shakespeam in der Reihe: Lies: 
einmal mit Shakespeam entsprechend der Berichtigung im 
»Deutschen Museum«, 12. Stuck, S.1152, die auch Lauchert, 
S. 12, angibt. -17 Der beruhmte Monolog: To be or not to be ...: 
»Sein oder Nichtsein« - Anfangszeile von Hamlets Monolog III, 
1. - 27 fl seine Sittenspriiche ...am jten Februar: Ober seinen 
Parlamentsbesuch berichtet Lichtenberg in den Briefen (IV, 232, 
I2f. 234, 8f). -31/. eher kennen als . ..den Pontius Pilatus: Diese 
Wendung ist E 348 entlehnt; Lichtenberg notiert sie auch 528, 
7f. Ober Pilatus vgl. zu KA 235. - 33$. Hamlet . . . Wade herab: 
Diese Passage ist fast wortlich RT11 (S. 629) entnommen. 

342 8 wie ...in einigen Schriften steht: An welche Schriften Lichten- 
berg denkt, war nicht zu ermitteln. - 10 Eine kleine Sprach- 
anmerkung: Ober die unterschiedlichen Lesarten der vierten 
Zeile dieses Monologs laBt sich Lichtenberg in RT 8 (S. 626) 
aus. - nf. against ... troubles: »gegen anstiirmende Plagen«; 



BRIEFE AUS ENGLAND 159 

»gegen ein Meer aus Plagen«* Zitat aus »Hamlet«, III, i. - 
i6f Gottingischen Bibliothek: Die 1737 gegriindete beruhmte 
Universitatsbibliothek enthalt viele englischsprachige Literatur. 
- 18 mit Anstandigkeit verwirrt: Zu diesen Ausdriicken vgl. zu 
335, 21 und 336, 7f.; vgl. auch RT11 (S. 629): »mit Anstand 
verwirrt«. - 20 Mrs. Smith: Uber diese Schauspielerin vgl. zu 
RT11. - 22 einerguten Sangerin: aus: eine gute ... von mir ver- 
bessert entsprechend der Berichtigung im »Deutschen Museum«, 
12. Stiick, S. 1 1 52, die auch Lauchert, S. 12, angibt. - 24 Buschel 
unverworrenes Stroh: Zu diesem Requisit vgl. noch 906, 23. - 
25 ihr ganzes Tun ... sanft ...: fast wortlithe Obernahme aus 
RT12. - 25 f. sanft, so wie die Leidenschaft ...; Uber diesen - 
von Zeitgenossen offenbar miBverstandenen - Satz laBt sich 
Lichtenberg E 419 aus. - 26 Die Lieder . . . noch lange nachher ... 
zu hbren glaubte: Tax Lichtenbergs Musikempfinden vgl. zu 
RAi. - 2o.f. diese ganze Szene ... ruhrend: fast wortliche Ober- 
nahme dieses Satzes aus RT12. - 30 eine Wunde in der Seek: 
In RT12 heiBt es stattdessen: »eine Wehmut in der Seele«, - 
32 f. Ware dock Voltaire hier gewesen: Anspielung auf Voltaires - 
uber ihn vgl. zu KA 28 - Shakespeare-Kritik in den »Lettres 
ecrites de Londres sur les Anglois, et autres Sujets«, Amsterdam 
1735, 18. Brief: »Lettre sur la Trage'die«. 
343 if. Einen Sieg hat doch Voltaire in Drurylane erhalten: Voltaire 
schreibt in dem zu 342, 32 f. genauer nachgewiesenen Werk, 
a.a.O., S.156, im Zusammenhang mit Shakespeares »Hamlet« 
uber die Totengraberszene : »Vous n'ignorez pas que dans Ham- 
let, des fossoyeurs creusent une fosse en buvant, en chantant des 
Vaudevilles, et en faisant sur les tetes des morts qu'ils rencon- 
trent, des plaisanteries convenables a gens de leur metier : mais 
ce qui vous surprendra, e'est qu'on a imite ces sottises.«-j Co- 
ventgarden: Vgl. zu 337, 19. - 4 Ein so altes, herrliches Stiick ...: 
Ahnlich auBert sich Lichtenberg uber den Dramatiker Bellink- 
haus: s. 370, 6f. - 5 dieser sufien Zeit: Zu Lichtenbergs wort- 
reicher Kritik an der deutschen Gegenwart vgl. zu 338, 8. - 
6f die Sprache der Natur konuentionellschonem Gewdsch: Vgl. zu 
334, 25 f. - 10 wo er die Schauspieler unterrichtet: Gemeint ist 
»Hamlet«, III, 2. - 1 if seiner Mutter die Vergleichung . . . ins Herz 
donnert: Gemeint ist »Hamlet«, III, 4. - 13 Esfiihrt: aus: Erfuhrt 
von mir verbessert entsprechend der Berichtigung im »Deut- 
schen Museum«, 12. Stiick, S.1152, die auch Lauchert, S.13, 
angibt. - 16 Sir John Brute: die Hauptrolle in »The provoked 
wife« von Vanbrugh; vgl. zu 326, 33; vgl. zu dieser Rollen- 
beschreibung die in D 625. 626 gemachten Ausfuhrungen, fer- 
ner Briefe (IV, 218). - 19 bordiertes Modehiitchen: Bortenhut; 
dazu vgl. auch 351, 31. 389, 17. 709, 7*"* 7i7» 15. 778, 6. 782, 13. 
830,32; im iibrigen vgl. zu Materialheft I, Nr. 103. - 22ff. 



160 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Hakenstocken ... geben: Diese Passage ist wortlich D 625 ent- 
lehnt. - 23 Poltrons: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 278, 30. - 
23 so heifit hier die Zeit: Ober die englische >Unzeit< vgl. zu 
690, 28 f. - 23 ff. ein Priigel ...an dem menschlichen Bengel: Zu 
diesem Bild vgl. auch 839, 31 ; ferner GTK 1799, S. 222: »Spat- 
zier-Bengel«. 

344 4f- w i e & r Mond ... Viertel: Diese Wendung ist D 625 ent- 
lehnt. - 10 mystisch: Zu diesem von Lichtenberg stets ironisch 
und negativ gebrauchten Worte vgl. zu B 380. - 14J. gesund 
wie ein Fisch im Wasser: Gemeint ist »The provoked wife«, 
5. Akt, 2. Szene, S. 74 der Ausgabe London 1753- Die sprich- 
wortliche Redewendung ist seit alters gebrauchlich ; das DWB 
steuert Belege aus Konrad von Wurzburgs »Trojanerkrieg«, 
Schiller, »Die Rauber«, Goethe, »Der Fischer« bei. -17 wein- 
klug: Im DWB 14, 1, 1 (Sp. 951) als einziger Beleg notiert; 
offenbar Wortschopfung Lichtenbergs. Lichtenberg gebraucht 
diesen Ausdruck auch GTK 1799, S. 222. - 21J. Mit r und I in 
einen Mittellaut zusammengeschmolzen: Diesen charakteristischen 
Zug, D 625 entlehnt, notiert Lichtenberg - noch pragnanter - 
in E 292 und Materialheft I, Nr. 30; s. auch 443, 6ff. - 2j das 
Wort prerogative: Vorrecht, insbes. der engl. Konige in der 
konstitutionellen Monarchie; Sir John Brute gebraucht es in 
»The provoked wife« 3. Akt, 2. Szene, S. 50 der Ausgabe Lon- 
don 1753. Ober diesen BegrirTvgl. zu F 809; s. auch 732, 19. 
753, 21. - 28 Vanbrugh: Vgl. zu 326, 33. - 34 Mifi Young: Uber 
diese Schauspielerin vgl. zu RT 8.-34/". der beruhmten Mrs. Ah- 
ington: Ober die von Lichtenberg ungemein geschatzte Schau- 
spielerin Frances Abington vgl. zu D 627. - 36 die schandliche 
Szene: Gemeint ist »The provoked wife« 4. Akt, 1. Szene. - 
38 Scharwache: Tax diesem Ausdruck vgl. zu 245, 9. 

345 1 Saloppe: Im i8Jh. Name eines weiten armellosen Oberkleids 
fur Frauen, - 4 schon neulich gesagt: S. 328, 20, - p Wenn nur 
die Schauspieler erst wufiten . . .: Dazu vgl. Materialheft I, Nr. 121. 
- 10 Theatermensch: Diesen Ausdruck notiert Lichtenberg zu- 
erst in F 142. - i6f. sein erstes spanisches Rohr so tragen ...; Vgl. 
zu dieser Wendung 389, I7ff. - i8ff. Eine Gleichungstafel ...fur 
die Schauspieler: In diesem und dem folgenden Satz erkennt 
Albert Schneider (o.c. I, p. 207) die Keimzelle zum »Orbis 
pictus«. - 25/. Wenn ein Jurist ... der Fahndrich: Diese Passage 
geht auf F 17 zuriick. - 26 leges: Gesetze. Gemeint ist das Romi- 
sche Recht, das Kaiser Justinian im »Corpus juris« 528-534 zu- 
sammenstellen liefi. - 26 Justinian: Ober ihn s. zu KA 75. - 
2jf. weitlauftigen Zeilen und langen Prozessen: Diese Wendung 
ist wortlich F17 entlehnt. - 2$f. Menschenfreunde ... Gulden in 
der Hand: Dieser Satz ist fast wortlich F17 entlehnt. - 31 Pri- 
maner: Dieser Ausdruck, von Lichtenberg ahnlich abschatzig 



BRIEFE AUS ENGLAND I<5l 

gebraucht wie das Wort Kandidat, begegnet auch 377, 23. 566, 
11. 570, 18. - 32 -xctkouz xayoc&ou;; »den Schonen und Guten«. 
Lichtenberg gebraucht das Wort auch D 334. Kalokagathia, 
die harmonische Ausbildung, war das Ideal der Athener Ober- 
schicht. - 33 Shakespears Kunst: Vgl. 333, 22 ff. - 33 j. so wenig 
als Kreuzmachen Christentum: Uber diese Wendung vgl. KA 
108 und die Anm. dazu. - 37 f. ihre eigne Physiognomik ... 
Astronomic: Diese Wendung ist F 17 entlehnt. - 

346 3Jf. Ich zeigte einmal : Lichtenberg berichtet diese Anekdote 

eines »Miinstermanns« aus Osnabriick in einem Brief an Kal- 
tenhofer (IV, Nr. 79, S. 168) vom 23. August 1773. - 15 in- 
jluxum lunae physicum: >korperlicher EinfluB des Mondes<. - 

17 ff. Die Polhohe ist ....* Zu diesem Scherz vgl. C 83; zum Be- 
grifF »Polhohe« vgl. zu 217, 29. - 21 ausgedruckt: Zu dieser 
Schreibweise vgl. zu 279, 25..- 2if. Lauaters Engel ...: »Viel- 
leicht fmdet man es lacherlich, aus einem Knochen oder einem 
Zahn physiognomische Beobachtungen herzuleiten. Ich finde 
es gerade eben so naturlich, als aus dem Gesichte.« So schreibt 
Lavater in dem zu 223, 30 genauer nachgewiesenen Aufsatz, 
a. a. O., Sp. 159. Ubrigens handelt es sich um Lichtenbergs ersten 
offentlichen Seitenhieb auf Lavaters physiognomische Prophe- 
zeiungskunst; uber Lavater s. zu A 129. S. auch 358, 23. - 2$ ein 
eingebildeter, reicher Kramer: Henrici; liber ihn s. zu C 83. - 
28f. ein ... katholischer Kanonikus: Sein Name wird von Lich- 
tenberg auch in dem zu 346, 3 zitierten Brief nicht mitgeteilt. - 
30 Garricks Bildnisse: S. dazu 352, 17. - 30 etwas von Weston: 
S. dazu 349, 37-355, 22. - 31 Gabrielli: Lichtenberg berichtet 
von ihr ausfiihrlich 362, 32 rT. Uber sie vgl. zu RA 54. - 32 
Brydones Reise: Gemeint ist »A tour through Sicily and Malta«, 
erschienen London 1773. Patrick Brydone - uber ihn s. zu D 
510 - berichtet uber die Gabrielli in Bd. 2, S. 232; s. auch 362, 
35 und Briefe (IV, 259, 31). - 32J, als Dido erschienen: Vgl. 
363, 2 ff. und die Anm. dazu. - 33 G.C.L.: aus: G.C.B. von 
mir verbessert entsprechend der Berichtigung im »Deutschen 
Museum«, 12. Stuck, S. 11 52: »LG.C.L. Der Verfasser ist der 
Herr Prof. Lichtenberg in G6ttingen.« S. auch Lauchert, a. a. O., 
Seite 13. 

347 1 [ Dritter Brief ] : »S.u uber dem Briefe fehlt III. oder dritter 
Brief. « So heifit es unter den Berichtigungen im »Deutschen 
Museums, 2. Stuck, S. 192, die auch Lauchert, S.13, mitteilt. 
In einer FuBnote zu der Oberschrift verweist Lichtenberg oder 
Boie auf die bereits 1776 im »Deutschen Museum« erschiene- 
nen »Briefe ausEngland«: »S. d. Mus. 1776. Jun. S. 562. v. Nov. 
S. 982.« Diese Zeile ist von mir gestrichen. - 2 London, den 
30. Nov. 1775: Wie fiktiv die von Lichtenberg genannten 
Daten seiner 3 »Sendschreiben« sind, erhellt u.a. aus RA 204: 



1 62 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

an diesem Tage reiste er nach Deptford. - 5/ UnpaJHichkeit 
eines meiner Reisegefdhrten: Lichtenberg reiste in Begleitung 
der jungen Englander Bertie Greathead, Brouslow Mathew 
und Edward Morrison am 7. Dezember 1775 nach Gottingen 
ab; vgl. auch 367, 24. Welcher der 3 Reisegefahrten erkrankt 
war, ist nicht iiberliefert. - 5 vox meiner Abreise: die Abreise 
war zunachst auf den 6. November 1775 festgesetzt worden. - 

11 pro absente: fiir abwesend. - 12 ff. was ich ... von Weston und 
elnigen Schauspielerinnen ... versprochen: S. 346, 3of. - 15 schon 
einmal gesagt: Lichtenberg spricht 335, 1 lediglich von einem 
»schwarzen Kleide«, das Garrick-Hamlet tragt. - 32J. London- 
sche Macaroni: So nannte man seinerzeit den dortigen Mode- 
gecken und Stutzer; s. auch 362, 14; im iibrigen vgl. zu 
E68. 

348 if zweiten Vorstellung des Hamlet , die ich sah: am 12. Dezember 
1774; s. auch RT 11. - 4 meinem System: Vgl. zu KA 296; s. 
auch 513,19. 515, 5 f. 516, 33 f. - 6 damus petimusque: »Wir 
geben und erbitten«. Zitat von Horaz, »De arte poetica«, V. 11 ; 
wo es eigentlich heiBt: »petimusque damusque«. - 8 Weg des 
Superfeinen: Zu diesem Ausdruck vgl. zuE 196; s. auch 918, 7. - 

12 denkende Schauspieler: Zu diesem Gedanken vgl. Diderots 
»Paradoxe sur le comedien« (1773); s. auch 351, 20. - igf. Es 
geht mix hierin ...: Diese Passage 1st F130 entlehnt. - 20 Art 
von Vbersetzung: Ahnlich sagt Lichtenberg auch F 130; zum 
Problem der Ubersetzung im allgemeinen vgl. zu A 120; s. 
auch 397, 31. 508, 36. - 2if. mein altes darmstddtisches ABC: 
Lichtenberg schrieb zeitlebens deutsche Schreibschrift lediglich 
fremdsprachliche Zitate und besonders hervorgehobene Be- 
merkungen in Antiqua, S. auch Briefe (IV, S. 636, 11 f.). - 23 
Sinngedicht: Eindeutschung von: Epigramm. - 31 Fatten zux 
Bedeutung von Mienen gediehen: Vgl. zu 266, 36f. 

349 1 die bekannte Diagonalfalte : Die Bedeutung dieses Ausdrucks 
ist mir nicht bekannt. - jf. dintigen Mantel t von dent Hamlet 
einmal spricht: »inky cloak« nennt Hamlet sein Gewand gegen- 
iiber seiner Mutter in »Hamlet« I, 2. - 10 Eitelkeit war: von 
mir verbessert aus : . . . waxen nach der Berichtigung im »Deut- 
schen Museum«, 2. Stiick. 1778, S. 192, die auch Lauchert, S. 13, 
mitteilt. - 12 f. Casar undEnglands Heinriche und Richarde: Ober 
Casar vgl. zu KA12; iiber Heinrich IV. vgl. zu RA111; iiber 
Heinrich VIIL vgl. zu D 582; iiber Richard I. und Richard II. 
vgl. zu E142. - 13/. Gardeunifoxm mit Schaxpe und Ringkxagen: 
Lichtenberg erwahnt sie auch 364, 26 f. - i6antiquarischen Stolz: 
Dieses Adjektiv begegnet auch 674, 4; im iibrigen vgl. zu B 142. 
- 33 Genius Quinquennii: Geist des Jahrfunfts; dieser Ausdruck 
geht auf E 176 zuriick; vgl. auch zu 260, 35. - 34/. Savoyarden: 
Dieser Ausdruck begegnet auch D 482 ; s. die Anna, dazu; ferner 



BRIEFE AUS ENGLAND 163 

Briefe (IV, S. 211, 23)- 35 erhabenes Babel: Tax dieser Wendung 
vgl. zu 66, 37, -38 in meinem ersten Briefe: Vgl. 327, 28. 

350 2J. Dieses sonderbare Geschopf ... Range war: Dieser Satz ist fast 
wortlich Materialheft I, Nr. 60, entlehnt. - 6 Foote: Ober ihn 
vgl zu D648; s. auch Materialheft I, Nr. 61. - 12/. Seine 
Stimme ... pelzig: Diesen Ausdruck notiert Lichtenberg in 
RT 8. - 17 f. Stuck, worin ich mir ihn eben itztgedenke: Welches 
Stuck gemeint ist, war nicht feststellbar. Lichtenberg sah 
Weston in »The fair Quakers; in »The maid of the Oaks«; in 
»The beaux' stratagem«; »The Rival Candidates«; »Devil upon 
two sticks«. - 27 f Chamaleon ... Fuchs: Dieselbe Zusammen- 
stellung begegnet D463; zu »Chamaleon« vgl. zu 258,8. - 
30/. Er ist immer ernsthaft: S. 327,32; vgl. auch Briefe (IV, 
S. 214). -32/. gesehen, da ihn in einem Stuck: Gemeint ist, wie 
aus 354, 27 hervorgeht, »The Rival Candidates«; vgl. die Anm. 
dazu. 

351 jf. Jerry Sneak in Foote* s Mayor of Garret: Diese Komodie, die 
1764 uraufgefiihrt wurde, erwahnt Lichtenberg auch Material- 
heft I, Nr. 62. 82. - 6 Stiick, das itzt viel harm macht: Das Stuck 
»The maid of the oaks« von John Burgoyne - iiber ihn s. zu 
Materialheft I, Nr. 138 - wurde 1774 uraufgefiihrt. Vgl. 353, 
14 f. - 9 in meinem ersten Briefe: Gemeint ist 329, 8.-9 Far- 
qithars: von mir verbessert aus: Far^uhar's; s. auch 326, 32. - 

1 worin ich Garrick und Weston gesehen: Die folgende Rol- 

lenbeschreibung begegnet, haufig wortlich, in einem Brief an 
Baldinger (IV, S. 213-214) vom lojanuar 1775. Lichtenberg 
sah die Farquhar-Auf running am 3. November 1774. - 20 
Zaum der geubtesten Vermmft: Vgl. zu 348, 12. - 51 blendenden 
Bortenhut: Vgl. zu 343, 19. - 31 f. ein Paar wexfie . . . Waden, 
und ein Paar Schnallen: Dazu vgl. 388, 18. - 35 arme Teufel: 
Vgl. ZU2I4, 31. 

352 if Art von andachtigem Erstaunen .... dieser Hen Bediente (wie 
das Gbttingische Madchen sagte): Dieser Satz ist deni Brief an 
Baldinger (IV, S. 214) entnommen; s. auch 1 021, 2. - 9 Gefuhl 
des dreifachen Kontrasts: Diese Wendung ist Materialheft I, Nr. 
166, entlehnt. - i4f Sayer . . . bekannten Bildchen: Robert Sayer, 
Stichverleger in London zw. 1750 und 1780, in der alt. Literatur 
irrig als Stecher bezeichnet. Zu dieser Passage vgl. Briefe (IV, 
21 8, 2-11); ferner 346, 30 und 362, 5. - 17 Abel Drugger und Sir 
John Brute: ersterer Figur aus Ben Jonsons »Alchimist« (vgl. zu 
326, 31) und letzter Hauptrolle in Vanbrughs »The provoked 
wife« (vgl. zu 326, 33). - 28 Schonheitslinie: svw.: Wellenlinie, 
Schlangenlinie: nach Hogarth in dessen »Essai on Beauty« die 
harmonischste Figur; Lichtenberg gebraucht den Begriff auch 
529, 3. 824, 22. 834, 26. 838, 19. 919, 3. ion, 15: im iibrigen 
vgl. zu B 131; s. auch Materialheft I, Nr, 107. - 3of versteinert: 



1 64 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Zu diesem Ausdruck vgl. zu 155,29. - 52/*. Affektation von 
Wurde: Zu diesem Ausdruck vgl. zu B 22; s. auch 410, 36. 

353 13 dw Gotter und die Teufel: In der Satzvorlage erfolgt hierzu 
die von mir gestrichene Anm. des Herausgebers Boie: »Auf den 
englischen Schauplatzen nennt man die Bewohner auf der 
obersten Galerie Gotter (the gods), und der Verfasser nennt 
daher in seiner Laune die vom Parterre und Logen die Teufel «. 
- 1 4Jf. Ah Bedienter ... worden ist: Diese ganze Passage begeg- 
net, haufig wortlich, in Briefe (IV, S. 214-215); s. auch RT 6; 
zu »The Maid of the oaks« vgl. zu 351, 6. - 17/. Crapaud: wort- 
lich: Krote; im ubertragenen Sinn: Haarbeutel. - 24 f. Er will 
immer ...; Zu diesem Gedanken vgl. K 120. - 27 Mrs. Abing- 
ton: Ober sie vgl. zu D 627. - 28 Dodd: Ober diesen Schau- 
spieler vgl. zu RA 54. - 29 Operelysischen: Zu Lichtenbergs 
Musikverstandnis vgl. zu 342, 28 f. - 32 Devil upon two sticks: 
beriihmte Komodie von Foote, uraufgefuhrt 1768. Lichten- 
berg, der die Auffiihrung am 15. Mai 1775 besuchte, zitiert 
daraus in den Briefen (IV, S. 645. 648. 657. 788); s. auch RA13 
(S. 646-647). 175 und 329, 5. - 34/. Foote zum Doktor kreiert: 
Vgl. RA13 (S. 647, 5); die Wendung begegnet auch 789, I2f. 

354 J Empfindungen zu Buck zu bringcn: Diesen Satz, D 541 ent- 
lehnt, gebraucht Lichtenberg auch 377, 14 f. - if. solche Be- 
schreibungen zum Vergnilgen eine Menge gemacht: Dazu vgl. etwa 
Materialheft I, Nr. 97. - 6 Endzweck: Zu diesem BegrifF vgl. 
zu 12, 18. - 7f. Vorwurf ..., er habe zu viel gesehen: Dazu vgl. 
Materialheft I, Nr. 101. 136. - 12 Bcnefizstuck; So nannte man 
seinerzeit eine Theaterauff iihrung zu Ehren und Gunsten eines 
Schauspielers, dem der Erlbs des Abends zufloB. S. auch Ma- 
terialheft I, Nr. 64.-12 Richard den Dritten: D.h. in Garricks 
Parade-Rolle. Die von Lichtenberg mitgeteilte Anekdote mit 
der witzigen Pointe stammt iibrigens von Irby, wie aus RA 10 
hervorgeht. - 16 Drurylane: Vgl. zu 224, 19. - i6f. Covent- 
garden: Vgl. zu 337, 19.-17 Shuter: Ober ihn s. zu RT 2. - 
18 Affen-Laokoon: eine Karikatur Tizians der beriihmten helle- 
mstischen Gruppe; s. auch 677, 13 und Materialheft I, Nr. 64. 
Uber Laokoon vgl. zu A 18. - 23 in dem bekannten Monolog: 
Gemeint ist »Richard III.« V, 4: »Ein Pferd, ein Pferd, ein 

Konigreich fur ein Pferd. « - 24 an ass for an ass: »Ein Esel, 

ein Esel, ein Konigreich fur einen Esel!« Im ubrigeii s. zu 354, 
12. - 25 ich selbst Zeuge: Die von Lichtenberg besuchte Auf- 
fiihrung fand am 25. Oktober 1775 statt. - 26 Rival Candidates: 
Verfasser dieser Farce ist Garrick. Lichtenberg erwahnt den 
Vorfall auch RT 15; s. ferner RA 1 84. - 26 j. Stuck, worin er 
von dem Madchen getdtschelt: Vgl. 350, 35f. -34/. das Stuck zum 
zweitenmal sah: Das erste Mai hatte es Lichtenberg offenbar am 
25. Februar 1775: s. RT 15, gesehen. 



BRIEFE AUS ENGLAND l6$ 

355 3 Quartierbuteljen: Quarter-Flaschen. - 4 drei Quartier: Vgl. zu 

90, 6. - 24 Frage , die Sie in einem Ihrer Briefe getan: Boies 

Brief ist nicht erhalten; vgl. zu 326, 5fF. -34 ein Vierteljahr- 
hundert durch: Bereits am 19. Oktober 1741 debiitierte Garrick 
erfolgreichin Goodman's Fields mit »RichardlU.<L- 37 Fielding: 
Uber ihn vgl. zu A 99. - 38 Sterne: Uber ihn vgl. zu KA 272. - 
38 Goldsmith: Uber ihn vgl zu D 583. 

356 gf. Ich bin, urn Garricken spielen zu sehen ...: Diese Notiz ist 
Materialheft I, Nr. 22, entlehnt. - lof. sechs deutschen Meilen: 
Vgl. zu 44, 1. - 12 Art von wollUstiger Bangigkeit: Diese Wen- 
dung findet sich bereits D 577. - 13/. Stuck ...., in wetchem ich 
ihn zum erstenmal sah: Gemeint ist Ben Jonsons »Alchimist«, 
dessen Auffiihrung Lichtenberg am 24. Oktober 1774 besuch- 
te. - i$f. Hatte Garrick unter einem wcirmeren Himmel ...: Diese 
Passage ist Materialheft I, Nr. 20, entlehnt. - 23 Vor Anfang 
des Monologs ...: Gemeint ist »Hamlet« I, 4 bzw. I, 5. - 38J. die 
physiognomische Bemerkung: Zu der >Fundgrube< Shakespeare 
vgl. 279, I9f. und die Anm. dazu. 

357 if. that .... Vilain: »Dar3 einer lacheln karm und immer lacheln 
und doch ein Schurke sein«. Zitat aus »Hamlet« I, 5. Lichten- 
berg notiert den Satz auch Materialheft I, Nr. 27 ; s. ferner 
RT 11 (S. 629). - 8j. zweiten Vorstellung des Hamlet: Sie fand 
am 12. Dezember 1774 statt. - 28 Mrs. Barry: Uber sie vgl. zu 
RT6; ein ahnliches Urteil begegnet Briefe (IV, 215, I2f.) - 
55/ Wie die Eitelkeit . . . Schleppe weidet: Dieser Satz ist D 545 

entlehnt. - 36$. Sie ist geborne Schauspielerin: Dieser Satz 

begegnet wortlich in dem Brief an Baldinger (IV, 215, i8f.) 
vom io.Januar 1775- 

358 1 Ihr Geburtsort ... das ... romantische Bath: Dazu vgl. RT 7. 
Bath: bekannter engl. Badeort im Avontal in der stidengl. 
Grafschaft Somerset; war seit etwa 1700 Modebad der engl. 
Gesellschaft. Lichtenberg besuchte es im Oktober 1775 (s. 
Briefe IV, S. 248. 494). - 2Jf. In ihrem lotenjahr ... Schorn- 
steinen: Auch dieser Satz ist wortlich dem zu 357, 36ff. zitierten 
Brief (IV, 215, I9f.) entlehnt, wo ihr Alter allerdings mit 9 
angegeben wird. - 2J. wie mir eine Dame erzahlt: Mrs. Turnstall 
in Kew, wie Lichtenberg RT 9 notiert. - 10 God damn: Gott- 
verdammich. Zu dem engl. Nationalfluch vgl. zu F 319. - 11 
ah Cordelia ... gesehen: Die Auffiihrung des »King Lear« fand 
am 24. November 1774 statt; s. auch Briefe (IV, 215). - 17 das 
Andenken an diese Szene: Vgl. auch Briefe (IV, 215, 27 f.) - 
18 Als ich vor sjahren hier war: »f unftehalb Jahren« heiBt es in 
dem zu 357, 36ff. zitierten Brief (IV, 215, 16); iiber Lichten- 
bergs »Othello«-Besuch London 1770 ist sonst nichts uberlie- 
fert. - 21 Reddish: Samuel Reddish (1735-1785), namhafter 
vielseitiger engl. Schauspieler an Drury Lane, spater auch Co- 



1 66 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

ventgarden Theatre. - 23 f wenn ich eintnal eine Physiognomik 
schreibe: Uber die Ausdruckssprache von Lippen und Nasen 
reflektiert Lichtenberg 278, 30ff. und 279, 3 iff. Mit diesem 
Satz endet im »Deutschen Museum« der erste Teil des Dritten 
Briefes aus England; es folgt darunter die Unterschrift : G.C.L. 
und die Bemerkung: Die Fortsetzung kunftig, die von mir ge- 
strichen wurde. - 26 Damals war Mrs. Barry: Mit diesem Satz 
beginnt der »Schlus des dritten Briefes aus England an Boie. 
S. d. Museum 1778, Jan. S. 2$.«, eine Zeile, die von mir ge- 
strichen wurde. - 26 Drurylane: Vgl. zu 224, 19. - 26 f. jetzt 
spielt sie in Coventgarden: Dazu vgl. RT 7. Uber den Covent- 
garden vgl. zu 337, 19. - 27 Herr Barry, ihr Mann . ..; Ober 
ihn vgl. zu Materialheft I, Nr. 28. - 31 Yates und seine Frau: 
Ober den Schauspieler Yates vgl. zu RA184, uber Mary Yates 
zu RT15. - 35/. Mrs. Barry bekommt ... 1800 Pfund: Diese Be- 
merkung ist dem Materialheft I, Nr. 91, entlehnt; vgl. auch 
RT 24. - 35 wie mir ein Mann gesagt: Ramus; vgl. RT 24. 

359 2 Revenue: Vgl. zu 292, 21. - 3 Mifi Catley: Uber sie vgl. zu 
RT 2. - p Landgute in Surrey ...; In Lichtenbergs Tagebiichern 
und Briefen nicht erwahnt. -15 Mrs. Abington: Uber sie vgl. 
zu D 627. - i$f. so merkwurdigc Fran: Wie sehr Lichtenberg 
von ihr beeindruckt war, geht aus den Briefen hervor (s. da- 
selbst) und wird durch einen hubschen Zug belegt: seine Lieb- 
lingskatze Abington zu nennen. - 36 tie/ ins Herz zu reden: 
Diese Wendung begegnet auch G108. 

360 if der gefahrlichen Schule: Mrs. Abington ging anfangs ihrer 
Karriere auf den Strich, wie Lichtenberg auch an Baldinger 
(IV, Nr. 102, S. 215, 32f.) am io.Januar 1775 mitteilt. - 5 pa- 
pierne Welt in Drurylane: Vgl. zu 340, 22; zu Drurylane vgl. 
zu 224, 19. - 6f mehr als Mutmafiung: Vgl. 361, i$£. und die 
Anm. dazu. - i8ff. In den stummen Rollen . . . Tiefe des Theaters: 
Diese Passage ist dem Materialheft I, Nr. 117, entnommen. 

3<5 1 2J. Ich habe sie sehr oft spielen sehen: Bis zum 2. Dezember 1774 - 
s. RT 8 - hatte Lichtenberg sie schon dreimal gesehen und 
zwar in: »The Beaux Stratagem« mit Garrick; in »The provok- 
ed wife« mit Garrick; mit diesem Schauspieler sah er sie ferner 
in »Much ado about nothing« am 7. Nov. 1775 als Beatrice 
(s. RA185) und in »Rule a wife and have a wife« am 5. De- 
zember 1775 (s. RA 205) als Estifania; am 25. Oktober 1775 
in der Farce »The Bon Ton or high life above stairs« (s. RA 
184). - 4jf. the provoked Wife ... und the maid of the Oaks: Uber 
Vanbrughs Stuck vgl. zu 326, 3^; uber Farquhars »The Beaux 
stratagem« vgl. zu 326, 32; uber Beaumont-Fletchers »Rule a 
wife and have a wife« vgl. zu 327, if.; uber Garricks »The 
Bon Ton* vgl. zu RA184; liber Shakespeares »Much Ado 
about Nothing« vgl. 326, 34f.; iiber Burgoynes »The Maid of 



BRIEFE AUS ENGLAND 1 67 

the Oaks« vgl. zu 351,6. - 7/ vom General Burgoyne ... ge- 
schrieben: Dieser Satz ist auf englisch Materialheft I, Nr. 138, 
notiert. - 13 Lutherberg: Philip-James de Loutherbourg (1740 
bis 1 8 12), deutsch-engl. Maler aus Fulda, Schiiler seines Vaters 
undJohannHeinrich Tischbeins d. A.; ging 1771 nach London, 
wo ihn Garrick als Buhnenmaler an das Drurylane-Theatre 
berief. Im ubrigen vgl. Briefe (IV, 215, 9JF.). - 15/ Sie hat ... 
Mann gefesselt: Der Name des Mannes konnte von mir nicht 
ermittelt werden. Vgl. 360, 6f. - 20 Herr Abington: Vgl. Lich- 
tenbergs Ausfiihrungen an Bal dinger (IV, S. 215, 34.L). -36/. 
Portrdt von ihr . . . von Elisabeth Judkins: engl. Schabkiinstlerin 
des i8.Jh. (Lebensdaten unbekannt); das 1772 erschienene 
Schabbildnis von Frances Abington gilt als ihre beste Arbeit. - 
36 Reynolds: Uber ihn vgl. zu RA13. - 37 in schwarzer Kunst: 
Gemeint ist die bes. im England des i8.Jh. geiibte Kupferstich- 
technik der Schabkunst oder des Mezzotinto, die ein gleich- 
miiBiges, samtartiges Schwarz ergibt; s. auch 839, 36. 894, 
40. 
362 1 dieser leichten Hexe: Diesen Ausdruck in Bezug auf Frances 
Abington gebraucht Lichtenberg auch an Baldinger (IV, 216, 
14); uber diesen Lieblingsausdruck Lichtenbergs vgl. zu 306, 
33.-3 Favoritstellung: Zu dieser Wortbildung vgl. zu 401, 21. - 
$f. meiner kleinen Portratsammlung: Davon berichtet Lichtenberg 
u.a. Briefe (IV, 218) ; s. auch 352, i^f. -loan einer Stelle meines 
Briefes: Lichtenberg erwahnt Frances Abington noch einmal 363, 
30. - i2Coventgarden: Vgl. zu 337, 19. - 12 Mrs. Hartley: Uber 
sie vgl. zu RA 36. - 1 4 Londonsche Macaroni: Vgl. zu 347, 321*. - 
13 Mediceische Venus: Venus-Aphrodite: die Gottin der Liebe; 
beruhinte uppige Aphrodite-Plastik in den Uffizien zu Florenz 
nach einem spathellenist. Vorbild; Lichtenberg erwahnt sie 
auch 400, 15. 595, 28. 630, 1. 717, 16. 747, 38. 869, 23. - 17 ff. 
In Masons Elfrida ... knien zu sehen: Zu dieser Passage vgl. 
RA 36, woher sie entlehnt ist; uber das Stiick s. die Anm. da- 
zu ; iiber William Mason s. zu F 860. Ober das Knien auf dem 
Theater vgl. H 66. - igf, ein einzigesmal gesehen: Die »Mac- 
beth«-Auffiihrung mit Macklin in der Titelrolle und Mrs. 
Hartley als Lady Macbeth sah Lichtenberg am 19. Oktober 
1775: s. RA175. - 31 italienischen Oper im Haymarket: Das be- 
riihmte 1704 von Vanbrugh gebaute Theater, auf dem im 
Winter nur Singspiele aufgefuhrt werden durften und an dem 
Handel und Haydn wirkten, wurde 1775 von Foote geleitet. 
Ober die »Rasereien der ital. Oper« vgl. zu 845, i6f. S. auch 
365, 17 f, - 32 die vergotterte Gabrielli gesehen und gehort: am 
11. November 1775; s. RA195 und Briefe (IV, 259, 29f.); 
ferner 346, 3 1. - 35 Brydones Reisen . . .: Vgl. zu 346, 32; s. auch 
Briefe (IV, 259, 30 £). 



1 68 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

363 5 Opera Dido: Gemeint ist die Oper »La Didone abbandonata« 
von Sarri nach dem Libretto von Pietro Metastasio, 1724 in 
Neapel uraufgefiihrt. Lichtenberg erwahnt die Oper und seinen 
negativen Eindruck noch 1043, <5f.; s. auch 346, 33. - iof. die 
Influenza Schnupfen: »Freiheits-Influenza« pragt Lichten- 
berg J 285. - 12 hex Dr. Forster zu Tisch: etwa am 3. Nov. 
1775; die Notizen RA186-188. 190-192 beziehen sich sicher- 
lich auf das Zusammentreffen. Ober Johann Reinhold Forster 
vgl. zu G 104. - 13 Gesellschaft von Gelehrten: Vermutlich han- 
delt es sich um Teilnehmer der zweiten Weltumseglung durch 
Cook; vgl. RT 25. 26. - 14 Otaheite: Tahiti; vgl. zu 41, 38. - 
i$Eimbeck: Einbeck, 3 8 km von Gottingen entfernt. -16 der lite 
November dieses Jahrs: Ober den Opernbesuch berichtet Lich- 
tenberg launig in RA195. - 26 Saloppe: Vgl. zu 345, 1. - 27 
Federmuff: taschenf ormige Hulle zum Warmen der Hande, seit 
dem 17JI1. in Gebrauch. -30 Mrs. Abington zu erkennen: Vgl. 
362, 10. 

364 4 Friktion: Zu diesem BegrifTvgl. zu 13, 13. - 16 Lord ...: Uber 
ihn vgl. zu 361, 16. - 26 George H**: Gemeint ist George Han- 
ger; uber ihn vgl. zu TB 26. - 26 j. Scharpe und Ringkragen der 
englischen Garde: Dazu vgl. auch 349, 13. - 27 Woche: Lies im 
Text: Wache. - 29 Weender Strafle: seinerzeit wie heute Haupt- 
straBe Gottingens. - 32 f. Gabrielli . . . eher klein ah grofl: Vgl. 
dazu Lichtenbergs Bonmot Materialheft I, Nr. 35. - 55 Tag- 
und Nachtgleichen des Lebens ... leuchteten: Nach den Verbesse- 
rungen im »Deutschen Museum«, 6. Stuck am SchluB, ist statt: 
sehen, wie es in dem Erstdruck heiBt, einzusetzen: leuchteten. 
Lichtenberg gebraucht das Bild auch 955, 7 f. und F 953. - 57 
individuelle Loge: von mir verbessert aus: Ldge des Erstdrucks 
S. 441, entsprechend der Berichtigung am SchluB des 6. 
Stiicks, »Deutsches Museum« 1778, wie auch Lauchert S.14 
mitteilt. 

365 iff. Son Regina ... delVamor: Lichtenberg meint Didos Arie am 
SchluB des 6. Auftritts, wo sie Hiarbas erwidert (zitiert nach 
der Ubersetzung von Maximilian Rudolph Schenck, Metasta- 
sio. Dramen. Halle a. S., o. J., S. 17): »Geliebte bin ich, Furstin! 
Und die Macht / Im Reich und Herzen ich allein nur iibe. / 
Umsonst Gesetze mir zu geben meint, / Wer mir bestreitet 
und das Recht verneint, / Mich zu entscheiden zwischen Ruhm 
und Liebe.« - yf. in meinen Trmtmen besser gehort: Vgl. dagegen 
Lichtenbergs Urteil 342, 26 f. Zu Lichtenbergs Traumen vgl. 
zu A 33. - 9 Drurylane: Vgl. zu 224, 19. - 10 Landhaus in 
Buckinghamshire: vermutlich Anspielung auf Lord Bostons 
Landsitz in Hedsor, auf dem Lichtenberg 1774 wohnte; s. etwa 
Briefe (IV, 201, 16). - 11 papiemes Karthago: Tax diesem Aus- 
druck vgl. zu 340, 22. - i£ Kitzel einer komplizierten Musik: 



BRIEFE AUS ENGLAND 1 69 

Zu Lichtenbergs Musikverstandnis vgl. zu RAi. - 17 f. un- 
uberschwenglichen Absurditdten der italienischen Oper: Dazu vgl. 
zu 845, i6f. - 19 virgilischen Aeneas: Uber ihn vgl. zu KA, S. 41 
(II). - 19 Montezuma: Anspielung auf die Oper dieses Titels 
von Sacchini; vgl. RT 14 und die Anm. dazu. - 21 Hdmling: 
svw. Kastrat; vgl. zu F 30. Lichtenberg gebraucht den Aus- 
druckauch 845, 8. 846, 36. 951, 9. - 27 Heinel: Anna Friederike 
Heinel (1 752-1 808), seinerzeit beriihmte dt. Tanzerin, studierte 
bei Noverre, war Primaballerina in Stuttgart, Berlin und Paris ; 
fiihrte 1766 erstmals die Pirouette ein. - 29 Bacelli: Uber sie 
vgl. Materialheft I, Nr. 36 und die Anm. dazu; s. auch Briefe 
(IV, 286). - 30/. Bacelli .... an Kufi erinnem: Ku6 heifk ital.: 
bacio. - 32/. maltesischer Nachahmer der Nachtigall, Rossignol: 
Uber diesen Virtuosen war nichts in Erfahrung zu bringen. - 
33 winddiirren: Das Wort ist D 66 notiert; vgl. die Anm. da- 
zu. 

366 5 Luf (springer: Zu diesem Ausdruck vgl. zu F 645; Lichtenberg 
gebraucht ihn auch 716, 8. - 9/. Vergnugen, wie Milton aus der 
Holle: Gemeint ist vermutlich »Paradise lost« Drittes Buch, zu 
dessen Anfang Milton nach der Beschreibung der Unterwelt 
das »heilige Licht« begruBt: »Dich suche ich beschwingteren 
Gemiits, / Seit ich dem stygischen Geschwel entwich, / Nun 
wieder auf« (3. Buch, V. 17-19) ; im ubrigen vgl. zu 65, 11 ff. - 
10 Coventgarden: Vgl. zu 337, 19. - 10 Drurylane: Vgl. zu 224, 
19. - isff. Macklin habe ich den Shylock ... spielen sehen: Die 
Auffuhrung des »Kaufmann von Venedig« fand am 18. Mai 
1775 statt; s. RA17. 54. 175. Ober Macklin s. zu F 942. - 
19 nach geendigtem Prozefi: Dazu vgl. RA 3; s. auch F 942. - 
23 f. alle Vomrteile der Kindheit gegen dieses Volk: Uber Lichten- 
bergs Antisemitismus, fiir dessen Genese diese Stelle ein wich- 
tiger Hinweis ist, vgl. oben S. 84.-26 Tomback: Messing. - 26 
plaudern konnen: von mir verbessert aus: ... konne. - 30 Nase, 
die an keiner der 3 Dimensionen ...: Ober Lichtenbergs >Naso- 
logie< vgl. zu 93, 2fT. - 31 f. Mund t bei dessen Schlitzung: Dieser 
Satz ist D 455 entlehnt. - 37 Three thousand Ducats: »Dreitau- 
sendDukaten«; Zitat aus »Der Kaufmann von Venedig« I, 3; 
s. auch RA17 (S. 649). 

367 1 leckerhaft: Tax diesem Ausdruck vgl. zu D 268. - 3 Kredit, der 
nicht mehr zu verderben: Tax diesem Ausdruck vgl. zu D 433. - 
nf. Nachspiel Love a la mode ...; Daruber vgl. RA17 (S. 649 
bis 650). - 13 Sir Harry Mac Sarcasm: richtig: Sir Archy Mac 
Sarcasm: von mir verbessert aus: Sarcastm der Satzvorlage. - 
16 auch als Macbeth gesehen: am 19. Oktober 1775; vgl. zu 362, 
19 f. und RA175. - i6f. Rolle ... Ursache desProzesses: S. RA3 
(S. 642). - 2off. Es tut mir immer weh ...: dazu vgl. H 66. - 
23 f. ich werde Ihnen noch einmal schreiben: nicht geschehen; 



170 UNTERHALTSAME AUFSATZE 



Material f iir einen Vierten Brief hatte Lichtenberg zweifellos : 
s. Materialheft I, 18. 66. 82. 83. 140. 141. RA 54. -24/. Mein 
Reisegefahrte ... verschlimmert: S. zu 347, 31". - 26 London den 
2. Dezember 1775: Lichtenberg reiste am 7. Dezember 1775 
von London ab. 



AN DEN HERAUSGEBER DES MUSEUMS 
( Von ein paar alten deutschen Dramen) 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »An den Herausgeber des Mu- 
seums«. In: »Deutsches Museums 8. Stiick, August 1779, S. 145-156. 
Der Titel »Von ein paar alten deutschen Dramen«, unter dem dieser 
Artikel gelaufiger ist, wurde ihm erst von den Herausgebern der 
ersten Ausgabe der »Vermischten Schriften«, Gottingen 1801, Bd. 4, 
S. 1-26, gegeben. Da der Aufsatz unter diesem Titel bekannt gewor- 
den ist, glaubte ich ihn als Untertitel beibehalten zu sollen. Ein Manu- 
skript des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Wie aus Notizen im Sudelbuch C (89. 91. 104) und 
vor allem einem Brief an Kaltenhofer vom 31. Dezember 1772 (IV, 
Nr. 54, S.i 1 5-1 1 6) hervorgeht, ist Lichtenberg Dezember 1772 in 
Osnabriick auf diesen »Westfalischen Hans Sachs« gestoBen. Hier 
noch ist es lediglich die literarische Kuriositat, die Lichtenberg merk- 
wiirdig findet. Erst in der Niederschrift von 1779 begegnet der etwas 
gezwungene Versuch, den Dramatiker Bellinkhaus auf Kosten der 
zeitgenossischen »Sohne der Kraft« zu aktualisieren. Verweise im 
Materialheft zu »Orbis pictus« lassen den SchluB zu, daB Lichtenberg 
beide Schreib-Arbeiten ungefahr gleichzeitig unternahm, und er- 
lauben, den hier zur Rede stehenden Artikel in seiner satirischen 
Tendenz enger an das groBe Vorhaben einer Satire gegen die zeit- 
genossische Literatur anzuschlieBen. 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 205-207. 



368 1 Herausgeber des Museums: Gemeint ist Heinrich Christian 
Boie; iiber ihn vgl. zu B 16. Ober die von ihm gegriindete 
Zeitschrift »Deutsches Museum« und Lichtenbergs Beitrage 
darin vgl. die Einleitung zu »Briefe aus England« oben S. 1 5 1 . - 
4 es enthalte nicht Deutsches genug: Welcher zeitgenossische 
Kritiker diesen Vorwurf gegen das »Deutsche Museum« erhob, 
ist mir nicht bekannt. Die literarpolitische Forderung nach 
deutschen Charakteren, deutschen Originalromanen, von der 



VON EIN PAAR ALTEN DEUTSCHEN DRAMEN 171 

»Allgemeinen deutschen Bibliothek« gestellt, wird von Lich- 
tenberg sehr differenziert und distanziert aufgegriffen; vgl. 
D 214 und die Anm. dazu, s. ferner 527, 9fF. Im Sinne der zeit- 
genossischen Deutschtiimelei ist im iibrigen ein Artikel im 
»G6ttinger Taschen Calender« fiir 1781, S. 26-35, aufgesetzt, 
der den Titel tragt: »Die alten Deutschen«; es ist allerdings 
nicht gesichert, ob Lichtenberg selbst der Verfasser ist. - nf. 

ich hatte ihn zuziehen helfen: namlich durch die »Briefe aus 

England«. - ij ein altes Tagebuch von mir: Gemeint ist ohne 
Zweifel das Sudelbuch C, das Lichtenberg vom September 
1772 bis August 1773 gefiihrt hat; zu Rudolph von Bellink- 
haus s. dort die Bemerkungen C 89. 91. 104. - 20 mit Theater- 
nachrichten gesiindigt: Gemeint sind die oben genannten »Briefe 
aus England«. - 22 Aufenthalt in Osnabruck: Vom 4. September 
1772 bis 13. Februar 1773 befand sich Lichtenberg dort zu 
astronomischen Beobachtungen der Ortsbestimmungen. - 23 
Rudolph von Bellinkhaus: Uber ihn vgl. zu C 89. - 50 Osna- 
briickischen Hans Sachs: Diesen Beinamen notiert auch C 89. 
Uber Hans Sachs s. die Anm. dazu. -31 Osnabruckischen Unter- 
haltungen: Ober diese Zeitschrift, die sich ubrigens »OBnabrug- 
gische« schreibt, vgl. zu C 89; der Aufsatz uber Bellinkhaus, 
erschienen November 1770, S. 172-174, tragt den Titel: »Ru- 
dolphs von Bellinkhaus Schriften. « - 33/. im Tecklenburgischen: 
ehemal. Reichsgrafschaft im Westfal. Kreise, bis 1699 im Be- 
sitz der Grafen von Bentheim-Tecklenburg. - 34 Betrachtungen 
Uber die neuesten histor. Schriften: Verfasser der Altenburg 1771 
erschienenen »Betrachtungen«, in deren Text sogar Bellinkhoms 
steht, ist Meusel. 

369 4/. in tinea recta: in direkter Linie. Diese Wendung begegnet 
auch 707, 3. 824, 15. 1014, 21. 1023, 38. - 8 Eilfen Amtern: 
Amter hiefien seinerzeit die elf Verwaltungsbezirke des ehem. 
Stifts Osnabruck. - 10 Ich besitze ... zehne: Die Werke sind in 
dem »VerzeichniB derjenigen Bucher ...« nicht aufgefuhrt. - 
12 besitze ich zwei Werkchen: Die Werke sind in dem »Verzeich- 
niB derjenigen Bucher ...« nicht aufgefuhrt. - 32 Originalgexst: 
Diese ironische Umschreibung fiir geistige Insuffizienz ist ganz 
offenbar ein Seitenhieb auf das zeitgenossische »Originalgenie«, 
den »Originalkopf«, den Lichtenberg in den Sudelbuchern E 
und F immer wieder satirisiert. Im iibrigen vgl. zu 331, 2f. 

370 11 unter Eichen entstanden: Eine ahnliche Wendung fmdet sich 
in E 169; Anspielung auf die klopstockisierende teutonische 
Bardenlyrik seiner Zeit, wie sie etwa der »G6ttinger Hain« 
darbot. Vgl. auch E245. 355. 504. F 422. 731 zur Metapher 
von: Rauschen des Eichenwaldes als Stimuians der poetischen 
Einbildungskraft; s. noch K 274. - 12 ff. was ... Genie ... blofi 
durch Drang allein vermag: satirisch gemeinte >positive< Wen- 



172 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

dung des Lichtenbergschen Vorwurfs gegenuber den zeitge- 
nossischen deutschen Autoren, ohne Kenntnis der Welt nur 
aus Kenntnis von Dichtern zu dichten; vgl. zu 330, 5f. Zu 
Lichtenbergs negativer Genie- Auffassung vgl. zu 306, 9 f. - 13 
Drang: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 420, 28. Von »Genie- 
drang« spricht Lichtenberg 577, 16. - 16 Sdhne der Kraft: Ge- 
meint sind die zeitgenossischen >Originalgenies<. Tendenziell 
ahnliche Wortbildungen mit Kraft - begegnen audi 380, 5f. 
384, 33- 568, 27. 570, 18. 573, 27. 575, 37 und Briefe (IV, 830, 
3). - 16 Prachtphrases: >Pracht-Phrases< gebraucht Lichtenberg 
auch 370,16. 377*9- 565,36. 575,33* Von »Prachtprose« 
schreibt Lichtenberg F 1129; von »Prachtstil« F 1215. Wort- 
bildungen mit -Phrase begegnen auch 395, 18. 570, 22. 664, 28. 
743 , 24. Vgl. ferner zu G 72. - 1 7 Flicksentenzen: Die Metapher 
steht im Materialheft II zu »Orbis Pictus« notiert: Nr. 35; s. 
ferner: C 21. D 668; ahnliche Wortbildungen begegnen 391, 
16. 422, 6. und E 161. - 17 f. Hamburgische Institut: Gemeint ist 
das Nationaltheater in Hamburg, 1767 gegriindet. - 32 >ff. 
Mundus .... Scortatio: Welt, Tod, Sunde, Holle, Trunksucht, 
Hochmut, Geiz, Mord, Falschheit, Neid, Heuchelei, Unzucht. 

371 6 Zeckels Knieriemen: Zeckel, Figur aus »The devil to pay in 
Heaven* von Charles Coffey. Lichtenberg erwahnt das Stiick, 
dessen Auffuhrung er am 5. Dezember 1775 in London sah, 
und die Figur auch RA205; s. ferner 670, 23. - nf. wie beim 
Milton, die Sunde und der Tod: Gemeint ist das 10. Buch des 
»Paradise lost«, in welchem Sunde und Tod beschlieBen, nicht 
langer in der Holle gefangen zu sitzen, sondern dem Satan an 
den Ort des Menschen nachzufolgen. Uber Milton und sein 
Epos vgl. zu B 60; im ubrigen vgl. zu 65, 1 iff. - 26 Pfeifer- 
Gesicht: Ahnliche >physiognomische< Wortbildungen begeg- 
nen 408, 33. 479, 28. 577, 29. 579, 9. 705, 26. 792, 15. 806, 22. 
808, 36. 814, 11. 822, 23 f. 998, 6f. 1057, i5f. - 28 selbst, allein: 
In der Satzvorlage steht das Komma hinter: allein; von mir 
entsprechend Lauchert S. 40 und »Deutsches Museum«, 9. 
Stiick, S. 288, verbessert: »S.i50 Z. 6 muB das Komma nach 
selbst und nicht nach allein stehen.« - 30 Shakespear: Uber 
William Shakespeare vgl. zu A 74. - 31 Bagnios: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 195, 38. - 31 Bedlam: Vgl. zu 292, 31. 

372 4f. so modern, so drangmdfiig kiihn und kraftvoll: Vgl. zu 370, I2ff. 
- 14 wie Sie: von mir verbessert aus: ... 5ie der Druckvor- 
lage. - 24f. Kolophonium und Hexenmehl: Kolophonium: ein 
nach der griech. Stadt Kolophon genanntes Harz, das bei der 
Destination von Terpentin als Ruckstand zuruckbleibt (Bal- 
samharz). Zu Hexenmehl vgl. zu 31, 1. Lichtenberg gebraucht 
die Zusammenstellung auch F 640. - 36 Eilfen Amtern: Vgl. 
zu 369, 8. 



VON EIN PAAR ALTEN DEUTSCHEN DRAMEN 173 

374 3ff' Donatus ... anno 161$: Diesen Titel, die Inhaltsangabe und 
das Chronostichon schreibt Lichtenberg mit geringfugigen 
Anderungen in C 104 aus; iiber Aelius Donatus vgl. die Anm. 
dazu. Zu Chronostkha vgl. zu 180, 4. - 2jf. Musa ... Species: 
Muse, Magister, Schemel, Gliicklicher Priester, Frucht, Art. - 
34/ Venus . . . christlich verandert: ein seit der Renaissance haufig 
begegnendes Beispiel der Interpretatio Christiana. 

375 1 9 jungen Anflugs: Anflug heiBt in der Botanik der durch na- 
tiirL Besamung entstandene junge Nachwuchs von Nadel- und 
Laubholzarten, deren leichter Samen vom Wind fortgefuhrt 
wird. Lichtenberg gebraucht den BegrifTauch 895, 24; s. ferner 
GTK 1784, S. 34. - 20 f. Philantropia y die eine Melpomene umarmt: 
Philanthropia : Menschenliebe ; Melpomene: die Muse der Tra- 
godie. Zu dieser Wendung vgl. zu 678, 38. - 26 ff. die simpeln 
Bratenwender . . . eine Repetieruhr: Dieser Gedanke ist - aphoristi- 
scher - im Materialheft 1 zu »Briefe aus England«, Nr. 3 , formu- 
liert. -27 Bratenwender: Vgl. zu 212, 20. - 29 Quidquid agunt 
homines: »Was auch immer die Menschen tun«. Zitat von Juve- 
nal »Satirae« I, 85; Lichtenberg notiert es auch E 104. Uber 
Juvenal vgl. zu KA144. - jof. Naturlich zu schreiben ...grbfite 
Kunst unserer Zeit: Zu diesem Ged anken vgl. zu B 270. - 31/. 
hochste Flug des Menschen: Zu dieser Wendung vgl. zu 229, 
21. - 33 wir liefiens laufen: Diese Wendung ist E 357entlehnt; 
s. auch 543 , 8. 

376 5 alles unser Tun und Lassen auf Konjugationen: Tax dieser Refle- 
xion vgl. 895, 24. - 5/. amare ... recensere: lieben, lehren, lesen, 
horen, schreiben, rezensieren. Die Verben sind Paradigmata der 
Konjugationen. - 1 W...mim Haag: Gemeint ist, wie aus dem 
Materialheft II zu »Orbis pictus«, Nr. 6, hervorgeht: Wolfram, 
iiber den sonst nichts bekannt ist. Lichtenberg war 1770 in 
Den Haag, wie aus TBi, S. 601-602, hervorgeht. Ober Lich- 
tenbergs Verhaltnis zu Holland vgl. zu 231,31. - lof. den 
linken Arm in die Seite gestemmt: Eine ahnliche Wendung be- 
gegnet 701, 2 f. - loff. linken Arm ... zum Ohrfeigenausteilen: 
Dieser Satz ist fast wortlich dem Materialheft II zu »Orbis 
pictus«, Nr. 6, entnommen, wo lediglich Staat statt Pracht steht. 
- 14 Systole und Diastole der Nasenjlugel: Diese Wendung findet 
sich E 193 und auch - gestrichen - im Materialheft I zu »Briefe 
aus England«, Nr. 112. - 16 f. Deponentia: Zeitworter passiver 
Form und aktiver Bedeutung, weshalb sie Lichtenberg als 
>hermaphroditisch< bezeichnet. - igf. die Inter jektionen: An- 
spielung auf die deklamatorische Stilmanier der Dramatik der 
»Stiirmer und Dranger«, deren Eigenheiten Lichtenberg auch 
andernorts geiBelt; s. etwa 422, 1 ff. - 2 if. von schonen Madchen . . . 
mit zerstreuten Haaren: Den Gedanken konzipiert das Material- 
heft II zu »Orbis pictus«, Nr. 16. 



174 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

VORSCHLAG ZU EINEM ORBIS PICTUS 



Erstverdjfentlichung und Satzvorlage: »Vorschlag zu einem Orbis pictus 
fur deutsche dramatische Schriftsteller, Romanen-Dichter und Schau- 
spieler. Nebst einigen Beytragen dazu, von G. C. L.« In: »G6ttingi- 
sches Magazin der Wissenschaften und Litteratur« Ersten Jahrgangs 
Drittes Stuck. 1780, Nr. VI, S. 467-498. Ein Manuskript ist im 
NachlaB nicht erhalten. 

Zttr Entstehung: Als Keimzelle des »Vorschiags« erkannte bereits 
Schneider (o.c.I, p. 207) folgende Passage aus dem zweiten der 
»Briefe aus England« (345, i8fT.): »Eine Gleichungstafel, die solche 
Ziige enthielte, ware kein geringes Geschenk fur die Schauspieler, 
und, unter uns, f iir unsere dramatischen Dichter und Romanenschrei- 
ber. Alle (man darf wohl so allgemein sprechen, wo nur zwei oder 
drei ausgenommen werden konnen, deren Wert bekannt genug ist) 
schreiben, als fehlte es ihnen an StofFzur Beobachtung oder an Geist 
dazu, und die meisten, als fehlte es ihnen an beiden.« Diese Satze 
stammen spatestens aus dem Jahre 1776. Wie innig die Vorarbeiten an 
den »Briefen aus England« und zu dem »Orbis pictus« miteinander 
verbunden sind, erhellt nicht zuletzt aus den Materialheften I und II. 
Interessanterweise wird dieser gliickliche Gedanke noch ein weiteres 
Mai offentlich propagiert, und zwar im Herbst 1777 innerhalb der 
»Antiphysiognomik« (269, 7fT.): »Es ware eine Art von psychologi- 
schem Schachspiel, und ein unerschopfliches Feld von lehrreicher 
Beschaftigung fiir die dramatischen Dichter und Romanenschreiber, 
zu gewissen gegebenen Graden von Fahigkeiten und Leidenschaften 
Umstande und Vorfalle zuzuerfinden, um den Knaben, der sie besitzt, 
nach jedem gegebenen Auftritt durch wahrscheinliche Schritte hinzu- 
leiten.« Gleichfalls aus dem Jahre 1777, aber doch wohl aus dem 
Marz, stammt die Notiz im Sudelbuch F 442, in der Lichtenberg »fur 
das Museum« einen Artikel skizziert, von dem Schneider (o.c.I, 
p. 207 FuBnote) annimmt, daB er mit der langen Einleitung zu 
»Orbis pictus« vielleicht identisch ist - einige ahnlich lautende Ge- 
dankengange sprechen daf iir. Tatsachlich hat Lichtenberg den »Orbis 
pictus« anfanglich Boies »Deutschem Museum « zugedacht. Am 
31. August 1778 schreibt er an Boie (IV, Nr. 207, S. 343): »Zu 
meinem Orbis pictus kommt jetzt noch kein Kupfer, weil das, was ich 
davon ins Museum einriicken werde, bloB ein Vorschlag und Probe 
von Erklarungen werden wird.« Die mit Kupfern verzierten eigent- 
lichen Erklarungen waren ofFensichtlich als Fortsetzungslieferung im 
Verlag Dieterich gedacht! So wenigstens entnimmt man einem Brief 
Dieterichs an Chodowiecki vom 27. September 1778 (Briefwechsel 
Chodowieckis mit seinen Zeitgenossen. Herausgegeben von Char- 
lotte Steinbrucker. Berlin 1919, Nr. 316, S. 227-228): 



■v-^ 



VORSCHLAG ZU EINEM ORB IS PICTUS 1 75 

^Professor Lichtenberg, hat einen besondern gedanken, nehmlich 
einen Zweiten orbis picktus heraus zu geben, der sich aber gantz von 
den bekandten unterscheidet. Seine absicht ist auch hierin ein wenig 
satyrisch, er will der armuth unserer dramatischen Schrifftsteller so wohl 
als auch der Schauspieler und Ktinstler dadurch zu HulfFe kommen, 
daB er frapante Ziige, so wohl solche, die nur durch Worte auszu- 
driicken sind, als auch die die sich durch Zeichnung darstellen laBen, 
aus allerley Standen des biirgerlichen Lebens sammeln, und heraus 
geben. Er wiird eine kleine Probe davon, entweder im October, oder 
November des deutschen Museums, jedoch ohne Kupfer liefern. Ich 
frage also hie mi t bey Ihnen mein Freund an, ob Sie wohl hiemit 
Hand anlegen wolten? und seine Vorschlage die Er alsdann thun 
wiirde, auB zu fiihren tibernehmen mochten, so wolte ich dieses 
Werkgen, so nach und nach herauskommen miiste, im Verlage nehm, 
und Sie selbst wiirden alsdann auch einige Vorschlage dazu, zu thun 
haben, um von beyden seiten etwaB besonders und meisterhafftes zu 
liefern. Warten Sie nur auf die Probe, woraus Sie mehr licht bekom- 
men sollen, und geben mir nachher Ihre Gedanken, und Wtllens- 
meinung prompt an. Der Titel orbis Picktus gefallt mit sehr, und ich 
wunschte wohl so etwas zu verlegen, wenn es auch nur quartal weise, 
ausgegeben werden kondte, oder alle meBen etwas, zum wenigsten. 
Sagen Sie niemanden etwas hievon, Sie WiBen wie jetzo unsere buch- 
handler sind, und dahero auch ofters sehr viel thummes Zeug zur 
messe komt, geben Sie mir aber wenigstens durch Ihren Kunflftigen 
brief, ein paar Zeilen antwort, ob ich mich dieses von Ihnen, wenn 
der Herr Professor Vorschlage thut, Versprechen kondte, daB Sie mir 
hierin behulff lich seyn wolten, nach abgelegtem Compliment von dem 
Herrn Professor verbleibe jeder Zeit ... 

27. 7 ber 1778. J. C. Dieterich.« 

Erst iiber ein Jahr spater laBt sich Lichtenberg iiber sein Projekt 
wieder brieflich aus: in einem Schreiben an Chodowiecki (IV, Nr. 
2 43> S. 374-376) vom 13. November 1779, worin er Bezug nimmt 
auf Dieterichs Ausfuhrungen. Aber dieser Brief unterscheidet sich in 
zwei Punkten von vorhergehenden AuBerungen. Zum einen ist nun 
nicht mehr die Rede von einer Publikation im »Deutschen Museum«, 
was seinen Grund wohl in der Entfremdung zwischen Lichtenberg 
und Boie wegen der im »Deutschen Museum« verofFentlichten An- 
grifTe Zimmermanns auf Lichtenberg im Physiognomik-Streit hatte. 
Zum andern plant Lichtenberg nunmehr als designierter Mitheraus- 
geber des »G6ttingischen Magazins«, fiir dessen zum 10. Marz 1780 
auszulieferndes Zweites Stuck er Chodowiecki konkrete Auftrage 
erteilt, wobei auffallt, daB Lichtenberg jetzt Formulierungen ge- 
braucht, die in »Orbis pictus« zum Teil wortlich wiederbegegnen. 
Das laBt den SchluB zu, daB Lichtenbergs Artikel vor dem November- 
Termin 1779 zumindest im wesentlichen fertiggestellt war. Ob er 
noch 1778 geschrieben, was moglich, mir aber nicht wahrscheinlich 



I76 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

erscheint, oder erst 1779 ausgefuhrt worden ist, laBt sich anhand der 
iiberlieferten MateriaHen nicht mit Sicherheit angeben. 

Das den »Orbis pictus« enthaltende Dritte Stuck des »G6ttingischen 
Magazins« erschien in der zweitenjunihalfte 1780. Am 19. Juni 1780 
schrieb Lichtenberg an Schernhagen (IV, Nr. 267, S. 394) : »Mit der 
nachsten Donnerstags-Post werdenEw. Wohlgeboren das 3te Stuck 
des Magazins erhalten.« Vorsichtig wie er ist, schlieBt er diesen Satz 
an : »Sie werden so giitig sein und mich bei alien Freunden entschuldi- 
gen, daB ich am Ende so sehr gespielt habe, es ist das Verlangen des 
Verlegers und der meisten Leser gewesen. Sie glauben alle, es wiirde 
den Abgang des Magazins befordern.« Der Aufsatz wurde wohl- 
wollend aufgenommen. In der in den »G6ttingischen Anzeigen von 
gelehrten Sachen« 90. Stuck, 24. Juli 1780, S. 729 f., erschienenen An- 
zeige heiBt es von dem Artikel : »ein Aufsatz, der seinen Verf., den 
Hrn. Prof. Lichtenberg, gar bald verriith.« Ein interessierter Leser war 
orTenbar Blumenbach, der Lichtenberg Anmerkungen iiber die geist- 
lichen Bedienten und die Kammermadchen machte (s. IV, 397). 

Literatur: Schneider, a.a.O., Bd. I, S. 207-212; Mautner, a.a.O., 
S. 253-257; H. Rudolf Vaget, Johann Heinrich Merck iiber den 
Roman. In: PMLA, May 1968, Vol. 83, No 2, p. 347-356 (s. speziell 
P. 355). 



377 1 Orbis pictus: wortlich: gemake Welt; »Orbis sensualium 
pictus« hatte Johann Amos Comenius sein beruhmtes 1654 er- 
schienenes Lehrbuch betitelt, das mit Holzschnitten aus alien 
Lebensbereichen ausgestattet und in Deutschland lange das ver- 
breitetste Schulbuch war. - p Pracht-Phrases: Zu dieser Wen- 
dung vgl. zu 370, 16. - 10 Mode-Empfindungen: Ahnliche Wen- 
dungen begegnen auch 391, 16 f. 578, 19 und Gno; im iibrigen 
vgl. zu C 340. - i2Nahemng: Zu diesem BegrifFvgl. zu 313, 14. 
-12 Konventions-System: Ahnliche Wortbildungen begegnen 
540, 23 f. 553, 21. 772, 34; im iibrigen vgl. zu J 467. - 14/, Emp- 
findungen ... zu Buck zu bringen: Tax dieser Wendung vgl. zu 
354, 1. - is individualxsxerenden Ausdruck: Zu diesem von Lich- 
tenberg zeitlebens betonten und geiibten Stilprinzip vgl. KA 
275 und die Anm. dazu; im iibrigen vgl. 328, 20 f. 382, 2. 513,7. 
- 17 transzendente: Zu diesem Adjektiv in Lichtenbergs Sprach- 
gebrauch vgl. F 72 und die Anm. dazu. - 25 Ex-Primanern: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 345, 31. - 26 Makulatur: Dariiber vgl. 
zu D 578; s. auch 457, 6f. 1032, 15. Wie sehr Lichtenberg das 
Thema beschaftigte, geht noch aus K 201 hervor. - 26 j. PJeffer- 
dutten-Kredit: Der Sinnzusammenhang ergibt sich aus E311. 
312; s. auch 760, if. Zu ahnlichen Wortbildungen vgl. zu 
259> 3<5. -31 Pedanterei: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 297, 17. - 



VORSCHLAG ZU EINEM ORBIS PICTUS 177 

3 1 laudes temporis adv. >Lobpreisungen der vergangenen Zeit<. 
Abgewandeltes Zitat nach Horaz, »De arte poetica« V. 173, wo 
es vom Greis heiBt: »Laudator temporis acti«. Lichtenberg 
zitiert die Worte auch K 273. L 377. 390. 622 und in den Brie- 
fen (IV, S. 671). Uber Horaz vgl. KA152. -31/. Vox populi ... 
vox Dei: >Volkes Stimme, Gottes Stimme<. Das schon in der 
Antike gefliigelte Wort wird auf Hesiod, »Werke und Tage« 
zuriickgefiihrt. - 35 Gradus ad Pamassum-Methode: »Gradus ad 
Parnassum« war der Titel eines Handbuches fiir lat. Verskunst, 
herausgegeben von Paul Aler, Koln 1602. Lichtenberg ge- 
braucht diese Wendung auch E142. G128 und Materialheft II, 
Nr. 10; s. ferner 1009, 16. - 36 Logodadalie: Wort-Kiinstelei. 

378 9 Nachschlagen ... Nachdenken: Tax diesem Vorwurf vgl. zu 87, 
25 f. - 16 schonen Geister: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 273, 26 
(Bel Esprit). - i6f. Man schreibt ... Romane aus Romanen: Diese 
Wendung begegnet ahnlich auch D 541; vgl. ferner 339, 34. - 
24 Stemische Kunst: Was Lichtenberg darunter - negativ - ver- 
steht, geht aus G 2 hervor. Unter der Uberschrift »Etwas von 
Sterne« verofFentlichte er ubrigens im »G6ttingischen Magazin«, 
Erstenjahrgangs Viertes Stuck 1780, S. 84-92, ein »Schreiben an 
Prof. Lichtenberg. (Aus dem Englischen).« Uber Laurence 
Sterne vgl. zu B, S. 45. - 2$ff t Mit etwas Witz ... auszujuhren: 
Diese ganze Passage ist D 246 entnommen. Lichtenberg ver- 
wertet sie auch G 2. 115 und! im Materialheft I, Nr. 86; II, 
Nr. 10. 15. - 31 sondern setzt statt ...: von mir entsprechend der 
von Lichtenberg am SchluB des Ma gazin-St ticks gegebenen Be- 
richtigung verbessert aus : »sondern, statt seiner . . . Zeichen setzt«. 

379 4 wo ihn der Kothurn und Soccus druckt: Diese Wendung ist 
Materialheft II, Nr. 38, entnommen; vgl. auch C 200. - 
4 Kothurn: hoher Schuh der Schauspieler der griech. Tragodie. - 
4 Soccus: der niedrige Schuh der Schauspieler der griech. 
Komodie. - 5 Fach der weinerlichen Liebe: Vgl. 518, 18 und die 
Anm. dazu. - 6f. quod natura ... docuit: »was die Natur alle 
Lebewesen gelehrt hat«. Diese Zeile begegnet auch IV, 782. - 
nf, der Verliebte jedes Madchen ...fur die seinige halt: Dazu vgl. 
D 414. - lyj. Heimlichkeiten ... ausplaudern: Zu dieser Wen- 
dung vgl. 336, 26 und die Anm. dazu; s. auch 384, I5f. - 2of. 
seinen Siegwart: Gemeint ist »Siegwart, eine Klostergeschichte«, 
erschienen Leipzig 1776, der »heulsame« Bestseller-Roman von 
Johann Martin Miller; Lichtenberg erwiihnt ihn auch 421, 20. 
519, 32. 618, 18 und spielt auf ihn F 667 an. Zu dem >Mode- 
Pronomen< seinen vgl. 297, 32. - 24 warmen Herzen: Einen ahn- 
lichen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 410, I7f.; zu der 
Wendung vgl. F 1047. -32 epidemisch werden: Diese Wendung 
gebraucht Lichtenberg auch 508, 27. 1002, i6f.; im ubrigen 
vgl. zu F 1068. - 34 aus jedem Mann ... Kastrat machen: »Ein 



I78 UNTERHAXTSAME AUESATZE 

artiges Wort von ihm ist auch das folgende: Als ihn einer 
fragte, wie es kame, da6 aus den anderen Schulen viele in die 
des Epikur iiberliefen, aus der epikurischen aber keiner in 
andere, sagte er: >Aus Mannern konnen Entmannte werden, 
nicht aber aus Entmannten Manner. <« Zit. aus Diogenes Laer- 
tius, »Leben und Meinungen beriihmter Philosophen«, Buch 
IV, 43. - 38 Arkesilas der Akademiker: Arkesilaos (315-241 
v.Chr.), aus Pitone, griech. Philosoph des Skeptizismus, gilt als 
Stifter der >mittleren Akademie<. 

380 5/. Kraft-Barden: Lichtenberg gebraucht diesen Ausdruck auch 
568, 27. 570, 18; zu Barden vgl. zu 303, 7. - 20/. Sie schimpfen 
auf Voltaren, Popen und Wielanden: Zu den Angriffen der Gene- 
ration des Sturm und Drang auf den Exponenten der frz. 
Literatur Voltaire vgl. die uniibertroffene Studie von KorfF; zu 
der Schmahung Popes vgl. 308, 22fF. und die Anm. dazu; zu 
den Attacken gegen Wieland, die nicht zuletzt von Seiten des 
Gottinger Hain erfolgten, s. etwa Vossens Invektiven in »Auf 
Michaelis* Tod«. - 21 sogar gegen Milton: Der AngrifT erfolgte 
vermutlich von Seiten der Klopstockianer, ohne daB ich sagen 
konnte, auf wen Lichtenberg hier speziell zielt. Ober Milton 
und Lichtenbergs Wertschatzung vgl. zu B 60. - 22J. Wenn em 
Kopfund ein Buch ...; Dieser Satz ist wortlich D 399 entlehnt; 
Lichtenberg verwertet ihn auch 559, 33 ft". - 28 f. Aus seinetn 
verlornen Paradies hatte Newton ...: Zu diesem Gedanken vgl. 
113,24; ahnliche Gedanken iiber Milton entwickelt Lichten- 
berg in F 493 . Ober dessen Epos »The paradise lost« vgl. zu 
65, 9fF. - 30 Leber-Reime : kurze, scherzhafte Stegreifgedichte 
nach dem Schema »Die Leber ist vom Hecht und nicht von 
einem . . .«, worauf ein Tier genannt wird, auf dessen Namen die 
folgende Zeile reimen mu6. Die alteste Sammlung von Leber- 
reimen stammt von dem niederdt. Dichter J. Junior 1601. Vgl. 
Lichtenbergs Reflexion in E 260. - 53/ Sein Werk gleicht den 
Werken der Natur: Zu Lichtenbergs WertmaBstab, den er im 
iibrigen Homer und Shakespeare zuspricht, vgl. zu 313, iof. - 
34ff. der silbeme Mond ... Bahn zu bestimmen: Diese Passage ist 
E 257 entnommen; s. auch G113. - 36Eulern: Uber Leonhard 
Euler vgl. zu A 166. - 36/. Mayern: Ober Tobias Mayer vgl. zu 
B 237. - 37 Beattie zitiert den Milton ...: Dieser Satz ist E 257 
entlehnt; Beattie weist auf Milton im »Essay on the nature and 
immutability of truth in opposition to sophistry and scepti- 
cism«, S. 54. 77. 124 hin, das London 1770 erschienen war. 
Ober James Beattie vgl. zu D 666. 

381 6f. Manche Dichter ... nur von gewissen Dichtem gelesen: Zu 
diesem Gedanken vgl. D 610 (S. 324). - 12 Bemerkungen f eine 
hinzuwerfen: Tax dieser Wendung vgl. zu 281, 2f. - 22 /. Physik, 
die mehr als Taschensptelerkunst: Vgl. zu 26, 38. - 23 Beobach- 



VORSCHLAG ZU ErNEM ORBIS PICTUS 179 

tungsgeist: Vgl. zu 264, 14. - ji Sich in einen Ochsen verwandeln 
...; Diese Wendung ist D169 entnommen; s. auch D165. - 
55 Orbis pictus: Zur Erklaruug dieser Worte vgl. zu 377, 1. 

382 2 individualisieren: Vgl. zu 377, 15. - i$fi Die meisten Menschen 
... bessere Beobachter ...: Dazu vgl. B 46 und insbesondere 
Materialheft II, Nr. 32. - 20 Sobald sie die Feder ergreifen ...: 
Diese Feststellung trifTt Lichtenberg ahnlich auch 500, 1. - 
23 Gala-Deutsch: Tax dieser Wortbildung vgl. zu 223, 15. - 
26/. wie alte Jung fern , wenn ...: Diese Wendung ist E 218 ent- 
lehnt; vgl. auch F 502. - 27 ff. Kammermadchen ... Trepfe sagte: 
Den Ausdruck >Trepfe< notiert Lichtenberg E 380; vgl. auch 
F 502 und Materialheft I, Nr. 39. 104. G 35. - 29 Klopfstock: 
Verballhornung des Namens: Klopstock; vgl. G 35. 

383 6f. difficile ... dicere: »Schwierig ist es, das Allgemeine eigen- 
tiimlich auszudriicken.« Zitat aus Horaz, »De arte poetica«, 
V. 128. Im Ubrigen vgl. zu KA 275. Lichtenberg notiert sich 
die ganze Passage im Entwurf in Materialheft I, Nr. no. - 
20 Originate zu unsern Versteinerungen . . . : Diese Wendung ist 
dem Materialheft I, Nr. 79, entlehnt; im ubrigen vgl. zu D 280; 
s. auch Briefe (IV, S. 918). - 20 Versteinerungen: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 155, 29. - 2$nath Griechenland zu reisen ....'Dieser 
Part ist F 387 (21. Februar 1776) entlehnt; Lichtenberg notiert 
ihn auch Materialheft I, no. 119. - 26 unter Herrn Chodowickis 
Beistand: Vgl. dariiber Lichtenbergs Brief an Chodowiecki (IV, 
Nr. 243, S. 374-375) vora 13. November 1779. - 26 Chodo- 
wickis: Lies im Text: Chodowieckis. - 30 Vorrat von Bemerkun- 
gen: Vgl. die Materialhefte I, insbesondere Nr. 97, und II sowie 
die diversen Eintragungen in den Sudelbiichern D 352. 410. 
568. 649. C 378. F 1001. 1002. S. noch J 272. 

384 8 Empfindelei: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 
956, 20 und Hi. - 1 $f. jedertnanns Heimlichkeiten sagen: Dazu 
v gl* 379. *7f* - 2 4 Ihren Ossian ...in der Tasche haben: An- 
spielung auf Goethes »Werther«, zu dessen Leibbuchern neben 
Homer auch Macphersons »Ossian« gehort. Lichtenberg er- 
wahnt ihn auch F 734. 767 und in den Briefen (IV, S. 513). Zu 
dem Pronomen vgl. zu 297, 35. -2$ Ihren Horaz: Zu dieser 
>Redensart< vgl. zu 297, 35. - 26 Hiibner: Johann Hiibner 
(1668-1731), Padagoge, Lyriker und Literaturtheoretiker, 
Dozent in Leipzig, dann Rektor des Johanneums in Hamburg, 
verfaBte ein seinerzeit sehr beriihmtes »Poetisches Hand-Buch, 
Das ist, Eine kurtzgefaBte Anleitung zur Deutschen Poesie, 
Nebst Einem vollstandigen Reim-Register, Den Anfangern 
zum besten zusammen getragen«, Leipzig 17 12 in vermehrter 
Ausgabe. - 26f. Ihrem politischen Redner: Gemeint ist das Werk 
»Politischer Redner, Das ist: Kurtze und eigentliche Nachricht, 
wie ein sorgfaltiger Hofmeister seine Untergebene zu der Wohl- 



1 80 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

redenheit anfiihren soil ... Alles mit gnugsamen Regeln, an- 
standigen Exempeln und endlich mit einem niitzlichen Regi- 
ster ausgefertigt . . .«, erschienen Leipzig 1677, des friihaufklare- 
rischen Schriftstellers Christian Weise (1642-1708); fiir die 
Beliebtheit des Werkes spricht es, dan es 1701 bereits in 8. Auf- 
lage erschien. - 2jf Seinen Homer studieren . . . eine Redensart: Zu 
dieser >Redensart< vgl. zu 297, 35. - 29 Galanten: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 3 11, 11. - 30 denen . . . nichts Uber einen Musen- 
almanachgeht: Vgl. zu D 196. -33 Krafthasen: Diesen Ausdruck 
gebraucht Lichtenberg auch 573, 27. Zu dieser Wortbildung 
vgl. zu 370, 16. - 38 was taten Shakespear imd Fielding: Dazu vgl. 
Materialheft II, Nr. 25. 

385 p Kajfeeschwesterliches: Tax diesem Ausdruck vgl. zu B 415. - 
12 unmoglich die Fackel der Wahrheit ...; Dieser Satz, der sich 
F 404 (6. Marz 1776) in einer ersten Fassung findet, ist von 
Materialheft I, Nr. 153, entlehnt; Lichtenberg gebraucht ihn 
auch 555, 2 if. und charakterisiert damit Ljungberg in dem 
Brief an Hollenberg (IV, Nr. 244, S. 377) vonEnde November 
1779. - 1 iff. Die Bedienten . . . Dichter zu sehen hat: Diese Passage, 
verkiirzt, bildet den ersten Satz in Materialheft II, Nr. 9. - 
24 das Apportieren lernt: Zu dieser Wendung vgl. Materialheft 
II, Nr. 7. - 28 f. Die langen Artne der Grofien . . . : Diese Passage ist 
E 349 entlehnt; Lichtenberg notiert sie Materialheft II, Nr. 47 
und verwertet sie auch 557, 3of. 

386 1 1 Spiegel ihrer Herrschaften: Diese Wendung findet sich auch in 
dem Brief an Chodowiecki (IV, Nr. 243, S. 375) vom 13. No- 
vember 1779; vgl. ferner Materialheft II, Nr. 20. - 12J. Der 
Koch des Pompejus ...: Diese Bemerkung geht auf C150 zu- 
ruck; uber Menogenes und Pompejus vgl. die Anm. dazu. - 
24 Stuffen: Lies im Text: Stu/en. - 3ofangen ihre Perioden oft mit 
sondern an: Diese Beobachtung entstammt D 352; vgl. auch 
531,2 und Materialheft I, Nr. 72. - 32 Mancher sagt erstlich 
Diese Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 43, entlehnt. -33 die- 
ses hat Shakespear genutzt: In welchem Stuck dies geschah, 
konnte von mir nicht ennittelt werden. 

387 if. Fieldings Partridge ... das grbfite Meisterstuck: Ober die be- 
riihmte Diener-Figur, eingedeutscht Rebhuhn, aus Fieldings 
Roman »Tom Jones«, vgl. zu 329, 36. - 5 Unkot: Diesen Aus- 
druck notiert Lichtenberg C378. E159 und Materialheft I, 
Nr. 42. - 8 immer aufier sich bei solchen Gelegenheiten: Diese 
Wendung ist Materialheft I, Nr. 41 entlehnt. - 1 meine ganze 
Abwesenheit beisammen: Diese Wendung ist C 378 entnommen; 
s. auch Materialheft I, Nr. 41. - 1 1 will ich sagen ... sagt ich: Zu 
dieser Wendung vgl. Materialheft I, Nr. 44. - 13 says I ... says 
he: Zu dieser Beobachtung vgl. Materialheft I, Nr. 4$.- 14 noch 
kein Blut gerochen: Diese Wendung ist dem Materialheft II, 



VORSCHLAG ZU EINEM ORBIS PICTUS l8l 

Nr. 39, entnommen. - 1$ blutdiirstig geschlagen: Diese Wen- 
dung ist Fiooi entnommen; er notiert sie in Materialheft II, 
Nr. 5. - 15 totaler Feldzug: Diese Wendung ist dem Material- 
heft I, Nr. 4, entlehnt. - 16 Garnison ist geraumt worden: Diese 
Wendung ist dem Materialheft I, Nr. 4, entlehnt. -16 ohne 
alien Respekt zu sprechen: Diese Wendung ist dem Materialheft 
II, Nr. 21, entnommen: Variante zur Wendung »mit Respekt 
zu sagen«, von der Lichtenberg in einem Brief an Dieterichs 
(IV, Nr. 28, S. 48) vom 11. Marz 1772 eine htibsche Anekdote 
berichtet. Noch am 27. April 1796 schreibt Lichtenberg an 
Dieterich (IV, Nr. 703, S. 942): »mit Respeckt zu sagen, hatte 
Braunhold gesagt«. S. auch 799, 20 f. - 1 7 Gottfiir sci t der Fall ...: 
Diese Wendung ist dem Materialheft II, Nr. 22, entnommen. 
- ig keine Portion zum Korper: Diese Wendung, C 217 erst- 
mals notiert, ist dem Materialheft II, Nr. 28. 45 entlehnt. - 
19 Sozinitdt: Diesen Ausdruck notiert Lichtenberg E 159, 
Materialheft I, Nr. 39, und verwertet ihn 531, 28. - 20 der Be- 
diente eines Gelehrten: Gemeint ist sicherlich Lichtenbergs lang- 
jahriger Diener Heinrich Braunhold: s. etwa E 159. Ober ihn 
s. zu C 378. - 21 Bringt desto mehr Franzosisch an ....* Diese 
Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 52, entlehnt. - 23 f. Mein 
Hen . . . Meiner: Diese Wendung ist dem Materialheft II, Nr. 
56, entlehnt. - 35 Interessantigkeit: Diesen Ausdruck notiert 
Lichtenberg in F 101.735 und Materialheft II, Nr. 5. 23. - 
56/". vomehme Gedanken ... reputatische Wbrter: Diese Wendung 
ist Materialheft II, Nr. 52, entnommen; wie aus E 323 hervor- 
geht, war sie zunachst fiir die »Briefe von Magden tiber Litera- 
tur« bestimmt. Von >potentatischen W6rtern< spricht Lichten- 
berg 526, 10. - 38/. Ubrigens . . . Laufer: Diese Passage verwen- 
det Lichtenberg fast wortlich in seinem Brief an Chodowiecki 
(IV, Nr. 243, S. 375). 
388 2J. Regierende ... Berlocken: Diese Passage verwendet Lichten- 
berg haufig wortlich in seinem Brief an Chodowiecki (IV, Nr. 
243, S. 375). - 4f. Buckende ... gebrochen ist: Diese Passage ist 
z.T. wortlich dem Materialheft I, Nr. 55, entlehnt. - 9 Don 
Quixote: Ober die Hauptfigur des gleichnamigen Romans von 
Cervantes vgl. zu 223, 3.-11 Berlocken: Anhangsel aus verschie- 
denem Material (z.B. Petschafte, Riechnaschen), seit der zwei- 
ten Halfte des iS.Jh. meist an der Uhrkette getragen. - ljjf. Er 
liest ... gebraucht werden: Diese Beobachtung ist Materialheft I, 
Nr. 46, entlehnt. - 16 f. Poliert ... andern: Diese Wendung ist 
Materialheft I, Nr. 47, entlehnt; s. auch Nr. 29. - 18 halt... auf 
Beine und Waden: Diese Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 54, 
entlehnt; s. auch Materialheft II, Nr. 8, und 506, 3. - 20 f. Macht 
... als er ist: Diese Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 48, ent- 
lehnt. - 2jf. Schlagt . . . tot: Diese Beobachtung ist Materialheft I, 



I 82 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Nr. 49 entlehnt. - 23 Fafit semen Kameraden . . . hex den Rock- 
knopfen: Diese Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 50, ent- 
lehnt. - 26 f. Stofit ... Lachen zu erkichtern: Diese Beobachtung 
ist Materialheft I, Nr. 57, entlehnt. - 28f. Zeigt . .. Herrschqft: 
Diese Beobachtung ist Materialheft I, Nr. 56, entlehnt. - 32 Der 
Hut verdiente ... eigne Betrachtung: Darauf kommt Lichtenberg 
schon 289, 25 zu sprechen; im ubrigen schrieb er 1779 einen 
Kalender-Artikel »Uber die Kopfzeuge«, erschienen GTK1780. 
389 8 J. Diegrqfiten Meister ... Garrick und Lewis: Uber diese beiden 
Schauspieler s. die »Briefe aus England«, uber Lewis speziell 
337, 18. - p Coventgarden: Vgl. zu 337» *9- - p/ Archer, in the 
Beaux stratagem: Uber dieses Stuck von Farquhar vgl. zu 326, 
32; s. auch 391, 22. - jo Don Leon in Rule a wife ....* Hauptfigur 
in der Komodie »Rule a wife and have a wife« von Beaumont 
und Fletcher; vgl. zu 327, 1 ; s. auch Materialheft II, Nr. 48. 53. 
- 10 leztere: Lies im Text: letztere. -11 Chapeau in den Cross 
purposes: Dienerrolle in der 1772 uraufgefuhrten Komodie von 
Obreen; uber ihn vgl. zu RT19. Lichtenberg zitiert daraus im 
Materialheft II, Nr. 54; s. auch 391, 5. - 12 im deutschen Museum 
... Nachricht gegeben: Gemeint sind die »Briefe aus England«; 
die Beschreibung Garricks als Archer findet sich ebenda S. 351 
bis 3 53. - 1 6parallelen Fufien: Diese Wendung ist dem Material- 
heft II, Nr.18, entlehnt; im ubrigen vgl. zu 328, 13 f. - ijff- 
Bortenhuts ... bis in die Schultern ... zu fuhlen scheint: Diese 
Wendung ist dem Materialheft I, Nr. 103. 171 ; Materialheft II, 
Nr. 17. 50 entlehnt; der Gedanke ist bereits F 90 notiert. Lich- 
tenberg zitiert diese Wendung noch 830, 32. Zum >Bortenhut< 
vgl. zu 351, 31. -2of. ob dieses Stuck auf das deutsche Theater ge- 
bracht: »Rule a Wife and Have a Wife« wurde 1774 unter dem 
Titel »Der beste Mann« in Hamburg aufgefiihrt. - 23/. ein 
einziges Mai auffuhren sehen: Vgl. zu 327, if. 

391 5 Chapeau in den Cross purposes: S. 389, 11 und die Anm. dazu. - 
7 Lewis: Ober ihn s. zu 337, 18 und 389, 8f. - 16 FlickschwUren: 
Zu dieser Wortbildung vgl. zu 370, 17: Flicksentenzen. - i6f. 
Mode-Sentenzen: Zu dieser Wortbildung vgl, zu 377, 10. - 
22 Garricks Archer: S. 389, 9f. - 27 Vorstellungen von Herrn 
Chodowiecki: Gemeint sind die Kupfer auf S. 393 und 394. 

392 5 paralleler Hut: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 328, 13 £, - 
15J. Hasenfufi: Zu diesem Ausdruck, den Lichtenberg auch 
IV, 477 gebraucht, vgl. zu F 500. - 1 9 Die weiblichen Bedienten 
kiinftig: »Im nachsten Stuck des Magazins erscheint die Fort- 
sezzung des Orbis pictus gewiB, und zwar zwey Artikel des- 
selben: von weiblichen Bedienten und von Com6dianten«, 
teilt Lichtenberg in einer »Nachricht« im »G6ttingischen 
Magazine, Dritten Jahrgangs Sechstes Stiick, 1783, S. 956 mit, 
das erst im Marz 1784 erschien; s. auch Materialheft I, Nr. 90. 



183 

ORBIS PICTUS 
Erste Fortsetzung 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Orbis pictus. Erste Fortsetzung. 
(S. dieses Mag. I Jahrgangs 3 St.) , erschienenin : »G6ttingisches Magazin 
der Wissenschaften und Litteratur«, Vierten Jahrgangs Erstes Stiick. 
1785. Nr. IX, S. 162-175. Ein Manuskript ist im NachlaB nicht er- 
halten. 

Zur Entstehung: Das Stiick wurde, wie aus einem Brief an Amelung 
(IV, Nr. 492, S. 637) vom 11. April 1785 hervorgeht, an diesem Tage 
ausgegeben; da fiir den Druck sieben bis acht Wochen zu veran- 
schlagen sind, wie Lichtenberg in einem »Nachtrag« zum »G6ttingi- 
schen Magazin«, Ersten Jahrgangs Zweites Stiick. 1780, S. 326, er- 
wahnt, muB die »Erste Fortsetzung« des >Orbis pictus< vor Mitte 
Februar 1785 niedergeschrieben worden sein. Unbeschadet der zahl- 
reichen Einzelnotizen und Vorarbetten zu den »weiblichen Bedien- 
ten« besteht kein Grund zu der Annahme, da6 Lichtenberg diesen 
Artikel bereits langere Zeit davor fertig gehabt und liegengelassen 
habe. Erst Anfang Oktober 1782 bittet Lichtenberg seinen Verleger- 
Freund Dieterich (IV, Nr. 338, S. 469) um »einen Abdruck von den 
Kammermadchen fiir den Orbis pictus«, da er den seinigen verlegt 
habe - Chodowieckis Kupfer fiir die Fortsetzung waren seit 1780 
vorhanden. Im »Vorbericht« zum »G6ttingischen Magazine, Zweiten 
Jahrgangs Erstes Stiick, datiert vom 9. April 1781, schreibt Lichten- 
berg: »Zu dem Orbis pictus 1st eine Platte voll Cammermadchen, 
Franzdsinnen etc. bereits abgedruckt, weil aber dieses fiir eine zweyte 
Lieferung zu wenig gewesen seyn wiirde, so erwartet der Verfasser 
noch eine Platte mit einer andern Classe von Menschen, und sobald 
er diese erhalt, wird die Fortsetzung folgen.« Aber erst im 6. Stiick 
des 3. Jahrgangs des »G6ttingischen Magazins« von 1783, das vermut- 
lich im Miirz 1784 erschien, findet sich die oben mitgeteilte Ankiindi- 
gung der Fortsetzung; ein Jahr lang ist das »Magazin« bekanntlich gar 
nicht erschienen. Die Griinde fiir diese Lichtenbergsche »Indolenz« 
sind unbekannt; die »Erste Fortsetzung« ist auch die letzte geblieben. 
Aber auch sie enthielt schon nicht mehr den versprochenen Kom- 
mentar zu Chodowieckis, vom Verfasser selbst nachgelieferter Platte 
der weiblichen Bedicnten. Was die Betrachtung der »Komodianten« 
betrifft, blieb es ganz und gar bei der Ankiindigung. »Von denen 
Reisen, von dem Roman, von dem Orbis pictus usw., wo von er 
immer gesprochen, finde ich im Ganzen nicht viel, doch habe mich 
nicht unterstanden seine Sachen durchzustankern«, schreibt Dieterich 
am 8. April 1799 an Ludwig Christian Lichtenberg (LB III, S. 345). 

Die Platte von Chodowiecki ist, entsprechend dem Verfahren der 
Herausgeber der »Vermischten Schriften« von 1844, dieser Ausgabe 



1 84 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

beigegeben worden, da ich mich ihrer Meinung anschlieBe, die in 
einer »Nachschrift« (VS 4, S. 227) festgehalten ist: »Mag es die An- 
sicht dieser Platte auch doppelt bedauern lassen, dafi wir des geist- 
reichen Commentars des Verfassers dazu entbehren miissen, indem 
weder das 2te Stiick des letztgedachten Jahrgangs des Magazins, 
- womit dasselbe zu erscheinen aufhorte, - noch die ubrigen auf uns 
gekommenen Papiere davon etwas enthalten, so wird doch deren 
Erhaltung den Lesern gewiB angenehm sein.« S. auch an Blumen- 
bach (IV, Nr. 271, S. 397) vom Juli 1780. 



395 3j* Charaktere ... individualisieren: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 
377, 15. - 5/ wie man von Shakespears Heinrich IV. behauptet: 
Uber dieses Drama von Shakespeare vgl. zu 281, 9. Wer das 
von Lichtenberg erwahnte Urteil gefallt hat, war nicht zu er- 
mitteln. - 1 4/. Eingebildete Impotenz wiirkt reelle: Ahnlich schreibt 
Lichtenberg H33. - 18 Phraseologie: Diesen Ausdruck ge- 
braucht Lichtenberg auch D 615, in den Briefen (IV, S. 499) 
und 570,22: Phraseologe. -18 Alltagsschriftsteller: Ahnliche 
Wortbildungen begegnen 661, 20. 770, 13 ; im ubrigen vgl. zu 
C 330. - igff. Leute schlecht schreiben ... in ... Gesellschaft vor- 
trefflich sprachen: Dieser Gedanke begegnet umgekehrt auch 
G27; s. ferner G 69. - 22 ff. Im Traum ... spricht der Undeut- 
Uche . . . wachend so etwas schreiben . . .; Zu dieser Reflexion vgl. 
H 29; s. auch 482, 21. Im ubrigen vgl. zu Lichtenbergs Refle- 
xion uber das Gebiet desTraumes zu 108, 21. - 55 DonQuixote, 
Sancho: Ober die Figur des Ritters von der traurigen Gestalt 
und seines Dieners, der den gesunden Menschenverstand ver- 
korpert, aus dem gleichnamigen Roman von Cervantes vgl. 
zu 223, 3.-55 Falstaff: Figur eines fetten, witzigen Ritters in 
Shakespeares »Konig Heinrich IV. «. - 55 Pastor Adams: Abra- 
ham Adams, die humoristische Figur aus Fieldings Roman 
»Joseph Andrews« erwahnt Lichtenberg auch B290; vgl. die 
Anm. dazu. Uber Fielding vgl. zu A 99. 

396 2J. Parson: Pfarrer. - 3/. Vicar von Wakefield: Roman des engl. 
Schriftstellers Oliver Goldsmith, erschienen 1766, der vom 
Leben eines Landpfarrers und seiner Familie handelt. Ober 
Goldsmith vgl. zu D 583. - 6 Jolly Dogs: etwa: fidele Briider. - 
7/. Engel .. . in seinem Philosophenfiir die Welt: Gemeint ist »Der 
Philosoph fur die Welt«, erschienen 1775-1800, von Johann 
Jakob Engel ; uber ihn vgl. zu J 897. - 8f. bekannte Charaktere 
z.E. den von Marinelli vor sich zu nehmen: Lichtenberg denkt an 
»Der Philosoph fiir die Welt«, Zehntes Stiick: »Ober Emilia 
Galotti. Erster Brief«, der Marinelli gewidmet ist. Dort sagt 
Engel gegen SchluB (o.c, p. 56; zit. nach Reclam UB 362 bis 



ORBIS PICTUS 185 

363 a, Leipzig o J.) : »Aber warum nehmen doch unsere 
Romandichter die Ideen zu ihren Werken nicht dann und 
wann von der Biihne, und suchen vortreffliche Charaktere, die 
der dramatische Dichter nur in einzelnen Situationen bearbeiten 
konnte, weiter zu entwickeln und bis zu ihrer ersten Entstehung 
zu verfolgen? Durch nichts konnten sie mehr KenntniB der 
Welt und des Menschen zeigen; durch nichts mehr unterrichten 
und bessern, als durch Werke dieser Art, die das in Absicht 
ganzer Charaktere thaten, was Shakespeares beste Schauspiele 
in Absicht einzelner Leidenschaften thun : daB sie ihnen namlich 
von ihrer ersten Anlage bis zu ihrer letzten volligen Ausbildung 
schrittweise nachgingen . ..« - 28 •/. Shakespearsche Anlagen, Ver~ 
bindungen und Zeiten ...: Zu diesem Urteil vgl. 333, 22. - 
33$ * Voltairens ... Silhouette ... in den Schnee p ... konnte: Die 
Herkunft dieser Anekdote ist mir nicht bekannt. Ober Voltaire 
vgl. zu KA 28. - 38 3. Stiicks dieses Magaz'ms im I. Band: Ge- 
meint ist der 1780 im »Gottingischen Magazin« erschienene 
»Orbis pictus«. 

397 14 Bei dem gemeinen Mann in Niedersachsen ...: Den Ausdruck 
»plattphilosophisch« gebraucht Lichtenberg auch D 521. Mate- 
rialheft I, Nr. 14; s. auch 994, 20. - 30 Das Kammermadchen ... 
und Partridge; Gemeint sind die exemplarischen Dienergestalten 
in Fieldings »Tom Jones«; iiber diesen Roman und seinen 
Autor vgl. zu KA 256. Uber Partridge-Rebhuhn vgl. zu 329, 
3*5. - 33 statt Sprache in Sprache ... ubersetzt: Zu Lichtenbergs 
Reflexion iiber das Wesen der Obersetzung vgl. zu A 120; s. 
auch 508, 36. 

398 iyj m Paradigma ... Hofdame darnach zu deklinieren: Diese Wen- 
dung gebraucht Lichtenberg auch J 1247. 1362 und Briefe (IV, 
862, 33). - 22 ff. Sie besitzen ... Gabe sich dumm zu stellen: Diese 
Bemerkung ist H 38 entlehnt. -34$ 20 mit derNulle voran ... 
schreiben: Die Umstellung der Ziffern verwertet Lichtenberg 
auch 531, 14. 

399 2/*. Geometrie der Spinne: Diese Wendung gebraucht Lichten- 
berg auch 877, 34. Sie ist eine Variante zu »ut apes geometriam«; 
dariiber vgl. zu 259, 24. - 13 Montgolfier: Uber ihn vgl. zu 
Hi 80. - 22 Punktierbuch: In den bes. am Ende des 17. und An- 
fang des l8Jh. florierenden >Punktierbuchern< wurde die soge- 
nannte Punktierkunst behandelt: Orakelpraktik, aus zufallig 
in Erde oder Sand markierten oder auf Papier nach einem be- 
stimmten System verteilten Punkten die Zukunft zu deuten; 
s. auch 605, 5f. 

400 2 Bafi-Kastraten: Diesen Ausdruck verwendet Lichtenberg auch 
956, 12,-14 Neigung zum Appetite Eine ahnliche Wendung 
begegnet auch 487, 6. - 15 die Mediceische Venus auf der Biblio- 
thek: Uber die Mediceische Venus vgl. zu 362, 15. Lichtenberg 



1 86 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

spielt womoglich auf eine Kopie derselben in der Gottinger 
Bibliothek an, von der er Kaltenhofer (LB I, S. 78) am 26. Au- 
gust 1772 schreibt: »So viel uns bewuBt ist, hat die eigentlich 
Mediceische Venus kein Armband, dieser AbguB aber hat eines 
am lincken Arm. Ich machte den Manne gleich auf der Stelle 
den Einwurf, er sagte mir aber, sie miiBte eines haben anzu- 
deuten, daB sie des Vulcans Eheweib sey, und so war die Sache 
abgethan.« - 18 verwitwete Hausjungfer: Zu dieser Wendung 
vgl. Gio. - 27 zweisthlafriger Mensch: Diesen Ausdruck ge- 
braucht Lichtenberg auch 881,23; ahnliche Wortbildungen 
begegnen K239. F283; ferner 887,25. 928,291*. 966,17. - 

20 mine Hostess of the Garter: »meine Wirtin vom Hosenbande*; 
von Lichtenberg abgewandelte Anrede Falstaffs an den Wirt 
vom Gasthof zum Hosenbande in »Die lustigen Weiber von 
Windsor « I, 3 : »Mine host of the garter !« - 30 f unerschopflich, 
so bald sie Kinder ...: Vgl. zu dieser Beobachtung H 39. 

401 1 Ma Soeurchen: Ma Soeur: Meine Schwester. - gf. Gesprachig- 
keit . . . die das Capitol gerettet: Nach der Sage haben die der Juno 
geweihten Ganse - Symbol der ehel. Fruchtbarkeit und Gatten- 
treue - auf dem Kapitol in Rom bei der Zerstorung der Stadt 
387v.Chr. durch ihre Wachsamkeit das Kapitol gerettet. - 
14 Mein geehrtestes: Eine ahnlich superlativische Wendung: 
»besonders hochgeehrteste« begegnet 531, 17. - 15 Dew Hoch- 
edelgeborne Dienerin: Diese Wendung notiert Lichtenberg 
E 159. 323. - 16 sehen wir uns mundlich: Diese Wendung notiert 
Lichtenberg in D 666 als Zitat aus Smollet; s. die Anm. dazu. - 

21 Favorit-Spott: Ahnliche Wortbildungen begegnen 362, 3. 
594, 33f. 602, ^6. 687, 4. 878, 32. 1000, 11. Im iibrigen vgl. zu 
B 72. - 24 neuerlich ein sehr guter Kopf: Wer gemeint ist, konnte 
von mir nicht nachgewiesen werden. 

402 10 statt Kniee schreiben die meisten Keine ...: Die Quelle dieser 
Redeweise gibt Lichtenberg in einem Brief an Blumenbach 
(IV, Nr. 525, S. 687) vom 12. November 1786. - 13 gelehrte 
Briefwechseljuhren: selbstverstandlich Anspielung auf die »Briefe 
von Magden iiber Literatur«; vgl. dazu unten S. 2441*. 

403 if. sie danke Gott alle Morgen ...: Dieser Satz ist E 252 entlehnt; 
er war urspriinglich offenbar fur die »Briefe von Magden iiber 
Literatur« bestimmt; s. aber auch 617, nf. - 8 das Kupfer des 
Herrn Chodowiecki: S. S. 404; zu dem auf S. 405 reprodu- 
zierten Kupfer vgl. oben S. 183 f. -p im nachsten Stuck etwas 
sagen: Dazu vgl. oben S. 183. - 



187 
GNADIGSTES SENDSCHREIBEN DER ERDE 



Erstueroffentlkhung und Satzvorhge: »Gnadigstes Sendschreiben der 
Erde an den Mond.« In: »G6ttingisches Magazin der Wissenschaften 
und Litteratur«ErstenJahrgangssechstes Stuck, 1780, S. 331-346. Das 
Stuck erschien erst zu Beginn des Jahres 178 1. Ein Manuskript ist im 
NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Ober die Entstehungszeit des Sendschreibens gibt es 
in den Sudelbiichern und Briefen keinerlei Hinweise, auBer, da6 
Lichtenberg es vom 24. Dezember 1780 datiert (413, 23) - ein doch 
wohl vermutlich willkiirlich gesetztes Datum. Ein Urteil Lichten- 
bergs iiber sein Sendschreiben, das Schneider (o.c.I, p. 160) gegen 
den zeitgenossischen Mondkult gerichtet nennt, findet sich in einem 
Brief an Blumenbach (IV, Nr. 282, S. 405) vom Anfang 178 1 : »Es 
freut mich, daB Ihnen das Reskript an den Mond nicht ganz miBfallen 
hat. Ich habe keine letzte Hand daran gelegt, daher ist der Stil un- 
gleich und einige Gedanken sind falsch.« Eine Anzeige des Artikels 
erschien in den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 
31. Stuck, S. 241, vom 12. Marz 1781. Darin heifit es: »Gleich An- 
fangs zieht die Augen auf sich: ein gnadigstes Sendschreiben der Erde 
an den Mond: voll komichten und gedrangten Witzes, der fur eine 
periodische Schrift Kraft genug haben wiirde, auf die gewohnliche 
Weise in Wasser aufgelost, zweymal zwolf ganze Stiicke zu tingiren. 
Den Concipienten des Schreibens wird man nicht leicht verkennen ; wie 
er es aber mit den Mondskopfen durchfechten will, wird er am besten 
selbst wissen.« 

Literatur: Kaspar Heinrich Spinner : Der Mond in der deutschen Dich- 
tung von der Aufklarung bis zur Spatromantik. Bonn 1969, S. 42 
bis 43. 



406 3/. Muttersprache ... Hebrdischen: »Hofsprache des Himmels« 
nennt Lichtenberg das Hebraische in den Briefen (IV, S. 841) ; 
im ubrigen vgl. 579, 11. 691, 17. 858, 7. - 14 Yameos, die nicht 
auf drei zahlen: Diese Bemerkung ist KA 1 entnommen. 
Lichtenberg erwahnt die Yameos auch 614, 5. - 21 sub dato: 
unter dem Datum. - 21 anno I.A.C.N.: im Ersten Jahr vor 
Christi Geburt. - 55 Monitorium: Mahnschreiben. 

407 zf. Mann nach der Uhr: Titel eines Lustspiels von Theodor 
Gottlieb von Hippel (1765), den Lichtenberg ahnlich auch 
487, 16 anwendet. - 14 Epakten: griech. >hinzugefugte< Tage; 
die Zahl der Tage vom letzten Neumond des alten Jahres bis 
zum i.Januar des ncuen. Auch »Mondzeiger« genannt, weil sie 



1 88 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

anzeigen, wie alt der Mond am I Januar schon ist. Lichtenberg 
verwendet den Begriffauch F208. - 30 j. die Christen ... sick 
daruber in die Haare geraten: Auf dem Reichstag von 1582 
hatten die katholischen Reichsstande den Gregorianischen 
Kalender angenommen, den die protestantischen zuruckwiesen. 
Im September 1699 faBte jedoch das evangelische Corpus in 
Regensburg einstimmig einen BeschluB, der die bis dahin be- 
stehende DifFerenz durch Einfiihrung eines verbesserten Gre- 
gorianischen Kalenders vom Jahre 1700 an aufhob. Nur bei 
Bestimmung des Osterfestes folgten die Protestanten einer von 
der gregorianischen abweichenden, richtigeren Berechnung, so 
daB die Osterfeier beider Teile noch von Zeit zu Zeit um acht 
Tage voneinander abwich. Erst 1770 wurde durch Annahme 
eines durchgangig gleichen Reichskalenders auch dieser 
Unterschied beseitigt. Darauf spielt Lichtenberg auch 303, 35fF. 
an. Auf Geschichte und Probleme der christl. Zeitrechnung 
kommt Lichtenberg auch 464, iofF. 805, 25 zu sprechen. - 34 
dritte Feiertags-Andachten: Diese Wendung begegnet auch 572, 21 
und E 3 14. 
408 1 1 semestria academical akademische Studienhalbjahre, be- 
stehend aus dem Sommer-Semester (April-Juli) und Winter- 
Semester (Oktober-Marz). - tg die Pandekten: umfassende 
Sammlung der Gesetze des romischen Rechts durch Kaiser 
Justinian 533 n.Chr., auch Digesten genannt, der zweite, wich- 
tigste Teil des Corpus juris; vgl. im allgemeinen zu B 36; s. 
auch 528, 25. 595, 29. 623, 11. 927, 27f. - 23 7totv SexVevai: 
alles enthalten sollend. - 24$* das Studium des Rechts . . . mit Un- 
recht tun anhebt: Zu dieser negativen Aufierung iiber das Stu- 
dium der Jurisprudenz vgl. zu 244, 36f. - 26 digesta ... indtge- 
stionen: Wortspiel mit Digesta: das Verdaute (Geordnete) und 
»Unverdautes« = Magenverstimmung. Vgl. auch L210; 
ferner 895, 16. 950, 13. - 27 subfiles Babel: Dieser Ausdruck ist 
D 157 entnommen. Lichtenberg verwendet ihn auch E 109. 409. 
Materialheft I, Nr. 70. Im ubrigen vgl. zu 66, 37. Babylonischen 
Turmbau und Pandekten bringt auch B190 in Zusammen- 
hang. - 28 summumjus summa injuria: Das hochste Recht kann 
das hochste Unrecht sein; dazu vgl. zu Hi 54. Lichtenberg 
zitiert es auch 871, 35.-53 Warzen-Gesicht: Zu dieser »physio- 
gnomischen« Wortbildung vgl. zu 371, 26. - 34 ersten Hof- 
tnaler f Tobias Mayer: Ober den Astronomen und beruhmten 
Selenographen Tobias Mayer vgl. zu B 237. Seiner Mond- 
Karte gedenkt er auch D 684. - 37 Quinquennio physiognomico: 
physiognomisches Jahrfiinft; gemeint ist der Zeitraum zwi- 
schen Erscheinen der »Physiognomischen Fragmente« von 
Lavater (1775) und dem Erscheinen des »Sendschreibens« (1780). 
Im ubrigen vgl. zu 260, 35. 



SENDSCHREIBEN DER ERDE 1 89 

409 jEuch anbeten: Anspielung auf den Mond-Kult der zeitgenossi- 
schen deutschen Poeten, angeftihrt von Klopstocks Ode an den 
Mond. Vgl. auch Hi und insgesamt Kaspar Heinrich Spinner: 
Der Mond in der deutschen Dichtung von der Aufklarung bis 
zur Spatromantik. Bonn 1969. - lif. nach Eurer Gassenlaterne 
geordnet: Das Mond-Jahr, etwa 11 Tage kiirzer als das Sonnen- 
jahr, war bei Griechen und Romem in Gebrauch und wird 
noch jetzt von Juden und Mohammedanern bei der Festlegung 
religioser Feiern verwendet. - 14J. Zeichen des zweitedelsten 
Metalts: Die symbolische Zuordnung des Silbers zum Mond 
(astronom. Zeichen: (£) ebenso wie das Antimon zur Erde 
(Zeichen: J) geht auf die Alchemisten zuriick. - 27 Phobus: 
Phobus, >der Lichte< : Beiname des griechischen Gottes Apollo. 
Im iibrigen vgl. 424, 12: »Phobus-Ubel«, 677,34. 697, 4 f. - 
32 einen Mannsnamen erschlkhen: In den romanischen Sprachen 
ist der Mond -frz. la lune, lat. span. ital. luna - weiblichen und 
die Sonne mannlichen Geschlechts. 

41° ijasus ... schreiben: Erste Anspielung auf die von V06 vorge- 
schlagene griech. Rechtschreib-Reform; vgl. oben S. 127. 
Lichtenberg zitiert den Satz ungenau auch 298, 3.-4 Phebus: 
frz. Schwulst, Bombast; eigentlich Bezeichnung einer franzosi- 
schen Literaturrichtung im 17. Jh. - 6 Laune: etymologisch ab- 
zuleiten von: >luna<: Mond. Zu diesem in Zusammenhang mit 
der Sterne-Rezeption in Deutschland einfluBreichen Zentral- 
begriffder asthet. Diskussion im Deutschland des 18 Js. vgl. zu 
D 69; s. auch 523, 30. 661, 10. 821, 15. 906, 22. - 8 Lunati- 
schen: Vgl. Lichtenbergs Ausftihrungen E 71 ; s. auch 906, 22. 
10 Lune ist Dorrsucht: so wie Humor nach einer zeitgenoss. 
Obersetzung Feuchtigkeit ist: s. D 599. Den Ausdruck: Dorr- 
sucht gebraucht Lichtenberg auch B191. - i4gelehrten Bank im 
Tollhaus: Vgl. D 71 und die Anm. dazu; s. auch 798, 23. - 
15 einige neuere deutsche Dichter: Hieb gegen die >Empfindsamen< 
a la Jacobi, gegen die sich Lichtenberg u.a. auch in »Uber die 
Macht der Liebe« auslaBt. - 18 tun e$ nicht aus Empfindung: Zu 
diesem Vorwurf vgl etwa 418, 33 f. und E 240. 246. - 24 Pum- 
pernickel: die beruhmte westfalische Brotspezialitat; wie Lich- 
tenberg eigentlich dariiber urteilte, geht aus den Briefen (IV, 
S. 95-96) hervor. - 2$ Prosopopoien: griech. >das zur Person 
Machen<: in der Rhetorik die erdichtete Rede einer abwesen- 
den Person oder einer als redend eingefuhrten Sache. - 38J. 
Amanten von der Feder und . . . vom Leder: Diese Wendung geht 
auf F 1 145 zuriick, wo der Gedanke erstmals notiert ist; Lich- 
tenberg gebraucht die Wendung auch D 225 und Briefe (IV, 
S. 515). Gemeint ist: mehr Theoretiker als Praktiker; aus dem 
Bergbau entnommene Redewendung: Herren von der Feder 
verwalten die Gruben; Herren vom Leder sind diejenigen, 



190 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

deren Hauptgeschaft der Grubenbau und alles, was dazu gehort, 
ist. Den Ausdruck »Amant« gebraucht Lichtenberg auch 1029, 

411 1 Diogenes: Ober ihn vgl. zu KA 13.-9 i2himmlischen Zeichen: 
Gemeint sind die Tierkreiszeichen: Widder, Stier, Zwillinge, 
Krebs, Lowe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schtitze, Steinbock, 
Wassermann, Fische; s. auch 852, 18. Die Aufzahlung der 
Ziffer 12 erinnert entfernt an das Zahlen-Unternehmen Lich- 
tenbergs in der »Rede der Ziffer 8«, S. 458-469. Lichtenberg 
teilt zu dieser Behandlung der Z wolf in einem Brief an Blumen- 
bach (IV, Nr. 282, S. 405) vom Anfang 1781 folgendes mit; 
»Eine Note ist weggeblieben, unter den vielen zwolften stehen 
die Leges XII Tabularum deswegen nicht, weil der Mond 
wtirklich einen EinfluB darauf gehabt haben soil, wie iiber- 
haupt auf gnadigste Verordnungen.« - 14/. zwolf Leuchtern in 
der Offenbarungjohannis: Gemeint sind die zwolf Tore des neuen 
Jerusalems (Off.Joh. 21,12), in der christl. Kunst durch zwolf- 
armige Leuchter symbolisiert. - i$f. zwolf Kaisern im ersten 
Saculo: Den »Kaiser-Zodiakus des ersten Jahrhunderts« fiihrt 
Lichtenberg 852, 18 weiter aus. - 16 zwolf Aposteln: die JUnger 
Jesu : Petrus, Paulus ; Johannes, Andreas, Bartholomaus, 
Jakobus d. A.,Jakobus dj., Matthaus, Philippus, Lukas, Simon, 
Thomas, - 16 Zwolf kleinen Propheten: Hosea, Joel, Amos, 
Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zephania, Haggai, 
Sacharja, Maleachi; so genannt nach dem Umfang ihrer 
Schriften. -17 zwolf Arbeiten Herkulis: Herkules iiberwindet 
nach der Sage den Nemeischen Lowen, totet die Lernaische 
Schlange, fangt die Kerynitische Hirschkuh, den Erymanthi- 
schen Eber, rehiigt die Stalle des Augias, verscheucht und totet 
die Stymphalischen Vogel, fangt den Kretischen Stier, bringt 
die menschenfressenden Rosse des Diomedes zu Eurystheus, 
holt fiir dessen Tochter Admete den Giirtel der Hippolyte, be- 
waltigt die Rinder des Geryon, erwirbt die goldenen Apfel der 
Hesperiden und fiihrt den Hollenhund Zerberus aus der Unter- 
welt herauf. -17 zwolf Zollen im Fufi: vor Einfuhrung des metr. 
MaBsystems ubliche Grundeinheit, unterteilt in 10 oder 12 Zoll 
(Duodezimal-FuB) ; das engl. Foot zu 12 Inch (Zoll) entsprach 
30,48 cm. Im ubrigen vgl. zu 25,1. - 18 Duodez: Vgl. zu 
315.3*- 18 zwolf Piecen im Taler: Zwolfteltaler, auch Doppel- 
groschen genannt, eine nach Torgauer FuB seit 1690 geschlagene 
Silbermunze. - 19 zwolf Pfennigen im guten Groschen: Vgl. zu 
239, 12. - 23]$. das Gottingische Magazin ... zu gelehrt: Schon 
am 3. April 1780 schrieb Burger an Boie (Burgers Briefe III, 
S. 12): »Ich glaube nicht, daB Lichtenbergs Journal eine allge- 
meine Lecture werden werde. Die meisten Artikel sind vielen 
Lesern von gemeinem Schlage, die ich dariiber gesprochen 



SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN 191 

habe, zu gelehrt.« Im »Vorbericht« zum i. Stuck des i.Jahr- 
gangs hatte Lichtenberg selbst geschrieben: »Es fehlt nemlich 
diesem Stiick vielleicht an Mannigfaltigkeit.« - 30 die Heraus- 
geber: Lichtenberg und Georg Forster. - 31 Gottingisehen 
Commentarien: Ober die »Commenttarii Academiae Gottingen- 
sis« vgl. zu KA 71. Wer den Vorwurf des Ausschreibens ge- 
macht hat, war nicht zu ermitteln. - 32 den Verteger: Johann 
Christian Dieterich; iiber ihn vgl. zu B 92. - 36 wasmafien: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 219, 31. 

412 1 Ideen-Vorrat: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 
980, 2i. - 1 8 Hexameter: Zum Deutschen Hexameter vgl. zu 
296, 14. - i8f. erstimuliertem Nationahtolz : Die Wortpragung 
erstimuliert begegnet auch 422, 23 ; im iibrigen vgl. zu D 530. - 
19 Verachtung der Auslander: Ober die von Lichtenberg mit 
Unbehagen beobachtete Germanomanie und Xenophobie der 
zeitgenossischen biirgerlichen Intelligenz vgl. zu C 242. - 
21 wie Unser Weber Liscow sagt: Dieses Zitat ist zu B 9 genauer 
nachgewiesen ; Lichtenberg verwertet es auch 530,9. Ober 
Liscow vgl. zu KA 141. wie: von mir verb, aus: wir. - 31/. die 
Jahre der magern Kiihe in der deutschen Literatur: Diese Wen- 
dung, F 593 entnommen, war urspriinglich fur die >Anti- 
physiognomik< notiert. - 33 Geschmack von Knaben: Zu diesem 
von Lichtenberg fast synonym mit Primaner gebrauchten Aus- 
druck vgl. zu D 416. - 34/. schongeisterischer Ignoranz: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 378, 16. - 37 f. Auslander ...an den 
Ihrtgenjinden: Vgl. RA100 (S. 668) und die Anm. dazu. 

413 2 empfindsamer Tropf: Zu Lichtenbergs Verwendung des Aus- 
drucks empfindsam vgl. zu 264, 131*. Zu Tropf vgl. zu D 453. - 
4/. Horazische Oden . . . Greul: Vgl. E 104 und die Anm. dazu. - 
8f. Ausschreiben der Gottingisehen Commentarien: Vgl. zu 411, 31. 
- 18 dankverdienerischer Geschdftigkeit: Tax dieser Wendung vgl. 
zu 294, 13. - 19 OriginaUKopfen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 
331, 2f. - 22 f. Gegeben im Krcbs den 24 Dezember 1780: Zu 
diesem Datum vgl. die Einleitung oben S. 187. Zu dieser 
astronomischen Unmoglichkeit vgl. zu 266, 9f. 



ANTWORT AUF DAS SENDSCHREIBEN EINES UNGENANNTEN 
UBER DIE SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Prof. Lichtenbergs Antwort auf 
das Sendschreiben eines Ungenannten iiber die Schw'armerey unserer 
Zeiten. S. das 2te Stiick dieses Magazins von diesem Jahr. S. 237.« 
In: »G6ttingisches Magazin der Wissenschaften und Litteratur* 



192 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Dritten Jahrgangs viertes Stuck, 1782 (erschienen 1783), S. 589-614. 
Ein Manuskript ist im NachlaB nicht ethalten. 

Zur Entstehung: Lichtenberg folgt mit seinem Text einer Aufforde- 
rung, ausgesprochen in dem Magazin-Beitrag »Ober die Schwarme- 
rey unserer Zeiten: ein Schreiben an den Herausgeber«, der im 
»G6ttingischen Magazin« Dritten Jahrgangs zweites Stuck, S. 237 
bis 255, September/Oktober 1782, abgedruckt worden war. Bei dem 
ungenannten Einsender handelt es sich, wie aus Lichtenbergs Brief 
(IV, Nr. 316, S. 446) von Mitte Juni 1782 hervoigeht, urn Johann 
Albert Heinrich Reimarus. Der Hamburger Aufklarer iibt in seinem 
Sendschreiben, das iibrigens in den »Vermischten Schriften«, Bd. 5, 
S. 71-86, Gottingen 1844, und bei Grenzmann wiederabgedruckt ist, 
scharfe Kritik an pseudowissenschaftlichen, theosophischen, allerorts 
irrationalen Zeiterscheinungen, insbesondere der Alchemie. Dement- 
sprechend befaBt sich Lichtenberg in seiner Antwort zunachst mit 
diesem Gegenstand. Im ubrigen geht er aber gar nicht so sehr auf 
Reimarus ein, sondern benutzt die Gelegenheit, aus dem Satirischen 
Gedicht eines >Freundes<, der Lichtenberg selbst ist, zu zitieren. Diese 
Partien beanspruchen das eigentliche Interesse. Wahrend das Send- 
schreiben in der jetzt vorliegenden Gestalt wohl zwischen September 
1782 und Januar 1783 (erst Marz 1783 erschien das 4. Stiick des 

3. Magazin-Jahrgangs, und sieben bis acht Wochen dauerte die 
Drucklegung) entstanden ist, sind zumindest mehrere Zeilen, wenn 
schon nicht samtliche gereimten Partien wesentlich alteren Datums 
und im Sudelbuch F bereits fixiert: s. F 573. 982. 1129. 1166. 1170. 
Man geht nicht fehl, wenn man diese Verse also auf Lichtenbergs 
langjahrigen Plan einer Satire gegen die Original-Genies bezieht (vgl. 
unten S. 241 ff). Tatsachlich notiert er in dem »UnmaBgeblichen Vor- 
schlag . . .« (529, 13) : »Alexandriner miissen eingemischt werden.« Der 
Gedanke der Literatur-Satire wird Anfang der achtziger Jahre modi- 
fiziert; an seine Stelle tritt, wie aus H 1 erhellt, der Plan einer Satire 
auf Modeerscheinungen aller Art und auf alien Gebieten. Vorarbeiten 
dazu miissen in den verschollenen Sudelbuchern G und H gestanden 
haben. Eine Anspielung darauf gibt Lichtenberg vermutlich in den 
Briefen (IV, 424, 26f.) im Oktober 1781 in Zusammenhang mit 
seiner Polemik gegen VoB und dessen Parteiganger: »Ich kamme sie 
auch gewiB noch einmal im sanften Strich des Alexandriners.« 

Lichtenbergs »Antwort« wurde, wie er selbst voller Stolz am 

4. August 1783 Schernhagen mitteilt (IV, Nr. 404, S. 522), in den 
»G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 123. Stiick, S. 1230, 
am 2. August 1783 besprochen: »Prof. Lichtenbergs Antwort an den 
Ungenannten, iiber die Schwarmerey unserer Zeiten. Was der Un- 
genannte im Allgemeinen gesagt hatte, wird hier mit gehoriger Ein- 
schrankung bestimmt, und treflich durch individuelle Beyspiele er- 
lautert. Die Gemalde der herrschenden Thorheiten unserer Litteratur, 



SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN 1 93 

in Alexandrinischen Verscn, stellcn den unbekannt seyn wollenden 
Verfasser neben Juvenal und Popen; mit ihrer Fortsetzung wiirden 
skh die Herausgeber urn sachkundige Leser sehr verdient machen. -<t 

414 5 im 3ten Stucke dieses Magazins: Des »Dritten Jahrgangs drittes 
Stuck « des »G6ttingischen Magazins« war ungefahr im Januar 
1783 erschienen und enthalt nichts von Licbtenberg. - 13 Se- 
midiameter: Halbdurchmesser. - 16 Buck des Erreurs: Reimarus 
erwahnt »das wahnsinnige Buch« in seinem oben zitierten Trak- 
tat (Gott. Mag. Dritter Jg. Zweites Stuck, S. 242-243). Ge- 
meint ist iibrigens »Des Erreurs et de la verite, ou les hommes 
rappeles au principe universe! de la science, par un Philosophe 
Inconnu.« Erschienen in 1. Auflage >Salomonopolis< 1775; in 
2. Aufl. 1 78 1. Der zweite Teil erschien 1782. Hinter dem 
Pseudonym >Philosophe Inconnu< verbirgt sich der beriihmte 
frz. Theosoph Louis Claude de Saint-Martin, der auch im 
Deutschland des i8.Jh. zahlreiche Anhanger fand. Seine oben- 
genannte Schrift ist eine Widerlegungsschrift der Theorie des 
Materialismus, wahrend die von Lichtenberg erwahnte Fort- 
setzung eine Darlegung seiner Doktrin darstellt. - 21 Dieterich: 
Ober ihn vgl. zu B 92. - 24 Nonsense: Zu diesem Ausdruck vgl. 
zu 326, 19 f. - 28Besuch . .. in Bedlam: Vgl. 910, 26 und die Anm. 
dazu. - 28 f. Bedlam . . . Benennungftir . . . Bibliothek: Forster spielt 
darauf in der »Geschichte der Englischen Literatur vom Jahre 
I79i» an: »An diese Auswiichse der Litteratur schlieBt sich eine 
andere Gattung an, die ich das litterarische Bedlam nennen 
wurde, werm Lichtenberg nicht das Monopolium dieses trefFen- 
den Ausdrucks behaupten konnte, weil er ihm als Erfinder ge- 
hbrt. Doch so genau nehmen es Freunde wohl nicht, und es ist 
ja iibrigens die einzige wahre Huldigung, auf welch e das Genie 
rechnen darf, daB es seine Ideen, eben weil sie so wichtig als 
zuverlassig sind, wie die Wechselbriefe eines Hope oder Beth- 
mann, in der ganzen Welt gangbar werden sieht.« (G.F. Bd. 7, 
S. 260-261). Lichtenberg verwirklichte den Gedanken in dem 
Kalender-Artikel »Bedlam fiir Meinungen und Erfindungen« 
im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1792, S. 128-136; s. auch 
470, 25. - 53/. Ich weifi es von einem Mann: Auf wen Lichten- 
berg zielt, ist nicht klar; das Zitat aus dem englischen Original 
lafit an einen seiner engl. Freunde denken: Planta vielleicht 
oder auch Deluc (der aber vermutlich franzosisch geschrieben 
hatte). Ich neige aber eher Georg Forster zu, der aus personli- 
chem Engagement ein genauer Kenner der Materie war. - 
35 an der Spagirie Kranker: Spagyrie: gleichbedeutend mit 
Alchemic Das Adjektiv »spagirisch« gebraucht Lichtenberg 
417, 6; s. auch F 230. 372 und in »Noch ein Wort iiber Herrn 
Ziehens Weissagungen« (Gott. Mag., 5. Stuck, 1781, S. 310). 



194 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

415 6 Absichten gewisser Leute zu bejordern: Womoglich sind die 
Freimaurer gemeint. - 6 Endzweck: Zu diesem BegrifFvgl. zu 
12, 18. - 1 if dieses Volk ... wteder aufdieBuhne zu bringen: Die 
Anregung dazu erhielt Lichtenberg vielleicht durch Ben Jon- 
sons Lustspiel »The Alchemists, das er 1775 in London sah (s. 
326,31). Des Alchemisten Fiktuld »Neu Sublimirten Astral- 
Geist« erwahnt Lichtenberg an Kestner (IV, Nr. 2, S. 7) am 
30. Marz 1766. - 14/. in tneiner Jugend tin paar Leute gekannt: 
Falls Lichtenberg seine Gottinger Studentenjahre meint, ware 
an Kunkel bzw. an den Juden zu denken, den Lichtenberg 
220, 10 erwahnt. - ig roten Lowen: In der Sprache der alche- 
mistischen Adepten umschrieb das Bild vom »roten Leu« eine 
Stufe innerhalb des alchemistischen Prozesses. - ig die Zahl 7: 
Vgl. zu 460, 1. - 35 Stem der Weisen: lapis philosophorum; 
ihm gait die Suche der Alchemisten; iiber die unfaBbare Tota- 
litat dieses Begriffes und seiner seelisch-chemischen Bedeutun- 
gen vgl. C.G.Jung, Psychologie und Alchemic Zurich 1944. 
S. auch 764, 28. - 36 Universalmedizin: Gemeint ist wohl der 
liquor alkahest - das von den Alchemisten gesuchte universelle 
Losungsmittel. Wortbildungen mit Universal - begegnen auch 
462, 4: »Universal-Orographie«, 831, 23: »Universal-G6nner«, 

853, 17: »Universal-Portrat«, 900, 6: »Universaldoktor«. - 37 
methodistischer Salbung: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch 553, 30. 712, 38; vgl. auch J 321. Ober »Methodisten« vgl. 
zu 193, 33. 

416 8f. sein Leben imjahre 7777 ausleben: Vgl. zu 460, 1. - 15/. auf 
dem Theater vortrefflich ausnehmen: Von Lichtenbergs Plan ist 
sonst nichts uberliefert. - igden Gnadenstofi ...geben: Zu dieser 
Wendung vgl. D 383 und die Anm. dazu; s. auch 529, 271*. - 
34 Inokulation der Gratze: Entsprechend der Entdeckung des 
Arztes Edward Jenner, durch Einimpfung von Pocken die 
Blattern zu bekampfen, bildet Lichtenberg analoge Wort-Ent- 
deckungen; s. etwa 915, 6f. 1024, 6; ferner G 96. GH 96. J 752. 

854. L 542 und in den Briefen (IV, S. 851. 862). -34/ Haller ... 
empfiehlt: Wo Haller dieseEmpfehlung aussprach, konnte von 
mir nicht ermittelt werden; vgl. auch IV, 862; iiber Albrecht 
von Haller vgl. zu A 230. - 38 Gerechter Gott, was der Mensch ist: 
Ein ahnlicher Ausspruch begegnet auch 906, if.; im ubrigen 
vgl. D 398. 

417 if. Don Quixote zum erstenmat las: Lekture dieses Romanes von 
Cervantes - iiber ihn vgl. zu C 11 - bezeugen auch 223, 3. 

587, 26. 942, 20 f. - 2f. ich dachte aufeinen Roman: Entwurfe 

zu diesem Roman sind im NachlaB nicht erhalten; vgl. aber 
unten S. 283. - 5/. Ritterbuchern ... spagirischen: Die Ritter- 
romane hatten bekanntlich Don Quixote den Kopf verruckt; 
zu spagirisch vgl. zu 414, 35.-7 Pajazzo wie Sancho: von ital. 



SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN 195 

pagliaccio: der SpaBmacher bei Seiltanzern und Akrobaten, 
dann synonym fiir: Hanswurst, die Rolle des kom. Dieners; 
vgl. G 216. Ober Sancho Pansa vgl. zu 223, 3. - 12 ein Roman 
fiir Europa: Ahnlich auBert sich Lichtenberg in Bezug auf 
Kunkel in TB 25. - 16 f in England ... neutich einer bewiesen: 
Die Quelle konnte von mir nicht ermittelt werden. - 17 der 
Konig von Frankreich: Gemeint ist LudwigXVI., seit 1774 
Konig; iiber ihn vgl. zu J 564. Die Anspielung auf die OrTen- 
barung Johannis und das gehornte Tier machen die Passage zu 
einer politisch brisanten Aussage. - iff. das gehornte Tier in der 
Offenbarttng: »Wer Verstand hat, der iiberlege die Zahl des 
Thiers; denn es ist eines Menschen Zahl, und seine Zahl ist 
sechshundert und sechs und sechzig«, heiBt es Kap. 13; V. 18 
der Offenbarung Johannis. Vom »gehornten Tier« als Zeichen 
des Hahnreis ist 953, 34 die Rede. - 18 Kap. 13: von mir verb, 
aus: Kap. 9 der Satzvorlage. - 19 LVDoVICVs 666: L = 50; 
V — 5 ; D — 500; I = 1 ; C = 100; im ubrigen vgl. zu 374, 3 ff. - 
23 von ... Goten und Vandalen reden: Zu dieser Wendung vgl. 
zu 263. Lichtenberg spielt hier auf folgende Passage in dem 
Traktat von Reimarus (a.a.O., S. 237) an: »Von Goten, Van- 
dalen, Longobarden, Sarazenen und alien wilden Volkern ha- 
ben wir nicht mehr zu befiirchten, daB sie das Licht der Ver- 
nunft und der Wissenschaften wieder ausloschen, und Finster- 
niB iiber Europa verbreiten mogten.« - 26 schonen Geister: Tax 
diesem BegrirT vgl. zu 273, 26. - 29/. gekammt ... gebilrstet: 
Dieser Gedanke ist F 141 entnommen; s. auch 578, 28. 618,17. 
664, 26. - 55 Durchblatterer: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 522, 
12 f. - 55/. Mund ubergeht, wovon das Herz nicht voll: Diese 
Wendung begegnet auch G 51. - 34jf. Eiferfiir die Tugend ... 
ohne Patrioten ... zu sein: Diese Invektive richtet sich orTenbar 
vor allem gegen die Gottinger Hainbiindler; vgl. in den Brie- 
fen (IV, S. 227); s. auch 530.16. 903,31 zum Problem der 
Tugendartigkeit. - 38 Impotenz: Lichtenberg gebraucht den 
Ausdruck auch 544, 22; im ubrigen vgl. D 268. F 1092. 1206. 
418 8f. Erzieher ... auf die Erstickung dieses Hangs ...: Zu dieser 
Maxime vgl. G 103. -11 Ovid: Ober ihn und Lichtenbergs 
Wertschatzung vgl, zu A 99. - 12 Voltaire: Ober ihn vgl. zu 
KA 28. - 12 Pope: Ober ihn und Lichtenbergs Wertschatzung 
vgl. zu A 94. - 13 Staupbesen: Vgl. zu 215, 16. - i$ff. im 
Oberon . . . zumal den Schilderungen weiblicher Schonheiten in dem- 
selben: »Oberon. Ein romantisches Heldengedicht in zwolf 
Gesangen«, erschienen Leipzig 1780: das poetische Hauptwerk 
Christoph Martin Wielands - iiber ihn vgl. zu A 99 -; von 
»Obronischem Entzucken« spricht Lichtenberg in einem Brief 
an Hindenburg (IV, Nr. 223, S. 354) vom lojanuar 1779. Er 
erwahnt das Werk auch an Blumenbach (IV, Nr. 281, S. 404) 



t96 UNTTERHALTSAME AUFSATZE 

1780/81. - igff. praktische Geometrie ... von Qffizieren: Der 
ehemaligen Beschaftigung mit diesem Gebiet in Gottingen 
gedenkt Lichtenberg auch F 442; s. auch 695, 3. - 23 Motion: 
Bewegung. - 25 Pinto sagt: Die Herkunft dieses Zitats konntc 
von mir nicht ausfindig gemacht werden. - 29 wie alles uber 
Physiognomik herfiel: Vgl. 564, if. - 30 f. die Portratmaleret ...zu 
Korinth mit einer Silhouette anfing: Vgl. KA 5 und die Anm. da- 
zu. - 52 unniitzes Orthographeln: Vgl. zu 300, 12 f. _ 33 ff. von 
Empfindung plaudern ... sprechen aus Empfindung: Die Wendung 
begegnet ahnlich auch E 246. 
419 5 skribbeln .... Geskribbel: Diese Ausdriicke gebraucht Lichten- 
berg auch D 56. F 976 und 524, 16. - 5 Das Mehl her und nicht 
die Muhle, sagt Moser: Anspielung auf Mosers »Rede eines 
Backers uber die Backproben« (SW IV, 144). Lichtenberg zi- 
tiert die Worte auch G 40. Ober Justus Moser vgl. zu KA 236. 
- 6 unsere Messiasgeschichtchen: Anspielung auf die zu 419, 6f. 
genauer zitierte Affare; vielleicht zielt Lichtenberg dariiber- 
hinaus auch auf den >Apostel der Geniezeit< Christoph Kauf- 
mann oder auf Lavater: s. E 445. F 617. - 6 Rosenkreuzer: An- 
spielung auf eine der Alchemie und der Magie ergebene logen- 
artige Vereinigung, die urn 1777 in Berlin gegrundet wurde 
und sich »Gold- und Rosenkreuzer-Orden« nannte ; ihr gehor- 
ten zeitweilig auch Georg Forster und Sommerring an. - 6f. 
Rosen/elder: Anspielung auf den Artikel »Der vorgebliche neue 
Messias in Berlin«, erschienen in der »Berlinischen Monats- 
schrift« 1783, Januar-Stuck, S. 42-79, von J. E. Biester. Johann 
Paul Philipp Rosenfeld (geb. 173 1) zog demnach seit 1762 in 
PreuBen herum, gab sich als Prophet aus, gewann unter der 
Landbevolkerung zahlreiche Anhanger; 1781 wurde ihm in 
Berlin der ProzeB gemacht und er zu offend. Staupenschlag und 
Zuchthaus in Spandau verurteilt. Todesjahr unbekannt. - 7 
Jakob Bohm neu aufgelegt: Nach Werner Buddecke, Die Jakob 
Bohme-Ausgaben. Ein Beschreibendes Verzeichnis. i.Teil, 
Gottingen 1937, S. I2ff. 22rT., erschienen im i8.Jh. anGesamt- 
ausgaben 171 5 »Theosophia Revelata. Das ist: Alle Gottliche 
Schriften des ... Deutschen Theosophi Jacob B6hmens«, o.O. 
(Hamburg); 1730-173 1 in uBanden, Druckort vermutlich 
Leiden. An Einzelausgaben verzeichnet Buddecke zwischen 
1760 und 1783: »Extract aus Jacob Bohmens Apologie wider 
die Schwenkfeldische Secten Esaias Stiefel und Ezechiel Meth«, 
o.O. 1761. »Kurzer, aber doch hinlanglicher Auszug der aller 
merkwiirdigsten und wichtigsten, in dreyen Hauptmaterien 
und Abtheilungen zusammen gezogenen Stellen aus den 
Schriften des ... Jacob Bohms ...«, Frankfurt und Leipzig 
1762. »De Regenerations das ist: Von der Neuen Wieder- 
geburt Wie sich ein Mensch, dem die Seeligkeit Ernst ist, durch 



SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN T97 

Christi Geist, aus der verwirrten und zankischen Babylon musse 
herausfiihren lassen ... gestellet durch Jacob Boehme, von Alt- 
Seidenburg sonst Teutonicus Philosophus genannt«. Berlin 
1779. »Die letzte Posaune an alle Volker oder Prophezeyungen 
des gottseligen und hocherleuchteten Theosophi Jacob Boh- 
mens von dem naheseyenden Untergang des Antichrists 
und Babels, von OrTenbarung der Lilienzeit, von der Tinctur 
der Weisen, von der innstehenden Juden, Turken und Heiden- 
bekehrung, von des Brautigams Zukunft und dem ganz nahen 
jungsten Gericht, nebst andern Geheimnissen mehr ; aus dessen 
sammtlichen Schriften sorgfaltig herausgezogen von einem 
kleinen Zweiglein am Perlen-Baume, und jetzo denen Lieb- 
habern der Weisheit zu einem angenehmen Geruche darge- 
stellet.« Berlin und Leipzig 1779. »Theosophische Beschreibung 
der Tinktur der Weisen und der Cur aller Krankheiten, aus des 
Gottseligen Jakob Bohmens Schriften herausgezogen von 
einem Liebhaber gottlicher Weisheit.« Berlin und Leipzig 1780. 
»Morgenrote im Aufgang ...«. Berlin und Leipzig 1780. Lich- 
tenberg bezieht sich vermutlich auf die drei zuletzt genannten 
Editionen. Ober Jakob Bohme und Lichtenbergs Urteil vgl. zu 
A 12. - $jf. Bischof zu Paderbom ... Taler vermacht: Welcher 
Paderborner Bischof gemeint ist, konnte nicht ermittelt wer- 
den. - 8 Knochen des hell. Liborius: Liborius, gestorben ca. 397, 
Bischof von Le Mans seit 348 (?), Patron des Doms zu Pader- 
born, wohin 836 seine Reliquien kamen, und des Bistums 
Paderborn; Heiliger (Tag 23. 7.). - 9 Gnadenbildchen zu Verne: 
Dariiber konnte ich nichts in Erfahrung bringen. - 1 of. Jost, 
Pater ... inBayern: Thomas Aquinas Jost (1731-1797), Domini- 
kaner, Prior zu Landshut, schrieb eine Reihe von Broschiiren 
gegen die Freigeister, etwa »Bildnisse der Freiheit und Inquisi- 
tion wider die Freigeister«, worin er gegen Zaupsers Spott- 
gedicht auf die Inquisition polemisiert und diese verteidigt. 
Die >Inquisition< nennt Lichtenberg in H 1 unter den Gegen- 
standen der Satire in seinem Gedicht. - nf. alles fiir Kinder 
schreibt: Dazu vgl. G213. - isjuvenals Geifiel: Uber Juvenal 
vgl. zu KA144. - 15 Joseph: Ober die Inkarnation des >aufge- 
klarten< Monarchen: Joseph II. vgl. zu 64, 1. - 17 Ein Freund 
von mi'r...; Eine ahnliche Fiktion begegnet auch 467,20.470, 
3. Vgl. auch 426, 2 f. - 27 Si natura... xndignatio versum: »Wenn 
das Talent versagt, so schmiedet Entriistung die Verse.« Zitat 
aus Juvenal, »Satirae« I, 79. Lichtenberg zitiert es auch in den 
Briefen (IV, S. 424) Oktober 1781 beziiglich seiner Polemik 
mit Voss. - 27 neget: Lies: negat. - jof. Dies war Germanien ... 
Rom in Fesseln band: Die beiden Zeilen sind fast wortlich 
F 1 170 entlehnt. - 34 Kepler werde: Ober Johannes Kepler vgl. 
zu A 6. Ober diese Wendung vgl. zu 261, 35. - 35 Berlin, 



198 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Monatschr. : »Berlinische Monatsschrift«, Hauptorgan der Ber- 
liner Aufklarer, 1783 von Gedike und Biester gegriindet. - 36 f. 
Hebammenkunst fur Kinder ... schreiben: Auf welchen Autor 
Lichtenberg anspielt, war nicht zu ermitteln. 
420 1 Lehrer Newtons: DaB Kepler der Lehrer Newtons gewesen 
sei, ist selbstverstandlich nur sinnbildlich gemeint: ohne Kep- 
lers Gesetze keine mit Newtons Namen verbundene Himmels- 
mechanik; iiber Isaac Newton vgl. zu A 79. - 2 Leibniz-Odipus 
Verwandtschafts-Ratsel loste: Anspielung zum einen auf Leibniz' 
BegrifFder »prastabilierten Harmonie«, mit dem er das psycho- 
physische Problem zu losen suchte - s. zu 224, 27 -, zum 
andern auf Leibniz' Auftragsarbeit, die Geschichte des Welfen- 
hauses zu schreiben. - 7 AufFdsser Donner zog: Anspielung auf 
Berthold Schwarz, der als Bernhardinermonch um 1380 in Siid- 
westdeutschland lebte; die ihm zugeschriebene Erfindung des 
SchieBpulvers ist nicht nachgewiesen. - 7 Blitze aufBouteillen: 
Vgl. zu 63, i2ff. -S Faust., . des Teufels Schreibkunstfand: Vgl. zu 
251, 27. - 9 Luthers ... Vaterland: Ahnlich schreibt Lichtenberg 
F 1 170; iiber Martin Luther vgl. zuKA 189. -9 Guerickens: Ober 
Guericke vgl. zu RA151. - 9 DUrers: Der von Lichtenberg 
sonst nirgends erwahnte Albrecht Diirer verkorpert hier den 
deutschen Maler schlechthin. -11 Moropien: von griech. >mo- 
ros<: toricht, dumm; svw. Narrenland. - 13 ein Weiser: wo- 
moglich Anspielung auf den - zweisilbigen - Albrecht von 
Haller: s. F915 oder Leonhard Euler, der am 18. 9. 1783 
starb. - 14 Phartts: auf der Insel Pharos bei Alexandria von 
Sostratos ca. 280 v.Chr. errichteter Turm als Tageszeichen fiir 
die SchifFahrt: ernes der sieben Weltwunder der Antike; da- 
nach sprichwortlich fiir Leuchtturm, >Seher<. - 16 Kandidaten: 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 261, 3of. - ij Endzwecks: Vgl. 
zu 12, 18. - i8f. Den Tettfel .... Bibel: Die beiden Zeilen sind 
fast wortlich F 1166 entlehnt. - 19 Elwangen: Lies: E//wangen; 
die Fiirstpropstei war vormals das bedeutendste geistliche 
Territorium in Wurttemberg; an diesem katholischen Wall- 
fahrtsort an der Jagst nahm GaBner - iiber ihn vgl. zu F 322 - 
seine Wunderkuren vor. - 19 Halle: Anspielung auf Semler 
und dessen in Halle 1760 erschienene Schrift »De daemon iacis, 
quorum in evangelio fit mentio«, in welcher die damalige Auf- 
fassung von Besessenen einer rationalistischen Kritik unter- 
zogen wird. Halle als Synonym fiir die Aufklarung wird auch 
B 366 genannt. - 20 j. Schon war's ... Satten und Kritik: Die 
beiden Zeilen sind fast wortlich F 11 70 entlehnt. - 24 die Nas' 
ehr y riimpfen lernt als putzen: Diese Wendung ist E316 ent- 
lehnt; Lichtenberg gebraucht sie auch F 574. - 25 Sturm und 
Drang: Friedrich Maximilian von Klingers Drama, dem Kauf- 
mann diesen Namen gegeben hatte, das die lit. Richtung ins- 



SCHWARMEREI UNSERER ZEITEN 199 

gesamt bestimmtc, war 1776 erschienen; s. auch 370, 12 if. - 

26 Gedanken Zolle grofi in Wortern Ruten lang: Eine ahnliche 
Wendung begegnet D 610 (S. 323). F 262 (S. 498). - 26 Ruten: 
friiheres dt. Langenmaft zwischen 2,8 und 5,3 m, unterteilt in 
100 Zoll. - zj Timore: Uber den »Timorus« vgl. oben S. 82 f. - 

28 Rowers Entdeckung: Olaus Romer (1644-17 10), dan. Astro- 
nom, Prof, der Mathematik und Leiter der Sternwarte sowie 
Biirgenneister in Kopenhagen, bestimmte 1676 die Lichtge- 
schwindigkeit aus den Verrlnsterungen der Jupitermonde. - 

29 Erfindung der Taschenuhren: Anspielung auf den Niirnberger 
Schlosser Peter Henlein (ca. 14 80-1 542), der urn 15 10 als erster 
kleine tragbare Uhren in Dosenform herstellte. - 51 Herrn v. 
Kleist: Ober ihn und die Leidener Flasche vgl. zu 24, 15. - 

$6f. nach dem Urteil eines Rezensenten: DaB der Verfasser 

des »Timorus« ins Tollhaus gehore, liest man in der oben S. 84 
angefiihrten ersten Rezension. 

421 1 Biichse der Pandora: Lichtenberg erwahnt sie auch 617, 9 und 
L 398. - 7 beSchdkspeart und beSternt: Diese Zeile ist wortlich 
F 1170 entlehnt. Zu den Bildungen mit be - vgl. schon D 666; 
ahnliche Bildungen begegnen auch 463,33. - 11 Donnerer 
Homers: Gemeint ist Zeus; uber Homer vgl. zu A 13 5. - 11 
Eichsfelds: Das Eichsfeld gait Lichtenberg neben Paderborn und 
Bayern als synonym fiir unaufgeklart, da katholisch; vgl. zu 
B 300. - 11 Dieux de poche: >Taschen-G6tter<; dieselbe Wen- 
dung begegnet auch F 943 ; s. ferner 862, 4: foudres de poche; 
Briefe LB I, 388: republique de poche; GTK 1787, S. 220: 
diable de poche. - ljf.fuhrt ... zum Himmel bei den Haaren: In 
einem Brief an Wilhelm Gottlieb Becker (IV, Nr. 277, S. 410) 
vom 26. Marz 1 78 1 schreibt Lichtenberg von Pastor Goeze, 
daB er »die Menschen an den Haaren nach dem Himmel 
schleppt.« - 20 Fidibus: Zum Gebrauch dieses Worts vgl. D 610 
und die Anm. dazu. - 20 Siegwarts Sunden: Zu diesem Roman 
vgl. zu 379, 20 f. - 21 Varinas: Vgl. zu B 15. - 23 Zentner- 
Ignorenz: Diese Schreibung ist vermutlich keinDruckfehler der 
Satzvorlage, sondern Gallizismus Lichtenbergs. - 24 Bard*: Vgl. 
zu 303> 7- - ^5 Duns: Dummkopf, Narr: nach Popes »Dunciad« 
(1728). - 26 Midas: Nach der Sage soil Dionysius alles, was der 
phrygische Konig Midas beruhrte, auf scinen Wunsch in Gold 
verwandelt haben; im iibrigen s. 845, 9 und die Anm. dazu. - 

27 Das Volk das Plato . . . : »Einem Mann also, wie es scheint, der 
sich kiinstlicherweise vielgestaltig zeigen kann und alle Dinge 
nachahmen, wenn uns der selbst in die Stadt kame und auch 
seine Dichtungen uns darstellen wollte, dem wiirden wir Ver- 
ehrung bezeigen als einem heiligen und wunderbaren und an- 
mutigen Mann, wiirden ihm aber sagen, daB ein solcher bei uns 
in der Stadt nicht sei und auch nicht hineinkommen durfe, und 



200 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

wtirden ihn, das Haupt mit vieler Salbe begossen und mit Wolle 
bekranzt, in eine andere Stadt geleiten, selbst aber uns mit dem 
strengeren und minder anmutigen Dichter und Fabellehrer der 
Ntitzlichkeit wegen begniigen, der uns den Vortrag des wtirdi- 
gen Marines nachahmend darstellt und, was er sagt, nach jenen 
Vorschriften redet, die wir schon anfanglich zu Gesetzen ge- 
macht haben, als wir es unternahmen, die Krieger zu erziehen.« 
Zitat aus »PoIiteia« 398 a.b (zit. nach Rowohlt Klassiker, Bd. 
27/273, S. 130). - 29/. skhem Nachrichten zufolge: Anspielung 
auf Michael Reinhold Lenz, der seit 1779 an geistigen Storun- 
gen litt. - 55 Jupiter: der Gottervater in der rom. (griech.) 
Mythologie; s. auch 570, 12. 670, 26. 678, 3. 691, 29. 910, 2. - 
55 Prometheus: nach dem griech. Mythos ein Titan, entwendete 
aus dem Olymp das Feuer, urn es den Menschen zu bringen, 
wurde von Zeus zur Strafe an einen Felsen im Kaukasus ge- 
schmiedet, und ein Adler fraft ihm taglich die Leber ab, die 
nachts wieder nachwuchs. 
422 6 Liederchen: Diesen Diminutiv gebraucht Lichtenberg auch 
508, 3 5 f. 537, 3. 613, 35. 624, i7flf. B 197. 204. - 6 Flickseufzer- 
chen: Zu dieser Wortbildung vgl. zu 370, 17. - 7 Der Schopfung 
Meisterstuck: Vgl. zu 286, 2of. - $ Filet: Nadelarbeit mit der 
Filetnadel und einem Stabchen, dessen Breite die GroBe der 
Maschen bestimmt, vornehmlich zur Anfertigung von Deck- 
chen und Vorhangen verwandte Handarbeit der gutburgerli- 
chen Frau im i8Jh. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch 
C 329. E 209. - 10 Maultrommel: auch Brummeisen genannt, 
Musikinstrument aus einem kleinen Rahmen oder Bugel mit 
darin freischwingfahiger Zunge; es erlebte im Deutschland des 
i8.Js. als populares und Virtuosen-Instrument eine Bliitezeit. 
Lichtenberg erwahnt es auch 456, 19. 792,27. 960, 37. - 16 
Yorick: eigentlich der Narr in >Hamlet<, dessen Namen Lau- 
rence Sterne in seinen Werken wieder aufgriff, so daB er bei 
den Zeitgenossen damit identifiziert wurde. - 16 Filidor: Bei 
diesem Namen clenkt Lichtenberg wohl weniger an einen be- 
stimmten Dichter; er steht vielmehr fiir die anakreontische 
Schaferpoesie schlechthin. - 21 Pindars Genius: Ober Pindar, 
den InbegrifF des pathetischen Dichters vgl. zu D 610. - 22 
Bard: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 303, 7, - 23 Horaz: Ober 
ihn vgl. zu KA152. - 23 erstimulierte Kraft: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 412, i8f. - 27 Elisionen: lat. >Ausstofiung< : der 
Verlust eines Vokals am Wortende, wenn das nachste Wort 
mit einem Vokal beginnt. Lichtenberg spielt dabei auf die 
spezifische Schreibweise der Sturmer und Dranger an. - 33 
Vokalen-Morden: Diese Wendung begegnet bereits F 1170; 
Lichtenberg notiert sie auch - und in Bezug auf »Orbis Pictus« 
-im Materialheft II, Nr.i. 



S^HWARMEREI UNSERER 2EITEN 201 

423 3 Don Zebra: Gemeint ist Johann Georg Rittcr von Zimmer- 
mann, den Lichtenberg auch 615, 18 mit diesem Beinamen 
belegt; was er besagen will, erhellt aus F 1197. - 4 kastilianisch 
geht: Eine ahnliche Wendung gebraucht Lichtenberg 662, i6f. ; 
s. auch 570, 36. 578, 2 8f. - 13J. das Gedankchen .... quicken hore: 
Diese Passage ist F215 entlehnt. - 15/ Bom .... Bast ... Bom- 
bast: Eine erste Fassung dieser zwei Zeilen begegnet in F 1129, 
ferner F 1166. - 17 Zoten ... mit Pracht: Von »Prunkzotchen« 
spricht Lichtenberg auch 569, 32.-17 Alpen-Prose: »der Prose 
AlpenlasU notiert F 1166: selbstverstandlich Anspielung auf 
Zimmermanns Stil. Zu dieser Wortbildung vgl. zu 65, 4. - 
18 St. Omer: Gemeint ist Homer, der >Heilige< der Stiirmer 
und Dranger - s. Goethes »Werther« - und des Gottinger 
Hain: s. Vossens Obersetzung. -19 Kastratenzwang: Ahnliche 
Wortbildungen begegnen 955, 5 und C 14; im ubrigen vgl. 
Lichtenbergs Vorliebe fur das Wort »Hemling«: s. die Anm. 
zu 365, 21. - 21 Geschichte eines verz'drtelten Dichterlings: wo- 
moglich Anspielung auf den prototypischen Johann Georg 
Jacobi bzw. auf das satirische .Bild, das Nicolai von ihm im 
»Sebaldus Nothanker« entworfen hatte: »Sa'ugling«. Zu Lich- 
tenbergs Gebrauch des Wortfelds zartlich, Zdrtlichkeit vgl. 509, 
16 und B 185. 191. 204. 254. - 2 8 Euklid: Ober ihn vgl. zu 
E 29. - 3$ dafi Kind: Lies im Text: da*. 

424 8f. wie gehts auch auf Universitaten: Vgl. Hi. - 11 der Seek 
Zeugungs-Glieder: Diese Wendung ist D 390. F 662 entlehnt. 
Lichtenberg gebraucht dieses Bild auch B 56. E 35. F 267. 
J 490. -12 Dem Venus-Ubel folgt das Phobus-Ubel: Dieser Ge- 
danke ist F $66 entlehnt. Venus-Ubel: Lustseuche, Syphilis; zu 

Phobus-Obel vgl. zu 409,27. 410,4. - i6f. der Verfasser 

denkt nkht . . . ; Zu diesem padagogischen Grundsatz vgl. G 69. - 
23 Tarten: Tortenstucken. - 23 Orgeade: womoglich abgeleitet 
von frz. orgeat: Mandelmilch. - 32 Brauch der weisen Insel: 
Gemeint ist England; der britischen Padagogik gibt Lichten- 
berg auch andernorts den Vorzug vor der deutschen: s. etwa 
F 58 und Briefe (IV, S. 271). - 33 Birkenpinsel: Diesen Aus- 
druck gebraucht Lichtenberg auch D 548. Von >Birkenbaum< 
fiir Rute ist C 238 die Rede, wahrend er GTK 1781, S. 87, von 
>padagogischer Birke< spricht: »Ich kann hierbey meinen Le- 
sern unmoglich ein Sinngedicht vorenthalten, das ein engli- 
scher Dichter, dessen Ader vermuthlich auch die padagogische 
Birke geoffnet hatte, ausstieB, als er ein Glas Birken-Cham- 
pagner trank: 

O birch! thou cruel, bloody tree 
I'll be at last reveng'd of thee; 
Oft hast thou drank the blood of mine. 
Now for an equal draught of thine.« 



202 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Birke, blutdiirstiger, tyrannischer Baum, 
endlich rach* ich mich an dir. Oft hast du 
mein Blut getrunken. Sieh - nun trink* ich das deinige. 
(»Etwas uber den Nutzen und den Cours der Stockschlage, 
Ohrfeigen, Hiebe etc. bey verschiedenen V6lkern«). - 34 Al- 
bion: alterer, vielleicht vorkeltischer Name fiir Britannien. 

425 j Wiederherstellung des guten Geschmacks: Ober zeitgenossische 
Barbarei und den guten Geschmack reflektiert Lichtenberg 
auch 509, 6. 526, 16 ff. und E 359. F 274. - 2 Lesung und Nach- 
ahmung der Griechen: Zu Lichtenbergs Kritik am Klassizismus 
seiner Zeit vgl. insgesamt zu B 22. - 5 Pddagogsche Besen: Von 
»Erziehungsbesen« spricht Lichtenberg G 9, von »Edukations- 
besen« auch 763, 5.-9 Homer: Uber ihn vgl. A 135. - loDem- 
Dem-mosth-mosthenes: Ober ihn vgl. zu B 65. - 1 Epikur den 
Ketzer: Uber ihn vgl. zu C 265. - 11 Fienn-Els Heraklit: Uber 
ihn vgl. zu J 1066. - 1 1 Lachnarr Demokrit: Ober ihn vgl zu 
KA 8. - 12 Phidias: griech. Bildhauer des 5.JI1. v. Chr., Schopfer 
der hochklassischen attischen Kunst; Hauptwerk: Athene 
Parthenos im Parthenon zu Athen. - 12 Myron: Ober ihn vgl. 
zu C 214. - 13 Sokrates: Ober ihn vgl. zu KA 9. - 13 Alexander: 
Ober ihn vgl. zu KA140. - 14 Odeumskopf Perikles: Ober ihn 
und die Anspielung vgl. D181 und die Anm. dazu. - 18 ein 
Schock: friiheres norddt. ZahlmaB: 60 Stuck. - 22 Horaz: Ober 
ihn vgl. zu KA152. - 22 Pop*: Ober Alexander Pope vgl. zu 
A 94. - 20 denn: von mir verbessert aus : den. - 32 Casarn: Ober 
ihn vgl. zu KA12. - 32 Curtius im Loch: Manius oder Marens 
Curtius, nach rom. Sage ein edler Jungling aus dem rom. Ge- 
schlecht Curtia, der, als sich auf dem Forum in Rom ein Erd- 
spalt ofFnete, einem Orakelspruch folgend in die Tiefe sprang ; 
die Spalte schloB sich, ein Sumpfsee entstand und Rom war 
gerettet. - 33/ Schilderungen von Modetorheiten: »Moden und 
Trachten« nennt Lichtenberg H 1 unter den Gegenstanden der 
Satire in seinem Gedicht. 

426 1 in der Vorrede: Der Text ist wiederabgedruckt unten S. 203 f. 
- 2/. dessen Verfasser ich mir fast zu erraten getraute: Tax Lich- 
tenbergs Mystifikation s. oben S. 83. 



SCHWIMMENDE BATTERIEN 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Simple, jedoch authentische 
Relation von den curieusen schwimmenden Batterien, wie solche 
anno 1782 am 13. und 14. Septembris unvermuthet zu schwimmen 
aufgehort, nebst dem, was sich auf dem Felsen Calpe, gemeiniglich 



SCHWIMMENDE BATTERIEN 203 

der Fels von Gibraltar genannt, und urn denselben, so wohl in der 
Luft als auf dem Wasser zugetragen. Durch Emanuelem Candidum, 
Candidat en Poesie allemande a Gibraltar. « Erstveroffentlicht in: 
»G6ttingisches Magazin der Wissenschaften und Literatur«, 3. Jahr- 
gang, 4. Stuck, 1782, S. 616-635 (XL). Ein Manuskript ist im Nach- 
laB nicht erhalten. Wie die Herausgeber der »Vermischten Schriften«, 
Bd. 5, S. 135, mitteilen, wurde das Gedicht nach Fertigstellung ein- 
zeln gedruckt und an den General Elliot, dem die deutsche Sprache 
gelaufig war, in einigen Exemplaren geschickt. 

Zur Erttstehung: Ober die Veroffentlichung dieses Gedichts im 
»Magazin« auBert sich Lichtenberg ebenda in einer Vorrede, datiert 
vom 22. Marz 1783, die hier mitgeteilt sei: 

»Vorrede. 
Wir haben dem dringenden Verlangen einiger Herrn Subskribenten, 
so wohl als des Herrn Verlegers, diesesmal weiter nachgegeben, als 
man selbst aus unserer ehmaligen schlieBen konnte, und nicht allein 
mehrere minder ernsthafte Stiicke, sondern so gar diese in Versen 
aufgenommen. Der Geschmack der Zeiten scheint dieses zu erfor- 
dern. Ein ernsthaftes Journal, und ware es auch vom reichsten Ge- 
halt, lieferte es auch lauter gediegnes wissenschaftliches Gold, wiirde 
nur desto geschwinder sinken, also was kann es schaden, daB man 
ihm zuweilen etwas specifisch leichteres anknupft um es flott zu er- 
halten, wenn es nur nicht immer Kork und Windblasen sind? Den 
Titul des Journals deswegen zu andern, halten wir nicht flir nothig. 
Das Gedicht auf Gibraltar verdient einige Anmerkungen. 

DaB ein Deutscher, und ein Englander die letzten Versuche auf 
Gibraltar lacherlich findet, ist ihm gewiB zu verzeihen, da man sie, 
so viel wir wissen, noch nirgends lacherlicher gefunden hat, als in 
Parts selbst. Es war auch in der That unmoglich, ohne Unwillen den 
Contrast zwischen der Sprache der Belagerten und der Belagerer 
anzuhoren. Paris: Gibraltar wird em artiges Namenstagsangebinde fur 
diese oderjene Person setn. Sobald wir Gibraltar weggenommen haben, so 
werden wir Jamaica nehtrten. Das Feuer des Feindes ist heftig, thut aber 
wenig Schaden; es ist an Allem Mangel in der Festung; tdglich sehen wir 
den Feind Todte begraben. -London: Die Garnison zu Gibraltar befindet 
sich recht munter; Elliot wird von der Garnison allgemein geliebt; Er Uebt 
die Hannoveraner sehr; es sind wieder ein Paar Schiffe aus der Barbarei 
mit frischem Prov'tant angekomtnen, die Garnison fangt nun an, sich 
Gartchen anzukgen; Sir Ashton Lever hat eine Subscription eroffnet, um 
den brauen Soldaten ein tuchtiges Schiff mit Kartoffeln zu schtcken, weil 
sie dieselben gem essen. Und nun der Ausgang! - Zu der tapfern Be- 
satzung Gibraltars gehorte iibrigens, wahrend der ganzen Belage- 
rung, vom Juni 1779 an, eine hannoversche Brigade, bestehend aus drei 
Bataillons (18 Compagnien) im englischen Solde - von Hardenberg, 



204 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

nachher von Sydow; von Reden und de la Motte, - unter dem 
Commando des damaligen Generalmajors, nachherigen General- 
lieutenants, de la Motte. Sie hatte eine Starke von iiberhaupt 1378 
Mann. [s. »Briefe iiber die Belagerung von Gibraltar, an einen Freund 
in Hannover geschrieben«, erschienen im »Hannoverschen Magazin«, 
11. Brief, 15 Juli 1785, 56. Stuck, Sp. 883 f.] 

Elliot war bei der ganzen Garnison, besonders bei den Deutschen, 
deren Sprache er fertig redete [s. Schlozer, »Staatsanzeigen«, Bd. 2, 
S. 518-519, 1782], auBerordentlich beliebt. Namentlich wird auch 
angefiihrt, daB er dafiir sorgte, da8 die Hannoveraner immer mit 
Taback versehen seien, wahrend ihnen friiher dessen Gebrauch unter- 
sagt war. 
Und nun der Ausgang ! 

Geschrieben den 22 Marz, 1783. 

Die Herausgeber.« 

Dem Gedicht liegt folgende historische Begebenheit zugrunde: 
die beruhmte Belagerung von Gibraltar, das der englische General 
und Gouverneur von Gibraltar, George August Elliot, gegen die 
Franzosen und Spanier verteidigte, dauerte von 1779 bis 1782; im 
April und Mai 178 1 beschossen die Belagerer die Stadt mit iiber 
56000 Kugeln und iiber 20000 Bomben, die groBen Schaden an- 
richteten, aber die Festungswerke fast unversehrt lieBen. 1782 hatten 
die Spanier in Algeciras bombenfeste schwimmende Batterien nach 
dem Plan des franzosischen Ingenieurs d'Arcon errichtet, die aber 
von den Englandern in Brand geschossen wurden. Trotzdem erofF- 
nete der Befehlshaber des franzosischen Hilfscorps, der Herzog von 
Crillon, am 7. September 1782 einen SturmangrifF, der jedoch er- 
folglos war. Trotz aller zu Wasser und zu Lande herangezogenen 
Streitkrafte muBte die Belagerung Ende Oktober 1782 aufgehoben 
werden, und Gibraltar blieb in englischen Handen. Lichtenberg er- 
wahnt die militarische Auseinandersetzung in Briefen an Schern- 
hagen vom 26. Marz 178 1 (IV, Nr. 288, S. 411), vom 10. Oktober 
1782 (IV, Nr. 341, S. 470f), vom 14. Oktober 1782 (IV, Nr. 342, 
S. 471), vom 17. Oktober 1782 (IV, Nr. 344, S. 476), vom i4.November 

1782 (IV,Nr.35i.S.482f.)undvom26.Dezemberi782(lV,Nr. 360, 
S. 487). 

Das Gedicht ist demnach zwischen Mitte Oktober 1782 und Mitte 
Marz 1783 entstanden. Nach Lichtenbergs Arbeitsweise ist allerdings 
eine wesentlich kurzere Entstehungszeit zu veranschlagen: »Auch 
habe ich viel zu wenig Zeit darauf venvendet. Ich habe einmal in 
2 Stunden vor Tag 14 Strophen gemacht«, schreibt er am 19. Mai 

1783 an Schernhagen (IV, Nr. 388, S. 509). Da nach Lichtenbergs 
oben zitierter AuBerung f iinf bis sechs Wochen an einem Magazin- 
Stiick gedruckt wurden, kommt fiir die Abfassung des Gedichts am 
ehesten die Zeit zwischen Ende Dezember 1782 und Anfang Januar 



SCHWIMMENDE BATTERIEN 205 

1783 in Fragc. Den Herausgebern der »Vermischten Schriften«, Bd. 5, 
S. 134-135, zufolge findet sich der erste Entwurf einiger Verse in 
»dem Bande einzelner autobiographischer Bemerkungen des Ver- 
fassers vom Jahre 1782* [doch wohl Sudelbuch G], Folgende Bemer- 
kung Lichtenbergs geht den Versen voraus: »Eine politische Zeitung 
in Versen, wo allemal das genus der Sache correspondirte, muBte sich 
nicht ubel ausnehmen.« Auf diese Notiz folgt der Vers: 

»Im SchieBloch lag ein zweites Loch 
Das war f iirwahr fast groBer noch, 
Als wie das erste SchieBloch usw.« 

Von dem Anfang des Gedichts selbst kommt nichts vor, sondern nur 
der Entwurf von etwa zwolf Versen, und zwar ohne die nachher ge- 
wahlte Ordnung. 

Da das Gedicht anonym erschienen war, gab es zunachst ein 
Ratselraten urn die Verfasserschaft, an dem sich Lichtenberg wie 
iiblich beteiligte. Anfangs gait Burger als Verfasser der Moritat (s. 
Bd. 4, Nr. 382, S. 506); vgl. Biester an Burger: »Warum hast du 
uns nicht dein Gibraltar gegeben?« (Briefe von und an Burger 3, 
120; s. aber dann IV, Nr. 384, S. 506). Franz Ferdinand Wolff erriet, 
wie aus dem Schreiben Lichtenbergs an ihn (IV, Nr. 385, S. 507) 
hervorgeht, den wahren Verfasser. Zur Verfasserschaft Lichtenbergs 
s. ferner die Briefe an Schernhagen vom 12. Mai 1783 (IV, Nr. 387, 
S. 509), vom 19. Mai 1783 (IV, Nr. 388, S. 509) und vom 29. Mai 
1783 (IV, Nr.391, S. 511). 

Aus dem oben zitierten Brief an Wolff erfahrt man uberdies, wel- 
che Versform und Liedart fur das im Bankelsangerton gehaltene 
Gedicht Muster waren. Es ist nicht Blumauers »Aeneas travestiert«, 
der erst 1784 erschien, sondern erstens die Aeneas-Travestie von 
Johann Benjamin Michaelis, erschienen 1771, wie Schneider a.a.O. 
I, S. 196, nachwies (vgl. auch C 377) und zweitens das Kirchenlied 
»Erschrecklich ist es, daB man nicht der Hollen Pein betrachteU. 
Wie ich zu IV 507, 28 nachwies, stammt dieses Kirchenlied von 
Johann Rist, erschienen in »Neuer Himmlischer Lieder Sonder- 
bahres Buch ...«, Liineburg 1651, 5. Abt., S. 268: »Das Erste Lied. 
Ernstliche Betrachtung der grausahmen Gefangnisse und des gahr 
abscheulichen Ohrtes der H611en«. 

Rezensionen: Das Gedicht wurde beifallig aufgenommen (vgl. IV, 
Nr. 382, S. 506); die »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen« 
urteiken in der oben zitierten Rezension: »Den BeschluB dieses Stiicks 
macht ein acht komisches Gedicht iiber die verungliickten schwim- 
menden Batterien, dessen Verf. unseres Bediinkens mit volligem 
Rechte auf die in der Vorrede erwahnte Erweiterung im Plane des 
Magazins Anspruch machen konnte.« 



206 UNXERHALTSAME AUFSATZE 

427 13/. Emanuelem Candidum, Candidal en Poesie allemande: Zu 
Lichtenbergs Schriftsteller-Pseudonymen vgl. zu 205, 9. Ober 
seine Verwendung des Ausdrucks Kandidat vgl. zu 261, 3 of.; 
s. auch die ahnliche Wendung 273, 21, - 23 Saulen des Herku- 
les: lat. Columnae Herculis, nach altgriech. Anschauung ver- 
schiedene Randpunkte des Erdkreises, die Herakles aufgerich- 
tet haben sollte, vor allem an der Strafle von Gibraltar. - 24 
Elliot: George August Elliot, Lord Heathfield (1717-1790), 
engl. Heerfuhrer, diente lange Zeit in Deutschland, 1743 bei 
Dettingen verwundet, 1776 engl. Gouverneur von Gibraltar, 
das er 1782 gegen Franzosen und Spanier erfolgreich verteidigte. 

428 2 Don Alvarez: Martin Alvarez von Sotomayor (1 714-18 19), 
spanischer General, der die Blockade von Gibraltar leitete. - 
i8Crillon: Louis de Berton, zweiter Due de Crillon, erster Due 
de Mahon (171 8-1 796), frz. Heerfuhrer, seit 1762 in spanischen 
Diensten; auf seinen Rat hin versuchten sich die Spanier 1779 
Jamaikas, Minorcas und Gibraltars zu bemachtigen. - 29 
Sulpher: Sulphur: Schwefel; Lichtenberg gebraucht den Be- 
grirfauch 648, 28. 

429 if von Lissabon die Stosse: Anspielung auf das Erdbeben von 
Lissabon 1755. Lichtenberg erwahnt es auch 571, 1. 764, 22f. - 
7 Wolli* keine MausfaW stehen: Za* dem Gedanken vgl. F 482. - 
14 Derjungst ... Minorka nahm: Crillon eroberte am 5. Februar 
1782 Fort San Filippo auf Minorka, nachdem er es 29 Tage 
bombardiert hatte. - 21 Quartblatt: Vgl. zu 257, 16. - 29 Rod- 
neys Siege: Georges Brydges Lord Rodney (1719-1792), engl. 
Admiral und Seeheld, siegte am 16. 1. 1780 bei St. Vincent 
tiber die spanische Flotte unter Langara, am 12. 4. 1782 in der 
Seeschlacht bei St. Domingo iiber die Franzosen. Lichtenberg 
spielt darauf in den Briefen (IV, Nr. 311, S. 436) an. 

430 10 sumsten: Zu diesem Ausdruck vgl. B 346 und die Anm. 
dazu. - 14 d'Arcon: Jean Claude Eleonore d'Arcon (1773-1800), 
frz. Ingenieur; Konstrukteur der »Schwimmenden Batterien« 
vor Gibraltar. Lichtenberg erwahnt ihn auch in den Briefen 
(IV, S. 470. 471. 473. 507). - is Jungfer Jeanne d'Arc: Jungfrau 
von Orleans, Selbstbenennung : Jeanne la Pucelle (1410-1431), 
befreite Frankreich von den Englandern und fuhrte Konig 
Karl VII. nach Reims zur Kronung. Voltaire gab in dem Epos 
»La Pucelle d' Orleans « (1759) eine antiklerikale Travestierung 
des legendaren StofFes. - 18 Die Mode setzte $on statt con: »in 
der Strophe von d'Arcons Genealogie stund eigentlich: Die 
Sittsamkeit setzt' c,on statt con, freilich viel praziser, allein die 
Sittsamkeit strich ihren eigenen Namen wieder weg«, schreibt 
Lichtenberg an Wolff (IV, Nr. 385, am 1. Mai 1783 S. 507). 
con - frz. Fotze, Dummkopf. - 21 Habichtsnas: Lichtenberg 
gebraucht den Ausdruck auch 441, 10. 952, 7. 1013, 3of. ; vgl. 



SCHWIMMENDE BATTERIEN 207 

im iibrigen F 84. UB 48 und Briefe (IV, S. 525). - 30 Batteux: 
Abbe Charles Batteux (1713-1780), beriihmter frz. Literatur- 
kritiker mit grofiem EinfluB auf die dt. Literaturasthetik: 
»Traite surles Beaux-Arts« (1746), ubers. von Ramler. Lichten- 
berg erwahnt ihn auch 599,6. 914,2. -sif.denVirgilium ...bet 
ihm gehoret: Batteux lehrte Griechisch und Lateinisch am 
College Royal in Paris. Ober Vergil vgl. zu A 82. 

431 14 ff. ein hohles Pferd von Nurnberg ... Pfetfchens in dem Steifi: 
Von dieser Spiel ware, fur die Nurnberg seit dem Mittelalter 
beriihmt war, redet Lichtenberg auch in Briefen (IV, S. 44). 
Zu »Nurnberger Ware« vgl. zu 192, 23. -23 Maro: Gemeint 
ist Vergil, dessen vollstandiger Name lautet: Publius Virgilius 
Maro. - 25 Cachelot: Pottwal. 

432 3 CarVn: Karl III. Konig von Spanien seit 1759 (1716-1788), 
regierte im Geist des aufgeklarten Absolutismus ; unterstutzte 
Frankreich im Siebenjahrigen Krieg und im nordamerikani- 
schen Unabhangigkeitskrieg gegen England. - 1$ Calpe- 
Ararat: Auf dem Ararat ist nach der Oberlieferung Noahs 
Arche gelandet. - 31 wie Lessing sagt: »Nun gut, ich fahre fort/ 
Und sag, um wirklich fort zu fahren«, schreibt Lessing in der 
Fabel »Der Eremit«, erschienen in den »Fabeln und Erzahlun- 
gen« 1752. Lichtenberg erwahnt diese Fabel auch C170; iiber 
Lessing vgl. zu KA 63. 

43 3 4 aus Herm Silberschlag : Johann Esaias Silberschlag ( 1 7 1 6-1 79 1 ) , 
seit 1769 Oberkonsistorialrat und Oberbaurat, Prediger und 
Realschuldirektor in Berlin, schrieb erne kuriose »Geogenie 
oder Erklarung der mosaischen ErderschafFung nach physika- 
lischen und mathematischen Grundsatzen«, erschienen Berlin 
1780 in 2 Banden und einem Supplementband 1783. Lichten- 
berg spielt auf den zweiten Band an, der im 3. Abschnitt, S. 63 
bis 97, »Von dem Archenbaue« handelt und § 90-97 die Arche 
rekonstruiert und 2 Zeichnungen beifiigt. Lichtenberg erwahnt 
ihn auch in den Briefen (IV, S. 822). - 23 Gala-Tag: Zu dieser 
Wortbildung vgl. zu 223, 15; die gleiche Wortbildung begeg- 
net auch 847,22. 917, 11. 86 r, 11. - 33 Michalis Rezension: 
Michaelis besprach Silberschlags »Geogenie«, Teil 2, in der 
»Orientalischen und Exegetischen Bibliothek«, Achtzehnter 
Theil, Frankfurt am Main 1782, S. 1-51. Ober Silberschlags 
Archen-Berechnungen laBt er sich ebenda S. 24-32 aus. Ober 
Johann David Michaelis vgl. zu KA 212. 

434 4 Kreitenstrich: Zu dieser Schreibweise vgl. zu E95; s. auch 
785, 26.-10 in Parenthesi: in Klammern, nebenbei (gesagt). - 
14 Howe: Ober Richard Howe vgl. zu F 802. Lichtenberg er- 
wahnt ihn auch in einem Brief an Schernhagen (IV, Nr. 351, 
S. 482-483) vom 14. November 1782. Im ROTEN BUCH, 
p. 80, schreibt Lichtenberg ubrigens : »Die Seeschlacht vom 



208 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

Lord Howe hatte Herschel auf dem Monde sehen konnen. bey 
der Gelegenheit konte etwas von der Aussprache des Worts, 
aus dem Gedicht auf Gibraltar. O. O. O weh. O weh. Au Au.« - 
20 Bath: Vgl. zu 358, 1. 

435 13 Herkuls Saulen: Vgl. zu 427, 23. 

436 55 La Pastora: span, die Hirtin. 

437 20 Dreckstadt ... Parts (Lutetia): Lutetia Parisiorum: antiker 
(keltischromischer) Name von Paris; s. auch 711, 1. -32 spatf- 
sche Fliegen: volkstUml. Name fur die Pflasterkafer, seit dem 
MA sind ihre getrockneten Leiber (Kanthariden) arzneilich 
verwendet, insbesondere ah Aphrodisiacum. 

438 2 Curtis: Roger Curtis (1746-1810), Sir, engl. Marineoffizier, 
der sich bei Gibraltar auszeichnete. - 6 St. Ludwigs-Orden: 
Dieser hochste franz, Orden fur kriegerische Verdienste wurde 
1693 gestiftet. - 16 Piirschchen: Pursche: Bursche; im i8Jahr- 
hundert noch gebrauchliche Schreibweise des von lat. bursa 
abgeleiteten Wortes, das urspriinglich den Bewohner einer 
studentischen Borse bezeichnet und spacer aus der Studenten- 
in die Umgangssprache ubergegangen ist. - 16 wie gedrechselt: 
Diese Wendung begegnet auch 441,8. 578,28. 622,19. - 
28 Babel: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 66, 37. - 30 Georgs Fels: 
Gibraltar, so umschrieben nach Georg III., Konig von Eng- 
land; iiber ihn vgl. zu D 79. 

439 2LudwigsBruder: Graf von Artois; iiber ihn vgl. ZUJ1206; sein 
Bruder ist Ludwig XVI. ; iiber ihn vgl. zu J 564. 



KRIEGS- UND FAST-SCHULEN DER SCHINESEN 



Erstueroffentlichung und Satzvorlage: »Von den Kriegs- und Fast- 
Schulen der Schinesen, nebst einigen andern Neuigkeiten von daher.« 
In: »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1796, S. 121 -146. Eine Hand- 
schrift des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Im ROTEN BUCH, S. 95-96, stehen zwei Ein- 
tragungen Lichtenbergs, die ich unbedingt auf den vorliegenden 
Aufsatz beziehe: »In dem Calender ja einen Artickel von Luxus und 
den Moden zu erdichten. Goldne Ringe in Nase Lochern. Auch der 
Auctions Catalogus ware da vielleicht zu niitzen.« Und anschlieBend : 
»Aus einem Journal des Luxus und der Moden. In der Satire [?] konte 
gesagt werden xtausenfd] xhundert und x und xzig, wo <y gar> 
(anders, denn x bedeutet doch auch« und vollends S. 96: »villeicht 
konte es aus China mit Lord Macartny[s] Butler. Butler tragt keine 
Livree, als auf der Nase (besser).« 



KRIEGS- UND FAST-SCHULEN 209 

Was die Erwahnung Lord Macartneys betrifft, so spielt Lichten- 
berg damit auf dessen Gesandtschaftsreise nach China in den Jahren 
1792 bis 1794 an. Sie wurde von Aeneas Anderson und George 
Staunton beschrieben und 1795 beziehungsweise 1797 publiziert 
(vgl, auch L 353. 819. 821). Obersetzungen beider Reisebeschreibun- 
gen erschienen bereits 1795 beziehungsweise 1797 in deutscher 
Sprache. 

In den Notizen des ROTEN BUCHS haben wir die Keimzelle 
der Satire zu sehen, die von der urspriinglichen Tendenz gegen Mo- 
den und Luxus (die Formel des zeitgenossischen Journals aufgreifend) 
in dem Artikel »Von Kriegs- und Fast-Schulen der Schinesen« vollig 
abgekommen ist und diesen Gedanken in »Ein neuer Damen-Anzug, 
vermutlich in Indien« verwirklichte. Dafi beide Aufsatze eng zusam- 
mengehoren, fmgiert Lichtenberg durch die Gestalt des Bericht- 
erstatters, des Butlers. Der Auktions-Katalog schlieBlich hat sich 
vollig selbstandig gemacht (s. dazu unten S.212). 

Dementsprechend ist Schneider zu revidieren, der a. a. O. Bd. I, S. 
246, als Keimzelle dieser Satire K 291 bezeichnet: es handelt sich viel- 
mehr um die Fixierung des neuen Gedankengangs, der jetzt dem Auf- 
satz das Geprage gibt. Das Datum der Niederschrift des Kalender- 
Artikels ergibt sich ubrigens prazis aus SK 807, vom I.August 1795: 
»Ich schreibe viel am Kalender. Tsing long.« Der Sinn dieses letzt- 
genannten Wortes ergibt sich aus S. 442. 

Wie sehr Lichtenberg Nationalcharakter und Kultur des chinesi- 
schen Volkes zeitlebens und entsprechend der Vorliebe seiner Zeit 
fiir >Chinoiserien< beschaftigt hat, erhellt auch daraus, da6 er im 
Taschen-Kalender mehrfach Artikel iiber chinesische Besonderheiten 
verofFentlichte : »Art der Chineser, Perlen zu machen« (GTK 1778, 
S. 70 f.) ; »Abschieds Complimente der Chineser« (GTK 1779, 
S. 63 f.) ; »Wie die Schinesen ihr groBes Papier verfertigen« (GTK 
1796, S. 169-171). Im ubrigen s. zu 440, 1. 



440 1 Schinesen: Diese im i8.Jh. ofFenbar gebrauchliche Schreib- 
weise begegnet auch GTK 1796, S. 169: »Wie die Schinesen 
ihr groGes Papier verfertigen«; s. ferner 52, 16. - 4 So lange ich 
iiber Volker zu denken im Stande: Der >V61kerkundler< Lichten- 
berg wird aus der Fulle von Reisebeschreibungen ersichtlich, 
die er las und exzerpierte und die ich im Kommentarband zu 
Bd. 1 und 2 zusammengestellt habe; im ubrigen s. Albert 
Schneider: Lichtenberg ethnopsychologue. In: Revue de 
psychologie des peuples 10 (i955)» S. 347-367. - $f. die 
Schinesen das weiseste ... Volk: Ober die Chinesen auBert sich 
Lichtenberg auch KA43. 109. no. in. B 69. 122. 411. 412. 
C194. D52. 373- <553. F 34- 827. 848. G 83. J 867. L 278. 353. 
398. RA 18. 152. 153. 154. 168. 178. - 22 das hdtten wir langst 



210 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

vergessen: Zu dieser Wendung vgl. D 640. - 23 Ruckwarts- 
erfinden: »RUckwarts hersagen« bildet Lichtenberg in L241; 
»Riickwarts erziehen« in L 377. - 27/. Verfassung itn Staate, so 
wie im Hause: Vgl. iiber das Ordnungsprinzip des chinesischen 
Staats- und Hauswesens RA152. 168. - 2gf. Strumpfwirkerstuhl 
und der Englischen Spinnmaschine : J. Kay erfand 1733 den 
Schnellschiitzen, 1738 L. Paul eine Spinnmaschine mit Zylin- 
derstreckwerk, E. Cartwright 1785 den mechanischen Web- 
stuhl. i769schufR. ArkwrighteineFlugelspinnmaschine; 1767 
mechanisierte J. Hargreaves das Handspinnrad und schuf die 
nach seiner Tochter benannte Jennymaschine. S. Crompton 
baute 1779 die kombinierte KJubmaschine. 

441 8 wie gedrechselt: Zu dieser Wendung vgl. zu 438, 16. - 9 a 
Vceuf d'autruche: wie StrauBeneier. - 10 Habichts-Nasen: Vgl. 
zu 430,21. - 12 J. zweimal funf ist dreizehn: Diese Wendung 
begegnet ahnlich auch B 242. - 14 Quantong: chines. Kuang- 
tung, verballhornt zu Kanton; Hauptstadt der gleichnamigen 
chin. Provinz: das chines. Tor des Siidens; offnete sich als 
einzige Stadt Chinas seit dem i6Jh. dem Fremdenhandel. - 
16/. Kopemikanische System: Ober Kopernikus und sein System 
vgl. zu H 148 ; vgl. ferner den Aufsatz iiber Kopernikus S. 138. - 
28 Deutsche Hexameter: Vgl. zu 296, 14. - 31 f. Nachricht . . . von 
einem gewissen Herrn Sharp: gewiB fiktiver Gewahrsmann 
Lichtenbergs. Lichtenberg erwahnt ihn auch in dem Aufsatz 
»Ein neuer Damen-Anzug..« (GTK1796, S. 146-159). Zu der 
Fiktion des englischen Berichterstatters vgl. zu 451, 4. -55 Ge- 
sandtschafts-Reise nach Schina: Dazu vgl. oben S. 209. -34/. eng- 
lischen Butlers ... keine verdchtlichen Menschen: Dazu s. oben S. 
209. - 37 f. Nase ..., die ... den Purpur des Standes anzieht: Zu 
diesem Ausdruck vgl. auch 987, 33. 1000, 22. 

442 if. Schule zu Harrow auf der Hohe: Die 1571 gegriindete 
Harrow School gait und gilt als eine der exklusivsten Schulen 
Englands. - 2/. in Cambridge ... studiert: nach Oxford das be- 
riihmteste College in England, gegriindet 1229. - 4 Filtrum: 
Vgl. zu J 780. Von »Filtrier-ProzeB« redet Lichtenberg 987, 25. 
- 4/ neun und dreifiig Artikel: Artikel der anglikanischen 
Kirche; die nach dieser Kirche wesentlichen Punkte der 
christlichen Lehre wurden 1562 aufgestellt. - gf. einem unsrer 
Freunde ... zu Cambridge: auch vermutlich Fiktion Lichten- 
bergs; s. aber zu 442, 37.-20 die Stunden ruft ein Guguk: Vgl. 
zu dieser Wendung J 582. - 22 Hazardspiele: Gliicks-Spiele; im 
i8.Jh. vorzugsweise L'hombre, Pharao, Whist und Tarock, 
Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch 883, 15. 1017, 10. 
1020, 10; ferner G 48. Hi und Briefe (IV, S. 867). - 23 /. Toll- 
h'duser . . . die Wande . . . bemalt: Diese Wendung begegnet auch 
GH 40. - 26 welches, wie ich: von mir verb, aus: welches ich, wie 



KRIEGS- UND FAST-SCHULEN 211 

ich. - 2j Quadratur des Zirkels: Unter Quadratur des Kreises 
versteht man die - unlosbare - Aufgabe, durch eine Konstruk- 
tion allein mit Zirkel und Lineal in einem endlichen Teil der 
Ebene einen vorgegebenen Kreis in ein flachengleiches Quadrat 
uberzufuhren. - 28 ein so genannter Trappenfufi: wohl nach dem 
als Leckerbissen geltenden Vogel Trappe; der Ausdruck 
Trappenfufi fehlt in Grimms Worterbuch. - 29 Spadille: im 
L'hombre Pik-As, das stets hochster Trumpf ist. Einen ahn- 
lichen Vergleich stellt Lichtenberg K 248; s. auch 813, I4f. - 
34 sieben undjunfzig Meilen (funfzehn Deutsche): Eine Deutsche 
Meile betrug 7420,4 m. - 36 Tsing-Long: Diesen Ausdruck 
notiert Lichtenberg auch SK 807 ; sicherlich die scherzhafte 
phonetische Schreibung des engl. Thing long: langes Ding. - 
3J Wang-o-Tang: Den Chinesen Whang at Tong erwahnt 
Lichtenberg in RA153. - 38 beim Kapitdn Blake in Parlement- 
Street gesehen: Auch dies entspricht vermutlichdenTatsachen: 
vgl. RA18 und die Anm. dazu. 

443 6 das r nicht aussprechen: Hier iibertragt Lichtenberg womoglich 
eine von ihm notierte Spracheigentiimlichkeit Omais auf den 
Chinesen: vgl. RT26 und 344, 2 if. - 7/ military ... starving: 
Militar-Akademien zur Erlernung der Kunst des Hungerns. - 
13 Pfeifenkopf: Von einem meerschaumenen Pfeifenkopf 
spricht Lichtenberg J 678. - 13 j. Smith im Cajus Collegio aus dem 
Haag: Diese Passage ist vermutlich Fiktion Lichtenbergs, jeden- 
falls in ihren Anspielungen dunkel. - 29 quasi in nuce: wie in 
einer NuBschale. - 33 ff. Aktiv-Krieg ... Passiv-Krieg: 2m dieser 
und ahnlichen von Lichtenberg gepragten Wendungen vgl. zu 
D 98; s. auch 822, 1. 861, 23. 980, 36. - 33 besitzt noch einige 
Schriftziige von ihm: Vgl. ebenfalls RA153 und die Anm. dazu. 

444 28 D-Your Polit: Damned: verflucht, verdammt; iiber diesen 
brit. Nationalfluch vgl. zu F 319. Polit soil vermutlich Politics: 
Politik heiBen. - 38 Anm. d. Herausg.: i.e. Lichtenberg. 

445 29 Federharz: Vgl. zu 66, 9. 

446 i6f. Kriegsphilanthropine: Philantropinum: >Werkstatte der 
Menschenfreundschaft<, so nannte Basedow die erste Reform- 
Anstalt dieser Art, die er 1774 in Dessau erofFnete. Lichtenberg 
verwendet den Begriffauch F 403. 448. 857. 1070. 

447 isf- unseren Lenten alles Denken, so wie ... der Biene, dem Biber 
und der Kreuzspinne: Das Gleichnis von der ingenieusen, aber 
verstandlosen Biene begegnet auch B 119. E 470. J 718. L 955. 
956; im ubrigen vgl. zu 259,24. Zum Gleichnis vom Biber 
vgl. D 335. K 291; zu dem von der Spinne vgl. B119. C 226. 
E 509. J1155. L 952. 956. Uber die groBe Abrichtungsfahigkeit 
des Menschen reflektiert Lichtenberg Lioo; s. auch 980, 21. - 
18 Instinkt-Menschen: Ober den Instinkt des Menschen reflek- 
tiert Lichtenberg auch D 413. E 427. 460. F 614. J 78. 281. 761. 



212 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

L 309; im ubrigen s. S. 505-507. - 21 exkoliert ... die Vernunft: 
von lat. excolere: pflegen, fordern, verehren. Diese Wendung 
begegnet auch D 267. - 35 Instinkt und Kunsttrieb . . . verschmel- 
zen: Zu dieser Wendung vgl. auch 449, 9. Zu dem BegrifFvgl. 
zu A 58. - 38 You impertinent puppy You: Ihr impertinenter 
Fant, Ihr. - 38 Anm. d. H,: i.e. Lichtenberg. 

448 1 Menschen hohere Tierarten: Zu dieser Metapher vgl. zu 
B 185 ; s. auch 449, 7. 505, 21 f. - p Philosopkanten und Physikan- 
ten: Die letztere Wortpragung notiert Lichtenberg im ROTEN 
BUCH, S. 70. - 12 Kunsttieren: Dazu vgl. J 1074. K291. - 
15 Genickfang: das Abnicken, Aufbrechen und Zerwirken des 
Wildes mit dem Genickfanger genannten feststehenden Mes- 
ser. - 27 Passivkrieges: Vgl. zu 443, 33 fF. 

449 6 wegwerfen, und: entsprechend Lichtenbergs >Verbesserungen< 
(GTK 1796, S. 220) von mir korrigiert aus: wegwerfen und. - 
7/. was eine weise Regierung aus dem Menschen machen kann: Dazu 
vgl. K 291. - p Vernunft zu Kunsttrieben zu verschmelzen: Vgl. 

ZU447, 35. 

450 6 Bumper: Humpen, groBes Glas. - 7/. here . . . Etern . . . : Hier ist 
Euer >Gott erhalte den K6nig<. Zum Teufel mit Euren Tsing- 
longs in alle Ewigkeit. - 10 God save de King: engl. National- 
hymne, 1743 nach einem von J. Bull 1619 vielfach variierten 
Thema angeblich von H. Carey gedichtet und komponiert. - 
21 Artikel: von mir geandert aus: Artikel:; der Doppelpunkt 
verweist in der Satzvorlage auf den Aufsatz: »Ein neuer 
Damen-Anzug, vermuthlich in Indien«, erschienen ebenfalls 
im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1796, S. 146-159. 



VERZEICHNIS EINER SAMMLUNG VON GERATSCHAFTEN 



Erstvetqffentlichung und Satzvorlage: »Verzeichni6 einer Sammlung 
von Gerathschaften, welche in dem Hause des Sir H. S. kunftige 
Woche offentlich verauctionirtwerdensoll. (Nach dem Englischen.)« 
ErstverofTentlicht im »Gottinger Taschen Calender « fur 1798, S. 154 
bis 169. Eine Handschrift des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: In dem ROTEN BUCH, S. 96, notiert Lichten- 
berg: »Der Auctions Catalog steht H. p. 8, 9, 34pp.« Diese Notate aus 
dem Sudelbuch H sind bedauerlicherweise nicht iiberliefert. Jedoch 
beweist Lichtenbergs Vermerk, daB die Keimzelle zu diesem Artikel 
bereits in die Jahre 1783 oder 1784 zu datieren ist. Im ubrigen vgl. 
oben S. 208. Die Niederschrift erfolgte vermutlich in den Wochen 
des August oder September 1797. Im ubrigen vgl. J 714. L 398 und 



SAMMLUNG VON GERATSCHAFTEN 213 

958, I4ff; femer Lichtenbergs Brief an Tychsen (IV, Nr. 729, S. 969) 
vom 21. November 1797 und an Agnes Wendt (IV, Nr. 733, S. 974) 
vom 16. Dezember 1797, in dem er schreibt: 

»Der Himmel gebe nur, daB Ihnen bei meinem Kalender der alte 
Stammvater dieser kleinen Race, ich meine der hinkende Bote, nicht 
einfallt. Der Artikel von der Wurst und der Auktions-Katalog hat so 
was von jenem Ahnherrn.a 



451 2 Sir H. S.: Hans Sloane; s. Z. 16 und die Anm. dazu. - 4 Nach 
dem Englischen: »Ich meine es mufite dabei gesagt werden: aus 
dem Englischen, dieses gabe Sicherheit und deswegen Leichtig- 
keit« schreibt Lichtenberg K4; s. auch 441,31 und unten 
S. 229. - 6f bei meinem Aujenthalt in England: Gemeint ist 
Lichtenbergs zweiter Aufenthalt in England vom 25. Septem- 
ber 1774 bis zum 7. Dezember 1775. -7 in einer Bibliothek aufdem 
Lande: Gemeint ist wohl die Bibliothek aufdem Landsitz von 
Wrest, wo sich Lichtenberg vom 26. Mai bis Anfang Juli 1775 
aufhielt; s. RA 40. DaB Lichtenberg die Bibliothek benutzte, 
geht etwa aus RA 52 hervor. - 8 Swifts Werken: Ober Swift vgl. 
zu KA152. -10 in the manner of Dr. Swift: Vgl. oben S. 103 ff.- 
11 Der Besitzer der Bibliothek: Lord Alexander Polwarth; iiber 
ihn vgl. zu E 44. - 1 6 Sir Hans Sloane: Ober ihn vgl. zu KA 72 ; 
seine Sammlungen werden auch E 4. 7 erwahnt. Sie wurden 
1753 nach seinem Tode vom engl. Staat angekauft. - 1$ Mar- 
lowe: vermutlich von Lichtenberg fingierter Name. - 34 Briti- 
schen Museums: Bibliothek und Museum in London, 1753 
durch Parlamentsakte gegriindet. Die Bibliothek entstand 
1753 -1759 aus der Zusammenlegung der beruhmten Biblio- 
theken von Hans Sloane, Cotton, Harley. 

452 6f noch uiel niedriger gedichtet: Ein Beispiel von Swifts >unnatig< 
niedrig-komischer Manier notiert Lichtenberg in B 43 ; s. auch 
Lichtenbergs Meinung iiber Swift G 121. - 19 Ein Messer ohne 
Klinge: »Der Verfasser jenes Verzeichnisses hat sich vermutlich 
vorgestellt, die Messer bestanden aus Stiel und Klinge, wie der 
Mensch aus Leib und Seele. Doch ware auch diese Vorstellung 
praktisch nicht ganz richtig, da z.B. unsere beiden Herrn 
Nachbarn Blume und Bodiker, wo nicht geradezu Menschen, 
doch Leute machen, denen jene beiden Requisita fehlen«, 
schreibt Lichtenberg an Tychsen (IV, Nr. 729, S. 969) am 
21. Nov. 1797. - 21 Repetier-Sonnenuhr: Von >Repetier-Uhr< 
spricht Lichtenberg J1856. - 26 Chaise per se ... percee: Diese 
Wendung ist J 1 146 entnommen; Chaise percee: Nachtstuhl; 
per se: fur sich. - 27 Dusch: Tusch; s. auch 644, 6. - 29 too 
Guineen: Vgl. zu 40, 35. - 35 Gueridons: Nipptischchen. - 
36 Methodisten: Vgl. zu 193, 2 if. - 36 Betschwestern: Diesen 



214 UNTKRHALTSAME AUFSATZE 

Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 704, 5. 745, 26. 805, 14. 
850, 21. 858, 22. 937, 20; im iibrigen vgl. zu E 448. 

453 1 Imperial-Bett: Imperiale nannte man im 16. und I7jh. Dacher 
von Pavilions, deren Form an die der Kaiserkrone erinnerte, 
und im ubertragenen Sinn auch ahnlich geformte Himmel- 
betten. - 1 Qrofiveziere: in den islam. Landern der leitende 
Minister. - 5/ Instrumenten, diejuden zu bekehren: Ober Juden- 
bekehrungen vgl. Lichtenbergs erste verofTentlichte Satire 
»Timorus« und oben S. 82 f. - 5 totem Marocco: Gemeint ist: 
Marokkoleder (Maroquin). - 8 hinaus: von mir verb, aus: 
hinans. - 14 Konigl. Sozietat: Vgl. zu 41, 20. - i6jf t Trumpf- 
zdhler ... Schrittzahler: Zu dieser Wortpragung und zu dem 
Gedanken vgl. J 1563 ; den Ausdruck »Schrittzahler« gebraucht 
Lichtenberg auch F 170. 

454 4 Festons: Schmuckmotiv in Form eines Gehanges aus Bandern, 
Blumen, Fruchten und Laubwerk; seit der Antike in Baukunst, 
Kunstgewerbe und Malerei sehr beliebt. - 10 Lombre- und 
Tarock-Karten: L'hombre: ein von den Spaniern inderMitte 
des I5jhs. erfundenes Kartenspiel, im 18. Jh. auch in Deutsch- 
land popular, spater vom Skatspiel verdrangt. Hochster 
Trumpf - Spadille - ist das Pik-As. Tarock : Kartenspiel, von 
drei Personen mit der Tarockkarte gespielt. - 13/ antiken 
Trdnen-Fldschchen: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch D 634 und L218; s.auch 807,28. - 25 Cranii: Schadel 
(Gen.). - 2$ osteologist: knochenkundlich ; s. auch J 113 5. -32 
Ckapeaux: Ober diesen Ausdruck vgl. zu 254, 29. 

455 7/- Kind mit zwei Kbpfen ... vier Armen: Diese Wendung er- 
innert an Lichtenbergs Beschaftigung mit dem »Doppelten 
Prinzen« s. 470, 36f. 944, 7,-18 Diebs-Lateme: Blendlaterne.- 

25 in schwarzen Korduan mil goldenem Schnitt: Diese Wendung 
zur Umschreibung erotischer Literatur gebraucht Lichtenberg 
auch 478, 34. 502, 32f.; s. ferner in den Briefen (IV, S. 731). - 

26 Eton und Westminster: Das Eton-College, gegr. 1440 von 
HeinrichVI., ist die groBte und angesehenste der Public 
Boarding Schools Englands; Westminster-College, 1560 von 
Queen Elisabeth auf neue Richtlinien gestellt, eine der beriihm- 
testen engl. Public Schools, bis 1868 durch die Westminster- 
Abtei verwaltet. - 2p concubinium: Konkubinat. - 30 connu- 
bium: Ehe. - 30 commercium) animae et corporis: Verkehr der 
Seele mit dem Leibe. Diese Wendung gebraucht Lichtenberg 
auch 228, 7. -34 vorherbestimmte Harmonie: Verdeutschung von: 
harmonia prastabilita ; von Leibniz gepragter Begriff, sein 
theologisches Weltbild bestimmend. Lichtenberg gebraucht 
den Begriff auch 480, 10. 

456 p Goldschlager-Haut: Vgl. zu 67,9. - i2follis infinitus: unbe- 
grenzter lederner Schlauch: Blasebalg. - 13 Schraube ohne Ende 



REDE DER ZIFFER 8 21 5 

(cochlea injinita): Diese Wendung ist J434 oder K243 ent- 
nommen. - 15 Peinliche Halsgerichts-Ordnung: Vgl. zu 218, 11. - 
1 6 Habeas Corpus Akte: »Du habest den K6rper«. Engl. Staats- 
grundgesetz von 1670, das vorsieht, daB niemand ohne richter- 
liche Untersuchung und Anordnung in Haft genommen oder 
gehalten werden darf, und das gerichtl. Verfahren in Haft- 
sachen festlegt. - 19 Maultrommel: Ober dieses Musik-Instru- 
ment des i8.Jh. vgl. zu 422, 10. - 20 Petrefacta: Versteinerun- 
gen. Zu diesem von Lichtenberg haufig gebrauchten Ausdruck 
vgl. zu 155, 2 9* - 21 Pectiniten: Pectinidae: Familie der Kam- 
muscheln, die schon im Silur nachweisbar sind. - 21 Terebratu- 
liten: Gattung der ArmfiiBer; mit vielen, als Leitfossilien wich- 
tigen Arten. - 2$ ein Stuck echten Granits: Diese Gesteinsart, 
»die Grundfeste unserer Erde« (Goethe), wurde in den neunzi- 
ger Jahren des i8.Jh. in der Folge der revolutionierenden geolo- 
gischen Theoriebildungen sozusagen >neu entdeckt<. - 26Aleph: 
Anfangsbuchstabe (a) des hebraischen Alphabets. - 31 Herrn, 
der seine Lander auf dem Berge Libanon: Vgl. zu 227, 32f. - 
38 Polemoskop: spaBhafteBildungLichtenbergs: Kriegs-Seher. 
457 6f. Makulaturfressern: Vgl. zu 377, 26. 



REDE DER ZIFFER 8 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Rede der Ziffer 8 am jungsten 
Tage des 1798 ten Jahres im groBen Rath der ZirTern gehalten. « 
ErstverorTentlicht im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1799, S. 83 
bis 1 1 1 . Eine Handschrift des Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Die Keimzelle dieses Kalender- Artikels findet sich 
zweifellos in L 366; vgl. aber auch L 180 und 517. Die Ziffer 8 war 
iibrigens auf Grund ihrer arithmetischen Eigenschaften im Altertum 
besonders angesehen und gait wie die 3 als eine vollkommene Zahl, 
die eine groBe Rolle in Mythos, Marchen und Religion spielt ; s. auch 
Lichtenbergs Sprachspielerei mit der Ziffer Acht in K 2. 

Wahrend Lichtenberg in SK 999 notiert, daB er am 13. September 
den Kalender fiir 1799 geendigt habe, geht aus seiner FuBnote S. 458 
hervor, daB dieser Artikel bereits im Juli 1798 »abgedruckt« war. 

Weitere Hinweise auf die Niederschrift des Artikels und seinen 
Inhalt begegnen in den Briefen (IV, S. 988. 991-992. 993) vom Juli, 
vom 16. und 23. August 1798. 

Literatur: Mautner, o.c.p. 406-409. 



2l6 UNTJERHALTSAME AUFSATZE 

458 2 grofien Rat: Diese Wendung gebraucht Lichtenberg auch 
D 79. E 370. J 13 3 1 ; s, auch 459, 3- - 3 E> ie Nulle ... im Prasi- 
denten-Stuhl: Vgl. zu E 263. - 6f. Touloner Flotte: Von Toulon, 
seinerzeit Kriegshafen fur die frz. Mittelmeer-FIotte, brach 
Bonaparte am 19. Mai 1798 mit seinem agyptischen Expedi- 
tionscorps auf. - 7 Berg Sinai: Vgl. zu 461, 26 ff. - 1 x nach ange- 
stammter Ungleichheit: Diese Rousseau widersprechende For- 
mulierung ist zugleich eine Spitze Lichtenbergs gegen das von 
der Frz. Revolution proklamierte Postulat der >Egalite*<; vgl. 
auch 492, <5fF. 724, 2$€ 756, iff. 786, 35. 875, 37. -17/. ultimo 
Decembris: dem letzten Dezembertag. 

459 3 im grofien Rat: Vgl. zu 458, 2. - 6 Centgraflicher Glorie: An- 
spielung auf denZentgraf, Iat. Centenarius, Vorsitzender des sog. 
Zentgerichts, im Mittelalter ublicher Gerichte fiir die niedere, 
teilweise auch fiir die Blutgerichtsbarkeit. - 7/ tempora mutan- 
tur: »Die Zeiten andern sich«. Der Uberlieferung nach geht 
dieser Ausspruch auf Lothar I. zuruck; der Vers lautet voll- 
standig: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis. - 12 J, Fall 
der alien Bastille ... alien Philosophie: Die Ersturmung der 
Bastille, seit Richelieu Staatsgefangnis in Paris, fand am I4juli 
1789 statt; s. auch 909, 11. SK12; den Ausdruck: »alte Philoso- 
phie« gebraucht Lichtenberg auch L 4. Er meint, wie aus 200, 17 
hervorgeht, die vorkantische Philosophie. -19 mutatis mutandis: 
Vgl. zu 226, 20. - 52/! Schiedsrichterin uber alles Gerade und 
Ungerade: Die Zahl 8 hat die arithmetische Eigentumlichkeit, 
daB sich alle ungeraden Quadratzahlen urn Vielfache von 8 
unterscheiden. - 55/. ohne Ruhm zu melden: Diese Wendung 
findet sich auch in E157. - 36 Gickeln: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu D 238; s. auch 557, 26. 858, 22. 

460 1 apokalyptische Sieben: Die Zahl Sieben spielte bei den Baby- 
loniern, Persern und Juden eine groBe Rolle; in der »Apoka- 
lypse des Johannes^, worauf Lichtenberg anspielt, ist die Rede 
von den »sieben letzten Plagen« (Kap. 15); von dem »sieben- 
kopfigen Tier der Lasterung« (Kap. 13) ; »ErofFnung des sieben- 
ten Siegels« (Kap. 8); »Geheimnis der sieben Leuchter und 
Sterne« (Kap. 1). Lichtenberg selbst spielt haufig mit der Zahl: 
s. etwa B 204, D 324. E 170. 225. 226. L 609; ferner 415, 19. 
469, 10. - 7 ancora: noch. - i8f. wenns hoch kommU so &nds 
achtzig: In Psalm 90, 10 heiBt es: »Unser Leben wahret siebenzig 
Jahr, und wenn's hoch kommt, so sinds achtzig Jahr, und 
wenn*s kostlich gewesen ist, so ist's Miihe und Arbeit gewesen.« 
S. auch 926, 1. -2of. zujakobinem zu machen: Jzkohinet, die Mit- 
glieder des wichtigsten polit. Klubs der Franz. Revolution, 
genannt nach ihrem Tagungsort, dem Dominikanerkloster 
St. Jacques in Paris; nach Robespierres Sturz am 9.Thermidor 
wurde der Jakobiner-Klub geschlossen. In den neunziger 



REDE DER ZIFFER 8 217 

Jahren des i8Js. pflegte die Presse der Gegenrevolution jeden 
Demokraten und ideellen Parteiganger der Frz. Revolution als 
>Jakobiner< zu denunzieren. - joff t Shakespear . . . die Welt damit 
bezeichnete, und die Schaubuhne: Vgl. zu 279, I5f.; iiber Shake- 
speare vgl. zu A 74. 
461 I2grqflen Zehnfingrigkeit: Anspielung auf die territoriale Anne- 
xionspolitik der frz. Republik und die von ihr begangene 
Requisition von Kunstschatzen speziell in Italien und Agypten. 
Vgl. auch L 64 und 469, 23. - 12 Nelson: Ober Horatio Lord 
Nelson vgl. zu SK1026; auf diese Passage spielt Lichtenberg in 
einem Brief an Kastner (IV, Nr. 752, S. 993) vom 23. August 
1798 an. - 16 eine iiber den Wolken vorgefallen: Anspielung auf 
die Schlacht bei Fleurus (1794), bei der die frz. Armee erstmals 
Luftballons einsetzte, die zu ihrem Siege beitrugen. Im »G6ttin- 
ger Taschen Calenders fur 1797 kommt Lichtenberg innerhalb 
des Aufsatzes »Das Neueste von der Sonne; groBtentheils nach 
Herschel«, S. 88, unter den wissenschaftlichenErrungenschaften 
des achtzehnten Jahrhunderts auf die aerostatischen Maschinen 
zu sprechen: »Wer hatte noch vor wenig Jahren geglaubt, da8 
bloB eine genauere Beobachtung der Luftblaschen, die man bey 
manchen Auflosungen bemerkt, dem Menschen einen Weg 
gerade durch die freye Luft iiber die Wolken zeigen wiirde, 
oder ein Mittel, den durch Berge gedeckten Marsch entfernter 
Armeen zu recognosciren, und daB eine fruhere Bekanntschaft 
mit diesen Blaschen die Geschichte der Deutschen um eine ihrer 
schonsten Zierden, die Schlacht bey RoBbach, hatte bringen 
konnen.« Dazu gibt Lichtenberg die FuBnote: »Es ist wahr- 
scheinlich, daB, wenn das franzosische Heer bey RoBbach den 
Luftball gehabt hatte, der ihm bey Fleurus so groBe Dienste 
that, es schwerlich in die Falle wtir-de gerathen seyn, die ihr 
Verderben war.« Vgl. auch 70,26. - 17 f. Durchstecherin der 
Landenge von Suez: Bonaparte beschaftigte sich in der Tat 1798 
eingehend mit dem Plan einer Wiederinbetriebnahme des alten 
Kanals zwischen dem Roten Meer und dem Nil, reiste sogar im 
Dezember 1798 mit Monge und Berthollet nach Suez und 
forderte nach seiner Ruckkehr die genaue Untersuchung dieser 
Frage. - 2$ Bonapartes: Ober Napoleon Bonaparte vgl. zu L 248. 
- 26ff. den Berg Sinai . . . verbreiten: Die Wendung ist L 517 ent- 
nommen; vgl. die Anm. dazu; Lichtenberg gibt die Passage in 
einem Brief an Kastner (IV, Nr. 751, S. 991) am 16. August 1798 
wieder. - 30/. das erste Dezimal-System auf steinernen Tafeln 
gedruckt: Gemeint ist der Dekalog, die nach 2. Moses 20, 2-17 
von Gott auf dem Sinai auf steinerne Tafeln geschriebenen 
Zehn Gebote. - 34 bei Teneriffa: Im Juli 1797 griff Nelson als 
Konteradmiral Teneriffa an und verlor in der Schlacht den 
rechten Arm. - 36 nicht Buonaparte ... schreiben: Dariiber laBt 



2l8 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

sich Lichtenberg in einem Brief an Kastner (IV, Nr. 751, S. 991) 
am 16. August 1798 aus. - 30 Citoyen circoncis: frz. wortlich: 
Burger Beschnittener; also ein Jude frz. Staatsangehorigkeit; 
die Anrede ist von Lichtenberg erfunden, wie aus dem zu 461, 
26 zitierten Brief an Kastner hervorgeht. 

462 3 aboliert: frz. auBer Gebrauch gesetzt; Lichtenberg verwendet 
das Verb auch in den Briefen (IV, S. 295, 19). -3/. neuen Sinus- 
Tafeln: Vgl. L 517. - 4/. Universal-Orographie: griech. >Berg- 
Schreibung<. Zu ahnlichen Wortbildungen Lichtenbergs mit 
Universal- vgl. zu 415, 36. - 14 Citoyenne: Biirgerin. - 20 
Alexander: Ober Alexander den GroBen vgl. zu B408; auch 
720, idf. 765, 14 f. vergleicht Lichtenberg ihn mit StraBen- 
raubern. - 20 Tamerlan: abendlandisch fiir Timur-i Lang (1336 
bis 1405), asiat. Eroberer aus tiirkisiertem mongolischen Haupt- 
lingsgeschlecht, durchzog unter furchtbaren Grausamkeiten 
gegen Christen und Mohammedaner wiederholt Iran und 
Kaukasus. - 20 Pugatscheff: Jemeljan Pugatschew (ca. 1726 bis 
1775), erregte 1773 einen Aufruhr unter den Kosaken im Don- 
gebiet und bedrohte Moskau; 1774 geschlagen und hingerich- 
tet. - 2of. Zigeuner Gallant: Die Lebensdaten waren nicht zu 
ermitteln. - 22 a jour: durchbrochen, licht, locherig. - 32 ff. aus 
dem Reichs- als allgemeinen literarischen Anzeiger ... erseken: Zu 
der Diskussion iiber Ende des 18. und Anfang des I9jahrhun- 
derts vgl. L 460, wo die Zeitschriften aufgefuhrt werden, und 
die Anm. dazu. - 36J, die verba irregularia abzuschaffen: Dieser 
Gedanke ist L 517 entnommen. 

463 30 Luftschlachten: Vgl. zu 461, 16. -33 bevisteren, bephantasieren: 
Zu diesen Wortbildungen vgl. zu 421, 7. - 38/. neufrankischen 
Experimental-Politik: Diese Wendung ist L 322 entnommen; als 
Neufranken im Gegensatz zum ancien regime bezeichnete man 
seinerzeit die Staatsangehorigen der frz. Republik; s. auch 672, 
32. Ober Lichtenbergs politische Haltung s. auch 477» T 9#*. 
488, 11. 

464 p Dionysius: DionysiusExiguus, ein Monch aus Skythien, lebte 
etwa von 500 bis 550 in Rom. Von ihm stammt die bis zur 
Gregorianischen Kalenderreform giiltige Berechnung des 
Termins des Osterfestes und die von Christi Geburt an zu 
rechnende Dionysische Ara, damit also die seit 525 geltende 
christliche Zeitrechnung. Auf Geschichte und Probleme der 
christi. Zeitrechnung kommt Lichtenberg auch in dem »Gna- 
digsten Sendschreiben der Erde an den Mond« 407, 30 ff. 
zu sprechen. -13 praeter propter: etwa, ungefahr. - 30 Dionysius 
Petavius: Denis Petavius (Petau; 1 583-1652), frz. Jesuit in 
Paris, Vater der Dogmengeschichte, wurde durch systemati- 
sche Arbeiten zur Chronologie (bis 533 nach Chr.) bekannt. 
»Tabulae chronologicae« (1628). 



REDE DER ZIFFER 8 219 

465 31 bruta: von lat. brutus: dumm, schwerfallig. - 33/. Der Ge~ 
rechte erbarmet sich auch seines Rindviehes: Dieser Satz geht auf 
Spriiche Salomonis 12, 10 zuriick. Lichtenberg zitiert die 
Spriiche auch 1009, 23iF. 1054, 13 AT. 1055, 37f. 1059, 17 ff. 
1060, 37f. 

466 20 f. Beschneidung Christi: Dieses Fest \vurde in der latein. 
Kirche seit dem 6Jh. am achten Tag nach Weihnachten am 
1.1. gefeiert. - 25 fi der 2$te Mdrz, Lady day, Maria-Verkiindi- 
gung: »Im Februar 1735, nach unserer Art zu zahlen, kamen in 
London an demselben Tage Zeitungen heraus, die das Jahr 1734 
hatten, obglekh denselben Monath, weil sie namlich ihr neues 
Jahr, der alten Gewohnheit nach, erst mit Lady-Day (25.Marz) 
des unsrigen anflengen, und dieses erzeugte folgende allerdings 
merkwiirdige Verwirrung: In derselben Woche erschien in 
London die Rede des Konigs mit dem Datum 1732-3; die 
Addresse des Oberhauses wegen dieser Rede, mit 1732, und 
die der Gemeinen mit 173 3 «, schreibt Lichtenberg in »Vom 
bibliopolischen Jahre« (GTK 1796, S. 195-196). - 34/ anno ... 
milksimo: im ersten, tausendsten Jahr nach Christi Geburt. 

467 24 Ggr.: Abkiirzung fur: Gute Groschen; vgl. zu 239, 12. 

468 16 VielLarm urn nichts: Zitat des Titels von Shakespeares Lust- 
spiel »Much ado about nothings - 19 Herausgebers: i.e. Lichten- 
berg. - 20 Vorstehende Rede ... von unbekannter Hand: Zu dieser 
typischen Fiktion Lichtcnbergs vgl. zu 419, 17. - 24/. willens . . . 
etwas AhnUches ... 1 800 zu sagen: Diese Absicht auCerte Lichten- 
berg bereits in dem Artikel »Trostgrimde fur die Ungliick- 
lichen« (GTK 1793, S. 119) ; im iibrigen vgl. zu L 460. - 28 ter- 
minum a quo: Zeitpunkt, von dem (alles ausgeht). -31 Inset 
Ferro: Durch Ferro, die westlichste der spanischen kanarischen 
Inseln, wurde 1634 der Nullmeridian gezogen. 

469 7/ et sic in infinitum: und so bis in alle Ewigkeit. - 8f. Direkto- 
riums: frz. Directoire, die oberste Regierungsbehorde Frank- 
reichs nach der Verfassung vom 5. Fructidor An III (22. 9. 1794), 
angenoinmen 1795, bestand aus 5 Mitgliedern, die vom Rat 
der Alten aus einer vom Rat der 500 aufgestellten Liste gewahlt 
wurden. - 12 f. wie sie in obiger Rede heifit: S. 460, 1.-14 compte 
rendu: Bericht. — 17 Kollisionen zu vermeiden: Z& diesem Aus- 
druck vgl. zu 548, 8. - 22 Charts von Europa . . . illuminieren: Zu 
diesem Bild vgl. 856, 16-18. - 23 neuesten Volkerrecht: vermut- 
lich Anspielung auf die franzos. Eroberungs- und Annexions- 
politik; vgl. zu 461, 12. - 23/ neueste Bedeutung von Mewn und 
Tuum: Das Wortspiel mit »Mein und Dein«, hier abermals auf 
die franzos. AuBenpolitik bezogen, gebraucht Lichtenberg 
auch in dem Aufsatz »Ein neuer Damen-Anzug, vermutlich in 
Indien« (GTK 1796, S. 151). Vgl. auch G 162 und 1059, 3. - 
24 das politische Ich und Nicht-Ick: Diese antithetische Formel der 



UNTERHALTSAME AUFSATZE 



Fichteschen Philosophic gebraucht Lichtenberg audi 480, 8. 
93<5, 34* 



DASS DU AUF DEM BLOCKSBERGE WARST 



ErstveroffentUchung und Satzvorlage: »DaB du auf dem Blocksberge 
warst. Ein Traum wie viele Traume.« ErstverofFentlicht im »G6ttin- 
ger Taschen Calender « fur 1799, S. 150-180. Eine Handschrift dieses 
Artikels ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Die Keimzelle dieser Traum-Erzahlung ist in zwei 
Bemerkungen des Sudelbuches L zu sehen. L 224 notiert Lichtenberg: 
»Fluche fiir Kinder, Seeleute, Militarpersonen pp.« Diese Notiz ist 
zwischen dem 30.Juli und Mitte August 1797 geschrieben. Die andere 
Bemerkung ist L 548 : »In manchen Gegenden Deutschlands wiinscht 
man Dinge, deren man uberdrussig ist, auf den Blocksberg. Nament- 
lich soil dieses in Westfalen der Fall sein (S. neuste Staatsanzeigen IV. 
B. 2tes Heft p. 142). Auch der Franziskaner-Pater Guido Schultz, der 
in diesem Heft sein Leben erzahlt, wiinschte seine Franziskaner-Kutte 
dahin. Dieses konnte zu einer nutzlichen Dichtung AnlaB geben. Man 
miiBte annehmen, daB an einem gewissen Tage, zum Exempel in der 
Nacht vom 3i.Dezember auf den Iten Janner, alle die Sachen vor- 
gezeigt wiirden, die im verlaufnen Jahre auf den Blocksberg waren 
verwiinscht worden.« Der Gedanke, daraus eine mutzliche Dichtung< 
zu entwerfen, ist zwischen dem I3juli und dem is,ji6. September 
1798 fixiert worden. Da Lichtenberg in SK 999 vermerkt, daB er am 
13. September 1798 den Kalender fiir 1799 geendigt habe, wird man 
den August als ungefahre Abfassungszeit annehmen konnen. 

Am Rande sei bemerkt, daB fast gleichzeitig in den »Phantasie- 
stiicken in Prosa und Versen«, einem in Osnabriick erscheinenden 
»Taschenbuch fiir das Jahr 1799s eine vorgeblich wahre Geschichte 
»Die Brockenfahrt« veroffentlicht wurde, in welcher der Brocken- 
fahrer als Hexenmeister auftrat. 

Literatur: Schneider, a.a.O. Bd. I, S. 240-242; Mautner, a. a. O. S. 
410 bis 411. 



470 l Blocksberge: volkstumlicher Name des Brockens und anderer 
Berge und Hohen in Deutschland; nach der Sage Aufenthalts- 
platzderHexen,diedort inderWalpurgisnacht mitdemTeufel 
orgiastische Feste feiern. Lichtenberg erwahnt das Motiv einer 
Szene auf dem »BIocksberg« auch E522; s. auch 473 » 18. - 



BLOCKSBERG 22 X 

2 Traum wie viele Trdume: Zu Lichtenbergs Beschaftigung mit 
dem Phanomen des Traums und seiner literarischen Nutz- 
anwendung vgl. zu A 33; im iibrigen vgl. 108,21. 395,22. 
482, 2 if. - 5 Tod eines vortrefflichen Mannes: vermutlich von 
Lichtenberg fingiert; wenigstens findet sich in SK oder den 
Briefen kein Hinweis. - 5 Besitz eines Manuskripts von seiner 
Hand: von Lichtenberg fingiert. - 8f Karten, die wir beide un~ 
versohnlich hapten: Aus SK geht hervor, daB Lichtenberg haufig 
Karten zu spielen pflegte. - 20 grunen Buche: DaB es sich hierbei 
um keine Fiktion handelt, geht aus dem ROTEN BUCH her- 
vor, wo das »Grune Buch« zweimal erwahnt wird (p. 76. 1 10) ; 
das offenbar nach der Farbe seines Umschlagdeckels von Lich- 
tenberg so genannte Sudelbuch ist im NachlaB nicht erhalten. 
AuszuschlieBen ist jedenfalls, daB es sich um eins der erhaltenen 
Sudelbucher J, K, L handeln konnte. - 22 f deutsche Fliiche, und 
Verwunschungen fur alle Stande: Eine Anspielung darauf bildet 
gewiB L 224. Ein >Schimpfworter-Buch< konzipiert bereits der 
junge Lichtenberg; vgl. C285 und die Anm. dazu; ferner 
B 391. C 75. D 667. E 208. F 464. - 25/. unser Bedlam fur Erfin- 
der fast wortlich aus dem grunen Buche: Im »G6ttinger Taschen 
Calender « fiir 1792, S. 128-136, findet sich erstmals der Artikel 
»Bedlam fiir Meinungen und Erfindungen«, in welchem Lich- 
tenberg der Vernunft und Wissenschaft spottende zeitgenossi- 
sche Absurditaten dem Tollhaus a la Bedlam uberweist. Im iibri- 
gen vgl. 414, 28 und die Anm. dazu, ferner ROTES BUCH p. 
38. 39- 53. Zu Bedlam vgl. zu 292, 31.-28 nicht sehr unbekannten 
Verleger: Gemeint ist natiirlich Johann Christian Dieterich; 
iiber ihn vgl. zu B 92. - 35/. Artickel . . . vom doppelten Printzen: 
Vgl. zu 471, 1 of. - 3&f Fluchen von Kindern: Vgl. L 224; von: 
von mir verb, aus : vor. 

471 4 warme Semmel in der Welt: Diese Redewendung gebraucht 
Lichtenberg bereits in der »Epistel an Tobias G6bhard« 240, 28. 
- p merkantilischen Suade: Redeweise des Kaufmanns. - 1 of eine 
altefast vergessene Idee von mir: Vgl. dazu die Einleitung zu »Der 
doppelte Prinz« unten S. 295. 

472 1 Mifigeburt: Vgl. zu 455, 7. - 5/. Untersuchung iiber den Wert des 
Doppelten in der Welt: Dazu vgl. J 153. 1142. 1144. - 4/. Von 
Leib und Seek: Dazu vgl J153. 1144. - 5 doppelten Adler: Diese 
Wendung notiert Lichtenberg bereits in J 1 144. - 7/. Modell von 
einem vollendeten Regenten: Zu diesem Gedanken vgl. J 1 144. - 
p Castor und Pollux an einem Stuck: die Dioskuren, das beriihmte 
Zwillingsbruderpaar des griech. Mythos, auch Sternbild. - 

10 Zweieinigen: Diesen Gedanken notiert Lichtenberg K 284. - 

1 1 Schnitt dieser Betnkleider: »Eine Suite von Kleidungsstiicken 
fiir ein Kind mit zwei Kopfen ...« fiihrt auch das »Verzeichnis 
einer Sammlung . . .« 455, 7fF. auf. - 17 Culottisten und Sansculot- 



222 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

listen: Wortspiel mit franz. culotte: Hose; Sansculotte: Ohne- 
hosen; im ubrigen vgl. zu 104, 38. 

473 2J. deutsche National-Fluche ... sammeln: S. 470,22 und die 
Anm. dazu. - 6 Leibniz ...gesagt hat: Das Zitat war von mir 
nicht auffindbar. - 13/. mit meinem Dir bekannten Zettet zu 
Bette: Vgl. schon D 101 und die Anm. dazu. - i$f. in meine 
so genannte Nodes G ... es ... eintragen: >Noctes Gottingas<: 
Gottinger Nachte; gewiB scherzhafte Abwandlung des be- 
kannten Titels »Noctes atticae» von Gellius; Lichtenberg 
schreibt ahnlich auch in einem Brief an Kaltenhofer (IV t Nr. 
87, S. 187) von »meiner geheimen Geschichte von Gottingen«; 
sicher ist jedoch kein spezielles Tagebuch, sondern Lichten- 
bergs ubliche Eintragbucher gemeint. - 18 Blocksberge: Vgl. zu 
470, 1. - 23 Walpurgis-Nacht: Die Nacht vor dem 1. Mai, der 
der hi. Waldburga gewidmet ist. Nach der Sage feiern in dieser 
Nacht die Hexen auf dem Blocksberg. - 25/. Burgers Lenore . . . 
bei ihrem Dragoner: In Burgers bertihmter Ballade, erschienen 
1774, reitet der tote Dragoner mit Lenore bekanntlich auf den 
Friedhof: »Lenorens Herz, mit Beben / Rang zwischen Tod 
und Leben«, heiBt es in der vorletzten Strophe; Lichtenberg 
erwahnt die beruhmte Ballade auch 736, 19. und in den Briefen 
(IV, S. 404). Cber Gottfried August Burger vgl. zu F 944. - 
27 Schwager: seinerzeit ubliche Anrede des: Postilions. - 27 
Nordlicht: Vgl. zu 69, 27. - 36 deutschen Tiirkei: Diese Wen- 
dung notiert Lichtenberg in L 502. - 36/. mit einem Anfangs- 
Buchstaben und Punkten: Zu dieser Gepflogenheit vgl. zu 60, 
3 if. -39 neuesten Staats-Anzeigen: Uber diese Zeitschrift vgl. 
zu L 548. - 40 Guido Schulz: Uber ihn vgl. zu L 548. 

474 5 Emigranten: Gemeint sind die vor den Folgen der Franzos. 
Revolution nach Deutschland geflohenen franz. Aristokraten ; 
von den nicht sonderlich beliebten >Emigranten< redet Lich- 
tenberg auch K 143. L 240. 454. - 2g Herausgeber: i.e. Lichten- 
berg. - 35 wo der gemeine Mann ...; Eine ahnliche Reflexion 
findet sich in Materialheft I, Nr.175. - jp/. Mit der Gemeinheit 
der Sprache geht das Eigentumliche ...; Ober die Naivitat des 
Plattdeutschen refiektiert Lichtenberg auch B 95. 

475 3$f- in einer sehr vergntigten Ehe leben: Uber Lichtenbergs tat- 
sachlichen Ehe-Alltag vgl. vor allem die Eintragungen in SK. 

47<5 57/ wie an einem Luftballon hdngend: Diese Wendung wirkt 
wie eine Lese-Erinnerung Lichtenbergs an die Stelle in Jean 
Pauls »Kampaner Thal«, wo »Gione in einem Luftball auf- 
steigt« (IV, S. 988, vom Juli 1798). 

477 1 3ff- Mein Postillion ... weder die braunschweigische noch die 
kaiserliche Montur trug: Dem seit 1595 bestehenden kaiserlichen 
Postregal (Taxissche Post) widersetzten sich schon bald die 
groBen Landesfursten insbesondere Mittel- und Norddeutsch- 



BLOCKSBERG 223 

lands und richteten eigene Landesposten ein, so etwa das Her- 
zogtum Braunschweig, dem seinerzeit der Harz gehorte. - 
2$ Freiheitsbaume: >arbre de la liberte<: meist eine Pappel, viel- 
fach mit der Jakobinermutze gekront, ein Siegeszeichen der 
Frz. Revolution, das 1792 schon in 60000 Orten der Republik 
Frankreich gestanden haben soil und auch in der Schweiz und 
Westdeutschland voriibergehend Verbreitung fand. Lichten- 
berg erwahnt ihn - satirisch - auch J 1 148. L 494. 495 ; s. auch 
1035,22. - 34 Schildern: von mir verb, aus: Schildew; zur 
Verwechslung des Plurals: Schilder s. auch Hogarth- Verb, zu 
724, 2. 

478 2J. so mufite es kommen: Zu Lichtenbergs offizieller Stellung- 
nahme gegenuber der Frz. Revolution und Republik vgl. zu 
463, 38f. - 7 okonomischer Desperation: >wirtschaftlicher Ver- 
zweiflung<. - 11 meine eigene Ideen-Vetbindung: Lichtenberg 
gebraucht diesen Ausdruck auch J 529. - 12 j t die Dinge an sick 
der neuen Philosophie: ZentralbegrifF der Philosophie Kants, die 
Lichtenberg auch 200, 17 als »neue Philosophies bezeichnet. - 
20 Sttichvogel: Vogel, der mit mehreren seiner Art zu bestimm- 
ten Zeiten im Strich ist, d.h. auf der Nahrungssuche kleinere 
Gebiete zu durchstreichen pflegt. Lichtenberg gebraucht den 
Ausdruck auch 670, 10. - 26 Nonnen: Ober Nonnen auBert 
sich Lichtenberg auch C 37. J 987. 1015. - 29 Franziskaner und 
die von La Trappe: Ober die Franziskaner vgl. zu J 722, uber 
die Trappisten vgl. zu J 899. Uber Lichtenbergs ablehnende 
Haltung gegenuber dem Monchswesen vgl. zu C2; s. auch 
J 1 172 und die Anm. dazu, ferner 676, 9. - 31 f. meine Theorie 
vom Menschen ... bestatigte: Entsprechend Lichtenbergs Denk- 
weise handelt es sich bei ihm nicht um eine explizite Theorie, 
sondern hochstens um Anschauungen wie die, vom Menschen 
nicht zu hohe BegrirTe zu haben: s. etwa an Ramberg (IV, Nr. 
645, S. 862) vom 4. Dezember 1793. - 34 schwarz gebundene 
Bucket mit vergoldetem Schnitt: Vgl. zu 455, 25. 

479 22/. die Borse zu Amsterdam: Lichtenberg erwahnt sie auch 
K 274. - 27 unset lieber N.; Lichtenberg spielt ganz sicher auf 
eine Person seiner Bekanntschaft in Gottingen an; womoglich 
denkt er an seinen Assistenten Seyde oder an die Informatoren 
seiner Kinder Gotthard beziehungsweise Dieterich. - 28 Pas- 
sions-Gesichte: Zu dieser physiognomischen Wortbildung vgl. 
zu 371,26. - 28 Dollond: Fernrohr, so genannt nach John 
Dollond; uber ihn vgl. zu D 748. - 31 detjunge Schurke: Auch 
in diesem Fall spielt Lichtenberg gewiB auf eine Person aus 
Gottingen an, womoglich auf einen frz. Studenten. - 36 Signo- 
ta Cassandta: Wer mit dieser gewiB ebenfalls aus dem Gottin- 
ger Leben gegriffenen Schwarzseherin umschrieben ist, laBt 
sich aus Lichtenbergs Tagebuchern nicht erschlieBen. 



224 UNTERHALTSAME AUFSATZE 

480 8f. tneinem Ich nicht Ich ... aufierhalb des Spiegels: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 469, 24. Zum >Spiegel-Sehen< vgl. F 1180. - 
10 katoptrischer Harmonia praestabilita: Katoptrik: Lehre von 
der Spiegel-Reflexion; Lichtenberg gebraucht den BegrifF 
auch 675,22. 918,23. Zu Harmonia praestabilita vgl. zu 455, 
34. - 11 versteinert: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 155,29. - 
25 Keim zu einer Theorie des Schauspiels: Vgl. auch 482, n. - 
52 ein alter guter Freund von uns: Womoglich ist Kastner ge- 
meint. - 32 seine Haushalterin: Kastner hatte in der Tat eine 
Haushalterin, die Mamsell Koch, mit der er dem Gottinger 
Klatsch nach ein Kind hatte. - ^^Exspektanten: von mir verb, 
aus : Exspec&anten. - 35/. Dtktate reiner praktischen Vernunft: 
»Diktate der Vernunft« formuliert Lichtenberg auch L 975 und 
in der »Erklarung der Kupferstiche« (GTK 1799. S. 226) ; in 
obiger Formulierung schwingt Lichtenbergs spater Vorbehalt 
gegen den >Ethiker< Kant mit. - 38 Glieder-Puppe : der mensch- 
lichen Anatomie nachgebildete Modelle aus Holz, an denen 
Bildende Kunstler seinerzeit die richtigen Proportionen lernen 
sollten. Lichtenberg spricht von »Gliedermannern«Eii5. 

481 6 meinen kahlen Scheitel: Von seiner beginnenden Glatze be- 
richtet Lichtenberg bereits in einem Brief an Friedrich August 
Lichtenberg (IV, Nr. 466, S. 577-578) vom 27. September 
1784. - p/. geheime Wunsch des Weibes schon keimen machen: 
Gemeint sind die Horner des Hahnreis. - 11 Spiefier ... Ade- 
lung: Gemeint ist Johann Christoph Adelungs »W6rterbuch 
der hochdeutschen Mundart«, erschienen Leipzig 1774-1786 
in 5 Teilen; iiber Johann Christoph Adelung vgl. zu D 668. 
Lichtenberg zitiert sein Worterbuch auch 1036, 39 und in 
»t)ber Vossens Verteidigung wider mich« (a. a. O., S. 136. 137). 
- 15 dem Leidigen: Nach DWB 6, 675 heiftt so »der das leid bei 
einem begrabnisse fuhrende«; hier aber wohl Umschreibung 
fiir: Teufel. - 2$f.guten Schlucker, der ... Anwartschaft aufmein 
Ami hat: Womoglich dachte Lichtenberg an Seyffer oder 
Wildt (Savage). - 28 Bedienten, der nicht mehr allein in Keller 
gehen darf: Wen Lichtenberg gemeint haben konnte, geht aus 
den Tagebuchern nicht hervor. 

482 11 meine neue Theorie vom Schauspiele: Vgl. zu 480, 23. - 21 f. 
hieriiber ... betrdumen: Zu Traum und Poetik vgl. zu 108, 21. 
im iibrigen vgl. zu A 33. - 27 vice versa: umgekehrt. 



MlSZEIXANEEN 



HUPAZOLI UND CORNARO 



Erstverqffentlichtmg und Satzvorlage: »Hupazoli und Cornaro, oder: 
Thue es ihnen nach wer kann.« Veroffentlicht im »G6ttinger Ta- 
schen Calender fur 1793, S. 137-143. Miszelle 5. Eine Handschrift 
der Miszelle ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Aufiere Veranlassung zur Niederschrift dieses Arti- 
kels gaben, wie Lichtenberg selbst mitteilt (s. S. 485), ein Aufsatz im 
»Hann6verischen Magazin« 1787 und Hufelands Traktat »Ober die 
Verlangerung des Lebens^ erschienen im »Neuen deutschen Merkur" 
Marz 1792. Die Niederschrift erfolgte vermutlich im Juli 1792, 
worauf einige Eintragungen im Tagebuch schlieBen lassen (vgl. 
SK352. 357). Vorarbeiten dazu fmden sich aus der Zeit zwischen 
Anfang April und Mine Mai 1792 (J 928. 961. 1013 ; s. auch J 49 und 
SK 320). Der innere Beweggrund fiir die Miszelle liegt jedoch in 
Lichtenbergs Beschaftigung mit dem Phanomen des Alterns, des 
Alters selbst, an dem eigenen Leib beobachtet und von anderen 
Personen zeitlebens notiert. Uber die Kunst, das Leben zu verlangern, 
reflektiert er bereits B 129. F 188, und er vermerkt wiederholt Bei- 
spiele sehr alt gewordener Menschen: etwa KA 72, E 68 (S. 357), 
J 1280, L 194. Ja er notiert sich bereits 1789 eine Liste von alten 
Menschen aus Whitehurst zum Gebrauch fiir den Kalender (s. GH 
66). Derartige >Listen< erstellt Lichtenberg Jahre zuvor in den »Bey- 
tragen zu Rabeners W6rterbuche«, Artikel: >Instinkt< (s. S. 506) und 
innerhalb des Artikels »Das Neueste von den Kroten« im »G6ttinger 
Taschen Calenders fiir 1796, S. 188-190. SchlieBlich sei noch an die 
Emphase erinnert, mit der Lichtenberg (IV, Nr. 719, S. 959-960) 
am 9januar 1797 den Empfang von Hufelands »Makrobiotik« 
quittiert. 



485 1 Hupazoli: Uber ihn vgl. zu J 928. - 1 Cornaro: t)ber ihn vgl. 
zu J 961 ; s. auch Briefe (IV, Nr. 719, S. 960). - 8 Henry Jenkins: 
genannt der moderne Methusalem, starb Dezember 1670 in 
Bolton; er behauptete, um 1501 geboren zu sein; Landarbeiter 
und Fischer aus Yorkshire. - 13 Skorzonerwurzel: Scorzonera: 
Schwarzwurzel. - 24J. diese Geschichte ... aus dem Hannover- 
schen Magazin: Gemeint ist der Artikel »Hupazoli« im »Hanno- 



226 MISZELLANEEN 

verischen Magazin«, 38. Stuck, Freitag, den 11. Mai 1787, Sp. 
605-608; iiber diese Zeitschrift vgl. zu KA130. - 26 aus dem 
Berliner Intelligenzblatt: Das »Neue Berliner Intelligenzblatt« 
war mir nicht zuganglich; der Verfasser des Artikels iiber 
Hupazoli ist mir nicht bekannt. - 30 Der beruhmte Thomas 
Parr: »Es finden sich in der neuern Geschichte Nachrichten von 
altern Menschen, die aber nicht so zuverlassig sind, als die von 
dem bekannten Thomas Parr, der 152, und Henry Jenkins, der 
169 Jahr alt wurde. Von dem erstern verdient hier angemerkt 
zu werden, daB er nicht vor Alter, sondern an einer Indigestion 
starb, die er sich aus der koniglichcn Kuche holte, also wirklich 
an einer angethanen Ehre, am 5ten Nov. 1635. Als Carl I. eines 
Tages zu ihm sagte: Parr, ihr habt linger gelebt, als andere 
Menschen, was habt ihr mehr gethan als andere? so antwortete 
er sogleich aus dem Stegreif: Ich habe im hundertsten Jahre 
KirchenbuBe gethan. Er heyrathete noch einmahl in seinem 
120 Jahre. Nach seinem Tode genoB er die Ehre - von dem 
groBen Harvey seckt zu werden.« FuBnote Lichtenbergs in 
dem Aufsatz »Das Neueste von den Kroten« im »G6ttinger 
Taschen Calender« fur 1797, S. 190. 

486 1 Imjocher: Christian Gottlieb Jocher (1694-1758), 1730 Pro- 
fessor, 1742 Universitatsbibliothekar in Leipzig; beruhmter 
Lexikograph, gab 1750-175 1 ein vierbandiges »Allgemeines 
Gelehrtenlexikon«heraus. Lichtenberg erwahnt ihn auch in den 
Briefen (IV, Nr. 709, S. 949). - 5 Ob wohl: von mir verb, aus: 
OWohl. - igf. Aufsatz des Herrn ... Hufeland: Der Aufsatz 
»Uber die Verlangerung des Lebens«, Vorarbeit zu der be- 
riihmten »Makrobiotik«, findet sich in »Der neue Teutsche 
Merkur«, 3. Stuck, Marz 1792, S. 242-263. Ober Cornaro be- 
richtet Hufeland ebenda S. 256-259, Lichtenberg zitiert ihn 
auch J 961; iiber Christoph Wilhelm Hufeland vgl. die Anm. 
dazu. - 20 deutsck Merkur: Ober diese Zeitschrift vgl. zu 
D 127. - 30 Unzen: Vgl. zu 90, 7. In den »N6thigen Zusatzen 
und Verbesserungen« (GTK 1793, S. 201) schreibt Lichtenberg 
zu dieser Steile: »Damit S. 141 Zeile 8 der Ausdruck: nur wenige 
Unzen, niemanden von einem Leben a la Cornaro abschrecken 
moge, so fiige ich hier die bestimmte Zahl fur diejenigen bey, 
die etwa den deutschen Mercur nicht gleich bey der Hand 
haben. Er aB taglich 24 Unzen und trank 26. Mehr sage ich 
nicht, denn meine Absicht war eigentlich, auf Hrn. Hufelands 
vortreffliche Schrift aufmerksam und nicht die Lesung der- 
selben entbehrlich zu machen.« 

487 if. Der Himmel ... Heiligen wunderlich: Dieser Satz geht auf 
Psalm 4,4 zurtick: »Erkennet doch, daB der Herr seine Heiligen 
wunderlich fuhret«. Lichtenberg gebraucht ihn auch J 958. - 
2ff. Ich bin uberzeugt ... zu viel ifit: Diese Passage begegnet, 



ALTER DER GUILLOTINE 227 

zum Teil wortlich, in einem Brief an Forster (IV, Nr. 615, 
S. 818) vom 27. Mai 1792. - 6 Appetit nach Hunger: Eine ahn- 
liche Wendung begegnet auch 400, 14. - 7 Essen a la Cornaro: 
Diese Wendung ist J 961 entlehnt und wird auch SK 320 ge- 
braucht. - 14 Mare mortuum: Totes Meer. - 16 Leute nach der 
Uhr ...: Dieser Satz ist wortlich J 101 3 entlehnt; zu dieser 
Wendung vgl. zu 407, 21".; zum Gedanken s. auch J 49. - ig 
ut apes Geometriam: Vgl. zu 259, 24. 



EIN WORT UBER DAS ALTER DER GUILLOTINE 



Erstuerqffentlichung und Satzvorlage: »Miscellaneen. a) Ein Wort iiber 
das Alter der Guillotine.« Erschienen im »G6ttinger Taschen Calen- 
der fur 1795, S. 157-165. Eine Handschrift der Miszelle ist im Nach- 
lafi nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Die Niederschrift erfolgte zwischen dem 26.Juli 
1794 (SK 677) und dem 13. September 1794 (SK 697). Der Gedanke 
geht auf den Sommer 1792 zuriick (J 1040). Die Guillotine war seit 
1792 das Hinrichtungsgerat der Franzosischen Revolution. Es wurde 
anfangs nach dem Arzt Louis (1723-1792) Louisette oder Petite 
Louison genannt, sparer Guillotine nach dem Arzt Josephe Ignace 
Guillotin. Am I7-Juli 1793 erhielt Lichtenberg von dem Gottinger 
Bibliothekar ReuB den »Catalogus Sanctorum« zur Ansicht, in dem 
eine der Guillotine vergleichbare Kopfmaschine abgebildet war. 
Lichtenbergs Antwortschreiben an ihn (IV, Nr. 638, S. 849-851) 
vom I9juli 1793 wirkt bereits passagenweise wie ein erster Entwurf 
zum vorliegenden Artikel. Sein Erscheinen hatte iibngens ein Gut- 
achten Sommerrings zur Folge, das neben dem Begleitschreiben des 
Verfassers an Lichtenberg von 26. Mai 1795 in der Ausgabe der 
»Vermischten Schriften«, Gottingen 1845, Bd. 6, S. 252-260, abge- 
druckt ist. Lichtenberg nahm dazu in einem Brief an Sommerring 
(IV, Nr. 691, S. 928-929) vom 5juni 1795 Stellung. 



488 iJeanBaptiste Guillotin: Lichtenberg verwechselt diesen mit dem 
wirklichen Erfinder der Guillotine: Joseph-Ignace Guillotin; 
iiber ihn vgl. zu J 1040. - 5 Korrespondenz mit Turin: Turin 
wurde 1796 von den Franzosen erobert; worauf Lichtenberg 
hier anspielt, ist mir nicht bekannt. -11 Hunnen des achtzehnten 
Jahrhunderts: Ahnlich bezeichnet Lichtenberg die >Neufranken< 
auch IV, 916. 957. Zu seiner politischen Haltung vgl. zu 463 ,38.- 
igf. Puherchen des ... Doktor Ailhaud: Oder bas Universal- und 



228 MISZELLANEEN 

Abfuhrmittel dieses Arztes vgl. zu F 1077. - 2$j, European 
Magazine: Dieser Jahrgang der Zeitschrift - uber s ie vgl. zu 
J 1015 - war mir nicht zuganglich. - 27 Gentleman* s Magazine: 
Gemeint ist eine an einen Mr. Urban gerichtete Notiz, unter- 
schrieben R.P. Ober diese Zeitschrift vgl. zu A 55. - 28 Ham- 
burger Addrefl-Comtoir-Nachrichten: Diese Zeitung war mir 
nicht zuganglich. - 32 in der Jenaischen Literatur-Zeitung: Die 
Erwahnung des »Catalogus Sanctorum* war von mir nicht 
nachzuweisen; uber diese Zeitschrift vgl. zu GH 23. - 34 f. 
Reuft aus hiesiger Bibliothek mitgeteilt: Lichtenberg bezieht sich 
hier auf seinen Brief an ReuB (IV, Nr. 638, S. 849-851) vom 
lo.Juli 1793. Am I7.juli 1793 - s. SK 502 - iibersandte ihm 
ReuB das Werk. Uber Jeremias David ReuB vgl. z u SK 195. 

489 1 Petro de Natalibus: Petrus de Natal ibus, aus Venedig, Ende 
des 14.JI1. Bischof in Isola, schrieb »Catalogum martyrum et 
Sanctorum«, nach den 12 Monaten in 12 Biicher aufgeteilt, 
erschienen Vicenza 1493. - 2 Lugduni: Lyon. - 2 Jacobum 
Saccon: Jacques Sacon.Ende des 15. und im i6.Jh. Buchdrucker 
in Lyon. - 6 eine solche Maschine abgebildet: In dem oben zi- 
tierten Brief an ReuB (IV, Nr. 638, S. 850) hat Lichtenberg die 
Guillotine im Prinzip gezeichnet. - 12 Krauthobel: Instrument 
zum Hobeln insbes. des Sauerkrauts. 

490 4 32 Fufien: In Deutschland gab es vor Einfuhrung des metri- 
schen Systems weit uber 100 verschiedene FuB-MaBe zwischen 
0,25 und 0,34 m. 32 FuB: ca. 9,60 m. 

491 1 Aderlafl-Schnepper: Schnapper: Gerat zur ortl. Blutentnahme, 
aus dem mit einer Stahlfeder eine oder mehrere scharfe Klin- 
gen hervorgeschnellt werden. Lichtenberg gebraucht den Aus- 
druck auch 877, 17. - 5 Richters chirurgischen Bibliothek ...; 
Gemeint ist die »Chirurgische Bibliothek«, 9. Bd,, Gottingen 
1788, S. 178-179, bei Dieterich. Uber August Gottlieb Richter 
vgl. zu GH 3. - 6f. der ungliickliche Konig: Gemeint ist Ludwig 
XVI., der am 2i.Januar 1793 mit der Guillotine hingerichtet 
worden war; uber ihn vgl. zu J 564. - 7/. iy$2 die Unter- 
suchung von Mesmers Magnetismus: Bei Richter steht irrtiimlich 
1784. Zur Priifung der Behauptungen Mesmers - uber ihn vgl. 
zu J 1600 - und Deslons (» Observations sur le magnetisme 
animah, Paris 1780) uber den tierischen Magnetismus hatte die 
Pariser Akademie eine Kommission unter Vorsitz von Benja- 
min Franklin ernannt, deren Gutachten unter dem Titel 
»Rapports de messieurs les commissaires nommes par samajeste 
pour Texamen du magnetisme animah Paris 1783 erschien. 
Lichtenberg kommt darauf auch in einem Brief an Hufeland 
(IV, Nr. 469, S. 582-583) vom 25. Oktober 1784 zu sprechen. 
- 8 Bortin: Lebensdaten unbekannt. Richter schreibt ihn iibri- 
gens Borrin. - 8 Sallin: Lebensdaten unbekannt. - 8 d'Arcet: 



MONTAGS-ANDACHTEN 229 

Ober ihn vgl. zu J1737. - 8ff. Guillotin: Das Kommissionsmit- 
glied und der Erfinder der Maschine sind in der Tat identisch. - 
1 of. Des . . . Konigs Amme hiefi Guillot: Lebensdaten waren von 
mirnicht zu ermitteln. - 14J. Sinngedichtchen darauj zu pflanzen: 
Der Vorschlag Guillotins, die Todesstrafe durch eine Kopf- 
maschine vo 11 Ziehen zu lassen, war in der Tat AnlaB zu einem 
zeitgenoss. Spottlied geworden. 



ETWAS STOFF ZU MONTAGS-ANDACHTEN 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Etwas StofF zu Montags-An- 
dachten.« Erschienen im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1796, 
»Miscellaneen« Nr. 8, S. 197-201. Eine Handschrift der Miszelle ist 
im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: »Johnson sagte einmal, als er Sonntags-Betrach- 
tungen gelesen hatte, ich hatte groBe Neigung Montags-Betrachtun- 
gen zu schreiben, und in der Tat konnte aus Montags-Andachten 
etwas recht Gutes gemacht werden.« Diesen Gedanken notierte 
Lichtenberg J 203 , niedergeschrieben zwischen dem 28. Dezember 
1789 und dem 3januar 1790. Er griff die Anregung K 4 wieder auf. 
Zur Niederschrift der Miszelle kam es jedoch erst zwischen dem 11. 
Juli 1795 (SK 798) und dem 4. September 1795 (SK 822). 

Die Wortpragung »Montags-Andachten« gebraucht Lichtenberg 
ubrigens im gleichenKalender-Jahrgang, S. 149, in »Ein neuerDamen- 
Anzug, vermuthlich in Indien«. 



492 Sf. ertraglichste Grad der Ungleichheit: Diese Wendung und der 
Gedanke begegnen auch K 144 (S. 425). Im ubrigen vgl. zu 
458, n. - I3ff. Das Gesetz ...guten Regenten: Dieser Gedanke 
geht auf K 3 zuriick; s. auch K 152. - i8f. Ohne etwas Anthro- 
pomorphisms ...; Dariiber reflektiert Lichtenberg auch H 18. 
J 271. 944. K 18. 64. 83 und Briefe (IV, Nr. 769, S.1011). - 
26/. Shaftesbury sprach . . . uber Religion: Die Anekdote wird von 
Burnet »History of my own Time«, Vol. I, book 2, chapter I, 
FuBnote von Onslow, mitgeteilt. t)ber Shaftesbury vgl. zu 
B 277. - 35 Furcht, sagt Lukrez: Lichtenberg zitiert den Satz 
ohne Nennung von Lukrez auch C 180; vgl. die Anm. dazu. 
Ober Lukrez vgl. zu D 689. 

493 if If fear . . .fear: »Wenn Furcht die Gotter schuf, wer schuf die 
allmachtige Furcht«. Die Herkunft der Zeile konnte nicht er- 
mittelt werden; sollte sie von Pope stammen? Obrigens s. Ben 



230 MISZELLANEEN 

Jonson, »Sejanus« II, n: »Twas only fear first in world made 
gods«. - 4J, Bishops . .. would be: Bischofe wollten sie nicht 
haben, aber selbst gem sein. - 7/. welches ist die schlechteste .,.: 
Diese Fragestellung ist J 1661 entlehnt. -12 Prefifreiheit: eine 
Forderung biirgerlicher Demokraten, die in der Verfassung 
der frz. Republik garantiert worden war. - 17 Kompilator- 
Ruhm: Vgl. zu 87, 24. - 29 GefM von eigenem ... Wert: Ahn- 
lich schreibt Lichtenberg auch 501, 8. 773, 3 f. 839, 30. 874, 28 f. 
und J 910. - 31 unser unsterblicher Moser: Diese gesellschaftliche 
Tugend Justus Mosers - uber ihn vgl. zu B 404 - berichtet 
Lichtenberg auch TB 30. - 31 f. sagte einmal ein Mann von 
Geist: Womoglich ist Hollenberg aus Osnabriick genieint : der 
gemeinsame Freund und Schiitzling Mosers. 



Entwurfe 



VON DEN CHARAKTEREN IN DER GESCHICHTE 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Von den Characteren in der 
Geschichte.« In: Aus Lichtenbergs NachlaB. Weimar 1899, S. 3-10. 
Der Aufsatz liegt lediglich in Abschrift eines unbekannten Kopisten 
vor; das Original 1st verloren. Die Kopie tragt am oberen Rand die 
Bezeichnung: »No. XI« und den Vermerk: »Vorgelesen am zosten 
Januar 1765a. 

Zur Entstehung: In der Einleitung zur zweiten Auflage seiner 
»Antiphysiognomik« schreibt Lichtenberg (s. S. 261): »Im Jahr 1765 
und 1766 las ich drei Abhandlungen im hiesigen historischen Institut 
offentlich vor, die ich aber nachher unterdruckte. Sie setzten eine 
Idee auseinander, die ich mir damals von einer vollkommenen 
Schilderung eines Charakters in einer Geschichtserzahlung machte, 
mit einer Anwendung auf einige Charaktere des Sallust. Sie enthiel- 
ten viel Physiognomisches«. Vgl. auch F 804. Die erste dieser drei 
Abhandlungen ist die abgedruckte Arbeit, die beiden anderen sind 
offenbar verloren. 

Literatur: Franz Heinrich Mautner: Lichtenbergs Vortrag iiber die 
Charaktere in der Geschichte und sein Gesamtwerk. In: Modern 
Language Notes 55, 1940. 

497 2 Akademie: Ober die Historische Akademie in Gottingen vgl. 
zu 261, 3f. - 3/ Verfassung des Geschichtschreibers: Uber histo- 
rische Methode und den Charakter eines wahren Geschichts- 
schreibers reflektiert Lichtenberg mehrfach in den Sudelbu- 
chern; vgl. zu C 193. - 5/. Catilina des Sallust: Gemeint ist »De 
coniuratione Catilinae«, entstanden nach 43 v.Chr., von Gaius 
Sallustius Crispus; iiber Catilina vgl. zu B 125; iiber Sallust 
vgl. zu F 804; s. auch 261, j£, - 23 Schilderungen von grofien 
Mannem: Dazu vgl. D 22. - 26 j. Naturgeschichte vom mensch- 
Hchen Herzen: Vom »Naturgeschichtsschreiber« des erkiinstel- 
ten Menschen redet Lichtenberg 957, 18 ; den Ausdruck »Natur- 
historie«, »Naturgeschichte« gebraucht er auch 509, 22. 676, 9. 
B 73. F 149. 262. 498. 509. J 26. L 395. - 35 Triebfedem: Vgl. 
zu 54, 8f. 



232 ENTWURFE 

498 2 Julius Caesar: Ober ihn vgl. zu KA 12. - 57 Vatikanischen 
Apolls: der A. von Belvedere. Vgl. zu 238, 33. 

499 5 bestandige Aufmerksamkeit aufsich selbst: Dieser Maxime hul- 
digt Lichtenberg selbst sein Leben lang; vgl. zu A 35; s. auch 
512, 18. - 7 Triebfedern: Vgl. zu 54, 8f. - 9 Fertigkeit in der 
Mienen-Kenntnis: In einem Brief an Kaltenhofer (IV, Nr. 46. 
S. 97) vom 12. Oktober 1772 spricht Lichtenberg von Leuten, 
»die, wie ich, die Micnen etwas buchstabieren gelernt haben«; 
im ubrigen vgl. zu 260, 11.-12/. schiverlich . . . in Tabellen zwin- 
gen: Das ist Lichtenbergs Einwand gegen die Physiognomik 
Lavaters als Wissenschaft betrachtet. - 23 Tacitus: Ober ihn 
vgl. zu KA152. - 23 Cervantes: Ober ihn vgl. zu C n. - 27/. 
Leidenschaft dutch Witz gldnzen: Dazu vgl. G 28. -32 Schrift 
von dem Einflup der Sprachen: Gemeint ist die »Beantwortung 
der Frage von dem EinfluB der Meinungen in die Sprache und 
der Sprache in die Meinungen«, Berlin 1760, von Johann David 
Michaelis. Die Schrift war von der Berliner Akademie, die 
diese Preisfrage fur dasjahr 1759 gestellt hatte, gekront worden. 
Lichtenberg spielt auf diese Schrift auch A 22. 159 an. Ober 
Michaelis vgl. zu A 159. 

500 if Stufen uber ihren gewohnlichen Vortrag: Diese Untugend des 
schlechten Schriftstellers vermerkt Lichtenberg auch 382, 20. - 
8 ungezwungenen Einfalt der Natur: Zu dieser Reflexion vgl. 
H 5. - 11 Epikur: Ober ihn vgl. zu C 265; UberEpikursEigen- 
heit berichtet Diogenes Laertius; »cum perspicuitatis magis 
quam elegantiae rationem philosopho habendam esse statueret« 
konnte Lichtenberg in den »Institutiones historiae philosophi- 
cae« f S. 263, von Johann Jacob Brucker lesen. - 22 Pabsts 
Alexander VI: Rodrigo de Borgia (143 0-1503), gelangte 1492 
durch Simonie auf den papstlichen Stuhl ; InbegrifT des Re- 
naissancepolitikers; starb vermutlich an Gift. - 23 Guicciardin: 
Francesco Guicciardini (1483 -1540), ital. Staatsmann und Ge- 
schichtsschreiber; seine 1 537-1 540 geschriebene »Storia d'lta- 
lia« (1492-153 2) - die erste grundlegende Geschichte Gesamt- 
italiens - setzt mit Alexanders VI. Regierungsantritt ein. - 
26 f. sehr bekannten franzosischen Schriftsteller: Gemeint ist wo- 
moglich Voltaire. - 37 fur der Prufung: Zu Lichtenbergs Nei- 
gung, die Pronomina »vor« und »£iir« zu verwechseln, vgl. zu 
A 118; s. auch A 135. 239. 

501 jf die Worter . . . Geschlechts-Namen: Diese Eigenart der Sprache 
reflektiert Lichtenberg auch A 11 8; vgl. auch A 17. 30. - $ff. 
Hume ... sagt: Im vierten Anhang seines »Enquiry concerning 
the principles of morals « sagt Hume (Philosophical works 4, 
280 Green-Grose) : »It seems indeed certain, that the sentiment 
of conscious worth, the selfsatisfaction proceeding from a re- 
view of a mans own conduct and character, it seems certain, I 



RABENERS WORTERBUCH 233 

say, that this sentiment, which, though the most common of 
all others, has no proper name in our language, arises . . .« Ober 
David Hume vgl. zu C 193 • - 8 Gefuhl eines bewufiten Wertes: 
Zu dieser Wendung vgl. zu 493, 29. - 14 Verfasser der Caprices 
d' imagination: Gemeint sind die »Caprices d'imagination ou 
lettres sur differents sujets d'histoire, de morale, de critique, 
d'histoire naturelle«, Paris 1740; der Verfasser ist Jean-Jacques 
Bruhier d'Ablaincourt (gest. 1756), frz. Arzt in Paris, Schrift- 
steller und Censeur Royal. - ljBruyere: Ober La Bruyere vgl. 
zu Materialheft II, Nr. 33. - 21 f. der Akademie kiinftig vorzu- 
legen: Dazu vgl. oben S. 231. 



BEITRAGE ZU RABENERS WORTERBUCHE 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Beytrage zu Rabeners Worter- 
buche.« In: Aus Lichtenbergs NachlaB. Weimar 1899, S. 59-67. Der 
Aufsatz ist auf zwei ineinanderliegenden Quartbogen im NachlaB 
erhalten. Nach Leitzmanns Meinung (Aus Lichtenbergs NachlaB, 
S. 210) stellt er sich als bis auf die Unterschrift druckfertig dar. 

Zur Entstehung: Wegen der Anspielung auf die »Gedichte im Ge- 
schmack des Grecourt« (S. 502) kann der Aufsatz nicht fruher als 
1771 geschrieben sein, andererseits scheint er sicher vor die zweite 
England-Reise zu gehoren. Nach Mautner (a.a.O., S. 58, FuBnote) 
macht die »Art des Humors« das &friihestm6gliche Datum, Ende 
1770, am wahrscheinlichsten.« Lichtenberg hatte den Aufsatz wohl 
f iir irgendein Journal bestimmt, ein Abdruck ist ofTenbar aber nicht 
erfolgt. 



502 1 Rabeners Worterbuche: Im dritten Band der »Bremer Beitrage« 
hatte Gottlieb Wilhelm Rabener - iiber ihn vgl. zu D 382 - 
1745 einen »Versuch eines deutschen W6rterbuchs« und einen 
»Beitrag zum deutschen W6rterbuche« verorlentlicht, die clann 
in den zweiten Band seiner Satiren aufgenommen wurden, in 
deren zehnter Auflage von 1771 sie Lichtenberg womoglich 
zu Gesicht bekam. Die beiden Aufsatze enthalten satirische 
Artikel iiber einzelne deutsche Worter. Im »Versuch« werden 
die Worte: Kompliment, Eidschwxxr, ewig, ehrwurdig, ge- 
lehrt, Menschenfeind, Pflicht, Verstand, im »Beitrag« die Wor- 
te: deutsch und Fabel behandelt. Zugleich forderte Rabener 
in der Einleitung des »Beitrags« auf, eine Reihe anderer Wor- 
ter entsprechend zu analysieren. Die drei von Lichtenberg be- 



234 ENTWURFF. 

handelten Worter sind nicht darunter. - 4 Medisance: Laster-, 
Schmahsucht. - 6 Ipecacuanha: Wurzel einer brasilianischen 
Pflanze (Psychotrial.), haufig als Brechmittel benutzt. Lich- 
tenberg verwendet sie selbst. -10 noch nicht einmal: von mir 
eingefiigt: nicht. -17 Arbeiten im Weinberge: Diese Wendung 
geht auf Matth., Kap. 20 zuriick. - 21 Kosmopolit: Weltbur- 
ger. - 27 Whist: Kartenspiel engl. Ursprungs, das mit frz. Kar- 
ten zwischen vier Personen gespielt wird; aus demim 18. Jh. 
sehr beliebten Spiel ist das Bridge hervorgegangen. S. auch 
927, 28. - 27 Trisett: Ein Spiel dieses Namens kann ich nicht 
nachweisen. - 27Besset: Ein Spiel dieses Namens kann ich nicht 
nachweisen. -31 Gedichte des Herrn von Grecourt: Gemeint ist 
oGedichte im Geschmack des Grdcourt«, erschienen Frankfurt 
und Leipzig 1771, von Johann George Scheffner (1736-1820), 
einem der bedeutendsten und geistreichsten erotischen deut- 
schen Schriftsteller; er lebte in Konigsberg und war mit Hippel, 
Kant und Hamann befreundet. Jean-Baptiste-Joseph Willart de 
Grecourt (1683 -1743), frz. Abbe und Dichter, Verfasser eroti- 
scher Gedichte und Erzahlungen im Rokokogeschmack; sein 
Name war im i8jh. synonym mit >schmutziger< Literatur. 
»Oeuvres badines« (1747). - 32 f. Gedichte ... im schwarzen 
Korduan-Bande mit Gold: Zu dieser Wendung vgl. zu 455, 

504 8 advocatum absentium: Verteidiger der Abwesenden. - 23$. un- 
reines Gebliit . . . dem Spanier: Anspielung auf die von Lichtenberg 
auch KA 233 notierte, historisch nicht belegbare Behauptung, 
daB die Spanier von Westindien die Lustseuche - das >Venus- 
iibel< - nach Europa eingeschleppt haben. - 27 Lux: Luxus; 
im i8.Jh. nicht ungewohnliche deutsche Schreibweise von frz. 
luxe. - 2 8f. zu Augustuli Zeiten: Romulus Augustulus, letzter 
westrom. Kaiser (475/476), nach der Ermordung seines Vaters 
Orestes von Odoaker abgesetzt. - 29 sagt Herr W.: »Konnten 
wir heutigen Europaer . . . es endlich wieder so weit bringen in 
Waldern ... einzeln und gewandlos auf alien Vieren herumzu- 
kriechen und Eicheln zu fressen, so wird dann auch iiber lang 
oder kurz die Zeit wiederkommen, wo die Nachkommen die- 
ser neuen europaischen Wilden gerade wieder die freien, 
wackeren, kuhnen, biederherzigen Leute sein werden, deren 
Sitten und Lebensart Tacitus ... in einem so prachtigen Ge- 
malde darstellte«, heiBt es im ersten Kapitel von Wielands Auf- 
satz »Ober die vorgebliche Abnahme des menschlichen Ge- 
schlechts« (1777), der in seinen »Beytragen zur geheimen Ge- 
schichte der Menschheit« enthalten ist. Ober Wieland vgl. zu 
A 99. - 31 Herzyner-Watd: lat. Hercynia silva: antiker (kelti- 
scher) Name der deutschen Mittelgebirge; >Harz<. - 37 jener 
grieckische Philosoph: Diogenes; iiber ihn vgl. zu KA 13. 



RABENERS WORTERBUCH 235 

505 3 Begierde der Selbsterhaltung und Fortpflanzung: Voni »Trieb zur 
Selbst-Erhaltung« redet Lichtenberg erstmals in A 126, vom 
»Erzeugungstrieb« A 139; s. auch 509, 31. 518, 11. - 11 Nowaja 
Zembla: Nowaja Semlja, Inselgruppe im Nordpolarmeer zwi- 
schen Barents- und Kara-See; iiber ihre Entdeckung besteht 
Unklarheit; bei der Suche nach der nordostl. Durchfahrt be- 
traten der Englander Burrough (1556) und der Niederlander 
Barents (1594/97) die Insel. Lichtenberg erwahnt sie auch E 103 
und 929, 221". - 22/. der Mensch gehort zum Tier-Parliament: 
Vgl. zu 448, if. -24 Tory: Tories, in England urspriinglich 
seit 1640 die kathol. Iren, die Gegner des Langen Parlaments 
und der Republik, dann seit 1679 die konigstreue Hofpartei, die 
fur Jakob II. eintrat und im Gegensatz zu den Whigs stand; im 
iibertragenen Sinn: Konservative. Lichtenberg gebraucht den 
BegrifF auch E 108. - 29 Heliogabel der Grope: Heliogabal, der 
rom. Kaiser Varius Avitus Bassianus (um 205-222 n. Chr.), der 
seit 218 unter dem angenommenen Namen Elagabal (Sohn der 
Sonne) regierte, fiihrte in Rom das uppige Leben oriental. 
Despoten, bis heute sprichwortlich fur seine Kochkunst. - 
30 Ibrahim der Grofiturk: Sultan Ibrahim, als feiger Wollustling 
verschrien, regierte 1 640-1 648. - 32 brachte sein Leben auf 
g6gjahr: Ober die Verlangerung des Lebens rerlektiert Lichten- 
berg 487, 15 f. - 33 Oskopa: Dieser Name konnte von mir nicht 
ermittelt werden. - 34 Persiko: Pfirsichkernbranntwein. - 
36 f. Zu Rom . . . lernte man die Kunst: Ober die >Erziehung< der 
Fische im alten Rom handelt Lichtenberg auch H133. 

506 1 lebenssatt: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 775, 
6.-3 heute mit Waden: Vgl. auch 388, 18.- 5/. haak ...um die 
Rebekka anhielt: Ober ihn vgl. zu F 1 141 ; »Isaak aber war vierzig 
Jahre alt, da er Rebecca zum Weibe nahm, ...« heiBt es in 

i.Mos. 25, v. 20. - 11 Methusalah: Ober Methusalem vgl. zu 
L 355. - 12 vigueur: Kraft, Saft. - 14J. Im 40sten Jahre ...; »Wenn 
man das Geld hat, so kann man den gantzen Cursum des 
Lebens in 40jahren vollenden, woran unsere Vorfahren 80, 
90 Jahre zu thun hatten«, schreibt Lichtenberg an Kaltenhofer 
(LB I, Nr. 28, S. 59) am I4juni 1772; s. auch 775, 7fF. und 
H no. - 13 Venette: Nicolas Venette (1632-1698) handelt in 
seinem Amsterdam 1687 erschienenen Buche »De la generation 
de Fhomme ou tableau de Tamour conjugal« sehr eingehend 
iiber derartige Dinge. - 18 Seraglio: Vgl. zu 74, n. - 18 Ibra- 
hims: Ober ihn vgl. zu 505, 30. - 20 Farren: mannl. Rind oder 
Schwein; s. auch Lichtenbergs Wortspielerei damit in G 35. - 
21 die Hiiften Gideons: Gideon, einer der groBen Richter 
Israels aus Ophra im Stamm Menasse; von dem Farren schlach- 
tenden Gideon handelt Richter 6, V. 25 ; im ubrigen spielt 
Lichtenberg auf Richter 8, V .30 an: »Und Gideon hatte 



236 ENTWURFE 

siebenzig Sohne, die aus seiner Htifte gekommen Waren ...« - 
31 Beruf: im 18 Jh, gebriiuchlich fiir : Berufung; s. auch 603, 12. 
- 34 jus publicum: oflfentliches Recht. - 
507 5 Schmaufl: Johann Jakob Schmauss (1690-1757)* Professor des 
Staatsrechts in Gottingen, wo er 1754 sein »Neues Systema des 
Rechts der Nature erscbeinen lieB. - i2parprincipe: aus Grund- 
satz. 



DIENBARB BETRACHTUNGEN FUR JUNGE GELEHRTE 



Erstperoffentlichung und Satzvorlage: »Dienbare Betrachtungen fiir 
junge Gelehrte in Deutschland, hauptsachlich auf Universitaten.« In: 
»Vermischte Schriften«, Band 3, Gottingen 1844, S. 5-14, Fragmente 
8. Eine Handschrift ist im NachlaB nicht iiberliefert. 

Zur Entstehung: Der Fragment gebliebene Aufsatz ist an Dezember- 
abenden (508, 10) geschrieben. »Wegen der Obereinstimmung seiner 
Tendenz mit der >Anrede auf dem Hirtenfest< aus Dezember 1770 ist 
er wohl ebenfalls in den Dezember 1770 zu setzen«, meint Deneke 
(a.a.O., S. 131) und fahrt fort: »Die Anklange einiger Satze an B 259 
[B 263 meiner Zahlung] aus November 1769 scheinen mir demgegen- 
iiber nicht ins Gewicht zu fallen. Das gleiche Thema hatte Lichten- 
berg zwar schon in der »Erzahlung« vom Juli 1769 (B 204), um- 
gearbeitet als >Beitrage zur Geschichte des ...< [s. S. 612-614] trak- 
tiert, aber diese neue Behandlung desselben Themas steht in Gedan- 
ken und schriftstellerischem Ausdruck so hoch iiber der friiheren 
Arbeit, dafi man diesen Abstand gern einer um i^Jahre fortge- 
schrittenen Entwicklung Lichtenbergs zuschreiben mochte.« Diese 
Argumentation ist nicht ganz iiberzeugend, AuBer den zum Teil 
wortlichenEntwiirfen in B 254. 263 spricht auch Lichtenbergs eigene 
Zeitangabe »sechs ganzer Jahre« (508, 29) dafiir, daB der Aufsatz 
Ende 1769 niedergeschrieben wurde. 

Zu seinem Gehalt vgl. Schneider (a.a.O., Bd. I, S.151-152) und 
Mautner (a.a.O., S. 51-52). 



508 6 Passatwinde: Dieser Gedanke ist B 263 entnommen; s. auch 
D 543. - lof. in den Dezemberabenden ...: wortliche Entlehnung 
aus B 263, wo lediglich von November-Tagen die Rede ist. - 
2 if- ungenannter Verfasser der paradoxen Wunsche: Verfasser der 
Gottingen 1770 bei F. A. Rosenbusch erschienenen »Paradoxen 
WUnsche« ist Johann Gottlieb Wiese (nach Holzmann-Bohatta). 
Lebensdaten unbekannt. - 25 laue Geschmacklosigkeit: Diese 
Wendung begegnet auch B 15. - 27 epidemisch: Zu diesem Aus- 



BETRACHTUNGEN FUR JUNGE GELEHRTE 237 

druck vgl. zu 379, 32. - 2p Seeks ganzer Jahre ...: Diese Wen- 
dung ist B 22 entnommen. - 33 gelehrten Fond: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 280, 2. - 34 grofle Belesenheit: Die >Vielleserei< des 
modernen Gelehrten und seiner Zeit kritisiert Lichtenberg in 
B 22. 204; vgl. auch 527, 3 f. 612, 29 f. - 3$f. ein paar Liedchen: 
Diese Wendung begegnet ahnlich in B 204 (S. 103) ; im iibrigen 
vgl. 422, 6 und zu B 190. - 36 Ubersetzung: Ober die deutsche 
Obersetzerei mokiert sich Lichtenberg auch 1032, 13. Im 
iibrigen vgl. E 186 und die Anm. dazu. 

509 if. Kandidatenprosa: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch C 74, D 90. 437. E 265. 277. Zu dieser Wortbildung vgl. 
zu 65, 4. - 6f. Die alte bekannte Barbarei ...; Zu dem Gedanken 
vgl. auch 614, 17; im iibrigen vgl. zu 269, 30 und zu B 224. 
p/. Aristotelische Philosophte: Dieser Gedanke, den Lichtenberg 
auch 614, isf. verwendet, ist B 204 entlehnt. Ober Aristoteles 
vgl. zu KA 80. - 13 Das Augsburgische: In Lichtenbergs Ter- 
minologie bezeichnet es einen Prosa-Stil a la Abraham a Santa 
Clara bzw. einen Geschmack im Sinne der von Augsburger 
Bettlern angebotenen Kupferstiche; s. B 16. 65. 197. F 364. - 
13 tandelnder Witz: Zu dem von Lichtenberg stets abschatzig 
gebrauchten Wortfeld: tandeln vgl. zu B 16. - 16 zartliche 
Nonsense: vermuth Druckfehler fur: zartlichert ...; »Zartlich«: 
Herzwort Lichtenbergs in seiner Auseinandersetzung mit einer 
spezifischen Geschmacksrichtung seiner Zeit; vgl. zu B 185. Zu 
»Nonsense« vgl. zu 326, igf. - 17/. Geschmack ... eine blofle 
Mode: Ober das Zeitphanomen des schlechten guten Ge- 
schmacks reflektiert Lichtenberg auch 526, i6ff. Im iibrigen 
vgl. zuE 359. - iSjeder kritische Schneider: Von der »Schneider- 
Gilde« als Kritikerin der »MiB Sarah Sampson« spricht Lichten- 
berg in B 297. - 22 Naturgeschichte der Barbarei: Zu ersterem 
Begriff vgl. zu 497, 26 f.; zu »Barbarei« vgl. zu 269, 30. - 
23 Pathologie des Geschmacks: Vgl. zu 7. 171*. - 31 Trieb der 
Selbsterhaltung und zur Fortpflanzung: Vgl. zu 505, 5. - 34 Ein 
jeder hat tausend Lbcher ...; Dazu vgl. B123; Lichtenberg 
notiert die Wendung auch 529, 7. - 57/. Um die Zeiten des 
ersten Barts ...; Zu dieser Wendung vgl. zu 208, nf. 

5105 Majorennitat seiner Seek: Von »Jahren der zweiten Minorenni- 
tat« spricht Lichtenberg dagegen in K 273 ; s. auch 512, 1 1. Von 
»Htterarischer MajorennitaU spricht Lichtenberg noch in der 
Miszelle »Vom Makulaturbleichen« (GTK 1793, S. 159). - 
gf. uberzeugt y dafi wir dem Trieb der Fortpflanzung ...; Diese 
Oberzeugung auBert Lichtenberg bereits in A 139. - 10 alberne 
Possen: Vgl. zu 314, 25. - igj. Wieland zuerst die Sprache gefun- 
den: Auch B 254. 263. 322. wird Wieland - iiber ihn vgl. zu 
A 99 - als Vorbild der Liebes-Dichtung apostrophiert. - 
22J. Korner . . . aufbluhen: Diese Wendung und Passage geht auf 



23 8 ENTWURFE 

B 263 zurtick. - 24 ff, zartliche Etiquette ... tandelnder Worter- 
tausch: Diese Wendungen begegnen in den Lesarten zu B 254* 
- 2jf. Schwindsucht der Vernunft ... Hofmannswaldau: Lichten- 
berg verwechselt wohl Hofmannswaldau mit Gunther, dessen 
S telle uber die » Schwindsucht am Verstande« DWB 9, 2681, 
zitiert ist. - 53/. Genuft seines eignen Selbst: Zitat nach Winckel- 
mann; s. B 163; vgl. aber auch B 160 und die Anm. dazu; 
ferner B 255. - 34 der philosophische Trinker oder Liebhaber: 
Uber den Vorzug platonischen Genusses reflektiert Lichten- 
berg auch B 77. 323 und C 15. S. auch 320, i8f. 597, 28. 602, 
4. - 35 f Taten . . . durchhallt: Diese Passage ist B 160 entnom- 
men. - 36 Jahrtausende: Vgl. die Anm. zu B 160. 
511 10 poetisches Zuckergebackenes: Dieser Ausdruck ist B 254 ent- 
lehnt. - 7 Entgeisterung: Dieser Gegensatz findet sich in B 102 
notiert. - 7ff. Sobald ... Wollust zu versehen: Diese Passage ist 
fast wortlich B 254 entnommen. - Sf es singe sanfte Empfindun- 
gen ins Herz: Vom » Sanger sanfter Empfindungen« redet 
Lichtenberg B 254. - p Scherz der Freude und der Grazien: Diese 
BegrifFe verwendet Lichtenberg in ahnlichem Zusammenhang 
auch B 364. 380. - 13 Idealisten: Diesen BegrifF gebraucht 
Lichtenberg auch B 254; vgl. ferner E 371. - 23 Bildem einer 
tdndelnden Wollust: Diese Wendung ist B 254 entlehnt. - 
24 Wieland: Vgl. zu A 99. - 24 Gleim: Ober Johann Wilhelm 
Ludwig Gleim vgl. zu B16. - 2$f tandelt wie Wieland und 
Gleim ...; Eine ahnliche Prophezeiung beziiglich Wielands be- 
gegnet B 254 am SchluB ; ein ausf uhrlicher Lobpreis auf Gleim 
findet sich B 185. - 29 Aristarchen: Aristarchos von Samothrake 
(ca. 217-145 v.Chr.), Vorsteher der Alexandrinischen Biblio- 
thek, der bekannteste Textkritiker des Altertums (bes. des 
Homer). - 31 einetn gewissen Rezensenten: Die Anspielung 
konnte von mir nicht aufgeklart werden. - 31 Jacobi: Ober 
Johann Georg Jacobi vgl. zu B 47. - 36 sein Brief an die Grafin: 
Vgl. dazu die Anm. zu B 254. 
512 4 Lorenzodose: Gemeint ist die Schnupftabaksdose, die, wie 
Sterne in der »Sentimental Journey« aus Calais berichtet, ein 
armer alter giitiger Bettelmonch namens Lorenzo dem ihm 
abweisend begegnenden Yorick schenkte. Lichtenberg erwahnt 
sie auch 923, 17 und in einem Brief an Dieterich (IV, Nr. 112, 
S. 255) vom 18. Oktober 1775. - 5 komische Erzahlungen, 
Agathons, Musarions: Gemeint sind >Neuerscheinungen< Wie- 
lands: die »Comischen Erzahlungen« waren 1766 erschienen; 
Lichtenberg zitiert sie auch B 16. 41 ; die »Geschichte des 
Agathon« erschien Frankfurt und Leipzig 1766-1767; Lichten- 
berg zitiert sie auch B 16. 347. C 325. 330 und 595, 34. 597, 33. 
Wielands Verserzahlung »Musarion« erschien 1768; vgl. dazu 
auch B 254. - 6 Yorickische Reisen: Gemeint ist »A sentimental 



MACHT DER LIEBE 239 

journey through France and Italy«, erschienen London 1768, 
von Laurence Sterne; im ubrigen vgl. dariiber zu B, S. 45. - 
6ff. vonjugend auf . . . sehr bkonomisch gelebt: Dazu vgl. B 81 am 
SchluB. - 1 seitdem Agathon heraus ist: Vgl. zu 7. 5 ; aus Lich ten- 
bergs Sudelbiichern und Briefen gibt es keinen Hinweis auf die 
Lektiire dieses Werks. - 11 Ich hexfie ... majorenn: Vgl. zu 510, 
3.-15/. im Rat der Menschen . . . Sitz und Stimme: Eine ahnliche 
Wendung begegnet auch 518, 8 f. ; vgl. ferner B 321. 366. C 194. 
D 79. E 370. J 1 3 3 1 . - 1 8/ Bemuhung, selbst zu beobachtcn . . . : Vgl. 
zu 499, 5. - 24 eigenen Fond: Vgl. zu 280, 2. - 28/ Ich bin 
Uberzeugt ...: Zu diesem Grundsatz vgl. die Ausiuhrungen in 
B 22. - 2p Allen kunstlichen Fertigkeiten . . .; Dazu vgl. auch A 11. 
- 52 aus dem eigenen Vorrat ins Buck: Dazu vgl. D 541. 

513 7 individuellen Menschen: Vgl. zu 382, 2.-17/. Lehre von Be- 
stimmung der Grenzen der Fehler: Vgl. KA 305 und die Anna, 
dazu. - 19/ System von Leib und Seek: Ober Lichtenbergs 
Privatgebrauch des Wortes System vgl. zu KA 296. - 27 Ge- 
sellschaft von Dingen: von mir verb, aus: Gesellscha/t Dingen. - 
36/f. Schri/tsteller ... blofie Trodler: Dazu vgl. B142 und noch 
J 1 129: netailersn. 

514 2 Bogen: Vgl. zu 23, 26. - 2/ Dukaten: danach in der Druck- 
vorlage Auslassungszeichen. 



UBER DIE MACHT DER LIEBE 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Ober die Macht der Liebe.« In: 
»Vermischte Schriften«, Band 2, Gottingen 1844, S. 234-244, Frag- 
mente 7. Eine handschriftliche Fassung ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: Die Abfassungszeit der beiden Briefe ergibt sich 
aus Lichtenbergs Datierung: 19. und 20. Februar 1777 - das Jahr, in 
dem Lichtenberg die Stechardin kennenlernte. Ober den eigentlichen 
AnlaB zu den Briefen ist nichts bekannt. Sie stehen zweifellos in Zu- 
sammenhang mit der durch »Werther« und »Siegwart« ausgelosten 
Mode und Diskussion des Sentimentalen. Vielleicht gab die Auf- 
fiihrung von Goethes »CIavigo« in Gottingen den AnstoB; Lichten- 
berg berichtet iiber die Vorbereitungen dazu an Schernhagen am 10. 
und 17. Februar 1777 (IV, Nr.146. 147, S. 293. 295). Vielleicht war 
aber auch die bevorstehende Heirat Heynes mit Georgine Brandes 
der Grund; Lichtenberg schilderte die Mamsell als Frau, wie sie 
seines Erachtens sein sollte, in einem Brief an Hollenberg (IV, Nr. 148, 
S. 296) aus dem Marz 1777. Lichtenberg kommt in dem Sudelbuch F 
zweimal auf die beiden Briefe zu sprechen : F 442. 468. An erstgenann- 



240 ENTWURFE 

ter Stelle schreibt er: »fwr das Museum, Hieriiber: Freiheit zu denken, 
Kunst zu denken, Raserei der Zcit, Liebe aus dem Brief an Frau Pro- 
fessor B. vieles . . .« Der hier skizzierte Schreibplan, fur Boies »Deut- 
sches Museum« gedacbt, aber nicht zustandegekommen, ist natiirlich 
Lichtenbergs Versuch der groBen literarischen Satire »Parakletor«. 

Zum Gehalt des Textes vgl. Schneider (a.a.O., Bd. I, S. 152-154) 
und Mautner (a.a.O., S. 219-220). 



515 4 wie ich vorgestern angefangen: Dieser erste Brief vom 17. Februar 
1777 ist nicht erhalten; s. auch F 468. - 6 fur Sie: Adressatin ist 
Friedrike Baldinger, die auch das »Fragment von Schwanzen« 
veranlaBt hat; uber sie vgl. zu F 442. - 12 meiner Methode: Ober 
Lichtenbergs »Gedanken-System« vgl. zu KA 296. - 55/. aus 
Respekt ...nichts zuglauben: Diese Wendung begegnet positiv 
E196; s. auch F1127. 

516 5/. meinen, sieglaubten etwas...: Diese Wendung ist F 348 ent- 
lehnt. - $f. Dinge ... nachzumeinen ... blofi nachsprechen: Zum 
Gedanken vgl. D19; nachmeinen gebraucht Lichtenberg auch 
J 538. - 21 f. die Stimmcn nurzahlen ... wdgen: Vgl. zu 263, 4f. - 
26 JC...: Kastner? - 26 D...: Dieterich? -30/ Mifitrauen gegen 
alle Meinungen der Menge: Zu dieser Maxime Lichtenbergs vgl. 
etwa D 19. - 33/. Systems von Kenntnissen: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu KA 296. 

517 10J.L... sAbhandlung vom Selbstmord: Gemeint ist die Gottingen 
1777 erschienene Abhandlung »Vom Selbstmord« von Le6; 
liber ihn vgl. zu C 92. - tof. jemand ... gesagt hat: vermutlich 
Lichtenberg selbst; vgl. dessen Selbstmord-Reflexionen A 126 
und die Anm. dazu. - 20 j. uber das Herz gefaltenen Handen: Zu 
dieser Beobachtung vgl. G74; s. auch 925,22. iou,27f. - 
36 Barden: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 303, 7. 

518 1 Meiners: Christoph Meiners hatte Gottingen 1776 »Betrach- 
tungen uber die Frage. ob wir es in unsrer Gewalt haben, uns 
zu verlieben oder nicht« veroffentlicht ; uber ihn vgl. zu C 52. - 
5 den Mann jetzt liebe: Zu diesem positiven Urteil vgl. aber 
sparer J 508. 862. L470; s. auch Briefe (IV, S. 7*6. 733). - 
7 poetische Faselei: Dieser Ausdruck begegnet ahnlich auch 
F215; s. ferner C 334. D 658. - 8f. im Rat der Menschen ... 
Stimme haben: Tax dieser Wendung vgl. zu 512, I5f- - u Zeu- 
gungstrieb: Vgl. zu 505,5. - 18 schwdrmenden Liebe: Von 
»Wertherischem Schwarmen in der Liebe« spricht Lichtenberg 
F 390. Von »weinerlicher Liebe« spricht Lichtenberg 379, 5. - 
26 junger Schwarmer: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 252, 4. - 
33 wenigstens: von mir verb, aus: wenigstes. 

519 4 courten: den Hof machten. - 27 unsere Barden: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 303,7. - 31 lies Eulern und Hallern statt G...: 



PARAKLETOR 24I 

Ober Leonhard Euler vgl. zu A 166; iiber Albrecht von Haller 
vgl. zu A 230. Als positives Vorbild zitiert Ietzteren Lichtenberg 
auch G 131. G. . . ist selbstverstandlich Goethe, dessen »Werther« 
520, 26 apostrophiert wird; iiber ihn und Lichtenbergs Stellung 
zu ihm vgl. zu D128. - ji/. den stdrkenden Plutarch: Diese 
Wendung begegnet fast wortlich in F 667; iiber Plutarch vgl 
zu A 42. - 52 entneruenden Siegwarts: Auch diese Wendung 
begegnet ahnlich in F 667, wo lediglich von dem »entnervenden 
Werther« und »faden Klostergeschichten« die Rede ist. Ober 
Miller und seinen Roman vgl. die Anm. dazu. Lichtenberg er- 
wahnt ihn auch 379, 2of. 421, 20. - 52/". lerne dein braunes 
Madchen geniefen: Dazu vgl. Lichtenbergs Aufierung C23. - 
55 Adel der Seek: Zu dieser Wendung vgl. B 284 und die Anm. 
dazu; s. auch F 498 und 592, 27. - 53 Empfindsamkeit: Vgl. zu 
264, I3f. - 55 Lieb* und Wein: vermutlich Anspielung auf den 
Anfang von Hillers beruhmtem Couplet »Ohne Lieb* und ohne 
Wein«, das auch Lichtenberg gern zitierte: IV, S. 183. 270. 
467. 1020, 

520 12 Spielsache: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch in 
den Briefen (IV, Nr. 21, S. 39)* - 23 Wollustling: Zu Lichten- 
bergs Reflektion iiber die Wollust vgl. A 112 und die Anm. 
dazu. - 26 Werther: Ober Goethe und seinen Roman vgl. zu 
D 128. Lichtenberg erwahnt das Werk auch G 5. 

521 3 die kranke Frau im Gellert: Gemeint ist die Fabel »Die kranke 
Frau«, erschienen in den »Sammtlichen Schriften«, Leipzig 
1769, Bd. I, S.i29ft\, in der es am SchluB heiBt: »Der Krank- 
heit Grund war bloB ein Kleid gewesen, / Und durch das 
Kleid muB sie genesen./So heilt des Schneiders kluge Hand/ 
Ein Obel, das kein Arzt gekannt !« Ober Christian Furchtegott 
Gellert vgl. zu B 95. - 8j, in Ketten nach Celle: In Celle befand 
sich seinerzeit neben dem noch heute bestehenden Zuchthaus 
auch ein 1731 erbautes >Narren-Spital<; vgl. E 53. 



ZUM PARAKLETOR 



Erstveroffentlichung und Satzvorhge: »i. Der Fliegenwedel oder Vor- 
rede des Herausgebers.« Erschienen in: Aus Lichtenbergs NachlaB, 
Weimar 1899, S. 68-72; »2. [Vorrede].« Erschienen in Sudelbuch D, 
S. 264; »3. Vorrede.« Erschienen in: Aus Lichtenbergs NachlaB, 
Weimar 1899* S. 72-73; »4. UnmaBgeblicher Vorschlag, wie dem 
immer mehr einreiBenden guten Geschmack in Deutschland zu 
steuern sey von Conrad Photorin.« Erschienen in: Lichtenbergs 
Aphorismen, Heft 3 (Sudelbuch E), S. 361-365 ; »5. Briefe von Mag- 



242 ENTWURFE 

den uber Literature Erschienen in: »Vermischte Schriften«, Band 3, 
Gottingen 1844, S. 134-136. 

Zur Entstehung: Zu C 254 ist einer Idee Lichtenbergs gedacht wor- 
den, sich mit den Rezensenten seines »Timorus« auseinanderzusetzen : 
aus dieser Idee hat sich im Winter 1773 auf 1774 ein weitgreifenderer, 
gegen das Rezensentenwesen iiberhaupt gerichteter satirischer Plan 
entwickelt, von dem Lichtenberg am 3. April 1774 an Nicolai 
meldet (IV, Nr. 95, S. 198): »Ich habe ein ahnliches Ding gegen die 
schlechten gelehrten Zeitungsschreiber in miiBigen Stunden zusam- 
mengeschrieben. Es sind aber noch einzelne Blatter und isolierte 
Kapitel, die nun noch ineinander gepinselt sein wollen«. Die an die 
Rezensionen des »Timorus« ankniipfende Vorrede dazu, im Herbst 
1774 niedergeschrieben, ist fertig ausgearbeitet erhalten. Es ist der 
S. 522-524 abgedruckte »FHegenwedel«. Er ist auf einem Quartbogen 
uberliefert. Man wird nicht fehlgehen, wenn man diese Vorrede in 
die letzten Monate von 1773 oder ins Jahr 1774 setzt. Zu dieser Vor- 
rede sind im NachlaB auf gesonderten Blattern verschiedene Entwiirfe 
und Fassungen vorhanden. Eine Variante ist S. 524-525 abgedruckt, 
eine andere Variante (S. 525-526) ist im NachlaB auf einem Folioblatt 
uberliefert, das urspriinglich das leere letzte Blatt eines Briefes an 
Lichtenberg war und auf der RUckseite noch die Adresse von unbe- 
kannter Hand zeigt. Das Blatt enthalt auBerdem noch folgende drei 
Aufzeichnungen, die Leitzmann (Aus Lichtenbergs NachlaB, S. 213) 
nicht zu der Vorrede zu gehoren schienen: »Den Grtinden seiner 
Gegner alle Starke zu geben, da ist selbst Sophisterei verzeihlich«. Die 
zweite Notiz lautet: »Einige haben mir vorgeworfen, daB ich den 
Juden eine Lobrede gehalten habe. Das ist nun gewiB nicht wahr; 
man frage nur meine Freunde; denn nachst meinen eigenen bosen 
Begierden«. Die dritte Eintragung lautet: »Mein Verfahren gegen 
meine schlechten dummen Gegner ist das eines ehrlichen Marines, 
der sich nichts nehmen laBt. Ich beweise, priigle darin, schimpfe und 
mische zuweilen einen kleinen Fluch mit ein. Wenn ich mit der 
Rechten Wunden schlage, so halte ich schon das Pflaster in der 
Linken berelt, und wo ich einem ein Fenster einschmeiBe, so geschieht 
es fast immer mit Dreigroschenstiicken, Der Schimpfwdrter bediene 
ich mich selten und nur in solchen Fallen, wo sie erlaubt und seit jeher 
von den groBten Mannern sind gebraucht worden, namlich wo man 
einen Beweis abkurzen will oder sich die Miihe nicht nehmen will 
einen zu fiihren«. Ferner sind noch zwei weitere Entwiirfe zu Vor- 
reden erhalten, deren Anfange zu dem »Fliegenwedel« stimmen und 
nur in Kleinigkeiten abweichen. Die erste langere Variante umfaBt 
den ersten Absatz von D 653 (statt: »habe ich inn gedampft« heiBt es: 
»habe ich ihn noch von dorther durch Philosophic zuriickgebracht«, 
statt: »zur Unsterblichkeit« nach D166 »zu Brod und Unsterblich- 
keit«), fiigt daran den ersten Satz des dritten Absatzes, vermehrt um 



PARAKLETOR 243 

den Gedanken von D 430 und 497, und schlieBt niit dem aus D 67 
und 71 erwachsenen Satz: »Jeder Zeitungsschreiber, der sich eine 
Motion machen will, schindet einen Schriftsteller und jeder Sekun- 
daner, wenn er nicht schon bei irgend einem kritischen Gericht wenig- 
stens auf der ungelehrten Bank sitzt, macht unserm Portrait einen 
Bart.« Die zweite ktirzere Variante stimmt im wesentlichen zur ersten, 
entspricht aber nur den beiden ersten Satzen des ersten Absatzes von 
D 653; zwischen beide ist eingeschoben : »Oft wenn mir Zeit und 
Genie zuraunte: jetzt, Photorin, jetzt schlage zu, werde der Retter 
deines Vaterlands, du kannsts, so habe ich gepfiffen oder an den 
Fensterscheiben getrommelt.« SchlieBlich teilt Leitzmann in Apho- 
rismen-Heft D, S. 314 zu D 533 (seiner Zahlung) abermals ein im 
NachlaB erhaltenes Blatt zur Vorrede mit, das folgenden Wortlaut 
hat: 

»Eine der groBten und wichtigsten Erfindungen ware wohl eine 
Waage, auf welcher das Gewicht jeder Tat und jedes Gedankens be- 
stimmt werden konnte, den sie in dieser Welt, so wie sie damals 
stund, als sie wurklich wurden, haben. Oder eine Sprache, in welcher 
die Iliade iibersetzt gleichlautend mit Newtons Principiis ware, so daB 
der Weltweise, der Arzt, der Theologe, der Jurist, wenn er, es sei was 
fur ein vollkommenes Werk in jeder Wissenschaft es wolle, auch in 
derjenigen, wovon er nicht die mindeste KenntniB und wofur er 
nicht das mindeste Gefuhl hat, lase, allemal ein vollkommenes Werk 
seines Fachs zu lesen glaubte.« 

Schon Schneider (o.c. I, p. 170) hat darauf hingewiesen, daB erst 
der dritte Entwurf einer Vorrede (S. 525-526) von einer Antwort auf 
die Rezensenten des »Timorus« Abstand nimmt und den Bogen zu 
»Parakletor« schlagt. Seine Niederschrift ist ofFenbar 1776 erfolgt, 
worauf auch die Formulierung »Theorie der schonen Kiinste fiir das 
laufende Jahr I776« hinweist (s. S. 526). 

Durch Nicolais Antwort auf Lichtenbergs oben zitierten Brief vom 
3. April 1774, die nicht erhalten ist, hatte die geplante Satire namlich 
inzwischen eine veranderte Richtung erhalten. Sie sollte nun vor 
allem die Originalgenies der Sturm- und Drangzeit aufs Korn ueh- 
men. Das bezeugt Lichtenberg selbst in einem Brief an Nicolai (IV, 
Nr. 128, S. 273) vom 2. September 1776: »Meine Schrift, von welcher 
Ihnen Dieterich gesagt hat, ist eigentlich ein Versuch einen Vorschlag 
auszufuhren, den Sie mir einmal vor ein paar Jahren taten, meine 
Satyregegen die verderbliche Geniesucht unserer Zeit zu wenden. Sie liegt 
schon lange in einzelnen Blattern fertig, es muB aber manches besser 
verbunden und mehr zusammengedrangt werden. Zeit hatte ich 
wohl zuweilen dazu, auch bin ich ofters aufgelegt, allein daB ich Zeit 
haben sollte, warm ich aufgelegt bin, diese gllickliche Konjunktion 
ereignet sich selten bei mir.« Ahnlich schreibt Lichtenberg Januar 
1778 an Hindenburg (IV, Nr. 129, S. 274). Diese Anregung Nicolais 
wirkte in Lichtenberg fort, der Gedanke begleitete ihn im Herbst 



244 ENTWURFE 

1774 nach England; und wahrend seines uber einjahrigen Aufenthalts 
dort und nach seiner Riickkehr entstanden groBtenteils die kleineren 
und groBeren Bruchstiicke, die in den Sudelbuchern D und E (s. vor 
allem D 610. 611. 616. E 147) von dem niemals abgeschlossenen 
Werk Zeugnis ablegen. In der englischen Zeit gewann die Satire 
auch den kurzen und pragnanten Titel »Parakletor«. Die verschiede- 
nen Formulierungen des Titels spiegeln die geanderte Konzeption 
wider (s. D 526. 532. 603. F 562). 

Angesichts des fragmentarischen Charakters der Arbeiten Lichten- 
bergs am »Parakletor« erstaunt seine wiederholt getane AuBerung, 
daB die Satire im wesentlichen fertig sei. Diesen Eindruck vermittelt 
auch ein Brief an Chodowiecki (IV, Nr. 138, S. 284) vom 23. Dezem- 
ber 1776, wo Lichtenberg schreibt: »Nun hatte ich noch eine Bitte in 
meinem eignen Namen. Ich bin willens vielleicht urn Ostern etwas 
Satyrisches drucken zu lassen. Wenn Sie Herrn Nicolai genau kennen, 
so wird er Ihnen vielleicht etwas davon sagen.« Tatsachlich war seit 
dem Fruhjahr und Sommer 1776, wie aus dem Sudelbuch F ersicht- 
Hch ist, ein anderes zeitgenossisches Modephanomen in den Mittel- 
punkt des Interesses von Lichtenberg getreten: Lavater und das Heu- 
schreckenheer von Physiognomen. Noch ein paarmal taucht der alte 
Satiren-Gedanke fliichtig auf, einmal, im Marz oder April 1777, 
wiederum in etwas veranderter, jetzt mehr moralisch-padagogisch 
als satirisch-kritisch gehaltener Tendenz (vgl. F 442). An Gedanken- 
komplexen zum »Parakletor« erschienen in den Sudelbuchern etwa 
die »Bittschrift der Wahnsinnigen« (vgl. E 53 und die Anm. dazu), die 
Ausfuhrungen »Ober den deutschen Roman« (vgl. E152. 209). 
Ebenfalls zu den Arbeiten fiir »Parakletor« ist der »Unrna£gebliche 
Vorschlag ...« zu zahlen (s. S. 526-530). Der hier vorliegende Text, 
der von mir mit der Handschrift verglichen wurde, befindet sich auf 
einem Foliobogen in einer Tasche des inneren Riickendeckels von 
Sudelbuch E. Der Text ist aber junger als dieses Sudelbuch und 
fruhestens in den April 1776 zu datieren. 

SchlieBlich gehoren auch die »Briefe von Magden iiber Literatur« 
zu den satirischen Partikeln des »Parakletor«, auch wenn sie nun als 
selbstandige Satire erscheinen. Wahrend die Herausgeber der »Ver- 
mischten Schriften« die Briefe irrtiimlich in Zusammenhang mit 
Lichtenbergs Verteidigung des »Timorus« und den dazu konzipierten 
Schriften stellten (s. VS 3, S. 131, Anm.), auBerte Lichtenberg selbst 
in E 151 die Absicht, die Briefe »in dem Buch« anzubringen. Ich 
glaubte mich daher berechtigt, sie erstmals nicht als selbstandige 
Arbeit zu edieren, wie es bislang ublich war, sondern in ihren von 
Lichtenberg gedachten Kontext zu stellen. 

Die »Briefe«, zu denen eine Handschrift nicht erhalten ist, sind 
Leitzmann zufolge (s. Aphorismen-Heft D, S. 297, FuBnote) nach 
Weihnachten 1773, also wohl Anfang 1774 entstanden, wahrend 
Schneider (o.c. I, p. 175) annimmt, daB sie zwischen Anfang 1774 



PARAKLETOR * 245 

und Herbst 1775 entstanden sind. Mir erscheirien beide Chronologi- 
sierungen zu frtih angesetzt; die Tatsache, daB gaiiz oflfenbar ver- 
schiedene Gedankengange und Fortnulierungen aus den »Briefen« in 
den »Orbis pictus« ubergegangen und eingeflossen sind (vgl. E159), 
machen mir ihre Niederschrift zwischen 1776 und 1778 wahrschein- 
licher. 

Bei der Konzeption des Plans durften die Briefe des Dienstmad- 
chens Winifred Jenkins in Smolletts »Humphrey Clinker« (1771) 
nicht ohne EinfluB gewesen sein, zu denken ist aber auch an das noch 
im »Orbis pictus« (s. 397, 30) gertthmte Dienstmadchen in »Tom 
Jones« von Fielding. Hinweise auf diese Brief-Satire begegnen E 151. 
159. 252. 258. 323. 371. 374. 375- 

Die letzte Gestaltung des »Parak!etor« datiert von 1778. Es ist das 
satirische Gedicht in Alexandrinern, aus dem 1783 Partien veroffent- 
licht wurden (s. 419, 28 ff ). Ein letztes schwaches Echo des »Parakletor«- 
Plans findet sich in J 902, geschrieben Marz 1792. Die letzte sichere 
Erwahnung des Plans auBerhalb der Sudelbiicher gibt ein Brief an 
Hollenberg (IV, Nr. 152, S. 299) vom 12. Oktober 1777, in dem es 
heiBt: »Die Satyrische Schrift liegt noch wie damals und wartet auf 
einen Passat- Wind. « 



522 2 Fliegenwedel: Diesen Ausdruck als Titel einer Vorrede notiert 
Lichtenberg D 105. - 7 Buchern ... zum Muckenwehren: Zu 
dieser Wendung vgl. zu 232, 22. - 12/*. Leser ... Durchblatterer: 
Diese Antithese ist C 255 entnommen. Den Ausdruck »Durch- 
blatterer« gebraucht Lichtenberg auch 417, 33. - 16 Beifall den 
sein Timorus erhalten: Dazu vgl.oben S. 83 f.; s. auch 525, 9. - 
21 unset verlornes Ol t Talg und Miihe: Ahnlich formuliert 
Lichtenberg in Dioo. - 21 f. um ... Brod und Unsterblichkeit ... 
bringen: Diese Wendung geht auf D 166 zurtick. - 27 Cavaceppi: 
Ober Bartolomeo Cavaceppi vgl. zu TB 1. - 32 Jungfernwachs: 
Iat. cera virginea: unbebrutetes, ungebleichtes weiBes Bienen- 
wachs, u.a. zur Amulettherstellung verwendet. - 32 papier 
machi: frz. >gekautes< Papier; bildsame Masse zum Modellieren; 
Lichtenberg gebraucht das Wort auch D 213. 578. - 33 Opus 
einstampft: Tax diesem Gedanken vgl. D 578. 

523 1 Gellert . . . in Leipzig: Das Marmormonument Gellerts, seiner- 
zeit im Wendlerschen Garten in Leipzig, wurde nach einem 
Entwurf von Oeser geschaffen. Ober Gellert vgl. zu B 95. - if. 
Munchhausen ...in Gottingen: Lichtenberg meint vermutlich das 
Portrat Gerlach Adolf Freiherr von Munchhausens - iiber ihn 
vgl. zu B 56 - von Gottfried Boy 1747, das im Treppenhaus der 
Gottinger Universitatsbibliothek hangt. - J5 Pillen verguldet: 
Tax diesem Bild vgl. D 650 und die Anm. dazu; s. auch 936, 3 
und Briefe (IV, 878). - 17 j. Asmus ... von seinem Timorus 



246 ENTWURFE 

sagen: Dazu vgl. oben S. 83; uber Claudius vgl. zu E155. - 
z$j. WasLaune oder der Humour der Englander ...: Diese Wendung 
ist wortlich D 599 entlehnt. Zu den BegrifFen vgl. zu 410, 6. - 
26 eigentlich wolle: Danach von Lichtenberg gestrichen: weifi er 
noch nicht t es ist dieses Wort in unsern Tagen so haujig. - 2pJ. 
Schiebeler ... durch Laune ... Wichmann ... durch Feuchtigkeit 
ubersetzt: Vgl. D 599 und die Anm. dazu; iiber Daniel Schiebe- 
ler vgl. zu C 360; iiber Christian August Wichmann vgl. zu 
B 16. - 33 Wort Butterbrod: Tax dieser Wendung vgl. D 69 und 
die Anm. dazu. - 36 Timorus: danach von Lichtenberg gestri- 
chen: eine Satyre ware. Im iibrigen vgl. oben S. 82 f. - 38 ironice 
abgefafit: Diese Wendung 1st wortlich E 245 (S. 400) entlehnt. 

524 6f. dem treuherzigen Ungenannten ... in der Frankfurter gelehrten 
Zeitung: Dazu vgl. oben S. 84. Uber die »Frankfurter gelehr- 
ten Anzeigen« vgl. zu C 342. - 8f. Faden . . .frommes Pfui: Diese 
Wendung ist fast wortlich D 164 entlehnt. - 14 tin Mann von 
weit grofierm Verdienst: Womoglich ist mit dem Mitarbeiter an 
den »Frankfurter gelehrten Anzeigen«, dessen briefliches Urteil 
Lichtenberg mitteilt, Wenck in Darmstadt, oder Merck ge- 
meint. -16 schreibt . . . skribbelst: Diese Antithese ist F 976 ent- 
lehnt; im iibrigen vgl. zu 419, 3.-17 ausgedmckt: Zu dieser 
Lichtenberg eigentiimlichen Schreibweise vgl. zu 279, 25. - 
18 Der Rezensent ... Mettwurste pp.: Dieses Zitat teilt Lichten- 
berg im vollen Wortlaut in einem Brief an Nicolai (IV, Nr. 95, 
S. 196) vom 3. April 1794 mit. - 21 armer Teufel: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 214, 31.-26 Ich hake dafiir ...; Dazu s. oben 
S. 241 f. 

525 4 Dedikation ... Bettelbrief: Diese Wendung ist D 558 entnom- 
men. - p Der ungemeine Beifall: Mit diesen Worten beginnt nach 
Schneider, o.c. I, p. 170, die 3. Vorrede; s. auch 522, 16. - 
p mein Timorus: Dazu vgl. oben S. 82 f. - 10 Deutsch-Bootten: 
Bootien: Landschaft des ostl. Mittelgriechenland zw. dem Golf 
von Korinth und dem Kanal vonEuboa; in den Augen Athens 
galten die Bootier als plump, baurisch, ungebildet. Lichtenberg 
bezeichnet damit gern die Vertreter des >Sturm und Drang<, die 
Mitarbeiter an den »Frankfurter gelehrten Anzeigen«, die 
>Saxenhauser<. Vgl. dazu auch zu D 416. -is Parakletor ge- 
nannt: Dazu vgl. oben S. 241 ff. Parakletor: Schutzhelfer, Ver- 
teidiger, Troster. - 16 Rom: von Lichtenberg verb, aus: die 
Barbaren. - 17 Jerusalem desguten Geschmackes: Athen? - 20 an- 
gespien: danach von Lichtenberg gestrichen: Werjemals in der 
Welt eine Feder angesezt hat, wird sehen, dafi ich die Schrifftsteller 
meine, deren Holle sicherlich Usher Deutschland gewesen ist. - 
24 Gassenjungen: von Lichtenberg verbessert aus: Auslander. - 
27 dann endlich: danach von Lichtenberg gestrichen: denjungsten 
Tag [unter] einem Grabstein abgepafit. -31/. Gedanken-Korner . . . 



PARAKLETOR 247 

zu Dissertationes aufkeimen: Diese Wendung, die ahnlich D 313 
begegnet, ist E 1 89 entlehnt. - 3$ Arcana: Arcanum : Geheimnis, 
Geheimmittel, bes. in der Alchemic Lichtenberg gebraucht den 
Ausdruck auch D 593. E 72. RA 127. 

526 1 Bemerkungen uber das Postwesen: Diese Wendung begegnet 
ahnlich auch E189; zu Lichtenbergs Plan uber das deutsche 
Post-(Un-)Wesen vgl. E 152 und die Anm. dazu. Im ubrigen s. 
auch 724, 37. 798, 31. 842, 38. - jf, Theorie der schonen Kunste 
jut ... 1776: Dieser Einfall ist E 114 entnommen; er begegnet 

bereitsD 192. 613 undE 189. Lichtenberg verwendet ihn auch 
532, 3f. - 10 potentatische Worter: Dieser Ausdruck ist E 355 
entnommen; vgl. auch die Anm. dazu. Lichtenberg gebraucht 
ihn auch ahnlich 387,37: reputatische Worter* -11 Sonntags- 
prose: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg erstmals B115; 
im ubrigen vgl. zu 65, 4. - 14/. Vermeide ... Skopul: Zu diesem 
Satz vgl. KA164 und die Anm. dazu; s. auch E 315. - 16 f. 
immer mehr einreiflenden guten Geschmack: Vgl. zu 509, ijf. - 
18 Conrad Photorin: dahinter von Lichtenberg gestrichen: der 
Theologie und belles lettres Candidates Die gleiche Floskel be- 
nutzt Lichtenberg ungekiirzt bei der Satire »Timorus«; uber das 
Pseudonym vgl. zu 205, 10. — 31 Endzweck: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 12, 18. -31J. das giildne Lappische: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu KA 143. - 33 zehen Kopje hatte: von Lichtenberg 
verb, aus: des Teufels ware. - 34 in Abstracto: im allgemei- 
nen. 

527 2/. unsere Romane: Dazu vgl. E152. - 3 deutsche Charaktere: 
Vgl. D 214 und die Anm. dazu, ferner E154; s. auch 529, 23. 
598,34. - 3 Joumale: Dazu vgl. D 214 (S. 266). - 3/. Viel- 
Lesen ohne zu verdauen: Vgl. zu 508, 34; den Vergleich zwi- 
schen Lesen, Studieren und Essen, Verdauen macht Lichten- 
berg F 203. - gff, Wir sollen .. . Kinder zeugen: Diese Passage ist 
fast wortlich D 610 (S. 323) entlehnt; s. auch 529, 23 f. - 14/. 
der verzwickte Adel ... im Kopf: Dazu vgl. D 45. - 20 Kastner: 
Ober ihn vgl. zu A 179. - 20 Heyne: Uber ihn vgl. zu B 239. - 
33J Buchstabier-Stall . . . Plauder-Saal der Akademie: Diese Wen- 
dung ist wortlich D 57 entnommen; s. auch 895, 24. - 36$. 
Gesner ... nachahmen: Gesners Abhandlung »Socrates sanctus 
paederasta« - vgl. F 467 -, erschienen Gottingen 1753 in den 
»Commentarii societatis regiae scientiarum gottingensis«, 
Band 2 fiir dasjahr 1752, S. 1-31, ist S. 32-35 ein »Corollarium 
de antiqua Asinorum honestate« angefugt. Ober Johann 
Matthias Gesner vgl. zu B200. - 37 f. de antiqua asinorum hone- 
state: Ober die Ehrbarkeit der Esel in der Antike; uber den Ruf 
des Esels reflektiert Lichtenberg schon A 26; vgl. die An- 
merkung dazu; s. auch S. 590-591. - 38 Comment: Gott: Ober 
die Gottinger Commentarien vgl. zu KA 71. 



248 ENTWURFE 

528 if T£p7T0uaiv . . . asiniddia: Vgl. zu 238, 37. - 4 eine Feder die 
gut schreibt: Dazu vgL H 129. - 6 point d'honneur bei den Manns- 
personen; Die Notiz bezieht sich auf B 139; vgl. die Anm. dazu; 
point d'honneur: Sitz der Ehre. Lichtenberg gebraucht die 
Wendung auch 585, n. 700, 37f. 836, 24.-7/. Das Land, wo..,: 
Diese Notiz, von Lichtenberg gestrichen, istE 348 entnommen. 

- 7 Shakespeare: Ober ihn vgl. zu A 74. - 8 Pontius Pilatus: 
Ober ihn vgl. zu 341, 31 f. -9 Kunkels Geschichte: Dazu vgl. 
unten S. 283 £ - 1 Esgibt 100 Witzige . . . ; Diese Notiz ist C 100 
entnommen; vgl. auch die Anm. dazu. Lichtenberg verwertet 
den Gedanken auch 531, 14. - 11 f vielleicht das Hob-Rad ... 
Jocoser: p. 131: Gemeint ist B 355. - 13 Rede des Sprutzen- 
meisters: Gemeint ist B 354. - 14 f Feuer-Ordnung ibid. p. 122: 
Gemeint ist B 3 3 3 . - 1 6 ibid, p. 119 Hatte die Natur . . . ; Gemeint 
ist B 323. - 17 Da gut schreiben so schwer ...: Die Wendung ist 
B 321 entnommen. - 18 So vortrefflich sick die gesunde Vemunft 
...: Die Wendung ist B 303 entnommen. - 2of Ein Cicisbeo der 
Justiz ... ibid, p. go: Die Wendung ist B 225 entnommen. - 

20 Cicisbeo: seit dem 16. Jh. in Italien (Genua) der Begleiter und 
Gesellschafter, bisweilen auch der Vertraute und Liebhaber einer 
verheirateten Frau. - 22 Das Saugen der Baren . . . ; Die Notiz 
bezieht sich auf B 223. - 23 Mathematische Metkode ...: Die 
Notiz ist B 190 entnommen. - 23 Ordnung der Pandekten: Die 
Notiz bezieht sich gewiB auf B 190; s. aber auch F410: »die 
Pandekten der Unordnung wegen«. Im ubrigen vgl. zu 408, 
19. - 27 Etwas von der Geschichte der Barbarei: Gemeint ist »Eine 
Erzahlung«: B 204; vgl. auch 509, 6. 614, 17. - 28 Das mora- 
Hsche Universale . . . ; Diese Wendung basiert auf einer Formu- 
lierung in B 195. - 29 Pfennigs-Begebenheiten: Dieser Ausdruck 
ist B195 entlehnt; zu der Wendung vgl. auch 868,36. - 
29 Leben [des] Nadir Schah: Ober ihn vgl. zu KA 244. -30 Wenn 
er seine Schnupftabaks-Dose . . . : Die Notiz bezieht sich auf C 126. 

- 31 Liscows Vorschlag: Gemeint ist »Die Vortreflichkeit, und 
Nohtwendigkeit der elenden Scribenten griindlich erwiesen 
von ...« (1736), crschienen in der »Samlung Satyrischer und 
Ernsthafter Schriften*, Frankfurt und Leipzig 1739, S. 504, wo 
es heiBt: »Ich bin auch versichert, da£ es nicht tibel gethan seyn 
wiirde, wenn man sie bestandig geknebelt, und an alien vieren 
gebunden, liegen lassen wolte.« Ober Liscow vgl. zu KA141. - 
33 Instruktion des Kunkel ...p. 79: Die Notiz bezieht sich auf 
B196; uber Kunkel vgl. zu A 57. - 34 Nonsense Verses auf den 
englischen Schulen: Die Notiz bezieht sich auf B 179. - 35 ver- 
heiratete vierfufiige Mensch: Diese Wendung ist B165 entnom- 
men. - 36 kakochymiscke Miene: Diese Wendung geht auf B 162 
zuriick; vgl. die Anm. dazu. - 57 Predigt uber Silberschlags 
Worte, p. 63.: Gemeint ist B152; vgl. die Anm. dazu. 



PARAKXETOR 249 

529 1 In dem: und er nahm eine Prise ...; Die Wendung sowie die 
folgenden zwei Zitate beziehen sich auf B 128. - 1 Qu*il 
mourut: »DaB er tot ware«. Zitat aus »Horace« 3. 6* von Pierre 
Corneille. - 2 Soyons amis, Cinna: »LaB uns Freunde sein, Cin- 
na«. Zitat aus »Cinna« 5, 3 von Pierre Corneille; iiber ihn vgl. 
zu B 128. - 3 Ich halte die Schlangen-Linie ...; Die Wendung 
bezieht sich auf B 131. Hogarths »Schlangenlinie« erwahnt 
Lichtenberg auch 352, 28; s. die Anm. dazu. - 5 vielleicht was 
S. 56, 57 steht: Gemeint ist B 137. - 6 von der weitspurigten 
Philosophie: Diese Wendung bezieht sich auf B 140. - 7 Der 
Stolz guckt ..,; Die Wendung geht auf B 123 zuriick. Lichten- 
berg verwertet sie 509, 34. - 8 Das ist so gewifi als ...; Diese 
Wendung ist fast wortlich B 120 entnommen; s. auch E 32. - 
9 Manche Ziehen die Linie ...: Diese Wendung ist B 86 ent- 
nommen. -11 Kepa<; AfiaX$£ta$: griech. >Hom der Wahr- 
heit<; gemeint ist das Exzerptenheft KA, auch Fullhornbuch 
genannt, das Lichtenberg 1765-1772 fuhrte (s. Bd. 2 unserer 
Ausgabe, S. 40-87). - 12 kteinen Zettuln: vermutlich Notizen 
in der Art der Vorarbeiten zu »Der doppelte Prinz«; im 
NachlaB nicht auffindbar, falls nicht die unten S. 295 er- 
wahnten Einzelblatter gemeint sind. - 13 Alexandriner . . . em- 
gemischt: Entwiirfe dazu begegnen F 1166. 11 70; im ubrigen 
vgl. S. 414-426, - 14 Ich wunschte mir nicht ...: Diese Notiz ist 
fast wortlich B 85 entnommen. - 17/ Empedokles, Doktor Faust 
und Roger Baco ...fiir Hexenmeister gehalten: Diese Wendung 
ist fast wortliches Zitat von B 70; Lichtenberg verwertet den 
Gedanken auch 597, 37. Uber Empedokles, Roger Baco, Faust 
vgl. zu B 70. - 19 von den Drusen eines Fressers. p. 26: Gemeint 
ist B 61. - 20 deutsche Charaktere liefern: Zu dieser Wendung 
vgl. zu 527, 3. - 21 f. haben keinen allgemeinen Fluch ... Galgen: 
Dazu vgl. E 208. - 23 Die Schriftsteller sollen deutsche Charak- 
tere ...; Vgl. zu 527, 3.-25 Anfang von Kapiteln ... wie bulla 
Unigenitus: Die Notiz bezieht sich auf B 59. »Unigenitus dei 
filius« waren die Anfangsworte der von Papst Clemens XL im 
September 1713 erlassenen Bulle gegen den Jansenismus. - 
26 votn Nutzen ...p. 22: Gemeint ist B 54. - 27 Der Stil . . . ins 
Lohensteinische: Die Wendung ist fast identisch mit B 53; Uber 
Lohenstein vgl. die Anm. dazu. - 27/. Damals ... Gnadenstofi 
geben sollen: Diese Wendung basiert auf D 383 ; im ubrigen vgl. 
zu 416, 19. - 29 Betrachtung p.14: Gemeint ist B 25. - 30 Der 
Pobel ruiniert sich ...: Diese Wendung ist fast wortlich B 21 
entnommen. - 33 von Muttermalern am Verstand: Diese Wen- 
dung bezieht sich auf B 19. - 34 HilVs remedy: Die Notiz be- 
zieht sich auf B 379; iiber John Hill vgl. zu KA 91. - 35 Simpel 
schreiben ...; Die Notiz bezieht sich auf die Ausfiihrungen in 
B 20. - 36 vom Geschmack in Kupferstichen: Die Notiz spielt 



250 ENTWURFE 

auf B 170 an. - 57 Eitte Historie wo ...: Diese Wendung, fran- 
zosisch formuiiert, bildet den letzten Satz der »Prophetischen 
Blicke in einen MeB-Catalogum vom Jahr i868« in B 16 (I, 

S. 51). 

530 1 Cartouche der Grofie: Die Namensnennung bezieht sich auf 
die Ode dieses Titels in B 8. Ober den beruhmten StraBen- 
rauber Louis Dominique Cartouche vgl die Anm. dazu. - 2 
Wie manchen Tag ...: Diese beiden Zeilen sind der Ode auf 
Cartouche den GroBen, B 8, entnommen. - 4 Art von Kavalier- 
Perspektiv: Diese Wendung ist B 7 entnommen. - 5 Ah wenn 
man ...: Diese Notiz bezieht sich auf B 1. - 8f. sagt ... Liscow: 
Zu dieser Wendung vgl. zu 412, 21. Ober Liscow vgl. zu 
KA141. - 16 Eteosticha: Diesen Begriff, abzuleiten von griech. 
iio<;: Jahr, Zeit und vermutlich synonym mit Chronostichon 
gebraucht, konnte ich nirgends nachweisen. - 16 Chronosticha: 
auf ein bestimmtes Jahr bezogene lateinische Satze; durch Ad- 
dieren der Buchstaben, die zugleich rom. Zahlzeichen sind, 
ergibt sich das bestimmte Jahr. Vgl. etwa in den Briefen (IV, 
S. 296). - 16 f. geschnittenen Taxusbaume: Kennzeichen des frz. 
und holland. Gartens (s. auch 841, 6rT.). Zu dem Bild vgl. 
audi L 139. 623. - 18 Mehr Worte ah Begriffe bekommen: Zu 
dieser Unterscheidung, die der von Individua und Genera 
entspricht, vgl. zu KA 261. - 18 bekommen: Zu der sich hieran 
anschlieBenden Zeichnung des >Satyrs mit Perspektiv< vgl. 
E 106. Im Original befindet sich die Abbildung auf einem 
Extrablatt, auf dem iibrigens ein zweiter Kopf, eine Art Vor- 
studie zu dem hier abgebildeten, gezeichnet ist. Einen iden- 
tischen KopfumriB hatte Lichtenberg im Original auch in 
dem Brief an Chodowiecki (IV, Nr.138, S. 284-285) vom 
23. Dezember 1776 angegeben und dazu geschrieben: »Hiezu 
hatte ich gerne eine Titulvignette von Ihnen, und zwar weil 
das Stiick ironisch werden wird, folgendes darauf vorgestellt. 
Den Kopf eines Satyrs der durch einen Opern-Gucker sieht, 
ich meine ein solches Taschen-Perspektiv das das Objektivglas 
auf der Seite hat, die Ihnen bekannt sein werden. Dieses Ob- 
jektivglas ware als gegen den Leser gerichtet der indessen 
glaubt, der Satyr sahe nach einer anderen Person und lache. 
Die Hauptsache ware, verstandlich auszudriicken, daB es eine 
solche Lorgnette ware.« 

531 1 Brihfvom Schulmeister in Wehnde: Gemeint sind die »Frank- 
furter gelehrten Anzeigen«, 24. Dezember 1773, die S. 845 
einen »Der Schulmeister zu Wehnde« unterzeichneten Brief 
»An die Herren Verfasser der Frankfurter gelehrten Anzeigen« 
enthalten. Ober die Zeitschrift vgl. zu C 342. - 1 Wehnde: 
Gemeint ist: Weende, ein Dorf nahe Gottingen. - if. theih ... 
sondern: Vgl. zu 386, 30. - 5 eine in Brihfen verschrieben von Ber~ 



PARAKLETOR 25 1 

tin: Gemeint ist wohl Lessings Unternehmen der »Briefe die 
neueste Litteratur betreflfend« (Berlin I759ff.); vgl. zu KA 63. - 
6 unsre theutsche Gesellschaft: Vgl. zu 213, if. - gf. Klopstocki- 
schen Othen: In E 159 schreibt Lichtenberg »Klopstockischen 
Othem«; iiber Klopstock vgl. zu B 63, - 10 vorachiren: Ge- 
meint ist wohl: vor-agieren. - 11 Vatter Mekum Lustigen Leu- 
ten: Ober das »Vademecum fur lustige Leute« vgl. zu 59, 27 f. - 
14 001 witzige giebt ...: Vgl. zu 528, 10; die Umstellung der 
ZifFern - s. auch 531, 26 - verwertet Lichtenberg auch 398, 34. 
-17 besonders hochgeehr teste: Zu dieser Floskel vgl. 401, 15. - 
26 urn 01 bis 21: Vgl. zu 531, 14. - 27 von den Ursprung und 
von den Sprachen: Gemeint ist Herders »Abhandlung iiber den 
Ursprung der Sprache«, erschienen Berlin 1772. Lichtenberg 
erwahnt sie auch C 42. D 691. Ober Herder vgl. zu KA158. - 
28 Socinitdt: von mir verb, aus: Sociditat entsprechend der 
Notiz in E 159 und 387, 19. Die Berliner Societe des Sciences 
hatte Herders Preisschrift 1770 preisgekront. - 31 die Fabel von 
dem Schaf: Diese Fabel findet sich in der zu 531, 27 nachge- 
wiesenen Schrift, a.a.O., »Dritter Abschnitt. L T6ne« S. 76-77, 
wo es heiBt: 

»Da ist z. E. das Schaaf. Als Bild schwebet es dem Auge mit 
alien Gegenstanden, Bildern und Farben auf Einer groBen Na- 
turtafel vor - wie viel, wie miihsam zu unterscheiden! Alle 
Merkmale sind fein verflochten, neben einander - alle noch un- 
aussprechlich! Wer kann Gestalten reden? Wer kann Farben 
tonen? Er nimmt das Schaaf unter seine tastende Hand - Das 
Gefiihl ist sicherer und voller; aber so voll, so dunkel in ein- 
ander - Wer kann, was er fiihlt, sagen? Aber horch! das Schaaf 
blocked Da reiBt sich ein Merkmal von der Leinwand des 
Farbenbildes, worinn so wenig zu unterscheiden war, von selbst 
los: ist tief und deutlich in die Seele gedrungen. >Ha! sagt der 
lernende Unmiindige, wie jener blind gewesene Cheselden's: 
nun werde ich dich wieder kennen -Du blockst<! Die Turtel- 
taube girrt! der Hund bellet! da sind drei Worte, weil er drei 
deutliche Ideen versuchte, diese in seine Logik, jene in sein 
Worterbuch! Vernunft und Sprache thaten gemeinschaftlich 
einen furchtsamen Schritt und die Natur kam ihnen auf halbem 
Wege entgegen durchs Gehor. Sie tonte das Merkmal nicht 
bios vor, sondern tief in die Seele hinein! es klang! die Seele 
haschte - da hat sie ein tonendes Wort!« 
532 5/ Theotochie fur das Jahr J775 und eine Theorie ...: Vgl. zu 
526, 3 f. - 5 die deutsche Pisselle Dorleang: Gemeint ist Voltaires 
Heldengedicht »La Pucelle d'Orleans« (geschrieben 1733, ver- 
offentlicht erst 1759), das in Prosa-Obersetzung unter dem 
Titel »Das Madgen von Orleans. Ein Heldengedicht in 18 Ge- 
sangen« erstmals 1763 unter dem fiktiven Druckort London 



252 ENTWURFE 

(Leipzig: Verlag Linke) bei Elzevir erschien. Das Poem gait 
seinerzeit als unsittlich und blasphemisch. Im »G6ttinger Ta- 
schen Calender« fiir 1778 lieB Lichtenberg fur die Kupferfolge 
von »Der Fortgang der Tugend und des Lasters« von Chodo- 
wiecki in Blatt 7 als »stark redende Insignien der Pfade«, die 
ein junges Madchen wahlen kann, die Bibel (fiir Tugend) und 
eine aufgeschlagene »Pucelle d'Orleans« (fiir Laster) anbringen; 
s. auch an Chodowiecki (IV, Nr. 138, S. 284) am 23. Dez. 1776. 
Das betreflfende Kupfer ist abgebildet in Promies, Georg Chri- 
stoph Lichtenberg. Reinbek 1964, S. 90. Zur Verballhornung 
eines Titels von Voltaire vgl. auch zu 302, 37^: »Hangriade«. 
Ober Voltaire vgl. zu KA 28. 



FRAGMENT VON SCHWANZEN 

Erstveroffentlichuttg und Satzvorlage: »Fragment von Schwanzen. Ein 
Beytrag zu den Physiognomischen Fragmenten. 1783. « Ohne Ver- 
fasser- und Druckortangabe. VerofFentlicht in: Baldingers »Neues 
Magazin fiir Arzte«, 5. Band, S. 3-1 1. Leipzig 1783. Exemplar in der 
Staats- und Universitatsbibliothek Gottingen. Das Originalmanu- 
skript ist im NachlaB nicht erhalten. 

Zur Entstehung: In einem »Vorbericht zum funften Bande erstes 
Stiick, des neuen Magazins fiir Aerzte« schreibt Baldinger: 

»Herrn Lavaters groBe Physiognomic veranlaBte zwischen zweyen 
Freunden Spotu Der eine moquirte sich uber die Silhouette des 
Hofnungsvollen Jiinglings - den Herr Lavater zum Genie vom ersten 
Range erhob - und da ihm eben ein junges Schwein begegnete, so 
fiel ihm ein, daB sich uber die hofnungsvollen Schweinsjiinglinge 
wohl was Physiognomisches sagen HeBe. Dieser hingeworfene Ge- 
danke fachte den Witz des Verfassers sogleich an, diese Aufsatze zu 
machen. Beyde Freunde lebten auf der Koniginn der Akademien - 
und so kam die Idee uber das Haar zu tragen, hinzu. - 

Der Verfasser erlaubte schon langst, daB seine Einfalle gedruckt 
wiirden. Sie erscheinen gewiB nicht zu spat - da uns die letzte Messe 
noch physiognomische Biicher geliefert hat. 

Und im Magazin verdienen sie eine Stelle, da selbst Haller in 
seiner groBen Physiologie die Physiognomic als einen Teil jener 
Wissenschaft ansieht. 

Baldinger. « 

Schernhagen gegeniiber auBert Lichtenberg (IV, Nr. 370, S. 496) 
allerdings am 6, Februar 1783, Baldinger habe seine »Schwanz-Phy- 
siognomik« abgedruckt, »ohne mich zu fragen«. Aus diesem Schrei- 
ben geht iiberdies klar hervor, was schon immer angenommen wor- 



FRAGMENT VON SCHWANZEN 253 

den war: das »Fragment von Scirwanzen« steht in unmittelbarem 
Zusammenhang mit Lichtenbergs groBen antiphysiognomischen 
Aufsatzen. Es ist, wie er selbst sagt, »anno 1777 geschrieben«. Einen 
weiteren Hinweis auf die Entstehungszeit gibt ferner ein Brief Lich- 
tenbergs an Hindenburg (Ebstein, Aus Lichtenbergs Corresponded, 
Nr.17, S. 42; von Leitzmann, Zu Lichtenbergs Briefen, a.a.O., 

5. 64-66, zu Recht in den Januar 1778 gesetzt): »Ich hatte bios um 
einige vertraute Freunde lachen zu machen noch eines von Purschen 
Zopfen verfertigt, es ist aber nicht mehr in mexnen Handen.« In 
einem weiteren Brief an Schernhagen (IV, Nr, 375, S. 499) vom 

6. Marz 1783 - mit Schreiben vom 17. Februar 1783 (IV, Nr. 373, 
S. 418) hatte er diesem sein Exemplar von Baldingers Magazin iiber- 
sandt - stellt er die >Schwanz~Physiognomik< in eine Reihe mit einer 
zur gleichen Zeit entstandenen satirischen »Physiognomik der 12 Bil- 
der in den l'hombre-Karten«, die sich schon 1783 nicht mehr in 
seinen Handen befand und verschollen geblieben ist. Zu derartigen 
satirischen >Freundesgaben< darf man ferner jene Lavaters Stil paro- 
dierenden Briefe zahlen, in denen Lichtenberg die Portrats von gerade 
gehangten Mordern zu deuten bittet (vgl. IV, Nr. 331, S. 463, vom 
5. September 1782 an Meister). SchlieBlich ist auch Lichtenbergs 
»Erklarung der Monats-Kupfer« im »G6ttinger Taschen Calenders 
fiir 1780, S. 137-138, erwahnenswert ; seine Erklarung des achten 
Kupfers erinnert, worauf schon Lauchert (a.a.O., S. 43) hinwies, in 
ihrer Lavaters Stil parodierenden Sprache an das »Fragment von 
Schwanzen«: 

»Allein hier sieh den Connoisseur, du, der du dieses Blat an- 
schaust, oder riihme dich nie eines Menschen-Gesichts mehr. Wenn 
du nicht siehest thatige Federkraft des Sammlers, nicht den Muth 
Rom nach Sachsen zu schleppen in der Spannung des nach Ant wort 
schnappenden Geschwindfragers, nicht lahmendes Entziicken und 
dem Weinrausch sich naherende Wonnetrunkenheit des bis zur Hu- 
saren Attitude abgespannten; wenn dir 15 ausgespreizte Finger in 
Einer Reihe nicht sagen, das, was der i6te beruhrt, sey das Werk 
mit der Astraa genuchteter, oder ausgestorbener Kunst, so gieBe du 
dein DintenfaB auf dieses Blat und meine Erklarung, dann sie nutzen 
dir eben soviel.« 

Der Erfolg der Publikation war nach Aussage Lichtenbergs iiber- 
waltigend : »mit jedem Posttag muB Dietrich welche verschicken«, 
schreibt er an Schernhagen (IV, Nr. 375, S. 499) am 6. Marz 1783 
(s. auch IV, Nr. 377, S. 500). Eine Besprechung des »Fragment von 
Schwanzen« konnte ich nicht ermitteln. 

Ober das Fragment vgl. insgesamt Albert Schneider, o.c.I, S.187, 
der seine Entstehung auf Ende September 1777 annimmt und Lich- 
tenbergs Notizen in Sudelbuch F iiber den Plan einer »Tierphysio- 
gnomik« auf dieses Fragment bezieht; es handelt sich insbesondere 
um F 644. 662, 727. 862. 



254 ENTWUEFE 

533 l 3 Schrecken Israels: Anspielung auf die jiidische Speisevor- 
schrift, die es strikt untersagte, Schweinefleisch zu essen. - 18 
Ur-Genie: Lavatersche Wortschopfung, die in den »Physio- 
gnomischen Fragmenten«, Bd. 2, Leipzig und Winterthur 1776, 
S. 194. 195, und Bd. 4, Leipzig und Winterthur 1778, S. 90, 
begegnet. Lichtenberg >zitiert< den Ausdruck auch F 663. Vgl. 
ferner unten zu 537, 1 (Ruttgerodt). 

534 6 Alexander: Ober Alexander den GroBen vgl. zu KA140. - 
8 hundselndes . . . zuckemes: Diese von Lichtenberg als Zitat aus- 
gewiesenen Worter habe ich in den »Physiognomischen Frag- 
menten« nicht auffinden konnen. - 18 Meisterstuck: Meister- 
stiick der Schopfung: der Mensch; zu dieser Metapher vgl. zu 
286, 20 f. - 21 Heinrich des VIII,: Ober ihn vgl. zu D 582. - 
22 Casar: Ober ihn vgl. zu KA 12. - 22 j. aut Casar y aut nihil: 
»entweder Casar oder Nichts«; die unter einem Kopf des rom. 
Casar angebrachte Devise Cesare Borgias. 

535 3 Molliter ossa quiescant: »Mogen seine Gebeine sanft ruhen«. 
Zitat aus Vergil, »Eclogae« X, 33. Ober Vergil vgl. zu A 82. - 
4f. Mettwurst... in G.: Ober dieses Gottinger Produkt vgl. zu 
210, 8. - 6f. warmen ... Genie ausbrutenden Stutzern: Tax dieser 
Wendung vgl. 261, 270°. und F 848. Zu Stutzervgl. zu 312, 10. 
~i6Ahnherr: von mir verb, aus: /Inherr. - 16 Adonis: imgriech. 
Mythos Geliebter der Aphrodite, der auf der Jagd von einem 
Eber getotet wurde; der bildliche InbegrifFdes schonen Jung- 
lings; s. auch 919, 7. - i6f. Ebergeist des Herkules-Bekampfers : 
Anspielung auf eine der zwolf Arbeiten des Herakles, die darin 
bestand, den Erymanthischen Eber zu fangen. 

536 4 Purschenschwanzen zur Vbung: parodistische Nachahmung 
einer Gepflogenheit der »Physiognomischen Fragmented s. 
auch 538, 10. - 6 Elater: Aussaorgan der Lebermoose und des 
Schachtelhalms. 

537 * Newton: Ober ihn vgl. zu A 79. - 1 Ruttgerodt (s. auch Anm. 
Z. 37: Lavaters grofle Physiognomik): Ober Johann Heinrich Ju- 
lius Ruttgerodt vgl. zu F 848. Lichtenberg nennt ihn hier, weil 
Lavater aus der Silhouette des Massenmorders ein >Urgenie< her- 
ausgelesen hatte, wie er selbst in den »Physiognomischen Frag- 
mented, Bd. 2, Leipzig und Winterthur 1776, S. 194, »Acht- 
zehntes Fragment. Zerstorte menschliche Natur. Riidgerodt« 
mitteilt: »Herr Leibarzt Zimmermann sandte mir die voruber- 
stehende Silhouette von einem Menschen, dessen Moglichkeit 
ich mir nie gedacht hatte, und erwartete mit Ungeduld mein Ur- 
theil. Das war: >das groBte, schopferische Urgenie; dabey drol- 
lig und boshaft witzreich.< - Und seine Berichtigung : >die Phy- 
siognomie eines Unmenschen; eines eingefleischten Teufels.<« 
Lichtenberg erwahnt ihn auch in den Briefen (IV, S. 275. 277. 
463). Zu Urgenie vgl. zu 533, 18. - 3 Liedchen: Vgl. zu 508, 35^ 



AN TOBIAS GOBHARD 255 

- 7 englisch in beiderlei Verstand: britisch und angelisch. - 15 
artner Teufel: Vgl. zu 214, 31.-15 Periicke: von mir verb, aus: 
Pariicke. - 1$ Goethe: Ober ihn vgl. zu D 128. - 19 Bethge: 
Lebensdaten unbekannt. - 22 Pusillanimitdt: Kleinmut. Lichten- 
berg gebraucht den Ausdruck auch J 337. 
538 5 Nachtmiitze: von mir verb, aus: Machtmiitze. An Schern- 
hagen schreibt Lichtenberg (IV, Nr. 370, S. 496) am 6. Februar 
1783, da8 »vieles sehr verdruckt ist«. - 10 Fragen zur weitem 
Ubung: Vgl. zu 536, 4.-14 Weltweise: Vgl. zu 226, 14. - 1$ 
Taugenichts . . . Taugewas: Dieses Wortspiel ist F 346 entlchnt. - 
19 Goethe: Ober ihn vgl. zuD 128. -20 Homer: Ober ihn vgl. 
zu A 13 5. 



DRITTE EPISTEL AN TOBIAS GOBHARD 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Conrad Photorin an Tobias 
Gobhard; des Letztern Einleitung zu einer mendelssohnischen und 
Noten zu einer lavaterischen Abhandlung in den sturmischen Mona- 
ten des deutschen Museums betreffend.« In: »Vermischte Schriften«, 
Band 4, Gottingen 1844, S. 84-102: »Erste Beilage«. 

Zur Entstehung: Im Miirzheft des »Deutschen Museums« 1778, S. 
194-198, war unter dem Titel »Ober einige Einwiirfe gegen die 
Physiognomik und vorziiglich die von Herrn Lavater behauptete 
Harmonie zwischen Schonheit und Tugend« ein Aufsatz Moses 
Mendelssohns erschienen - der von Lichtenberg erwartete »Kontra- 
Aufsatz« gegen seine »Antiphysiognomik« (vgl. Briefe, IV, S. 310). 
Der Aufsatz wurde durch eine anonyme Vorrede Johann Georg 
Zimmermanns eingeleitet. Lichtenberg muB das Stiick Anfang Marz 
1778 gelesen haben, wie aus einem Brief an Schernhagen (IV, Nr. 174, 
S. 317) vom 9. Marz 1778 hervorgeht. DaB Mendelssohns Abhand- 
lung mit der physiognomischen Fehde zwischen Lichtenberg, La- 
vater und Zimmermann von Haus aus nichts zu tun hat, erhellt auch 
aus Mendelssohns Brief an Zimmermann vom 12. Mai 1778 (Ge- 
sammelte Schriften, 5, 546), in dem er ihm zugleich die MiBbilligung 
seines Verhaltens aussprach : »Lxchtenberg hat Ihren Freund, wenig- 
stens offentlich, gar nicht unglimpflich behandelt und die weise 
MaBigung, mit welcher Lavater selbst ihm geantwortet hat, berech- 
tigt seine Freunde auf keine Weise, den Streit durch ihre Dazwischen- 
kunft erbittert zu machen. Sie haben also wirklich den ersten Schritt 
zum Zwiste getan und es geziemt Ihnen auf alle Weise, auch den 
ersten Schritt zur Wiederaussohnung zu tun. Ihre Ehre kann unmog- 
lich dabei verlieren und Ihre Ruhe nicht anders als gewinnen.« 



256 ENTWURFE 

Lichtenberg, dem die Manipulation Zimmermanns zunachst nicht 
bekannt war, begann nach Erscheinen des Marzstiicks des »Deutschen 
Museums« mit der Ausarbeitung einer Schrift, deren Anfang uns im 
ersten Teil des abgedruckten Aufsatzes »Wider Physiognostik« vor- 
liegt. Im Aprilstuck des »Deutschen Museums« 1778, S. 289-317, 
lieB Zimmermann einen Auszug aus Lavaters Polemik gegen Lich- 
tenberg im 4. Band seiner »Physiognomischen Fragmente« einriicken 
und versah den Extrakt mit ebenfalls anonymen Anmerkungen, die 
in beleidigender Form gegen Lichtenberg zielten (vgl. S. 551). Lich- 
tenberg arbeitete daraufhin einen Brief aus, in dem er fingierte, der 
Bamberger Nachdrucker Tobias Gobhard sei der Anonymus des 
»Deutschen Museums « (s, dazu audi S. 567). Entsprechend dieser be- 
wuBten Fiktion Lichtenbergs habe ich den Titel dieser Brief-Satire 
formuliert. 

Die Satire ist im April 1778 in der vorliegenden Form niederge- 
schrieben (s. auch F 992. 993) und gedruckt worden: sie ist konzi- 
piert als Antwort auf ein Schreiben Gobhards vom 6. April 1778 
(s. S. 539). Am 9. April hofft Lichtenberg, wie er Schernhagen (IV, Nr. 
181, S, 320) mitteilt, daB seine »Adresse an Herrn Zimmermann* im 
Maiheft des »Deutschen Museums« erscheinen, aber iiberdies geson- 
dert gedruckt werde. Zu diesem Zeitpunkt muB die Satire in der 
Handschrift fertig gewesen sein, wie Lichtenberg sowohl gegenuber 
Schernhagen und Boie am 23. April 1778 auBert (IV, Nr. 185, S. 322; 
Nr.186, S. 324), fertig bis auf den letzten Schliff und die Stellung- 
nahme zu den neuen Noten Zimmermanns, die groBere Zusatze er- 
forderlich machen (s. auch an Schernhagen am 27. April 1778 be- 
treffs des Nicolai-Zitats : IV, Nr.187, S. 324-325). 

Die Epistel, von der eine Handschrift nicht uberliefert ist, wurde 
erst nach Lichtenbergs Tod bekannt, obwohl sie seinerzeit unmittel- 
bar gedruckt worden war (vgl. S. 567). Lichtenberg selbst lieB jedoch 
auf den Rat Schernhagens hin die Epistel in der ganzen Auflage ver- 
nichten. Dieterich schrieb dazu an Ludwig Christian Lichtenberg am 
11. September 1799 (LB III, 345-34<5): »Wie Ihr Herr Bruder wegen 
der Physiognomik im Kalender gegen den Lavater schrieb, so bekam 
er Zimmermann zum Feinde und dieser fing den Federkrieg an. Ihr 
Herr Bruder schrieb dahero einen Bogen gegen Zimmermann, wie 
aber der Titul heiBt, weiss ich nicht mehr. Ich reiste eben nach Leip- 
zig und sollte diese beiBende Schrift nachgeschickt bekommen, so 
aber nicht erfolgte. Wie ich zuriickkam, fragte ich ihn, warum ich 
solches nicht bekommen. Die Antwort war, er ware darin zu grob 
zu Felde gegangen, hatte dem Sekretar Schernhagen nach Hannover, 
so sein Freund war, ein Exemplar geschickt, dieser hatte ihn gebeten, 
da Zimmermann so groBen Anhang in Hannover hatte, so mochte 
er solches unterdrucken und kassieren, so er auch getan hatte und 
verbrannt waren. Ich bat um ein Exemplar oder wenigstens mir sol- 
ches nur lesen zu lassen, auch dieses konnte ich bei aller Freundschaft 



AN TOBIAS GOBHARD 257 

nicht erhalten und versicherte mich kein Exemplar mehr zu haben. 
Ich wante mich an meinen Faktor, auch dieser und alles im Hause 
waren ihm so getreu und gehorsam, wider alien Gebrauch von 
Buchdruckern und ihren Gesellen, die sonst von allem ein Exemplar 
behalten, auch nicht ein Exemplar behalten zu haben. Endlich fiel 
mir ein der Revisions- oder Korrekturbogen, so bei alien Buch- 
druckern aufgehoben wird und zuruckzugeben vergessen war. Die- 
sen bekam ich zu lesen und gieng in aller Unschuld und Vertrauen 
zu ihm und sagte: Mein Gott, Lichtenberg, was bist du fur ein 
Mann! Gott behiite mich fiir deinem Zorn und Feindschaft! Wieso? 
frug er. Der arme Zimmermann, wie hast du den versohlt ! Hast du 
die Schrift gelesen? Im vollen Feuer war die Antwort. Ich sagte: Ja. 
Nun fing er an zu schimpfen und zu larmen iiber meine Leute, so er 
befohlen alles zuruckzugeben. Ich erwiderte ihm, daB solches auch 
geschehen ware, und daB es der Revisionsbogen ware, so niemand 
bekame, worauf er antwortete, ich sollte ihm solchen mal weisen. 
Ich war so treuherzig und sowie er solchen hatte, zerriB er solchen 
und verbrannte die Stucken fiir meinen Augen, und niemals, da ich 
glaubte nach Zimmermanns Tode wenigstens ein Exemplar wieder 
zu bekommen, allein er versicherte mich allemal, daB er keines zu- 
riickbehalten und alles kassiert hatte, und ist gut, da6 Sie solches 
noch gefunden, da Zimmermann tot und ihn als ein ehemaliger 
Freund durch die fameuse Schrift genung geargert hat, so ich glaube 
noch zu haben, ihm aber niemals weisen mogen und durch andre 
muB erfahren haben. « 

Dessen ungeachtet schreibt Lichtenberg noch am 24. August 1778 
an Hindenburg (IV, Nr. 205, S, 341): »Ob meine Schrift so gnau auf 
die Messe kommen wird ... weiB ich nicht. « Und Boie berichtet 
noch am 24. Mai 1779 anlaBlich eines Besuches in Gottingen an 
Luise Mejer (Ich war wohl klug, daB ich dich fand, Miinchen 1963, 
S. 38): »Den ersten Abend und gestern Morgen habe ich ganz mit 

Lichtenbergen zugebracht Er wollte mir sogar seine Schrift wider 

Zimmermann vorlesen, die er schon lange hat drucken lassen. Ich 
wollte sie aber nicht anhoren und er billigte meine Griinde.« 



539 2 Conrad Photorin: Zu diesem Pseudonym vgl. zu 205, 9; s. 
auch 552, 34. - 2 Tobias Gobhard: Ober ihn vgl. zu F 143; im 
ubrigen s. oben S. 95f. - 2 des letztern Einleitung: Johann Georg 
Ritter von Zimmermann hatte im Marzheft des »Deutschen 
Museums« 1778 (I, S. 193 rT.) eine anonyme Vorrede zu dem 
Aufsatz von Mendelssohn erscheinen lassen. Vgl. auch 551, 12 rT. 
553, 25. 565, 29 rT. 569, 20. - 5 mendelssohnischen . . . Abhandlung: 
Gemeint ist »Uber einige Einwiirfe gegen die Physiognomik 
und vorziiglich gegen die von Herrn Lavater behauptete Har- 
monie zwischen Schonheit und Tugend«, erschienen ebenda; 



2^8 ENTWURFE 

im iibrigen vgl. S. 543-544. 551, 12. 556, 7. 565, 30. S. ferner 
Briefe (IV, Nr. 165, S. 311) an Schernhagen vom 8. Februar 
1778; (IV, Nr.i70, S. 313) vom 15. Februar 1778 und am 
gleichen Tage an Nicolai (IV, Nr. 171, S. 3 14). - 3 lavaterischen 
Abhandlung: Der vierte Band der »Physiognomischen Frag- 
mented deren Vorrede vom 18. November 1777 datiert ist, 
erschien Leipzig 1778 und begann mit »Anmerkungen zu einer 
Abhandlung tiber Physiognomik im Gottinger Taschen-Ka- 
lender aufs Jahr I778«, woraus im »Deutschen Museum«, April 
1778 (I, 289) ein Auszug erschien. Vgl. Lichtenbergs Urteil an 
Hindenburg (IV, Nr. 166, S. 311) vom ca. 10. Februar 1778 
und an Schernhagen (IV, Nr.168, S. 312) vom 10. Februar 
1778. S. auch 547, 35. 551, I5f. 559, 141". 567, 29. - 4 sturmischen 
Monaten des deutschen Museums: Diese Formulierung begegnet 
auch 551, 5. - $ff. Herausgebers ... F.E.: Die Initialen bedeuten: 
Friedrich Eckard; iiber ihn vgl. zu 237, 26. - nf. galanten Li- 
terargeschichte unserer Zeit: Zu Lichtenbergs negativer Verwen- 
dung der Vokabel >galant< vgl. zu 311, 8. - 13 lecteur penseur . . . 
lecteur seigneur: »der Leser als Denker ... der Leser als Hoheit«; 
zu dieser Wendung vgl. zu 95, 30; s. auch 571, 14. - 16 sub 
dato: Vgl. zu 406, 21. - 16 Bamberg: Wohnsitz des - fingierten - 
Absenders Tobias Gobhard. - 1 6 6ten April: Zu diesem Datum 
vgl. Lichtenbergs Brief an Schernhagen (IV, Nr.180, S. 319) 
vom gleichen Tage. - i8mein Timorus: Dazu vgl. oben S. 82 f. 
- jp obligeant: Vgl. zu 308, 8. Lichtenberg persifliert hier mit 
den eingestreuten Gallizismen und den Anrede-Floskeln den 
altfrankischen Kurial- und Kaufmannsstil wie im »Sendschrei- 
ben der Erde an den Mond«. - 24 Gloire: Ruhm. - 26 con- 
siderable Ordres: erkleckliche Bestellungen. - 27 Proschubladen: 
Der offenbar aus der Kaufmannssprache stammende Ausdruck 
war von mir nicht nachweisbar. - 30 tela: Geschosse. 
540 1 ex actis: aus den Akten. - 2 telorum: Geschosse (Gen. P.). - 
16 den trockenen Weg abzukommen: Zu dieser Wendung vgl. zu 
J 653. - 21 Ihren letzten Brief an Eckard: Dazu vgl. oben S. 95. - 
23 bostonische Urbanitat: »Der Verfasser scheint hier, wie an ein 
paar spateren Stellen, das EreigniB im Auge gehabt zu haben, 
welches im Jahre 1773 zu Boston Statt hatte, und den form- 
lichen Bruch Englands mit seinen amerikanischen Colonieen 
bezeichnete. Bekanntlich wurden damals (21 December) drei 
englische, mit Thee beladene SchifFe im Hafen von Boston von 
verkleideten Bostonianern uberfallen, und fiir 18,000 Pf. Sterl. 
Thee, in 327 Kisten, ins Meer geworfen.« (Anm. der Heraus- 
geber in den »Vermischten Schriften«, Bd. 4, S. 82.). Lichtenberg 
zitiert diese Wendung auch 552, 21. 553, 20. 562, 15. 568, 6. 
An Schernhagen schreibt Lichtenberg (IV, Nr. 182, S. 320-321) 
am 12. April 1778: »Ich merke wohl, es wird in diesem Streit 



AN TOhlAS GOBHARD 259 

gehen wie in Amerika, er fangt mit Tee an und endigt in K6- 
nigreichen.« - 25/ Konventionsrhythmus: Diese Wendung be- 
gegnet auch 553, 21. - 24 expressiones heroicae: »heldische Aus- 
driicke«; die Wendung, F 601 entlehnt, begegnet auch 5 53 , 22; 
s. auch 570, I4f. - 25/. unter Pauken und Trompeten ...predigen: 
Lichtenberg gebraucht die Wendung auch 552, 13. 

541 $f. man nennt Sie offentlich hier den Museumschander: Die in 
Gottingen vorherrschende negative Meinung iiber Zimmer- 
mann referiert Lichtenberg in den Briefen (IV, S. 318. 320. 321. 
324. 326). - 7 bcruhmter Mann in Hannover: Gemeint ist natiir- 
lich Zimmermann. - 8 Lavater: Ober ihn vgl. zu A 129. - 2 1 
kleinen Antiphysiognomik: Gemeint ist Lichtenbergs Kalender- 
Abhandlung; er gebraucht diesen Ausdruck auch 551, 6. 555, 
13 f. - 21 f die besten Freunde: Auf seine Freundschaft mit Zim- 
mermann kommt Lichtenberg auch 567, i8f. zu sprechen. - 
23 dutch Briefe beweisen: Briefe Zimmermanns an Lichtenberg 
sind im NachlaB in Gottingen nicht erhalten; im iibrigen s. 
567, 22 f. - 30/. sick deutliche Begriffe von Berlin zu verschreiben: 
Diese Wendung gebraucht Lichtenberg auch 555, 34f. 565, 
28 ff. 

542 2 Marvilles Mikroskop: »Unter diesem Mikroskope zeigten die 
Ausdunstungen Derjenigen, welche mit einander sympathisir- 
ten, Hakchen, die leicht und schnell in einander einhakten; da- 
gegen Derjenigen, zwischen denen Antipathie Statt fand, kleine 
SpieBe, die sich nicht anschmiegten, sondern gegenseitig emp- 
findlich verwundeten.« (Anm. der Herausgeber der »Vermisch- 
ten Schriften«). - 5 den Text . . . umdrucken lassen: Lavater 
deutet zwei Profilumrisse von Z. (Zimmermann) im »Funften 
Fragment« seiner »Physiognomischen Fragmente«, Dritter 
Versuch, Leipzig und Winterthur 1777, S. 337-341. - 14 Ho- 
raz; Ober ihn vgl. zu KA152. - 14 Kastner: Ober ihn vgl. zu 
A 179. - 14 Lessing: Ober ihn vgl. zu KA 63. - 14 Rabener: 
Uber ihn vgl. zu D 382. - 14 Swift: Ober ihn vgl. zu KA152. - 
IS Churchill: Ober ihn vgl. zu F 123. - is Boileau: Ober ihn 
vgl. zu KA 203. - i?f. Satyre ... Torheiten in allgemeinen Aus- 
drucken bestrafen: Ober Lichtenbergs Auffassung der Satire vgl. 
zu B 136; vgl. auch 661, 151". - 34 soulaschiere ...; Gallizismus: 
trosten; erleichtern. Anspielung auf Zimmermanns Abhand- 
lung im Maistlick des »Deutschen Museums* 1778, die den 
Titel tragt »Warnung an Eltern, Erzieher und Kinderfreunde 
wegen der Selbstbefleckung zumal bei ganz jungen Madchen«. 
Eine ausfiihrliche Schilderung des Verfahrens der Onanie bei 
einer Funfjahrigen schlieBt ebenda mit dem Satz: »Die Kinder 
haben sich dadurch auch immer sehr soulaschiert«. »Was sagen 
Sie zu Zimmermanns Abhandlung im neuesten Stuck des 
Museums, wo er den kleinen Mamsells offentlich Anleitung 



260 ENTWURFE 

gibt, wie sie sich soulaschieren sollen? Die Aufseher iiber die 
Mamseiis werden ohnehin schon seine Vorsorge gebraucht 
haben, also profitiert niemand als die Mamseiis selbst dabei« ( 
schreibt Lichtenberg an Schernhagen (IV, Nr. 189, S. 326) am 
5. Mai 1778. - 36 in Schweinsleder hinter den Portier des Char- 
treux: Diese Wendung begegnet ahnlich 554, 28 f. Gemeint 
ist hier der erotische Roman »Histoire de Gouberdon portier 
de chartreux«, erschienen Paris 1745, von Gervaise de Latouche; 
iiber ihn und seinen Roman vgl. D 519 und die Anm. dazu. 

543 ?!• der Grundgrundsatz ... Lafit's laufen: Zu dieser Wendung 
vgl. zu 375, 33. - 14 Vergeken aufrucken und Gebrechen: Zu die- 
ser Wendung vgl. B 321 (S. 130). - 15 Boston: Vgl. zu 540, 
23. - 16 Despotismus der guten Sitten: Ein ahnliches Bild ge- 
braucht Lichtenberg auch 574, 14 f. - 2$ Mendelssohns Ab~ 
handlung: Vgl. zu 539, 3. - 32 beruhmten berlinischen Gelehrten: 
Gemeint ist Friedrich Nicolai, der am 15. April 1778 an Lich- 
tenberg geschrieben hatte. Der Brief ist in den »Vermischten 
Schriften«, Bd. 8, Gottingen 1847, S. ii6ff. abgedruckt. Lich- 
tenberg erwahnt den Brief auch 551, 2of. 565, 26. - 33Jf. »Die 
Abhandhmg ... getraumet hat«: Diese Zeilen zitiert Lichtenberg 
getreu aus Nicolais Brief in einem Schreiben an Schernhagen 
(IV, Nr. 187, S. 325) am 27. April 1778 und kommentiert das 
Zitat mit den Worten: »Ich werde gewiB Gebrauch da von 
machen, doch ohne die Worter Nicolai, Tor, Geschwatz und 
radotiert zu gebrauchen, damit ich mir nicht mehr Feinde 
mache.« - 35J. der Mann ...es steht ein anderes da: Nicolai hatte 
geschrieben : der Tor. 

544 1 der Dietrichsche Kalender: Gemeint ist der »G6ttinger Taschen 
Calender« fiir 1778, erschienen Herbst 1777, der Lichtenbergs 
Artikel »Ober Physiognomik« enthielt. - 4 Lavaters Behaup- 
tung: von Lichtenberg geandert; Nicolai hatte stattdessen ge- 
schrieben: Geschwatz. - 9 getraumet hat: Nicolai hatte geschrie- 
ben: radotirt hat. - i6ff. Einleitung, worm weder Philosophic ... 
noch Verstand ist: Diese Wendung begegnet auch 551, I4f. 
554, I7f. - igf. simple Sprache der gesunden Vernunft: Eine 
ahnliche Wendung begegnet 554, 19. - 22 Witzzwang: Dieser 
Ausdruck begegnet auch 554, 21. - 22 ausldndischer Prunk sich 
bewufiter Impotenz: Diese Wendung begegnet auch 554, 21 f.; 
zur Verwendung des Wortes »Impotenz« vgl. zu D 268 ; Lich- 
tenberg gebraucht den Ausdruck auch F 1092 in Bezug auf 
Zimmermann. - 23 Sprache der ... Maklerei: Lichtenberg ge- 
braucht den Ausdruck auch 555, 27. Von »physiognomischen 
Maklern« spricht Lichtenberg in einem Brief an Stroth (IV, 
Nr. 200, S. 336) vom 6Juli 1778. - 24 Philosophen ... der in 
Europa niemand iiber sich hatte: Dieser Satz ist Zitat aus Zimmer- 
manns Einleitung zu dem zu 539, 3 nachgewiesenen Aufsatz 



AN TOBIAS GOBHARP 26l 

von Mendelssohn im »Deutschen Museum« 1778, I, S.194. 
Lichtenberg zitiert den Satz auch 554, 23 f. 574, 29f. - 26f als 
wenn Sie ... keinen unlet sick flatten: Dieser Satz begegnet auch 
554, 24f. - 30 tela: Vgl. zu 539, 30. - 54/f. Denn nach ... be- 
wirkt werden soil: Diese Passage kehrt fast wortlich 553, 8fF. 
wieder. - 3 8 Menschenliebe . . . die der Titel verspricht: Vgl. zu 
257, 27f. 

545 5 Philanthropia: Vgl. zu 375, 2of. - 7/. Wildemannsgulden: frii- 
her auf dem Harz gepragte hannoversche und braunschweigi- 
sche Silbermunze, auf der ein wilder Mann mit einer Tanne 
in der Hand dargestellt war. - gf nisi fingerent, non sic dicerent: 
Wenn sie nicht heuchelten, sprachen sie nicht so. - 10 kleine 
Antiphysiognomik: Zitat von Zimmermann im »Deutschen 
Museum«, 3. Stiick, Marz 1778, S. 194. 195. - 11 Schartekchen: 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 241, 9. - 13 der Ausdruck kleines 
Gift des gottingischen Gegners: Zitat von Zimmermann, der 
ubrigens »den kleinen Gift« schreibt, in der FuBnote zu dem 
Lavater-Extrakt im »Deutschen Museum« 4. Stiick, April 1778, 
S. 289. - 22 f Oh lejoli Scholiaste: O der drollige Gelehrte. - 
23 Que des Hottentots parmi vous: »Was gibt es unter euch fur 
Hottentoten« ; Lichtenberg zitiert diesen Satz nach Helvetius: 
vgl. zu E 168. Uber Helvetius vgl. zu KA117. - 31 f da lack* 
ich ... weinen mochten: Diese Wendung ist E 471 entlehnt. 
Lichtenberg gebrauchtsie auch 571, 19.- 3 8/. Er schreibt.. . zweiten 
Teil seiner Fragmentc: Tax diesem Vorhaben Lichtenbergs s. 
unten S. 265; vgl. auch 551, 28f. 563,11. 

546 sf tmerlattbte Erweiterung eines lavaterischen Grundsatzes: S. auch 
572, 17. - ?jf. Erweiterung . . . bestehet: Dieser Satz ist fast wort- 
lich F 942 entlehnt. -86 Fuji: Vgl. zu 25, 16. - 9 papiernen 
Quaderstikken: Anspielung auf Lavaters »Physiognomische 
Fragmented die GroBquart-Format besaBen: vgl. 257, 23: zu 
der Wendung vgl. zu 340, 22.-12 Nonsense: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 326, I9f. - 15 Duodezbldttchen: In diesem Format 
- vgl. zu 315, 3 - erschien der »G6ttinger Taschen Calenders - 
2 3Jf- se ^ n Name ... verlieren: Dieser Satz ist fast wortlich F 934 
entnommen. - 23 Nichtdenkern: Diesen Ausdruck gebraucht 
Lichtenberg auch 556, 8. - 28f. gelehrten Stockjobberei: stock- 
jobbery : Borsenspekulation. Von »Physiognomische Stock Job- 
bers« spricht Lichtenberg F926; s. auch F 942. Er gebraucht 
den Ausdruck auch 557, 2 f. - 29 ff. den Profit . . . schon bar in der 
Tasche: Diese Wendung begegnet auch 557, 7f. - 38 Unterricht 

fur Vorteile hielte: Diese Wendung begegnet sinngemaB auch 
557, I2fr. 566, 4. 

547 if. Betehrtmg ... Unterdruckung: Diese Wendung gebraucht 
Lichtenberg auch 551, 35. - Sf sich gekrankt glaubenden Stolzes: 
Diese Wendung, F 942 entlehnt, begegnet auch 566, 9f. - 24 



262 ENTWURI-E 

Ehe der Kalender heraus kam: Herbst 1777. - 28 da habt ihrs end- 
lich: Diese Wendung begegnet audi 559, 20 f. - 34/, sein Kupfer 
stechen lassen: Vgl. 262, 31 und die Anm. dazu. - 33 Lavater ... 
in seinem Aufsatz im IVten Teil: Vgl. zu 539, 3. 

548 4]. Heuschreckenheer von Physiognostikern: Diese Wendung 
findet sich auch 552, 8. 558, 29. - 8 Kollisionen: DieErlauterung 
dieses Begriffs - gleichbedeutend mit: Stoning der Gesichts- 
ziige durch auBere Einfliisse und Krafte - gibt Lichtenberg in 
einem Brief an Schernhagen (IV, Nr. 178, S. 318) am 19. Marz 
1778: »Ich sage ja ausdrucklich : wenn es keine Kollisionen 
gabe (ich nenne es in reiner Himmelsluft erzeugt sein), so ware 
Physiognomik wahr«; er spielt damit auf 266, 10 ff. an; im 
ubrigen vgl. F 942. 950.952.960. - 12 Physiognomik fiir den 
Maler lehren: Vgl. Lichtenbergs Ausfiihrungen S. 294-295. - 
15 pathognomischen ... Zugen: Vgl. zu 283, 6 f. - 15/. Grada- 
tionen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 278, 4. - 22 ihmgehen, wie 
dem Propheten: Vgl. zu 266, 1. - 22 mutatis mutandis: Vgl. zu 
226, 20. - 24 f. Gleichnis von Steinarten und Salzen: Gemeint ist 
266, 171". - 2$ Figura determinata: genau umrissene Figur. - 2Q ist 
aufierst unsicher: »Physiognomik ist also auBerst truglich« 
schreibt Lichtenberg in der 9. und letzten SchluBfolgerung 
seiner »Antiphysiognomik« (s. 293, 3). - 31 Lavater sagt: nur 
beobachtet: Vgl. F 1137 und die Anm. dazu. -33/. nur eure Re- 
geln ... einen Treffer: Dazu vgl. 288, 19 f. - 34 f. Beantwortung 
dieses lavaterischen Aufsatzes ...: Dazu vgl. 551, 15 f. 552, iff.; 
ferner unten S. 265. - 36/, dem zwciten: vermuth Druckfehler 
fiir: den... - 39 Anm. des Herausgebers: Gemeint ist: Friedrich 
Eckard; s. zu 339, 5fF. 

549 3 in der 2ten Auflage: Gemeint ist »t)ber Physiognomik; wider 
die Physiognomen«. - 7/. Physiognomica inversa: umgekehrte 
Physiognomik. - lof. Zeichne mir das Gesicht dessen ...: Ge- 
meint ist abermals Zimmermann. - 14 Weltweisen: Vgl. zu 
226, 14,-18 Scharwachters: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 245, 
9. - 19 sein ehemaliger Freund: Das betont Lichtenberg auch 
562, 14. - 29 Kollisionen: Vgl. zu 548, 8. - 36 Mendelssohns 
Abhandlung: Ober sie vgl. zu 539, 3. 

550 5 notig: Danach bricht der Text ab; in der Satzvorlage durch 
Striche angedeutet. 



AN DIE LESER DES DEUTSCHEN MUSEUMS 



Erstveroffentlichung: »Hamburgischer Correspondent*, Nr. 89, vom 
8 Juni 1778. 



AN DIE LESER DES DEUTSCHEN MUSEUMS 263 

Satzvorlage: »Zweite Bcilage. An die Leser des deutschen Museums. « 
In: »Vermischte Schriften«, Band 4, Gottingen 1844, S. 103-106. 
Eine Handschrift des Avertissements ist im NachlaB nicht iiber- 
liefert. 

Zur Entstehung: Das Datum der Abfassung dieser Anzeige ergibt 
sich aus dem SchluBsatz: 21. Max 1778. Lichtenberg entwarf das 
»Avertissement« in dem Augenblick, da er sich endgiiltig entschlossen 
hatte, gegen Zimmermann nichts zu publizieren (s. auch 567, 36): 
»Es geht mir in der Tat hart ein, einem Mann, gegen den ich nie 
etwas ofTentlich unternommen haben wiirde, nun grob zu begegnen«, 
schreibt er am 18. Mai 1778 an Schernhagen (IV, Nr. 192, S. 328; im 
ubrigen vgl. nieine Ausfiihrungen oben S. 25 5 f.). Das Avertissement 
bekraftigt diesen Standpunkt, besitztaber daruberhinaus ganz zweifel- 
los Ventil-Funktion. Aus Hamburg teilt Lichtenberg am Tage des 
Erscheinens der Anzeige Schernhagen (IV, Nr.195, S. 330) mit: 
»Mein Avertissement ist doch gedruckt. Was mir am unangenehm- 
sten ist, ist die sonderbare Steif- und Festlichkeit womit es geschrie- 
ben ist. Auch sind ein paar derbe Druckfehler drin. Vermutlich wird 
er [Zimmermann] nunmehr seinen ganzen Vorrat von grobem 
Geschiitz auf mich loslassen ; hierauf werde ich noch eine General- 
Salve geben, und dann gewiB ruhen, er mag auch machen was er 
will, oder wenigstens soil er es nur bei Gelegenheit genieBen.« 

Zimmermann reagierte, indem er Lichtenbergs Erklarung im 
7. Stuck des »Deutschen Museums«, Juli 1778, 2, S. 88-91, vollstandig 
wiederholen lieB: »An den Herausgeber des Deutschen Museums« 
(s. auch 568, 2) und sich mit voller Namensunterschrift als Verfasser 
der Einleitung zu Mendelssohns Aufsatz und den Noten zu Lavaters 
Auszug bekannte (vgl. auch an Schernhagen am 21. Juli 1778 und 
Boie an Burger am 19. Februar, 12. und 19. Marz, 19. April und 
3. Mai 1778 (Briefe von und an Burger, Bd. 2). 

Es bleibt zum SchluB zu fragen, warum Lichtenberg seiner Anzeige 
diesen Titel und jenen Druckort gab. Es hatte nahegelegen, das 
Avertissement in der Zeitschrift zu veroffentlichen, in der Zimmer- 
mann seine Invektiven gegen Lichtenberg hatte verorTentlichen kon- 
nen und dessen Lesepublikum er ja mit dem Titel ansprach. Wenn 
Lichtenberg den »Hamburgischen Correspondenten« wahlte, ge- 
schah es vermutlich deshalb, weil er fur seine abschlieBende Ent- 
gegnung die breitere Orfentlichkeit suchte, die ihni nur die viel- 
gelesene Hamburger Zeitung garantieren konnte. Hinzu kommt 
womoglich, daB die Zeitung Lichtenbergs Anzeige kurzfristiger ver- 
orTentlichen konnte als die Monatsschrift Boies. Denkbar ist jedoch 
auch ein Zufallsmoment: Lichtenberg entschloB bei Gelegenheit 
seines Hamburg-Besuchs sich kurzerhand zur Insertion an Ort und 
Stelle. Im ubrigen war die Entfremdung zwischen Boie und Lichten- 
berg durch die Affaire mit Zimmermann im Fruhsommer 1778 



264 ENTWURFE 

offenbar auf einem Punkte, der es Lichtenberg verbot, in eincr Zeit- 
schrift zu inserieren, die den Mitarbeiter Lichtenberg derart unquali- 
fizierten Artikeln ausgesetzt hatte. 

551 1 Leser des deutschen Museums: Dazu vgl. oben S. 263. - 3 sturmi- 
schen Monaten des Museums: Zu dieser Wendung vgl. zu 539, 4. 
- 6 kleine Antiphysiognomik: Vgl. zu 541, 21. - 8 die Unpolierten: 
die Unhoflichen. - 1 2f. Abhandlung . . . von Herrn Mendelssohn: 
Vgl, zu 539, 3. - 14 nebst ... Einleitung dazu: Vgl. zu 539, 2. - 
14/, worin xveder Philosophic ... noch Verstand: Zu dieser Wen- 
dung vgl. zu 544, i6fF. - 16 Abhandlung von Herrn Lavater wider 
mich: Vgl. zu 539, 3. - 17 Noten von Tobias Gobhard dazu: Dazu 
vgl. oben S. 256. - 2 of. Freund des Herrn Mendelssohn ... mir 
dieses selbst berichtet: Gemeint ist Friedrich Nicolai; vgl. zu 543, 
32. - 26 'f. Lauaters Gedanken uber ... Schonheit: Zu diesem Zitat 
vgl. 544, 4f. - 28/. zweiten Teil meiner Schrift ... kunftige Messe 
erscheinen: Vgl. zu 546, 1. - 34 f. nicht ... Belehrung ... als ... 
Unterdruckung: Zu dieser Wendung vgl. 547, 1 f. 

552 8 Heuschreckenheer von Physiognostikern: Zu dieser Wendung 
vgl. zu 548, 4f. - p/. seine polternden Apostel: Von »physiogno- 
mischen Aposteln« redet Lichtenberg F 666. - iof. im sechsten 
Jahr der ... Physiognomik: gerechnet von 1772 an, dem Erschei- 
nungsjahr von Lavaters erstemEntwurf zur Physiognomik; vgl. 
zu 261, 9f.-nf. Unterschied ... wie zwischen Grofinquisitor und 
Paulus: Diese Wendung begegnet auch 559, 16. - 13 unter Pau- 
ken und Trompeten . . . predigen: Zu dieser Wendung vgl. zu 540, 
251*. - i$j. Satyre mufi sich jeder gef alien: Diesen Satz verwendet 
Lichtenberg auch 554, 33 f. - 17/. Tho' pointed ... pain to me: 
»Frei sei Satire, zielt sie auch auf mich /Fur sie ist's SpaB, und 
keine Pein fiir mich.« Zitat aus »The Author«, V. 209, von 
Churchill; uber ihn vgl. zu F 123. Lichtenberg zitiert den Zwei- 
zeiler auch 555, if. - 21 bostonische Urbanitat: Vgl. zu 540, 23. - 
29 ein gewisser bemhmter Mann: Gemeint ist selbstverstandlich 
Zinirnermann. - 34 bekannten Verteidiger der Unschuld: Gemeint 
ist >Photorin<; vgl. 539, 2 und zu 205, 9. 



WIDER PHYSIOGNOSTIK 

ErstveroffentHchung und Satzvorlage: »Wider Physiognostik. Eine 
Apologie von G.C.L.« In: Aus Lichtenbergs Nachlaft, Weimar 1899, 
S. 84-98. 

Zur Entstehung: Die Partien S. 553-558, Z. 3: aufhdngen will, sind 
auf zwei ganzen und einem halben Foliobogen uberliefert und ent- 



WIDER PHYSIOGNOSTDC 265 

stammen vermutlich der Zeit zwischen dem Erscheinen des Marz- 
und Aprilhefts des »Deutschen Museums« von 1778, da darin nur auf 
Mendelssohns im Marzheft erschienene Abhandlung Bezug genom- 
men wird. Fur diese Entstehungszeit spricht auch die FormuHerung 
553, 14: »nunmehr fur die Ostermesse 1778 fertig geworden«. Schon 
vor dem Ende dieses ersten Stucks, bei 555, 34, setztdas zweite bis 
S. 562 reichende und dann abbrechende Stiick ein, das auf drei 
Foliobogen uberliefert und also mehr als zwei Seiten mit dem ersten 
Stiick textidentisch ist. Entsprechend der Obung Leitzmanns ist die 
Kontamination der beiden Partien beibehalten worden. Das zweite 
Stiick ist ersichtlich spater und stammt vermutlich aus dem Jahre 
1780: es wird darin auch gegen Lavaters von Zimmermann glossier- 
ten Aufsatz im Aprilheft des »Deutschen Museums« polemisiert, und 
die zweimalige Erwahnimg der Jahreszahl 1778 (559, 14. 561, 12) 
deutet darauf hin, da6 bereks eine erhebliche Sparine Zeit seitdem 
verstrichen war; s. auch die FormuHerung 554, 7: »Irrtum von 
8 Jahren«. 

Lichtenberg hat hochstwahrscheinlich selbst die Aneinanderfiigung 
der beiden Partien fiir den zweiten Teil seiner »Antiphysiognomik« 
beabsichtigt. Ware dieser zweite Teil jemals ofFentlich erschienen, so 
hatte Lichtenberg zwcifellos die kleinen durch die Kontamination 
notwendig entstehenden Diskrepanzen ausgeglichen, was dem Her- 
ausgeber nicht zustand. 

Da6 Lichtenberg schon in der Zeit, als die zweite Auflage seiner 
»Antiphysiognomik« erschien, eine Schrift plante, die sich mit Lavater 
wissenschaftlich fundierter auseinandersetzen sollte, geht aus zahl- 
reichen Arbeitsnotizen im hinteren Teil von Sudelbuch F und den 
Briefen hervor (vgl. IV, S. 300. 310. 312. 313. 314; s. ferner 
S. 546. 557. 563). Die Polemik mit Zimmermann war schuld, daB 
diese Arbeit Projekt blieb. Als Lichtenberg sie 1780 wieder aufnahm, 
war der physiognomischen Raserei bereits eine neue Mode gefolgt: 
die der orthographischen Welterloser a la Klopstock - und Lichten- 
berg hatte seinen neuen Streitpunkt. Ich denke an die Auseinander- 
setzung mit VoB (s. S. 296 ff.). 

Literatur: Leitzmann in: Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 1899, 
S. 217-222; derselbe in: Aphorismen-Heft F, S. 433. 



553 3$. Quid ... lubet. Terentius: »Was du mit jenen treibst, die 
nicht Recht noch/Gute und Billigkeit kennen:/Besseres, 
Schlechteres, was frommt, zuwider ist, nichts sehen sie,/auBer 
es beliebt.« Zitat aus »Heautontimorumenos«, IV, I, 29 von 
Terenz. Publius Terentius Afer (ca. 195-159 v. Chr.), neben 
Plautus beriihmtester rom. Komodiendichter. - 8f. Nach den 
wiederholten ... Beweisen ... befordern soil: Diese Passage begeg- 



266 ENTWURFE 

net fast wortlich 544, 34 ff. - gff. Menschenkenntnis . . . Menschen- 
liebe . . . befbrdern: Zu dieser Wendung vgl. zu 257, 27f. - 1 6 von 
einem Manne geliefert: Gemeint ist Zimmermann; vgl. oben- 
S. 255 f. - 2oBostonischer Urbanitdt: Zu dieser Wendung vgl. zu 
540, 23. - 21 hohle Festlichkeit in der Spradie: Ahnlich schreibt 
Lichtenberg 326, 2of.; s. die Anm. dazu. - 2if. Konventions- 
Rhythmus unserer Zeit: Die gleiche Wendung begegnet auch 
540, 23 f. - 22 heroische expressions: Vgl. zu 540, 24. - 25 ff. Ein- 
leitung zu einer Abhandtung ... im Marz des Deutschen Museums: 
Zimmermann-Mendelssohns Artikel ist zu 539, 2 genauer 
nachgewiesen. - 2p Segensformuln: Zu dieser Wendung vgl. zu 
58, 151". - 30 Salbung: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch 712, 38. 

554 4/. O y aime . . . Suisses: wortliches Zitat aus dem unten zu Z. 36 
nachgewiesenen Schreiben von Johann Georg Zimmermann 
(lediglich das Wort bien vor ces braves fehlt), wo auch die Ober- 
setzung steht: »ich liebe dieses empfindsame Herz, ich habe 
diese brave Schweitzer gerne.« - 5/. der Konig von Preufien: 
Uber Friedrich II. vgl. zu KA140. - 6 einem gewissen Schweizer: 
Gemeint ist natiirlich Johann Georg Zimmermann. - 7 Irrtum 
von SJahren: von Lichtenberg verb, aus: 20; 1772 hatte Lichten- 
berg in Hannover Zimmermann personlich kennen und schat- 
zea gelernt (s. IV, S. 74, vom 12.6. 1772). - 12 meines Weimar- 
schen Rezensenten ...: Vgl. zu 262, 17. - 17 f. Einleitung, worin 
weder Philosophie ...: Zu dieser Wendung vgl. zu 544, i6ff. - 
19 simple Sprache der Wahrheits-Liebe: Diese Wendung begegnet 
ahnlich 544, 19 f. - 2 if. Witz-Zwang ... Prunk der sich bewufiten 
Impotenz: Diese Wendung begegnet auch 544, 22. - 23 Welt- 
weisen, der niemand in Europa uber sich: Vgl. zu 544, 24. - 23 Welt- 
weisen: Vgl. zu 226, 14. - 28 j. Bibel hinter einen Eulenspiegel ge- 
bunden: Ahnlich formuliert Lichtenberg auch 566, 26 f.; vgl. 
ferner 542, 36f. - 33/. Satyre mufi sich jeder gefallen lassen ...: 
Dieser Satz begegnet auch 552, 1 5 f. - 35 ff. Churchill: Tho* ...to 
me: Zu diesem Zitat vgl. zu 552, 17 f. - 36 Schreiben ...an einen 
seiner Freunde: Gemeint ist »Schreiben des Herrn Leib Medieus 
Z** in H. an einen seiner Freunde: die Unterredung mit Sr. 
Majestat dem Konig in Preussen wahrend seines Aufenthalts in 
Berlin betrefFend«, Amsterdam 1773. 

555 5/. Gegner bendssen ... wenn man nxcht kann:\ Diese Wendung 
geht auf F 962 (Mai 1778) zuriick. - p Gobhard: "Ober ihn vgl. 
zu F143. - p Swift: Ober ihn vgl. zu KA152. - p Horaz: Uber 
ihn vgl. zu KA152. - 11 unter die Sterne aufzukniipfen: Dieses 
Bild ist D 665 entnommen; Lichtenberg verwertet es auch 
F 430. - 13 die kleine Antiphysiognomik: Vgl. zu 541, 21. - 21 die 
Fackel der Wahrheit ...: Zu diesem Bild vgl. zu 385, 12. - 
26 Machtspruche: Zu diesem Ausdruck vgl. zu B 321. - 27 Mak- 



m® 



WIDER PHYSIOGNOSTIK 267 

lerei: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 544, 23. - 28 fi alte Aussichten 
. . . dutch neue Locher: Diese Wendung ist F 879 entlehnt; s. auch 
571, 22 if. - 30 f. physiognomischen Welt-Erloser: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 302, 32. - 34 f. sich deutliche Begriffe von Berlin zu 
verschreiben: Zu dieser Wendung vgl. zu 541, 30 f. -37/. Be- 
forderung von Menschenliebe and Menschenkenntnis: Vgl. zu 257, 

2 7 f. 

556 4 Kommerz-Traktat: Handels-Vertrag. - 7 Mendelssohns Name 
... Verfasserjenes Aufsatzes: Vgl. zu 539, 3. - 8prachtigen Nicht- 
denkern unsererZeit: Vgl. zu 546, 23. - 11 bei ... Welt: von Lich- 
tenberg verb, aus: dem gantzen venerabeln Corpus deutscher Ge- 
lehrten. - 3ofestlichen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 326, 20 f. - 
30 Kompilationen: Vgl. zu 87, 24. 

557 2J.gelehrten Stockjobberei: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 546, 28 f. 

- 4/. schon 1772 ...gewunscht: Vgl. C 39. - 4/. beriichtigten Be- 
kehrungs-Werk: Dazu vgl. oben S. i82f. -7 Den Profit fur meine 
Physiognomik ...: Diese Wendung begegnet auch 546, 29 f. - 
12 Uberfuhrung eines Irrtums: Vgl. 546, 38. - 19 Bitterkeit he- 
lehrte: danach von Lichtenberg gestrichen: »Allein alle Polter 
und Plunder Kopfe, die verlangen man soil niederknien so bald 
sie ihren Gotzen in die Hohe halten, bios weil tausende nieder- 
fallen, sie seyen nun Stammbetruger oder betrogene Betruger.« 

- 20 betrogene Betriiger: In englischer Version findet sich dieser 
Ausdruck F920 (Fruhjahr 1778); die deutsche Pragung ent- 
stammt sicher Lessings »Nathan der Weise« (1779) III, 508. 
Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch 749, 30. - 20 f. Plau- 
der- und stolze Polter-Kopfe: In E504 findet sich der Ausdruck 
»Plunder-K6pfe« ; so wohl auch hier zu lesen, »Plauder« 
vermuth Lesefehler Leitzmanns. »Polter-K6pfe« gebraucht 
Lichtenberg auch 559, 21. - 23 begehen: danach von Lichten- 
berg gestrichen: »Es ware aber vielleicht besser auch diesen mit 
Huld zu begegnen. Ich weiB nicht. « - 26 Gegickel: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 459, 36. - 29 schmecken konnen: danach von 
Lichtenberg gestrichen: »Ich f iirchte keinen grosen Weltweisen, 
aber der Welt Unweisen, die wenn sie nicht widerlegen konnen 
schaden.« - 30 J. die langen Arme der Grofien . . .; Zu dieser Wen- 
dung vgl. zu 385, 28f. 

558 7/. Dietrichen 3000 Kalender liegen geblieben: Diese AuBerung in 
gleichem Zusammenhang begegnet auch in einem Brief an 
Schernhagen (IV, Nr. 174, S. 317) vom 9. Marz 1778. Ober den 
Verkaufserfolg des Kalenders vgl. oben S. 109; iiber Johann 
Christian Dieterich vgl. zu B 92. - lof. meine Abhandlung durch 
meine Kupferstiche widerlegt: Dazu vgl. Lichtenbergs Ausfiihrun- 
gen 295, 29 f. - 12 j, Ich sage mit ... Mendelssohns Wor ten: Lich- 
tenberg bezieht sich auf Mendelssohns zu 539, 3 genauer nach- 
gewiesene Abhandlung im »Deutschen Museum« 1778, 



268 ENTWURFE 

III. Stuck, S. 198. »Tugend macht schoner, Laster macht hafi- 
Iicher« auBert Lichtenberg in der »Antiphysiognomik« (s. 282, 
if.). - 13 f ich sage, wiichsen unsere Korper: Gemeint ist 266, iof. ; 
vgl. die Anm. dazu. - 18 Anspielungen: Zimmermann schreibt 
im Marzstiick 1778, S. 194, daB der »Herr Timorus« alias Lich- 
tenberg »Gott weis warum, so keichend und bkterbose gegen 
die von Lavater behauptete Harmonie zwischen Schonheit und 
Tugend anlauft« und S.195: »man errathe ... an irgend einem 
schazbaren Gelehrten irgend einen Abgang von Verhaltnis- 
schonheit, aus seinem Zom gegen Physiognomik«. - 2^ff t Ich 
wende ... gepflanzt hat: Dieser Satz ist fast wortlich F 934 ent- 
lehnt. - 24J. pokernde ... Hellebarte des Trabanten: Dieses Bild 
gebraucht Lichtenberg auch in einem Brief an Schernhagen 
(IV, Nr.174, S. 317) am 9. Marz 1778. - 26 vor die Tur ge- 
pflanzt: Zu diesem Bild vgl. zu 208, 5. - 28 Lavater: Ober ihn 
vgl. zu A 129. - 29 Heuschrecken-Heer von Physiognostikern: Vgl. 
zu 548, 4f. - 37 Lavater sagt: An der von Lichtenberg genannten 
Stelle heiBt es wortlich : »Man setze doch nur das Gegentheil . . . 
daB Gott der Tugend alle Schonheit versage, urn sie ja nicht zu 
empfehlen, daB die ganze Natur darauf eingerichtet sey, das, 
was der Gottheit das Liebste, und an sich das Liebenswiirdigste 
ist, gleichsam mit dem Siegel seines MiBfallens zu stempeln. - 
Wer, Briider, Freunde der Tugend, Mitanbeter der hochsten 
Weisheit, die lauter Gute ist - wer kann diesen - beynah* hatt* 
ich gesagt, gotteslasterlichen Gedanken ertragen? -« Vgl. auch 
272, 27 f. Lichtenberg zitiert diese Stelle auch F 942. 

559 1 Unterscheidung zwischen hafllicher und leidender Tugend: Diese 
Unterscheidung trifFt Lavater in den »Physiognomischen Frag- 
mented, Vierter Versuch, Leipzig und Winterthur 1778, S. 10. 
Lichtenberg spielt darauf auch UB 50 an. - 13 superfizielle: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu F622. - 14$$. Unterschied . . . zwischen 
Paulus und einem Grof -Inquisitor: Diese Wendung begegnet 
auch 552, 12. - 2 of. da habt ihrs nun endlich: Diese Wendung 
begegnet auch 547, 28. - 21 die Polter-Kopfe: Vgl. zu 557, 20. - 
25 f tnein Kalender-Blattchen: von Lichtenberg verb, aus: mick - 
26 im 4ten Teil seiner Physiognomik: Vgl. zu 539, 3. - 27 grofl 
4 t0 : Vgl. zu 257, 23 . - 3 3 Wenn ein Kopf und ein Buch . . . : Zu 
diesem Satz vgl. zu 380, 22. - 37 f Physiognomik ... Prophetik: 
Vgl. zu 266, 1. 

560 3 nach dem: danach von Lichtenberg gestrichen: gten oder. - 
6 Sie sagen S. 195: wortliches Zitat aus Mendelssohns Aufsatz 
im »Deutschen Museum*, 3. Stuck, Marz 1778. - 8f Zwei ... 
Million auch: Dieser Satz ist wortlich F 952 entlehnt. - 10K0IU- 
sions-Falle: Vgl. zu 548, 8. - 15 Pathognomik: Vgl. 278, 12. - 
1 7 Palasch: langer, als Hieb- und StichwafFe geeigneter schwerer 
Sabel mit nur leicht gekrummter, meist gerader Klinge. - 



WIDER DIE PHYSIOGNOMEN 269 

29 VoUmacht ... hat: von Lichtenberg verb, aus: im Stande ist. - 
33J- <& ese Abhandlung . . . Einflufi auf den Amerikanischen Krieg: 
Vgl. zu 269, 3. 

561 12 j. 1778 sagen konnte: S. 270, 8fF. - 13 Ceulens Verhdltnis: 
Ludolf van Ceulen (1540-1610), holland. Mathematiker, Prof, 
der Kricgsbaukunst zu Breda, Amsterdam und Leiden, berech- 
nete 1596 die nach ihm benannte Kreiszahl n auf 36 Dezimal- 
stellen. - 17 ff. Ich sagte ... dafurgeben: Dieser Satz ist fast wort- 
lich F 937 entlehnt. - ig Scheidekunstkr: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 199, 29. - 21 gefallt: von Lichtenberg verb, aus: Auge 
reizL - 24 Sokrates: Uber ilin vgl. zu KA9; im ubrigen vgl. 
271, 21. 

562 5 wenn ich sogradewegfragte: Vgl. 270, 8 ff. - 1 of. mit Schwabacher 
drucken: Gemeint ist der Satz: »Tugend macht schoner, Laster 
ha61icher« - s. 282, 2f. Schwabacher ist eine deutsche Schrift- 
art, die im 15.JI1. als Druckschrift entwickelt wurde, gekenn- 
zeichnet durch einfache, derbe Buchstaben, bis Ende des i8.Jh. 
gern als Auszeichnungsschrift benutzt. Der Ursprung des 
Namens ist ungesichert; mit dem Namen der Stadt hat er wohl 
nichts zu tun. - 14 seinen ehemaligen Bekannten: Vgl. 549, 19. - 
15 Bostonischer Urbanitdt: Vgl. zu 540, 23. - 21 Schlagjlup ... 
Hand Gottes nennt: »Sollten wir dem Marine, der am Schlagfluss 
niederfallt, nicht zur Ader lassen, weil aberglaubische Leute 
noch jetzt den Schlagfluss die Hand Gottes nennen?« heiBt es in 
einer Rezension Lichtenbergs in den »G6ttingischen Anzeigen 
von gemeinniitzigen Sachen« 1780 (7, S. 278, Anm.; vgl. Lau- 
chert, S. 58). - 21 xax' e^ox^v; vorzugsweise, schlechthin. - 
23 Thomas a Kempis; Mystiker (1 379-1471), wirkte als Seel- 
sorger und geistl. Schriftsteller ; die unter seinem Namen gehen- 
den 4 Bucher »De Imitatione Christi« wurden das nach der Bibel 
verbreitetste Buch der Weltliteratur. - 23 Habermann: Titel 
volkstiiml. Gebet- und Zauberbiicher, so genannt nach dem 
bis in unser Jahrhundert verbreiteten »Betbiichlein« von 1567 
des luth. Theologen Johann Habermann (1516-1590), genannt 
Avenarius. - 23/. Kuhbach: Uber Michael Cubach vgl. zu J 261 ; 
uber Lichtenbergs Schreibweise dieses Namens vgl. die Anm. 
dazu; s. auch 666, 8. 



BERICHT VON DEN UBER DIE ABHANDLUNG 
WIDER DIE PHYSIOGNOMEN ENTSTANDENEN STREITIGKEITEN 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Anhang, enthaltend einen Be- 
richt von den uber die vorhergehende Abhandlung entstandenen 



270 ENTWURFE 

Streitigkeiten, nebst Beilagen.« VerofFentlicht in den »Vermischten 
Schriften«, Band 4, Gottingen 1844, S. 73-83. Eine Handschrift dieser 
Abhandlung ist im NachlaB nicht erhalten. 

ZurEntstehung: Die Abfassung des Berichts fallt mit Sicherheit in das 
Jahr 1780, wie aus 563, 3 hervorgeht, wo Lichtenberg selbst von einer 
Pause von »zwei Jahren und dr(iber« spricht und die Veranlassung zu 
seiner neuerlichen Abhandlung iiber Physiognomik in der Rezension 
seines Kalender-Traktats durch die »Allgemeine deutsche Bibliothek« 
1780 sieht. Auch die Erwahnung der »Tischreden« von Zimmermann 
(568, 22) erlaubt eine annahernde Datierung. 

Mit diesem Bericht endet Lichtenbergs Auseinandersetzung mit 
der Mode-Erscheinung Physiognomik, sieht man von gelegentlichen 
Eintragungen im Sudelbuch G, vor allem einer dort in Anfangen ent- 
worfenen Satire (G12) ab: »Physiognomische Missionsberichte«. 
Gelegentliche Anspielungen auf Physiognomik und Scherze daruber 
finden sich im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1780, S. 123, inner- 
halb des Artikels »Uber die Kopfzeuge«, wo es heiflt: »Seit dem die 
Menschen nicht mehr nackend gehen, und Physiognomick die 
Lieblings-Wissenschaft der Zeit geworden ist, hat die Beobachtung 
uberdas auf dem einzigen jezt nackenden Fleck von Bedeutung, dem 
Gesicht, mehr Starcke zusammen gezogen als er vertragt.« Eine 
weitere Anspielung macht Lichtenberg im gleichen Kalender in der 
Erklarung der Monats-Kupfer; die betreffende Passage ist oben 
S. 253 wiedergegeben. Ebenfalls aus dem Jahre 1780 stammen das 
physiognomische Charakterportrat in dem Aufsatz iiber Cook 
(s. 57, 3 1-58, 27) und die Anspielung im »Sendschreiben der Erde an 
den Mond« (s. 408, 37). Aus dem Jahre 1783 stammt die Anspielung 
in Lichtenbergs »Antwort auf das Sendschreiben eines Ungenannten« 
(s. 418, 29); im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1784, S. 89, steht 
am Ende des Artikels »Kurze Erklarung einiger physikalischen und 
mathematischen Instrumente, die sich in -meter endigen« folgende 
Notiz: 

»Um diesen Artikel nicht allzusehr zu dehnen, haben wir einige 
minder gewohnliche und minder niitzliche weggelassen. Noch mus- 
sen wir Hr. Lavaters gutgemeinten Stirnmessers Erwahnung thun, 
den man Metopometer, Prosopometer oder der Einrichtung nach 
wohl am besten Transometer, Schadelmesser nennen konnte, aus 
dessen Form und Inhalt man freylich, sobald ausgemacht seyn wird, 
wie Geistesanlage und Schadelform von einander abhangen, groBe 
Schliisse Ziehen konnen wird. Alsdann wird es aber auch diesen 
korperlichen Namen ablegen, und in dem weit verklarteren von 
Psychometer und Seelenmesser hervorgehn. Bisher ist dieses Instru- 
ment noch nicht sehr im Gebrauch, wozu allerdings das sinnreiche 
Ovometer oder der Eymesser, den der Verfasser der physiognomischen 
Reisen ausgebriitet hat, nicht wenig mag beygetragen haben.« 



WIDER DIE PHYSIOGNOMEN 27I 

Letztmals erwahnt Lichtenberg die »Physiognomischen Frag- 
ments und Lavater in der Ausfiihrlichen Erklarung von »FleiB und 
Faulheit«, Fiinftes Blatt (s. 1035, 30). 



563 3 Pause von zwei Jahren und driiber: gerechnet vom Erscheinen 
der Zweiten Auflage der »Antiphysiognomik« im Februar 1778; 
also: 1780. - 11 kunftigen Fortsetzung: Vgl. zu 546, 1. - 12 f 
Aufforderung eines ... Rezensenten: Die Rezension von Lichten- 
bergs Schrift »Ober Physiognomik; wider die Physiognomen« 
erschien im Anhang zu dem 25. bis 36. Band der »Allgemeinen 
deutschen BibIiothek«, 1780, 2. Abt., S.1273-1276. Verfasser 
der unsignierten Rezension ist womSglich Nicolai selbst, der 
sich auch andernorts als Experte in Sachen Physiognomik ge- 
auBert hat. - 14 Er wunscht ...; »In dieser Absicht ersuche ich 
Hrn. Lichtenberg sehr angelegentlich, seine sammtlichen physio- 
gnomischen Beobachtungen, die Widerspriiche mit eingeschlossen, 
wodurch Er gegen sie, und gegen die Physiognomik uberhaupt t 
mifltrauisch geworden ist, bekannt zu machen.« (AdB, a.a.O., 
S. 1275). - 25 Mendelssohn: Ober ihn vgl. zu C 39. - 2$ Lavater: 
Ober ihn vgl, zu A 129. - 26 Zimmermann: Ober ihn vgl. zu 
C115. 

564 j nach ... Erxlebens Tode: Johann Christian Polycarp Erxleben 

- iiber ihn vgl. zu E 451 - war am 19. August 1777 gestorben; 
Lichtenberg hatte erstmals den Taschenkalender fur 1778 zu 
&dirigieren« (IV, S. 282). - 12 ff. der Mensch . . . verschlimmert und 
verbessert werden: Zur Perfektibilitat und Korruptibilitat des 
Menschen vgl. zu 266, 34 £ - 15 weissagen: Zu Lichtenbergs 
Definition der Physiognomik als einer Prophetik vgl. zu 266, 1. 

- 18 das Pathognomische: Vgl. 278, iifT. und die Anm. dazu. - 
22 monstrose Genies und monstrose Dummkopfe: Zu dem Gedan- 
ken vgl. 292, 31. Zu dem BegrifF: monstros vgl. F 789. 1224. - 
28 f. eine neue Physiognomik ... neue Befestigungskunst: Diesen 
Geuanken auBert Lichtenberg 294, if. -30/". an Torheit grenzen- 
den Einfall: Vgl. 270, 3 f. und die Anm. dazu. - 33 in einigen 
Morgenstunden: Dazu vgl. oben S. 108; s. auch Briefe (IV, 
S. 314). - 38 sprach ich von Schwarmern: Dazu vgl. 277, 32; 
s. auch in Briefen (IV, S.157). 

565 if. einen gewissen Mann: Gemeint ist Lavater. - 5 Brief von 
Hannover nach Zurich: Das heiBt: von Zimmermann an La- 
vater. - 6 von einer dritten Hand: Vermutlich ist Boie gemeint: 
s. an Schernhagen (IV, Nr.163, S. 309) vom 2. Februar 1778; 
s. auch IV, S. 298 und 307 : »derbe Schriften, womit mir Armen 
gedroht worden ist«. - 8 erhielt Herr Dieterich ...: Zimmer- 
manns Brief ist nicht erhalten. - lqf herkulische Laune . . . Rohr- 
sperlingische: Diese Wendung geht auf F1146 zuriick; s. auch 



272 ENTWURFE 

570, 3. »Ober Vossens Verteidigung« und Briefe (IV, S. <5i8). - 
17/. Februar 1778, bekam ich ... Nachricht: durch Boie (s. IV, 
S. 310. 311). - i8f. im deutschen Museum: Dazu vgl. oben S. 255. 
- 26J. Ein Freund ... schrieb mir: Nicolai; vgl. zu 543, 32. - 
30 Mendehsohns Abhandlung ...: Vgl. zu 539,3- - 36 Pracht- 
phrasen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 370, 16. - 38 /. sich deut- 
liche Begriffe von Berlin zu verschreiben: Zu dieser Wendung vgl. 
zu 541, 30f. 

566 4 dap ich etwas lernte ...; Diese Passage findet sich fast wortlich 
557, 14; vgl. auch 546, 38. - 5/. Der Marz des Museums erschien: 
Vgl. Lichtenbergs Eindrucksschilderung in einem Brief an 
Schernhagen (IV, Nr.174, S. 317) vom 9. Marz 1778. - 8 
Schweizerprose: Zu diesem Ausdruck vgl. zu F781; Lichten- 
berg gebraucht ihn auch in den Briefen (IV, S. 323); zu den 
Wortbildungen mit Schweizer- vgl. die Anm. dazu. Zu den 
Wortbildungen mit -Prosa vgl. zu 65, 4. - p roten Kamm: 
»Unter der Zeit des roten Kamms verstehe ich den Augenblick 
des roten Kamms, ich meine, er habe es in einem Anfall von 
physiognomisch-patriotischer Hitze geschrieben, derm der 
Mann denkt alle Stunden anders«, schreibt Lichtenberg an 
Schernhagen (IV, Nr. 358, S. 486) am 19. Dezember 1782; 
s. auch 570, 6f. und »Uber Vossens Verteidigung«. - gf. sich 
gekrankt glaubenden Hochmut: Vgl. zu 547, 8 f. - 11 Primaner: 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 345, 31. - 13 Gobhard, Timorus 
und Philadelphia: »Nach seinem niemals beantworteten Timo- 
rus; nach den Lorbeern, die er durch seine grosse Siege iiber 
den Buchhandler Gobhard, und den Taschenspieler Philadel- 
phia erworben ...«, schreibt Zimmermann im »Deutschen 
Museum«, 3. Stiick, 1778, S.194. Ober Philadelphia vgl. zu 
253, 5f-'» s. auch 572, 33 f. - i3ff. die Worter Maulaufsperren ... 
Kalendermacher ... Knips: Die ersten beiden Ausdriicke ge- 
braucht Zimmermann in seiner Einleitung im »Deutschen 
Museum«, 3. Stiick, 1778, S.193, und S.194 das Wort Knips. 
Zu Kalendermacher vgl. F 93 1 . - 17 Wirrwarre von Abhandlung 
im Merkur: Vgl. zu 262, 17. - 26 f. Psalter hinter einem Eulen- 
spiegel gebunden: Zu dieser Wendung vgl. zu 554, 28. - 33 
Wieland . . . hat : Gemeint ist die im »Teutschen Merkur«, April 
1778, S. 80-81, mit M. unterzeichnete Rezension der in Buch- 
form erschienenen Antiphysiognomik, die jedoch nicht von 
Wieland, sondern von Johann Heinrich Merck stammt. 

5^7 4 Journal- und Zeitungslesergeist: Ober den Lesegeist der deut- 
schen Zeitgenossen mokiert sich Lichtenberg E245; s, auch 
Briefe (IV, S. 307). Zu seiner Stellung zum zeitgenoss. Journa- 
Iismus vgl. zu D431. - 6 panegyrischen: von mir verb, aus: 
panepyrischen. - 6 Prachtbriefen: Diesen Ausdruck gebraucht 
Lichtenberg auch 575, 38; zu der Wortpragung vgl. zu 370, 16. 



FUR DAS GOTTINGrSCHE MUSEUM 273 

- 7 erwerben sich Tausende ...: Diese Wendung ist F 971 ent- 
lehnt. - 8f. schonen Geistes: Zu diesem BegrifF vgl. zu 273, 26, - 
gj. heipen Tausendjufie ...: Diese Wendung istE 47 entnommen; 
Lichtenberg notiert sie auch E 70. F 1126. - 19 ehemals semen 
Freund nannte: Vgl. zu 541, 21 f. - igf. einmal zu seinem Ver- 
trauten machte: Worauf Lichtenberg anspielt, ist mir nicht be- 
kannt. - 20/. dich ehemals so impertinent lobte: aus welchem An- 
laB, ist mir nicht bekannt. - 22 J. Briefcn, die er dir ... schrieb: 
Vgl. zu 541, 23. - 2j ein Pajazzo seinen Herrn: Diese Wendung 
ist G 216 entlehnt. - 28 es ware Gobhard: Vgl. zu 539, 2. - 
29 Noten zum ersten Stuck im April: Vgl. zu 539, 3. - 30/. meinen 
dritten Brief .. . lief ichdrucken: Dazu vgl. obenS. 2561*. -32 Bote: 
Uber ihn vgl. zu B 16.-54 Mitarbeiter am Museum: OberLich- 
tenbergs Beitrage am »Deutschen Museum* vgl. oben S. 151. - 
36 Auertissement: s. S. 551-552. 
568 2 in das deutsche Museum ... einrucken: Dazu vgl. oben S. 263. - 
2 f- gestand, Er, Er sei der Verfasser: Dazu vgl. oben S. 263.-3/. im 
Auertissement gesagt: S. oben 551, 14 f. - 6 Bostonische Laune: 
Vgl. 540, 23 und die Anm. dazu; S. 552, 21 spricht Lichtenberg 
von »bostonische Urbanitat«. -11 Quod erat demonstrandum: 
Was zu bcweisen war; im iibrigen vgl. dazu G 7. - 18 Vor- 
ganger des jetzigen Herrn Leibarztcs: Gemeint ist Paul Gottlieb 
Werlhof; liber ihn vgl, zu 574, 25. - 22 Tischreden: Vgl. zu 
576, 7. - 27 Matronen: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 
auch 570, 18. 573, 27; im iibrigen vgl. zu F165. - 27 Kraft- 
barden:Zu diesem Ausdruck vgl. zu 380, 51*.; s. auch 570, 18; zu 
»Barden« vgl. zu 303, 7. - 28 Ordokrafen: Dariiber vgl zu 300, 
I2ff.; den Ausdruck »Ordokrafi« gebraucht Lichtenberg 881, 
30.E407undindenBriefen(IV, S. 351. 387). S. auch 570, 20. - 
28/. noch Junglinge sind, oder ... anfangen: Lichtenberg ge- 
braucht diese Wendung auch 570, 341". 573, 27 f. 



FUR DAS GOTTINGISCHE MUSEUM 



Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Fur das Gottingische Museum.* 
In: Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 1899, S. 99-110. Der frag- 
mentarische Aufsatz ist auf drei ganzen und einem halben Foliobogen 
uberliefert. 

Zur Entstehung: Im Jahrgang 1779 des »Hannoverschen Magazins« 
verofTentHchte Johann Georg Zimmermann 47 »Kleine Aufsatze uber 
verschiedene Gegenstande«, Artikel, die im gleichen Jahr in einer 
zweiten Auflage als Buch erschienen unter dem Titel »Versuch in an- 



274 ENTWURFE 

mutigen und lehrreichen Erzahlungen, launigten Einf alien und philo- 
sophischerl Remarquen uber allerlei Gegenstande«. Leitzmann, des- 
sen Ausfiihrungen (Aus Lichtenbergs NachlaB, S. 225-230) ich hier 
im wesentlichen folge, wies als erster darauf hin, daB diese zweite Auf- 
lage nicht von Zimmermann selbst autorisiert sein kann. Die sechs 
Zeilen lange Aufzahlung der Titel des Verfassers, die Aufnahme der 
Gegenantwort Kastners und der Druckort Gottingen legen den Ge- 
danken nahe, daB die Buchausgabe von einem Gottinger Gegner 
Zimmermanns, sprich: Lichtenberg, veranlaBt wurde. Leitzmann 
fand in seinem NachlaB unter anderen auf Zimmermann beziiglichen 
Papieren ein Blatt, auf dem der Titel der Buchausgabe init geringen 
Abweichungen von seiner Hand verzeichnet ist, die beweisen, daB es 
sich urn einen Entwurf dieses Titels handelt. Und im »VerzeichniB 
derjenigen Biicher ...« werden mehrere Exemplare des Buches auf- 
gefuhrt: ofFenbar Belegexemplare des Herausgebers ! Im iibrigen 
schreibt Lichtenberg noch am 2. August 1784 an Schernhagen (IV, 
Nr. 458, S. 571) in Zusammenhang mit neuen Bostoniaden Zimmer- 
manns : »man konnte, glaube ich, bald eine gute Kollektion machen 
und als einen Anhang zu der Sammlung von schnackischen Einfallen 
herausgeben.« 

Einer der Artikel im »Hannoverischen Magazin«, 39. Stuck, 
14. Mai 1779, Sp* 613-614, von Zimmermann (»Versuch«, S. 33) 
war »Liebe fur Kastnern« iiberschrieben, worin es hieB, die Gottschede 
liebten Kastner, weil er zuweilen nach wiirdigen Mannern schlage. 
Kastner verlangte mit Datum vom 16. Mai 1779 eine Erlauterung 
dieses Ausspruchs, worauf Zimmermann mit Datum vom 19. Mai 
1779 erwiderte, der Gottschede sei Legion und der Geschlagene sei 
der Naturforscher Deluc in einer von Kastner stammenden Rezen- 
sion. Beide Inserate, am 21. Mai 1779 im »Hannoverischen Magazin«, 
41. Stuck, Sp. 648, erschienen, sind im »Versuch« (S. 77. 78) abge- 
druckt. Kastner richtete darauf unter dem Mai 1779 eine Gegenant- 
wort an Zimmermann (»Versuch«, S. 81). Auf diese Streitschrift 
Kastners erschien zunachst keineEntgegnung, sondern Zimmermann 
versandte unter dem i.Juni eine auf die Riickseite einer Spielkarte 
gedruckte Erklarung (einem in Lichtenbergs NachlaB aufgefundenen 
Exemplar zufolge) : »Der gedruckte Brief, womit Herr Hofrat Kast- 
ner den 24. Mai mich beehret hat, macht mir eine unbeschreibliche 
Freude. Ich werde con amore [s. 573, 24] antworten, aber der Him- 
mel weiB wanrt. Anitzt habe ich notigere und nutzlichere Dinge zu 
tun und dann gehe ich nach Pyrmont [s. 571, 6], wo ich weder lese 
noch schreibe.« Erst unter dem 28. Oktober (s. S. 571) erschien die 
24 Seiten starke Antwort »An Herrn Hofrat und Professor Kastner in 
G6ttingen« (s. S. 569). Auf sie bezieht sich Lichtenbergs abgedruckter 
Aufsatz. Zimmermanns SchluBworte lauten: »Posaunen Sie, was Sie 
wollen. Beifall wird man heute bellen zu allem Ihrem Larm und 
morgen wird man gahnen bei aller Ihrer Bosheit«. Kastner ergrifF 



FUR DAS GOTTINGISCHE MUSEUM 275 

darauf nochmals im Januar 1780 das Wort. Weiteres erschien offent- 
lich in dieser Auseinandersetzung mcht. 

Lichtenberg dagegeu beschloB, die kleinen Aufsatze, deren Buch- 
ausgabe er besorgt hatte, und die Streitschrift gegen Kastner zum 
Ausgangspunkt zu nehmen und damit auch dasjenige aus seinen 
physiognomischen Papieren zu verschmelzen, was sich mit Zimmer- 
mann als Mensch und Schriftsteller beschaftigte. Zimmermann blieb, 
wie sein ungedruckter Brief an Boie vom 23.Juni 1779 beweist, das 
Vorhaben Lichtenbergs nicht unbekannt: »Lichtenberg hat«, schreibt 
er, »eine kleine Schrift gegen mich unter der Presse und eine groBe 
gegen mich folgt nachstens«. Bis zur Drucklegung war es aber 
schwerlich schon gekommen, denn die Schrift ist iiberhaupt niemals 
erschienen und niemals vollendet worden. Im NachlaB befindet sich 
ein groBeres Konvolut von Zetteln in einem mit der Aufschrift 
»Zimmermann« und dem Motto aus Ovids »Ars amatoria« 2, 1 : 

Dicite io paean et io bis dicite paean: 
Decidit in casses praeda petita meos 

versehenen Umschlag. Es enthalt teils kleine aphorismenartige Satze, 
teils kurze zusammenhangende Partien der geplanten Satire. War 
Zimmermann recht unterrichtet, wenn er von einer kleineren und 
einer groBeren Streitschrift sprach, so wird man in dem abgedruckten 
Aufsatz ein Fragment der kleineren, in den ubrigen Papieren Mate- 
rialien zu der groBeren Streitschrift vermuten diirfen. 

Die eigenartige Oberschrift »Fur das Gottingische Museum« laBt 
sich mit Hilfe zweier Briefstellen annehmbar deuten. In Bezug auf 
sein mit Georg Forster fur 1780 vorbereitetes »G6ttingisches Maga- 
zin« schreibt Lichtenberg an Schernhagen am 1. November 1779 (IV, 
Nr. 241, S. 373): »Im Vertrauen muB ich Ihnen sagen, was mir im 
Vertrauen ist gesteckt worden, daB namlich Zimmermann sehr bange 
vor diesem Journal sein soil. So gartz unrecht hat er auch nicht, allein 
der friedliebende Forster ist sehr darwider und will wenigstens in die 
ersten Stiicke nichts Anziigliches eingeriickt haben«. Weiter am 
8. November (IV, Nr. 242, S. 373) : »Gestern ist mir erzahlt worden, 
Zimmermann habe gesagt, er wolle warten mit seiner Antwort, bis 
mein Journal heraus sei. Er glaubt vermutlich, er wiirde die Haupt- 
rolle im ersten Stuck spielen. Du gerechter Himmel! das ware ein 
schemer Anfang«. Zeitweise war es also doch Lichtenbergs Absicht, 
sein neues Journal, das vielleicht erst »G6ttingisches Museum« statt 
»Gottingisches Magazin« heiBen sollte, zum Kampfplatz mit Zimmer- 
mann zu machen. War der in die Form einer anonymen Rezension 
gekleidete Aufsatz urspriinglich f iir ems der ersten Stiicke dieser Zeit- 
schrift bestimmt, so erklart sich die Oberschrift ungezwungen. 

Den Gedanken einer Ironisierung Zimmermanns hat Lichtenberg 
niemals ganz aufgegeben. Etwa 1780 schrieb er den Anfang einer 
Satire »Physiognomische Missionsberichte oder Nachrichten von dem 



276 ENTWURFE 

Zustand und Fortgang der Physiognomik zu Tranquebar« (vgl. G 12) 
nieder, in der Zimniermann als Don Zebra Bombast gefuhrt wird. 
Unter diesem Nanien figuriert Zimniermann seitdem verschiedent- 
lich in Lichtenbergs Schriftcn: so in dem groBen 1783 gedruckten 
Alexandrinergedicht (s. S. 423) und in dem geplanten Roman vom 
Doppelten Prinzen (s. S. 615). In dem oben erwahnten Konvolut 
»Zimmermann« fmdet sich schlieBlich ein allerdings ganz triimmer- 
hafter Anfang einer poetischen Epistel mit dem Titel: »Heroische 
Epistel an Don Zebra Bombast, als er zum GroBinquisitor beim phy- 
siognomischen Departement zu Madrid gnadigst ernannt wurde, 
von C. P.« 



569 1 Museum ... Dezember 1779 eingelaufen: Dazu vgl. oben S. 275. 
- 2/*. Weidmanns Erben und Reich: Uber die bedeutende Ver- 
lagsbuchhandlung Philipp Erasmus Reichs vgl, zu B102. In 
diesem Verlag erschienen in der Tat Werke Lavaters - z.B. 
1772 »Von der Physiognomik« - und Zimmermanns »Ober die 
Einsamkeit«; s. auch F 695. 725, Briefe (IV, S. 317) und 602, 
25 f. - 5 8vo: Vgl. zu 23, 26. - 4 An Herm Hofrat Kastner: Dazu 
vgl. oben S. 274. - i2Lucians von Bragg: Uber den rom. Satiri- 
ker Lukian vgl. zu J 352; Brugg in der Schweiz ist der Geburts- 
ort Zimmermanns. - 1 7 vielmehr: danach von Lichtenberg ge- 
strichen: einen so klassischen Mann. -19 Unsterblichkeit: von 
Lichtenberg verb, aus: Ewigkeit. - 20 aus dem deutschen Museum 
bekannt: Vgl. zu 539, 4. - 29 Gelaute von Prose: Diese Wendung 
gebraucht Lichtenberg bereits D153. 539 und in einem Brief 
an Boie bezuglich Zimmermanns (IV, Nr. 185, S. 323) vom 
23. April 1778. - 31/. Kernworter: Vgl. zu 528, 5. - 32 Prunk- 
zotchen: Ein ahnlicher Ausdruck begegnet 423, 17. - 33 Kan- 
didaten: Zu dem Ausdruck vgl. zu 261, 3 of. 

570 3 aus dem Herkulischen ins Rohrsperlingische: Vgl. zu 565, i4f. - 
4 Poetischen Freiheits-Geist ... Oden der Dependenten: Zu dieser 
Wendung vgl. F 204. 262. - 7 roten <Kamm> des bekidigten 
Hochmuts: Vgl. zu 566, 9, - 1 1 Pfauheit: Dieser Neologismus 
Lichtenbergs ist die Inkarnation der Eitelkeit. - 12 Jupiters 
Vogel: der Adler; iiber Jupiter vgl. zu 421, ^$. - 14 Lauwinen: 
Vgl. F 910 und die Anna. dazu. - 14 Kernwortern: Tax diesem 
Ausdruck vgl. zu 528, 5. - 14/. phrasibus heroicis: Tax dieser 
Wendung vgl. zu 540, 24. - 15/. TeufeL..Esel: Die hier zitier- 
ten Worte stammen groBtenteils aus den kleinen Aufsatzen 
Zimmermanns: dort findet sich »Teufel« Versuch, S. 32. 39. 41. 
48. 64; »pissen«, S. 29; »H6lle«, S. 32. 76; »Tunpahl« (»Zaun- 
pfahl«), S. 30; »Esel«, S. 53. Das »Handekussen« stammt aus sei- 
nem Aufsatz iiber diese Sitte im »Hannoverschen Magazine von 
1773, »speien« den Noten zu Lavater (Deutsches Museum 1778, 



FUR DAS GOTTINGISCHE MUSEUM 277 

1, 317). »Wanst« habe ich bei ihm nicht gefunden, doch findet 
sich »Bauch« Versuch, S. 59. - ij Aphorismen: Diesen Ausdruck 
gebraucht Lichtenberg sonst nur H175. - 17 Apophthegmen: 
kurzer treflfender Sinnspruch, >Gefiiigeltes Wort<; s. auch 575, 
24. - 18 Matronen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 568,27. - 
18 Kandidaten: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 261, 3of. - 18 
Kraft-Barden: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 380, 51*.; s. auch 
568,27. - 18 Hasen-Primaner; Zu dem Ausdruck »Primaner« 
vgl. zu 345, 3 1. - 19 Orthographen: Vgl. zu 568, 28. - 20 Set mir 
ein Bild der Ewigkeit: »Seid mir ein Bild der Ewigkeit«. Zitat aus 
dem »Unvollkommenen Gedicht iiber die Ewigkeit«, V. 10, von 
Albrecht von Haller. - 24 Superlatives gebrauchen wo eigentlich 
der Positivus hingehort: Zu diesem Gedanken vgl. F 825. - 
26J. deutschen Prose ... tausend Jahre zu Fufi gegangen: Diese 
Wendung ist F 22 (23 . Mai 1776) entlehnt. - 28 spanischen 
Kronungs-Trab: Zu dieser Wendung vgl. G12: »Kr6nungs- 
maBigem Wesen«; s. auch 423, 11 und 662, i6f. - 31 in diesen 
Dingen: von Lichtenberg verb, aus: des Stits: >Physiognomik 
des Stils< wird auch in »Ein Wort iiber Ziehens Weissagunga 
erwahnt. -53/. noch alsjiingling ...geschrieben: Zu dieser Wen- 
dung vgl. 568, 28. - 36 sermopedestris: In F 22 heiBt csipedestris 
oratio; vgl. die Anm. dazu. 

571 1 Ruinen von Lissabon: Uber das Erdbeben von Lissabon vgl. zu 
429, if. - sf. Dero Reise mxt dem Engel Gabriel: Anspielung auf 
Zimmermanns Aufsatz »Engel Gabriel und ich« im »Versuch« 
S. 63; s. auch 572, 4 und oben S. 274. - 6 Pyrtnont: im i8.Jh. 
ein von der zeitgenoss. deutschen Prominenz stark frequen- 
tiertes Modebad; s. auch oben S. 274. - 8 antworteten erst auf 
Simon Juda: Gemeint ist Simon Kananaus, ein Apostel (Mark. 
3, 18), der in Persien gewirkt und den Martyrertod durch Zer- 
sagtwerden erlitten haben soil; daher sein Attribut die Sage; 
Patron der Holzfaller; sein Tag 28. 10. - 13 Staatsprose: Zu die- 
ser Wortbildung vgl. zu 65, 4. - i4Jf. Auteur Seigneur . . . Auteur 
penseur: Zu dieser Wendung vgl. zu 95, 30; s. auch die ahnliche 
Wendung 539, 13. - 19 da lack ich dazu wenn ...; Zu 
dieser Wendung vgl. zu 545, 31. - 20 f. Durch Rache ... kalt: 
wortliches Zitat aus »An Herrn Hofrath und Professor Kast- 
ner«, S. 3. - 25/ kuhnsten Blicke ... durch ein bisher noch nit 
geoffhetes Loch: Zu dieser Wendung vgl. zu 555, 28 f. - 26f.ge- 
ruhtnte ... Beobachter des Menschen: Dazu vgl. »Physiognomi- 
sche Fragmented S. 337; s. auch 574, 3. - 33 der ... un- 
erlosten Juden wegen eine Anmerkung: Anspielung auf das von 
Lavaterpropagierte>Bekehrungs-Werk<; vgl. 557, 4f. und oben 
S. 82f. - 36 Schwdrmer: Zu diesem Ausdruck vgl. ZU277, 32. 

572 4 Umgang mit dem Engel Gabriel: Vgl. zu 571, 5f. - 4 armen 
Teufeln: Vgl. zu 214, 31. - 5 reellen Messiade: im Gegensatz zu 



278 ENTWURFE 

der fiktiven von Klopstock; als »physiognomischcn Messias« 
bezeichnet Lichtenberg in den Briefen (LB I, S. 284) Lavater. - 
5/. Braunschweiger Messe: Diese Messe hatte im i8.Jahrhundert 
nach der in Frankfurt und Leipzig die groBte wirtschaftliche 
Bedeutung. S. auch IV, 1.18, - 12 f im Musaum ... versichert: 
Gemeint ist der Artikel »Ober den Herrn von Haller. Aus 
Linguets Annalen, Ubersezt und mit Anmerkungen begleitet 
von Herrn Hofrath Zimmermann« im »Deutschen Museum «, 
5. Stuck, May 1778, S. 430-433, wo Zimmermann S. 431 
schreibt: »HalIer war auBerst reizbar, cholerisch, nicht leicht 
versohnlich ...« - 17 In Gottingen ... Mann von 6 FuJ] Ldnge: 
Dazu vgl. 546, 8. - 18 Herzhaftigkeit: von mir verb, aus: 
Hertea/ftigkeit. - 20 purgieren: saubern. - 21 Dritten-Feiertags- 
Andachten: Vgl. zu 407, 34. - 29/. liederlichen Mafist'dbe fur 
Verdienst und Wurdigkeit: Zu dieser Wendung vgl. zu 190, 341*. 
- 31 Phantast ein Original-Kopf: Den Ausdruck »Phantast«, der 
im aufgeklarten i8.Jh. sowohl asthetische wie politische und 
religiose Irrgeisterei denunzierte, gebraucht Lichtenberg auch 
905, 2; zu »Original-Kopf« vgl. zu 331, 2f. - 32 Bengel: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu D 281. - 33 f Philadelphiascher Fertig- 
keit: Uber Philadelphia vgl. zu 253, 51*.; s. auch 566, 13. - 
34 ein Odium zuzuspielen: Zu dieser Wendung vgl. auch 574, 
y£. - 36 ich erhielt einen Brief aus Kew: Zitat aus »An Herrn 
Hofrath und Professor Kastner«, S. 15. - 36 Kew: die Sommer- 
residenz des engl. Konigs. - 37 f Herr von Wullen: Lebensdaten 
unbekannt. 

573 6 hofpoetenmdfiige Seitenblicke: Zu dieser Wendung vgl. zu 
262, 2 if.; zu dem Wortfeld vgl. zu 60, 35. - 8ff. Wir holen ... 
Befehle nicht aus Gottingen: Zitat aus »An Herrn Hofrath und 
Professor Kastner«, S. 7. - 12 Wir?: danach von Lichtenberg 
gestrichen: Wir holen unsre Befehle nicht von Gottingen? -12 
sind denn die Wir?: danach von Lichtenberg gestrichen: konnte 
Her etn Gottinger fragen. - 12 f in Gottingen: danach von Lich- 
tenberg gestrichen: konnte hier ein Gottinger antworten. - 14 f 
Reprdsentanten unsers ... Konigs: In Hannover, das seinerzeit zu 
England gehorte, befand sich der Sitz der Regierungsbevoll- 
machtigten der engl. Krone. - ig Dransfeld: Stadtchen westlich 
von Gottingen. - 24 con amore: Dazu vgl. oben S. 274. - 27 
Krafthase: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 384, 33. - 27 Matronen- 
seele: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 568, 27. - 27 f. der wieder- 
werdende Jungling: Vgl. zu 568, 28 f. - 33 f seinen Aufsatz im 
Magazin: S. oben S. 274. 

574 3 nach Herrn Lavatem: Vgl. zu 571, 26 f. - 7/. ein Odium zuzu- 
spielen: Vgl. 572, 34. - 10 f das Wort ... individualisieren: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 377, 15. - 10 Gottingische Zeitungs- 
Direktion: So schreibt Zimmermann in »An Herrn Hofrath und 



FUR DAS GOTTINGISCHE MUSEUM 279 

Professor Kastner«, S.13. - 13 Anekdoten-Krdmer: Einen ahn- 
lichen Ausdruck gebraucht Lichtenberg 950, 35; s. audi J 1028. 
- iff burgerlichen Despoten: Zudiesem Ausdruck vgl. zu 543, 16. 
- 1 6ff. durfen drucken lassen, was ihnen . . . beliebt: Tatsachlich ge- 
horte die PreBfreiheit zu den 1737 von der engl. Regierung den 
Professoren der Georgia Augusta verliehenen Privilegien. - ig 
Herrn ... der die Gracchen zitierte: »Eben darum sagte ein Herr 
in Hannover, als er dieses unbedachtsame Kartell las: Quis 
tulerit Gracchos de seditione querentes?« ebenda, S.n. Das 
Zitat stammt aus Juvenals Satiren, 2, 24. - 20 die beeidigten 
Manner: Anspielung auf Zimmermanns Worte, a.a.O., S.n: 
»das hier liegende Archiv der Gottingischen Universitat«. - 
25 1 000 Fufi: Vgl. zu 25, 16. - 25 f Werlhof...zitiert: Anspielung 
auf »An Herrn Hofrath und Professor Kastner«, S. 11: »des 
seligen Roderers, nach dem Urtheil unsers Werlhofs, Sie un- 
ubertrefflich ziichtigende Vertheidigung«. Paul Gottlieb Werl- 
hof (1699-1767), Leibarzt in Hannover und Vorganger Zim- 
mermanns daselbst. Lichtenberg erwahnt ihn auch 568, 18. 
618, 22. - 29/. Der Mann der in Europa . . .; Zu dieser Wendung 
vgl. zu 544, 24. - 50/. Mendelssohn: Ober Moses Mendelssohn 
vgl. zu C 39. - 34f. Hofbrille: Zu dieser Wortbildung vgl. zu 
60, 35. 

575 jr/. Hojmann ... das angenehmste Geschbpf: Zu Lichtenbergs 
wirklicher Meinung vgl. 698, 3f. 703, 141*. - 16 Pedanten: Zu 
diesem Ausdruck vgl. zu 297, 17. - 17 Renommisten: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 600, 28. - 21 haben miissen: danach von Lich- 
tenberg gestrichen: Kan man schon allein daraus sehen, dafi. - 
2if. Ihr Leben des Herrn von Hallers studentisch: »Das Leben des 
Herrn von Haller« erschien Zurich 1755. »Sein Avertissement 
von Hallers Leben ist, nach aller Kenner Zeugnis hier, die 
scheuBIichste Probe von afFektiertem demutigen Hochmut, die 
man sich denken kann. Es ist kein Mensch hier, der nicht dar- 
iiber gelacht hatte, ich sage mit Fleifi kein einziger Mensch. Sein 
erstes Leben von Haller war kindisch und dieses wird studen- 
tisch werden, geben Sie nur achu, schreibt Lichtenberg an 
Boie (IV, Nr. 185, S. 323) am 23. April 1778. Die nach Hallers 
Tod von Zimmermann geplante Neubearbeitung kam nicht 
zustande. VgL auch F 1207. - 24 Apophthegmen: Vgl. zu 570, 
J 7- - 3°f* Gesundbrunnen fur den Geist: In den Briefen auBert 
sich Lichtenberg dagegen auBerst kritisch tiber das Niveau der 
Gottinger Studenten (s. IV, 663); vgl. auch 418, 19 ff. - 34 
Prachtphrases: VgL zu 370, 16. - 38 Kraft- und Pracht-Briefe: 
Zu der Wortpragung »Kraft-Briefe« vgl. zu 380, sf.; zu 
»Pracht-Briefe« vgl. zu 567, 6. 

576 7 Tischreden: »Tischreden« nennt Lichtenberg nach dem gleich- 
namigen Werke Luthers Zimmermanns »Kleine Aufsatze«. 



280 ENTWURFE 

Nach einem Briefe Zimmermanns an Karoline Herder (Aus 
Herders Nachlass, 2, 380) schrieb Lichtenberg voll Zorn dar- 
unter: »Ist 51 Jahre alt!« S. auch 568, 22. - p Brief an ... Kastner: 
Gemeint ist die oben S. 274 als letzte zitierte Schrift Zimmer- 
manns; die AuBerung findet sich ebenda* S* 18. 



VERSCHIEDENE ARTEN VON GEMUTSFARBEN 

ErstverqffentUchung und Satzvorlage: »Verschiedene Arten von Ge- 
miithsfarben.« In: Paul Requadt, Lichtenberg. Zum Problem der 
deutschen Aphoristik. Hameln 1948, S, 144-147. Das Fragment ist 
auf einem Foliobogen im NachlaB der Gottinger Staats- und Uni- 
versitatsbibliothek (Kasten V, Abt. I, s) erhalten. Auf dem Bogen 
befindet sich iibrigens ein dem hier abgedruckten Fragment voraus- 
gehendes Bruchstuck, das Requadt unter dem annahernden Titel 
»Verschiedene Arten von Wahnsinn«, a.a.O., S.143 abgedruckt hat. 
Es hat folgenden Wortlaut: 

»von denen er aber seit langer Zeit im verniinftigen Zustande keine 
Sylbe mehr gewuBt hatte. Man bedenke, was sogar in einem Bauern- 
kopfe betont seyn kann! Wie lange mogten nicht diese schonen 
griechischen Verse neben Dreschflegeln und Ochsenziemern ge- 
schlummert haben, bis sie endlich bei jener vulkanischen Eruption 
urplotzlich den Gelehrten zum Trotz und gleichsam gegen alle Ge- 
setze der Natur wie der beriihmte Sienische Steinregen. 

Es giebt eine besondere Art von Wahnsinn, wobei die Leute bis 
auf eine einzige sonderbare Idee, von der sie sich durchaus nicht los- 
reiBen konnen, vollig verniinftig sind. Man erzahlt von Personen, 
die ihre posteriora fur glasern hielten und deswegen so viel moglich 
alles a priori zu behandeln suchten. Andere hielten sich fiir todt und 
sprachen in der That so pathetisch und so riihrend, daB man wiirklich 
dann und wann einige Resonanzen vom Erzengel Michael durchzu- 
horen glaubte. Noch andere bildeten sich ein, sie seien der Konig 
David und gingeh in ihrer Thorheit so weit, nicht bios an Psalrnen, 
sondern auch an - Bathsebas zu dcnken. Was nun den letztern Punkt 
betrift, so meinten zwar die Philosophen, dies geschahe bios per 
associationem idearum und sei durchaus etwas Accidentelles; hin- 
gegen die Arzte waren der entgegengesetzten Meinung und behaup- 
teten, daB gerade in dieser Bathseba die prima et proxima mali causa 
zu suchen sey und der Konig David und die Psalrnen vielmehr als 
etwas Accidentelles betrachtet werden miiBten. 

AuBer diesen angefiihrten Gattungen von Wahnsinn giebt es noch 
einige andere, die aber zu sehr zu den gelehrten Merkwurdigkeiten 
gehoren, als daB sie hier beschrieben werden konnten. Obrigens 
ware es wohl der Miihe werth, den Vorschlag zu einem gelehrten 



GEMUTSFARBEN 28 1 

Bedlam, der vor mehreren Jahren von einem unserer wizigsten Kopfe 
gethan wurde, bei der immer mehr uberhand nehmenden Luft- 
springerei und atherischen Schiffarth einmal wieder in Anregung zu 
bringen.« 

Zur Entstehung: Wahrend Requadt, a.a.O., S.170, dieses Fragment 
auf das Fragment »Von Gemiitsfarben« bezieht, obgleich dafiir kein 
inhaltlicher AnlaB besteht, mochte ich eher annehmen, daB es sich 
hier um eine geplante >Ausschweifung< in Zusammenhang mit dem 
Bedlam-Blatt von »Der Weg des Liederlichen« (Achte Platte) han- 
delt, an dem Lichtenberg am 1., 2., 11. und 12. April 1796 arbeitet 
(s. SK 885. 886. 889. 890). Das Fragment ist zeitlich hier anzusiedeln, 
wobei allerdings der Hinweis auf Lichtenbergs Formulierung eines 
»Vorschlag zu einem gelehrten Bedlam, der vor mehreren Jahren 
von einem unserer wizigsten Kopfe gethan wurde« weniger belang- 
voll ist. Wenn auch der Aufsatz »Bedlam fiir Meinungen und Er- 
findungen« im »Gottinger Taschen Calender« fiir 1792 zweifellos 
Lichtenbergs Werk ist, so entspricht es doch nicht im mindesten 
seiner Haltung, von sich selbst als von einem »unserer wizigsten 
K6pfe« zu sprechen ! Er spielt dabei vielmehr auf Georg Forster an, 
der - Lichtenberg apostrophierend - in seiner »Geschichte der Eng- 
lischen Litteratur vom Jahre I79i« den Ausdruck »Iiterarisches Bed- 
lam« pragte (Georg Forsters Werke, Bd. 7, Berlin 1963, S. 260). 

Einen exakteren Hinweis auf die Entstehungszeit des hier zitierten 
Fragments gibt die Erwahnung des »Sienischen Steinregens«. Re- 
quadt erwahnt ihn nicht, da er irrtumlich »Sirnische« gelesen hat. 
Der Steinregen von Siena fand 1794 als Folge eines Vesuv-Aus- 
bruchs statt, und Lichtenberg berichtete dariiber im Taschenkalen- 
der fiir 1797, das heifit, der Aufsatz entstand im Spatsommer 1796. 

Was das Fragment »von Gemiitsfarben« betrifft, gibt es nur einen 
chronologischen Hinweis: den auf die Belagerung von Kehl (s. 580, 
27). Die viermonatige Belagerung dieser Reichsfeste durch Erzher- 
zog Karl, bei der durch 100 000 Kanonenkugeln und 25000 Bomben 
die Halfte der Stadt zerstort wurde, begann Anfang Oktober 1796. 

Nach diesem Zeitpunkt also ist das Fragment entstanden, womog- 
lich bald nach diesem Termin, wie Requadt (a.a.O., S. 170) fiir 
denkbar halt. In den Sudelbuchern und Briefen wird es nicht er- 
wahnt, so daB man auch nur mutmaBen kann, ob es Lichtenberg fiir 
eine Veroffentlichung im Taschenkalender konzipiert hatte. 



577 2 Unsere Seek ... ein Chamdleon: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 
258, 8.-7 Spiritus animates: Lebensgeister. - 13 Kamisoler: von 
lat. camisia >Hemd<: ein kurzarmeliges Unterwams. - 15J. in 
diesem Geniedrange ... Fenster eingeworfen: Zu dieser Wendung 
vgl. E 297. 298. Zu »Geniedrang« vgl. zu 370, i2flf. - 22 Bute- 



282 ENTWURFE 

phalus: das Lieblingspferd Alexanders des GroBen. - 23 impa- 
vidum ferient ruinae: »(Wenn der Erdkreis zerschmettert zu- 
sammenstiirzt,) werden die Trummer einen Furchtlosen tref- 
fen.« Zitat aus Horaz, »Oden«, III, 3,8. Lichtenberg zitiert die 
Worte auch 672, 35, Ober Horaz vgl. zu KA152. - 24 Veni, 
v'xdi, vici: »Ich kam, ich sah, ich siegte.« Ausspruch Casars, nach- 
dem er Pharnakes, den Konig von Pontus, 47 v.Chr. besiegt 
hatte. Lichtenberg zitiert die Worte auch 790, 27. - 29 Raffaels- 
gesichter: Uber Raffael vgl. zu D 537; iiber die Wortbildung 
vgl. zu 371, 26. - 2gf. Mozartsche Harmonien; Ober Mozart 
vgl. zu K 343. - 31/. eine gewisse Sekte ... das Summum Bonum: 
Gemeint sind die Stoiker; vgl. zu B 204; s. auch 612, 27 f. 701, 
26. - 33 Konterbande: spatlat., frz., ital. >gegen die Verord- 
nung<, im Volkerrecht altere Bezeichnung fur Banngut; zu 
dem von Lichtenberg gern gebrauchten Ausdruck vgl. zu 
B 284; s. auch 587, 29. 

578 1 Jakobsleiter: Vgl. zu 835, 19. - 19 Modecouleur: Zu dieser 
Wortbildung vgl. zu 377, 10. - 28 gedrechselt: Zu diesem Aus- 
druck vgl. zu 438, 16. - 2$ geburstet: Zu diesem Ausdruck vgl. 
zu 417, 291*. - 28J. spanischen Gravitat: Zu dieser Wendung vgl. 
zu 423,4. - 31 Hiatus: Kluft, Gahnen; in der Sprachwissen- 
schaft das ZusammentrerFen von Vokalen in der Wortfolge, 
das in der normativen Asthetik als VerstoB gait. - 33 Gekhrten 
von Profession: Tax diesem Ausdruck vgl. zu 190, 38. 

579 p Samaritergesichter: Tax dieser Wortpragung vgl. zu 371, 26. - 
14 notiones: BegrifFe. ~ 11 hebraische Buchstaben ohne Vokale: 
Uber das Hebraische auBert sich Lichtenberg auch 691, 17. 
858,7. - 11 /. Kanzleistil: fast sprichwortlich fiir umstandlich 
verschnorkelte und vertrackte, >barocke< Sprache. Lichtenberg 
parodiert ihn etwa 308, 8f. 411, 36. - 22 j. hiite wan sich ... die 
Wanduhr aufzuziehen ...: S. »Tristram Shandy«, Kap. i, S. 10 
(Winkler Verlag, MUnchen 1969); Tristrams Vater pflegte am 
ersten Sonntagabend eines jeden Monats eine groBe Wanduhr 
aufzuziehen und zu dem gleichen Termin seinen ehelichen 
Pflichten nachzukommen, was zu Tristram Shandy s Zcugung 
AnlaB gab (s. Kap. 4, S. 13-14). 

580 27 Bombardement von Kehl: Dazu vgl. oben S. 281. - 33 Schattie- 
rung: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 243, 36. - 35 Parentation: 
Totenpredigt. 

581 19 Petrefaktenzustand: Petrefakten: Versteinerungen ; zum Ge- 
brauch dieses Ausdrucks vgl. zu 155, 29. - 30 Trepanationsin« 
stmmenten: Trepanation: das Oflfnen der Schadelkapsel z.B. 
bei Gehirngeschwulsten oder zur Freilegung des Gehirns. - 31 
Catonen ... Brutusse ... Friedriche: Uber Cato vgl. zu KA 85; 
iiber Brutus vgl. zu J 564; uber Friedrich II. vgl. zu KA140. 

582 16 weil: danach bricht das Manuskript ab. 



Fragmente von Erzahlungen 



Unter diesem Titel vereinige ich erstmals samtliche aus Lichtenbergs 
NachlaB iiberlieferten Entwiirfe zu Erzahlwerken, unter die ich hier 
auch die von ihm geplanten Romane rechne: die diversen Fragmente 
zu dem Roman fiir Europa »Kunkel« und die mehreren >Romagnoli< 
zu dem Roman vom »Doppelten Prinzen«. Fiir den von Lichtenberg 
417, 3f. erwahnten Roman-Plan, in dessen Mittelpunkt ein Alche- 
mist stehen sollte und der zeitlich das fruheste erzahlerische Vor- 
haben Lichtenbergs darstellt, waren im NachlaB keinerlei Arbeits- 
notizen auffindbar. 

Es ist hier nicht der Ort, die literarische Qualitat der erzahlerischen 
Versuche Lichtenbergs und die GrUnde seines Scheiterns in der 
Gattung des Romans zu erortern. Ich verweise in diesem Zusam- 
menhang auf die Ausfiihrungen Leitzmanns in »Aus Lichtenbergs 
NachlaB«, S. 188-184. 



ZUR BIOGRAPHIE KUNKELS GEHORIGES 

Erstueroffentlichung und Satzvorlage: »Fragment i« (585, 1-586, 33) in: 
»Vermischte Schriften«, Gottingen 1844, Band 3, S. 15-18. frag- 
ment 2« (586, 34-588, 5): von Leitzmann in den Anmerkungen zu 
Aphorismenheft B, S. 216-218, mitgeteiltes ungedrucktes Blatt aus 
dem NachlaB, das sich nach seiner Ansicht »vielleicht unmittelbar an 
Schriften 3,18 anschlieBen sollte« und von mir entsprechend einge- 
ordnet ist. »Fragment 3« (S. 588): »Vorrede zu der Rede« in: »Ver- 
mischte Schriften«, Gottingen 1844, Band 3, S. 18-19. »Fragment 4« 
(S. 589-603): »Rede dem Andenken des sel. Kunkels gewidmet. In 
einer Versammlung von Studenten gehalten. Worin vieles zur ge- 
lehrten Geschichte der letzten Monate Gehoriges vorkommt.« In: 
»Vermischte Schriften«, Gottingen 1844, Band 3, S. 20-44. »Frag- 
ment 5« (S. 604): >Kunkeliana< (von mir so genannt) in: »Vermischte 
Schriften«, Gottingen 1844, Band 3, S. 46-47. Die ebenda, S. 44-46, 
abgedruckten Kunkeliana sind den Sudelbtichern entnommen, und 
zwar D 177. 206. 516. 517. E 79. 

AuBer von Fragment 2 haben sich Handschriften zu den hier ab- 
gedruckten Entwiirfen im NachlaB nicht auffinden lassen. 

Zur Entstehung: Jonas Kunkel, Trodler und Antiquar in der Goth- 
marstraBe in Gottingen, war im Dezember 1768 gestorben. DaB 



284 FRAGMENTE VON ERZAHLUNGEN 

Lichtenberg an ihm nicht nur humoristisch-satirisches Interesse nahm, 
zeigt die Bemerkung A 57, die noch zu seinen Lebzeiten aufgezeich- 
net wurde. Nach seinem Tode wurde er fur Lichtenberg Jahre hin- 
durch eine Art Kristallisationspunkt fiir satirische Gedankenreihen 
und humoristische Einfalle. Zwei Plane schwebten ihm oflfenbar vor, 
von denen nur der eine zur Ausfuhrung gekommen ist, eine Ge- 
dachtnisrede auf den Verstorbenen und eine Lebensbeschreibung. 
Die »Rede dem Andenken des sel. Kunkels gewidmet« wurde im 
Fruhjahr 1769 niedergeschrieben. Das »Leben Kunkels«, das im Stile 
der englischen Humoristen gehalten werden sollte und an dem Lich- 
tenberg die folgenden Jahre und noch im August 1771 (vgl. TB 25) 
schrieb, ist nie vollendet worden. Auf diese geplante Biographie be- 
ziehen sich die Passagen S. 585-588. 

In den Rahmen dieser beiden Plane gehoren ferner Arbeitsnotizen 
in Sudelbuch B 102. 103. 104. 105. 114. 119. 122. 125. 135. 142. 144. 
145. 146. 149. 151. 155. 158. 193. 195- I9<*« 200. 255. 408. 409. 410. 
417. 418. 419. 420. Mit groBerer oder geringerer Sicherheit gehoren 
wohl auch dazu B 108. 121. 124. 127. 160. 161. 163. 166. 170. 177. 
191. 192. 221. 243. 258. 261. Wahrscheinlich schwebte auch bei 
mancher anderen Notiz, die mit einfachem »er« anhebt, Kunkel vor. 
Vgl. ferner D 179. 209. 212. 520. 521. 524. 610. E 80. 367. 522 und 
528, 33. 622, 20. 



585 2 Antiquarius Jonas Kunkel: Ober ihn vgl. zu A 57. - 6 vorigen 
Jahrs: 1768; Kunkel starb am 24. Dezember. - 6f. Bis aufheut 
gerechnet . . . vier vollige Monate: Marz/ April 1769; das i^t gleich- 
zeitig das Datum der Niederschrift; s. auch 589, 4. - 5 Macht- 
spruch: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 555, 26.-11 Gegend, wo 
der point d'honneur sitzt: Zu dieser Wendung vgl. zu 528, 6. - 
1 7 in unserer Stadt: Gottingen. - 2o eine gute Haut: Diese Wen- 
dung begegnet auch B 32. 

586 2 9 Musen: Tochter des Zeus und der Mnemosyne, die Gottin- 
nen des Dichtersanges: Klio, Kalliope, Melpomene, Thalia, 
Urania, Erato, Euterpe, Terpsichore, Polyhymnia. In ihrer 
Neunzahl erscheinen sie erstmals bei Hesiod. - 2/*. vom Adel t 
physice; Diese Wendung begegnet auch 623, 22. - 34$ Ich 
habe «... drucken lassen: Diese Passage ist zweifellos B 1 14 ent- 
nommen. - 34/. Gronder Tor: eigentl. Groner Tor: ehemals 
die westliche Zufahrt Gottingens in Richtung auf das Dorf 
Grone, das seit 1964 eingemeindet ist. - 35 80 Fufien: Vgl. zu 
25, 16. - 38 Erde: von Lichtenberg verb, aus: Europa. 

587 3/. in meinem Bette ... gegen die Wand zu t gedacht: Ahnlich 
schreibt Lichtenberg TB 12 (S. 608) »When he is in his bed, 
his face turned to the wall in a privy council with himsel£« - 
5 gM& nichl an ' v on Lichtenberg verb, aus: dazu habe ich keine 



KUNKEL 285 

Lunge. ~i of. drucken lassen: danach von Lichtenberg gestrichen: 
Auch ist sonst kerne Eitelkeit dahinter. - 12/. in den Zeiten des 
ersten Barts . . . Trieb Bucher zu zeugen: 2ax dieser Wendung vgl. 
zu 208, 13. - 14 zeugen: danach von Lichtenberg gestrichen: 
ich habe ihm aber alleze'U widerstanden. - 16 f. Philippis Mdrtyrer 
Geschichte: Christian Ludwig Liscow richtete drei satirische 
Angriffe gegen den Professor Philippi, der 1734 zu Gottingen 
den »Freidenker« herausgab. VgL zu B 19; s. auch 590, 26-27. - 
17 zitschreiben mufi: danach von Lichtenberg gestrichen: »Aber, 
nun kan ich mich kaum mehr halten, nun sind es zehn gantzer 
Jahre da ich ein Gedicht in Hexarnetern in der Schule schrieb, 
und das ich damals fiir eben so schon hiclt, als die Messiade, 
die ich mir zum Muster genommen hatte, ohnerachtet mein 
Gedicht nur die Beschreibung eines Kiichengartens war, das 
also mit der Messiade sich gar in keine Vergleichung ziehen 
lieB. Ware unser Jonas Kunckel nicht gestorben oder die Nach- 
welt nicht so iiber semen Credit hergefallen, so hatte ich vil- 
leicht, wie die Leute zu reden pflegen, meine JungfernschafFt 
mit ins Grab genommen.« -17 Hubertsburger Friede: Der am 
15. Februar 1763 auf dem JagdschloB Hubertusburg bei Leip- 
zig unterzeichnete Friedensvertrag beendete den Siebenjahri- 
gen Krieg. - 21 kttrz: danach von Lichtenberg gestrichen: 
anno 1763. - 26 sagte Cervantes: Das Zitat war von mir nicht 
aufzufinden; zur Lektiire des »Don Quichote« vgl. zu 417, if. - 
28 eine Satyre schreiben: Zu diesem Gegenstand vgl. zu 542, I7f. 
- 20 Schleichhandel mit der Wahrheit: Diesen Ausdruck ge- 
braucht Lichtenberg auch 857, 4. 1004, i8f. - 30 Contrebande: 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 577, 23. - 31 denken Sie hin: da- 
nach von Lichtenberg gestrichen : »DaB aus nichts nichts wird, 
und das 2 mal 2 4 ist kan man jetzt auf mehr als 40 Statten von 
Deutschland liberal! urn ein billiges a 1/2 Louisd'or offentlich 
und privatim demonstrirt mit und ohne Versuche haben.« - 
32 aus nichts wird nichts: Zitat nach Lukrez, »De rerum natura«, 
I, 149. 205 ; II, 287; ein Gedanke Epikurs. - 33 2 mal 2 pp: Vgl. 
B 130. - 36 sagen will: danach von Lichtenberg gestrichen: 
»Von drey Bogen im Manuscript von einer freymuthigen Er- 
innerung muB der Verfasser in kuhleren Augenblicken wieder 

abrechnen 3 pro Cent fiir die liche Landes Regierung, 

wenigstens 5 fiir den Herrn von weil er alles gilt, 10 pro- 
cent fiir das Consistorium oder Bannstrahlsteuer, dann noch 
fiir die Dicasteria Gonner-Abgaben zusammen 8 pro Cent. 
Am Ende bleibt dem Verfasser ein kaltes unschmackhafFtes 
Ding, ein Caput mortuum von einer Satyre ubrig, das kein 
Mensch mehr auf sich deutet und deuten kan, der nur iiber 
200 Thaler Besoldung hat, und was ist das fiir eine Satyre, die 
schon da aufhort, wenn alle Narren in der Welt nur eine Macht 



286 FRAGMENTE VON ERZAHLUNCEN 

von 200 Thalern hatten; die rechte soke noch um 800 Thaler 
hoher anfangen.« Vgl. B 136; zu »Bannstrahlsteuer« vgl. zu 
338, 10 f. -37 libri unici: einzige Biicher. 

588 2 Bayle: Ober ihn vgl. zu KA 47. - 2 Jurieu: Pierre Jurieu 
(1637-1713), frz. ref. Theologe, Bayles Hauptgegner auf pro- 
testantischer Seite in den nach der Aufhebung des Edikts von 
Nantes (1685) entstandenen Streitigkeiten, der auch seine An- 
klage als Gottesleugner veranlaBte, infolge deren Bayle seines 
philosophischen Lehramts entsetzt wurde, - yff. Nachstehende 
Rede . . . Kunst: Diese Passage ist wortlich B 103 entnommen. - 
2 3 J a t so ist's keine Kunst: Diese Wendung ist B 103 entlehnt. - 
2 4Jf' Was ... andere: Diese Passage ist fast wortlich B 105 ent- 
nommen. -32/. lephilosophe bienfaisant: Stanislaus I. (Leczinski) 
Konig von Polen (1 677-1 766), nachher Herzog von Lothrin- 
gen. »Oeuvres du Philosophe bienfaisant«, Paris 1765. Uber 
ihn vgl. auch zu B 105. - 34 La modestie ... manquent: Be- 
scheidenheit sollte die Tugend derer sein, die der anderen er- 
mangeln. 

589 7 Nun schon April: Zu diesem Datum vgl. zu 585, 6 f. - 1$ 
Mayer: Ober Tobias Mayer vgl. zu B 237. - 16 Heilmann: 
Johann David Heilmann (1727-1764), Prof, der Theologie in 
Gottingen 1758-1764. - 18 Grau: Uber Johann David Grau 
vgl. zuB 227. - i8Butschany: Matthias Butschany (1731-1796), 
aus Ungarn; Privatdozent fiir Mathematik in Gottingen 1758 
bis 1 761; muBte seine Vorlesungen aus unbekanntem Grund 
aufgeben. Lichtenberg spielt darauf auch in dem »Schreiben 
an einen Freund« an (s. zu 623, 14). - 28 Boerhaave Medicus in 
Europa: Ober ihn vgl. zu A 174. - 29 Mafi von Verdienst: Ober 
diese Wendung vgl. zu 190, 34 f. - 52 Voltaire: Ober ihn vgl. 
zu KA 28. - 55 Schmid: Christian Friedrich Schmid (Lebens- 
daten unbekannt), Prof, der Philosophic in Leipzig, dann in 
Wittenberg, verorTentlichte Leipzig 1766 »La philosophic de 
l'histoire de feu Tabbe Bazin critiquee«. - 33 Bazin: Abbe 
Bazin war ein Pseudonym Voltaires! - 33 j. en Villustre Univer- 
sity an der beriihmten Universitat. - 34 Wilke: Ober Christian 
Heinrich Wilke vgl. zu B 9. - 55 Wichmann: Ober Christian 
August Wichmann vgl. zu B 16. 

590 2 Ausschweifung: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 65, 1. - 14 meine 
ganze Rede fiir Satyre halten: Daruber vgl. zu 542, i7f, - 19 
Epaminondas: Ober ihn vgl. zu L 68. - 26 Liscow . . . versichert: 
Anspielung auf »Briontes der jiingere, oder Lob-Rede / auf den 
Hoch-Edelgebohrnen und Hoch-Gelahrten Herrn, Hrn. D. Jo- 
hann Ernst Philippi, Sffentlichen Professoren der Deutschen Be- 
redsamkeit auf der Universitat Halle ... gehalten in der Gesell- 
schaft der kleinen Geister in Deutschland«, o.O. 1732. In dieser 
Satire gegen Philippis »Sechs deutsche Reden«, erschienen Leip- 



KUNKEL 287 

zig 1732, schreibt Liscow S. 9: »Dieser groBe Mann hat mir 
durch sein Beyspiel gewiesen, wie ich und meines gleichen 
kummerliche Redner es machen miissen, wenn wir etwas sagen 
wollen, und nicht wissen was es seyn soil. Er hat die Kunst er- 
funden, wie ein Redner das, was ihm mangelt, geschickt von 
seinen Zuhorern entlehnen kan.« - 27 Philippi: Ober ihn vgl. 
zu B19; s. auch 587, 16. - 55/. Esel ... burleske Figur ...; Vgl. 
zu 527, 371*. 

591 7Jf. In Arabien ... der Esel heiflt ... der Aufgeweckte, derPJiffige: 
Das Zitat ist den »G6ttingischen gelehrten Anzeigen« 1767, 98. 
Stuck, S. 784, entnommen; die Stelle \virdKA131 exzerpiert. 

592 4/. schon em Kunkel ... hervorgetan: Gemeint ist Johannes Kun- 
ckel (von Lowenstein), Chemiker und Alchimist, gest. urn 
1702. Er schrieb »De arte vitriaria experimentale oder voll- 
kommene Glasmacherkunst*. Frankfurt und Linz 1679. Lich- 
tenberg erwahnt es auch KA182. - 27 Adel der Seete: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 519, 35. - 31 Hier war mehr ah Junker: Vgl. 
zu 329, 21 f. - 34 Zufall: im i8.Jh. gebrauchlich im Sinne von: 
Unfall. 

594 6f. ein Philosoph behauptet: Der Philosoph konnte von mir nicht 
ermittelt werden. - 24 das Fortrucken der Titel: Ober die zeit- 
genossische Titelsucht der burgerl. Gesellschaft mokiert sich 
Lichtenberg auch 825, 6. 847, 25. 886, 5; vgl. ferner C 256 und 
die Anm. dazu. - 29 medio aevo: Mittelalter. -32 Winckelmanns: 
Ober ihn vgl. zu B 16. - 33 j. Fauoritstudium: Zu dieser Wort- 
pragung vgl. zu 401, 21. - 34 Stutzer: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 312, 10. - 36 belles lettres: >Schone Wissenschaften<; 
vgl. dazu 608, 141*. 

595 5f. Bucher-titul - ... kenntnts: Diese Wendung begegnet auch 
F153. - 12 Endzweck: Zu diesem BegrifT vgl. zu 12, 18. - 
24 Apoll: Ober ihn vgl. zu 498, 37. - 26 dieselbe: Diese unge- 
wbhnliche Plural-Endung findet sich in Lichtenbergs Ortho- 
graphie haufig, wie Lauchert, a.a.O., S. 167-169, zusammen- 
gestellt hat. - 28 die schonste Gottin: Aphrodite bzw. Venus; 
iiber sie vgl. zu 362, 15. - 29 Pandekten: Vgl. zu 408, 19. - 
31 tautnelnden Gott: Bacchus; iiber ihn vgl. insbesondere 638, 1. 
- 33 Gottin der Jagd: Gemeint ist Diana; iiber sie vgl. ins- 
besondere 626, 4. - 34 Agathon: Vgl. zu 512, 5. - 38 italtenisches 
Lexikon: Da6 Lichtenberg italienische Sprachkenntnisse besaB, 
geht aus A 186 und 650, 4fF. hervor. 

596 26 popularis aura: Volksgunst. - 27 Gottin Fama: die >tausend- 
ziingige< Gottin des Geriichts; s. auch 597, 9f. - 29/. wie Butler 
glaubt: zit. nach »Hudibras« 2, i, 69; iiber Butler vgl. zu B 49; 
seinen »Hudibras« zitiert Lichtenberg auch 772, 36. Butlers 
»Fama« erwahnt Lichtenberg auch L 398. - 32 accidens ... Sub- 
stanz: Diese Wendung ist B 343 entlehnt. 



288 FRAGMENTS VON ERZAHLUNGEN 

597 i Zeit desletzten Schutzenhofs: Den »Schutzenhofa in Gottingen, 
den Lichtenberg ofTenbar regelmaBig besuchte, erwahnt er auch 
B 1 14. 237. - 1 VtJahr vorseinem Tode: Vgl. 585, 6 und die Anm. 
dazu. - 6 Partikularitdten: Besonderheiten, Sonderfalle. - 
gf. Fatna hundert Zungen: Vgl. zu 596, 27. - 19 Vorschriften einer 
gesunden Pinik: Ober Lichtenbergs Plan einer deutschen Trink- 
Kunst vgl. oben S. I44f.; 320, 4. - 20 jenseits der Bouteille: Zu 
dieser Wendung vgl. zu 320, 15. - 24 Judex competens: kompe- 
tenter Richter. - 27/ platonische Liebe . . . platonisches Trinkcn: 
Den Vergleich zwischen Liebe und Trinken notiert B 73 ; vgl. 
auch 510, 34 und die Anm. dazu. - 30/. meinen Entwurf dazu ... 
anderswo mitteilen: Gemeint ist doch wohl die »Methyologie«; 
s. obenS. I44f. -33 ihren Agathon: Zu Wielands Roman vgl. zu 
512, 10; zur Verwendung des besitzanzeigenden Fiirwortes vgl. 
zu 297, 3 5. - 37 die Zauberer, Empedokles, Faust und Roger Baco 
Zu diesem Gedanken vgl. zu 529, 17L 

598 13 Thomasius: Christian Thomasius (1655-1728), bertihmter 
Jurist und Philosoph, Vorkampfer der Aufklarung, seit 1694 
Prof, an der Universitat Halle, verofFentlichte 1704 »Kurze 
Lehrsatze von dem Laster der Zauberei mit dem HexenprozeB«. 
- 17 II boit comme un Allemand: »Er trinkt wie ein Deutscher«; 
s. auch 318, 33 f. - 18 he drinks like a German: Er trinkt wie ein 
Deutscher. - igf. hierin der Grund unserer Empfindsamkeit: Dazu 
vgl. 318, 33fF. - 20 philosophicis: den philosophischen [Mate- 
rien]. - 2 of. Martialischen Kritik: Marcus Valerius Martialis 
(ca. 40-ca. ioon.Chr.), der Klassiker des lat. Epigramms, das 
bis in die Neuzeit vorbildlich wirkte und dessen kritische 
Scharfe sprichwortlich wurde. Womoglich meint Lichtenberg 
aber auch nur das vom Kriegsgott Mars abgeleitete Adjektiv; 
s. B 147 und 602, 36.-51 zwischen . . . aussehen: Diese Wendung 
begegnet auch B32. - 34 gebt wis deutsche Charaktere: Vgl. zu 
527, 3. - 38 J. C'est ... Allemand: Dieser Mann da ist ein armer, 
elender Kerl, er trinkt wie ein Deutscher. 

599 6 Batteux: Ober ihn vgl. zu 430, 30.-15 drap d* argent: Silber- 
stoff. - 15 brocade: Brokat, fruher ausschlieBlich aus Naturseide 
und Metallfaden gewebt. - 16 30,000 £: Abkiirzung von: 
Pfund (pound) Sterling; Goldmunze, die seit 1462 gepragt 
wird; 1 Pfund = 20 Schilling. 

600 28 Renommisten: Gemeint ist das komische Heldengedicht »Der 
Renommiste«; veroffentlicht 1744, von Just Friedrich Wilhelm 
Zachariae (1726-1777), der darin das Leipziger Studentenleben 
persiflierte; zu dem Ausdruck vgl. auch 329, 22. 575, 17. - 
2p im Young: Gemeint sind die beriihmten »Nightthoughts« 
von Edward Young; iiber ihn vgl. zu B 65. - 30 zu mathema- 
tisch: Vgl. dazu B145. 

601 3 hie murus aheneus esto: »Ja, das sei die eherne Schutzwehr«; zit. 



KUNKEL 289 

nach Horaz, »Episteln« i, 1, 60. Lichtenberg zitiert die Worte 
auch in den Briefen (s. IV, 1003, 7). - 1 2 Swift nennen: Ober 
ihn vgl. zu KA152. - 13 Lamettrie: Ober ihn vgl. zu A 56. - 
2of wic Scipio . . . sagte: Vgl. zu TB 4; im iibrigen s. zu F 442. - 
28 Cato: Uber ihn vgl. zu KA 85. -3 of da mihi . . . movebo: »Gib 
mir [einen Punkt,] wo ich hintreten kann, und ich werde die 
Erde bewegen.« Ausspruch von Archimedes (iiberliefert von 
Simplicius oder Tzetzes); uber Archimedes vgl. zu A 198. 
Lichtenberg zitiert den Ausspruch auf deutsch auch 939, 29. - 

32 Epiktet: stoischer Philosoph (um 50-140 n.Chr.), der die 
Philosophic in den Dienst der prakt. Lebensweisheit stellte; 
»Encheiridion«. 

602 3 Contenance: Haltung. - 4 platonischen Tr inkers: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 510, 34; s. auch 597, 28. - 4/. Hochheimer: 
Dazu vgl. zu RTn; s. auch in den Briefen (IV, 925). - 
6 curas inanes: unniitzen Sorgen. - 10 schleifen hssen; Zu dieser 
Wendung vgl. zu B 36.-21 Epiktete: Vgl. zu 601, 32. - 22 Sene- 
cas - uber Seneca vgl. zu B 188. - 2jff.Ja J meine Herren . . . Obrig- 
keit zu verwandeln: Diese Passage ist eine Umarbeitung von 
B 102. - 24 f Witz . . . wie ihn Kdstner schreibt: Ober ihn vgl. zu 
A 179. - 25 f Reich in Leipzig gerne verlegt: Dazu vgl. zu B 102; 
s. auch 569, 3. - 30 Skurrilische Brief e: Gemeint sind die »Briefe 
skurrillischen Inhalts«, eine satirische Schrift von Klotz oder 
Riedel, die 1769 erschien. - 30 Bibliothek der elenden Skribenten: 
Dazu vgl. zu B 45. - 32 dafi truncus ein Klotz heifit: Vgl. B 102 
und die Anm. dazu. - 32 Klotz: Ober ihn vgl. zu KA 40. - 

33 Burmann: Ober ihn vgl. zu KA 40.-33 Wilken: Ober ihn vgl. 
zu B 9. - 36 die kriegerische Krttik: Vgl. zu 598, 20.-36 Favorit- 
discours: Zu dieser Wortpragung vgl. zu 594, 33 f. - 37 nach 
dem Krieg: Gemeint ist der Siebenjahrige Krieg, der 1763 durch 
den Frieden zu Hubertusburg beendet wurde; vgl. auch 587, 17. 

603 1 Paoli: Ober Pascal Paoli vgl. zu E 269. - if die Hamburger: 
Gemeint ist wohl der »Hamburgische Correspondents Ober 
diese Zeitung vgl. zu J 15. - 3 Antikritikus: Dazu vgl. zu B 16. - 
3 Grabensteiner: Ober ihn vgl. zu B102. - 4 Geismartore: die 
siidl. Zufahrt Gottingens aus der Richtung der Ortschaft Geis- 
mar. - 4 Klotzische Partei: Dariiber vgl. zu KA 40. -12 Beruf: 
Zu diesem Ausdruck vgl. zu 506, 31. - 18 f Seine Fran ... pril- 
gelte er: Dazu vgl. noch J 448. -23 per se ... a se: um seinet- 
willen . . . von sich aus. - 25 was Mandeville gcglaubt: Bernhard 
vonMandeville(i670-i733), niederland. Arzt in Dordrecht, seit 
1696 in London, beriihmt durch »The fable of the bees«, er- 
schienen London 1714, in der er gegen A. Shaftesburys Idealis- 
mus die fordernde Kraft der menschl. Ichsucht zu beweisen 
suchte. - 28 Halbgelehrsamkeit: Zu dieser Wortpragung vgl. zu 
B192; von »Halbwissen« spricht Lichtenberg noch J1160. - 



290 FRAGMENTE VON ERZAHLUNGEN 

31 Poggius: Guccius Poggius (1380-1459), ital. Humanist, als 
Staatsmann und Philologe ausgezeichnet, starb 79 Jahre alt, 
angeblich infolge seiner Verheiratung mit einer jungen Frau. 
604 4J. das Leben . . . ein Marionettenspiel: Dieses Gleichnis, aus dem 
Barock uberkommen, wird erst eigentlich von den Romanti- 
kern literarisiert. - 6f. Seifenbhse ... mit Gras ... Wind ver- 
glichen: Die Bilder sind typ. Barock-Metaphern. »Alle Men- 
schen miissen sterben, alles Fleisch vergeht wie Heu«, heiBt die 
Eingangszeile eines Sterbe- und Begrabnisliedes von Johann 
Georg Albinus. - 25/. arme Teufil: Vgl. zu 214, 31. 



DER OBERFORSTER 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: »Der Oberforster.« In: Aus Lich- 
tenbergs NachlaB, Weimar 1899, S. 11 -14. 

Zur Entstehung: Das Bruchstiick ist laut Leitzmann, a. a. O., S. 188, 
in friihen Schriftziigen mit einer stark verblichenen Tinte auf einem 
Quartbogen geschrieben. Seine Entstehungszeit setzt Leitzmann wie 
die der Fragments von »Christoph Seng« in die zweite Halfte der 
sechziger Jahre. 

Wie stark Lichtenberg das >Forsterma8ige< beschaftigte, geht aus 
mehreren Zeugnissen hervor, ohne da6 sich daraus Riickschlusse auf 
den Handlungsverlauf der geplanten Erzahlung ableiten und gewin- 
nen lieBen. So notiert er etwa D 633: »Satyre auf ... einen Ober- 
£orster«. In einem Brief an Dieterich (IV, Nr. 7, S. 18) vom 19. April 
1770 aus London schreibt Lichtenberg: »ohnerachtet ich so recht lebe 
was ein Darmstadtischer Oberforster gluckselig nennen wiirde«. 
Seinem Bruder Friedrich Christian gegeniiber spricht er (IV, Nr. 78, 
S.163) am 13. August 1773 von »Oberforsters-Buben« und schreibt 
in dem gleichen Brief (IV, S. 164) beziiglich der Konigin von Dane- 
mark, daB sie dick sei, »doch ohne in das schmalzigte Forstmeister- 
maBige zu fallen«. S. ferner J993. 1122. 



605 2 i$oo deutsche Meilen: Vgl. zu 44, 1. - 4 Schneeberger ... 
schnupfen: Diese Wendung ist B 319 entlehnt. - 5/ Punktier- 
bucher: Vgl. zu 399,22. - 6f. Papillon-Sammlungen: Papillon: 
Schmetterling; zum Gedanken vgl. auch F 262. 156. - 7 Kame- 
ralisten: Verwaltungsbeamte ; Wortpragung des i8.Jh. ent- 
sprechend der neubegriindeten Disziplin der Kameralwissen- 
schaften. - 7/ Gesprache im Reich der Toden: Anspielung auf das 
aus der Antike uberkommene lit. Genre, das bes. im i8.Jh. 



DER OBERFORSTER 29 1 

auBerordentlich beiiebt war; s. audi 884, 10. - 8 Kartoffeln- 
Zehnden: Zu dieser Wortpragung vgl. zu D 56. - 1 iff. Der Ver- 
stand ... eine Art von Biegsamkeit: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 
266, 34.-25 nachgibt: danach von Lichtenberg eingeklammert, 
also wohl zur Ausscheidung bestimmt: »Man glaubt Hexen und 
Gespenster und laugnet Saamenthiergen, schilt die Leute Frey- 
dencker, die sagen Gott konne nicht das vergangene ungesche- 
hen machen, und daB der Mensch ein Thier sey. Alle Curen 
halt man fiir erlaubt nur das Einpropfen der Blattern nicht, und 
zwar weil es sichrer hilfft als andere.« -27 Samentiergen: die von 
Leeuwenhock entdeckten Infusionstierchen; vgl. zu A 109. - 
18 Naturalisten: Zu diesem BegrifFvgl. zu C 338; s. auch 864, 
8f. - jp vox tins: statt: fiir; zu dieser Schreibweise vgl. zu 312, 
13- - Jp/* Separattsten: Zu diesem Ausdruck vgl. B 16. - 22 verba 
valent sicut nummi: »Worte haben ihren Wert wie Geldstiicke.« 
Vgl. auch F142. - 23 f Der Adel ...fur vom Himmel eingesetzt 
gehalten: Zu Lichtenbergs antifeudalistischer Haltung vgl. zu 
C 256. - 28 f. Junker ... kein Verdienst ... als dafi er Junker ist: 
Vgl. zu 329, 21 f. - 3$ Richttmg des Mittelpunkts der Schivere: 
Zur belletristischen Verwendung math. BegrifFe durch Lichten- 
berg vgl. zu 314, 26. - 35 6 Zoll: Vgl. zu 25, 16. 

606 if. Oberforster: Dazu vgl. oben S. 290. - 2 tausend Gulden: Vgl. 
zu 14, 34. - p vorsich: Zu dieser Schreibweise vgl. zu 312, 13. - 
i8Leidensche Flasche: Vgl. zu 24, 15. - 2$ff. (Die Kinder . . . Aus- 
gangs Uefie.): Diese Passage ist von Lichtenberg durch groBe 
Klammern eingeklammert, also wohl nachtraglich zur Aus- 
scheidung bestimmt. - 2$f cinen Jungen von njahren: Leitz- 
mann (Aus Lichtenbergs NachlaB, S. 188) meint, »es ware nicht 
unmoglich, daB Christoph Seng« der hier erwahnte Sohn des 
Oberforsters ware, beide Fragmente also zu ein und demselben 
Roman oder ein und derselben Erzahlung gehoren. - 3$ Schar- 
wachter: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 245, 9, 

607 3f des Forsterischen das in der ganzen Welt so ziemlich einerlei: 
Ahnlich auBert sich Lichtenberg iiber den Berufsstand der 
Barbiere: s. Briefe (IV, S. 714-715. 716). - 6 Sympathien: in der 
Magie und parawissenschaftlichen Psychologie des i8.Jhdts. 
ublicher BegrifF fiir die zwischen Mensch und Mensch wirk- 
samen Heil-Krafte. - 8 dezisiver: entschiedener, bestimmter. - 
1 4 circumflex: griech. Dehnungszeichen von Vokalen: ~, - 
1 6f Casu . . . Nominativus: Dariiber belustigt sich Lichtenberg 
noch L 456. 



292 rrAgmente von erzahlungen 

CHRISTOPH SENG 



ErsWeroffenttkhung und Satzvorhge: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 16-18. Albert Leitzmann hat ebenda S. 15-16 
weitere zu diesem Fragment gehorige Textpartien abgedruckt, die 
aber den Entwurfen in B 319. 320 entsprechen, wahrend B 321 von 
ihm irrtumlich auf »Christoph Seng« bezogen worden war. 

Die hier abgedruckten Bruchstiicke finden sich auf dem ersten Blatt 
eines zur andern Halfte leeren Quartbogens, zu dem der inliegende 
Bogen mit der Fortsetzung verloren ist, in der Weise, daB 609, 7-1 1 
am Rande neben dem Anfang von S. 608 stent. 

Zur Entstehung: Vgl. meine Ausfuhrungen zu »Der Oberforster«. 
Allerdings scheint mir »Christoph Seng« auf Grund der aus dem 
Sommer 1770 stammenden Entwiirfe in Sudelbuch B sparer ent- 
standen zu sein als der erstgenannte Roman-Entwurf. 



608 1 Christoph Seng: Die Herkunft dieses Namens ist unbekannt. - 
3Jf. verkauft die bcsten Bucket ... zu studieren: Ahnlich schreibt 
Lichtenberg B 145 beziiglich Kunkels. - 8 Corpus juris: Ge- 
setzes- und Rechtssammlungen, umfassend das burgerliche und 
das kanonische Recht; Lichtenberg erwahnt es auch B 200. - 
14/. die schonen Wissenschaften im bequemen Verstand: Den Aus- 
druck »Schone Wissenschaften* - Eindeutschung von: Belles 
Lettres - gebraucht Lichtenberg auch A 81. B 41. 297 (S. 125). 
Im ubrigen vgl. dazu 273, 21. - i$f. verliert uber ein M'ddgen den 
Verstand: Dazu vgl. B 320; s. auch 904, I7f. - 18 Neperische 
Stabgen: John Neper (Napier) ist der Haupterfinder der Log- 
arithmen, durch welche seine Rechenstabchen zur mechani- 
schen Ausfuhrung der Multiplikation und Division alien Wert 
verloren; iiber ihn vgl. zu B 87. - 27/. nut sehr selten eines Ver- 
gnugensfahig: Dazu vgl. Lichtenbergs Selbstcharakteristik B 81. 

609 2 vox sein: Vgl. zu 312, 13. - 



LORENZ ESCHENHEIMEKS EMPFINDSAME REISE NACH LAPUTA 



Erstveroffentlichung und Satzvorhge: »Lorenz Eschenheimers empfind- 
same Reise nach Laputa.« In: »Vermischte Schriften« f Gottingen 
1844, Band 2 f S. 199-202, Fragment 18. Zu diesem Fragment hat sich 
eine Handschrift nicht erhalten. 



GESCHICHTE DES *** 293 

Zur Entstehung: Es ist wahrscheiniich 1768 oder 1769 entstanden 
und nach Schneider (o.c. I, p. 155) die zeitlich friiheste humoristische 
Erzahlung Lichtenbergs. 



610 1 Eschenhetmers: Womoglich ist der Name nach der Ortschaft 
Eschersheim bei Frankfurt gepragt. - 2 empfindsame Reise: Diese 
Wendung geht selbstverstandlich auf Laurence Sternes Roman 
»The sentimental journey « zuriick, der 1768 erschienen ist und 
im gleichen Jahr unter dem Titel »Empfindsame Reise « in 
deutscher Sprache herauskam. »Empfindsam« ist bekanntlich 
ein Wortvorschlag Lessings;, vgl. zu B, S. 45. - 2 Laputa: flie- 
gende Insel, die Gulliver auf seiner Dritten Reise entdeckt; s. 
»Gullivers Reisen«, 3. Teil, 1.-3. Kap. Ober Swift vgl. zu KA 
152. EiniluB von Swift beweist Lichtenberg auch in dem 
Schreibplan der »Insel Zezu« (s. C 372. D 19. 605); s. ferner 71, 
35* 45i, 8. S. oben S. 103 ff.- 4 Herrn V x 3 + dx 5 ddy Tmllrub: 
Was die ma them. Begriffe bedeuten sollen, war nicht zu ermit- 
teln. - 5 Lagado : von mir verb . aus : Lagoda ; in Swifts »Gullivers 
Reisen« die Hauptstadt des Festland-Staates Balnibarbi; s. 
»Gullivers Reisen«, 3. Teil, 4.-7. Kap. - 6f. das Empfindsame ... 
betreffend: Gegen diese Zeiterscheinung schreibt Lichtenberg 
noch di8, 19; im ubrigen vgl. zu 264, 13 f. - 8 Hochbalnibarbi- 
schen: von Swift fingierte Sprache der Bewohner von Balni- 
barbi; vgl. »Gullivers Reisen«, 3. Teil, 4. Kap. - 9 M.S.: Diese 
Initialen waren nicht zu entschliisseln. -17 Universalkurbel- 
methode: Diese Erfindung ist den »Gullivers Reisen«, 3. Teil, 
5. Kap. entnommen; s. auch 613, iof. - 23 Transaktionen: An- 
spielung auf die ^Philosophical Transactions«; zu dieser Zeit- 
schrift vgl. zu 226, 1. - 32 Jubilatemesse: Vgl. zu 321, 18. 

611 2 Michaelis: Vgl. zu 668, if. - 28 f. wie verschieden ... dieBedeu- 
tungen der Worter: Diese ganze satirische Philologie erinnert an 
A 59, wo Lichtenberg eine Sprache niitzlich findet, »die allemal 
die Verwandtschaft der Dinge zugleich ausdruckte«. 



BEITRAGE ZUR GESCHICHTE DES *** 



Erstperoffentlichung und Satzvorlage: »Beitrage zur Geschichte des ***.« 
In: »Vermischte Schriften«, Gottingen 1844, Band 2, S. 203-206, 
Fragment 19. Eine Handschrift des Fragments ist im NachlaB nicht 
erhalten. 

Zur Entstehung: Vorarbeiten zu diesem Schreibplan liegen in B 204 
vor, entstanden Juli oder August 1769. 



294 FRAGMENTS VON ERZAHLUNGEN 

612 2ff. Gegen das Ende . . . in dcmselben aufhalt: Dieser ganze Absatz 
basiert auf B 204. - 4 Tiber-Athen: Dazu vgl. B 204 (S. 102). - 
2yBisektion des Winkels: Diesen BegrirTverwendet Lichtenberg 
auch B 363; vgl. die Anm. dazu. - 27 j. summum bonum: Vgl. 
zu 577» 3 if* - 29 Titus Feldziigen: Titus Flavius Vespasianus 
(39-8i), rom. Kaiser seit 79, Sohn des Vespasian, der ihm die 
Fortfuhrung des Jiid. Krieges iibertrug; im Herbst 70 erfolgte 
die Zerstorung von Jerusalem; s. auch 999, 9- - 29/ Es las sehr 
viel, dock ohne viel ...zu wissen: Zum >Viellesen< vgl. zu 508, 34.- 
30 f viel essen, und dennoch ... auszehren: Dazu vgl. B 204. 

613 5 schonen Geister: Vgl.zu 273,26.-10/ beruhmte Kurbelmethode: 
Vgl. zu 610, 17. - 11 Lagado: von mir verb, aus: Lagock; im 
ubrigen vgl. zu 610, 5. - 12 f Man schrieb und las... Rezensionen: 
Von diesem »Trieb« spricht Lichtenberg auch D498; s. auch 
C 23. - ljf. sprach nur, anstatt zu wissen und zu denken: Zu die- 
ser Wendung vgl. B 82 (S. 69); s. auch D 273. - 14 f Gedacht- 
nis ... die Haushaltung fur Vernunft und Geschmack: Zu diesem 
Gedanken vgl. B 264. - 14 Haushaltung: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 80, 24.-19 Namen des Halbkopfigen: Dazu vgl. B 204; 
des: von mir verb, aus : die; zu der Wortbildung vgl. zu 603, 28. 
- 2if.Mendozaden Namen des Siebenkopfigen: Vgl. zu KA 154.- 
23 desjenigen unsichtbaren Wesens: Diese Passage ist fast wortlich 
B 204 entnorhmen. - 25 Neigung zu regen anfing: Zu dieser 
Wendung vgl. zu 208, nf. - 3$ Liederchen: Vgl. zu 508, 3$£. - 
36 Tiber-Athen: VgL zu 612, 4. 

614 if Der muntern Kleinen . . . Diminutivchen: Diese zwei Zeilen sind 
eine Variante zu B 178 ; sie sind dem »Schreiben an einen Freund« 
(s. S. 624) entnommen. - 5 Yameos: Vgl. zu 406, 14. - 7 Nacht- 
gedanken : Gemeint ist das beriihmte Werk von Edward Young ; 
vgl. uber ihn zu B 65. - 10 mil der linken Hand arbeiten: Dieser 
Gedanke ist Bi entnommen. - 13 Schreiben omnium contra 
omnes: Vgl. zu 318, 6. - 15/ aristotelische Philosophie: Vgl. zu 
509, 13. - 17 unter dem Namen Barbarei: Vgl. zu 269, 3°- 



DER DOPPELTE PRINZ 



Erstverqffentlichung und Satzvorlage: I. »Zu dem geplanten Roman.« 
In: Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 1899, S. 111-113; II. »Be- 
merckungen, Einfalle, abzuhandelnde Materien, Ausdriicke pp.« In: 
Aus Lichtenbergs NachlaB, Weimar 1899, S. 273. Ein Einzelblatt aus 
dem NachlaB. HI (617, 11-618). »UnverofTentIicht.« Ms XXV im 
Lichtenberg-NachlaB der Universitats- und Staatsbibliothek Gottin- 
gen. Die Handschrift, insgesamt f unf Seiten mitvielemleerenRaum, 



DER DOPPELTE PRIN2 295 

ist zum Teil sehr verblaBt und unleserlich. Mautner (Gedanken- 
biicher, S. 265) setzt dieses Manuskript (»UnverorTentlicht«; 617, 
1 1 -61 8) in die »Mitte der 7oer Jahre«. Diese zeitliche Ansetzung er- 
scheint mir zu friih. Der darin erwahnte »Siegwart« erschien erst 1776; 
vor allem erlaubt jedoch die Formel »Freiheit, Gleichheit und ...« 
(617, 22) nur eine Entstehung nach 1789, weshalb ich das Manuskript 
mit Vorbehalten den Arbeitspapieren zum »Doppelten Prinzen* zu- 
rechne. 

Zur Entstehung: Am 7. Oktober 1785 notiert Lichtenberg (H136) den 
EntschluB, einen Roman zu schreiben, ein EntschluB, der ofFenbar un- 
mittelbar nach einer Lektiire von Smollets »Roderick Random« ge- 
faBt wurde. Und an Sommerring auBert er am 26.Dezember 1785 
(IV, Nr. 506, S. 657), daB er zum Schreiben eines Romans »einige 
natiirltche Neigung bei mir fuhle«. Ob es sich dabei bereits um die 
Idee eines Romans von dem Doppelten Kronerben gehandelt hat, wie 
Leitzmann, Aus Lichtenbergs NachlaB, S. 232, ohne weiteres voraus- 
setzt, scheint sehr zweifelhaft. Zwar beschaftigt Lichtenberg schon 
friih das Phanomen des Doppelten oder gar der MiBgeburt: vgl. KA 
187. B 138. RA 173 ; s. ferner das Beispiel von den beiden zusammen- 
gewachsenen Madchen« im »Timorus« (225, 36fF.) und die Anspie- 
lungen auf MiBgeburten 455, 7 und 472, 1. 944, 1. 1034, 20. Aber die 
von mir dem verschollenen Sudelbuch H zugeschriebenen Notizen 
zu »Roman-Ingredienzien« haben mit dem zentralen Motiv nicht das 
mindeste zu tun. Erst J 11 36, geschrieben Ende Dezember 1792 und 
Anfang Januar 1793 (vgl. auch SK 420 vom i.Januar 1793), auBert 
Lichtenberg: »Der Roman muB notwendig der zusammengewach- 
sene Mensch werden.« 

Etwa um die Mitte der neunziger Jahre begann Lichtenberg seine 
Einfalle fiir den Roman nicht mehr regelmaBig in die Sudelbiicher J, 
K, L - s. die Zusammenstelhmg im Kommentarband zu den Sudel- 
biichern - verstreut einzutragen, sondern sammelte sie auf besonde- 
ren Bogen in bestimmten Rubriken. Sie befanden sich, wie Leitz- 
mann (Aus Lichtenbergs NachlaB, S. 233) erwahnt, in einem Um- 
schlag mit der Aufschrift »Romagnoli«. Ich bin geneigt, auch die 
Notizen des hier erstmals verofTentlichten Manuskripts den Vor- 
arbeiten zu diesem Roman zuzurechnen. 

Obgleich eine relativ grofie Zahl von Romagnoli zum Doppelten 
Prinzen iiberliefert ist, wird ein Handlungsgeriist daraus nicht er- 
sichtlich. Einen kurzen InhaltsabriB eines ersten Teils der projektier- 
ten Erzahlung hat Lichtenberg selbst noch im »G6ttinger Taschen 
Calenders fiir 1799 imEingang des Aufsatzes »DaB du auf dem Blocks- 
berge warst« mitgeteilt (s. S. 471-472). 

»Er hat mir viel Male von einem Roman ... gesagt, woran er 
jahrelang gearbeitet hatte und woran ich was verdienen sollte«, 



29<5 TRAGMENTE VON ERZAHLUNGEN 

schreibt Dieterich am 18. Marz 1799 an Ludwig Christian Lichten- 
berg (LB III, S. 344), um fortzufahren: »Es zeigt sich aber noch nichts, 
habe aber auch noch nicht nachgesehen, als was sogleich nur ins Auge 
fallt.« Am 30. Marz 1799 muB er mitteilen (LB III, S. 345) : »Von dem 
versprochenen Roman , . . finde auch nichts« - ein Befund, den er am 
8. April 1799 (LB III, S. 345) vollends bekraftigt: »von dem Roman 
. . . finde ich im Ganzen nicht viel«. 
Dabei ist es denn auch geblieben. 



615 2 Romagnoli: >Roman-Splitter<. - 5 Maximen des Rochefoucauld: 
t)ber den frz. Aphoristiker vgl. zu E 218. - jf Ohne einen 
solchen simpeln Zweck ...: Dieses kunsttheoretische Prinzip ent- 
wickelt Lichtenberg auch in den Briefen an Hollenberg (IV, 
S. 398); s. auchH 68. - 12 Tom Jones: Uber den beriihmten und 
von Lichtenberg uberaus geschatzten Roman von Henry 
Fielding vgl. zu KA 256; s. auch zu 329, 36. - 16 Chenius, den 
ich kenne: Mit diesem Wort - sicher dialektbedingte Aus- 
sprache von >Genius< -, das Leitzmann nicht eruieren konnte, 
istm. E. Dieterich bezeichnet. Vgl. K 280. L 390. - 1 8 Buttner in 
Jena: Gemeint ist Christian Wilhelm Buttner; iiber ihn vgl. zu 
A 30. Er iibersiedelte 1783 nach Jena. - 18 Zimmermann Don 
Zebra: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 423, 3 ; iiber Johann Georg 
Zimmermann vgl. zu C115. - 2 if. einen Brief in eines andern 
Namen . . . diktieren: Zu diesem Gedanken vgl. H 79. - 32 Ma- 
cartney: George Maccartney (i66o?-i73o), engl. General und 
Freund Lord Mohuns, dem er im Duell mit dem Herzog von 
Hamilton sekundierte; die - unwahre - Behauptung, er habe 
den Herzog erstochen, stammt von dessen Sekundanten : 
Colonel Andrew Hamilton; diese Version grifFu.a. Swift auf. 
Aus dessen »Journal to Stella« wird Lichtenberg vermutlich 
auch die verbiirgte Anekdote kennen. - 32 Lord Mohtm: Charles 
5. Baron Mohun (ca. 1675-1712), beriichtigt wegen seiner 
Duelle, starb im Duell mit James Douglas, 4. Duke of Hamilton. 
- 32 f Duke of Hamilton: James Douglas, 4. Herzog von H. 
(1658-15. Nov. 1712 im Duell mit Lord Mohun, auf Grund 
von Erbstreitigkeiten). 

616 11 Die Planeten durch ... Renter vorstellen zu lassen ...J. 5. 140: 
Gemeint sind J1228 (S. 828) und 1229, geschrieben ca. Marz 
I 793- - ijDer^4/re...i^Mrw/t;DieNotizfindetihreErkIarung 
in L 337. - i4DerguteZug...J.p. 106: Gemeint ist J 950; vgl. 
ferner L168. - 1$ Ein sehr guter Zug ...J. p. 101: Gemeint ist 
J 905- - 15 Grafin Salmour: Ober sie vgl. zu J 905. - 18 Ich bin 
ein Mensch . . . Lessing: »Werner: Herr Major, ich bin ein Mensch. 
Tellheim: Da bist du was Rechts.« Zitat aus »Minna von Barn- 
helm«, V. 11, von Lessing. - ig Die eine Hand hat die andere . . . 



DER DOPPELTE PRINZ 297 

geschnitten. Swift.: Das Zitat war nicht auffindbar. Ober Swift 
vgl. zu KA152. - 20 Allmdchtiges Latein, sagt ... Blumauer: Das 
Zitat war nicht auffindbar; iiber Johann Alois Blumauer vgl. zu 
J 486. - 21 DieEsel ... aufdie Kunst gefiihrt . . .; Ober dieses Tier 
vgl. zu 527, 37 f. - 2$ff. Beschreibung der Gemalde ... a la 
Hogarth: Interieurs mit Gemalden begegnen bei Hogarth z.B. 
in »Der Weg der Buhlerin«, Zweites. Drittes Blatt; in »Der 
Weg des Liederlichen«, Erstes. Zweites. Drittes Blatt; in 
»Die Heirat nach der Mode«, Erstes. Zweites. Viertes. Fiinftes. 
Sechstes Blatt. Ober William Hogarth vgl. zu KA 277. - 
27 connoisseurs: Kenner ; Lichtenberg gebraucht den Gallizismus 
stets ironisch abwertend audi 749, 36. 822, 13; s. auch E 210, 
Briefe (IV, S. 499) und GTK 1797, S. 208. - 30 f Die geschnitz- 
ten Heiligen ... mehr ... ausgerichtet, als die lebendigen: Diese 
Wendung begegnet auch K 20. - 32 Dieses ist wohl Ihre Frau 
Licbste ...; Diese Wendung begegnet ahnlich auch 617, 17. 
953, 27 f. - 33 Lion: von mir verb, aus: ion, was Druck- oder 
Lesefehler Leitzmanns sein mufl; iiber dieses Pseudonym 
Lichtenbergs vgl. zu F 249. - 33 whom I know better: den ich 
besser kenne. 
617 iff. jemandes Schrift ... mit Anmerkungen ... versehen: Diese 
satirische Technik erwagt Lichtenberg gegen Gumbrecht, 
Gobhard und Zimmermann. - 2 in Versen (mitunter Knittel) : 
Ober die Verwendung von Knittelversen auBert sich Lichten- 
berg auch 661, 26f. 710, I2f. und in den Briefen (IV, S. 62). - 
4 armer Teufel: Vgl. zu 214, 31.-9 Biichse der neuen Pandora: Dar- 
iiber vgl. zu L 398. - nf. Brief des Madchens ... danke es dem 
Lieben Gott tausendmal: Vgl. zu 403, if. - 13 Thomson: Ist der 
engl, Lyriker gemeint? Ober ihn vgl. zu H 74. - 13 den Hayde 
Snugger: Die Bedeutung der im Original fast vollig verblaBten 
Worter ist unklar. - 14 Zimmermann: von Lichtenberg gestri- 
chen; gemeint ist selbstverstiindlich Johann Georg Zimmer- 
mann; iiber ihn vgl. zu C115. - 16 Ach Papa ... weifle Flohe: 
Diese Wendung begegnet ahnlich auch Fnoo. - 17 werteste 
Liebste . . . meine Frau: Zu dieser Wendung vgl. zu 616, 32.-19 
Brief mit Kaffee: Dazu vgl. F 282 ; s. auch 61 8, 1 1 f. - 21 Eindeutige 
Zweideutigkeit: Dazu vgl. auch 730, 9. 763, 32. 797, 9fF. - 22 Frei- 
heit, Gleichheit . . . : Diese Eindeutschung der frz. Revolutions- 
parole: Liberte, Egalite (und Fraternite) spricht fur eine Ent- 
stehungszeit dieses Entwurfs nach 1789. - 23 Seitenhieb aufdie 
histor. Romane: Gemeint sind vermutlich die zeitgenossischen 
»Ritterromane«, iiber die sich Lichtenberg auch 832, 3 1 auslaBt. - 
24 p. $12: Worauf sich diese und die unten aufgefiihrten Seiten- 
zahlen beziehen, war nicht zu ermitteln; ein Sudelbuch schei- 
det aus. - 24 Gedachtnis-Ubung: Dazu vgl. zu J 392. - 25 Bull 
P- 535- Gemeint ist vermutlich John Bull; iiber diese Inkarna- 



298 



FRAGMENTE VON ERZAHLUNGEN 



tion des Briten vgl. zu RA 23. Die Seitenzahl war nicht zu er- 
mitteln. - 26Bodens Wunsche $56: Womoglich ist der bekannte 
Obersetzer gemeint; iiber ihn vgl. zu B, S. 45 (I). - 27 Ar- 
gumente von [?]; Die Wendung ist im Original unJeserlich. - 
28 Fixsteme verschenken: Dieses Motiv notiert Lichtenberg 
L 160. 175. 541. - 30 f. Reisen nach der Schnupftabaksdose: Die 
Anspielung ist unklar; von »Andachten iiber eine Schnupf- 
tabaksdose« spricht Lichtenberg D 610; s. aber auch L 638. - 
33f. Stockhaus-Szene ... disputiert wird: Zu diesem Gedanken 
vgl. H 67. 
618 iff. einer spielt ein andrer ...: Diese Szene ist ahnlich bereits in 
D 622 fixiert. - 5/. der Barometer-Macher: Womoglich ist der 
Gottinger Universitats-Optikus Gotthard gemeint; iiber ihn 
vgl. zu J 550; s. auch F 74. -9 Officin-Briefe: Gemeint sind 
vermutlich die »Briefe von Magden iiber Literatur«; s. oben 
S. 244. - p tut m'tch auf Parole weh: Diese Wendung wurde von 
Lichtenberg vermutlich zunachst in Zusammenhang mit dem 
»Orbis pictus« notiert. - p kruel: grausam; von Lichtenberg 
vermutlich in Zusammenhang mit dem »Orbis pictus« erst- 
mals notiert. - 10 Die Menscher: Zu diesem Wortgebrauch 
vgl. zu 747, 32 f. - 11 Gleich mit einem Steckbrief angefangen: 
Der Gedanke ist nirgends belegt; vgl. aber J 561. - lif. Billet 
mit Kaffe geschrieben: Zu dieser Wendung vgl. zu 617, 19. - 
17 gekammt: Zu diesem zeitgenossischen Rezensenten-Aus- 
druck vgl. F 141; s. auch 417, 29. - 17 Klopstockianer: Ober 
Klopstock und seine Anhanger vgl. zu B 63. - 18 Siegwart: 
Vgl. zu 379, 20 f. - 19 Die Empfindsamen: Vgl. zu 264, 13 f. - 
21 dortigen Leib-Medicus: Gemeint ist Johann Georg Zimmer- 
mann; iiber ihn vgl. zu C 115. - 22 Werlhof: Ober ihn s. zu 
574,25. - 24 Impromptu in mufligen Stunden . . . ; Dieser Einfall 
ist D 289 entnommen. - 26 nitimur infotidum: »Wir drangen 
nach dem Stinkenden.« Diese Verballhornung Ovids ist D 551 
entlehnt; s. die Anm. dazu. Lichtenberg zitiert sie auch in einem 
Brief an Blumenbach (IV, 397). 



Gedichte, Stammbuchspruche, Fabeln 



GEDICHTE 



Unter dieser Uberschrift sind samtliche poetischen Texte Lichten- 
bergs in chronologischer Ordnung vereinigt, die auBerhalb der Su- 
delbiicher und der Briefe und unabhangig von den zu Lebzeiten des 
Autors veroffentlichten groBen Gedichten veroffentlicht worden 
sind, und zwar zumeist zerstreut und in heute wenig zuganglichen 
Editionen. Hinzu kommt iiberdies ein bislang groBtenteils unver- 
ofFentlichtes Gedicht: das reizende »Geburtstagslied«. 

Ober Lichtenbergs poetische Ader informiert im allgemeinen 
Leitzmann in »Aus Lichtenbergs NachlaB«, S. 236-239. Hier sei ledig- 
lich zitiert, was Lichtenberg iiber Hogarths Poeten auf der zweiten 
Platte von »Der Weg des Liederlichen« (847,33 -848,4) auBert: 
»Wer die Seligkeit dieses Mannes, der sich hier seine eigenen Verse 
vielleicht zum hundertsten Male vorliest, nicht mitschmeckt und 
mitfiihlt, der ist gewiB nie selbst Vater von Versen gewesen und 
kennt folglich alsdann eine der groBten hauslichen Gliickseligkeiten 
nicht, womit der Himmel das Leben alles dessen zu erweitern ge- 
wuBt hat, was dichtet oder reimt, es sei nun auf einem Dachstiibchen 
oder zu Ferney und Twikkenham.« S. auch 114, 20 ff. 

So sehr diese Satze Lichtenberg aus dem Herzen zu kommen 
scheinen, so wenig darf man andererseits seine lebenslange Antipathie 
gegen den >Poetaster<, das ist den Dichter aus Profession, aber ohne 
Berufung, auBer acht lassen: vgl. dazu 421, 22 fF. 



Wenn in dem Nkhts der Eitelkeiten 

ErstveroffentHchung und Satzvorlage: Promies, Georg Christoph Lich- 
tenberg. Reinbek 1964, S. 20-21. 

Das Gedicht befmdet sich in fremder Schrift auf einem Zettel 
notiert im NachlaB des Gottinger Handschriften-Archivs. Zur Er- 
klarung ist dem Gedicht eine Anekdote beigefugt, die in meiner 
Lichtenberg-Monographie, a.a.O., S. 20-21 wiedergegeben ist. 
Das Gedicht ist wahrend Lichtenbergs Schulzeit, also zwischen 1752 
und 1761, womoglich eher Ende der f iinfziger Jahre entstanden und 
stellt damit die fruheste iiberlieferte >poetische< AuBerung Lichten- 
bergs dar. 



300 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

Schreiben an einen Freund 

Erstverqffentlichung und Satzvorlage: Aus Lichtenbergs NachlaB, 
Weimar 1899, S.i 17-120. Das Gedicht befindet sich auf zwei in- 
einanderliegenden Quartbogen mit am Rande beigefiigten Vers- 
zahlen. Entwurfspartien fmden sich im Sudelbuch B in einer Fas- 
sung, die zum Teil von 1768 datiert: B 49. 51. 56. 176. 178. 



621 8 Freund: Falls es sich nicht um eine fiktive Anrede handelt, 
kame nur ein Schulkamerad Lichtenbergs aus Darmstadt in 
Frage. - 10 ff. Seitdem ... Groschen: Diese Zeilen begegnen in 
einer ersten Fassung B 176. - 14$. Beruhmt in allerlei Bedeutung . . . 
Wochenblatter: Diese vier Zeilen zitiert Lichtenberg als aus 
einem »alten Gedicht auf die Stadt« an Amelung (IV, Nr. 449, 
S. 561) am 6. Mai 1784. Vgl. auch RA 82. - 15 Wurste: Zu 
dieser Gottinger Spezialitat vgl. zu 210, 71". - 20 Du kennst ... 
aus einem Bdndgen: Gemeint ist vermutlich Johann Stephan 
Putters »Versuch einer akademischen Gelehrtengeschichte von 
der Georg-Augustus-Universitat«, Gottingen 1765 -1 78 8. - 
29 Vier Taler: So viel betrugen seinerzeit die Immatrikulations- 
gebiihren. 

622 5 qua tales: als solche. - p Purscke: Vgl. zu 438, 16. - nf. Ein 
Votkgen . . . Gumprecht: Die zwei Zeilen sind fast wortlich B 49 
entlehnt. - 12 Gumprecht: Ober Moses Gumprecht vgl. zu 
B 49. - 14 Oligarchic: danach von Lichtenberg gestrichen: »Zu 
alten Mannern und zu Affen / Galant / Und bald als warn sie 
umgeschaffen / Wo nicht zu Sclaven doch zu Affen.« Die 
Zeilen 37-40 am Rande nachgetragen. - ip wie gedrechselt: 
Zu dieser Wendung vgl. zu 438, 16. - 20 Gunkel Bucher week- 
selt: Ober Kunkel vgl. zu A 57; zur Sache s. oben S. 283. - 
21 Backhaus: Ober Paul Ludwig Backhaus vgl. zu B 156. - 
24 Mattierbrod: billiges, schlechtes Brot; Mattier: kleine nieder- 
sachs. Miinze, urspriinglich >Matthiasgroschen<. - 26 Rauschen- 
wasser: seinerzeit Lustort nahe Gottingen. - 28 Cincinnatus: 
Lucius Quinctius Cincinnatus, rom. Staatsmann des 5.JI1. vor 
Chr., soil 458 v. Chr. vom Pflug weg zum Diktatoramt beru- 
fen worden sein. 

623 5 Nonsense: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 326, 196 - 5 Ideen: 
die Zeilen 65-68 am Rande nachgetragen. - 7 Sadon: »Sa 
donk! sa donk! so leben wir alle Tage / In dem allerschonsten 
Saal-Athen ...«: Anfang eines beriihmten Studentenliedes; 
vgl. E 303 und die Anm. dazu. - 7 Gellert: Uber ihn vgl. B 95. - 
11 Pandekten: Vgl. zu 408, 19. - 13 Ammen: danach von Lich- 
tenberg gestrichen : Vermischt mit Kastners j Epigrammen Kdst- 
ners Ph. -14 Kastners Epigrammen: danach von Lichtenberg ge- 



GEDICHTE 301 

strichen: Butschanys Fait, Fhtcht, Blitz und Richmann j Herrn 
Hausens Tod, Gleim Klotz und Wichmann. - 22 physice von Adel: 
Ahnlich formuliert Lichtenberg 585, 2f. - 2$ff. Dazwischen ... 
Dummheit: Diese vier Zeilen sind wortlich B 51 entlehnt. - 
36 Affen-Stutzer: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 312, 10. - 38 
legibus: Gesetzen (Dativ). 
624 iff. Dabei ... Frankenfeld: Diese Zeilen sind wortlich B 51 ent- 
nommen. -jNortheim: Dazu vgl. zu B 51. -^Norten: Dazu vgl. 
zu B 51. - 6 Wackern: Ober ihn vgl. zu B 51. - 6 Frankenfeld: 
Ober Johann PhiHpp Frankenfeld vgl. zu B 51. - I3ff. Sonst 
reimt... Anakreon: Diese Zeilen sind fast wortlich B 178 ent- 
lehnt. - 14 Nachtgedankenfcind Jacobi: Anspielung auf das die 
»Nightthoughts« von Young parodierende Gedicht »Die Nacht- 
gedanken«, erschienen Halberstadt 1769, von Johann Georg 
Jacobi; iiber ihn vgl. zu B 47. - 15 Wittenberg: Ober Albrecht 
Wittenberg vgl. zu B 59. - 16 Festtags-Prose: Diesen Ausdruck 
gebraucht Lichtenberg auch B 178. E 209. F 676 und Material- 
heft II, Nr. 49. Zu dieser Wortbildung vgl. zu 65, 4. - 17 j. 
Seufzt . . . Diminutiugen: Diese beiden Zeilen zitiert Lichtenberg 
selbst mit dem abweichenden Anfang : »Der muntern Kleinen« 
614, 1 f. im iibrigen vgl. zu B 178. - 24 Gleim: Ober ihn vgl. zu 
B 16. - 24 Anakreon: Ober ihn vgl. zu A 59. - 25J. Oft ist . . . sens: 
Diese Zeilen sind fast wortlich B 176 entlehnt. - 26 bon sens: 
gesunder Menschenverstand. - 35 dieses Ub'l her: neben dieser 
Zeile von Lichtenberg am Rande: »Wir leben hier unter trauri- 
gen Aspeckten, Epigrammen die wie Sternschnuppen durch die 
Statt schiesen, Liedgen die gleich Irrwischen aus einer vermoder- 
ten Einbildungskrafft entspringen, langgeschwanzte Elegien 
verkiindigen deinen Untergang o arme Prose. Wer nur einen 
deutschen Poeten bezahlen kan, schreibt gleich einen Gleim oder 
Yorick travesti (bon sens travesti).« - 54 Schiebler: Ober Daniel 
Schiebeler vgl. zu C 360. 
625 10 Zukunft: Die Zeilen 145-146 lauteten ursprunglich : »Drohn 
nicht viel Gutes fiir die Zukunfft / Fur euch, o Prose, o Ver- 
nunfft!« 



Verse unter die Kupfer des Gothaischen Kalenders vomjahr 1772 

Erstveroffentlichiing und Satzvorlage: »Unbekannte Verse Lichtenbergs.« 
Mitgeteilt von Professor Dr. Albert Leitzmarm in Jena. Zeitschrift 
fiir Bucherfreunde. NF 13/1921; H. 6, S. 129-131. 

Als Leitzmann zum Sakulartage von Lichtenbergs Tod im Jahre 
1 899 aus seinem NachlaB unter andern unbekannten Stiicken auch eine 
Anzahl von Gelegenheitsversen verofFentlichte, HeB er eine Gruppe 
gereimter Epigramme vorlaufig beiseite, die I ichtenberg wohl im 



302 CEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

November 1771 (s. IV, 108) auf die Kupfer des »Gothaischen Hof- 
kalenders zum Nutzen und Vergniigen eingerichtet auf das Jahr I772« 
gedichtet hat. Die Verse schienen Leitzmann damals »aus einer psycho- 
logischen Erwagung heraus, die ich heute nicht mehr vertreten wurde, 
nicht recht geeignet, dem Krauze der iibrigen eingeflochten zu wer- 
den«.SeinepsychologischeErwagunglautetexplizit(AusLichtenbergs 
NachlaB, S. 239) : »Vom Abdruck ausgeschlossen habe ich auBer eini- 
gen unbedeutenden Gelegenheitsgedichten und -scherzen nur eine 
Reihe von 1 8 meist zwei- oder dreizeiligen Epigrammen, die den Ge- 
samttitel fiihren »Verse unter die Kupfer des gothaischen Kalenders 
vomjahr i772«. In ihnen sind die Kupferstiche dieses Kalenders, meist 
antike Gotter- und Heroengestalten, auf eine so derb-zynische Weise 
interpretiert, da6 eine Wiedergabe derselben trotz hochst geistreicher 
Wendungen nicht gut moglich war.« Wohl aber iiberlieB Leitzmann 
seinem Freund Schiiddekopf das Veroffentlichungsrecht, zu dessen 
Ausiibung er aber nicht mehr gekommen ist. 

Nach seinem Tode ist das Blatt wieder an Leitzmann zuriickgelangt, 
und er publizierte (versteckte) endlich 1921 in der »Zeitschrift fiir 
Bucherfreunde« die Verse, leider der allzu hohen Herstellungskosten 
wegen ohne die Kupfer, die erstmals in unserer Edition vorgestellt 
werden. Die zwolf Monatskupfer sind von dem Zeichner und Kupfer- 
stecher Johann Wilhelm Meil (1733-1805) gearbeitet, der unter an- 
derm auch Gellerts Fabeln, Nicolais »Sebaldus Nothanker«, Engels 
»Mimik« und Lichtenbergs »Methyologie« illustriert hat. Lichten- 
bergs Reihenfolge weicht von der des Kalenders (Diana, Prometheus, 
Higia, Venus, Flora, Leda, Amazon, Euterpe,Erato, Meleager, Baccha, 
Bacchus) in einigen Fallen ab. 

626 1 Gothaischen Kalenders: Der »Gothaische Hofkalender zum 
Nutzen und Vergnugen« erschien bis 1775 in Dieterichs Gothaer 
Verlag. - 4 Diana: altital. Gottin der Walder, identifiziert mit 
der griech. Artemis: Gottin der Jagd und des Mondes, Beschiit- 
zerin der Jungfraulichkeit, dargestellt als die Doppeltgegiirtete. 
S. auch 595, 33 : 670. 26. 673, 16. 697, 4. 772, 30. 773, 10. 

627 1 Prometheus: Ubcr ihn vgl. zu 421, 33. 

628 4 No 3: aus folgender quer durchgestrichener Fassung: Die 
Fackel in der lincken Hand / Heifit doch mit Recht ein Gotter 
Brand, / Man siehts er hat sie Jupitern entwandt. / Allein die 
andre, so versteckt / Und so erbarmlich zugedeckt, / Die hat 
er sonst wo angesteckt. 

629 1 Hygeens Schalgen: Hygieia, griech. Gottin der Gesundheit, 
gait daher spacer als Tochter des Heilgottes Asklepios. 

630 5 Medxceischen Venus: Vgl. zu 3 62, 15.-6 Der Kiinstler . . . Brand: 
von Lichtenberg verbessert aus: »Praxiteles gab von der Liebe 
Brand.« - i4sehen: von Lichtenberg verb, aus: »uns alle denk- 
ken«. - 14 konnen: danach von Lichtenberg gestrichen und fast 



GEDICHTE 303 

unleserlich gemacht: »Wie weiB hat Zeus die Madchen ausge- 
dacht, / Halb fiir den Tag - halb fiir die Nacht.« Vgl. den ahn- 
lichen Gedanken des Neujahrswunsch 10 in C 63. 

631 2 Den ... Amazonen fehlte tine: Von »Amazonen-Habite« redet 
Lichtenberg in dem Kalender-Artikel »Ober die Kopfzeuge« 
(Vermachtnisse, S. 193). 

632 1 Leda: Gemahlin des spartanischen Konigs Tyndareos, der sich 
Zeus in Gestalt eines Schwans naherte, worauf sie der Sage nach 
Helena bzw. die Dioskuren Castor und Pollux gebar. 

633 j Flora: rom. Friihlingsgottin des bliihenden Getreides und der 
Blumen; vgl. auch 670, 26. 734, 8. 

634 J Euterpe: >die Freudenspendende<; eine der 9 Musen, meist der 
Tonkunst und des lyrischen Gesangs. - 7 das Madchen: von Lich- 
tenberg verb, aus: »das Musgen«, aus: die Muse. 

635 1 Erato: eine der 9 Musen, gait meist als Muse der erotischen 
Poesie. 

636* 1 Mekager: Meleagros, im griech. Mythos Sohn des Oineus und 
der Altheia, erlegte den von Artemis gesandten Kalydonischen 
Eber, seit dem 6Jh. v. Chr. war die Kalydon. Jagd in der bil- 
denden Kunst ein beliebtes Thema. 

637 1 Baccha: von mir verb, aus: Bac/ia. 

638 iff. Bacchus.., Gott des Fusels: Darauf spielt Lichtenberg in 
einem Brief an Kaltenhofer (IV, Nr. 51, S. 108) vom 1. Dez. 
1772 an: »Gesicht wie der Bacchus in Dieterichs Kalender von 
diesem noch laufenden Jahr im Dezember, dem ich schon im 
vorigen November den Namen Fusel-Gott gegeben habe . . .« 
Ober Bacchus vgl. zu 595 , 3 1.- 3 Fusels aus: Hier ist eine Namens- 
unterschrift so gestrichen, daB sie nicht mehr lesbar ist; zu er- 
kennen ist nur: G.C.L... Aber es stand nicht »Lichtenberg« da, 
sondern wohl ein mit L anlautendes Pseudonym. 



Die Reise nach Gotha 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 132-133. Das Gedicht ist im NachlaB auf einem 
Foliobogen uberliefert und weist zwischen Vers 48 und 49 einen 
groBeren Zwischenraum auf. 

Zur Entstehung: Am 7. September 1772 schreibt Lichtenberg an 
Dieterich (LB I, Nr. 42, S. 82) : »Dieses Journal oder was es ist, driickt 
die mannigfaltigen Vergnugungen und das mannigfaltige Herzeleid 
dieser Reise so wenig aus, als wenn jemand, der unsre Reise von Lan- 
gensalza nach Gotha beschreiben wollte, sagte, wir fuhren etwas 
langsam, weil der Weg nicht sonderlich war«. 

Eine Anspielung auf diese Reise findet sich ferner in einem Brief 
an Dieterich (IV, Nr. 71, S. 145) vom 8.JUH1773, wo er schreibt: 



304 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

»Alles in der Welt, nur keine Affare wie bei Wiegleben, da sollten uns 
keine 20 Hengste wieder heraus kriegen.« Eine Anspielung darauf 
findet sich ferner in einem Brief an Christiane Dieterich (IV, Nr. 23, 
S. 40) vermutlich vom 28. Februar 1772 und an Dieterich (LB I, S. 18) 
vom 2. Marzi772: »Herr Boie hat den Eingang zur Reise Beschrei- 
bung, das andere habe ich abgeschnitten, und muB erst vermodestirt 
werden.« Auf eine Stelle aus der Reisebeschreibung kommt Lichten- 
berg in einem Brief an Dieterich (IV, Nr. 30, S. 55) am 19. Marzi772 
zu sprechen; vgl. ferner C 47. 

Als Abfassungszeit kommt wohl das Fruhjahr 1772 infrage. Lich- 
tenbergs obiger AuBerung mochte man entnehmen, daB die »Reise- 
beschreibung« von ihm in einer ersten Fassung vollstandig vorlag. 
Wenigstens schreibt Dieterich noch am 18. Marzi799 an Ludwig 
Christian Lichtenberg (LB III, S. 344) : »Er hat mir viele Male . . . von 
einer Reisebeschreibung gesagt, woran er jahrelang gearbeitet hatte 
und woran ich was verdienen sollte. Es zeigt sich aber noch nichts ...« 
Und am 8. April 1799 schreibt er an denselben (LB III S. 345): »Von 
denen Reisen . . . wovon er immer gesprochen, finde ich im Ganzen 
nicht viel ...« 

639 2 ff- Auszug: danach von Lichtenberg gestrichen: zum singen. - 
jKutzel: danach von Lichtenberg gestrichen: und Muthwillen. - 
4 zum Singen in der Stube: Moglicherweise ist daher diese Reise- 
beschreibung identisch mit der von Lichtenberg an Dieterich 
(IV, Nr. 45, S. 96; Sept./Okt. 1772) erwahnten Kantate: »Herr 
Boie hat also meine Kantate abgelesen. Ich hatte wohl zuhoren 
inogen.a - 15 Langensalza: Kreisstadt im Bezirk Erfurt, an der 
Salza. - 20 Dieterich: Ober ihn vgl, zu B 92. - 21 zwo junge 
Frauen: Genieint ist Christiane Dieterich, des Obgenannten 
Frau; uber sie vgl. zu C 306. Die zweite Passagierin ist nicht zu 
ermitteln. Vielleicht handelte es sich um dcren Madchen, die 
von Lichtenberg hofierte »Marie«. Am 2. Miirzi772 schreibt 
er wenigstens an Dieterich (LB I, Nr. n, S. 18): »Frage die 
Marie ob sie nicht mit reisen wolte.« 

640 1 j Batavia: Vgl. zu 44, 22. - 27 Wirsiaken da in Sachsen . . .: Diese 
Zeilen greift Lichtenberg leicht abgewandelt in E 169 wieder 
auf. 

Die Hexe die ich meine 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach« 1779, S. 12 bis 14. 
Satzvorlage: Lauchert, a. a. O., S. 184-186. 

Es handelt sich bei dem Gedicht um eine Parodie von Burgers Lied 
»Die Holde die ich meine«. Burger und Lichtenberg teilen sich in die 
Verfasserschaft der Parodie, weshalb sie in unsere Auswahl aufgenom- 
men wurde. Burger schrieb am 22. Oktoberi.778 (Burgers Briefe, II, 



GEDICHTE 305 

313) an Boie: »Zu der Parodie: Die Hexe die ich meine, hat Lichten- 
berg bios die Idee und Grundlage hergegeben. Die ganze Ausf iilnung 
bis auf ohngefahr 2 Strofen gehort mir.« Boie erwiderte am 30. Ok- 
toberi778: »Dietrich hatte mir schon von Lichtenbergs Parodie er- 
zahlt, und daB du sie umgearbeitet. Sie ist herrlich.« Von Lichtenberg 
selbst sind AuBerungen bzw. Arbeitsnotizen dazu nicht uberliefert. 

640 29 Hexe die ich meine; »Hexe« nannte Lichtenberg im Scherz die 
Stechardin; es erscheint denkbar, daB die Apostrophe des Liedes 
auf sie Bezug hat. Zu diesem von Lichtenberg haufig gebrauch- 
ten Ausdruck vgl. zu 306, 33. 

Die Champagner-Bouteille im Kuhlfqfi 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach.« 1784, S. 48. Satz- 
vorlage: Lauchert, S. 186. 

Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. DaB das Epigramm 
wesentlich friiher entstanden ist, geht aus F 1140 hervor, wo Lichten- 
berg die ersten beiden Zeilen des Epigramms notiert. 



An die tiederlkhe Thais 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach.« 1784, S. 75. Satz- 
vorlage: Lauchert S. 186. 

Das Epigramm tragt die Unterschrift: G. C.L. Uber dieses und das 
zweitfolgende Epigramm, die, wie es scheint, die ersten waren, die 
Lichtenberg an Burger sandte, schrieb Burger am 12. Okt. 1782 an 
Dieterich (Burger's Briefe III. 98): »Ist mir kurzlich recht wahres 
Epigrammensalz vor die Nase gekommen, so sind es die beiden Lich- 
tenbergischen Einf alle. Ach, daB er doch nicht mehr dergleichen gibt! 
Denn sie kommen ihm wahrlich nicht saurer, als das Ausspucken an, 
und so oft er des Tags ausspuckt, so viel hat er auch solcher Einfalle.« - 
Und am 1. Nov. 1782 (ebenda, S. 102) empfiehlt er Dieterich, Lich- 
tenberg auszurichten : »Er mochte nur fein mehr Scipios und Thaides 
fabriciren.« 

643 5 Quecksilber innerlich: seinerzeit zur Behandlung der Syphilis 
gebrauchlich; s. auch 799, 34. 821, 18. 857, 3f. 968, 5 und in 
den Briefen (IV, 53 0- 

Als der Wirt zum goldnen Fisch zum Schild einen Regenbogen wahlte 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach«. 1784, S. 75. Satz- 
vorlage: Lauchert, S. 186. 



306 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. 

Opim und Nachbar Seip 

Erstveroffentlichung: »Gottinger Musenalmanach«. 1784, S. 78. Satz- 
vorlage: Lauchert S. 187. 

Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. Im Ubrigen vgl. 
oben S. 305. 

Noah der Stifter einer zweiten Sundflut 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach«. 1784, S. 80. Satz- 
vorlage: Lauchert S. 187. 
Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. 

Der Seelenarzt zu N. an seine Gemeinde 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach«. 1784, S. 100. Satz- 
vorlage: Lauchert S. 187. 

Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. 

Thraso und der Astronom 

Erstveroffentlichung: »Gottinger Musenalmanach«. 1784, S. 125. Satz- 
vorlage: Lauchert S. 187. 
Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. 

644 1 Einfall des Shakespear: » All's well, that ends well«, I. Akt, 1. 
Szene, Zeile 186; iiber Shakespeare vgl. zu A 74. 

Dusch-Cantate aufdem obersten Altane abzupauken 

Erstveroffentlichung: »Gottinger Musenalmanach« 1784, S. 209. Satz- 
vorlage: Lauchert, S. 187-188. 

t)ber diesen anonym gedruckten Scherz schrieb Burger an Diete- 
rich am 28. Aug. 1783 (Burgers Br. III. 119): »Von alien noch mitge- 
schickten Gedichten, ist Lichtenbergs Cantate das beste, woriiber ich 
herzlich gelacht habe.« 

644 6 Dusch-Cantate: Dusch: Tusch; die in den Briefen (IV, 96) er- 
wahnte »Kantate« ist aus zeitlichen Griinden keinesfalls mit die- 



CEDICHTE 3O7 

ser identisch. - 13 Bratem vender: Vgl, zu 212, 20. - 17 fertig ist 
der Kalender: Gemeint ist der Gottinger Taschen Calender, den 
Lichtenberg nach dem Tode Erxlebens 1777 herausgab; seine 
Fertigstellung pflegte er Jahr fiir Jahr in seinen Tagebiichern 
1789 bis 1799 nachdriicklich zu vermerken. - i8Johannis-Turm: 
Vgl. zu 254, 12. 



Grabschrift aufeinen wichtigen Mann 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach«. 1785, S. 57. Satz- 
vorlage: Lauchert, S. 188. 
Das Epigramm tragt die Unterschrift : G. C. L. 

644 20 Grabschrift: Ahnliche gereimte satirische Nachrufe verfaBt 
Lichtenberg auch B 90. 208. 400. 401; s. auch D 647. 



Aufdie Montgolfieren 

Erstveroffentlichung: »Gottinger Musenalmanach«. 1785, S. 112. Satz- 
vorlage: Lauchert, S. 188. 
Das Epigramm tragt die Unterschrift: G.C.L. 

645 1 Montgolfieren: Ober die Briider Montgolfier und ihre Erfin- 
dung vgl. zu H 180; s. auch S. 63-75. 



Als einige glaubten von dem Verfasser Pedanten gescholten zu sein 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar, 1899 S. 129. 

Mit dem folgenden Epigramm auf einem Quartblatt uberliefert. 
Undatierbar. Die hier folgenden sieben Epigramme gehoren, mit 
Ausnahme dieses und des nachsten Epigramms vielleicht, vermutlich 
alle in Lichtenbergs Studentenzeit. 

645 8ff. Pedanten . . . gelehrt: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 297, 26. 



An Herm Tischbein 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 129. 

Mit dem obigen Epigramm auf einem Quartblatt uberliefert. Un- 
datierbar. 



308 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

645 13 Tisckbein: Ober ein Lichtenbergportrait Tischbeins ist sonst 
nichts bekannt; natiirlich ist der altere der beiden bekannten 
Maler gemeint, Johann Heinrich T. (1 722-1 789), der seit 1754 
in Kassel als Hofmaler lebte, wo er seit 1776 auch Akademiedi- 
rektor war. 



Trostgrunde fur Clemens wegen dem Tode Theodors 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 129. 

Mit den drei folgenden Epigrammen auf einem Quartblatt unda- 
tierbar uberliefert. 

645 i6f Clemens... Tkeodors: Das Sinngedicht bezieht sich auf 
Schiebelers in Gottingen 1764 gedrucktes Gedicht »Clemens an 
seinen Sohn Theodorus, eine Heroide« (Auserlesene Gedichte, 
S. 12), einen Ermunterungsbrief eines alten Christen an seinen 
jungen Sohn, der eben vor dem Vater, dem das gleiche Los be- 
stimmt ist, den Martyrertod sterben soil. Ober Daniel Schiebeler 
vgl. zu C 360. 



Auf die Weiber in Gottingen 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs Nachla8« t 
Weimar 1899, S. 129. 

Mit dem vorigen und den beiden nachfolgenden Epigrammen auf 
einem Quartblatt uberliefert. Undatierbar. 



Auf eben dieselben 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 130. 

Mit den beiden vorhergehenden und nachfolgenden 2 Epigrammen 
auf einem Quartblatt ubediefert. Undatierbar. 

646 S Gottingen... Eifersucht: von Lichtenberg verb, aus: »Aus 
gleichem Gaind laBt sie Gottingen often stehen«. 



Auf einen gewissen Herrn 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs Nachla8«, 
Weimar 1899, S. 130. 



fe 



GEDICHTE 309 

Mit den drei vorliegenden Epigrammen auf einem Quartblatt 
uberliefert Undatierbar. 



Geburtstagsliedjur den Sohn Wilhelm 

Dieses Gedicht ist bislang ungedruckt; auszugsweise mitgeteilt bei 
Promies, a.a.O., S. 136. Es befindet sich im NachlaB des Gottinger 
Hs-Archivs, Kasten IV, 2b. Zur Datierung vgl. SK 545, vom 22. Ok- 
tober 1793 : »Wilhelmchen Burztag. Gedicht von mir.« 

646 2 1 Geschwisterchen : Bis Oktober 1 793 zahlte Lichtenbergs Familie 
an Kindern: Georg Christoph (geb. 1786), Luise Wilhelmine 
(geb. 1789)* Luise Agnese Wilhelmine (geb. 1. 3. 1793). 

647 3 Wilhalmchen: Gemeint ist Christian Wilhelm, geboren 22. Ok- 
tober 1 79 1 ; iiber ihn vgl. zu SK 233. 



Ode an mein Vaterland 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »Aus Lichtenbergs NachlaB«, 
Weimar 1899, S. 257. 

Dieses Gedicht ist mit den vorhergehenden vier Epigrammen auf 
einem Quartblatt uberliefert. Undatierbar. 

647 2 if. Vaterland ... mem Darmstadt: im i8Jhdt. noch zur Bezeich- 
nung des Geburtsortes und nicht als politische Staatszugehorig- 
keit in Gebrauch; vgl. auch 694, 2. 818, 21. 



Ew. Wohlgeboren schkke hier 

Erstveroffenttichung und Satzvorlage: Ebstein, »Lichtenbergs Madchen«, 
Munchen 1907, S. 63-65. 

Es handelt sich dabei, ahnlich wie bei dem »Sauerkraut-Gedicht« 
(IV, Nr. 155, S. 305), um einen Brief in Reimen. Unterschrift: 
G.C.L. Der Adressat ist nicht feststellbar; die Zeit der Abfassung 
zwischen 1776-1779 - s. »Hieb auf HE.Lavater« -, womoglich No- 
vember 1778. 

648 2 Ew. Wohlgeboren: In Frage kommt wohl eher Albrecht Lud- 
wig Friedrich Meister als Kastner. - 5 versprochene Bier: Dazu 
s. F, S. 642 (I): »Den 5ten Nov. 1778. bekam ich mein Bier«: 
Burton und Dorcester; sollte der Brief in Zusammenhang ste- 
hen? -10 Hieb aujHerm Lavater: Uber Lavater vgl. zu A 129. - 
24 Burton- Ale: beriihmtes engl. Bier, das in Burton-upon-Trent, 



310 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

einer mittelengl. Stadt in Staffordshire, seit Jahrhunderten ge- 
braut wird. - 28 Nit'r: Salpeter. - 28 Sulphur: Vgl. zu 428, 29. - 
2 9 flieftend Puluer: Als »flieBendes Brot« bezeichnet Unzer das 
Bier; Lichtenberg notiert die Metapher KA 199. - 34 Ratio: 
Vernunft; hier: Nutzanwendung. -55 Mathesin: Mathematik 
(Akk.). 
649 4 Praeter propter: Vgl. zu 464, 15. 



STAMMBUCHSPRUCHE 

Der Wert dieser Texte liegt in dem Selbstzeugnis, nicht in ihrer 
etwaigen poetischen oder inhaltlichen Originalitat. Lichtenberg folgte 
ja auch hierin nur der Sitte seiner akademischen Zeit. Mit den hier in 
chronologischer Ordnung abgedruckten Stammbuchspriichen ist 
lediglich zum ersten Mai das versammelt, was inzwischen da und dort 
und zumeist an entlegener Stelle von Lichtenbergs Eintragungen ge- 
druckt worden ist. Man kann mit Sicherheit annehmen, daB Lichten- 
bergs Name und probate Devise in einer weit grofieren Zahl zeitge- 
nossischer Stammbucher aufzufinden ware. Man kann mit gleicher 
Sicherheit davon ausgehen, daB diese Eintragungen, wenn es sich nicht 
um solche des Studiosus Lichtenberg handelt, den gleichen formel- 
haften Charakter aufweisen wie die hier abgedruckten Stammbuch- 
spruche des Herrn Hofrats und Professors Ordinarius Publicus. 



Stammbuchspruch 1 

Erstveroffentlkhung und Satzvorlage: Leitzmann-Schiiddekopf, lich- 
tenbergs Briefe«, Band 1, S. 394. 

Das Stammbuchblatt befand sich 1 844 im Besitz des Oberbibliothe- 
kars Falkenstein in Dresden und eine diplomatisch genaue Abschrift 
von seiner Hand im NachJaB. Empfanger unbekannt. 

650 3]?. Felici . . . Sdenze: Gliicklich preise ich, die gern sich belehren 
lassen und GenuB darin finden, ihren Verstand in den Wissen- 
schaften zu iiben. - 6 25. Marzo 1764: Dieses Datum markiert, 
sieht man von Lichtenbergs Eintragung in der Gotdnger Matri- 
kel ab, die frtiheste erhaltene SelbstiiuBerung Lichtenbergs. 



Stammbuchspruch 2 

Erstveroffentlkhung (mit Abweichungen): Herbst, »Goethe in Wetzlar«. 
S. 88. Satzuorlage: LB I, S. 394, nach der Abschrift aus Johann Christi- 
an Kestners Stammbuch in der Universitatsbibliothek Leipzig. 



STAMMBUCHSPRUCHi: 311 

650 8 Kestner: Johann Christian Kestner (i 741 -1800), studierte 
1762-1766 Jurisprudenz in Gottingen, Reichskammergerichts- 
sekretar in Wetzlar, dann Archivsekretar und Hofrat in Han- 
nover, seit 1773 mit Charlotte BufFverheiratet, befreundet mit 
Hennings und Johann Georg Jacobi. Zu Lichtenbergs Verhalt- 
nis zu ihm vgl. seinen Brief an Kestner (IV, Nr. 2, S. 7-9) vom 
30. Marz 1766. - 17 Lichtenberg derjungere: So bezeichnet sich 
Georg Christoph zur Unterscheidung von seinem Bruder Lud- 
wig Christian Lichtenberg, der seit dem 25. 11. 1763 fiir einjahr 
in Gottingen studiert hatte. 



Stammbuchspmch 3 

Erstverbffentlkhung und Satzvorlage: Ebstein, »Aus Lichtenbergs 
Correspondenzfl, S. 9. (S. 80) Queroktav-Blatt, 1905, im Besitz Eb- 
steins. 

Adressat unbekannt. 

650 2of. das Weintrinken aufeinen besseren Eufi zu bringen: interessant, 
daB Lichtenberg bereits 1765 einer >Pinik< das Wort redet, wie 
er sie dann in der »Methyologie« verwirklichte; s. oben S. 144. - 
25 guten Groschen: Vgl. zu 239, 12. - 26 ^ten Sbris 1765: Diese 
Eintragung liegt zeitlich zwischen dem ersten und zweiten Heft 
von Sudelbuch A. 



Stammbuckspruch 4 

Erstueroffentlichung und Satzvorlage: LB I, S. 394. Stammbuchblatt, 
queroktav, in der ehem. KonigL Bibliothek Berlin, Sammlung Rado- 
witz, Nr. 7376. 

1st Radowitz der Adressat? Ein Joseph Radovitz immatrikulierte 
sich am 3. Okt. 1768 in Gottingen als Jurastudent aus Ungarn. 

651 5/ Herrn der Erde, Des Weisen: Zu dieser Metapher vgl. zu 137, 
13. - 7 4ten Octobris 176$: Vgl. zu 650, 26. 



Stammbuchspmch 5 

Erstueroffentlichung: Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins fiir 
Geschichte und Altertumskunde, Frankfurt am Main April iS66 f 
Bd. 3, Nr. 2, S. 114. Satzvorlage: LB I, S. 394. 

Eintragung aus dem Stammbuch von Friedrich Maximilian Moors 
(S. 128) . Im Original, das mir nicht zuganglich war, ist die Stammbuch- 



312 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

eintragung mit einer Handzeichnung Lichtenbergs verziert, die ein 
Grabmal darstellt, auf dem die Worte stehen: »Hier ruht Schilf ', 
Klinge, Bal, Music und Schiitzenhof.« 

651 13 Moors: Ober Friedrich Maximilian Moors vgl. zu J 319. Er 
immatrikulierte sich am 2. Okt. 1765 als Jurastudent. - 
16 Amico Aspectus: dem Freunde zur Obacht. - 21 zuweilen 
jetzo an den Tod denke: Uber Lichtenbergs Selbstmord-Gedan- 
ken vgl. zu A 126. - 24J. Campher-Pulver: Destillat aus demHolz 
des in Sudostasien heimischen Kampferbaums, gait seit dem Mit- 
telalter als Heilmittel gegen Entziindungen, Durchblutungs- 
storungen und auch gegen Syphilis. - 2$ mit... Seitenstichen: 
Auf diese Krankheit »als Pursch ij66« kommt Lichtenberg noch 
in einem Brief an Heyne (IV, Nr. 319, S. 450) am 2. JUH1782 
zu sprechen. 



Stammbuchspruch 6 

Erstverqffentlichung und Satzvorhge: LB I, S. 395. Abschrift aus dem 
Stammbuch von Johann Christian Polykarp Erxleben, UB Leipzig. 

65 1 30 Erxleben: Ober Lichtenbergs Studienfreund Johann Christian 
Polycarp Erxleben vgl. zu E 451. - 52 Pflichten ... die Lessing 
selbstnurdenkt: Die Anspielung ist unklar. - jj wenn dieErde bebt: 
In der Nacht vom 12. zum 13. April 1767 gab es in Gottingen 
wie auch an vielen anderen Orten Deutschlands ein Erdbeben, 
uber das, vermutlich von Kastners Hand, ein Bericht in den 
»G6ttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen«, 51. Stiick, 
S. 401, vom 27. April 1767 erschien, der zum Teil auf den »Nach« 
richten zweier hier Studierender, Hr. Erxleben und Hr. Lich- 
tenbergs basiert (s. Deneke, S. 64-65). 



Stammbuchspruch 7 

Erstveroffentlichung und Satzvorhge: LB I, S. 395. Stammbuchblatt 
seinerzeit im Besitz von Pastor Belthke in Berlin. 

652 14 Kleist: Ober Ewald Christian von Kleist vgl. zu J 239. Der 
von Lichtenberg als Stammbuchspruch benutzte Vierzeiler ist 
die fiinfte Strophe des Gedichts »Liebslied an die Weinflasche« f 
erschienen in »Neue Gedichte vom Verfasser des Friihlings«, 
Berlin 1758. - 17 Cider: Dazu macht Kleist selbst die FuBnote: 
»Ein altes deutsches Wort, das Apfelmost bedeutet.« - 19 an- 
gehenden Hauswirte: Im Sommer 1767 verlieB Lichtenberg sein 



STAMMBUCHSPRUCHE 3 1 3 

bisheriges Studenten-Quartier bei Knauer in der Pauliner- 
StraBe 3 und zog zusammen mit seinem Zogling Swanton zu 
Professor Johannes Tompson in die Weender StraBe, weshalb 
ich in dem Adressaten Tompson vermute. "Ober ihn vgl. zu TB 
11. -25 18. Julius ij6j: Vom gleichen Tage ist Lichtenbergs 
Schreiben an Hermann Freiherr von Riedesel (IV, Nr. 3 , S.9-1 1) 
datiert. 



Stammbuchspruch 8 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: Ebstein, »MiszelIen iiber Lichten- 
berg und Burger.« III. Was schrieb G. C. Lichtenberg inStammbucher? 
In: Zeitschrift fiir Bucherfreunde. NF VI, 19 14. Beilage S. 278-279. 

652 27 Wagner: Thomas Wagner (gest. 1817), schrieb sich am 
9. Okt. 1779 als Jurastudent aus Leipzig an der Georgia Augu- 
sta ein, wurde Meusel zufolge 1812 Freiherr, 1816 Ritter des 
Konigl. Sachs. Civil-Verdienst-Ordens. - 28 Viribus: Lies im 
Text: Vivitur. - 28 ff. Viribus ... scribebat: »Man lebt im Geisti- 
gen nur, alles iibrige ist des Todes. Ehrenhalber und zur Erinne- 
rung schriebs.« Den gleichen Spruch schrieb Lichtenberg unter 
»G6ttingen d. 28. Mart. MD.CC.L.XXX« in das Stammbuch 
eines Ungenannten. Der Spruch, dessen Herkunft mir unbekannt 
ist, fmdet sich auf dem Portratkupferstich Durers von dem NUrn- 
berger Humanisten Pirkheimer 1524, dessen Devise er ofFenbar 
war (Hinweis von Dr. med. Berthold Kern, Stuttgart). - 51 
P.P.P.O.: Abkiirzung von: Professor Philosophiae Publicus 
Ordinarius (Ordentlicher orTentlicher Prof, der Philosophic); 
vgl. auch 653, 6. 13. 22. 30. - 32 MD.CC.L.XXX: Die Jahres- 
zahlenbedeuten: 1780. 



Stammbuchspruch 9 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: Ebstein, o.c, p. 278. 

653 2 Paulmann: Johann Ernst Ludwig Paulmann (1 760-1 830), 
imm. am 19. Nov. 1781 als Theologiestudent aus Braunschweig, 
Kommissionsrat und Vicarius beim Domstift zu Halberstadt 
und St. Cyriaci Vicarius in Braunschweig; war auch schrift- 
stellerisch tatig. Das Stammbuch befindet sich im Stadt. 
Museum Quedlinburg, - jff. Innatum ... scribebat: »Innewohnt 
alien, das Hochste und alles zu wissen, / Um zu wissen, ist kurz 
die Regel: habe den Willen zu wissen! / Zu ehrender Erinne- 
rung schriebs.« Das gleiche Zitat schrieb Lichtenberg unter 



314 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

»G6ttingen IV. Cal. Mai MD.CCXXXVI« in das Stammbuch 
eines Ungenannten. - 7 P.P.O: Professor Philosophiae Ordi- 
narius; vgl. zu 652, 31. - S Martii: Marz. 



Stammbuchspruch 1 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage : »G6ttinger Studenten-Stammbuch 
aus dem Jahre 1786. « In Auswahl herausgegeben und mit einem Vor- 
wort versehen vonWilhelmEbel. Gottingen 1966, Nr. 3 5. Das Stamm- 
buch befindet sich in der UB Gottingen. 

653 10 Podmaniczky: Alexander Baron von Podmaniczky (Lebens- 
daten unbekannt) aus Ungarn, stud, iur., immatrikuliert am 
25.10.1784 in Gottingen bis Herbst 1786. - nff, Nunquam ... 
scribebat: Niemals ein anderes die Natur, ein andres die Weisheit 
sagt. / Seiner geneigten Erinnerung sich empfehlend schriebs. - 
-14 P.O.: Professor Ordinarius; vgl. zu 652, 31. 



Stammbuchspruch 11 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: Ebstein o.c, p. 279. Stammbuch 
bei C.G. Boerner Auktion Februar 1900. 

653 lyCarus: Friedrich August Carus (1770-1807), immatrikulierte 
sich am 2. Mai 1791 in Gottingen, 1795 Baccalaureus der Theo- 
logie in Leipzig, spater Prof, der Philosophic ebenda; schrieb 
iiber philosophische und psychologische Themen. - i8f. Non 
fingendum ... patiatur: »Nicht erdichtet oder ersonnen, sondern 
durch Erfahrung gewonnen werden muB, was Natur schafft 
oder leidet.« Das Zitat war von mir nicht auffmdbar. - 20 Baco 
de Vend: Uber Francis Bacon vgl. zu C 209. - 2 if. Benevolam 
... scribebat: »Seinem geneigten Andenken sich empfehlend 
schriebs«; vgl. zu dieser Formel auch Stammbuchspruch 10. - 
23 Cons. auL et Prof. Philos. publ. ord.: Hofrat und ordentlicher 
orient licher Professor der Philosophic Zu dieser Formel vgl. zu 
652,31. 



Stammbuchspruch 12 

Erstueroffentlichung und Satzvorlage: Ebstein, o.c, p. 279. Stammbuch 
seinerzeit im Besitz der Stadt. Altertumssammlung in Gottingen. 
Wiederabgedruckt in: Alt-G6ttinger Stammbuchb latter. Ausge- 
wahlt und eingeleitet von Walther Helligc Gottingen 1957. 



FABELN 315 

653 26 Kayser: Ober Karl Philipp Kayser vgl. zu SK 536. - 27/. Si 
ad naturatn . . . opinio: Wenn du naturgemaB lebst, wirst niemals 
du arm sein; lebst du nach Meinung der Welt, / wirst du nie 
reich: weniges namlich begehrt Natur, Unermefiliches Welt- 
sinn. - 29 Seneca: Das Zitat war von mir nicht auffmdbar. Ober 
ihn vgl. zu B 188. - 30 Memorxam . . . scribebat: Zu dieser Formel 

vgl. Stammbuchspruch 10. - 31 Cons Ord.: Zu dieser Floskel 

vgl. zu Stammbuchspruch 11 (653, 22). - 32 26ten Sept. 1793: 
Am gleichen Tag nahm Kayser von Lichtenberg Abschied: s. 
SK 536. 



Stammbuchspruch 13 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: Ebstein, »Aus Lichtenbergs Cor- 
respondenz«, Stuttgart 1905, S. 2. Nach den »Mitteilungen des Vereins 
fur Anhaltische Geschichte« Bd. V, 1888. 

654 2 Matthisson: Ober ihn vgl, zu SK 592. Die Stammbucheintra- 
gungerfolgte vermutlicham23. April 1794:5. SK 593. -3 Vere 
scire est per causas scire: »Wahres Wissen ist ein Wissen durch 
Ursachen.« Zitat aus Bacons »Novum Organon«, Aph. 2, 
Zweites Buch. Ober Bacon vgl. zu C 209. Den gleichen Satz 
schrieb Lichtenberg auch in das Stammbuch eines Unbekannten 
s. Ebstein, Neue Briefe Lichtenbergs. In: Siiddeutsche Monats- 
hefte, 5. Jg. Bd. 2, 1908, p. 317. In den Sudelbuchern zitiert er 
den Satz J 573 ; s. auch J 1279. 



FABELN 



Die hier abgedruckten Fabeln Lichtenbergs stellen keine Auswahl dar, 
sondern sind die einzigen Exempel seiner Beschaftigung mit einem 
Genre, das im achtzehnten Jahrhundert in Bliite stand. Lichtenberg 
versuchte sich in dieser Gattung, wie er sich als Lyriker versuchte. Der 
geringe Umfang seiner Fabel-Arbeiten erlaubt keinerlei abschlieBende 
Wertung iiber sein Talent. Doch sollte man denken, da8 die durch 
Lessing vorgefiihrte Pointierung der Prosa-Fabel dem witzigen Kopf 
Lichtenberg hatte ebenso musterhaft wie nachahmenswert erscheinen 
miissen. Seine Kenntnis der einschlagigen Literatur ist jedenfalls ver- 
biirgt. Er zitiert Lessing, Gellert, Lichtwer, PfefFel, Asop, Phadrus und 
Hyginus, und er refiektiert uberdies die Vorziige der Gattung: s. 
etwaj 713. 1030. L 418 ; vgl. ferner 439, i6ff. 692, 40. 697, 13. 830, 1 fF. 



3l6 GEDICHTE, STAMMBUCHSPRUCHE, FABELN 

Drei Prosaische Fabeln 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach« 1785* S. 128-13 1. 
Satzvorlage: Lauchert, S. 188-190. 

Unter der dritten Fabel stehen in der Druckvorlage die Initialen: 
G.C.L. 

655 4 Irtarte: Tomas de Iriarte - Yriarte schreibt Lichtenberg - 
(1750-1791), klassizist. spanischer Fabeldichter: »Fabulas lite- 
rarias« in Versen, erschienen Madrid 1782. Lauchert (a.a.O., 
S.188) merkt dazu an: »Mit diesem Hinweis auf Iriarte will 
Lichtenberg nicht sagen, daB die StorTe aus diesem entnommen 
seien, sondern daB er sich an die Art von dessen Fibulas literarias 
anschlieBt, und zwar in der Weise, wie FJ. Bertuch dieselben 
im »Teutschen Merkur« 1784 (2. Vierteljahr, S. 86fF. 3. Viertel- 
jahr, S. 59 ff.) in Prosa zu iibersetzen begonnen hatte. (Dessen 
Obersetzung der sammtlichen Fabeln erschien spater, Leipzig 
I788).« 



Der Schuh und der PantofFel 

Im Ausdruck etwas abweichend, wohl im fruherenEntwurf, begegnet 
die Fabel G 145. 

655 i5Jf. Gimpels Kommentar ... Truthahns Werke; In der Anwen- 
dung der G 145 abgedruckten Fabel stehen stattdessen die Na- 
men Cramer und Klopstock. 



Die beiden Magnetnadeln 

656 loffi ungleichnamigen ... gteichnamig: Dieses Wortspiel und der 
Vergleich von Magneten mit Liebe und Ehe wird auch von Jo- 
hann Bernhard Hermann mitgeteilt; s. Eduard Berend, Eine 
Charakteristik Lichtenbergs von Johann Georg Hermann im 
Marz 1789. In: Zeitschrift fiir Bucherfreunde. NF V, 1914, 
S. 392. 



Das Demantene Habband und der Strick 

Erstveroffentlichung: »G6ttinger Musenalmanach« 1787, S. 14. 
Satzvorlage: Lauchert, S. 190. 
Die Fabel tragt am Ende die Initialen: G.C.L. 



FABELN 317 

656 23 von dent Europa spricht: Anspielung auf die >Halsband-ArTare<, 
ein SkandalprozeB (1785/1786), in den der Kardinal L. Prinz von 
Rohan, Jeanne Grafin de La Motte-Valois und Cagliostro ver- 
wickelt waren. Durch die Aflfare wurde der Ruf der Konigin 
Marie Antoinette sehr geschadigt. 



AUSFUHRLICHE ErKXARUNG 

Der Hogarth is chen Kupferstiche 



»Was fCir ein Werk lieBe sich nicht iiber Shakespear, Hogarth und Gar- 
rick schreiben. Es ist etwas Ahnliches in ihrem Genie, anschauende 
Kenntnis des Menschen in alien Standen, anderen durch Worte, den 
Grabstichel, und Gebarden verstandlich gemacht.« Diese Eintragung 
(F 37) datiert vom 8. Mai 1776. Lichtenberg bringt sie sinngema'B in 
die »Briefe aus England« (s. 330, 13 fT.) ein. Was die Notiz so wichtig 
macht, ist, daB sie beweist, daB Lichtenberg aus gleichem AnstoB und 
gleicher Uberzeugung hier iiber Garrick reportierte und da Hogarth 
kommentierte. Und die Erkenntnis ihrer identischen kiinstlerischen 
Potenz erfolgte sozusagen gleichzeitig: in London 1774 bis 1775. Zu- 
vor ist von Hogarth in den Briefen gar nicht und in den Sudelbuchern 
sehr summarisch einmal von seiner Popularitat (KA 277), von Ho- 
garths Schlangenlinie (B 131), von seinen »unverbesserlichen K6pfen« 
(C 107) die Rede. In London jedoch muB sich Lichtenberg die Werke 
von Hogarth »ganz vollstandig« angeschafft haben (s. IV, S. 284; vgl. 
auch 989, i4rT.), und er empfiehlt dem >deutschen Hogarth< Chodo- 
wiecki, als er Lavaters Physiognomik konterkarieren will, »nach Ho- 
garths Art das Leben von Liederlichen sowohl als Tugendhaften bei- 
derlei Geschlechts vorzustcllen« (s. IV, S. 283, vom 23.Dezember 
1776). Diese unausgesprochene Auseinandersetzung mit dem Physio- 
gnomen Lavater schwingt in Lichtenbergs >Besserdeuterei< am Bei- 
spiel des »Gesichtsmalers« (1040, 32) Hogarth von vornherein mit 
(s. 295, 2). 

Erst im Jahre 1785 hatte Lichtenberg den Plan zu einer ausfiihrli- 
chen Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche gefaBt, die in der 
damals von ihm beabsichtigten Ausgabe seiner »Vermischten Schrif- 
ten« erscheinen sollte. So wenigstens auBert er sich am 23. Marz 1785 
an Ebert (IV, Nr. 489, S. 633), auch an Johann Gottwert Miiller (IV, 
Nr. 490, S. 634) am 31. Marz 1785 und ausgiebig am 8. April 1787 
an Eschenburg (LB II, Nr. 502, S. 297) : »Vielleicht erhalten Sie noch 
vor Michael is etwas umstandlicheres von mir iiber diese Wercke, 
wobey ich Ew. Wohlgeboren und Herrn Hawkm's Bemerckungen 
mit Danck nutzen werde. Die SchrifFt wird sehr frey werden. Haben 
ja doch Ehrwurdigc Manner iiber den Juvenal commentirt.« Lichten- 
berg verwirklichte diesen Plan einstweilen jedoch so wenig wie die 
Ausgabe seiner »Vermischten Schriften«. Statt dessen erschienen wei- 
terhin Jahr fur Jahr im »Gottinger Taschen Calender* mehr oder min- 
der kurzgefaBte Erklarungen Hogarthischer Kupferstiche, die ich der 
besseren Ubersicht wegen an dieser Stelle aufzahlen mochte: es er- 
schien im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 



HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 3 19 

1784: »Das Leben einer Liederlichen« 

»Herumstreifende Comodianten, die sich in einer Scheune an- 

kleiden« 
1785: »Hogarths Leben des Liederlichen, mit Zeichnungen der vor- 

ziiglichsten Kopfe erlautert« 
1786: »Hogarths Heyrath nach der Mode, mit 33 der interessantesten 

Kopfe von Hr. Riepenhausen erlautert« 

»Hogarths Mitternachts-Club, gemeiniglich die Punsch-Ge- 

sellschaft genannt, mit den Kopfen aller eilf Mitglieder von Hr. 

Riepenhausen erlautert« 
1787: »Leichtglaubigkeit, Aberglauben und Fanatismus. Eine ge- 

mischte Gesellschaft« 

»Ein Wahlschmaus« 
1788: »Das Thor von Calais oder der englische Rinderbraten« 

»Die Parlaments-Wahl. Zweyte Scene« 

»Die Parlaments-Wahl. Dritte Scene. Die Stimmensammlung 

(polling) « 

»Die Parlaments-Wahl. Vierte Scene. Der Aufzug im Triumph- 

sessel (Charing) « 
1789: »Ausmarsch der Truppen nach Finchley« 

VThe laughing audience. Das lachende Parterre« 

»Das Collegium medicum. (Consultation of Physicians.) « 
1790: »Die Tageszeiten in vier Blattern« 

»The sleeping Congregation. Die schlafende Versammlung« 

»The distressed Poet. Der Dichter in der Notlm 
1791: »Das Hahnen-Gefecht« 

»Finis« 
1792: »Die Folgen der Emsigkeit und des MUBiggangs« 
1793: »(Columbus breaking the Egg). Eigentlich, Columbus wie er 

ein Ey auf die Spitze stellt« 

»Die Vorlesung. (The Lecture) « 

»Southwark-Fair. Der Jahrmarkt von Southwark« 
1794: »Frankreich und England« 

»Der aufgebrachte Musiker (The provoked musician): Auch, 

wie auf unserm Exemplar, der Musiker in Wuth (The enraged 

musician) « 
1795 : »Die Biergasse und das Branntwein-(Genever-)GaBchen. (Beer- 
street and Gin-lane.) « 
1796: »Ein Blattchen von Hogarth (Eine Scene aus Pope's Locken- 

raub.)« 
Wie stolz Lichtenberg auf seine Hogarthischen Kalender-Erklarun- 
gen war, geht noch aus 662, 2 hervor, wo er sich riihmt, der erste ge- 
wesen zu sein, »der sich auf diesem Wege versucht hat.« 

Aus raumlichen Griinden war es nicht moglich, der Empfehlung 
Laucherts zu folgen und dio Kalender-Erklarungen zugleich mit der 
Ausfuhrlichen Erklarung abzudrucken. In den Anmerkungen wurde 



320 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

aber jeweils genau registriert, wo Lichtenberg in der Ausfuhrlichen 
Erklarung auf Formulierungen der Kalender-Erklarung zuriickgrifF, 
und verschiedentlich auch auf die durch die Zeitumstande veranlaBte 
geanderte Deutung hingewiesen. 

Von 1794 an erschienen die 5 Liefcrungcn der Ausfuhrlichen Erkla- 
rung der Hogarthischen Kupferstiche, welche Lichtenberg noch 
selbst bearbeiten konnte. Die Einrichtung der graphischen Vorlagen 
lag in den Handen Ernst Ludwig Riepenhausens, dessen Kunstfertig- 
keit Lichtenberg uberaus ruhmte. Wir haben dennoch bei der vorlie- 
genden Ausgabe auf die Kopien nach Riepenhausen verzichtet: zu- 
gunsten der eigentlich getreuen Reproduktionen nach Hogarth 
selbst. Die groBere Nahe zum Original erbringt allerdings nicht nur 
den Vorzug der akkurateren Wiedergabe, sondern auch den durch 
Hogarths Umzeichnung bedingten Schonheitsfehler, daB zwolf von 
insgesamt 38 Kupfern im Sinne von Lichtenbergs Erklarung seiten- 
verkehrt sind. Es handelt sich um »Herumstreichende Komodiantin- 
nen«; »Die vierTags-Zeiten. Der Morgen. Der Abend« ; »Der Weg des 
Liederlichen. 3.4. 8. Platte«; »DieHeiratnach der Mode. 1.-6. Platte. « 

Ober sein Kommentier-Werk schrieb Lichtenberg am 20. Februar 
1795 (IV, Nr. 680, S. 916) an seinen Vetter: »Ich habe mich zu dieser 
Arbeit entschlossen meiner Familie wegen. Hiervon kiinftig mehr. Ich 
weiB meine muBigen Stunden nicht besser anzuwenden, wie Du mir 
gerne zugeben wirst, weiin ich Dir im Vertrauen sage, daB ich fiir 
das erste Heft 3oLouisd*or erhaltenhabe; ich glaubenacheurem Gelde 
720 fl., und das habe ich spielend an etwa 20 Sommer-Morgen zu- 
sammengeschrieben. Soil man so etwas nicht tun?« (S. auch 763 , 27 rT.). 
So spielend, wie Lichtenberg hier tut, kann der Gelderwerb jedoch in 
Wirklichkeit nicht gewesen sein; wenigstens auBert er andernorts 
(IV, Nr. 650, S. 870), daB »der Lohn fiir meine Miihe kontraktmaBig 
von dem Abgang des Werks« abhange und er daher auf positive Be- 
sprechungen angewiesen sei. Bis zum 31.Juli1.794 sind iibrigens be- 
reits gegen 6ooExemplare derErsten Lieferung verkauft, wie Lichten- 
berg an Ebert (IV, Nr. 665, S. 893) mitteilt. Ahnliche wie die oben 
zitierten AuBerungen begegnen haufig in Lichtenbergs Briefen (s. 
LB III, Nr. 655, S. 109, vom 22. Mai 1794 an Ramberg; IV, Nr. 656, 
S. 878, vom 29. Mai 1794 an Eschenburg; IV, Nr. 660, S. 884, vom 
16. Juni 1794 an Archenholz). 

Sie definieren das Hogarth-Unternehmen einerseits als schieres 
Profit-Geschaft: »Ware es nicht das geringeErwerb-Mittel, das es ist, 
und hinge auf diese Weise nicht die ganze Sache mit der franzosischen 
Revolution zusammen, so hatte ich sie schon langst wieder aufgege- 
ben.« Noch am 31. Januar 1799 notiert er in SK 1030, daB Dieterich 
fiir die noch nicht vollendete Folge von »FleiB und Faulheit« im voraus 
»8o St. Louisd'or« gezahlt habe. Andererseits ist sich Lichtenberg seiner 
Schreib-Leistung sehr wohl bewuBt und fiir jeden Lobspruch dank- 
bar: »Der Beifall, den Du dem Operi geschenkt hast, ist fiir mich der 



HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 321 

groBte Triumph. Wahrlich ich verlange keinen groBern Lohn ...«, 
schreibt er am 15. Juni 1795 an semen Bruder Ludwig Christian (IV, 
Nr. 692, S. 931). 

Was hat Lichtenberg eigentlich zu dieser engen und langjahrigen 
Beschaftigung mit Hogarth veranlaBt? Es gibt eine Passage in der 
Kalender-Erklamng von »Leichtglaubigkeit, Aberglauben und Fana- 
tismus« (GTK 1787, S. 225), die dariiber Auskunft zu geben scheint: 
»Was den Erklarer dieser Blatter hier vorzuglich aufmerksam gemacht 
hat, ist das weiche, gestreckte Haar des armen Sunders hinter die Oh- 
ren gestrichen. O ! er hat diesen so oft gesehen, bey Kopfen die der 
Ktihlung von innen bedurften, daB dieser Zug einer von denen war, 
die ihn zuerst auf Hogarths Skakespearisch-triebmaBige Beobach- 
tung aufmerksam gemacht haben.«Es ist bezeichnend fiir Lichtenberg, 
daB er, um Hogarth positiv zu charakterisieren, ihn in seiner Beob- 
achtungsgabe Skakespeare verwandt hieB - so wie Garrick andernorts. 
In der Tat verkorpern der englische Dramatiker, der Schauspieler und 
der Illustrator fiir Lichtenberg das Kennzeichen des Genies, dessen 
Welt- und Menschenkenntnis es seinerseits zu einer Art Natur macht, 
die es zu studieren, auszulegen lohnt - von Kopie ist nicht die Rede. 
»Naturprodukte« nennt Lichtenberg derm auch 667, 36 Hogarths 
Werke und vergleicht sie 794, 15 abermals den Werken der Natur. 

Aber Lichtenberg belaBt es nicht bei solcher pauschalen Eloge. Er 
versucht, wahrend er die epischen Bilderbogen Hogarths nacherzahlt, 
zugleich und jeweils eine Beschreibung des Original-Genies Hogarth 
mitzuliefern. Und die ist so eigenwillig, daB es an dieser Stelle gestat- 
tet sei, Lichtenbergs Interpretation von Hogarth - seinen Beitrag zu 
einer, wie er 1028, 6f. sagt, »kiinftigen Theorie der hogarthischen 
Romane« - allein durch die Zusammenstellung des Wortfeldes zu ver- 
deutlichen, das er mit Vorliebe auf diesen Kiinstler anwendet. 

Der »unsterbliche Geist« (877, 31 f.) Hogarths in den »merkwiirdig- 
sten Produkten des Genies« (820, 33) offenbart ihn weder als »Schon- 
heitsmaler« (733, 11. 814, 37. 824, 21 f. 897, 4) noch als »Karikatur- 
Zeichner« (690, 8 ff. 749, iof. 779, 25. 1022, 18. 1056, 7), wie Lavater be- 
hauptet hatte, sondern als »Geschichtsmaler« (1040, 32) und »Seelen- 
maler«. Seine Ausdrucksweise bezeichnet Lichtenberg gern als »drol- 
ligt« (708, 37. 833, 34. 857, 15). Er nennt ihn einen »drolligten KUnst- 
ler« (971, 37), riihmt seine »drolligten Einfalle, Ziige, Gedanken« 
(702, 3. 685, 12. 831, 4. 833, 34. 1001, 32. 1020, 23), seinen »drolligten 
Spott« (669, 10). Denn Spottsucht wird Hogarth nicht abgesprochen, 
wenngleich ebenfalls in gesitteter Form: der »Spotter« Hogarth 
(816, 33. 831, 6. 944, 30) verfugt demnach iiber »gutmutigen« Spott 
(944, 30), »feinen Spott« (834, 18), »launigen Spott« (661, 22. 820, 7). 
Und das Adjektiv »launig« verweist seinerseits auf ein weiteres von 
Lichtenberg ebenso haufig gebrauchtes Wortfeld. Dem »launigen 
Briten« (734, 36) attestiert Lichtenberg »Laune« ganz allgemein (821, 
4. 856,27), insbesondere aber »muntere Laune« (669,7. 964,31), 



322 HOGARTHISCHE KLTPFERSTICHE 

»sonderbare Laune« (968, 35), »mutwillige Laune« (857, 18), »satyri- 
sche Laune« (73 1, 24). Um diese Lichtenbergschen Kernbegriffe grup- 
pieren sich analoge Umschreibungen, wenn er etwa von dem »son- 
derbaren, dem seltsamen Genie« (665, 15. 805, 19* 994. 8.) und semen 
»seltsamen Einfallen« (716, 29) spricht, den »Sch6pfer von Witz« (771, 
$6) als »verschmitzten Mann« (765, 35), als »Schalk« (722, 39. 786, 20. 
810, 12. 907, 16) und gar als »Schelm« (816, 37) apostrophiert, dessen 
»Schalkheit« (715, 27. 805, 23 f.) und »Schelmenaugen« (785, 12) be- 
tont und »Mutwillen« inimer wieder hervorgehoben wird (687, 12. 
729, 4* 734. 37- 770, 7f- 810, 1. 857, 13. 864, 22. 879, 30. 930, 6. 1050, 
27). Andere Charakteristika Hogarths, wie sie Lichtenberg erkannte 
oder wenigstens zu erkennen glaubte, sind jeweils in den Anmerkun- 
gen mitgeteilt. Auf ein Charakteristikum sei jedoch an dieser Stelle 
hinge wiesen, weil es ebenso bezeichnend fur den Beobachter Lichten- 
berg wie den besichtigten Hogarth ist: wiederholt weist Lichtenberg 
auf die Hogarths Genie vorziiglich beweisenden Details seiner Bild- 
geschichten hin, jene scheinbar belanglosen Nebensachlichkeiten, die 
aber sehr bewuBtes Kunstmittel sind und die Lichtenberg andernorts 
als »weggeworfen«positivnotiert:s. auch783, i4rT. 828, 2f. 834, i8f. 
1036, 2 iff. 

Wenige Monate vor seinem Tode zog Lichtenberg Bilanz iiber die 
von ihm zeither geleisteten Beitrage zur Kenntnis des Menschen aus 
nichts beschonigender Beobachtung und inspirierter Beschreibung. 
Er tat es, wie ublich, in sich selbst ironisierender Distanz. Aber die 
Fakten sprechen f iir sich und ihn : »Der wie vielte Calender ist das wohl, 
den Sie da schreiben, und dessen Monathskupfer Sie erklaren? Ich. Es 
ist der zwey und zwanzigste netto. Er. Warten Sie einmahl, 12 mahl 21 
ist 252, und die zwey Bildchen da von diesem mitgerechnet, macht 
254. Sie haben also 254 Monathskupfer beschrieben und erklart, und 
dazu noch die vielen hogarthischen Kopfe gerechnet, macht numero 
rotundo 300. Ich. Was wollen Sie damit sagen?ER. Damit sagen? Hm : 
Ich will damit sagen, daB Sie 580 Kupferstiche, und wenigstens 1500 
Physiognomien erklart haben, und am Ende nicht eihnmahl einen 
AfFen von einer kleinen Frolen unterscheiden konnen.« So weit der 
Dialog aus der »Erkiarung der Kupferstiche« im »Gottinger Taschen 
Calender« fiir 1799, S. 219. Wenn Lavater einen Morder fur ein Ur- 
genie erkannte, ist Lichtenbergs Versehen immerhin verzeihlich. 
Was bleibt, ist die von ihm gewiB nicht ohne - berechtigten - Stolz 
genannte Summe physiognomischer Steckbriefe, die Lichtenberg nun 
in der Tat auch diesem Umfang nach Lavater vergleichbar machen 
und dariiber hinaus verdeutlichen, daB die Erklarungen der Hogarthi- 
schen Bilder-Romane so gut wie der »Orbis pictus« noch immer in 
der Auseinandersetzung mit der physiognomischen Schongeisterei 
seiner Zeit zu lesen sind, aber gesehen werden wollen als das positive 
Anschauungsmaterial dessen, was Lichtenberg am Beispiel Shake- 
speares, Garricks und Hogarths verwirklicht fand. 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN . . . 323 

SchlieBlich sei noch erwahnt, da£ Lichtenbergs Ausfiihrliche Er- 
klarungen - zumindest mit der Ersten Lieferung - gleich denen im 
»G6ttinger Taschen Calender« von Lamy ins Franzosische ubersetzt 
wurden und in Dieterichs Verlag erschienen. 

Fur die hiermit erstmals vollstandig durchgefiihrte Kommentie- 
rung von Lichtenbergs Hogarth-Erklarungen konnte ich zum Teil 
auf Vorarbeiten von Wensinger und Coley sowie von Kurt Bottcher 
zuriickgreifen, der 1968 im Buch verlag Der Morgen, Berlin, vier der 
Ausfiihrlichen Erklarungen mit Ausnahme von »FleiB und Faulheit« 
herausgab. 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN 
DIE PUNSCH-GESELLSCHAFT. DIE VIER TAGS-ZEITEN 

Erstveroffentlichung und Satzvorlage: »G.C. Lichtenbergs ausfiihrliche 
Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche, mit verkleinerten aber 
vollstandigen Copien derselben vonE. Riepenhausen. Erste Lieferung. 
Gottingen im Verlag von Joh. Christ. Dieterich I794.« XXVIII und 
270 Seiten. Diese Lieferung umfaBt die Erklarungen des Kupfers »He- 
rumstreichende Komodiantinnen, die sich in einer Scheune anklei- 
den«, des Kupfers »Eine gesellschaftliche Mitternachts-Unterhaltung 
im neuesten Geschmack oder die Punsch-Gesellschaft« und der vier 
Kupfer von »Die vier Tags-Zeiten«. 

Zur Entstehung: »Da ich so entsetzlich aufgefordert werde meine 
Beschreibung heraus zu geben, so bin ich auch jetzt unter der Hand 
daran, und zwar bloft in der Absicht mir etwas zu verdienen a la Ber- 
tuch. Ich werde alles verbessern, das Temporelle und Lokale, das ich 
eingemischt habe, ausmerzen und vieles zusetzen«, schrieb Lichtenberg 
am 30. Juni 1792 an Blumenbach (IV, Nr. 619, S* 820). Unter dem 24. 
und 25. August 1792 (SK 366. 367) liest man von Arbeiten am Ho- 
garth, die aber offenbar nicht von der Stelle kommen. Tatsachlich 
finden sich bis Februar 1794 im Tagebuch keinerlei Eintragungen, die 
auf eine Fortsetzung der begonnenen Unternehmung schlieBen las- 
sen; lediglich von Riepenhausens Kopien ist die Rede. Erst unter dem 
14. Februar 1794 - fast anderthalbjahre spater -liest man in SK 588: 
»zum erstenmal seit langer Zeit viel fur Hogarth gesammelt.« Diese 
Eintragung wird durch eine briefliche Aufierung Lichtenbergs an 
Eschenburg (IV, Nr. 647, S. 865) vom 25. Januar 1794 bestatigt, 
wenn er schreibt, daB seine Arbeit »endlich endlich ihren Anfang genom- 
men« habe; die darin geauBerte HofTnung, daB das erste Blatt, das die 
Komodianten vorstellt, in 14 Tagen vollendet sein werde, erwies 
sich augenscheinlich jedoch als voreilig: will man eine Eintragung 
vom 4. Marz 1794 (SK 597) auf Lichtenbergs Erklarung und nicht auf 



324 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

Riepenhausens Kupfer beziehen, wozu ich eher neige, so ware dieses 
Datum der fruhest genannte Zeitpunkt der Fertigstellung der Ersten 
Platte: »Brief an Kastner nebst strolling actresses*. Es spricht mehr 
dafiir, daB Lichtenberg im Marz erst die eigentliche Schreib-Arbeit 
an dem Komodianten-Blatt aufhahm. Am i8, Marz 1794 (SK 601) 
notiert er: »viel Hogarth«, am 19. Marz (SK 602) abermals: »Viel 
Hogarth geschrieben«, am 24. Marz (SK 606) dagegen: »Hogarth 
ruckt nicht vor.« Erst am 3. April erfolgt die nachste Eintragung (SK 
611): »Viel Hogarth «. Und diese Notiz mochte ich nunmehr schon auf 
die Arbeit an der »Punsch-Gese]lschaft« beziehen, wozu Lichtenbergs 
Brief an Eschenburg (IV, Nr. 650, S. 869 bis 870) vom 12. April 1794 
Anhaltspunkte bietet. »Es sind nun 3 Platten fertig und die 4te erwarte 
ich alle Tage«, heiBt es darin zunachst; gemeint sind die Kupfer der 
Komodiantinnen, der Punsch-Gesellschaft und »Morgen« und »Mit- 
tag« der »Tags-Zeiten«. Lichtenberg fahrt fort: »Alsdann miissen noch 
2 vor der Messe gemacht werden. Wenns nur nicht zu spat wird und 
Riepenhausen und ich gesund bleiben.a Die Blatter »Abend« und 
»Nacht« der »Tags-Zeiten« waren demnach Mitte April noch nicht 
gestochen. Dafur kann Lichtenberg aber mitteilen: »Von meiner Er- 
klarung [scil. der Punsch-Gesellschaft], die sehr umstandlich ausfallen 
wird, sind auch schon 2 Bogen abgedruckt.« Unter dem gleichen Da- 
tum notiert Lichtenberg im Tagebuch (SK 615), daB der erste Bogen 
von Hogarth aus der Druckerei gekommen sei, nachdem am 9. April 
(SK 614) das erste Manuskript zum Hogarth in den Satz gegangen 
war. Am 16. April (SK 617) erfolgt der »erste wiirkliche Abdruck«, 
was doch wohl bedeuten soil, daB Lichtenberg die ersten Bogen im- 
primiert hat, wahrend er noch bis Ende April weiterhin an der 
»Punsch-Gesellschaft« schreibt. Denn erst am 1. Mai (SK 626) kann 
er vermerken: »Ich viel Hogarth und Punschgesellschaft geschlossen« ! 
Gesetzt den Fall, daB Lichtenberg kontinuierlich gearbeitet hat, blei- 
ben demnach fur die Ausarbeitung der vier »Tags-Zeiten« acht Tage, 
denn bereits am 9. Mai (SK 628) meldet Lichtenberg: »Hogarth ge- 
endigt ohne die Vorrede«, die er offenbar am 12. Mai fertigstellt. An 
diesem Tag auf jeden Fall ist, wie SK 631 mitteilt, »Hogarth ganz voll- 
endet!!« 

Halt man sich diese Daten vor Augen, die den SchluB nahelegen, daB 
die eigentliche Schreibarbeit Lichtenbergs sich auf knapp zwei Monate 
zusammendrangte, versteht man sein eigenes nachtragliches Urteil, 
das er am 29. Mai 1794 Eschenburg mitteilte (IV, Nr. 656, S. 878): 
»Die Materialien waren da, aber das ganze Leimwerk, der Mortel, 
wurde im Garten in der Eile angemacht, und so ging es zettelweise 
nach der Druckerei. « Dennoch war die Erste Lieferung noch nicht 
fertig, als Dieterich auf die Fruhjahrsmesse nach Leipzig fuhr (s. IV, 
S. 892). 

Auch wenn Lichtenberg »viel schalen Witz darin« bemangelte (IV, 
877) und sich am liebsten »auf demTitul fiir einen Dorfpastor adjunc- 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN ... 325 

tus« ausgegeben hatte (s. IV, S. 874), versendet er eine Reihe von De- 
dikationsexemplaren: am 20. Mai (SK 635) an Kastner und Blumen- 
bach (die einzigcn Bekannten, den en in Gottingen die Ehre zuteil 
wird: s.IV, 881, LB III, Nr. 659, S. 114-115, vom 14. Juni 1794, an 
Dieterich), am 22. Mai an von Ende und Ramberg (SK 637), dem er 
(LB III, Nr. 655, S. 109) gesteht: »Meine gantze Absicht bey diesem 
Ding ist, mir etwas zu verdienen, das ich sehr nothig habe. Nichts 
weiter. Schlagt mir dieses Fehl, so setze ich keine Feder weiter an. 
Konnen Sie es also einigermafien empfehlen: so thun Sie es, liebster 
Freund, mir zu Liebe. Das BiBchen Profit, das heraus komt, ist groB- 
tentheils mein.« (S. auch IV, Nr. 657, S. 880, vom 8. Juni 1794). Ram- 
berg sandte Lichtenberg daraufhin - ein peinliches MiBverstandnis - 
orTenbar ein Geld-Prasent von einem Dukaten (s. LB III, Nr. 658, 
S. 114, vom 12. Juni 1794). Weitere Exemplare des »Frtichtchen« 
(IV, S. 877) schickt Lichtenberg an Goethe, Kant, Archenholz (IV, 
S. 885), WeiBe »wegen der Bibliothek der schonen Wissenschaften«, 
anEbert (s. IV, Nr. 665, S. 893, vom 31. Juli 1794) und Eschenburg 
(s. IV, Nr. 650, S. 870, vom 12. April 1794; Nr. 656, S. 877, vom 29. 
Mai 1794). 

Insgesamt sandte Lichtenberg Freiexemplare an »einige Verwandte« 
wie seinen Bruder Ludwig Christian und seinen Vetter und hauptsach- 
lich an Gelehrte, »die mich ebenfalls mit ihren Operibus beehren, die 
ich ofFt gar nicht einmal lese. Es vcrsteht sich, daB ich nur bios die so- 
genannten schonen Geister unter diesen versorgt habe.« (an Ramberg, 
LB III, Nr. 662, S. 119, vom 19. Juni 1794). 

Rezensionen: Eschenburg in der »Allgemeinen Literatur-Zeitung«i794, 
III, S. 162-167; Kastner in den »G6ttingischen Anzeigen von gelehrten 
Sachen« 1794, S. 889-892. 

Lichtenberg las Eschenburgs Rezension am 3. August 1794 laut 
Tagebuch. An Ebert schrieb er (LB III, Nr. 668, S. 127) am 4. oder 
5. August 1794 : »Herrn HofRath Eschenburg sagen Sie nur, ich wiirde 
es ihm gedencken, daB er mich im Angesicht von Deutschland in der 
Literatur Zeitung so furchterlich gestriegelt hatte.« (Vgl. auch IV, 
S. 870, 878.) 



659 2/. Hogarth . . . distant age: »Hogarth steht unerreicht, und noch in 
fernster Zeit soil ungeschmalert Lob zuteil ihm werden.« Die 
beiden Zeilen entstammen der poetischen »Epistle to William 
Hogarth«, v. 567-568, geschrieben Juli 1763. Lichtenberg ge- 
braucht den Zweizeiler auch bei der Zweiten und Dritten Lie- 
ferung als Motto (s. S. 727. 819). Das Motto steht in der Druck- 
vorlage auf einer Extraseite hinter dem Titelblatt. - 4 Churchill: 
Ober Charles Churchill vgl. zu F 123. 

660 6f. den besten . . . Attslegern : Lichtenberg zahlt sie S. 665 -666 auf. - 



326 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHH 

8 Bemerkungen einiger Freunde: Unter den Londoner Freunden 
ist in erster Linie an Irby zu denken, vielleicht auch an Greatheed 
(s. auch S. 663. 667); einen Fall fur sich bildet der Englimder 
Hawkins, den Lichtenberg in Deutschland kennenlernte : »Von 
den mir ehcdeni von . . . Herrn Hawkins mitgeteilten Bemer- 
kungen werde ich, als wahren Mustern von Erinnerungen Ge- 
brauch machen« (IV, Nr. 650, S. 870, vom 12. April 1794). In 
Deutschland ist vornehmlich an Eschenburg zu denken, den 
Lichtenberg 667, 10 namentlich erwahnt. - 1 if Erklarungen die- 
ser Werke im hiesigen Taschen-Kalender: Lichtenbergs Erklarun- 
gen der Hogarthischen Kupferstiche erschienen seit 1783 im 
»G6ttinger Taschen-Kalender«; eine Aufstellung habe ich oben 
in der Einleitung S. 319 gegeben. - 15/. von mir weggeworfen 
erschienen: Zu diesem Ausdruck, mit dem Lichtenberg kreati- 
ven Einfallsreichtum zu definieren pflegte, vgl. zu 281, 2f. - 
26 Antichambre: Vorzimmer. - 26f mein heil. Christ: So pflegt 
Lichtenberg scherzhaft seinen »G6tringer Taschen Calender« 
Bekannten und Freunden gegeniiber zu bezeichnen, denen er 
ihn gern als Weihnachts-Prasent ubersandte: s. etwa in den 
Briefen (IV, 633. 804). - 51 incuriae: incuria: Nachlassigkeit, 
Sorglosigkeit. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck in gleichem 
Zusammenhang auch in den Briefen (IV, S. 879). - 3if curas 
posteriores: spatere, nachtragliche Sorgfalt. 

661 gf eine gewisse Laune: Zu diesem BegrirTvgl. zu 410, 6. - liff. 
Was der Kunstler da gezeichnet .. .: Diesen Gedankengang greift 
Lichtenberg 820, 1 1 ff. wicder auf. - i$ff. Hieben . . . aufKlassen: 
Zu diesem satirischen Grundsatz vgl. 542, I7f. - 20 Alltags- 
Moral: Ahnliche Wortbildungen begegnen D 90. C 330. F 106 
und 770, I3f. - 21 Trankenbarische Missions-Prose: Trankebar, 
an der Ostkuste Indiens gelegen, war von 1616 bis 1845 danische 
Kolonie. 1705 wurde dort von Friedrich IV. von Danemark 
eine protestantische Mission errichtet, in der zum groBen Teil 
deutsche Geistliche aus dem Halleschen Waisenhaus ihren Dienst 
ausiibten. Zahlreiche Erbauungsschriften wurden in dieser Mis- 
sion verfaBt. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck: Tranquebar 
auch G 12, wo er von »Physiognomischen Missionsberichten« 
redet. - 2 if. Hogarths launigem Spott: Dazu vgl. oben S. 321. 
Lichtenberg zitiert diesen Satz ungenau auch 820, 71". - 24 f. in 
Knittel-Versen sehr viel Gutes sagen: Dazu vgl. zu 617,2 und 
ferner 710, i2fT. zu Butlers und Ansteys Versart. - 35f Hinc 
illae lacrimae: »Daher jene Tranen«; Zitat nach Terenz, »Andria« 
I, 1, 19. Lichtenberg zitiert die Worte auch in den Briefen (IV, 
600. 625). - 37 Sukzefl: Erfolg. 

662 4f. Ireland . . . sieben Jahre neuer: Lichtenbergs erste Erklarung 
Hogarthischer Kupferstiche war Herbst 1783 im »G6ttinger 
Taschen Calender « fur 1784 erschienen ; iiber Ireland vgl. 666 , 28 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN 327 

und die Anm. dazu. - 7/ ehe ich sein Werk . . . gesehen: Daruber 
vgl. zu 666, 28. - p seine englischen Vorganger: Vgl. S. 666. - 
14 in seinem Vortrage ... zttfcstlich: Zu diesem Ausdruck vgl. 
zu 326, 20 f. - 1 4 Pegasus: im griech. Mythos das aus dem Rumpf 
der Medusa entsprungene FliigelroB, das bei neueren Dichtern 
seit der Renaissance als Musen- odcr DichterroB erschcint; s. 
auch 796,37. - 16 f. festlich-spanischen Kron-Marschalls-Trab: 
Eine ahnliche Wendung begegnet 423, 4; s. ferner 578, 28 f. - 
19 f in meinen Erkldrungen . . . ausgeschweift: Ober den BegrifF 
vgl. zu 65, 1; im iibrigen s. auch 944, 34. 1006, 5. - 23 Garten 
von Herrenhattsen und ... Theater: Der Grofie Garten der ehema- 
ligen Sommerresidenz des Hauses Hannover, ein Musterbei- 
spiel barocken frz. Gartenstils, in Hannover wurde 1709 vollen- 
det, das noch heute bespielte Gartentheater entstand 1683 bis 
1693. - 3 off. Plinius . . . nicht Zeit einen kurzen Brief zu schreiben: 
Die Stelle konnte von mir nicht ausfindig gemacht werden. 
Lichtenberg zitiert die Worte in einem Brief an Girtanner (IV, 
Nr. 290, S. 413) vom 9. Mai 1781 als Bonmot Schlozers! Ober 
Plinius den Jungeren vgl. zu F 646. 

663 5 ich, mit derAchtung: von mir verb, aus : ich, mit mit der Achtung. - 
to Ziererei: Zu diesem Ausdruck vgl. F 1112; Lichtenberg ge- 
braucht ihn auch 705, 20. 855, 18 - 1 of. nicht aufeigenen Antrieb: 
Vgl. zu dieser Aufterung noch S. 797 und an Blumenbach (IV, 
Nr. 619, S. 820) am 30. Juni 1792. - 18 nur gewisse Dinge sagen: 
Dazu vgl. 757, 12. - 21 hcittfiger Umgang mitEnglandern: namlich 
als Hofmeister engl. Studenten in Got tin gen und auf seinen bei- 
den England-Reisen; s. auch 660, 8. 667, 7 ff. - 27 schwankenden 
Gesundlieits-Umstanden: Dazu vgl. Briefe (IV, S. 860. 865. 883) 
und ganz allgemein SK. - 32 f meine Freunde mogen zusehen ...: 
Laut Brief anEschenburg (IV, Nr. 656, S. 878) vom 29. Mai 1794 
gehen »die merkwiirdigen Worte« Lichtenbergs »namentlich 
auf Sie« (im Original fettgedruckt). - 34 f Hogarth ... Zweideu- 
tigkeiten: Dazu vgl. Briefe (IV, S. 572. 688). 

664 2 in usum Delphini: fur den Gebrauch des Dauphins (des frz. 
Kronprinzen) ; Ausgaben der alten Klassiker, in denen auf Ge- 
heiB des von Ludwig XIV. 1668 zum Gouverneur des Dauphins 
ernannten Herzogs von Montausier die anstoBigen Stellen aus 
dem Text eliminiert waren; danach im ubertragenen Sinne ge- 
brauchlich, Lichtenberg gebraucht die Wendung auch K215 
und GTK 1788, S. 118, »Das Thor von Calais«, wo er schreibt: 
»in usum delphini iibersetzt«; s. ferner 1060, 34. - 5/. die armen 
autores classicos zu kastrieren: An dieser Einrichtung klassischer 
Autoren waren Bossuet, Huet und Mme. Dacier beteiligt. - 
7 in eundem usum: zu demselben Gebrauch. - 15 docendo ... dedo- 
cendo: durch Beibringen ... Abgewohnen. - 17 der selbst Voter 
ist: Ober Lichtenbergs >Vater-Ideologie< der neunziger Jahre 



328 HO GARTH IS CHE KUPFEUSTICHE 

geben die Briefe jenes Jahrzehnts hinlanglich Auskunft. - 26 erne 
kleine Erkenntlichkcit zufliefien zu fasten: Zu dieser Redewendung 
>offensiver Kritik< vgl. F 141 ; s. auch 417, igL -28/. Handwerks- 
Phrase der Klotzischen Schtile; Uber Christian Adolf Klotz und 
seine gelehrten Handel vgl. zu 602, 32; s. auch 853, 13. - 32 f. 
Worten des Erasmus ...Si quis . . . certe metum : »Sollte es jemanden 
geben, der sich getrofFen f iihlt, der verrat cntweder sein schlech- 
tes Gewissen oder sonst sicherlich Furcht.« Zitat aus »Lob der 
Torheit«, Brief des Erasmus an sein en Freund Thomas Moms 
(Reclam UB 1907/08, 1949, S. 12); geschrieben 1508. Ober 
Erasmus vgl. zu 306, 23. - 33 f. Vorwurjc ... den man mir schon 
ehemals gemacht: Von wem dieser Vorwurf stammt, ist nicht 
bekannt; s. auch 772, nff. 

665 jj. auf dem 6ten Blatt dem Schcrmesser die Figurgab : Vgl. dazu 724, 
17 f. - gf. die Vergleichung zu machen: Das Winkeleisen ist das 
Zeichen des Freimaurers. - 14 gesucht: Diesen Ausdruck ge- 
braucht Lichtenberg auch 770, 12. 994, I2f. und K 200. -13 
sonderbaren Genies: Dazu vgl. oben S. 322. - 17 Kopien unsers 
Herrn Riepenhausen: Die Arbeit Riepenhausens riihmt Lichten- 
berg auch anEschenburg (IV, Nr. 650, S. 869-870) am 12. April 
1794; an Goethe (IV, Nr. 653, S. 874) am 18. April 1794; an 
Ramberg (LB III, Nr. 655, S. 109-110) am 22. Mai 1794. Ober 
Ernst Ludwig Riepenhausen vgl. zu J 913. -32/. oftaufmeine Vor- 
gcinger hezogen: Vgl. das Personenregister. 

666 2 Roucquet: Andre Rouquet (1701-1758), frz. Miniaturbildnis- 
maler und Kunstschriftsteller, lebte ca. 30 Jahre in London, ge- 
nannt »Le Raphael de remail«. Ubrigens tra'gt das in der Staats- 
und Universitatsbibliothek Gottingen befmdliche Exemplar - 
Signatur 8 ° Art. plast. VI, 3 5 - auf dem Schmutzblatt vor der 
Titelseite handschriftliche Eintragungen zur Verfasserfrage 
dieser Broschiire unter Bezugnahme auf Walpole, der abermals 
ebenda, S. 45, am Rand angefiihrt wird. Die Handschrift habe 
ich einwandfrei als die Lichtenbergs identifizieren konnen! Ver- 
mutlich gelangte das Exemplar aus seinem Besitz auf der Ver- 
steigerung nach seinem Tode in die Bibliothek. - 3 Marschatl 
Belleisle: Charles Louis Auguste Fouquet, (1684-1761), seit 1748 
Herzog von Belle-Isle, frz. Marschall und Befehlshaber der frz. 
Armee im Osterreichischen Erbfolgekrieg, befand sich 1744 
bis 1745 in engl. Kriegsgefangenschaft. - 5 Erklarungen ... von 
4 Hogarthischen Werken: Es handelt sich urn: The Harlot's pro- 
gress; The Rake's progress ; Marriage a la mode; The Marsh to 
Finchley. - 8 verkuhbacht: in Lichtenbergs Sprachgebrauch so 
viel wie: verballhornt ; abgeleitet von dem Namen: Cubach, 
vgl. uber ihn zu ] 261. Lichtenberg gebraucht die Namensab- 
wandlung 562, 23. - 8 Truster: John Trusler (173 5-1820), engl. 
Geistlicher, Mediziner, Buchdrucker und vielseitiger Schrift- 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN 329 

steller. Der Titel Iautet: » Hogarth Moralized. Being a complete 
Edition of Hogarth's Works *. .«, London 1768. Mit 78 Tafeln; 
eine deutsche Obersetzung erschien Hamburg und Leipzig 1769 
unter dem Titel : »Die Werke des Herrn William Hogarth in 
Kupferstichen Moralisch und Satyrisch erlautert«. -11 Essay on 
Prints. By ... Gilpin: William Gilpin (1724-1804), engl. Geist- 
licher, Reiseschriftsteller und Zeichner, Verfasser theolog. und 
biographischer Schriften. Der »Essay upon [wie es richtig heifit] 
Prints« erschien London 1768 in zweiter Auflage. - 12J. Ich be- 
sitze ... deutsche Obersetzung: »Abhandlung von Kupferstichen, 
worin die allgemeinen Grundsatze der Regeln der Malerey ab- 
gehandelt werden«, iibersetzt von Johann Jacob Volkmann, er- 
schienen Frankfurt und Leipzig 1768. Das Exemplar befmdet 
sich nicht in der Staats- und Universitatsbibliothek Gottingen. - 
16 f. Anecdotes of Painting ... Walpole: Die 5 Bande erschienen 
1762, 1763 und 1777. Ober Hogarth wird in Band 4 (Strawberry 
Hill 1777), Kap. IV, S. 68-83 berichtet. Uber Horace Walpole 
vgl. zu D 666. - 16 j. George Vertur: bedeutender engl. Kupfer- 
stecherundAntiquar (1684-1756) ; ausseinenMaterialsammlun- 
gen zu einer Gcschichte der Kunste in England kompilierte 
Horace Walpole die »Anecdotes«. - 2 off. Biographical Anecdotes . . . 
Nichols: Gemeint sind die »Biographical Anecdotes of William 
Hogarth; and a Cataloque of his Works chronologically arrang- 
ed; with occasional Remarks«, London 1781; die zweite und 
verbesserte Auflage erschien 1782 ; die dritte, vermehrte und ver- 
besserte Auflage 1785 ; eine vierte Auflage konnte ich nicht nach- 
weisen. Verfasser sind: George Steevens, Isaac Read und John 
Nichols (1745-1826), engl. Buchdrucker und Schriftsteller in 
London, Verleger und u.a. Drucker der »Philosophical Trans- 
actions«; seit 1792 Herausgeber des »Gentleman's Magazine«. 
Lichtenberg erwahnt ihn in einem Brief (IV, 688) vom 12. 
Nov. 1786: »Er gibt gute kritische Nachrichten von Hogarths 
Werken, aber in dessen Geist und Laune dringt er selten ein.« - 
2$ An Explanation ....* Der Verfasser war auch im »Dictionary 
of Anonymous and Pseudonymous English Literature« von 
Kennedy, Smith, Johnson nicht zu ermitteln. - 28 Hogarth 
illustrated by John Ireland: Am 30.Juni 1792 notiert Lichtenberg 
in SK 347 »Irelands Hogarth durchgesehen.« S. auch SK435 
und 662, 4. Sein Urteil uber das Werk erhellt aus dem am glei- 
chen Tage an Blumenbach geschriebenen Brief (IV, Nr. 619, 
S. 820), der ihm das Exemplar geliehen hatte. Uber John Ireland 
vgl. zu J 1060. - 31 zweite Ausgabe: Sie erschien London 1793 ; 
ein Supplementband erschien 1798. - 31/. aus Journalen ersehe: 
An welche Zeitschrift Lichtenberg denkt, war nicht zu ermit- 
teln. In Frage kommen etwa das )>Gentleman's Magazine« oder 
das »European Magazines 



330 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

667 jff. Engldndern . . . mit denen ich . . . durchgebldttert: Vgl. Z u 660, 8 ; 
s. audi 663, 21. - 10 Eschenburg: Uber ihn vgl. zu F, S. 455 (I). 
Wie sehr Eschenburg die Hogarth-Erklarungen Lichtenbergs 
mit scinen einschlagigen Keuntnissen untersttitzte, geht bereits 
aus Lichtenbergs Brief an ihn (IV, Nr. 494. s - 638-641) vom 
I3juni 1785 hervor; vgl. ferner an Eschenburg (LB II, Nr. 502, 
S. 297) vom 8. April 1787: »Da Ew. Wohlgebohren Anmer- 
ckungen und Verbesserungen sich fur mein Gefiihl so ausneh- 
mend auszeic line ten, so bitte ich instandigst, wenn noch etwas 
zuriick ist, es mir giitigst mitzutheilen, ohne Einleitung, 
schlechtweg, denn selbst VerweiBe, uneingekleidet, nehme ich 
von einem Manne von Ihren Talenten danckbarlich an, . . .«. S. 
ferner die Briefe vom 25januar 1794 (IV, Nr. 647, S. 865); 
vom 12. April 1794 (IV, Nr. 650, S. 870); vom 29. Mai 1794 
(IV, Nr. 656, S. 877-879). - 25 ff. Werken des Witzes ... XJnver- 
wesliches: Dazu vgl, Lichtenbergs Reflexion in K 177; s. auch 
690, 9rT. -36Hooarths Naturprodukten: Dazu vgl. oben S. 321. 

668 if Kiinftige Michaelis-Messe . . . Heir at nach der Mode: Entgegen 
dieser Ankiindigung, die Lichtenberg auch gegeniiber Eschen- 
burg (IV, Nr. 656, S. 879) am 29. Mai 1794 macht, erschien 
»Marriage a la mode« erst als Vierte Lieferung 1798. Die Griin- 
de fur diese Verzogerung sind unten S. 410 mitgeteilt; s. auch 
728, 2 fT. - 1 Michaelis-Messe: Um den Michaelistag (29. Sep- 
tember), der in verschiedenen Landschaften als Sommerende 
und ErnteschluB gait, pflegten Kirchweihen und Herbstmessen 
stattzufinden. Hier ist die Herbstmesse des Buchhandels in Leip- 
zig gemeint. S. auch 61 1, 2. 728, 5. - 3 *m Mai 1 794: Laut SK 63 1 
wurde die Vorrede am 12. Mai 1794 vollendet. 

669 7 muntere Laune: Dazu vgl. oben S. 321. - 9 Lomhre-Karte: Vgl. 
zu 454, 10. - 10 drolligsten Spottes: Dazu vgl. oben S. 321. -11 
Ceres: altital. Gottin des Wachstums der Ackerfriichte, insbe- 
sondere des Getreides; s. auch 685, 18. - i2fufielt, schwanzelt: 
Vgl. zu dieser Wortbildung C 185 und Lichtenbergs Ausfiih- 
rungen F 1026; s. auch 701, 4: schwanzelt. - 1$ lachenmachender 
Materiel Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg schon an Kal- 
tenhofer (IV, Nr. 51, S.108) am 27. Nov. 1772; von »Lachen 
erregender Materie« spricht er in »Bemerkungen iiber ein paar 
Stetten in der Berliner Monathsschrift fiir den Dezember 1783 « 
im »G6tt. Magazin« 1784. Die Pragung ist vermutlich von 
Muschenbroeks Begriff: kaltmachende Materie^beeinflufit. Lich- 
tenberg gebraucht den Ausdruck auch 729, 8. - 17 des Armuts: 
Im Mhd. war das Wort sowohl als Femininum wie als Neutrum 
gebrauchlich, das Grimms Deutsches Worterbuch noch bei Ra- 
bener, Gellert, Lessing, Tieck nachweist. 

670 1 Mamsell d'Eon: vermutlich nicht, wie Lichtenberg annimmt, 
eine Frau, sondern der Chevalier d'Eon (1728-1810); Diplomat 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN 33 1 

unter Ludwig XV., der oft in Frauenkleidern auftrat und iiber 
dessen wahres Geschlecht Wetten abgeschlossen und Prozesse 
gefiihrt wurden; s. auch 194, 24. 678, 25. - 4/. unerbittlichen 
Zensor: entsprechend Lichtenbergs Druckfehlerverzeichnis am 
SchluB der Druckvorlage verb, aus: unerbittlichen, Zensor. -10 
Strichvogelchen: Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg auch 
478, 20. - 16 Quadratfufte: fruheres FlachenmaB unterschiedl. 
GroBe zwischen 8 und 10 dm 2 . - 19 Quadratruten: altes Langen- 
maB, 10 bis 18 FuB : etwa 3 bis 5,4 m. - 22ElsasserCapwein: Kap- 
weine, Weine von der Sudwestkuste der Kapprovinz in Stid- 
afrika, hauptsachlich WeiB weine; der Weinbau wurde 1653 von 
den Hugenotten eingef iihrt. - 23 The devil to pay in Heaven: Vgl. 
zu 371, 11 f. - 26 Jupiter: Vgl. zu 421, 33. - 26 Juno: in der rom. 
Mythologie Gattinjupiters, die Gottermutter; ihr Symboltier: 
der Pfau. - 26 Diana: Vgl. zu 626, 4. - 26 Flora: Vgl zu 633, 1. - 

26 Sirene: Meerjungfrau. - 26 Aurora: Gottin der Morgenrote. - 

27 Cupido: rom. Liebesgott. - 30 Coffey: Ober Charles Coffey 
vgl. zu R.A205. - 30 Mottley: John Mottley (1692-1750), engl. 
Dramatiker; die Comic opera »The Devil to pay« wurde am 
6. August 173 1 in Drury Lane uraufgef iihrt. Mottley ist ubrigens 
auch der Verfasser von »Joe Miller's Jests«; s. dazu 858, 5. - 31 
Jevon: Thomas Je von (1652-168 8), engl. Schauspieler und Dra- 
matiker; Lichtenberg verwechselt die Farce von Coffey und 
Mottley mit Jevons erfolgreichem »The Devil of a Wife«, urauf- 
gef Iihrt 1686, der zu der Farce lediglich den Grundstock lieferte. 
- 33 f. aujunser Theater verpflanzt: Die engl. Vorlage wurde unter 
dem Titel »Der Teufel ist los« mit dem Libretto von WeiBe und 
in der Vertonung von Hiller einer der groBten Publikumserfolge 
des dt. Theaters im 18.Jh.Eine Auffuhrung des Singspiels am 17. 
Juli 1776 in Bovenden erwahnt Lichtenberg in den Briefen 
(IV, S. 270); die Arie »Ohne Lieb* und ohne Wein« gehorte zu 
seinen Lieblingsweisen. - 38 Companion to the Playhouse: »The 
Companion to the playhouse, or, an historical account of all the 
dramatic writers (and their works) that have appeared in Great 
Britain and Ireland, from the Commencement of our theatrical 
exhibitions, down to the present year 1764: composed in the 
form of a dictionary ...«, erschienen London 1764 in 2 Bdn., 
wurde verfaBt von David Erskine Baker. 

671 2 Parlaments-Akte: Die Verordnung gegen Wanderschauspieler 
wurde 1737 erlassen. - 5 drei bis viermal ... zum letzten Male 
spielten: Dieser Gedanke ist F 1 134 entlehnt. - 6 armen Teufel: 
Uber diesen Ausdruck vgl. zu 214, 3 1. - 1 6f. unrecht tun zu kon- 
nen, mufi man die Rechte studieren: Ahnlich schreibt Lichtenberg 
auch 244, 36f.; vgl. die Anm. dazu. 

672 1 Welgerholz: Klopfholz, Walzholz, StoBel. - 3 Antichamber: 
Vgl. zu 660, 26. - 6f, Hogarth . . » inseinemJahrmarktzuSouthwark: 



332 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

Den beruhmtenKupferstich Hogarths erklarte Lichtenberg unter 
dem Titel »Southwark-Fair. Der Jahrmarkt von Southwark« im 
»G6ttinger Taschen Calender« fiir 1793, S. 180-196. Auf S. 195 
der Erklarung schreibt er: »Bey diesem Umsturz kommt eine 
Salzbiichse und einWelgerholz (rolling pin) zum Vorschein, 
womit man bey manchen Gelegenheiten in England eine Art 
vonjanitscharenmusic macht.« - i2Contre-Rolte: svw. Kontrol- 
le. - 21 Exklamationszexchen: Diesen Ausdruck gebraucht Lich- 
tenberg auch 884, 25 f. 887, 9. 957, 9. 966, 10. Ahnliche Wort- 
Bildungen begegnen auch 700, 3. ion, 23. - 24 der Bourbon- 
schen Linie zu Ehren: Hogarths >Gallophobie< findet sich auf fast 
alien Werken ins Bild gebracht und wird von Lichtenberg im 
allgemeinen zeitpolitisch nutzbar gemacht. Auf das hier vorlie- 
gende Blatt kommt Lichtenberg noch einmal S. 71 1 zu sprechen 
und teilt dort die - aktualisierte - Deutung eines Freundes mit, 
der das Blatt auf die Franzosische Revolution hin auslegt. S. 
auch 710, 32. 816, 35ff. 950, i6ff. 1043, 35f. Zu diesem Thema 
vgl. auch Lichtenbergs Erklarung von Hogarths »Southwark- 
Fair« (GTK 1793, S. 196), wo er bemerkt: » Auf dem Original 
befinden sich noch einige muthwillige Ausfalle auf das damahli- 
ge Frankreich und seinen Hof. Der Erklarer dieser Blatter kann 
sich aber unmoglich uberwinden auch nur ein Wort davon zu 
sagen, so sehr auch die gewiB unschuldige Absicht dieses Auf- 
satzes so etwas entschuldigen wiirde. Frankreich ist jetzt kein 
Gegenstand fur die Satyre mehr!« Bemerkenswert ist ferner so- 
wohl Hogarths wie Lichtenbergs Wahl des Themas »Frankreich 
undEngland«im»Gottinger Taschen Calender«fiir 1794, S. 194- 
207. - 24/. franzosischen Haarbeutel: schwarzseidenes Sackchen 
fiir den gepuderten Zopf der mannlichen Frisur oder das Hin- 
terhaar einer Beutelperiicke im i8Jh. S. auch 696, 7. 712, 19. 
739, 14. 838, 29. - 26 Alexanders Helm: Der Helm Alexanders 
des GroBen (uber ihn vgl. zu KA 140) wird auch in »Southwark- 
Fair. Der Jahrmarkt von Southwark« (GTK 1793, S. 183) als 
Schauspieler-Requisit spottisch erwahnt. - 27/. den Erdkreis 
beben machte: Diese Wendung, bezogen auf Alexander den Gro- 
Ben, begegnet auch in der oben zitierten Kalender-Erklarung 
(GTK 1793, S. 183). -32 neufrankische Grundsatze: Vgl. zu 463, 
38f. -35 impavidum ... minae: Vgl. zu 577, 23. 
673 17 J. velut ... minores: »wie der Mond aus kleineren Lichtern«; 
Zitat aus Horaz, »Oden«, I, 12, 47; Lichtenberg zitiert die Zei- 
len auch J 838 als Charakteristik Kastners. - lgff. Insignien ... 
halbe Mond: Diana war als Mondgottin verehrt; vgl. zu 626, 4. - 
24 eine verkehrte Welt: Dazu vgl. zu B 170. - 30/. Fahne der Kapi- 
tulation ... diese weifien Straufijedern: Diese Wendung ist J 162 
entnommen. Der »Schalk« ist demnach Lichtenberg selbst. - 
31 f. die doppelt Gegiirtete: Vgl. zu 626, 4. 



HERUA1STREICHENDE KOMODIANTINNEN 333 

674 4 antiquarischesErstaunen: Zu diesem Ausdruck vgL zu 349, 16. - 

21 Kopfund Herz kommen . . . eine ganze Sparine naher: Zu dieser 
Wendung vgl. C 20 und die Anm. dazu. - ji Blick-Ableiter: 
Uber Lichtenbergs Neigung, neue Worter mit dem BegrifF: 
Ablciter zu bilden, vgl. zu 130, 10. - 37 Dorf-Aktaons: Aktaon, 
griech. Sagengestalt, die Diana im Bade belauscht; er wird von 
ihr zur Strafe in einen Hirsch verwandelt und von seinen Hun- 
den zerrissen. S. auch 682, 5.684, 35.953, 36.956,32. ZuWort- 
bildungen mit Dorf- vgl. auch 847, 21. Im iibrigen s. zu B 41. 

675 10 Matter: altes GetreidemaO, etwa 100-150 Liter, - i6nach den 
neusten Versuchen: Vgl. J 2120 und die Anm. dazu. - 1 7 Pantheon: 
urspriinglich Kultbau zur Verehrung der Gotter; spater Ge- 
denkhalle beruhmter Manner in Rom, Paris; s. auch 766, 34. - 

22 katoptrische Bruchstuck: Vgl. zu 480, 10. - 23 dioptrische Stel- 
len: dioptrisch: durchsichtig. - 23 das bekannte Instrument: Den 
Kamm alsWaflfe gegen Kopflause erwahnt Lichtenberg auch im 
Dritten Blatt der Ausfiihrlichen Erklarung von »Der Weg der 
Buhlerin«, 760, 24, wo er ausdriicklich auf diese Passage ver- 
weist. 

676 4 Porter: engl. alkoholreiches obergariges Bier, das urspriinglich 
bes. von Londoner Lasttragern (Porters) getrunken worden sein 
soil; das brit. Nationalgetrank erwahnt Lichtenberg auch 896, 
12. 994, 33. - p deren Naturgeschichte; Mit den >bekannten Ge- 
schopfen< sind die Monche gemeint; iiber Lichtenbergs Einstel- 
lung zu ihnen vgl. zu 478, 29 ; zu dem Ausdruck vgl. zu 497, 26 f. 
- 18 Ara: Altar; hier: heidnischer Opfertisch; s. auch 686, 36. - 
31 Lachzdhnchen: So nennt man die vordersten Schneidezahne, 
die beim Lachen hauptsachlich entbloBt werden. - 35jf. Joannis 
Physiophili specimen Monachologiae . . . ; Verfasser des von Lichten- 
berg genau angegebenen Werks ist Ignaz Edler von Born; iiber 
ihn und seine von Lichtenberg sehr geruhmte Satire vgl. zu 
F 407; s. ferner J 1 172. Lichtenberg erwahnt ihn auch GTK 1794, 
S. 201. - 35/ methodo Linnaeana: Uber Liruie, der erstmals eine 
wissenschaftliche Systematik des Pflanzen- und Tierreichs er- 
stellte, vgl. zu A 22. Ubrigens plante auch Lichtenberg eine 
Satire nach >Linnescher Methode<: s, J 1148; s. auch 735, 32. - 
57/. Histoire naturelle des Moines ...; Verfasser dieser Paris 1790 
erschienenen Naturgeschichte der Monche ist Barbier zufolge: 
P.-M.-A. Broussonnet. Broussonnet (1761-1807) war Botanik- 
professor an derEcole de medecine in Montpellier und Mitglied 
der Royal Society in London. Im iibrigen vgl. zu GH 28. - 3$ 
la methode de Buffon: Uber BufFon und seine »Histoire naturelle« 
vgl. zu C 291. 

677 7 regionem hypogastricam: Unterleibs-Partie. Lichtenberg ge- 
braucht diesen Ausdruck auch 1048, 24. -loLaokoon: Dariiber 
vgl. zu A 18; s. auch 808, 31. - 11 Belvedere: ein an hochgelege- 



334 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

ner Stelle des Vatikan im 15.JI1. errichteter Bau, von Bramante 
umgestaltet; in ihm wurden bekannte antike Skulpturen aufge- 
stellt, u.a. der Apollo von Belvedere, der Belvederische Torso, 
der Laokoon; s. audi 749, 37.-13 Laokoon ... dutch Affenparo- 
dieri: Vgl, zu 354, 18, - 21 ehrenvolle Truster: Lies im Text: 
/ehrenvolle. Ober diesen moralisierenden Ausleger vgl. zu 666, 
8. - 34 Phobus: Vgl. zu 409, 27. - 35 Jupiter pluvius: der regen- 
spendende Jupiter. Die Worte gehen auf Tibull 1, 7, 26 zuriick: 
Pluvio Jovi. Ober Tibull vgl. zu D 17. Ober Jupiter vgl. zu 

421,33. 

678 1 als Stier erscheint: Nach dem griech. Mythos verwandelte sich 
Zeus aus Liebe zu der phonikischen Konigstochter Europa in 
einen Stier und entftihrte sie auf seinem Rucken nach Kreta, wo 
er mit ihr 3 Sonne zeugte. Die Entf iihrung ist selt dem 7jh. vor 
Chr. immer wieder dargestellt worden; s. audi 691, 29 f. 910, 1 f. 
- 1 Numen: das Gottliche, Gottheit. - p Fliigeln der Liebe: Eine 
ahnliche Wendung begegnet 680, 25; s. ferner 1012, 37f. und 
auch A 120. - ig Nickhaut: Blinzhaut, Membrana nictitans, ein 
drittes, bei fast alien Wirbeltieren vorhandenes Augenlid, bei 
den Menschen zu einer kleinen halbmondformigen Falte zu- 
riickgebildet. - 22 Desinit ... superne: »Er laBt in einen Fisch die 
oben wohlgeformte Frau sich enden«; Horaz, De arte poetica 
(Ep. II, 3). Ober Horaz vgl. zu KA 1 52. - 25 Mamsell d'Eon: Vgl. 
zu 670, 1. - 27 epineusen: kitzligen, dornigen. Lichtenberg ge- 
braucht dieses Adjektiv auch 765, 2. 103 1, 30 ; s. ferner K 270 und 
GTK 1787, S. 240. - 34 mit Butlern zu reden: Die Stelle konnte 
von mir nicht ausfindig gemacht werden. Ober Samuel Butler 
vgl. zu B 49. 

679 6 Schonpflasterchen: Schonheitspflasterchen, frz. mouche, Pfla- 
sterchen aus gummiertem schwarzen Taft, im 17. und i8.Jh. 
von den Damen zur Hervorhebung der Zartheit des Teints ge- 
tragen. Lichtenberg erwahnt sie auch A 47; s. ferner 695, 11. 
704, 26. 838, 29 f. 872, 17. 918, 6. - 13 armen Teufel: Vgl. zu 214, 
31. - 14 Dekorum: Anstand, Ansehen. - 16 hermaphroditische: 
doppelgeschlechtliche. - 2Sf. die fasces im Romischen Staat: ein 
Rutenbiindel, aus dem ein Beil herausragt : eines der altesten In- 
signien der rom. hoheren Magistrate; spater Symbol des ital. 
Faschismus. - 32 Das so genannte Bierschild: Ober Schilder an 
Gasthiiusern sinniert Lichtenberg 71 8 , 30 ff. - 34f.freundschaftliche 
Benehmen zwischen Wasser und Wein: BonmotsLichtenbergs dar- 
uberbegegnenauchGH48,E 394J 587.748. - 38/. Mendelssohns 
Thetis, die einen Bacchus umarmt: Diese Wendung ist F 966 ent- 
lelint. Lichtenberg entnahm. sie dem Aufsatz »Ober die Haupt- 
grundsatze der schonen Kiinste und Wissenschaften« von Men- 
delssohn, der seinerseits die Anekdote aus Winckelmanns »Er- 
lauterung der Gedanken von der Nachahmung der griechischen 



HERUMSTREICHENDE KOMODIANTINNEN 335 

Werke in der Malerei und Bildhauerkunst« anf iihrte. Ober Moses 
Mendelssohn vgl. zu C 39. Ober Thetis vgl. zu 98, 12. Zu der 
Wendung vgl. auch 375, 20. 

680 2 Ganymed: Mundschenk der Gotter im Olymp, Liebling des 
Zeus. -19 pro tempore: fiir den Augenblick. - 25 Flugel derLiebe: 
Vgl zu 678, 9. 

681 18 amour & la Grenadiere: Liebe auf Landsknecht-Art; diese Wen- 
dung gebraucht Lichtenberg in einem Brief an Sommerring 
(IV,Nr.477,S. 605) vom7.Januar 1785 in Bezug auf - Therese 
Heyne, als Verlobte Forsters ! 

682 5 Dorf-Aktaon: Vgl. zu 674, 37. - 12 Nichols: Uber ihn vgl. zu 
666, 22. - 17 Entreuue: Zusammenkunft. - 18 Der ungenannte 
Erklarer: Ober ihn vgl. zu 666, 24. -37 a pulpit-cushion: ein Kan- 
zel-Polster. 

683 4 dark lanterns: Lichtenberg erwahnt sie auch RA 126.-7 Mi- 
schung von Licht und Finsternis: »Kampf zwischen Licht und 
FinsterniB« formuliert Lichtenberg in der Miszelle »Etwas von 
Jesuiten« (GTK 1795, S. 166). - 9 Diogenes: Uber ihn vgl. zu KA 
13. - 12 Haarwolken: Umschreibung fiir: Periicke. - 2$ Aiche: 
Eichstempel, mit dem vom Eichamt die Richtigkeit der verwen- 
deten MaBe und Gewichte bescheinigt wird. 

684 5 Circenses: (offentliche) Lustbarkeiten; Lichtenberg gebraucht 
diesen Ausdruck auch J 1103. - 15 Cochonnerie: Sauerei; Un- 
sauberkeit. - 26Marepacificum: friedliches Meer ; der von Magel- 
haes so genannte »Stille Ozean«. - 33 wogedonnernden Meeres: 
Zitat aus »Ilias«, 2, 209, in der Ubersetzung des Grafen zu Stol- 
berg (Ges. Werke, n f 52; 1820), bei dem es heiBt: »rauschend 
wie das Wasser des wogendonnernden Meeres«. - 3$ Aktaon: 
Vgl. zu 674, 37. - 38 Senatuspopulusque Romanus: SenatundV oik 
von Rom; abgekiirzt S.P.Q.R. Beriihmte Formel auf Feld- 
zeichen, Gebauden usw., die ausdriickte, daB der rom. Staat auf 
demZusammenwirkenvon SenatundVolk beruhte.S.auch774,3 . 

685 8 Medea: legendare Konigstochter aus Kolchis, die Jason zum 
Goldenen VlieB verhalf und, von ihm verstoBen, ihre Kinder 
totete. - 12 drolligen Einfall: Dazu vgl. oben S. 321. - 18 Tri- 
ptolemtts: Geliebter der Ceres und ihrer griech. Schwester De- 
meter - igff. gleich beim Eingange . . . Heiligtum der Ceres genannt: 
Vgl. 669, 11.-24 wenn die Gotter ankommen: Als »G6tter der 
Erde« bezeichnet Lichtenberg J 11 50. 1227 die Konige; oder 
denkt er an die Verleger und Buchhandler als die Hauptpersonen 
der Leipziger Messe? Im ubrigen vgl. ZU137, 13. -30 Odipus mit 
seiner Jacosta: nach der Sage ein griech. Konigssohn, dem geweis- 
sagt wurde, er werde seinen Vater erschlagen und seine Mutter 
Jocasta heiraten. 

686 $f. Odipus des Lee: Nathanael Lee schuf 1679 zusammen mit 
Dryden die Tragodie »Odipus«. Ober Lee, der auch 910, 9 er- 



336 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

wahnt wird, vgl. zu B 368. - 10 Oedipus undjocasta: »wenn es 
ein Ungliick gibt : so sage ich der ganzen Welt im Intelligenz- 
Blatt, und zwar in lauter Kapitalchen, wie S. 82 die Worter 
Oedipus undjocasta: der Herr Hofrat Eschenburg zu Braunschweig 
ist an allem schuld% schreibt Lichtenberg an denselben (IV, Nr. 
656, S. 878) am 29. Mai 1794. - 13 immer mit Absicht wegwirft: 
Zu dieser Wendung vgl. zu 281, 2f. - 30 Alexanders Helm: Vgl. 
zu 672, 26. -35 damn ye: seid verdammt! Lichtenberg reflektiert 
iiber diese >Fluchpartikel< TB 30. - 36 Ara: Vgl. zu 676, 18. 

687 4 Favoritkatzchen: Zu dieser Wortpragung vgl. zu 594, 33 £ - 
12 Mutwillen: Dazu vgl. oben S. 322. - 14ES betrifft . . . eine kleine 
Insel: Auf welches Detail Lichtenberg anspielt, ist nicht ersicht- 
lich, falls er nicht den offenbar gefullten Nachttopf meint. - 
18 Wood zu Littelton: Lebensdaten unbekannt. Das Originalge- 
malde von 1738 verbrannte 1874. -18 26Guineen: Vgl. ZU40, 18. 
- 19 Riepenhausen: VgL 665, 17 und die Anm. dazu. - igf 
Hogarths Kopie . . . nicht umgezeichnet: Dariiber und iiber die 
sich daraus fur die Bildkomposition ergebenden Konsequenzen 
auBert sich Lichtenberg fast wortlich gleich an Eschenburg (IV, 
Nr. 650, S. 869-870) am 12. April 1794. - 32 Bonsens: gesunder 
Menschenverstand. - 32 j, Partial-Hypotheschen: Teil-Vermutun- 
gen. - 34J. auf manchen seiner Blatter Personen ..., die den Degen 
auf der Rechten hdngen haben: zum Beispiel »Weg des Lieder- 
lichen«, Drittes Blatt, und »Marriage a la mode«, Fiinftes Blatt; 
vgl. 859, 21 f. 969, 3 2 if. - 38 f dem zweiten Blatte dieses Heftes: 
Gemeint ist die »Mitternachtsunterhaltung«. »Die Punsch-Ge- 
sellschaft, die vortrefflich geraten ist, ist von Riepenhausen um- 
gezeichnet worden: da ist ein Degen, der sonst auf die Rechte 
gekommen ware«, schreibt Lichtenberg am 12. April 1794 an 
Eschenburg (IV, Nr. 650, S. 870). 

688 3f in seinem Faulen und Fleifiigen, legt ein Kerl . . . die HnkeHand auj 
dieBibel: Gemeint ist das Zehnte Blatt jener Folge; vgl. 1056, 17. 

689 1 Conversation: »Auf 60 bis 70 der besten Abdriicke der Punsch- 
Gesellschaft stent Conuersation statt Conversation. Ob nun 
gleich Hogarth selbst Conuersation setzt, so habe ich es doch 
andern lassen. Also Abdriicke mit dem u sind in dubio besser 
als die mit v«, schreibt Lichtenberg an Eschenburg (IV, Nr. 656, 
S. 879) am 29. Mai 1794. - jf. einem betrachtlichen: von mir 
entsprechend Lichtenberg s Druckfehlerverzeichnis am SchluB 
der Druckvorlage verb, aus: einen betrachtlichen. - p eines der be- 
kanntesten Werke: Ahnlich schreibt Lichtenberg bereits in der 
Erklarung des »G6ttinger Taschen Calenders« fur 1786, S. 152: 
»wohl dasjenige unter Hogarths Werken, das am meisten in 
Deutschland bekannt geworden ist«. Auch Chodowiecki hat es 
iibrigens fur einen Stich zum Vorbild genommen. - jj/. Ge- 
dicht: The Bacchanalians ...: Womoglich ist dieses Gedicht iden- 



DIE PUNSCH-GESELLSCHAFT 337 

tisch mit »The Bacchanalian sessions; or, the contention of 
liquors: with a farewel to wine«, London 1693, von Richard 
Ames. -15 Banks: John Banks (1709-175 1), engl. Schriftsteller 
und Lyriker, wurde durch Pope zum Schreiben ermutigt. - 
22/". e'mige Gruppen durch Wachsfiguren . . . vorgestellt: Ahnlich 
schreibt Lichtenberg bereits in der Erklarung des »G6ttinger 
Taschen Calenders« fiir 1786, S. 152: »die bekannten herumzie- 
henden Wachsfiguren, die einige Gruppen daraus darstellen.« - 
26 ff. Es ist namlich . . . herab zu Steven ;DieserSatz ist wortlich der 
Erklarung im »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1786, S. 153, 
entnommen. - 28 Meisterstuck der Schopfung: Zu diesem Aus- 
druck vgl. ZU286, 2of. -3iff. Gemischter . . . Reprcisentanten: Auch 
diese Passage ist fast wortlich aus der Erklarung im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1786, S. 153, iibernommen. - 36/. Pas- 
quillant ... Spitzbube: AufschluBreich fiir den Versuch Lichten- 
bergs, Hogarth zeitpolitisch aufzubereiten, ist die geanderte 
Wortwahl gegeniiber der Erklarung im »Gottinger Taschen 
Calender« fiir 1786, S. 153, wo es heiBt: »Poetaster, Criticaster, 
Zollbediente oder Spitzbuben.« -36/. Poetaster: Vgl. zu 212, 29. 

690 2J. Gradationen: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 278, 4 - 3/, 
Vigilien: Nachtwachen; in der kathol. Liturgie Vorfeier eines 
Festes und Stundengebet und Messe am Vortage; s. auch 807,5. 
890, 5. - 6ff. Menschen, denen man Messer und Degen ...; Diese 
Wendung notiert Lichtenberg ahnlich K 222. - 1 of, Werken der 
Kunst . . . Eigentliche Karikaturen . , . .* Zu dieser unterscheidenden 
Erorterung vgl. 667, 25 ff. - 28/. die Unzeit . . . nach der richten sich 
- die Menschen: Ober die engl. Essenszeiten iiuBert sich Lichten- 
berg auch 702,26. 714, 34. 761, i5ff. 986, i4ff.; vgl. auch E 
116. 117. 119. -33/- i73S t da dieser Kupferstich erschien: Tatsach- 
lich erschien der Kupferstich wie auch das Gemalde bereits 173 3 . 

691 4/. Folgende Anekdote ... von einem Freunde verbiirgt: Gemeint 
ist Blumenbach, wie aus J 904 hervorgeht, wo diese Anekdote 
notiert ist. Blumenbach befand sich von November 1791 - 
April 1792 in England. - 6f. Der gegenwartige Minister Pitt ;* Willi- 
am Pitt (1759-1806), der Jungere, engl. Premierminister 1783- 
1801 und von 1804 bis zu seinem Tode; vgl. iiber ihn die Anm. 
zu J 904. - p Herzogin von D**; Gemeint ist, wie aus J 904 her- 
vorgeht, die Duchess of Dorset; vgl. iiber sie zu J 904. - 
14 Fox: Ober Charles James Fox vgl. zuE 73. - 14 Sheridan: Ri- 
chard Brinsley Sheridan (175 1 -18 16), engl. Dramatiker und 
Politiker (Staatssekretar im Ministerium Fox). Seine beriihmten 
gesellschaftskritischen Komodien zeichnen sich durch schnei- 
denden Witz aus ; beruhmt auch als polit. Redner ; ubernahm als 
Garricks Nachfolger 1 776 die Leitung des Drury Lane Theatre. - 
17 derbes, schwarzes Hebraisch: Im »G6ttinger Taschen Calen- 
der fiir 1786, S. 153, schrieb Lichtenberg stattdessen: »derbes, 



338 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

schwarzes Schwabacher«. Ober das Hebraische vgl. zu 406, 5 f. - 
1 8 mit Didotischen Bleichern gedruckt: Gemeint sind Lettern aus 
der beriihmten SchriftgieBerei der frz. Buchdruckerfamilie 
Didot; vgl. zu L 197, Im »G6ttingerTaschen Calender* fur 1786, 
S. 153, hatte Lichtenberg stattdessen geschrieben: »unter blasser 
Perlschrift«. Sollte »Bleicher« ein terminus technicus a la Bleich- 
hollander sein, ist er in den einschlagigen Handbuchern nicht 
verzeichnet. - 1 8ff. der Pastor . . . erscheinen: Die Passage ist wort- 
lich aus dem »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1786, S. 153, 
ubernommen. - 22 ff. Es ist nicht unangenehm zu sehett . . .; Es ist 
aufschluBreich, daB Lichtenberg gegeniiber der Kalender-Er- 
klarung 1786, S. 153-154, wesentlich vorsichtiger und gelinder 
Hogarths Portrat eines truiikenen Geistlichen umschreibt. 
Uber Hogarths Darstellung von Theologen auBert sich Lich- 
tenberg grundsatzlich 8 1 2, i2fT. - 29J. Jupiters ♦ .. als Liebhaber 
derEuropa vorgestellt: Vgl, zu 678, 1,-38 wie . . . Dragonerpferde : 
eine Wortbildung mit »Dragoner« z.B. auch F 260: »Dragoner- 
poesie-prose«. 
692 1 1 Pastor Ford: Ober Cornelius (Parson) Ford vgl. zu J 199; vgl. 
auch J 812. - 1 1 Henley: John Henley (1692-175 6), ein zu seiner 
Zeit gefeierter engl. Prediger und Erbauungsschriftsteller, be- 
kannt als »Orator Henley«; hatte 1726 in London eine »Redner- 
schule« errichtet, in der er an den Werktagen Vortrage uber 
Weltweisheit und an den Sonntagen iiber Grundbegrilfe des 
Christentums hielt. Fielding grifFihn 1732 in der Groteske »The 
Pleasures of the Town« und in »Joseph Andrews« (1742) an, 
Pope satirisierte ihnin seiner »Dunciad« (1728). - 13 Lord Chester- 
field: Ober Philip Dormer Stanhope, 4. Earl of Chesterfield, 
der 1728-1732 brit. Gesandter in Den Haag war, vgl. zu D 554. 
Vgl. in diesem Zusammenhang auch J 199. - 14 D.Johnson: 
Uber ihn vgl. zu C 119. - 17 fi mit viel halt man Hans .. .: Diese 
Wendung notiert Lichtenberg K212. - 18 Sir John Hawkins: 
Ober ihn vgl. zu J 199; sein Werk»TheLifeof Samuel Johnson«, 
erstveroffentlicht London 1787, zitiert Lichtenberg auch 701, 
30 f. 846, 5flf. ~2i eine ^4r/w«5acfew^«n:JobstSackmann (1643- 
171 8), Pfarrer in Limmer bei Hannover; seine volkstumlichen 
plattdeutschen Predigten waren weit bekannt und wurden nach 
seinem Tode gedruckt. - 31 fi Think . . . spare: Glaubt nicht, be- 
absichtigte Ahnlichkeiten dort zu fmden; wir geiBeln Laster, 
aber schonen die Person. - 33 ff. BoswelVs Life of Dr. Johnson 
Die hier gemachten Angaben zu Pastor Ford notiert Lichtenberg 
J 812. Ober Boswell vgl. zu KA 200. Lichtenberg zitiert das 
Werkauch 859, 8. 998, 25. - 37 Betbruders: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 76, 29. - 38 f I have . . . impious: »Man hat mir gesagt, er 
ware ein Mann von groBen Anlagen und sehr verschwenderisch 
gewesen; doch horte ich niemals, daB er gottlos gewesen ware.« 



DIE PUNSCH-GESELLSCHAFT 339 

Diese Zeilen zitiert Lichtenberg J 199 nach Hawkins; s. zu 692, 
18. - 40/. Wolf. . . Schafs- odcr Schdferkleid: Diese Wendung geht 
auf Matth. 7, 15 zuriick: »Sehet euch vor den falschen Prophe- 
ten vor, die in Schafskleidern zu Euch kommen, inwendig aber 
sind sie reiCende Wolfe. « S. auch 233, 341". 697, 13. 

693 10 f. Vorsdnger und -Vortrinker a latere: Zu dieser Wendung vgl. 
J 67 und die Anm. dazu; s. auch J. 70. a latere: von der Flanke. - 
14 die doppelte Bischofsmutze : In der Kalender-Erklarung 1786, 
S. 154, gibt Lichtenberg der »dreifachen Crone« eine andere 
Deutung : »denn ob er gleich jetzt alien einschenkt, so ist doch 
eine eminente Anlage im Falle der Noth auch fiir alle zu trin- 
ken, in seinem Gesicht nicht zu verkennen.« - 17 marchand de 
Droit: Rechtsverdreher. - 17 Jus utrumque: beiderlei Recht: 
geistliches (kanonisches) und weltliches (romisches) Recht. - 
23 BuHdans Esel: Vgl. zu 230, 3 6. - 3 1 Lord Northington: Robert 
Henley Lord Northington (1708-1772), engl. Politiker und 
Jurist. - 32 Kettleby: Lebensdaten unbekannt. - 38 Causidicade: 
Diese Satire ist in dem »Dictionary of Anonymous and Pseudo- 
nymous English Literature« von Kennedy, Smith, Johnson, Lon- 
don 1926 ff., nicht aufgefuhrt. 

694 if in . . . Wetzlar einer deutschen Bearbeitung und des Drucks in 
Germanien oderAltona wurdig: Anspielung auf den Sitz des Reichs- 
kammergerichts (Wetzlar) und der kaiserlichen Gerichtsbarkeit 
(Wien) und auf gebrauchliche Druckortangaben in der Zeit der 
Gegenrevolution: fingierte (Germanien) oder unter danischer 
PreBfreiheit (Altona) stehende Druckorte. - 6f hdngt . . . wel- 
ches: Diese Passage ist fast wortlich aus dem »G6ttinger Ta- 
schen Calender« fiir 1786, S. 154, iibernommen. - p Terra firma: 
festes Land. - 12 ff, diese beiden Knoten . . . Medizin und Chirurgie, 
bedeuten: Diese Deutung ist bereits im »G6ttinger Taschen Ca- 
lender fiir 1786, S. 184, gegeben. - 19 Schuflwein: SchoBwein; 
Bedeutung nach Grimms Deutschem Worterbuch unklar: 
»Wein der als abgabe iiberliefert wird(?)« ; Lichtenbergs Annotat 
ist dort nicht vermerkt. - 25 Memento mori: »Denke daran, daB du 
sterben wirst«. Die Quelle des Wortes ist unbekannt. Lichten- 
berg zitiert es auch 882, 10. 938, 10. 1022, 17. - 26 Hicjacet: 
Hier liegt (ruht). - 27 Kokarde: Abzeichen am Hut, im i8Jh. 
noch in Form einer Schleife getragen; s. auch 712, 30. 717, 27. 
755, 26. 954, 29. Im iibrigen vgl. zu E 121. - 28f Kokarden in 
England ... Offzier: Vgl. auch 954, 29 f. - 32 in meinem Vater- 
lande: Gemeint ist Darmstadt; zu dem Bedeutungswandel vgl. 
zu 647, 21 f. -52 Romer-Monate: So hieB der finanzielle Beitrag 
der Reichsstande an den Kaiser, der seit Maximilian I. die Va- 
sallenpflicht der Reichsfiirsten zur Heeresfolge beim Romzug 
zur Kaiserkronung durch den Papst abloste. In Grimms Deut- 
schem Worterbuch, Bd. 8, Sp. 1 100, wird unter >Rockaufschlag< 



340 HOGARTH IS CHE KUPFERSTICHE 

diese Stelle aus Lichtenberg als einziger Beleg mitgeteilt; s. auch 
695, 22. - 34 f. ein durchreisender Englander: Aus Lichtenbergs 
Briefen und Tagebiichern geht nicht hervor, wer gemeint sein 
konnte: Hawkins, Howard? 

695 2J. es studierten liter viele Offiziere: Zu dieser Bemerkimg vgl. zu 
418, 19 fF. - 10 Schmarren pour le merite: ironische Abwandlung 
Lichtenbergs von »Orden pour le merite«, den Friedrich II. 
1740 gestiftet und nur fur Offiziere seiner Armee fur Verdienste 
vor dem Feinde bestimmt hatte. - 11 Schonpflasterchen: Vgl. zu 
679, 6. - 2of. die Flufgottin Cloacina: »die Najade Cloacina« for- 
muliert Lichtenberg in der Kalender-Erklarung »Leben des Lie- 
derlichen«, Drittes Blatt (GTK 1785, S. 139). S. ferner 702, 16. 
831, 10 und in den Briefen (IV, S. 654). - 22J. die Romermonate: 
Vgl. zu 694, 32. - 28 f. Prinzen von Wallis, nachherigen Konig 
Heinrich den V: Heinrich v. (13 87-1 422), seit 141 3 Konig von 
England; als Thronfolger wegen seiner Zugellosigkeit beriich- 
tigt. Vgl. auch das Drama von Shakespeare, 1599 (s, 860, 37)* 
Lichtenberg erwahnt ihn auch 1007, 36.-54 Old Bailey- der be- 
riihrnte Kriminalgerichtshof in London, zwischen Ludgate Hill 
und Newgate Street; s. auch 762, 25 und RA, Seite 640 

696 1 2 The London Journal; Gemeint ist vermutlich die »London 
Gazette«, die zweimal wochentlich seit dem 5. Februar 1666 
erschien: das offizielle Organ der Regierung. - 12 The Crafts- 
man: Zeitschrift, die London 1731-1737 erschien und von Ni- 
cholas Amhurst unter dem Pseudonym Caleb D'Anvers her- 
ausgegeben wurde. Sie war ein Sprachrohr der Opposition ge- 
gen Walpole, geschrieben von Lord Bolingbroke, Mr. Pulteney 
und anderen. Beide Zeitschriften erwahnt auch die Kalender- 
Erklarung 1785, S. 156. - i$f. Zier-Affe ... mit Haarbeutel: Vgl. 
zu 672, 24f. - 16 Solitare: einzeln gefaiker Brillant; s. auch 712, 
19. - 21 f. der so genannte grofle oder doppelte Hieb: Zu dieser Rede- 
wen dung vgl. 211321,26.-31 die Gartmg: Zu diesemBegrirTvgl. 
zu 108 , 7. 

697 4 Endymion: in der Sage ein griech. Schafer auf dem Berge Lat- 
mos, der von Selene-Diana in Schlaf versetzt wurde, damit sie 
ihn ungestort kiissen konne. Als Motiv der Schaferdichtung 
wiederholt behandelt : s. etwa Wielands parodistischeErzahlung 
»Diana und Endymion* (1762). S. auch 773, 10. - 4 Phobe: Bei- 
name der Artemis bzw. Diana (in ihrer Eigenschaft als Mond- 
gottin) ; iiber sie vgl. zu 626, 4.-5 Phbbus: Vgl. zu 409, 27. - 
8f. Nase ... Klarinetten-Stiick: Zu dieser Wendung vgl. 93, 21 
und die Anm. dazu. - 1 3 Wolfim Schajerkleid: Vgl. zu 692, 40 f. - 
17 Sagen der Zeit: Diese Wendung ist J 1224 entlehnt; Lichten- 
berg gebraucht sie auch J 1238 und in einem Brief an Ebell (LB 
III, S. 88) vom 19. Sept. 1793. - 20 die herrlichen Verse Meiboms: 



DIE PUNSCH-GESELLSCHAFT 34I 

Heinrich Meibom (163 8-1700), Prof, der Medizin, Geschichte 
uiid Poesie in Helmstedt. Er wird von Lichtenberg sonst nirgends 
erwahnt. Welchem Werk sie entnommen sind, war nicht fest- 
stellbar. - 2$ff. Somne . . . mori: »Leichter Schlaf, wohl bist du das 
deutlichste Abbild des Todes, dennoch wiinsche ich dich mir 
zum Genossen des Betts. Liebliche Ruh\ ich wiinsche dich her- 
bei, derm wie angenehm ist es, so ohne Leben zu leben, sterben 
ohne den Tod. « Zu dem Bild von Schlaf und Tod vgl. im ubrigen 
zu 80, 31. -30 ausgebrannten Raucherkerzchen: Diesen Vergleich 
notiert Lichtenberg K 245. - 33/. leichter /Men, als beschreiben 
lafit: Tax dieser Formulierung vgl. 330, 20 fT. 

698 2 kiinftigen Ausgabe vom Orbispictus: Aus dieser Bemerkung geht 
nicht eindeutig hervor, ob Lichtenberg an seinen eigenen »Orbis 
pictus« (vgl. S. 3 77 AT.) denkt oder ob das Werk gleichen Titels 
von Comenius (hg. 1658) gemeint ist. - 3ff. Hofleute ... natiir- 
lichen Mcnschen: Auf den Unterschied zwischen kunstlichem 
und natiirlichem Menschen kommt Lichtenberg auch B 138 zu 
sprechen ; s. auch die Anm. dazu. Ober den Hofmann reflektiert 
Lichtenberg auch 703, 13 fF. ; vgl. ferner 957, 18. - 6J. Herzen . . . 
Ziehen . . . mil diesen Polcn: Ober Liebe und Magnetismus vgl. zu 
656, 1 off. - i$f. so geht es gewiJJ nach: Sechs mal sechs istsechs und 
dreipig: Diese Wendung begegnet ahnlich auch in einem Brief 
an Albrecht Ludwig Friedrich Meister (IV, Nr. 565, S. 742), ge- 
schrieben nach dem 15. September 1788. S. auch 699, 8. - 
27 Justitiarium adpacem: Friedensrichter (Akk). - 29 Buchbinder, 
namens Chandler: Richard Chandler (gest. 1744), engl. Drucker 
und Buchhandler in London. 

699 6f. konnte es wohl die Philosophie sein: Die Vermutung aufiert 
Lichtenberg auch in der Kalender-Erklarung 1786, S. 155, wo er 
sie »unter der Figur eines franzosischen Hof-Atheisten« praten- 
diert. - 8f. sechs mal sechs ist sechs und dreiflig: Vgl. zu 698, 15. - 
20 ff, Es waren zweijuden ...; Dieser Exkurs, den die Kalender- 
Erklarung von 1786 nicht enthalt, ist ein Beispiel Lichtenbergi- 
scher Beobachtungskunst und seines - Antisemititsmus ; vgl. zu 
366, 23 f. 

700 1 Deltoides: Oberarmmuskeln. -3 Ratifikationszeichen: Zu dieser 
Wortbildung vgl. zu 672, 21. - 21 Protest: - offend. Beurkun- 
dung einer vergeblichen Presentation eines Wechsels zur An- 
nahme oder Zahlung. Lichtenberg gebraucht den Begriff auch 
750, 1. 825, 17. 895, 2. - 23 res integral unberuhrte Sache. - 26 
s'tnd wir nicht allzumal arme Siinder: »Denn es ist hier kein Unter- 
schied: sie sind allzumal Siiuder«, heiBt es im Romerbrief 3, 
23 . - 32 adpias caussas: zu frommen Zwecken. - 33 Piket: friiher 
kleine Abteilung meist berittener Soldaten. - 57 f. die Stelle t 
wo ...: Zu dieser Wendung vgl, zu 528, 6. 

70 1 iff. liederlicher Gestus, den Arm, so ... hoch einzuknicken : Zu d iese n 1 



342 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

Gestus vgl. 376, 11 £ - 4 schwanzelt: Vgl. zu 669, 12. - qff. 
manche Leute . . . mit dem Schwanze greifen: Diese Wendung no- 
tiert Lichtenberg K 221. - 22 Freeman's Best: S. audi C 96; in 
der engl. Kulturgeschichte gibt es mehrere namhafte Trager des 
Namens Freemann, von denen aber wohl niemand fur eine An- 
spielung in Frage kommt. - 23 Freemanni Optimum subter So- 
lem: Diese Formulierung gebraucht Lichtenberg bereits in der 
Erklarung des »G6ttinger Taschen Calenders« fiir 1786, S. 157. 
Optimum subter Solem: Das Beste unter der Sonne. - 2$f. Motto 
des Wappens: Summum bonum freigeborner Briten: Die Erklarung 
des »G6ttinger Taschen Calenders« fiir 1786, S. 157, sagt es deut- 
licher: »da aber Hogarth gewohnlich mit einer Klappe zwei 
oder mehr Fliegen schlagt, so konnte es gar wohl zugleich eine 
kleine Parentation auf den iibel balancirten Officier seyn, vor 
dessen Platz der Zettul liegt, und da hieBe es denn : bestes Praroga- 
tiv freigeborner Britten.« -26 Summum bonum: Vgl. zu 577, 31. - 
28 Tabaksrauchen: Uber das Rauchen reflektiert Lichtenberg 
auch H135. K101. no. - 3 off. Johnson machte ... die wichtige 
Bemerkung: Diese Bemerkung ist J 254 entlehnt; s. auch 720, 
S$. -31 Hawkins in dessen Leben meldet: Das Zitat ist zuj254ge- 
nauer nachgewiesen; iiber Hawkins vgl. zu J 199 ; s. auch zu 692, 
18. - 32 Selbstmord: Zu Lichtenbergs eigener Affmitat und Re- 
flexion dazu vgl. zu A 126. 

702 1 Wurfelszene ...; Gemeint ist S. 8841!. - 5 drolligen Zug: Dazu 
vgl. oben S. 321. - 10 konvexen ... konkaven: nach aufien ge- 
wolbt; nach innen gekrummt. - 1 if. Sonnenlicht aus der zweiten 
Hand: Diese Wendung ist J 330 entlehnt. - i6Cloacinens Urne: 
Diesen Ausdruck gebraucht Lichtenberg schon in der Kalen- 
der-Erklarung fiir 1786, S. 157; im iibrigen vgl. zu 695, 20 f. - 
26 Unzeit: Vgl. zu 690, 28 f. 

703 1 Vier Tags-Zeiten: Dieses im 1 8. Jahrhundert vor allem in der 
Folge der Jahreszeiten ungemein beliebte Thema der Malerei, 
Musik und Dichtung wird von Lichtenberg auch in der Erkla- 
rung der Monatskupfer jeweils aus der Sicht des Landmanns, 
Stadters und der feinen Welt im »G6ttinger Taschen Calender* 
fiir 1797, S. 211-218, behandelt. - gf. seiner Aujerstehung entge- 
gen schlaft: Diese Wendung gebraucht Lichtenberg auch 823, 
I9f.; s. ferner G 191. - 11 Coventgarden: Vgl. zu 337, 19. - i4f. 
Nachtigallenfanger mit ... Hoflings-Gcsichtem: Tax Lichtenbergs 
negativem Urteil iiber den Hofling vgl. 698, 3 fF. - 29 imjahr 
1738: Das ist dasjahr, in dem die Kupferstichfolge »Four times 
of the day« erschien; s. auch 704, 24. 712, 26. - 30 Londonschen 
Fufibdnken: FuBbanke dienten seinerzeit dazu, die noch unbe- 
festigten StraBen trockenen FuBes zu iiberqueren. - 32 wie ge- 
wohnlich, die Fufigangerinnen schon: Uber die Schonheit des engl. 
Frauenzimmers auBert sich Lichtenberg auch TB 1 (S. 604) und 



DIK VIER TAGS-ZEITEN 343 

an Dieterich (IV, Nr. 104, S. 229) am 4. Februar 1775; s. ferner 
811, 33 £ 855, 8- 

704 3 Betschwesterei: Zu diesem. Ausdruck vgl. zu 452, 36. - 23J. im 
Jahre 1738: Vgl. zu 703, 29. - 24ff. eine Mamsell, die jetzt noch 
scheinen will ...; Dazu vgl. die Formulierung J 1133. - 26 Schon- 
pfldsterchen (mouches): Vgl. zu 679, 6. - 27 f. Wie Miicken um eine 
Lichtflamme: Dasselbe Bild gebraucht Lichtenberg auch 890, i6f. 

705 1 Zierlcichetn: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 663, 10. - 7/. Flag 
der Wimpel: Gemeint sind die Schleiertiicher am Hut. - 20 Zie- 
rereien: Vgl. zu 663, 10. - 24/. Cagliostro, fiinfhundert Jahre lebte: 
Alessandro Graf von Cagliostro, eigentlich Josef Balsamo 
(1743-26. 8. 1795), sizilianischer Bauernsohn, seinerzeit be- 
ruhmt-beruchtigter Abenteurer, Alchimist und Spiritist; als 
Ketzer in Rom zu lebenslangl. Haft verurteilt, starb er im Ge- 
f angnis. Lichtenberg schopft seine Kenntnis, wie aus dem - sehr 
negativen - Artikel »Cagliostro« im »G6ttinger Taschen Calen- 
der fiir 1792, S. 171-175, hervorgeht, aus dessen Rom 1791 
erschienener Lebensbeschreibung. Er schreibt ebenda, daB 
Cagliostro »eigentlich verdient hatte, die vier bis fiinfhundert 
Jahre, die er hochstens noch zu leben hat, auf der verworfensten 
Galeere zuzubringen«. - 26 Recomrnendations-Gesicht: >Recom- 
mendationo Empfehlung; zu dieser Wortbildung vgl. zu 371, 
26. - 32 Les beaux esprits se rencontrent: »Die schonen Geister 
begegnen sich,« Uber »Bel Esprit« vgl. zu 273, 26. Die Her- 
kunft des Zitats ist mir nicht bekannt. - 35 ff. Nichols nennt sie 
sogar ...; Diese Worte kann ich bei Nichols nicht finden. - 
38 vestalischen: von Vesta, der rom. Gottin des Herdfeuers; 
Vestalinnen hieBen die jungfraulichen Priesterinnen des Ve- 
statempels, in dem sich das »ewige Feuer« des Staatsherdes 
befand. 

706 1 Huttenkatze: chronische Bleivergiftung. - 6 Tom Kings 
Kaffeehaus: seinerzeit beru chtigter TrefFpunkt am Coventgarden 
in London, der 1739 gerichtlich geschlossen wurde. - 7 Reso- 
nanzbbden: Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch L 596; 
von »Resonanz-Nase« redet er 753, 7. - 8f. Reprochen-Gemur- 
mel: reproche: Vorwurf. - gf. Gardinen-Predigten: Eine abge- 
wandelte Formulierung begegnet 786, 30. - 23 Matronelle: altes 
Damchen. - 30 j. Fielding, wo er die Mutter ... schildert ...: »Ich 
wiirde versuchen, ihr Portrat zu entwerfen, wenn das nicht be- 
reits von einem geschickteren Meister, vom grofien Hogarth 
selbst, geschehen ware, dem sie vor mehreren Jahren Modell 
saB. Kiirzlich nun hat sie dieser Herr auf einem Stich vorgestellt, 
betitelt »Wintermorgen«, fiir den sie kein iibles Sinnbild ist, und 
man kann sie da sehen, wie sie zur Covent Garden-Kirche 
schreitet (denn sie schreitet im Stich) mit einem ausgehungerten 
Bedienten hinter sich, der ihr Gebetbuch tragt«, schreibt Fielding 



344 HOGARTHISCHE KUrFERSTICHE 

in »Tom Jones«, Erstes Buch, Elftes Kapitel (S. 5° der Hanser- 
Ausgabe) von MiB Bridget; vgl. auch F 85. Uber Fielding vgl. 
zu A 99, - 36 f Auch der Hofmeister ... kommt im Hogarth vor: 
Vgl. 778, 26 ff. und die Anm. dazu. 

707 if arme Teufel: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 214, 3 1. - 3 donatio 
inter vivos: Schenkung zwischen Lebenden. - 5/. in Hnea recta 
descendente: Vgl. zu 369, 4f. Lichtenberg gebraucht den lat. 
Ausdruck auch J 1 165. - 61m Taschenkalender . . . gesagt: Gemeint 
ist der »G6ttinger Taschen Calender« fiir 1790* S.180 oben. - 
7 einemgesetztenEnglander: Aus Lichtenbergs Briefen und Tage- 
biichern geht nicht hervor, wer gemeint sein konnte; 1789/90 
war Howard in Gottingen. - 1 7ff. St. Paul's Coventgarden: Diese 
Kirche, errichtet von Inigo Jones (1 573-1652), brannte 1797 
ab. - 18 nicht mit der bekannten verwechseln: St. Paul's Cathedral; 
uber diese Kirche vgl. zu 193, 2. - 20 Tom King's Kaffee-Haus: 
Vgl. zu 706, 6. - 23 Architrav: Querbalken antiker Tempel. - 
32J. Doppelmayrsche Himmels- Atlas: Uber Doppelmayr und 
seinen »Atlas coelestis« vgl. zu B 195 ; auf die Gesichtsbildungen 
darin kommt Lichtenberg auch B 419 und im Materialheft I, 
Nr. 174, zu sprechen. - 37 Lowes beriihmtes Hotel: Nahere An- 
gaben konnten nicht ermittelt werden. - 40 Irelands Werk: Vgl. 
666, 28 und die Anm, dazu. 

708 if. herrlicher Prospektfur den satyrischen Kunstler: Vgl. zu 542, 1 7 f. 
- 6f ihre Bedtenten taugen ...: Ober Lichtenbergs Beobachtun- 
gen von Dienstpersonal vgl. 385, 20. - lof diese Blatter erschie- 
nen ... 1738: Vgl. 703, 29. - 13 Newgate: beruhmt-beruchtigtes 
Strafgefangnis in London; Lichtenberg erwahnt es auch 741, 2. 
1008, 26. 1058, 1 ; im ubrigen vgl. B 399 und die Anm. dazu. - 
13 cavieren: Burgschaft leisten, haften. - 36f etwas sehr Drolliges: 
Dazu vgl. oben S. 321. 

709 1 Minervens Vogel: Minerva, altital. Gottin, die Beschiitzerin des 
Handwerks und der gewerblichen Kunstfertigkeit; spater, 
gleichgesetzt mit Athene, Gottin der Weisheit; ihr Attribut: 
die Eule. - 2 wie Spencers Harfe: Gemeint ist die folgende Stelle 
aus den »Ruins of time«, 604. 610-613, von Edmund Spenser: 
»Er sah Orpheus Harfe nach dem Himmel steigen, und horte 
in diesem Fluge die Saiten von dem Winde geruhrt himmlische 
Tone verbreiten«, wie Lichtenberg in dem Artikel »Von der 
Aeolus-Harfe« (GTK 1792, S. 137-138) ubersetzt, wo er auch 
die engl. Verse zitiert. Vgl. auch J 672; uber Edmund Spenser 
vgl. zu J 352. - 3 Vortrab: Lichtenbergs Eindeutschung von: 
Avantgarde; s. auch 712, 31. Nachtrab bildet er 465, 24. - 7/. 
Bortenhut: Vgl. zu 351, 31. - 13 nasales: Nasallaute. - 22 der be- 
riichtigte Franzosen-Doktor Rock: Lebensdaten unbekannt. - 
2gf Beijeder Gelegenheit empfiehlt er ihn der - Nachwelt: S. etwa 
799* 33. - 37 Creeping ... school: Das Zitat ist »As you like it«, 



DIE VIER TAGS-ZEITEN 345 

H> 7» 139 entnommen; Lichtenberg hat es iibrigens aus Ireland, 
o.c. I, p. 137, entlehnt. Uber Shakespeare vgl. zu A 74. 

710 4 Sic transit gloria mundi: »So vergcht die Herrlichkeit der Welt«; 
Zitat nach Patricius »Ritus ecclesiasticorum SS. Romanae Ec- 
clesiae«, Venedig 1516: Mahnung an den neugewahlten Papst 
unter Verbrennung eines Biindels Werg. - 7 Topmast ... mit 
den Wimpeln: Vgl. 705, jff. - gf. Cowper's poems ... Beschreibung 
der alien Jung fer: William Cowper (1731-1800, gest. in geistiger 
Umnachtung), engl. Dichter; trotz seiner niichternen Lehrhaf- 
tigkeit ein Wegbereiter der Romantik. - 12 einige Zilge daraus 
beniitzt: Die Ausgabe, London 1782, war mir nicht zuganglich. - 
12 f. die Butlerische hekannte Versart: In seinem satirischen Epos 
»Hudibras«, an das Lichtenberg hier doch wohl denkt, verwen- 
det Samuel Butler Knittel verse. Uber ihn vgl. zu B 49. Zur 
Sache vgl. 661, 24. - 13 Verfasser des Bath guide: Christopher 
Anstey, Verfasser der Verssatire »The New Bath Guide«, er- 
schiencn 1766; uber Anstey vgl. zu B, S. 45 (I). - 18 St. Giles*: 
Uber dieses Londoner Vierte] vgl. zu 333, 21. - 23 religiosen 
Sturm: Gemeint sind die Verfolgungen franz. Hugenotten. - 
31 f. einen abgesagtem Feind ... Frankreich nie gehabt: Uber Ho- 
garths Gallophobie vgl. zu 672, 24. 

711 1 Lutetia minor: Klein-Paris; im iibrigen vgl. zu 437, 20. - 21 
Tanzmeistern: Diesen Typus von Franzosen stellt Hogarth auch 
im »Leben des Liederlichen« (s. S. 838-39) dar. - 22 reich galo- 
nierten Kleide: mit Gold- oder Silbertressen bestickt. - 23 
Schabrackenpracht: Schabracke: verzierte Satteldecke. - 25 A-fe- 
nuet-Pas: Tanzschritt im 3/4-Takt. - 33 ff. mit diesen Fingern die 
Worte ...feiner spinnen: Diese Wendung notiert Lichtenberg 
ahnlich schon im Materialheft I, Nr. 95 zu »Orbis pictus«. 

712 14 Das Kleid vertragt sich mitjeder Taille: Von kaschierten Sch wan- 
gerschaften ist auch 717, 2 die Rede. - 19 Haarbeutel: Vgl. zu 
672, 241". - 19 Solitaire: Vgl. zu 696, 16. - 23 Heroum filii ne- 
quam: »Der Helden Sonne taugen nichts«. Die Herkunft des 
Zilats ist nicht bekannt; im »Oxford Book of Quotations« als 
sprichwortliche griech. Redewendung zitiert. - 24 Silberblick: 
im Hiittcnwerk beim Silberschmelzen der mit Erstarrung des 
Silbers hervorbrechende Glanz desselben (Heyne); s, auch 829, 
35. - 26 die Moden von 1738: Vgl. zu 703, 29. - 30 dreifarbigen 
Gleichheits-Kokarden: »Dreifarbige Kokarden« erwahnt Lichten- 
berg auch L 480; zu »Kokarde« vgl. zu 694, 27; zu »Gleichheit« 
vgl. zu 492, 8f. - 31 Vortrab: Vgl. zu 709, 3.-38 Salbung: Vgl. 
553, 30. 

713 if. die Flut ... zuruckwedeln: Diese Wendung begegnet auch 
C 334, D 533, E 25 7. 387, F 2. 8 60. -3 Versteinerung: Zu diesem 
Ausdruck vgl. zu 155, 29. - 5 Domine: Stiftsvorsteher. - $f 
Kopfhdngerin: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 282, 27f. - 13/. See- 



34<5 HOGARTHISCIIE KUPFERSTICHK 

ten ... ineinander geflossen: Diese Wendung begegnet ahnlich 
auch 814, 22 f. - 29 in corpore: insgesamt. -54 englisch-melancho- 
lische Schwarmer: Ober die Methodisten vgl. zu 193, 21 f.; zu 
»Sch warmers vgl. zu 252, 4. - 54 Tabernakel: methodistisches 
Bethaus. 

714 i6f. In London ... ehcmals die nteisten Hduser Schilder: Vgl. auch 
1048, 8fT. - ip Traiteur: Stadtkoch. - 33f nach wahrer Zeit spei- 
set: Dazu vgl. zu 690, 28 f. 

715 16f. armen Teufeh: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 214, 31. - iyf 
aus einem Gemalde von Poussin genommen: Nicolas Poussin (1594 
bis 1665), franz. Maler; wichtigster Vertreter des klassischen 
Figurenbildes und heroischer Landschaften im 17. Jh. Dasheute 
in der Sammlung Cook, Richmond, befmdliche Gemalde 
»Raub der Sabinerinnen« entstand ca. 1637/39. Lichtenberg er- 
wahnt Poussin auch in dem Kalender-Artikel »Der H arz« (GTK 
1780, S. 107), - 18 f Sammlung des Herrn Hoare zu Stourhead: 
Gemeint ist wohl Sir Richard Colt Hoare (1758-1838), engl. 
Kunsthistoriker und Kunstmaler, mit beriihmter Bibliothek und 
Sammlung, oder Henry Hoare (i705-i78s),Bankier und Kunst- 
liebhaber. - 23platonischen Geflilster: Zu dieser Wendung vgl. zu 
510, 34. - 27 Hogarths Schalkheit: Zu diesem Ausdruck vgl. 
oben S. 322. - 31 Hoglcme: Vgl. 710, 18. 

716 3 Islington: heute Stadtteil Londons. - 5 Sadlers Wells: Eine von 
einem gewissen Sadler 1683 im Norden Londons eingerichtete 
Brunnenkuranstalt, wo nachmals Konzerte und andere Unter- 
haltungen stattfanden; 1765 wurde dort auch ein Theater er- 
orfnet. - 8Leiter-Tanz: Davon berichtet Lichtenberg RA 9. 134. 
- 1 of. gesehen zu werden . . . sehen : Zu dieser Wendung vgl. auch 
787, 15. - 12 Galakleid: Zu dieser Wortbildung vgl. zu 223, 15 ; 
s. auch 8 63, 23. 881, 5. -14 Komplimentenwelt: Tax dieser Wort- 
bildung vgl. zu B201. - t6f. Zuruckcrinnerung an die ivenigen 
Sommer-Abende: Im GTK 1790, S. 189, schreibt Lichtenberg 
konkreter: »Obgleich der Erklarer dieser Blatter nur etwa drey 
Abende an diesem Ort zugebracht hat, so glaubte er sich den- 
noch wie zu Hause, als er diesen Kupferstich zum erstenmahl 
erblickte: er scheint ihm daher auch in einer Camera obscura 
gezeichnet.« Lichtenberg notiert Besuche ebenda in RA 9. 37. 
134; s. auch 721, 24. - 21 Blaufirber: Beim Blaufarben ver- 
wandte man fruher Waid, bzw. ostindischen Indigo; die Stoff- 
bahn erhielt erst beim Aufhangen an der Luft den blauen Ton. - 
23 unsere ersten Eltern: Adam und Eva. - 29 Hogarth . . - seltsamen 
Einfall: Dazu vgl. oben S. 322. 

717 if. Gorge & la Montgolfiere: Briiste wie ein Luftballon; uber die 
Briider Montgolfier und ihre Erfindung des HeiBluftballons vgl. 
65, 5. »Taille a la Montgolfier« schreibt Lichtenberg GTK 1785, 
Weg des Liederlichen, 7. Blatt, S. 158. Zu der kaschierten 



DIE VIER TAGS-ZEITEN 347 

Schwangerschaft vgl. 712, 14. - 3/. Shakespeare lafit ... einen 
Fruhlings-Morgen ...; Gemeint sind die Zeilen: »I must go seek 
some dewdrops here, / And hang a pearl in every cowslip's ear« 
aus »A Midsummer Night's Dream«, I, 2. 14. - 8 redressieren: 
zurechtrucken. Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch IV, 
143, 24. - 13 Bortenhut: Vgl. zu 351, 31. - 16 Venus und Adonis 
mit dem Amor: Ober Venus vgl. zu 362, 15; iiber Adonis zu 
535, 16. Amor: der Sohn der Venus und Gott der Liebe. - 17 j. 
City-Amor: Zu dieser Wortbildung vgl. 674, 37. - 2j Kokarde 
aufdem Hut: Vgl. zu 694, 27. -32 Sakrament der roten Halsbinde: 
Diese Wendung gebraucht Lichtenberg auch J 716 und schon 
in eiiiem Brief an Friedrich August Lichtenberg (IV, Nr. 442, 
S. 553) vom 8. Marz 1784. Das Land, in dem Neugeborene 
schon zum Militar eingezogen werden, ist PreuBen. - 35 Eiter 
a la Montgolfiere : Vgl. zu 717, if. Eiter: mundartlich £iir Euter: 
s. Sudhess. Worterbuch, Bd. II, Sp. 303, Marburg 1972. - 3$ 
Diese Kuh teilt ... ihre Kopfzierde: Auf diese Bildidee Hogarths 
kommt Lichtenberg in eiiiem Brief an Eschenburg (IV, Nr. 494, 
S. 639) vom I3.juni 1785 zu sprechen; vgl. auch 972, 20 f. 
1034, 10. 

718 14 Aushange-Schild: Vgl. zu 679,32. - 16 Hugh Middleton: 
Myddelton (1560?-! 631) ;erist iibrigens nicht geadelt worden. - 
21 20 englischen Meilen: iengl.Meilebetragt500oFuB: 1524 m.- 
23 Betze: das junge mannliche Schwein, bis es zum Eber wird; 
wird im Hessischen aber auch fiir Hundin und andere Tiere ver- 
wendet (s. Sudhess. Worterbuch, Bd. I, Sp. 752). S. auch 878, 7. 

719 J renoviert und renofiert: Ahnlich schreibt Lichtenberg (IV, Nr. 
494, S. 639) vom »renofadum« der deutschen WeiBbinder; s. 
auch 720, 19. - 6 wahrhaft deutsches Pantheon: vermutlich paro- 
distische Variante auf den zeitgenossischen Vorschlag, ein 
»Pantheon der Deutschen« zu schaffen; vgl. K 269 und die Anm. 
dazu. Zu Pantheon vgl. zu 675, 17. - 12/. Es gibt wenig Men- 
schen ...: Dieser Satz findet sich wortlich in K 1 3 8. - 14 Leibniz: 
Ober ihn vgl. zu A 9. - i4Konige von Preufien: Ober Friedrich II. 
vgl. zu KA 140. - 23/. Lilie . . . franzosische: die bourbonische 
Lilie, das Wappenbild der Konige von Frankreich; in der Zeit 
der Franz. Revolution polit. Abzeichen der royalistischen Par- 
tei. - 35 des letzten Herzogs von Orleans: Ludwig Philipp Joseph 
(1747-1793), Herzog von Orleans, in der Franz. Revolution 
Mitglied der Jakobiner (Philipp Egalite), stimmte im Konvent 
fiir den Tod Konig LudwigsXVL, wurde dann aber selbst 
guillotiniert. Lichtenberg erwahnt ihn auch 740, 34. - 36 Orden 
des heil. Geistes: der >Orden vom Heiligen Geist<, von Konig 
Heinrichlll. von Frankreich 1578 als hochster Orden mit nur 
einer Klasse gestiftet: der erste nichtgeistliche Ritterorden, des- 
sen Abzeichen ein Kreuz war. 



348 HOGAKTH1SCHE KUPFERSTICH U 

720 1 deutschen Howard ...Jut die Wirtshduser: Dieser Gedanke ist 
J 316 entlehnt; uber William Howard vgl. die Anm. dazu; s. 
auch J 327. -3 deutschen Pantheon: Vgl. zu 71 9> 6- - 5 deutsche 
Gesellschaft: Vgl. zu 213, 1 f. - 5 uberhaupt andere Denkmaler ... 
alspapierne: »Denkmaler aus papierinaehe«, fonnulicrt Lichten- 
berg J 274; zum Gedanken vgl. auch F 578. - Ji Kleinhandel 
dutch Stadt-Frau Basen: Zu diesem Gedanken vgl. zu 182, 14. - 
12 ff. die ewigen Denkmaler, die sich unsre Landsleute ... erbaut: 
Gemeint sind Joharm Hieronymus Schrbter (vgl. zu J 1884), 
Wilhelm Herschel (vgl. zu J 259) und Nicolaus Copernicus 
(vgl. zu H 148). - 15J. papieme Attest ate: von »papiernen 
Assignaten« spricht Lichtenberg in den Briefen (IV, S. 843) ; 
s. auch 732, 20. - 1 6f. Alexander . . . wiejeder andere Strqfienrauber: 
Uber Alexander den Gr often vgl. zu KA 140; Lichtenberg 
rechnet ihn auch 462, 20 den StraBenraubern zu. - 18 Testimo- 
nium: Urkunde, Zeugnis. - 18 Kasebier-Historien: Ober den 
StraBenrauber Kasebier vgl. zu 222, 14. - Jp renoviert und reno- 
fiert: Vgl. zu 719, 1. - 25 Dinge latent sind: Zu diesem BegrifF 
vgl. zu J 1291. - 33 j. Dr. Johnsons Mittel wider den Selbstmord: 
Vgl. 701, 3 off. und die Anm. dazu. - 35 Rauch-Stadt: i.e. Lon- 
don ; im »G6ttinger Taschen Calender« fur 1797, S. 157, inner- 
halb der Miszelle »Vom Feuer« schreibt Lichtenberg: »Noch 
immer besteht die Wolke, die uber London schwebt, aus 
Tausenden von SchefFeln von Steinkohlen, die die Ungeschick- 
lichkeit da hinauf wegwirft, ohne den mindesten Gewinn, als 
etwa den, die Sonne zu verfinstern und die Ha user mit RuB zu 
bepudern.« 

721 gff. Dafi doch diese Menschenklasse . . .: Die schlechten Erfahrun- 
gen, die Lichtenberg selbst mit der Neugier und Klatschsucht 
der Waschweiber gemacht hat, schildert er in einem Brief an 
Kaltenhofer (IV, Nr. 48, S.101-102) vom 12. November 1772 
aus Osnabriick; s. auch 720, 11.-13/. bis aufden einzigen Trus- 
ter: Truslers Abhandlung war mir nicht zuganglich. - iSf. Bei 
den Engldndern . . . Hufeisen, ein Pferdeschuh: horse-shoe. -21 eine 
gewisse im Deutschen sehrgemeine Redensart: »Sie hat ein Hufeisen 
verloren« besagt, ein Made hen hat ein uneheliches Kind gebb- 
ren. - 24 Sadler $ Wells: Vgl. 716, 16. 

722 6 lukubriert: lukubrieren: bei Nacht (Licht) - geistig - arbeiten; 
Lichtenberg gebraucht den Ausdruck auch in den Briefen (IV, 
S. 937). - J 2/ Bourseault, wenn er seiner Babet ...; Edme Bour- 
seault (1638-1701), frz. Dichter, bekannt durch seine literari- 
schen Fehden mit Moliere und Boileau; in seinen »Lettres de 
respect, d'obligation et d*amour« (Paris 1666) befinden sich die 
fur die Geschichte der frz. Briefliteratur und des psychologischen 
Romans bedeutenden »Lettres a Babet«. Lichtenberg erwahnt 
sie auch in einem Brief an Blumenbach (IV, Nr. 525, S. 687) vom 



DIE VIER TAGS-ZEITEN 349 

12. Nov. 1786. - 16 2Qten Mai: Oak Apple Day, wird noch 
heute zur Erinnerung an den Gebuitstag Karls II. von den Vete- 
ranen des von ihm gegriindeten Royal Hospital gefeiert. Karl II. 
gelangte durch die Restauration von 1660 auf den engl. Thron. 
OberKarl II. vgl. zu D 647. - 21 beruhmten Karls-Eiche: Nach der 
von Cromwell gewonnenen Schlacht von Worcester (165 1) ver- 
steckte sich Karl II. in einer Eiche vor seinen Verfolgern und 
rettete sich so. - 22 unter den Sternen: »Manchem unserer Leser 
wird es nicht unangenehm seyn hier zu erfahren, daB Halley 
eben diesen Schild am Himmel aufgehangt hat. Auch da giebt 
es unter den Sternen eine Carls-Eiche (Robur Carolinum), die 
auf englischen Sterncharten auch sehr gut gedeiht. Indessen aber 
haben franzosische Reuter den englischen Konig darin entdeckt, 
und die Eiche auf die Seite geschoben, wo sie aber auf dem Fel- 
sen, auf welchen sie sie verpflanzt haben, auch selbst in Frank- 
reich fortkommt.« So schreibt Lichtenberg in der Hogarth-Er- 
klarung »Die Parlaments-Wahl. Zweyte Scene« im »G6ttinger 
Taschen Calender« fiir 1788, S. 143, und fahrt in einer FuBnote 
ebenda fort: »de la Caille gab nemlich dem Sternbilde des 
Schiffes [gemeint ist Argo] die Sterne wieder, die Halley dem- 
selben fiir die Carls Eiche geraubt haben soil. Aber aus Respect 
gegen diesen Konig sowohl, als den groBen Astronomen, be- 
hielt er die Eiche bey, verpflanzte sie aber auf den Felsen an wel- 
chem das Schiff vor Anker liegt.« - 34/. Ireland ist hier sehr rich- 
tig: »a man with a pipe in his mouth is filling a capacious hogs- 
head with British Burgundy*, heiBt es bei Ireland, o. c. I, p. 1 54. - 
59 man kennt den Schalk: 2a\ diesem Ausdruck vgl. oben S. 322. - 
41 J. Von dieser Eiche ...an einem andern Orte ... mehrgesagt: Ge- 
meint ist Hogarths Gemalde- bzw. Kupferstichfolge »Die 
Wahl«, Zweites Blatt, zu deren Ausfuhrlicher Erklarung Lich- 
tenberg nicht mehr gelangt ist. Im »G6ttinger Taschen Calen- 
der* fiir 1788, S. 142-143, hatte er bei Erklarung dieses Blattes 
folgendes ausgefuhrt: »Neben dieser Annonce sieht man das 
Schild des Hauses, die Konigs-Eiche, nemlich Konig Carl II. in 
der bekannten Eiche, mit drey Cronen, England, Schottland und 
Irland um sich, und unten, einigen Reutern, die ihn suchen. 
Nicht ohne Lacheln hat der Erklarer dieser Blatter, ofters diese 
Wirthshauszierde, die in England sehr gemein ist, ansehen kon- 
nen. Konig Carls Kopf wird nemlich gemeiniglich in der Mitte 
des Busches einer Eiche gezeichnet, und zwar in einem solchen 
VerhaltniB zu dem Busch selbst, daB man, ohne sich Gewalt 
oder den Periicken ein Leid anzuthun, ganz fiiglich die Eiche 
fiir die Periicke Carls des Zweyten halten kann.« 
723 1 die Gegend von Charing-Cross: zwischen dem westl. Ende von 
The Strand und dem nordl. Ende von Whitehall in der City 
von Westminster, heute eins der wichtigsten Verkehrszentren 



350 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

Londons. - 2f. Bildsaule ... Karls L: Vgl. auch RAi. Ober 
Charles I. vgl. zu KA163. Das Reiterstandbild von Hubert Le 
Sueur wurde 1675 an der Spitze von Whitehall errichtet. - $ff. 
Welcher unter unsem Lesern ...: Ober Lichtenbergs politische 
Haltung und offentliche Parteinahme gcgeniiber der Frz. Re- 
volution vgl. zu 477, 25; iiber Ludwig XVI. vgl. zu J 564. - 
19 f Freimaurer . . . mit Winkelhaken und Schurzfell: Insignien der 
Freimaurer; vgl. auch D 597 und die Anm. dazu. - 22 Pisse- 
vache: einer der schonsten Wasserfalle in der Schweiz, Kanton 
Wallis, durch die Salance gebildet, die aus den Gletschern des 
Dent-du-Midi entsteht, ca. 70 m hoch. - 28 Veil: Sir Thomas de 
Veil (gest. 1748), Friedensrichter in London und Amtsvorgan- 
ger Henry Fieldings. - 29 Hawkins: Uber ihn vgl. zu J 199. - 
29 Nichols: Gemeint ist o.c.p. 211; iiber Nichols vgl. zu 666> 
2ofF. - 30 versichert Herr Ireland: Gemeint ist o.c. I, p. 152. - 
32 Grammatici certant: Vgl. zu 300, 27. - 33J. Satyre auf den 
Orden ... nicht auf den wahren: Gemeint ist das zeitgenossische 
Geheimbund- und Logenwesen im Gegensatz zu dem Frei- 
maurerorden, wie Lichtenberg es etwa Cagliostro vorwarf. 

724 1 den Gasthof: von mir entsprechend Lichtenbergs Druckfehler- 
verzeichnis am SchluB der Satzvorlage verb, aus: dem Gasthof. - 
2 das . . . Schild: von mir entsprechend Lichtenbergs Druckfeh- 
lerverzeichnis am SchluB der Satzvorlage verb, aus : der . . . 
Schild; vgl. auch zu 477, 34. - 3 Bagnio: Zu diesem Ausdruck 
vgl. zu 195, 4. - p Ecce signum: Siehe das Zeichen. - ijf in einen 
rechten Winkel gebogenes Schermesser: Vgl. 665, 7f. - 23 Dormi- 
torium: Schlafsaal. - 2$f mit Huhner-Gleichheit und Hahnen- 
Rechten: Vgl. zu 458, 11. - 31 f deutsche Diligence (Negligenzen 
sollte man sie ... nennen): tJber das Leidwesen der deutschen 
Postkutschen beklagt und mokiert sich Lichtenberg, der eine 
Zeitlang eine Satire dariiber plante, auch 526, 1 ; s. die Anm. da- 
zu. Diligence: Emsigkeit, Schnelligkeit, im ubertragenen Sinne: 
Postkutsche ; Negligence : Saumseligkeit. - 34 so kann man auch auf 
flying rechnen: S. Lichtenbergs Urteil iiber die Geschwindigkeit 
der engl. Postillone in TB 1 (S. 604-605). - 34 cito t ciiissime: 
schnell, sehr schnell; s. auch 748, 9. 

725 2if Earl of Cardigan .'Thomas Brudenell (Lebensdaten unbe- 
kannt). - 24 Epitaphium: Grabschrift, Grabmal. - 27/. marmor- 
nen Pantheon: Vgl. zu 719, 6. - 31 der Statiie: Vgl. 723, 2. 

726 2 Restoration: Anspielung auf die Wiederherstellung (der Mon- 
archic) durch Karl II; s. auch 722, 17. - 3 Herzog von Ancaster: 
Peregrine Bertie, 3. Duke of Ancaster (1714-1778); s. auch 
Briefe (IV, S. 258. 262). Nach Konrad Haemmerling, Hogarth, 
Dresden 1950, S. 199, befmden sich die Originalgemalde »Mit- 
tag« und »Abend« in Grimsthorpe Castle, Lincolnshire, in der 
Sammlung des Earl of Ancaster. - 4/ 57 ... 64 Guineen: Vgl. 



DER WEG DER BUHLERIN 351 

zu 40, 18. - 4 William Heathcote: Lebensdaten unbekannt; es 
handelt sich vermutlich um den Enkcl des beriihmten Lord 
Mayors von London : Sir Gilbert H. Nach Haemmerling, a, a. O. 
Seite 199, befinden sich im Besitz der Lady Heathcote die Ge- 
malde »Morgen« und »Nacht«. 



DER WEG DER BUHLERIN 



Erstveroffentlichung und Satzvorlagc: »G.C. Lichtenbergs ausfuhrliche 
Erklarung der Hogarthischen Kupferstiche, mit verkleinerten aber 
vollstandigen Copien derselben von E. Riepenhausen. Zweyte Liefe- 
rung. Gottingen im Verlag von Joh. Christ. Dieterich I795.« XV und 
376 Seiten. Auch hier folgt die S. 727 wiedergegebene Devise von 
Churchill im Original auf einer Extraseite nach dem Titelblatt. 

Zur Entstehung: Ober die Wahl des »Wegs der Buhlerin« anstelle 
der zunachst als Zweite Lieferung angekiindigten »Marriage a la mode« 
habe ich unten S. 410 genauer unterrichtet. An dieser Stelle sei eine 
AuBerung Lichtenbergs aus einem Brief an Ramberg (LB III, Nr. 662, 
S. 119) vom I9juni 1794 mitgeteilt: »Das Leben einer Liederlichen 
ist von Hogarth selbst geazt, enthalt nicht so viele ausgearbeitete Fi- 
guren [sciL wie »Marriage a la mode«] und ist daher fur Herrn Rie- 
penhausen leichter. Sub rosa: Herr Riepenhausen ist selbst ein Bis- 
chen nach der Mode verheyrathet, und verschmaht mitunter auch die 
Heldinnen des zweyten Stucks nicht. Er wird also von dem einen 
Sujet gerade nach der Seite hin abgestoBen, nach der ihn das andere 
zieht. So etwas wiirckt, zumal in den Sommer Monaten.« 

Nach einem Brief an Friedrich August Lichtenberg (IV, Nr. 672, 
S. 903) vom 22. Dezember 1794 ist »das zweite Heft in Arbeit«; vgl. 
auch SK 729 vom 27. Dezember 1794: »Viel an Hogarth geschrieben, 
und gut[e] praparatoria«; am 31. Dezember 1794 (SK 731) heiftt es 
dagegen : »Noch will es mit Hogarth nicht gehen ! !« Am 4. Januar 1795 
(SK 733): »viel Hogarth rein geschrieben abends Fini«. Am 8.Januar 
1795 sind vier Blatter der Zweiten Lieferung fertig und zwei Bogen 
von Lichtenbergs »Zerklarung« bereits »abgedruckt« (IV, Nr. 675, S. 
909). Diese Mitteilung an Ebert wird durch SK 735 vom gleichen 
Tage bestatigt: »Erster Bogen von Hogarth aus der Druckerei.« Am 
12. Marz 1795 (SK 754) korrespondiert Lichtenberg mit Prof. Arne- 
mann »wegen Hogarth« - der Briefwechsel ist nicht erhalten. Am 9. 
April endigt Lichtenberg die Fiinfte Platte der Zweiten Lieferung 
(SK 761) und kann am 18. April 1795 (SK 763) - dem Datum, das die 
Vorrede der Zweiten Lieferung tragt - feststellen: »Hogarth ganz ge- 
endigt«. 



352 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

Am 10. Mai 1795 kann Lichtenberg (s. IV, Nr. 688, S. 925 bis 926, 
und SK 773) Eschenburg die Zweite Lieferung iibersenden. Weitere 
Dedikationsexemplare gehen an Eberts Witwe (s. IV, Nr. 690, S. 927) 
am 4juni und an Goethe (s. IV, Nr. 697, S. 934, und SK 822) am 
12. Oktober 1795. Erst am 25juni 1795 (SK 792) geht ein Exemplar 
an von Trebra ab, und erst am 23. Dezember 1796 schickt Lichten- 
berg auch seinem »Vetter« Friedrich August (IV, Nr. 71 7» S. 958) ein 
Exemplar - zusammen mit der Dritten Lieferung. 

Rezensionen: Eschenburg in »Allgemeine Literatur-Zeitung« 1795, 
II, S. 596-599; Kastner in »G6ttingische Anzeigen von gelehrten Sa- 
chen« 1795, S. 857-859. 

Lichtenberg bedankt sich fiir Eschenburgs »aufmunternde« Bespre- 
chung mit Brief (LB III, Nr. 698, S. 162) vom 30.Juli 1795. 



727 2ff. Hogarth ... age. Churchill: Vgl. zu 659, 2fF. 

728 5 Weissagungen: Vgl. 668, 1 f. - 5 Michaelis-Messe vorigen Jahres; 
Sept. 1794; vgl. zu 668, 1. - 26 Krankheit: Von Riepenhausens 
Erkrankung ist sonst nichts bekannt. - 27 Kranklichkeit: Vgl. 
Lichtenbergs Begleitschreiben an Eschenburg (IV, Nr. 688, 
S. 925) vom 10. Mai 1795. »Machwerk<( nennt er seine Arbeit an 
Eschenburg (IV, Nr. 690, S. 928) am 4. Juni 1795. 

729 4 launigen Mutwillen: Zu diesem Ausdruck vgl. oben S. 322. - 
8 lachenmachender Materte: Zu dieser Wendung vgl. zu 669, 15. 
- 20 in der Vorrede . . . Ireland vorwarf: Vgl. 662, 4ff. - 24 in modo: 
in der Art und Weise. - 38 f Restaurations-Besen aufdem dritten . . . 
Blatt: Vgl. 763, 5, wo ihn Lichtenberg allerdings »Edukations- 
Besen« nennt. 

730 1 einiges . . . sechsten Blatt: Darauf kommt Lichtenberg auch 797, 
1 if. zusprechen. -gff.EinegemalteZweideutigkeit... simple Zote.. . 
uber sie spricht: Vgl. auch 763, 32. 797, nf. - 20 sitvenia verba: 
man verzeihe das Wort. - 23 Algeber: Algebra. - 28 obiter: unge- 
fahr; s. auch 801, 12. - 50/. Beifall ... Erinnerungen, womit es die 
erste Lieferung beehrt: Lichtenberg denkt vermutiich vor allem 
an Eschenburgs Rezension, die oben S. 325 angef iihrt ist. 

73 1 4 Forster: Gemeint ist Reinhold Forster ; uber ihn vgl. zu G 104. 
Sein Sohn Johann Georg Forster war 1794 gestorben. - 4 Wen- 
deborn: Ober ihn vgl. zu J 306. - 5 Archenholz: Uber ihn vgl. zu 
J 47; im iibrigen s. 189, 4. 198, 9.-5 Kuttner: Karl Gottlob 
Kuttner (1755-1805), vielseitiger Reiseschriftsteller, schrieb u. a. 
»Beytrage vornehmlich zur Kenntnis des Innern von England«, 
16 Stucke, Leipzig 1791-96. - gf. geistich: Zu dieser Schreib- 
weise vgl. zu A 139. - 22 Shakespears Enter three witches solus: 
»Drei Hexen treten auf alleinig«. Diese Biihnenanweisung ist 
aus »Macbeth«, I, 1. - 22 /. Die nachste Lieferung ...das Leben des 



DER WEG DER BUHLERIN 353 

Liederlichen: Die Dritte Lieferung »Der Weg des Liederlichen« 
erschien genau ein Jahr spater im April 1796. - 23/. Meister- 
stiick von satyrischerLaune: Tax diesem Ausdruck vgl. oben S. 322. 

- 2$ Die erste Platte ... ihrer Vollendung nah: »Erste Platte von 
Rake« notiert Lichtenberg am 23 . April 1795 (SK 765). »Von dem 
dritten Heft ist das erste Blatt nunmehr ganz fertig und recht gut 
geraten«, schreibt Lichtenberg an Eschenburg (IV, Nr. 688, 

5. 926) am 10. Mai 1795. -26 18, April 179$: Vgl. SK 763. 
732 15 Cibber: Theophilus Cibber (1703-1758), engl. Theaterdich- 

ter und Schauspieler. - 1 jf. den Menschen in dieser . . . Camera 
obscura nachzuzeichnen: Diesem Prinzip huldigte Lichtenberg 
selbst, als er Garricks Menschendarstellung als eine andere Natur 
studierte und beschrieb und nach diesem Konzept den »Orbis 
pictus« entwarf (vgl. S. 337. 345. 380). Im iibrigen ist es 
interessant, daB Lichtenberg hier von Hogarths Bilderfolge wie 
von einem Film spricht; die Camera obscura, mit der er sich 
selbst experimentell beschaftigte, erwahnt er auch D 739; s, die 
Anm. dazu. - 19 Prarogativ: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 344, 27. 

- 20 papiernen Alters der Welt: Zu dieser Wendung vgl. zu 720, 

6. Bemerkenswert ist, daB Lichtenberg noch 1795 den deutschen 
Schriftstellern den alten Vorwurf macht, nicht nach der Natur zu 
arbeiten. - 23 von einem Bogen Papier reflektiert: Zu diesem Ge- 
danken vgl. Materialheft I, Nr. 158. 159. E 406. F 513. - 29/. die 
etwas biblische Form: »Harlot« heiBt, wortlich iibersetzt: Hure; 
im iibrigen ist Hogarths Titel sicherlich bewuBte Parodie des 
beruhmten Titels von Bunyans »The Pilgrim's Progress«. In der 
Kalender-Erklzrung hat Lichtenberg das Wort Hure durchaus 
benutzt! 

73 3 J of Hogarth . . . kein Schonheits-Maler: Zu diesem Ausdruck vgl. 
oben S. 321. - 13 seine selige Frau: 1728 heiratete Hogarth Jane 
Thornhill (ca. 1709-1789), die Tochter des engl. Historien- und 
Hofmalers Sir James Thornhill. Lichtenberg erwahnt sie auch 
989, 14. Offenbar hat er sie 1775 personlich kennengelernt. - 
lp Dtenst der Ceres und Pomona: d.h. alsBauernmagd; iiber Ce- 
res vgl. zu 669, 1 1 ; Pomona : altrom. Gottin der reifenden Friichte. 

- 28 wie . . . Johnson das Wort definiert: Gemeint ist »A Dictionary 
of the English Language: In which the words are deduced from 
their Originals, And Illustrated in their Different Significations 
by Examples from the best Writers. To which are prefixed a 
History of the Language and an English Grammars, 2 Bde., Lon- 
don 1755. Das Wort Curate defmiert Johnson in Bd. 1 ; die Spal- 
ten sind unpaginiert: »A clergyman hired to perform the duties 
of another.^ Johnsons Worterbuch zitiert Lichtenberg auch 781, 
30. 821, 21. Im iibrigen vgl. zu J 811. - 38 f Miss inker Teens ... 
Schauspiel von Garrick: Ober dieses Stuck, das Lichtenberg An- 
fang Marz 1775 in London sah, vgl. zu RT 19 ; iiber Garrick vgl. 



354 HOGARTHISCHE KUPFERSTICHE 

zu KA 169. Zu der englischen Redewendung vgl. auch 750, 23 f. 
782, 16. 897, 29. 

734 1 Schnurleibchen: Schniirbrust: so hieB im i8.Jh. das - gesund- 
heitschadigende - Korsett; s. auch 896, 3. 967, 30 und L 309. - 
8 Flora: Ober sie vgl. zu 633, 1. - 10 Fortifikation: Befestigungs-, 
Festungswerk. - i2parallelen Fuflchen: Zu dieser Wendung vgl. 
zu 328, 13 f. - 2of. en rapport: in Beziehung. - 33 Roucquet sagt: 
S. o.c.p.3; iiber Roucquet vgl. 666, 2f.-36fderlaunigeBrite ... 
aus Mutwilten: Dazu vgl. oben S. 321. 322. 

735 18 Decus et tutamen: Zierde und Schutz. - 24 f die Perucke des 
Geistlichen (The Clergyman's Wig): Diese Wendung begegnet 
auch J 1049. - 27 was Perucken sind: Uber diesen Artikel auBert 
sich Lichtenberg auch 923, 36 fF.; im ubrigen vgl. zu D 256. - 
32 Linneisch: Uber Linne vgl. zu A 22; iiber die satirische An- 
wendung seiner Klassifikation vgl. zu 676, 3 5 f. 

736 if Clergyman*s Wig: Dazu vgl. 735, 24. - 3 Metastase: wortlich: 
(krankhafte) Veranderung; hier: Redefigur, durch die der Red- 
ner die Verantwortung f iir eine Sache auf einen andern iiber- 
tragt. - 19 wieLenorens Wilhelm beim Gattertor: Gemeint ist der 
tote Grenadier aus Burgers beriihmter Ballade »Lenore«, der 
seine Braut auf den Friedhof reitet ; im ubrigen vgl. zu 473 , 25 f. - 
2of. Te Deum ... schmausen: Eine ahnliche Wendung begegnet 
F 1071 ; iiber Karl Heinrich Graun vgl. zu B 191 ; iiber sein be- 
ruhmtes Tedeum (laudamus) s. F 1071. L 282. 456; s. auch 792, 
25. - 35 Woodstreet: Das Wirtshaus zur Glocke wird auch 804, 2 
und die Woodstreet auch 1057, 20 erwahnt. 

737 28 Konjunktion: Zu diesem Ausdruck vgl. zu 156, 35. 

738 17 das geschathte Feld: »geschacht«: diese Schreibweise fmdet sich 
bei Lichtenberg regelmaBig fiir: gescheckt. - 21 Familie Warren: 
Gemeint sind vermutlich die Nachfahren des beriihmten engl. 
Kaufmanns und Lord Mayors von London, Sir Ralph Warren 
(i486?-i553). - 24 Taxensammler: Steuereinnehmer. - 37/ 
Gentleman's Magazine: Gemeint ist eine von »Candide« unter- 
zeichnete Zuschrift an »Mr. Urban«, den pseudonymen Heraus- 
geber der Zeitschrift, vom 4. September 1794; iiber die Zeit- 
schrift vgl. zu A 55. 

739 5 in limbo: im Umkreis. - 7/. Steifstriimpfe : Diese Stelle dient in 
DWB X, 2, 2 als einziger Beleg des Wortes. - 14 Haarbeutel: 
Vgl. zu 672, 32. - 19 ml de Paris: SteiBpolster, welches im i8,Jh. 
bei Damenkleidern modern war. - 24J. Obrist Charters: Uber 
Francis Charters vgl. zu B 399; s. auch 782, 29. 81 2, 5. 833, 20. - 
31 hangenswert: Als Fremdwort »pendabel« gebraucht Lichten- 
berg diesen Ausdruck 740, 36. 744, 35. 941, 12. - 55 schnellen: 
im Sinne wie >prellen<, ubervorteilen, wie aus DWB hervor- 
geht, noch im i8.Jahrhundert iiblich und auch bei Immer- 
mannbelegt;s. auch 743, 33. -37 Pope: Vgl. 740, 33, -37 Swift: 



DER WEG DER BUHLERIN 355 

Die Stelle iiber Charters war von mir nicht auffindbar. - 37 j. 
Arbuthnot: Zu seinem Beitrag iiber Charters s. 741, 6; iiber 
Arbuthnot vgl. zu B 399. 

740 3/. Monstrositaten . . . studieren, die ihre Kriminalgerichtshofe . . . 
aufstellen: Wie aus den Briefen hervorgeht, hat Lichtenberg eine 
Zeitlang die »01d Bailey Trials« studiert ; vgl. Briefe (IV, S. 410). 
- 1 2 Briefe auf Nantes und Bordeaux: Die Anspielung ist unklar. - 
15J. kalter Prose: Zu diesetn Ausdruck vgl. zu 65, 4. - 23 Inter- 
essen: Vgl. zu 74, 4. - 3iff. Zweimal . . . bezahlen: Diese Passage 
notiert Lichtenberg auf englisch in einer FuBnote zu B 399. - 
33 Moral Essays: Die Dritte Epistel »To Lord Bathurst« hat das 
Thema : »Of the use of Riches«, wo Pope auch die Grabinschrift 
von Arbuthnot zitiert; iiber Pope vgl. zu A 94. Pope schreibt 
iibrigens: Charts. - 34 Herzog von Orleans, vorher Due de Chart- 
res: Ober ihn vgl, zu 719, 3 5 . - 34 Nomen est Omen : Der Name ist 
Geschick, sagt alles. - 3$ den Herzog Regenten : Philipp von Orle- 
ans (1674-1723), Herzog von Chartres, war nach dem Tode 
Ludwigs xiv. 171 5 Regent von Frankreich fiir den noch un- 
miindigen Ludwig xv. - 35/. roui ... rouable: nicht iibersetz- 
bares Wortspiel: la roue: das Rad; roue (davon abgeleitet): 
Wiistling; rouable: wert, geradert zu werden; das Wortspiel 
ist J 1251 entlehnt. - 36 pendable: hangenswert; vgl. zu 739, 31. 
Lichtenberg gebrauc